Castle 2: Naked Heat - In der Hitze der Nacht - Richard Castle - E-Book
Beschreibung

Als New Yorks bösartigster Klatschkolumnistin Cassidy Towne tot aufgefunden wird, sieht sich Heat einer ganzen Reihe Verdächtiger gegenüber. Sie alle sind bekannte Berühmtheiten und sie alle haben eindeutige Motive, Manhattans gefürchtetsten Skandalmacherin zu töten. Heats Mordermittlung verkompliziert sich durch ein überraschendes Wiedersehen mit dem Starjournalisten Jameson Rook. Als Folge ihrer kürzlichen Trennung würde sich Nikki lieber nicht mit ihrem emotionalen Ballast herumschlagen. Doch die persönliche Verstrickung des gutaussehenden, sprücheklopfenden Pulitzerpreisträgers in den Fall zwingt sie, sich erneut mit Rook zusammenzutun. Die Überreste ihres ungeklärten romantischen Konflikts sowie knisternde sexuelle Spannung erfüllen die Luft, während Heat und Rook sich auf die Suche nach einem Mörder unter Berühmtheiten und Gangstern, Sängern und Prostituierten, Profisportlern und beschämten Politikern machen. Dieser neue explosive Fall heizt der Glitzerwelt der Geheimnisse, Vertuschungen und Skandale ordentlich ein.

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Sammlungen



RICHARD

CASTLE

NAKED HEAT

IN DER HITZE DER NACHT

ÜBERSETZUNG

ANIKA KLÜVER

Die deutsche Ausgabe von CASTLE 2: NAKED HEAT – IN DER HITZE DER NACHT

wird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg.

Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern, Übersetzung: Anika Klüver;

verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde; Lektorat: Sabine Elbers;

Satz: Amigo Grafik; Cover Artwork: Shubhani Sarkar;

Printausgabe gedruckt von CPI Morvia Books s.r.o., CZ-69123 Pohorelice. Printed in the Czech Republic.

CASTLE © ABC Studios. All rights reserved

Originally published in the United States and Canada as NAKED HEAT by Richard Castle.

Copyright © 2010 by ABC Studios, Inc. This translated edition published by arrangement with Hyperion, an imprint of Buena Vista Books, Inc.

German translation copyright © 2012 by Amigo Grafik GbR.

Print ISBN ISBN: 978-3-86425-008-8 (Juni 2012) · E-Book ISBN 978-3-86425-022-4 (Juni 2012)

WWW.CROSS-CULT.DE

Für die echte Nikki Heat, in Dankbarkeit.

EINS

Nikki Heat grübelte über rote Ampeln nach und darüber, warum die Rotphasen immer so viel länger anzudauern schienen, wenn kaum Verkehr herrschte. Die, an der sie an der Kreuzung Amsterdam Avenue und Achtunddreißigste Straße wartete, schien ewig zu brauchen, um auf Grün umzuschalten. Detective Heat war zu ihrem ersten Einsatz an diesem Morgen unterwegs und hätte problemlos ihr Blaulicht einschalten können, um links abzubiegen. Doch das Verbrechen war längst begangen, der Gerichtsmediziner befand sich am Tatort, und die Leiche würde nirgendwo hingehen. Sie nutzte die Wartezeit, um den Deckel von ihrem Kaffee zu schieben, da sie feststellen wollte, ob dieser bereits Trinktemperatur erreicht hatte. Das billige weiße Plastik zerbrach, sodass sie schließlich die Hälfte des Deckels in der Hand hatte, während die andere Hälfte noch auf dem Pappbecher saß. Heat fluchte laut und warf die nutzlose Hälfte des Deckels auf die Fußmatte des Beifahrersitzes. Gerade als sie einen Schluck trinken wollte – sie benötigte dringend Koffein, um richtig wach zu werden –, hupte der Fahrer hinter ihr. Die Ampel war endlich auf Grün umgesprungen. Natürlich.

Mit geübter Hand hielt Nikki den Becher so, dass der Kaffee nicht über den Rand auf ihre Finger schwappen würde, sobald sie abbog, und fuhr nach links auf die Achtunddreißigste Straße. Sie hatte das Steuer gerade wieder herumgedreht und das Café Lalo passiert, als direkt vor ihr ein Hund auf die Straße sprang. Heat trat ruckartig auf die Bremse. Kaffee ergoss sich auf ihren Schoß. Ihr ganzer Rock war voll, aber sie machte sich mehr Sorgen um den Hund.

