Bekenntnisse - Nina Hagen - E-Book

Bekenntnisse E-Book

Nina Hagen

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Beschreibung

Nina Hagen ist für viele »die Punkröhre«, zu Beginn ihrer Musikerinnenkarriere war sie »der Bürgerschreck« schlechthin. Wer Nina Hagen wirklich ist, weiß nur sie selbst. In ihrer Autobiografie »Bekenntnisse«, die sie nun aktualisiert und deutlich erweitert vorlegt, schreibt sie, wie sie singt: ohne Netz und doppelten Boden, aufregend, provokant, rückhaltlos authentisch. Nina Hagen redet ungeschminkt von sich und ihrem rasanten Leben auf der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn. Doch sie hat mehr zu erzählen als die übliche Mixtur aus Sex, Drugs & Rock ´n´ Roll. Nina erzählt davon, wie sie mitten in einem atheistischen Umfeld bereits sehr früh auf ein faszinierendes Wesen namens Gott stieß. Sie nimmt den Leser mit auf ein wildes Roadmovie, das in Ost-Berlin begann und an vielen Orten rund den Globus spielte und noch immer spielt: Hamburg, wohin sie ihrem Ziehvatervater Wolf Biermann folgte, Amsterdam, Paris, Los Angeles und Indien, wo sie in einem Ashram dämonische Erfahrungen machte. Nina Hagen gefällt sich nicht in äußeren Abenteuern und Erfolgen; ihr geht es um den roten Faden, die Wahrheit ihres Lebens, ihre innere, spirituelle Reise. Auf dieser Reise hat sie der Liebe, den Drogen und dem Tod ins Auge geschaut. Vor allem aber begegnete sie Gott, und sie erlebte eine unerhörte Liebesgeschichte mit Jesus – eine lovestory, die einen Anfang hat und kein Ende haben wird. »Gehst auch du weg wie all die anderen?« hatte sie Jesus einst gefragt, damals in jener Nacht, in der die Geschichte begann. Die Antwort auf diese Frage ist die Lebensgeschichte der Nina Hagen: »Nein, ich bleibe hier. Ich war immer bei dir und werde auch immer da sein.«

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 397

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Nina Hagen

Bekenntnisse

Erweiterte Neuausgabe

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Nina Hagen ist für viele »die Punkröhre«. Zu Beginn ihrer Musikerinnenkarriere war sie »der Bürgerschreck« schlechthin. In ihrer aktualisierten und deutlich erweiterten Autobiografie schreibt Nina Hagen, wie sie singt: ohne Netz und doppelten Boden, aufregend, provokant, rückhaltlos authentisch. Sie redet ungeschminkt von sich und ihrem rasanten Leben auf der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn. Nina Hagen erzählt von ihrer Kindheit in Ost-Berlin, ihrem Ziehvater Wolf Biermann und wie sie den Punk in London für sich entdeckt.

Ihre Geschichte ist ein wildes Roadmovie, in dem sie Liebe, Drogen und Einsamkeit kennenlernt. Es ist aber auch eine spirituelle Reise, deren aufregendste Erfahrung nicht im Exzess und Rock ’n’ Roll liegt, sondern in ihrer Begegnung mit Gott.

 

Mit zahlreichen, bislang unveröffentlichten Fotos.

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.bene-verlag.de

Inhaltsübersicht

Die handelnden Personen

Vorwort

Wie Nina zur Welt kommt und die Welt zu ihr. Wow, abba hallo!

Wie Nina zur Rollschuhexpertin wird, weil ihre Mama den Papa abwickelt

Wie Nina das Fliegen lernt und kurz im Paradies vorbeischaut

Wie Nina den Sex lernt und Gott lästert

Wie Nina mit dem Wolf Bekanntschaft macht und über den Jesus mit der Knarre nachdenkt

Wie Nina einmal an die große Liebe glaubt

Wie Nina aus dem Nest fällt

Wie Nina nach Polen flieht, trotzdem nicht ins Gefängnis kommt, aber Schlagernutte lernen darf

Wie Nina sich auf einem LSD-Trip mit Gottes Sohn unterhält

Wie Nina wegen Farbfilmen rebellisch wird und einen Herrn Krenz im Fahrstuhl trifft

Wie Nina das donnernde Leben sucht und es in ihrer neuen Punkfamilie findet

Wie Nina sich im Amsterdamer Schneegestöber zurechtfindet

Wie Nina die religiöse Vitrine mit einigen indischen Neuerwerbungen bestückt

Wie Nina, der Vampirkiller, in den Ozean der Gnade abtaucht

Wie Nina Levy zum Public Enemy eines Halbgottes wird

Wie Nina zu den Wassern des Lebens findet und die Wasser des Lebens zu ihr

Nachwort vom Himmel

Die handelnden Personen

In Berlin, 1979

Foto: Privat

Heinz, Annemarie und Sabinchen Adamek

Heinz Adamek, Chef des DDR-Fernsehens

 

Ariane (Ari Up)

Musikerin (»The Slits«), Punkfreundin aus London

 

Der Babaji

1984 verstorbener selbst ernannter »Gott« aus dem Himalaja

 

Rolf Berggren

Eishockeyhüne, netter Lover von Mama

 

Heinrich Böll

Mein Roth-Händle-Freund

 

Udo Lindenberg

Mein Rock- & Soulbrother

 

Herman Brood

Wilder Rockkünstler, Junkie und Frauenfresser

 

Elke Lindemann

Kinderfreundin und Spielgefährtin

 

Eva

Meine liebe Mama

 

Thomas Fuhrmeister

Die große Liebe

 

Gloria

Fürstin aus Regensburg, katholisch

 

Bylle Havemann

Busenfreundin in der Pubertät

 

Hans Oliva

Mein lieber Vater

 

Michael Heubach

»Farbfilm«-Komponist & Bandleader »Automobil«

 

Kai

Allroundkünstler, Lover & guter Freund

 

Ferdinand Karmelk

Niederländischer Rockgitarrist, Vater meiner Tochter Cosma, an Heroin gestorben

 

Karmil & Marek

Polnische LSD-Freunde, religiöse Geburtshelfer

 

Egon Krenz

DDR-Bonze & humorlose Spaßbremse

 

Lene Lovich

Meine Lieblingsrocksängerin & Freundin

 

Juliana Grigorowa-Knepler

Meine bulgarisch-Ostberliner Künstlerfreundin, Londoner Filmstudentin & spätere USA-Managerin

 

Bennett Glotzer

Mein amerikanischer Entdecker & Manager

 

Der Muniraji

Nordindischer Transportunternehmer, erst Teil-, dann Vollzeitguru, übler Controlfreak

 

Die Muschel

Nette ältere Dame im Harz, katholisch, Ersatzmami

 

Meister Nadelöhr

Kinderbezauberer

 

Die kleine Oma

Alte Dame in Berlin, die sich auf leckere Schmalzbrote verstand

 

Pastor Kalle

Mein evangelischer Taufpfarrer

 

Prem Baba

Indischer Babaji-Devotee, großväterlicher Freund

 

Jim Rakete

Fotograf und Nina-Hagen-Band-Manager

 

Dr. Rat, alias Dr. Death, alias Dr. Art

Punk, Graffitikünstler und Drogenfreak in Amsterdam

 

Sascha Kogo

Musikerin und frühere Punkfreundin

 

Shastriji

Netter alter Hindupriester

 

Gerti & Ralf, Joseph & Sibilla

Deutsche Babaji-Devotees

 

Das Tante Trudchen

Papis goldige Haushälterin, Ersatzmutter

 

Wolf Biermann

Liedermacher, Lehrer, Freund, zeitweise Ersatzpapa

Vorwort

Liebe Geschwister auf Erden!

