Blütenblätter im Wind - Gertraud Paul - E-Book

Blütenblätter im Wind E-Book

Gertraud Paul

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Beschreibung

Im Laufe der Jahre sammeln sich Erlebnisse, Eindrücke und Empfindungen wie ein bunter Schatz in unserer Erinnerung an. Sie werden zu unserem inneren Bilderbuch. Daraus können wir einige immer wieder bewusst abrufen. Manchmal allerdings überraschen sie uns von selbst und tauchen spontan auf – wie Blütenblätter, die der Wind erneut aufwirbelt. Besonders im Alter schenken sie uns Leben und Farbe. Das Buch möchte den Leser zu seiner eigenen Reise in die Erinnerung einladen.

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Seitenzahl: 79

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Vorwort

Teil1: Magie der Kindheit

Aber auch Papas sind nicht immer Engel

Bretter, die die Welt bedeuten

Der erste Schnee

Der fahrbare »Unterbau«

Der kleine Pinguin

Die kleine Philosophin

Dreikönig

Ein Missgeschick mit der Puppe

Ein ungewöhnliches Geschenk

Erziehung?

Flügge werden

Frisch auf!

Früh übt sich

Frühe Sorgen

Frühe »Spezialisten«

Geistesgegenwart

Im Reich der Märchen

Im Wunderreich des Tiergartens

»Kofi«

Kriegskinder

Martinstag, 11. November

Meine Puppe ist krank

Mit Maß und Ziel

Nein – nem!

Noch drei Tage – dann ist es geschafft!

Oje – mein schöner Schneemann!

Peng, peng!

»Schene Baime!«

»Seid ihr alle da?«

Spielen

Umgangsformen

Unsere erste Urlaubsreise

Warum?

Was ist das?

Wenn Kinder uns Streiche spielen

Wer ist hier die Hauptperson?

Wild und frei

Wir entwerfen

Wir erzählen Geschichten

Wir verwenden, was wir finden

Wunderblumen

You are my sunshine

Zeichnen

Teil 2: Gedichte

Blaue Iris

Das doppelte Bewusstsein

Der Reim

Die Windsbraut

»Eines Tages«

Einschlafen

Elegie des Krieges

8. Mai – Gedenken – Ende des Schreckens

Erinnerung

Fahrt ins Abendlicht vor dem Vergrauen der Welt

For You

Gelebte Gegenwart

Gespräch mit einer Blume

Heimat

Himmelsgespinste

For Y.

Immer wieder

Jahreswechsel

Juni

Kinder-Ich

Krieg in der Ukraine

Manchmal

Melancholie im Oktober

Müde gleite ich in eine Zwischenwelt,

My Shell

Ohnmacht

Schwere Entscheidung

Schwermut

Sommeranfang

Spiegelbild

Tanz der Worte

Träumerei

Vergänglichkeit

Wortsalat

Nachwort

Vorwort

Auf der abenteuerlichen Reise durch mein über achtzigjähriges Leben wurde ich wie in einem Boot auf und ab geschaukelt. Gewiss wäre ich in den Stürmen über Bord gegangen, hätte ich nicht immer wieder Haltegriffe gefunden, an denen ich zur Besinnung kommen konnte. Es half mir zu ergründen: »Wer bin ich und wohin will ich wirklich?« Viele nützliche, aber auch irreführende Wegweiser habe ich angetroffen und bin ihnen gefolgt. Manchmal hieß es: »Umkehren – nächster Versuch.« Manchmal war die richtige Richtung bereits deutlich genug bezeichnet. Dabei war mir ein schützender und sehr weiser Ratgeber mein eigenes Kinder-Ich. Es flüsterte mir so viele Ideen, Pläne und Freude an Schönem ein, dass ich immer »über Wasser« bleiben konnte. Ich liebe das Leben, das sich ständig erneuert. Unzählige Erinnerungsbilder haben mir seine Abenteuerlichkeit und seine Schönheit eingeprägt.

Als Mutter von vier Kindern, als Oma von Enkelinnen, als Lehrerin der Mittelstufe habe ich die liebsten und besten Gefährten erlebt, die ich mir vorstellen kann. Ihnen widme ich den 1. Teil dieses Buches. Wie Schönheit und Kunst mich aufrichten können, versuche ich in Teil 2 anzudeuten.