Glücklicherweise hatte sie ihn nicht erwischt. Sie hatte ihn nicht einmal erschreckt. Der Hund, ein kleiner Schäferhund- oder Huskymischling, stand verwegen direkt vor ihr auf der Straße. Er bewegte sich nicht, sondern starrte sie nur über seine Schulter hinweg an. Nikki lächelte ihn an und winkte. Er stand nach wie vor einfach nur da. Sein starrer Blick verunsicherte sie. Er war herausfordernd und aufdringlich. Die Augen unter der dunklen, leicht gerunzelten Stirn wirkten unheimlich und durchdringend. Nun, da sie das Tier genauer betrachtete, kam es ihr plötzlich seltsam vor. Als ob es gar kein Hund wäre. Er war zu klein für einen Schäferhund oder einen Husky, und die Farbe seines struppigen Fells war ein grau meliertes Braun. Die Schnauze war zu dünn und zu spitz. Sie ließ ihn eher wie einen Fuchs wirken. Nein.

Es war ein Kojote.

Derselbe ungeduldige Fahrer hinter ihr hupte erneut, und das Tier setzte sich in Bewegung. Es rannte jedoch nicht panisch davon, sondern trottete gemächlich von dannen und zeigte dabei wilde Eleganz, potenzielle Schnelligkeit und noch etwas anderes. Arroganz. Sie beobachtete, wie es die gegenüberliegende Bordsteinkante erreichte, wo es stehen blieb, noch einmal dreist zu ihr zurückschaute und schließlich Richtung Amsterdam Avenue davoneilte.

Für Nikki war das eine beunruhigende Art, den Morgen zu beginnen: zuerst der Schreck, beinahe ein Tier überfahren zu haben, und dann dieser unheimliche Blick. Sie fuhr weiter, tupfte sich so gut es ging mit Servietten aus dem Handschuhfach ab und wünschte, sie hätte an diesem Morgen einen schwarzen Rock angezogen, anstatt sich für den khakifarbenen zu entscheiden.

Es wurde nie leichter für Nikki Heat, sich eine Leiche anzusehen. Als sie hinter dem Steuer ihres Autos saß, das sie an der Ecke Sechsundachtzigste Straße und Broadway hinter dem Leichenwagen geparkt hatte und den Gerichtsmediziner bei der Arbeit beobachtete, dachte sie einmal mehr darüber nach, dass das vielleicht etwas Gutes war.

Der Gerichtsmediziner hockte auf dem Bürgersteig vor der geteilten Ladenfassade eines Wäschegeschäfts und der neuesten Gourmet-Cupcake-Bäckerei. Wenn jemals etwas nicht zusammengepasst hatte, dann das. Sie konnte das Opfer, das er untersuchte, nicht sehen. Dank eines stadtweiten Müllabfuhrstreiks hatte sich ein hüfthoher Abfallberg gebildet, der in der Abflussrinne anfing und sich ein gutes Stück auf den Bürgersteig erstreckte, sodass er Heats Blick auf die Leiche blockierte. Selbst in der Kühle des Morgens konnte sie den zwei Tage alten Müll riechen, der langsam verrottete. Wenigstens bildete der Berg eine praktische Barriere, die die Gaffer zurückhielt. Am Ende des Blocks hatte sich bereits ein halbes Dutzend Frühaufsteher versammelt, und ebenso viele standen hinter dem gelben Absperrband an der Ecke in der Nähe des U-Bahn-Eingangs.

Sie warf einen Blick auf die digitale Uhr am Bankgebäude am Ende der Straße, die abwechselnd die Zeit und die Temperatur anzeigte. Es war erst sechs Uhr achtzehn. Ihre Schichten begannen immer öfter auf diese Weise. Die Wirtschaftskrise hatte jeden getroffen, und ihrer persönlichen Beobachtung nach musste sie sich in letzter Zeit immer mehr Leichen ansehen. Das mochte an der Verringerung der polizeilichen Überwachung liegen oder daran, dass die schlechte Wirtschaftslage Verbrechen förderte – vielleicht auch an beidem. Sie brauchte keine Nachrichtensprecher, die ihr die Verbrechensstatistiken verkündeten, um zu wissen, dass die Zahl der Opfer gestiegen war und auch weiterhin stieg.