Fünfzehn Jahre ist es her, dass meine Biografie herausgekommen ist – und das, was ich damals über mein Leben und meine sehnsuchtsvolle Suche nach Gott, meine späte Taufe und andere superspannende Erlebnisse mit dem immer präsenten göttlichen Geist im Hier und im Jetzt aufgeschrieben habe, gilt auch heute noch ganz genauso.

So viel ist seitdem geschehen!

Im Jahr 2022 sind zwei große Dinge in unserer Familie passiert: Zuerst hat meine geliebte Mama Eva-Maria Hagen im Alter von 87 Jahren ihre von Gott bestimmte Zielgerade erreicht und ist in die ewige Heimat abgeholt worden. »Wir trauern voller Sehnsucht, in Liebe und Dankbarkeit«, hatten wir als Familie damals geschrieben. Oh yes! Es ist ein Rieseneinschnitt, wenn ein geliebter Mensch plötzlich nicht mehr da ist. Aber das Leben geht immer weiter. Die eine beginnt ihr neues Leben im Himmel, und jemand Neues kommt auf die Erde: Meine Schwiegertochter Yolanda und mein Sohn Otis haben mich zum ersten Mal zur Großmama gemacht! Ich feier es total, jetzt die »Omi Nini« zu sein! 

Kann man’s denn glauben, inzwischen hab ich die 70 angekratzt – wenn mir das jemand mit 15 gesagt hätte, hätt icks nich’ für möglich gehalten, dass ich mal so alt werde. Und ein paarmal war’s ja auch ganz schön knapp. Aber ich darf noch leben. Gott schenkt mir so viel Liebe. Ich kann für andere da sein und sie glücklich machen, ich kann meine Stimme erheben für den Frieden und die Liebe und Gerechtigkeit in unserer Welt, ich kann Unrecht anklagen – und vor allem kann ich weiter die allerschönste Musik von allen machen, nämlich Gospelmusik mit der frohen Botschaft!

Neulich hat mich mal wieder jemand vorgestellt als »Nina Hagen, bekannt als Punksängerin«. Ja, The Lady is a Punk und wird’s auch immer bleiben, aber vor allem möchte ich als Gospelsängerin bekannt sein, als Frau mit Hippieherzen, als Friedensbotschafterin, denn das ist meine wichtigste Message – Friede auf Erden!

Und übrigens schließt sich doch wieder jeder Kreis, denn mal ehrlich, wer hat denn den Rock ’n’ Roll erfunden? Es war Sister Rosetta Tharpe, die auch ursprünglich vom Gospel kam!

Mein erstes Gospelalbum »Personal Jesus«, das 2010 erschienen ist, habe ich mit meinen zusammengekratzten Ersparnissen finanziert, weil ich so überzeugt davon war und immer noch bin. Es wurde mit einer Top-20-Platzierung belohnt und kriegte so schöne Bewertungen wie: »Es ist vor allem Nina Hagens Stimme, die das Album trägt. Eine Stimme, die eine Kathedrale zum Erzittern und einen herzlosen Menschen zum Weinen bringen könnte«, »Spielt diese CD regelmäßig in der Kirche! Dann gehe ich auch öfter hin«, oder: »Niemand, der Jesus nicht persönlich erlebt hat, kann solche Texte wiedergeben – das kann nur jemand, der die Person Jesus mit eigenen Augen gesehen hat. Was sie singt, exakt das habe ich auch erlebt (…). Nina Hagen zeigt uns die lebendige Beziehung zu unserem Gott und Retter so, wie Er es sich für uns wünscht: erfrischend, lebendig, voll Jubel, Überraschung und Staunen über Ihn.«

Übrigens, 2025, ist »Personal Jesus« erstmals auf Vinyl inklusive Bonustrack rausgekommen – genau fünfzehn Jahre nach der Erstveröffentlichung. Der Bonustrack trägt den Titel »I Am Born To Preach The Gospel« und ist ein Cover von Washington Phillips.

Hallelooooya!

Mit diesem Album bin ich dann ganz oft in Kirchen, Theatern und überall auf Tournee gegangen, wo man mich gelassen hat, und es war einfach wunderbar. Mein Gebet vor jedem Auftritt ist immer noch, in bester Hagen-Tradition: »Lieber Gott, wir haben Schiss, bitte gib uns die Macht zu geben dem Publikum den Bliss.«

*

Manchmal lernt man ja die liebsten Freunde kennen, wenn man gar nicht damit rechnet – so war es bei mir mit den wunderbaren Leuten vom Contergannetzwerk Deutschland e.V. So viele liebe Menschen, die für mich wirklich wie Geschwister geworden sind. Immer wieder lud ich sie zu Konzerten ein, besuchte deren Veranstaltungen und trat auf dem Conterganopfer-Requiem 2012 auf. Auf meinem eigenen Neujahrskonzert 2012 machte ich das Contergannetzwerk Deutschland e.V. mit den Nöten der Geschädigten zu einem Schwerpunktthema und interviewte Betroffene auf der Bühne – denn da ist wirklich viel Unrecht geschehen. Die Firma, die damals dieses fiese Medikament auf den Markt brachte, hatte die Opfer damals noch immer nicht angemessen entschädigt. Da bekamen die es aber mit mir zu tun! Jede(r) Miteigentümer(in) wurde von mir mit einem Appell an die Menschlichkeit und den Glauben persönlich angeschrieben, endlich das Problem der Unterversorgung der Conterganopfer anzugehen. Ich hoffe, damit konnte ich ein wenig dazu beitragen, dass seit 2013 endlich den Geschädigten einigermaßen anständige Renten zuerkannt wurden.

Seit 2011 bin ich Ehrenmitglied des Contergannetzwerks – und stolz drauf!

*

Dann fragte mich meine Plattenfirma, ob ich denn schon bereit sei für das nächste Album – aber: »Bitte endlich mal wieder auf Deutsch!«

Aber na klar war ich das, und so entstand das Album VOLKSBEAT, das Ende 2011 veröffentlicht wurde – ein Gospel-Rock-Punk&Soul-Album mit deutschen Texten und auch mit vielen tollen Gospelsongs, die ich aus dem Englischen ins Deutsche übertragen habe, unter anderem »Sweet sweet song of salvation« von Larry Norman (Süßes süßes Lied der Errettung) oder Bob Dylans »Another Cup Of Coffee« (»Noch ein Tässchen Kaffee«), Solomon Burkes »None of us are free« (»Keiner von uns ist frei«) und viele tolle Gospel- und Freiheitslieder mehr …

Dann sollte es mit VOLKSBEAT wieder auf große Tournee gehen, und ich war voller Vorfreude, doch dann habe ich eine falsche Entscheidung getroffen und eine verhaltensgestörte Katze aufgenommen. Die Besitzerin hatte mich ausdrücklich vorgewarnt, dass diese Katze sehr aggressiv sei, und so kurz vor der Tournee machte es auch gar keinen Sinn. Doch so geschah es, dass diese arme, verhaltensgestörte und wunderschöne schwarze Katze kurz nach ihrem Erscheinen in meiner kleinen Wohnung einen Riesenschreck bekam, als ich – für sie unerwartet – um die Ecke bog. Sie schmiss sich an mein Bein und biss sich dort fest!

AU WEH – das tat nicht nur sehr weh, sondern war auch sehr gefährlich, wie ich dann am eigenen Leib erfahren musste. Die arme Katze wurde wieder abgeholt – aber meine tiefe Wunde wurde nicht sofort und nicht richtig versorgt, und so entzündete sie sich sehr heftig. Es drohte ein Krankenhausaufenthalt, eine OP, ja sogar der Verlust des Beins oder gar meines Lebens!