Aus diesem inneren Erlebnisbilderbuch möchte ich euch ein paar Blitzlichter vorstellen. Vielleicht machen sie auch euch Hoffnung, ja sogar Freude!

Dr. phil. Gertraud Paul

Teil 1

Magie der Kindheit

Aber auch Papas sind nicht immer Engel

…jedenfalls, wenn man es mit den Augen der Kinder ansieht.

Auch hier gibt es die harmlosen, aber unter Umständen für Kinder sehr lästigen Quälereien, wenn Papas – bisweilen sogar Mamas – ihre Lieblinge zur Mithilfe antreiben wollen. Ich sage »antreiben«, denn darauf lief es ja immer hinaus, wenn eine freundliche elterliche Bitte eine eindeutige Abfuhr erlitt. Dann hörte man wohl Wortfetzen wie »Schon wieder!«, »Schon wieder ich!«, »Muss das sein?«, »Ich hab noch Hausaufgaben« (obwohl sich besonders die Buben darum absolut nicht rissen) und so weiter. Als Draufgabe gab es ein mürrisches oder zorniges Gesicht. Das war’s dann wohl? Nicht bei unserem Papa.

Mit Verachtung und Murren wurde Holz aufgesammelt, das Gras gerecht, wurden herumliegende Sachen entfernt oder geordnet, womöglich eine Besorgung gemacht et cetera. Das waren aber eben ganz harmlose Aufgaben, die allerdings die Gewohnheiten der Kinder sehr »störten«.

Doch einmal musste man wirklich die Partei der Kinder ergreifen. Auf einer Urlaubsreise mussten wir unterwegs in New York übernachten. Das Zimmer im YMCA reichte nur für vier Personen. Da kam Papa auf die blendende Idee, dass die Buben im Auto im Park zu übernachten hätten, die Mädchen durften im Zimmer bleiben. Das wäre billiger. Da Papas auch stur sein können, war ihm das nicht durch Bitten und Argumentieren auszutreiben. Diese Nacht verbrachten die Armen also im Park im Auto.

So dachten wir uns das auch, aber Jahrzehnte danach erfuhr ich, dass die beiden sich eine Überlebensstrategie ausgedacht hatten. Sie schliefen nicht im Auto, sondern wanderten herum. Denn so konnten sie ihrer Meinung nach einem Angreifer davonlaufen. Gott sei Dank ist keiner gekommen. Wenn ich heute daran denke, hätte ich es doch auf einen Ehekrach ankommen lassen sollen. Man muss sich das vorstellen: der riesige Central Park, überall Dunkelheit, große Bäume und von diesen blitzten die Augen der Racoons, der Waschbären, herunter. Weil es so viele waren, sah es sehr bedrohlich aus, als wollten sie einen Angriff starten.

Ja, manchmal machen wir – leider – es unseren Kindern auch nicht leicht. Dabei habe ich noch überhaupt nicht das Kapitel angesprochen, dass wir sie nicht nur seelisch, sondern auch geistig mit unserer Leistungsverliebtheit manchmal unter Druck setzen können.

Aber wir lieben euch, bitte glaubt uns das, auch wenn wir fehlerhafte Eltern sind!

Bretter, die die Welt bedeuten

Die Winter von 1946 bis 1950 waren kalt und schneereich. In unserer Nähe gab es den Gaisberg mit seinen vielen Hängen und Wiesen. Es bot sich von selbst an, dass wir uns den untersten Hügel als unser Skigebiet aussuchten. Wir nannten ihn nach dem nahegelegenen Bauern »Kastnerhügel«. Er hatte ein steiles oberes Stück und endete dann flach vor einem Weg, dessen andere Seite ein Zaun begrenzte. Neben diesem Hügel gab es eine ausgedehnte Wiese. Sie wurde von unserer Mutter ausgewählt, um unsere ersten »Ski-Versuche« zu machen. Wir rutschten zum Einüben gehorsam auf unseren »Skiern« in der Ebene hin und her, sie ging frierend daneben auf und ab. Es dauerte aber nicht lange, dann stellten wir die ersten Versuche auf unseren Brettern bergab an, zuerst sehr vorsichtig, dann immer gekonnter, bis wir den gesamten Kastnerhügel bergab fahren konnten. Wir schauten uns von den anderen den »Christl« ab, den Schwung zum Stehenbleiben, und wie man um die Kurven kommt (Kurvenschwung) – alles noch in der alten Skifahrtechnik.