Doch egal, was die Statistiken besagten, die Opfer bedeuteten ihr etwas, jedes einzelne für sich. Nikki Heat hatte sich geschworen, Mordfälle niemals als bloße Zahlen anzusehen. Das lag weder in ihrer Natur, noch hatte ihre Erfahrung mit der Zeit dazu geführt.

Ihr eigener Verlust, der bereits fast zehn Jahre zurücklag, hatte sie innerlich zerrissen, doch zwischen dem Narbengewebe, das sich dort nach dem Mord an ihrer Mutter gebildet hatte, gab es immer noch Mitgefühl. Der Leiter ihres Reviers, Captain Montrose, hatte ihr einst mitgeteilt, dass diese Tatsache sie zu seinem besten Detective machte. Alles in allem hätte sie diese Position lieber ohne Schmerz erreicht, aber das lag nun einmal nicht in ihrer Hand. Und nun war sie hier, früh an einem ansonsten wunderschönen Oktobermorgen, und empfand diesen Schmerz erneut.

Nikki befolgte ihr persönliches Ritual, ein kurzer Augenblick der Besinnung für das Opfer. Auf diese Weise stellte sie mittels ihrer eigenen Opferrolle eine Verbindung zu dem Fall her und ehrte vor allem das Andenken an ihre Mutter. Sie benötigte dafür lediglich fünf Sekunden. Aber danach fühlte sie sich bereit.

Sie stieg aus dem Wagen und machte sich an die Arbeit.

Detective Heat duckte sich unter dem gelben Absperrband an der Öffnung des Abfallberges hindurch und verharrte mitten in der Bewegung. Ihr eigenes Gesicht starrte ihr von der Titelseite einer weggeworfenen Ausgabe des First Press-Magazins entgegen, die zwischen einem Eierkarton und einem fleckigen Kissen in einem Müllsack lag. Gott, sie hasste diese Pose – einen Fuß auf einen Stuhl im Hauptraum des Reviers gestellt, die Arme vor der Brust verschränkt, ihre Sig Sauer im Holster an der Hüfte neben ihrer Marke. Und dann diese schreckliche Überschrift:

VERBRECHENSWELLETRIFFTHITZEWELLE

Wenigstens war jemand so vernünftig gewesen, die Zeitschrift wegzuwerfen, dachte sie und ging weiter, um zu ihren beiden Detectives, Raley und Ochoa, innerhalb des abgesperrten Bereichs zu gelangen.

Die beiden Partner, die im Team liebevoll als „Roach“ bezeichnet wurden, befanden sich bereits bei der Arbeit und begrüßten sie. „Morgen, Detective“, sagten sie fast einstimmig.

„Morgen, Detectives.“

Raley betrachtete sie und meinte: „Ich würde Ihnen ja einen Kaffee anbieten, aber wie ich sehe, hatten Sie bereits einen.“

„Sehr witzig. Sie sollten Ihre eigene Fernsehshow bekommen“, erwiderte sie. „Was haben wir hier?“ Heat machte sich selbst ein Bild von der Situation, während Ochoa sie über das Opfer informierte. Es handelte sich um einen männlichen Lateinamerikaner im Alter von etwa dreißig bis fünfunddreißig Jahren, der Arbeitskleidung trug und mit dem Gesicht nach oben in einem Haufen aus Müllsäcken auf dem Bürgersteig lag. An der weichen Unterseite seines Halses befanden sich hässliche Reiß- und Bisswunden. Sein Bauch wies an der Stelle, wo sein T-Shirt aufgerissen worden war, ähnliche Verletzungen auf.

Nikki musste unwillkürlich an ihre Begegnung mit dem Kojoten denken und wandte sich an den Gerichtsmediziner. „Woher stammen diese Bisswunden?“

„Ich vermute, dass sie ihm zugefügt wurden, nachdem er bereits tot war“, antwortete der Gerichtsmediziner. „Sehen Sie diese Wunden an den Händen und Unterarmen?“ Er deutete auf die Handflächen des Opfers, die flach an den Seiten seines Körpers lagen. „Die wurden nicht von Tierbissen verursacht. Dabei handelt es sich um Abwehrverletzungen, die von einer Waffe mit einer Klinge stammen. Ich würde auf ein Messer oder vielleicht auch ein Teppichmesser tippen. Wenn er noch am Leben gewesen wäre, als der Hund sich über ihn hermachte, hätte er auch Bisswunden an den Händen, was jedoch nicht der Fall ist. Und sehen Sie sich das hier an.“ Er kniete sich neben die Leiche, und Heat ging an seiner Seite in die Hocke, während er einen behandschuhten Finger benutzte, um auf ein Loch im T-Shirt des Mannes hinzuweisen.