Mein wundervoller Hausarzt kam dann sage und schreibe sechs lange Wochen jeden Abend für eine gute Stunde zu mir nach Hause, um mich vor einer Bein-Amputation zu bewahren, indem er meisterhaft die schlimme Wunde an meinem linken Bein reinigte und versorgte!

Die Tournee musste abgesagt werden; es ging wirklich nicht anders, denn ich war vollgedröhnt mit Antibiotika und humpelte höchstens mit schmerzverzerrtem Gesicht aufs Klo… Ach, ich war so traurig darüber, dass ich mein Publikum so schlimm enttäuschen musste.

Während der sechs Wochen, in denen der wunderbare Arzt jeden Abend sorgfältig meine lebensgefährliche Katzenbiss-Wunde versorgte, hatte ich viel Zeit und las unter anderem das Tagebuch der Maria Faustyna Kowalska, einer polnischen Ordensschwester, der in angeblichen Visionen Jesus erschienen war. Das klang ja erst mal sehr spannend, hatte ich doch selbst so eine Jesusbegegnung gehabt (siehe Kapitel 9), aber als ich das Buch las, kam ich schnell zu dem Schluss, dass diese arme junge Frau von einem immer wiederkehrenden Albtraum-Plagegeist gequält wurde, der behauptete, dass er der wahre Christus sei und dass sie von ihm auserkoren wurde, seine Botschaften zu empfangen. Aber so, wie ich das sehe, hat dieser Quälgeist nur sein krankes und bitterböses Spiel mit ihr getrieben. Dieses albtraumartige Unwesen befahl ihr, ihren kirchlichen Vorgesetzten und der Welt verschiedene unbiblische Dinge zu verkünden, unter anderem, dass ihre Kirche einen Maler beauftragen möge, der ein Bildnis von dem angeblichen Jesus Christus anfertigen lassen sollte, das dann an einem bestimmten katholischen Feiertag als Monstranz auf den Straßen herumgetragen werden sollte – was die katholische Kirche auch zuließ. Und so entstand dann dieser allseits bekannte und berüchtigte Kult um das kitschige Jesusbild, auf dem der angeblich wahre Jesus Christus seine Brust aufreißt und ein verstrahltes Herz zutage tritt …

Nicht umsonst war diese ganze Sache lange Zeit auch in der katholischen Kirche sehr umstritten, bis Papst Johannes Paul II. das rumdrehte und Faustina sogar heiligsprach. Aber trotzdem sehen viele Leute ihre Story bis heute kritisch.

Dass bei mir sofort sämtliche Alarmglocken bimmelten, hat sicher etwas mit meiner eigenen Geschichte zu tun – hatte ich mich doch erfolgreich von den Lügengurus aus den Ashrams in Haidhakan und Chilanola in Indien distanziert und nun entsprechend empfindliche Antennen für jede Art von Irrlehren und geistlichem Missbrauch.

In aller Liebe zu den betroffenen Menschen distanziere ich mich von dieser Art von Religiosität. Aus meiner Sicht haben die Menschen um die arme Faustyna sträflich zugelassen, dass es dieser jungen Ordensfrau immer schlechter ging. Sie haben ihr die Hilfe verweigert, die sie dringend gebraucht hätte, und so musste sie weiter unter ihrer akuten Schlaflosigkeit und ihrer Magersucht leiden, die womöglich erst zu ihren Wahnvorstellungen und ihrem inneren Getriebensein geführt hatten. Im Gegenteil, sie wurde von ihren katholischen Vorgesetzten noch ermutigt, weiterzumachen und alles aufzuschreiben, was dieser Quälgeist ihr diktierte. Kein Wunder, dass Faustyna schon mit Anfang 30 verstarb.

Nach meinem Verständnis ist es komplett unbiblisch und daher auch unchristlich, so etwas auch noch zu unterstützen und zu verherrlichen. Das zweite Gebot besagt ganz klar, dass wir uns von Gott besser KEIN Bildnis machen sollten: »Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!« (2. Mose 20,4–6). Dahinter steht die Warnung, dass die Vorstellung von Gott durch ein menschliches, materielles Bild verfälscht und reduziert werden könnte.

Und meine Erfahrung lehrt mich: Wenn ich auf etwas stoße, das mir komisch vorkommt, hilft alles nix, außer ganz eng mit Jesus in Verbindung zu sein, ihn um seine Führung zu bitten und sich immer neu in die Bibel zu vertiefen. Denn nur, was vor Gottes heiligem Wort Bestand hat, soll und darf auch unser Leben bestim-men – weil es das einzig Gesunde und Heilsame ist und nicht in immer mehr Verdrehtheit führt, sondern in die Freiheit.

»Nehmt euch in Acht vor denen, die in Gottes Namen auftreten und falsche Lehren verbreiten! Sie kommen zu euch, getarnt als Schafe, aber in Wirklichkeit sind sie reißende Wölfe.« (Matthäus 7,15)

»Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind! Denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgegangen.« (1. Johannes 4,1)

Amen!

Ich bin da sehr sensibilisiert, weil ich mich schon viele Jahre mit dem Thema »tatsächliche und angebliche Geisteskrankheit« befasse. Mein eigener Großvater Hermann Hagen hatte versucht, sich mit einer freiwilligen Einweisung in eine Nervenklinik vor dem Zugriff der Nazis zu retten, während er auf eine Fluchtmöglichkeit aus Deutschland wartete …

Eine sehr riskante Sache, denn ab 1939 wurden durch die T4-Aktion der Nazis und deren ärztliche Massenmörder in den Gaskammern der Psychiatrien und später durch Giftspritzen und Verhungernlassen bis ins Jahr 1948 hinein etwa 300000 Menschen ermordet.

 

Auch in der DDR gab es Folter und Zwangspsychiatrie: Dietrich Koch, leider mittlerweile verstorben, war ein deutscher Menschenrechtsaktivist, Physiker, Philosoph und Autor sowie ein Oppositioneller und politischer Gefangener in der DDR. Aus Protest gegen die Sprengung der Leipziger Universitätskirche St. Pauli im Jahr 1968 hatten fünf junge Physiker ein Plakat mit der Forderung nach Wiederaufbau entrollt. Dietrich Koch war der Einzige, der wegen seiner Beteiligung daran verurteilt wurde. Jahrelang wurde er gegen seinen Willen mit schweren Psychopharmaka in einen halb toten Zustand versetzt und musste mit unsagbar schrecklichen Folgeschäden leben. Ich durfte ihn 2013 bei unserer Mahnwache für Gustl Mollath kennenlernen.

Gustl Mollath wiederum war nach einer Straftat wegen angeblicher Wahnvorstellungen ohne richtige Untersuchung in der forensischen Psychiatrie gelandet und wurde dort sieben Jahre lang festgehalten. 2014 kam er endlich frei. Nachdem ich mich für Gustl Mollaths Freilassung eingesetzt hatte, erfuhr ich von Ilona Haslbauer, die wegen eines Delikts, für das ihr das Gericht zunächst »nur« vier Monate Haft aufgebrummt hatte, durch eine Reihe von willkürlichen Entscheidungen in der geschlossenen Psychiatrie gelandet war. Dort wurde sie unter anderem 25 Stunden ans Bett gefesselt und in ihrem Urin liegen gelassen. Sie war eigentlich Lyrikerin und Kabarettistin. Ich konnte das einfach nicht so hinnehmen und fing an, regelmäßig mit ihr zu telefonieren. Mit Konzerten und Mahnwachen kämpfte ich für ihre Freilassung.

