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Eben noch war Melanie ein mehr oder minder glücklicher Teenager, nun blickt sie ihrem eigenen Tod ins Gesicht. Und während der Sekundenzeiger ihrer eigenen Armbanduhr unbarmherzig voranschreitet, versucht sie, ihre Geschichte zu erzählen. Doch wird man jemals die Wahrheit ans Licht bringen? Oder wird Melanie nur ein namenloses Gesicht von vielen sein, das im unbarmherzigen Griff der Zeit zu Staub zerfällt?
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Seitenzahl: 24
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Thordan Noromiel
Brief einer Todgeweihten
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Brief einer Todgeweihten
Impressum neobooks
Sehr geehrter Unbekannter,
wenn Sie diese Zeilen lesen, werde ich wahrscheinlich nicht mehr unter den Lebenden weilen. Doch bevor Sie diesen Brief mit einem Kopfschütteln weglegen, möchte ich Sie bitten, mir einen kurzen Augenblick ihrer kostbaren Zeit zu schenken.
Ich weiss, die folgenden Worte werden sich so anhören, als wäre ich eine kleine junge Göre, die zu tief ins Glas geschaut hat. Doch ich bin nüchtern in diesen Minuten und ich sehe alles mit einer fast schon überirdischen Klarheit. Doch ich schweife ab. Bitte verzeihen Sie mir, aber ich bin etwas durcheinander.
Ich sollte mich Ihnen erst einmal vorstellen, denn ich will nicht vergessen werden. Ich will, dass irgendetwas in dieser unglücklichen Welt an mich erinnert, irgendetwas und sei es nur ein flüchtiger Gedanke einer unbekannten Seele.
Mein Name ist Melanie Kinzel. Ich wurde am 26.6.1997 geboren. Vielleicht finden Sie einen kurzen Eintrag in irgendeinem Krankenhauscomputer. Den Namen des Klinikums habe ich leider vergessen. Ich bin immer noch verwirrt und ich habe Angst. Große Angst.
Meine Geschichte beginnt gestern, am Abend des 14. Aprils, in einer Discothek auf dem Lande. Den Ortsnamen habe ich vergessen, es war irgendetwas mit –wald, aber den Namen des Clubs weiss ich noch. Shade. Toller Name, oder? Doch ich möchte nicht darüber nachdenken, was geschehen wäre, hätte ich mich an jenem Abend von dieser Einrichtung ferngehalten. Vermutlich säße ich dann nicht hier und würde diesen Brief mit zittrigen Fingern schreiben. Entschuldigen Sie, ich schweife schon wieder ab. Der Ort hieß Grünwald.
Wie gesagt, an jenem Aprilabend war ich mit einer Freundin dort, meiner besten Freundin. Ihr Name war Larissa, ein richtiger kleiner Engel, der es aber faustdick hinter den Ohren hatte. Doch zu ihr werde ich später noch kommen. Wir zwei waren als in dieser Disco und langweilten uns. Die jungen Kerle, die dort waren und emsig tanzten sahen nicht wirklich so aus, als hätten sie die Weisheit mit Löffeln essen. Das mag jetzt vielleicht etwas eingebildet klingen, aber ich kann durchaus behaupten, nicht dumm zu sein und auch nicht zickig oder verhätschelt. Verzeihen Sie mir bitte meinen Ton, ich muss gerade weinen. Es geht gleich wieder.