„Eine Stichwunde“, stellte Nikki fest.

„Absolut sicher können wir erst nach der Autopsie sein, aber ich wette, das ist die Todesursache. Bei dem Hund handelte es sich vermutlich nur um einen Streuner, der den Müll durchsuchte.“ Er hielt inne. „Ach, und Detective Heat?“

„Ja?“ Sie beäugte ihn und fragte sich, was für Informationen er sonst noch für sie hatte.

„Der Artikel über Sie in der aktuellen Ausgabe der First Press hat mir sehr gut gefallen. Glückwunsch.“

In Nikkis Magen bildete sich ein Knoten, doch sie bedankte sich und stand auf, um sich schnell zu Raley und Ochoa zu gesellen. „Wissen wir, wer er ist?“

„Nein“, sagte Ochoa. „Keine Brieftasche, kein Ausweis.“

„Die uniformierten Kollegen befragen bereits die Leute in diesem Block“, sagte Detective Raley.

„Gut. Gibt es Augenzeugen?“

„Bisher nicht“, erwiderte Raley.

Heat legte ihren Kopf in den Nacken, um die hohen Wohngebäude zu betrachten, die den Broadway auf beiden Seiten säumten. Ochoa kam ihr zuvor. „Wir überprüfen die Wohnungen mit Sicht auf den Tatort, um herauszufinden, ob jemand etwas gesehen oder gehört hat.“

Sie senkte den Blick, sah ihn an und lächelte leicht. „Gut. Überprüfen Sie außerdem, ob jemand in den Geschäften etwas bemerkt hat. In dieser Bäckerei fangen die Angestellten vermutlich schon in den frühen Morgenstunden an zu arbeiten. Und vergessen Sie nicht die Überwachungskameras. Dieser Juwelier da drüben kann uns vielleicht Aufnahmen liefern, die uns weiterhelfen, wenn wir Glück haben.“ Sie nickte in Richtung des Mannes, der am anderen Ende des Blocks stand und fünf sitzende Hunde an ihren Leinen hielt. „Wer ist das?“

„Das ist der Kerl, der die Leiche gefunden hat. Er rief um fünf Uhr siebenunddreißig den Notruf an.“

Nikki musterte ihn. Er war um die zwanzig, hatte eine schlanke Figur und trug eine enge Jeans sowie einen Künstlerschal. „Lassen Sie mich raten. SMTW.“ Da sie für ein Revier in New Yorks Upper West Side tätig waren, hatten sie und ihr Team Codenamen für gewisse Typen, die hier lebten und arbeiteten. SMTW war ihre Abkürzung für Schauspieler-Model-Tänzer-Wasauchimmer.

„Nah dran, Detective.“ Ochoa warf einen Blick auf seinen Notizblock und fuhr fort. „Mr. T. Michael Dove, der am Schauspielprogramm der Juilliard teilnimmt, fand die Leiche, als sich der Hund gerade darüber hermachte. Er sagt, seine Hunde stürmten alle gleichzeitig los, und der andere Hund lief davon.“

„Hey“, protestierte Heat, „was meinen Sie mit ‚nah dran‘? Er ist doch Schauspieler.“

„Ja, aber in diesem Fall handelt es sich um einen SMTH, einen Schauspieler-Model-Tänzer-Hundeausführer.“

Nikki knöpfte ihren Blazer auf, um ihre Hand vor neugierigen Blicken zu verbergen, während sie ihm den Mittelfinger zeigte. „Haben Sie seine Aussage aufgenommen?“ Ochoa hielt sein Notizbuch hoch und nickte bestätigend. „Dann sind wir hier wohl fertig“, meinte sie. Und plötzlich musste sie wieder an den Kojoten denken. Sie sah zu dem SMTH. „Ich will ihn wegen dieses Hundes befragen.“

Nikki bereute ihre Entscheidung umgehend. Als sie zehn Schritte von dem Hundeausführer entfernt war, rief dieser: „Oh mein Gott, Sie sind es wirklich! Sie sind Nikki Heat!“

Die Gaffer weiter oben auf dem Bürgersteig drängten sich vor. Vermutlich fragten sie sich nur, was der Grund für den plötzlichen Aufruhr sein mochte, und wussten gar nicht, wer sie war, doch Nikki wollte kein Risiko eingehen. Instinktiv senkte sie den Blick, drehte sich zur Seite und nahm die Pose ein, die sie bei Berühmtheiten in den Boulevardzeitungen gesehen hatte, wenn sie auf ihrem Weg aus einem Restaurant von Paparazzi bedrängt wurden.