Durch all das habe ich tiefen Einblick in die Gesetzgebung bekommen und erfahren, dass man hierzulande »dank« willkürlicher psychiatrischer »Diagnonsense« nach einer Straftat durch den § 63 Strafgesetzbuch nicht nur im Vergleich zum Regelvollzug ein Mehrfaches an Zeit eingesperrt werden, sondern praktisch jederzeit folterartig mit starken Psychodrogen zwangsbehandelt werden kann. Die Storys von Gustl Mollath und Ilona Haslbauer kann man im Netz nachlesen.

Weil mich all diese schlimmen Geschichten so mitgenommen und wütend gemacht haben – und ich der Meinung bin, dass Wut ein super Antrieb ist, etwas zu verändern –, bin ich Schirmfrau einer speziellen Patientenverfügung mit eingebauter Vorsorgevollmacht geworden, die Menschen vor Missbrauch und Entmündigung schützt. Wer mehr wissen will: www.patverfue.de

*

Ich bin jedenfalls immer weiter am biblischen Thema geblieben und habe noch einen anderen Menschen mit einbezogen, der mir sehr wichtig ist: Bertolt Brecht. Seine Verse habe ich praktisch schon mit der Muttermilch aufgesogen und später von Wolf Biermann weiter eingeimpft bekommen. Schon mit 11 Jahren war ich Stammgast im Berliner Ensemble. Für 55 Pfennig auf’m zweiten Rang und immer ein bisschen auf älter geschminkt. Das war meine Grundausbildung: Brecht!

Später entwickelte ich das Programm »Brecht und die Bibel« mit Brecht-Liedern zur Klampfe, Gedichten und politisches Kabarett, gemischt mit meinen Gospelsongs. Im VOLKSBEAT-Album hatte ich schon die beiden Brecht-Texte »Bitten der Kinder« und »An meine Landsleute« neu vertont, ebenso wie später »Hosianna Rockefeller« und die traurig-satirische »Die Legende der Dirne Evelyn Roe« – und irgendwann wird es auch ein Brecht-Album geben, das steht schon auf meiner großen To-do-Wunschliste.

Und ja, auch wenn der geneigte Leser jetzt erst mal die Augenbrauen hochzieht: Brecht und die Bibel, das passt wunderbar zusammen! Brecht hat nämlich sein großes Interesse an der Bibel selbst bestätigt. 1928 fragte das Ullstein-Magazin »Die Dame« nach dem Erfolg der Dreigroschenoper für seine Beilage »Die losen Blätter«: »Welches Buch hat Ihnen in Ihrem Leben den meisten Eindruck gemacht?« Und Brecht antwortete: »Sie werden lachen: die Bibel!«

Das überrascht vielleicht, weil Brecht bekanntlich eine atheistische Haltung hatte. Aber die Bibel war für Brecht eine Quelle für literarische Inspiration und eine Möglichkeit, sich mit religiösen Themen auseinanderzusetzen.

Mit erst 15 Jahren hat er das Drama »Die Bibel« für die Schülerzeitung »Die Ernte« verfasst, die er auch herausgab. 1926 sagte er zu E. Hauptmann, dass er seine Art zu erzählen von seiner Großmutter habe, die wunderbar erzählt habe, besonders aus der Bibel. Und mit 18 schrieb er in sein Tagebuch: »Ich lese die Bibel, ich lese sie laut, kapitelweise, aber ohne auszusetzen, Hiob und die Könige. Sie ist unvergleichlich schön, stark.« Nach dem Besuch eines Passionsspiels in Augsburg notierte er: »… gewisse Bibelworte (sind) nicht totzukriegen. Sie gehen durch und durch. Man sitzt unter Schauern, die einem, unter der Haut, den Rücken lang herunterstreichen, wie bei der Liebe.«1

Sein ganzes Schaffen über hat er sich intensiv mit der Bibel auseinandergesetzt, sich an ihr gerieben, sie mit eigenen Psalmen fortgeschrieben, sie in verschiedensten seiner Werke zitiert, persifliert, als Moralsystem für seine eigenen sozialen Anliegen hergenommen. »Wach auf, du verrotteter Christ!«, so beginnt der Morgenchoral des Mr. Peachum in der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weill:

Wach auf, du verrotteter Christ!Mach dich an dein sündiges Leben,zeig, was für ein Schurke du bist,der Herr wird es dir dann schon geben.Verkauf deinen Bruder, du Schuft!Verschacher dein Eh’weib, du Wicht!Der Herrgott, für dich ist er Luft?Er zeigt dir’s beim Jüngsten Gericht.

 

Und weiter:

Ein guter Mensch sein,

Ja, wer wär’s nicht gern?

Sein Gut den Armen geben, warum nicht?

Wenn alle gut sind, ist sein Reich nicht fern.

Wer säße nicht sehr gern in seinem Licht?

Ein guter Mensch sein? Ja, wer wär’s nicht gern?

Doch leider sind auf diesem Sterne eben

Die Mittel kärglich und die Menschen roh.

Wer möchte nicht in Fried und Eintracht leben?

Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so!2

 

Er schrieb auch Gedichte wie »Die gute Nacht« über die Geburt Jesu oder »Gethsemaneh« über die Zweifel von Jesus im Garten Gethsemane. Bert Brecht hat die Bibel und das Christentum immer satirisch auf die Schippe genommen, aber er hat nie die Lehren von Jesus kritisiert, sondern immer nur die heuchlerische oder gewaltvolle Art, wie seine Anhänger und besonders die Kirche sie ausleben – und da gab und gibt es ja auch viel zu kritisieren.

Auf jeden Fall gibt es im Werk vom guten Bert viel Spannendes zu entdecken über Gott und die Bibel. Und man fragt sich: »Hat Brecht von der Bibel Besitz ergriffen oder die Bibel von Brecht?« Das Programm mit dieser Frage brachte mir zahllose Auftritte und sehr viel Freude.

*

Schon früh hatte ich das Privileg, in einigen richtig guten Filmen mitzuwirken, zum Beispiel 1979 in »Bildnis einer Trinkerin« von Ulrike Ottinger oder in »Lilien in der Bank« von Marianne Rosenbaum, später dann in den »7-Zwerge«-Filmen von Otto, zusammen mit meiner lieben Tochter Cosma – was für ein Spaß! Und auch als Synchronsprecherin durfte ich bei vielen tollen Produktionen mitwirken.

Die ganze Zeit habe ich aber schon auf etwas ganz Großes hingearbeitet, nämlich auf die Krönung meines Lebens: ein brandneues Gospelalbum ist in the making und wird 2026 bei Grönland Records erscheinen: »Nina Hagen – Highway to heaven«! Es ist sozusagen mein Testament an mein Publikum, ein Stück von meinem Herzen und meiner Seele. Ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen auf die Reaktionen! Es ist so großartig, dass ich das noch mal abliefern darf, denn in unserer säkularen Welt ist es schwer, mit Gospelmusik zu punkten.

Soweit ich weiß, gibt es keinen deutschen Weltstar, der überall (na gut, ich war natürlich nicht überall, aber doch ganz schön weit draußen!) bekannt ist und sein Leben lang Konzerte nicht nur in Europa, sondern auch in Süd- und Nordamerika gegeben hat uuuuund: Gospel macht. Außer vielleicht Gitte Haenning und Nana Mouskouri, die ab und zu mal einen Gospel singen.

Ich würde mich seeehhhrrrr freuen, wenn ich da eine Vorreiterin sein und anderen großartigen Sängern Mut machen könnte, mit mir auf den Gospeltrain aufzuspringen. Wir haben so tolle afroamerikanische und andere Vorbilder! Und ich finde: Wer nicht mal einen Gospelsong singt, der hat noch nicht gesungen. Alle Schlager- oder Popsänger sollten mal wenigstens einen Gospel zelebrieren in ihrem Leben!