Bretter waren unsere Skier allerdings wirklich: gerade und nicht verleimt, relativ lang, mit Riemchenbindung – für mich immer ein Albtraum, dass ich mich fest genug darin fühlte – und Schuhen, die anfangs »Bergschuhe« waren, das heißt, noch Nägel an den Sohlen hatten. Die Anoraks waren nicht gefüttert. Alle Wärme kam von den handgestrickten Pullovern, Hauben und Fäustlingen. Mein Mann machte seine ersten Skiversuche sogar mit den langen Brettern seines erwachsenen Schwagers. Die Mängel der Ausrüstung wurden durch unseren Eifer und unsere Begeisterung wettgemacht, mit der wir uns »ins Zeug« legten. Manchmal waren meine Brüder so schnell, dass sie unten vor einem Zaun nur mehr die »Textilbremse« einsetzen konnten, also sich auf den Hosenboden fallen ließen, um Ärgeres zu vermeiden. Der Kastnerhügel hatte noch eine Besonderheit: Am Ende des steilen Stückes bauten die Buben eine kleine Sprungschanze. So viel ich auch raunzte, dass sie das sein lassen sollten, ohne die ging es keinen Winter. Und ich fuhr standhaft um sie herum!

Später dann stiegen wir zu Fuß zur Zistelalpe auf und genossen bis weit ins Frühjahr hinein die Abfahrt dort. Als wir in der Oberstufe des Gymnasiums waren, ging es dann mit dem Fahrrad zum Untersberg, wo wir mit den Skiern zwischen den Latschen hindurch abfuhren. Im Frühjahr hörten wir erst mit dem »Skisport« auf, wenn wir statt im Schnee im »Gatsch« landeten. Erst als ich sechzehn war, nahm uns unsere Mutter nach Bad Gastein mit. Dort hatten wir sogar wenige Stunden bei einem Skilehrer und lernten die »Arlbergtechnik«. Mit unserer »Gaisberg-Erfahrung« kamen wir in Gastein sofort sicher alle steilen Hänge hinunter. Heute ist diese einfache Art, Skifahren zu lernen, für mich eine Erinnerung an die ungebrochene Neugierde, die Unternehmungslust und das Durchhaltevermögen von Kindern – eine Eigenschaft, die mir heute fast magisch erscheint.

Und so gut ausgerüstet wie im Bild beginnen heute die Kleinen zum Beispiel in Obertauern, sich unter Anleitung von Skilehrern auf Skiern fortzubewegen. Wenn das nicht der Anfang einer richtigen Karriere ist!

Der erste Schnee

Wann hat es so viel geschneit?

Für Spaß im Schnee ist nun die Zeit.

So denkt der kleine Mann

und macht sich gleich an Mama dran …

Ob die auch will?

Der fahrbare »Unterbau«

1. Das Problem

Das wäre doch zum Lachen,

wie kann man einen Ausflug machen

und wie in alten Zeiten

tapfer neben Opa schreiten,

einfach nur zu Fuß,

das wird wohl jeder wissen,

dass das schiefgehen muss!

Denn mit der Zeit fühlt es sich an,

als hing an mir ein schwerer Mann.

Ich komme nicht mehr weiter

und weiß nicht aus noch ein.

Das wird ja nicht die Absicht sein.

Und überhaupt, schaut auf die Großen,

die zeigen ihre Autos her,

warum soll nicht auch ich eins haben,

bitte sehr!

2. Die Lösungen gestern und heute

Zuerst kam der Kinderwagen – in ihm liegen, auf ihm sitzen, bald darauf im Laufschritt schwitzen, wenn darin der zweite Kleine dir den Platz wegnimmt. Ihr wisst genau, was ich meine und dass da wirklich was nicht stimmt.