Sie trat näher und versuchte, den SMTH dazu zu bringen, seine Lautstärke zu drosseln, indem sie selbst leise sprach. „Hi, ja, ich bin Detective Heat.“

Der SMTH wurde nicht leiser, sondern sogar noch überschwänglicher. „Oh. Mein. Gott!“ Konnte es noch schlimmer für sie werden? Offenbar ja. „Kann ich ein Foto mit Ihnen machen, Miss Heat?“ Er hielt ihren beiden Detectives sein Handy hin.

„Komm schon, Ochoa“, sagte Raley, „sehen wir mal, was die Spurensicherung macht.“

„Sind das … Roach? Sie sind es, oder?“, rief der Zeuge. „Genau wie in dem Artikel!“ Die Detectives Raley und Ochoa warfen sich einen Blick zu. Sie versuchten gar nicht erst, ihre Verachtung zu verbergen, und gingen einfach weiter. „Na gut“, sagte T. Michael Dove, „dann muss es eben so gehen.“ Mit diesen Worten streckte er einen Arm aus, hielt die Handykamera so weit er konnte von sich weg, lehnte seinen Kopf neben Heats und schoss das Foto selbst.

Wie die meisten Menschen, die in der „Bitte recht freundlich“-Generation aufgewachsen waren, war Nikki darauf programmiert, automatisch zu lächeln, wenn sie fotografiert wurde. Doch dieses Mal nicht. Ihre Laune sank so schnell, dass sie sicher war, das Bild würde wie ein Fahndungsfoto aussehen.

Ihr Fan begutachtete das Display und fragte: „Warum sind Sie so bescheiden? Lady, Sie haben es auf die Titelseite einer nationalen Zeitschrift geschafft. Letzten Monat war es Robert Downey Jr., diesen Monat ist es Nikki Heat. Sie sind eine Berühmtheit.“

„Vielleicht können wir später darüber reden, Mr. Dove. Im Moment interessiere ich mich eher dafür, was Sie bezüglich dieses Mordes gesehen haben könnten.“

„Ich kann es nicht glauben“, sagte er. „Ich bin ein Augenzeuge für New York Citys beste Mordermittlerin.“

Nikki fragte sich, ob die Jury sie anklagen würde, wenn sie ihm eine Kugel in den Kopf jagte. Sie könnte ihn hier und jetzt erledigen. Stattdessen sagte sie: „Eigentlich ist das gar nicht so. Also, ich würde Sie jetzt gerne fragen …“

„Sie sind nicht die beste Mordermittlerin? In dem Artikel stand aber was anderes.“

Dieser Artikel.

Dieser verdammte Artikel.

Dieser verdammte Jameson Rook, der ihn geschrieben hatte.

Es hatte sich von Anfang an falsch angefühlt. Letzten Juni, als Rook seinen Auftrag von der Zeitung erhielt, ging es darum, ein Team des NYPD-Morddezernats mit einer hohen Fallaufklärungsrate vorzustellen. Das Dezernat kooperierte, weil ihnen die gute PR für erfolgreiche Polizeiarbeit gefiel, besonders wenn die Truppe dadurch ein Gesicht bekam. Detective Heat war nicht gerade begeistert, als ihr Team ausgewählt wurde, aber sie spielte mit, weil Captain Montrose es so wollte.