Wenn ich als Gastsängerin bei anderen Künstlern mit Gospelsongs aufgetreten bin, haben die Zuhörer immer gestaunt, aber ausgebuht haben sie mich auch nicht. Einmal hat auf Facebook eine Band über mich geschrieben. »Leute, die missionieren, sind uns suspekt«, und denen habe ich erst mal erklärt: »Jesus und ich, wir kommen im Doppelpack. Als Siebzehnjährige war ich Selbstmordkandidatin, aber Jesus hat mir Mut gemacht und hat mir ein neues Leben geschenkt und mich weg vom Abgrund gelenkt und mir die Ketten gesprengt. Mein ganzes Leben gehe ich schon mit Jesus und nicht erst seit gestern oder vorgestern. Und ich lass mir doch nicht den Mund verbieten, sondern erzähle überall und immer, was er für mich getan hat!«

Und so freue ich mich wie BOLLE AM LEIERKASTEN, dass ich noch das weitertragen kann, um was es geht im Leben – um die LIEBE: die Nächstenliebe.

Ich wünsche mir, dass wir Christens nur noch wegen unserer Liebe berühmt werden! Liebe für alles, was Gott gemacht hat. Liebe ist die einzige Waffe, die was taugt. Wir sollen uns lieben und solidarisch sein. Lieben, lieben und nochmals lieben. Gottes Schöpfung bewahren! Dann den Nächsten so lieben und respektieren, wie ich Jesus Christus respektiere und liebe! Und nicht bloß dann, wenn mir ein Mensch sympathisch ist, die »richtige« Partei wählt, die »richtigen« Bücher liest und die »richtige« Musik hört. Det ist nich’ Nächstenliebe!

*

Zurzeit toben wieder einmal schreckliche Kämpfe, die es auf unseren Geist und auf unseren gesunden Menschenverstand abgesehen haben, Menschen richten wieder unversöhnliche und feindliche Brandmauern gegeneinander auf, gegen die es unsagbar schwer ist, ein gutes Wort der Versöhnung und Wiedergutmachung auszusprechen. Und leider gibt es viele Menschen, die das schreckliche Ereignis des Attentats auf Charlie Kirk in den USA zum Anlass nahmen, um nur noch immer mehr Zwietracht zu säen, und zwar auf beiden Seiten der Links/Rechts-Thematik!

 

Auch bei den Debatten um die Beendigung der endlosen Kriege, die auf unserem Planeten wüten, kommen die Menschen nicht auf einen gemeinsamen Nenner, sondern beleidigen und bedrohen sich mehr und mehr. Kriegstauglichkeit und militärische Aufrüstung stehen hoch im Kurs; Waffenstillstände und Diplomatie sind nicht in Aussicht, sie werden nicht mehr in Betracht gezogen. Und Menschen, die sich für friedensschaffende Möglichkeiten – ohne Gewalt! – einsetzen, werden verlacht, beleidigt, durch den Kakao gezogen und ausgegrenzt.

Dabei hat es Erika Kirk, die Witwe von Charlie, doch schon auf den Punkt gebracht, um was es geht, als sie bei seiner Trauerfeier sagte: »Ich vergebe seinem Mörder, weil es das ist, was Jesus getan hat, und weil es das ist, was Charlie getan hätte. Die Antwort auf Hass ist nicht Hass. Die Antwort ist immer Liebe, sogar Liebe zu unseren Feinden und Liebe zu denen, die uns verfolgen.«

AMEN, SISTER ERIKA!

 

We Shall Overcome!

We Are Not Afraid!

We Are Not Alone!

The Truth Will Set Us Free!

We Walk Hand In Hand!

The Lord Will See Us Through!

Black And White Together!

We Shall All Be Free!

Let Nobody Turn Us Around:

Voices of Resistance, Reform and Renewal.

Und nur dass das klar ist: Sogenannter »christlicher Nationalismus« ist überhaupt nicht christlich, weil es Politikerinnen und Politiker betrifft, die nur behaupten, Christen zu sein. In Wahrheit aber folgen und repräsentieren sie die Lehren Christi keineswegs – wie sie es sogar öffentlich mit der Wahl ihrer eigenen Worte und Handlungen eingestehen.

 

Wie können wir uns denn gegen die Gedanken um Hass, Vergeltung und Spaltung wehren, die sich immer in unsere Köpfe drängen, wenn wir gerade mal nicht aufpassen?

Für uns bedingungslos geliebten Kinder Gottes, die wir zu Jesus gehören, ist es ganz wunderbar und wichtig, jeden neuen Tag mit einem kleinen Gebet und Bibelstudium anzufangen, und das teile ich riesig gerne … denn es ist mein Herzensanliegen: weil Jesus und Sein biblisches Wort in meinem Herzen zu Hause sind und dort L E B E N! Ohne Gottes Wort mit Christus & Seinem Heiligen Geist in den Tag zu starten, das passiert bei mir nicht mehr! Auch wenn es nur eine kurze Bibelstelle ist, die ich morgens lese und drüber nachdenke, ich bin mit unserem Schöpfer verbunden! Und dann ist mir auch präsent, was er von mir und von uns möchte.

 

Die Heilige Bibel ist das »scharfe Schwert«: das Wort Gottes, welches auch als das »Schwert des Geistes« bezeichnet wird und in Epheser 6,17 und Hebräer 4,12 beschrieben ist. Dieses »zweischneidige Schwert« ist lebendig, wirksam und durchdringt Gedanken und Absichten, um die Wahrheit von den Lügen zu trennen und spirituelle Kämpfe zu gewinnen.

Es gibt so viele verschiedene Institutionen, die sich alle als christlich bezeichnen… und ich kann ja nur für mich selbst sprechen: Ich hoffe, dass ich Jesus Christus und Seine biblischen Lehren und Botschaften, in Liebe und durch Wort und Tat gut vertreten, weitergeben und weitervermitteln kann, so, wie es Seinem Willen und Wohlgefallen entspricht.

Denn: »Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.« (1. Johannes 4,16b)

Um das zu begreifen, da hilft nur das Lesen und Studieren in der Bibel. Dort lernen wir auch, dass wir auf unsere Herzen aufpassen und gegenseitig auf sie achtgeben sollen und müssen – in Sprüche 4,23 –, weil das Herz die Quelle des Lebens und der Entscheidungen ist: Das »Herz« ist das Zentrum unserer Gedanken, Gefühle, Werte und inneren Motive. Entweder ist unser Herz von negativen Dingen wie Bitterkeit, Zorn, Stolz oder Egoismus geprägt – oder es ist auf Gott ausgerichtet, rein und voller Zuversicht und Lebensfülle.

Und dann: Einfach das machen, was Jesus auch machen würde! Wenn das mal so einfach wäre, ich weiß. Die Leute, die andere lieben und die Wahrheit sagen, sind die Ausgestoßenen der Gesellschaft oder werden nicht ernst genommen, genau wie Jesus. Und die, die Lügen, Kriege betreiben, Land und Menschen verseuchen, die Schöpfung genetisch manipulieren, sie mit Weltraum-, Nuklear- und Nano-Müll kontaminieren, die haben heute immer noch das Sagen wie damals. Machen wir ihnen endlich ein schönes Kreuz durch ihre Rechnung!

Hier auf Erden gibt es noch sehr viel zu tun, und die Wahrheit will ans LICHT! Ich rufe euch zu: Habt KEINE ANGST VOR DEM BÖSEN IN DIESER WELT! JESUS LEHRT UNS, DASS DIE WAHRHEIT UNS FREI MACHEN WIRD! Und mit Dr. Martin Luther Kings Worten rufe ich euch zu: »We shall overcome!« Ich glaube ganz fest, dass wir Menschen ein unsagbar wertvolles Geschenk auswickeln dürfen: Gottes treue, ewige Liebe & Wahrheit im JETZT und HIER.