Als Rook seine einwöchige Begleittour begann, sollte er abwechselnd alle Mitglieder des Teams bei ihrer Arbeit beobachten. Am Ende des ersten Tages hatte er seinen Fokus geändert und behauptet, er könne eine bessere Geschichte erzählen, wenn er sich auf die Anführerin des Teams konzentrierte und alles durch ihre Augen darstellte. Nikki erkannte seinen Plan als das, was er war: Einen schlecht getarnten Trick, um Zeit mit ihr verbringen zu können. Und wie erwartet fing er an, Einladungen zu Drinks, zum Abendessen und zum Frühstück auszusprechen, ihr Backstageausweise für Steely Dan im Beacon Theatre anzubieten oder sie mit der Aussicht auf eine Cocktailparty mit Tim Burton im MoMA zu locken, wo Letzterer eine Ausstellung seiner Zeichnungen eröffnete. Rook gab gern mit großen Namen an, aber er hatte auch echte Verbindungen zu Berühmtheiten.

Er nutzte seine gute Beziehung zum Bürgermeister, um Nikki auch noch Wochen nach der eigentlichen Recherche begleiten zu dürfen. Und mit der Zeit begann sie gegen ihren Willen, nun ja, Interesse für diesen Kerl zu entwickeln. Es lag nicht daran, dass er mit allen möglichen Leuten befreundet war, angefangen bei Mick Jagger über Bono bis hin zu Sarkozy. Oder daran, dass er niedlich war oder gut aussah. Ein toller Hintern war eben nur ein toller Hintern und mehr nicht – allerdings sollte man so etwas auch nicht völlig unberücksichtigt lassen. Es war … das Gesamtpaket.

Ob es nun an Jameson Rooks Charmeoffensive oder an ihrer Leidenschaft für ihn lag, sie landeten schließlich zusammen im Bett und schliefen miteinander. Und schliefen erneut miteinander. Und wieder. Und wieder … Sex mit Rook war immer heiß, ließ aber nicht immer auf ihr gutes Urteilsvermögen schließen, dachte sie rückblickend. Wenn sie jedoch zusammen waren, wurden das Denken und das Urteilsvermögen vom Feuerwerk verdrängt. So wie in der Nacht, als sie sich in seiner Küche geliebt hatten, nachdem sie durch einen sturmartigen Regenguss in seine Wohnung geeilt waren.

Die Dinge hatten angefangen, aus dem Ruder zu laufen, als es um diesen dämlichen Artikel gegangen war. Rook hatte ihr seinen Entwurf noch nicht gezeigt, als der Fotograf auf dem Revier erschienen war, um die Bilder zu machen, doch der erste Hinweis hatte darin bestanden, dass nur sie fotografiert wurde. Sie wartete darauf, dass auch der Rest des Teams vor die Kamera treten durfte, besonders Raley und Ochoa, ihre treuen Gehilfen. Doch das Beste, wozu sie den Fotografen überreden konnte, waren ein paar Gruppenaufnahmen, auf denen ihr Team hinter ihr stand.

Das Schlimmste an der ganzen Sache waren ihre Posen gewesen. Als Captain Montrose sagte, sie solle kooperieren, ließ sich Nikki zu ein paar ungezwungenen Schnappschüssen überreden, aber der Fotograf, ein Superstar mit der Herangehensweise einer Planierraupe, fing an, sich Posen für sie auszudenken. „Das ist für die Titelseite“, erklärte er. „Da reichen die Schnappschüsse nicht.“ Also machte sie mit.

Zumindest so lange, bis der Fotograf sie anwies, härter zu schauen, während sie durch die Gitterstäbe der Arrestzelle starrte und er sie anfeuerte: „Kommen Sie schon, zeigen Sie mir etwas von der feurigen Polizistin, die ihre Mutter rächen will, von der ich gelesen habe.“

An diesem Abend verlangte sie, dass Rook ihr den Artikel zeigte. Nachdem sie ihn gelesen hatte, bat Nikki ihn, sie rauszustreichen. Es lag nicht nur daran, dass sie sich durch diese Zeilen wie der Star der Einheit fühlte. Oder daran, dass der Artikel die Leistungen ihres Teams schmälerte, indem er alle außer ihr in Fußnoten verwandelte. Oder daran, dass sie dadurch viel Aufmerksamkeit erlangen würde – Cinderella war zwar einer ihrer Lieblingsfilme, doch Nikki glaubte, dass sie die Geschichte lieber als Märchen genießen wollte, als sie selbst zu leben. Ihr größter Einwand bestand darin, dass der Artikel zu persönlich war. Besonders der Teil über den Mord an ihrer Mutter.