Ich bin jeden Tag im Gebet mit meinem geliebten Jesus verbunden und immer frohen Mutes, weil ich so dankbar bin, dass er bei mir ist und ich mein Leben mit ihm verbringen kann. Das ist das Beste, was es auf Erden und darüber hinaus gibt, und ich wünsche jedem Menschen, auch dieses Glück zu empfinden.

 

Eure Ninafür alle Leute guten Willens

 

Und weil ich’s nicht schöner sagen könnte, zum guten Schluss noch die von mir verfasste und noch unveröffentlichte deutsche Version von Jim Reeves’ Song »This world is not my home«:

Ich bin hier nicht zu Haus

Die Welt ist nicht mein Heim

Ich reise durch die Zeit

meine Schätze sind verteilt.

Die Engel rufen: »Nina,

du fehlst uns so.« Na prima.

Ich fühl mich nicht mehr wohl

in dieser Welt voll Alkohol.

 

Die Engel freuen sich sehr

auf dich und mich und mehr.

Im Heimatland der Seelen,

da klingt’s aus vollen Kehlen:

Der Retter hat gegeben

für dich und mich sein Leben.

Er führt uns sicher heim

in Gottes Reich voll Sonnenschein.

 

Mein Gott, du weißt,

du bist mein bester Freund.

Wer dich nicht kennen will,

der hat den Daseinsgrund versäumt.

Du bringst uns alles bei,

du bleibst uns ewig treu.

Unendlich ich mich freu,

Gott macht Altes wieder neu.

 

Er befreit uns von der Welt

Die besteht aus Krieg und Geld

Er führt uns sicher rüber

Ins Heimatland der Lieder

Da, wo wir ewig leben

und nie mehr sterben mögen

Ins Heimatland der Seelen

Die sich mit Gott vermählen

 

Ich bin hier nicht zu Haus

Die Welt ist nicht mein Heim

Ich reise durch die Zeit

meine Schätze sind verteilt.

Die Engel rufen: »Nina,

du fehlst uns so.« Na prima.

Ich hab hier nur verweilt

Ein Kind der Ewigkeit

 

Mein Gott, du weißt

Es gibt keinen Freund wie dich

Wer dich nicht kennen will

Den lässt du trotzdem nicht im Stich

Du bringst uns alles bei

Und bleibst uns ewig treu

Unendlich ich mich freu

Gott macht Altes wieder neu

Und er holt uns hier heil raus

Und macht dem Bösen den Garaus.

Et cetera bäng, bäng! Aber mit Gitarren statt mit Knarren!

1. KAPITEL

Wie Nina zur Welt kommt und die Welt zu ihr. Wow, abba hallo!

Nina mit Vater Hans und Mutter Eva-Maria im Frühjahr 1955

Foto: Privat

Das Lied Riders on the storm von The Doors finde ich stark.Als Reiter auf dem Sturm der Geburtswehen unserer Mütter werden wir geboren und auf diese Erde geworfen, ohne dass wir uns aussuchen können, wie oder wann oder wo. Waaahnsinn!! Und warum? Weil wir geliebte Kinder eines lebendigen Gottes sind. Wir kommen hier ans Licht der Welt als unglaublich süße, kleine, schutzbedürftige Menschenwesen. An das Licht der Welt. Jesus sagt das von sich: Ich bin das Licht der Welt! Aber es gibt hier auf diesem Planeten einen richtig bösen »Killer on the road«, wie es The Doors in »Riders on the storm« beschrieben haben, einen bösen Killer, vor dem wir uns in Acht nehmen müssen. Das »Licht der Welt« warnt uns: Er kommt »wie ein Wolf im Schafspelz«, und wir dürfen ihm keine Mitfahrgelegenheit bieten! Sondern die Stirn!

Als mein erstes Kind auf die Welt kam, da habe ich ihm ein Lied geschrieben – »Cosma Shiva«:

Wir sind die Menschen auf der Erde,alle voll drauf auf Total-Beschwerde.Alle sind sie böse und dumm,wissen aber nicht, warum.Liebster GOTT in space,wenn wir dich treffen face to face,dann gibt’s nichts mehr zu jammern!

 

Am Ende des Liedes hört man Baby Cosmas glückliches Glucksen. Ich sage zu ihr: »Gott ist dein Vater« – und die Kleine sagt: »Da-daa: ABBA!«

Und so kommen einige Sturmreiter in Krankenhäusern an der kalifornischen Westküste ans Licht der Welt, einige – so wie ich – in einem Krankenhaus im Ostteil einer zerrissenen deutschen Stadt, andere kommen bei adligen Familien und in prächtigen Häusern zur Welt, andere schlüpfen in einer staubigen Hütte am Fuß des Himalaja aus dem Mutterleib, und für wieder andere beginnt der erste Tag ihres Lebens in einem Stall, weil für sie kein Platz mehr bei den Menschen ist. Bei Jesu Geburt war es so, dass kein Mensch so eine arme, herumziehende jüdische Familie mit einer hochschwangeren Frau aufnehmen wollte, bei der auch noch jeden Moment die »Wellen auf dem Sturm« losgehen würden. Sie fanden Zuflucht bei den Tieren. In einem Stall in Bethlehem. Ich spreche natürlich von der Geburt Jesu. JESUS! Das Licht der Welt! Die Geburt Christi auf diesem Planeten, davon bin ich fest überzeugt, hat eine noch viel größere Bedeutung für alle von uns, als wir es uns im Moment überhaupt vorstellen können. Aber davon später mehr.

Wir alle sind also die Kinder von Eltern, die wir nie zuvor sahen; wir machen die Augen auf und entdecken die Welt, in die uns der Zufall hineinversetzt hat? Zufall? Nein. Ich glaube nicht an den Zufall. Aber ich glaube an Gott, oh ja, hipp, hipp, hurra! Und ich glaube daran, dass die originellsten himmlischen Pläne für uns existieren, solche, die uns nicht einmal im Traum einfallen würden. Ich glaube, dass es seine wunderbare göttliche Richtigkeit hatte mit all den irre komplizierten Familien-, Liebes-und Schicksalsgeschichten, die endlich dazu führten, dass ich, Catharina »Nina« Hagen, in den Märztagen des Jahres 1955 im Ostberliner Stadtteil Friedrichshain geboren wurde, geboren auf den Ruinen eines schlimmen Weltkrieges, geboren durch die Lust und den Lebenswillen meiner Eltern. Das sind die banalen Fakten. Doch Fakt ist: Das Leben ist nicht banal!

Mich, Nina Hagen, gibt es, weil ich von jenseits der Stürme und der Sterne her und von jenseits der Zeit gewollt und gewünscht bin. Wie simpel die Leute doch denken, wenn sie sagen: Komm, wir machen Liebe, oder: Lass uns ein Kind machen! Man kann nicht Liebe »machen«, und schon gar nicht Kinder. Ich existiere doch nicht, weil mich meine Eltern wollten. Vielleicht wollten sie mich ja gar nicht; vielleicht hatten sie nur am richtigen oder falschen Tag Sex. Nein, ich bin nicht das Produkt meiner Eltern, nicht die Summe ihrer genetischen Eigenschaften. Ich bin ihr Kind; das ist etwas ganz anderes. Ein Kind ist nämlich ein Wunder. Und so bestehe ich heute darauf: Ich bin eine himmlische Idee, ein bester Gedanke Gottes, ein Teil Seiner großen Liebe zu uns Menschen. Gott wollte mich von Ewigkeit her. Er hat mich mit seiner ewigen Liebe geliebt, die keinen Anfang und kein Ende kennt. Auf die Sekunde genau, in der Er es wollte, wurde ich geboren, keinen Meter neben der Stelle, an der Er es in Seinem Plan hatte. Ich kam auf die Erde mit einem mindestens so präzisen Auftrag wie James Bond, als man ihn nach Moskau schickte, um die Welt zu retten. Vielleicht hat mich Gott gefragt: »Nini, willst du zu den Punks? Da bist du sicher vor den Anfeindungen der Welt … und übrigens: Bei denen war noch keiner, um von Mir, ihrem Gott, zu erzählen!« Wahrscheinlich habe ich bei dieser Gelegenheit »Super, Abba! Dein Wille geschehe!« gerufen. Jedes Kind hat übrigens eine mission; und für jeden Menschen hat Gott einen Masterplan. Als Kinder kennen wir diesen Plan noch nicht. Manche entdecken ihn später, andere vielleicht nie. Aber was weiß ich schon von Gottes Ewigkeit und Seinem Masterplan?!

 

Als ich, Nina Hagen, die Augen aufmachte und ich die Welt anfühlte, fand ich mich zu Füßen meines Vaters. Ich hörte eine monotone, aber wunderbare Musik: das Klackern seiner Schreibmaschine. Wenn ich zu ihm aufblickte, schaute ich in die Sonne. Mein Vater lächelte zu mir herunter. Ich krabbelte um seinen Schreibtisch herum und hatte unbändiges Vergnügen daran, das »Neue Deutschland« in tausend Schnipsel zu zerreißen. Mein Vater hatte eine Engelsgeduld; er ließ mich gewähren. Tag für Tag war das mein Paradies, auf dem Potti neben und unter ihm zu thronen oder um ihn herumzukrabbeln und die sozialistische Tageszeitung der DDR in Kleinklein zu verwandeln. Schwupp, flog mir eine neue Zeitungsseite vor die Füße. Mein lieber Papi zwinkerte mir zu. Gelegentlich unterbrach er seine Arbeit und machte mein Fläschchen, zog mich zu sich auf seinen Schoß und fütterte mich. Ich kuschelte mich in seine Arme und fühlte mich wie im siebten Himmel. Die Wärme und das Fröhliche, das Lustige, das von meinem Vater ausging, übertrug sich auf das ganze Haus. Ich kam in der Welt an und kam in helle Geborgenheit. Wo war eigentlich meine Mutter? Ich muss sie suchen. Ich habe fast den Eindruck, als wäre sie später hinzugekommen. Aber nein, sie muss ja da gewesen sein …

Oben: Großmutter Agnes Buchholz mit ihren Kindern (Evchen, rechts)Links unten: Großmutter Hedwig HagenRechts unten: Großvater Hermann Hagen mit seinen Kindern (Hans, Zweiter von links)

Foto: Privat

Später hörte ich die Geschichte dieses ungewöhnlichen Paares, das der Himmel aufeinander losgelassen hatte, damit sie meine Mutter und mein Vater wurden. Vielleicht war das ja der einzige Zweck, warum mein Vater an einem bestimmten Abend in ein bestimmtes Berliner Lokal ging, in dem er eine ganz bestimmte brünette Frau sah, die ihm den Atem raubte. Zu dieser Zeit hatte Hans Oliva Hagen, mein Vater, bereits so viel wildes, dramatisches Leben gelebt, dass es für drei Biografien gereicht hätte. Seine Herkunft wurde ihm zum Schicksal. In den Augen der Rassenideologen der Nazis floss falsches Blut durch seine Adern: jüdisches Blut. Zu einem Viertel nur, aber das – es sollte sich noch zeigen – war ein Viertel zu viel. Seine in Köln lebende Herkunftsfamilie trug noch den verräterischen Namen Levy, was schon im 19. Jahrhundert ein Makel war. Deshalb nutzte der Urgroßvater die Heirat mit einer christlichen Frau dazu, fortan den Familiennamen »Hagen« zu führen. Wären die Dinge ein wenig anders gelaufen, stünde heute auf den Plakaten: »Nina Levy auf Tournee«.

1937/1938 wurde mein Großvater Hermann Hagen, ein angesehener Berliner Bankier, wegen »Rassenschande« ins Zuchthaus gesteckt. Sein Verbrechen bestand darin, eine christliche und auch noch blonde Frau, nämlich meine Großmutter Hedwig Staadt, geheiratet zu haben. So ganz treu war er ihr nicht; er hatte eine Geliebte. Doch Großvater hatte immerhin das Herz, sie, die in den 1930er-Jahren im Rollstuhl saß, noch einmal in Nazi-Berlin zu besuchen und in die Freiheit mitzunehmen, nachdem er und seine Familie sich schon ins sichere Exil hinübergerettet hatten. Menschlich, aber dumm! Denn dabei schnappten ihn die braunen Schergen.

Nach dem Ende der Haft im September 1938 sollte er in ein KZ eingewiesen werden. Freunde meines Großvaters kämpften mit allen Tricks um sein Leben. Der drohenden Deportation entging er nur deshalb, weil man ihn kurzerhand für »geistig verwirrt« erklärte und in die psychiatrische Anstalt in Buch einweisen ließ. Insassen von psychiatrischen Einrichtungen waren ab diesem Zeitpunkt keine Menschen mehr, sondern »lebensunwertes Leben«, das man auslöschen konnte, wie man mit dem Daumen lästiges Ungeziefer zermalmt. Nach einem weiteren Aufenthalt in der »Waldklinik« in Nikolassee kam er schließlich im August 1940 wieder frei.

Doch es reichte nicht für die endgültige Rettung. Am 27. Mai 1942 wurde er in seiner Wohnung in Berlin in der Waitzstraße 27 festgenommen und mit 249 anderen jüdischen Männern am 28./29. Mai im KZ Sachsenhausen ermordet. Die Morde waren ein Racheakt von Josef Goebbels, nachdem die Gestapo Mitglieder der jüdisch-kommunistischen Widerstandsgruppe von Herbert Baum festgenommen hatte. Sie hatten wenige Tage zuvor einen Brandanschlag auf die NS-Propagandaausstellung »Das Sowjetparadies« im Berliner Lustgarten verübt. Mein Großvater hatte damit rein gar nichts zu tun gehabt, so wie die meisten anderen Ermordeten auch.

*

Hans Oliva Hagen, mein Vater, befand sich lange Zeit in Sicherheit vor den Nazis. Die Familie hatte ihn und seinen Bruder in ein Schweizer Internat gegeben. Doch eines Tages untersagten die Nazis den Juden jegliche Geldtransfers ins Ausland, und der junge Hans Oliva Hagen musste zurück ins Herz des Schreckens, nach Berlin. Dort erfuhr er vom Tod seines Vaters. Da er seine Mutter schon 1935 verloren hatte, war er nun, zwanzigjährig, Vollwaise.