Nikki hatte den Eindruck, dass Rook von seinem eigenen Werk geblendet war. Auf alles, was sie erwähnte, hatte er eine Antwort. Er erklärte ihr, dass jeder, über den er schrieb, vor der Veröffentlichung ausflippte. Sie meinte, dass er vielleicht anfangen solle, auf die Leute zu hören. Sie diskutierten weiter. Er sagte, er könne sie nicht aus dem Artikel streichen, weil sie der Artikel sei. „Und selbst wenn ich es wollte, wäre es unmöglich. Der Text ist bereits gesetzt.“

Das war das letzte Mal, dass sie ihn gesehen hatte. Das war jetzt drei Monate her.

Sie glaubte, wenn sie ihn niemals wiedersehen würde, wäre das vollkommen in Ordnung. Doch er verschwand nicht still und leise. Vielleicht dachte er, er könne sie mit seinem Charme zurückgewinnen. Warum sonst sollte Rook Nikki weiterhin anrufen, obwohl sie ihm ständig mit Nein geantwortet und schließlich gar nicht mehr reagiert hatte? Doch er musste die Botschaft verstanden haben, denn irgendwann hörte er auf, sie zu kontaktieren. Zumindest bis vor zwei Wochen, als der Artikel veröffentlicht wurde und Rook ihr eine signierte Ausgabe der Zeitschrift sowie eine Flasche Patrón Silver und einen Korb Limetten schickte.

Nikki warf die Ausgabe der First Press ins Altpapier und nahm den Alkohol mit zu einer Party für Detective Ulett, der seine Verabschiedung in den Vorruhestand dazu nutzte, sein Boot nach Fort Leonard Wood in Missouri zu steuern und die Angel ins Wasser zu werfen. Während alle anderen Tequila tranken, blieb Nikki bei Bier.

Es sollte der letzte Abend ihrer Anonymität sein. Sie hatte gehofft, dass ihr Ruhm – wie Andy Warhol es vorausgesehen hatte – lediglich fünfzehn Minuten andauern und dann wieder vorüber sein würde. Doch in den vergangenen zwei Wochen war es überall, wo sie hinging, das Gleiche gewesen. Manchmal starrten die Leute, manchmal gaben sie Kommentare ab, und es war immer schmerzhaft. Nicht nur die Tatsache, dass sie erkannt wurde, war ihr unangenehm, sondern vor allem, dass sie jedes Gesehenwerden, jeder Kommentar und jedes Handyfoto an Jameson Rook und die ruinierte Affäre mit ihm erinnerte, über die sie hinwegkommen wollte.

Der Riesenschnauzer konnte der Versuchung nicht länger widerstehen und fing an, Milch und Zucker von Nikkis Rocksaum zu lecken. Sie streichelte über seinen Kopf und versuchte, T. Michael Dove zu banaleren Themen zurückzulenken. „Führen Sie diese Hunde jeden Morgen in der Nachbarschaft aus?“

„So ist es, sechs Tage die Woche.“

„Haben Sie das Opfer schon mal hier in der Gegend gesehen?“

Er machte eine dramatische Pause. Sie hoffte, dass er gerade erst mit seiner Schauspielausbildung angefangen hatte, denn er war nicht besonders gut.

„Nein“, antwortete er.

„Sie haben ausgesagt, dass die Leiche von einem Hund attackiert wurde, als sie hier vorbeikamen. Können Sie diesen Hund beschreiben?“

„Der war total abgefahren, Detective. Wie ein kleiner Schäferhund, aber irgendwie wild, verstehen Sie?“

„Wie ein Kojote?“, hakte Nikki nach.

„Nun, ja, schätze schon. Aber mal im Ernst, das hier ist New York City.“

Den gleichen Gedanken hatte Nikki auch gehabt. „Danke für ihre Kooperation, Mr. Dove.“

„Machen Sie Witze? Darüber werde ich heute Abend so was von in meinem Blog schreiben.“

Heat trat ein paar Schritte zur Seite, um einen Anruf entgegenzunehmen. Es war die Zentrale, die einen anonymen Hinweis bezüglich eines Mordes in Verbindung mit einem Einbruch meldete. Während sie telefonierte, ging sie zu Raley und Ochoa hinüber. Die anderen beiden Detectives verstanden ihre Körpersprache und machten sich zum Aufbruch bereit, noch bevor sie den Anruf beendet hatte.