Zu allem entschlossen, ging er zu den Antifaschisten und stürzte sich aus dem Untergrund heraus in den politischen Kampf. Das konnte nicht lange gut gehen. 1944 wurde er verhaftet und – Glück im Unglück – in das Außenarbeitslager Düppel gesteckt. Der wilde junge Mann setzte auch dort alles auf eine Karte und versuchte zu entfliehen. Noch einmal hatte er Glück. Man erschoss ihn nicht, sondern steckte ihn ins Zuchthaus, wo er verhört, misshandelt und durch bestialische Experimente »am lebenden Objekt« geschunden wurde. Tagelang sperrten sie Hans Oliva Hagen in einen winzigen Holzverschlag ein, der so klein war, dass er nur im angewinkelten Zustand liegen konnte, ein Trauma, das ihm bis in seine letzten Tage nachhängen und ihn bis in die Träume verfolgen sollte. Aber er überlebte und wurde 1945 aus dem Zuchthaus befreit. Wären die Russen und die Amerikaner nicht gekommen, gäbe es mich heute nicht. Nur noch aus Haut und Knochen bestehend, mit Brandwunden auf der Brust und eingeritzten Hakenkreuzen auf dem Hintern, torkelte der überzeugte junge Kommunist in die Freiheit. Enthusiastisch begrüßte er die neue Zeit, die unter dem Zeichen von Hammer und Sichel im östlichen Teil Deutschlands beginnen sollte. Eine ganz andere, eine menschliche Zeit würde kommen.

Doch der junge Mann hatte so viel erlebt, dass er in keine Parteiräson mehr passte. Der Staat nutzte seine schriftstellerische Begabung und verlieh ihm für das geniale Drehbuch zur DDR-Filmlegende »Karbid und Sauerampfer« sogar den Nationalpreis. Doch schafften es die Kulturbonzen nicht, ihn zum strammen Parteisoldaten zu disziplinieren. Mein Vater war notorisch freiheitssüchtig; er ließ sich für kein Geld und keine Ehre in der Welt seinen kritischen Kopf nehmen. Die Nomenklatura kannte keine Gnade. Hans Oliva Hagen wurde aus der Partei ausgeschlossen. Seine Artikel erschienen bald nur noch unter Pseudonym oder unter den Namen seiner Freunde.

Leider überstand mein Vater die frühen Verletzungen und den Druck der Verhältnisse nicht ohne innere Beschädigung. Auf die helle und heitere Seite, die er mir zukehrte, fiel mit den Jahren ein schwerer Schatten. Mein Vater brauchte zunehmend Schlaftabletten, um zur Ruhe zu kommen. Die Dosen wurden stärker und stärker, und eines Tages musste sich Vater eingestehen, tablettensüchtig zu sein. Es erschüttert mich noch heute, wenn ich vor meinem inneren Auge sehe, wie mein zuletzt zwischen Kick und Delirium zerriebener Vater mir hilflos eine Handvoll Pillen vor die Nase hielt und mit weinerlicher Stimme sagte: »Kiek mal, Nini, wat ick für ’ne Menge Tabletten brauche!« So ehrlich war er.

Das alles war für mich sehr präsent und eine sehr beeindruckende Sache, weil mein Vater mir wirklich viel erzählt hat aus der Zeit, in der die Juden verfolgt wurden und in der der Krieg war.

Das sieht man auch an diesem Schnipsel: Ich muss schon in der Schule gewesen sein, da war ich mal mit meinem lieben Papi und Leuten von der DDR-Nachrichtensendung AKTUELLE KAMERA. Die Sendung war immer aufgeteilt in 20 Minuten aktuelle Nachrichten und 10 Minuten längere Berichte, die den Titel Im Blickpunkt hatten. Und bei Im Blickpunkt wurden mein Papi und ich gezeigt, wie wir die Gedenkstätte des KZ Sachsenhausen besuchten, wo mein Opa damals war. Unter Aufsicht meines Vaters habe ich ins Gästebuch reingeschrieben (siehe Foto) und kindliche Worte gefunden für so’n ernsten Anlass, über den ich schon damals gut Bescheid wusste. Meine Mutter hat das eher verdrängt, aber ich war schon als kleines Kind, auch weil ich Junge Pionierin war, von ganzem Herzen Antifaschistin.

 

Foto: Privat

Meine Mutter sah ich wohl deshalb so selten, weil sie die ersten Schritte auf dem Weg zum Bühnen- und Filmruhm unternahm, der kommen musste wie das Amen in der Kirche. Sie war dazu geschaffen, eine Künstlerin, eine Schauspielerin, eine Sängerin und Musikerin zu sein, und ich liebte sie auch deswegen geradezu abgöttisch – trotz aller Risse und Brüche in der Geschichte unserer Beziehung.

Als ich zwei Jahre alt war, stürzte ich einmal die Treppe hinunter, holte mir eine schwere Gehirnerschütterung. Acht Wochen musste ich flach auf dem Rücken liegen im Kinderkrankenhaus Boltenhagen. Mama kam jeden Tag mit ihrer Gitarre, stand in der Eingangstür unseres Kinderkrankenzimmers und sang ein tolles Lied nach dem anderen. Wir Kinder gerieten aus dem Häuschen. Klar, dass ich stolz wie Bolle war. Meine Mami! Das konnte keine Mami auf der ganzen Welt. Sie war einfach die Beste.

Kaum war ich auf der Welt, sollte sie die Filme drehen, mit denen sie zur DDR-Legende wurde. Noch schwankte sie zwischen Elevin und Shootingstar. Peng! – war sie da. Und peng! – war sie eine Marke, der Typ Frau, von dem Männer und Frauen gleichzeitig träumten, die »Type«, in der sich die neue Zeit, das Lebensgefühl einer lebenshungrigen Generation Bahn brach. Eva-Maria Hagen, das Mädchen vom Land, mutierte über Nacht zur »Brigitte Bardot der DDR«. Sie wurde die tief dekolletierte nette brünette und später freche Blondine, die alle mit ihrem unangepassten – natürlich sozialistischen, natürlich klassenbewussten – Charme bezauberte. Die überreich begabte, dazu hochintelligente junge Schauspielerin und Sängerin aus der Provinz – Mama war 1934 in Hinterpommern geboren worden – debütierte zum größten Vergnügen der Szene am Berliner Ensemble und spielte sogar noch unter der Regie des alten Theatergottes Bert Brecht.

Voller Neugier und mit versessener Lebenslust eroberte sie nicht nur Bühne und Film; sie stürzte sich auch kopfüber in den zaghaft sich etablierenden Ostberliner Underground, das bisschen Jazz & Boheme, das die Freiheit eines noch nicht recht formierten Sozialismus sich Ende der 1950er-Jahre gönnte. Im Presseclub, in den es die VIPs, die Journalisten, Theaterleute, Filmemacher jener Jahre hinzog, sah sie Hans Oliva Hagen, sah ihn und – peng! – verfiel sie dem jungenhaften Charme und der überlegenen geistigen Ausstrahlung meines zwölf Jahre älteren Vaters. Hier lasse ich sie mal selbst zu Wort kommen, in einem Text aus ihrem autobiografischen Buch »Eva – Jenseits vom Paradies«3: Wir haben uns in die Augen geschaut und waren verliebt. Im Presse-Café in der Friedrichstraße von Berlin war das, wo Hans Hagen – ein schöner Mensch mit sanften, gleichzeitig feurigen Augen, ehrgeizig, stolz, verletzbar, 32 Jahre alt, nein, jung, muss man sagen, weil er oft wie ein Junge war, unberechenbar, seinen Gefühlen ausgeliefert, Journalist, angehender Schriftsteller, Drehbuchautor, sein Pseudonym war Oliva, weil in Ungnade gefallen bei der Obrigkeit, jedenfalls aus der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands ausgeschlossen worden wegen Weiß-der-Teufel-was; auf kleiner Flamme am Köcheln gehalten, weil er Verfolgter des Naziregimes war; davon später –

Im Presse-Café nun, wo Hans Hagen mit Kollegen, klugen Köpfen, befreundeten Artikelschreibern, an bestimmten Wochentagen zusammentraf, die sich damals noch trauten, unter ihrem Namen Beiträge von ihm zu veröffentlichen, damit er seine Miete bezahlen konnte –

Da fand also der erste Blickwechsel zwischen den Protagonisten statt.