Nikki ließ ihren Blick über den Tatort schweifen. Uniformierte Polizisten hatten mit den Befragungen begonnen, die übrigen Geschäfte würden erst in ein paar Stunden öffnen, und die Leute von der Spurensicherung waren mit ihrer Arbeit beschäftigt. Momentan gab es hier nichts mehr für sie zu tun.

„Wir haben einen neuen Fall, Leute.“ Sie riss eine Seite aus ihrem Notizblock und reichte Raley die Adresse. „Folgen Sie mir. Achtundsiebzigste Straße zwischen Columbus und Amsterdam.“

Nikki bereitete sich darauf vor, auf eine weitere Leiche zu treffen.

Das Erste, was Detective Heat auffiel, als sie von der Amsterdam Avenue in die Achtundsiebzigste Straße einbog, war die Stille. Es war kurz nach sieben, und die ersten Sonnenstrahlen hatten das Dach des Naturkundemuseums überwunden. Nun verwandelte ihr goldenes Licht den Wohnblock in eine friedliche Stadtlandschaft, die regelrecht darum bettelte, auf einem Foto festgehalten zu werden. Doch die Ruhe kam Heat auch seltsam vor.

Wo waren die Streifenwagen? Wo waren der Krankenwagen, das gelbe Absperrband und die Traube aus Gaffern? Als Ermittlerin hatte sie sich daran gewöhnt, nie als Erste an einem Tatort einzutreffen.

Raley und Ochoa reagierten ebenfalls darauf. Sie schoben ihre Mäntel zurück, um freien Zugriff auf ihre Waffen zu haben, als sie aus dem Auto stiegen, und suchten auf dem Weg zu ihr systematisch die Umgebung ab. „Ist das die richtige Adresse?“, fragte Ochoa und ließ es nicht wirklich wie eine Frage klingen.

Raley drehte sich herum, um den Obdachlosen zu überprüfen, der den nicht abgeholten Müll am oberen Ende der Straße nach Brauchbarem durchsuchte. Abgesehen davon herrschte auf der Achtundsiebzigsten Straße West absolute Stille. „Das fühlt sich so ähnlich an wie der Erste auf einer Party zu sein.“

„Als ob du zu Partys eingeladen wirst“, kam die Erwiderung seines Partners, während sie sich dem Sandsteingebäude näherten.

Raley reagierte nicht auf die Stichelei. Sobald sie auf den Bordstein traten, endete die Unterhaltung abrupt, als ob sie eine unsichtbare Linie überquert hätten. Nacheinander eilten sie durch eine freie Stelle, die jemand zwischen den Müllsäcken und Abfällen geschaffen hatte, und die beiden Männer flankierten Heat, als sie vor dem nächsten Haus stehen blieb. „Die Adresse ist eine in der ersten Wohneinheit, also muss es dieses Haus sein“, flüsterte sie und deutete auf die Wohneinheit mit Garten, die sich ein halbes Stockwerk unterhalb der Straßenebene befand. Fünf Granitstufen führten vom Bürgersteig zu einer kleinen Ziegelveranda hinunter, die von einem Metallgeländer sowie hölzernen Blumenkästen umgeben war. Hinter den verschnörkelten gusseisernen Gittern vor den Fenstern befanden sich schwere zugezogene Vorhänge. In der Fassade darüber saßen aufwendig gravierte Steinplatten. Die Tür unter dem Bogen, der von den Stufen gebildet wurde, die in die darüberliegende Wohnung führten, stand weit offen.

Nikki gab ein Handzeichen und näherte sich der Eingangstür. Ihre Detectives folgten ihr und gaben ihr gleichzeitig Deckung. Raley behielt die hintere Flanke im Auge, und Ochoa überwachte den vorderen Bereich, während Heat die Hand auf ihre Sig legte und sich auf der anderen Seite der Tür positionierte. Als sie sicher sein konnte, dass alle bereit waren, rief sie in die Wohnung hinein: „NYPD, wenn da drinnen jemand ist, dann melden Sie sich.“

Sie warteten und lauschten. Nichts.

Regelmäßiges Training und die Tatsache, dass sie schon so lange als Team zusammenarbeiteten, hatten diesen Teil zur Routine gemacht. Raley und Ochoa stellen Augenkontakt mit ihr her. Sie warteten, bis sie dreimal mit dem Kopf genickt hatte, zogen ihre Waffen und gingen hinter ihr in der Weaver-Haltung hinein.

Dicht gefolgt von Ochoa bewegte sich Heat schnell durch den kleinen Eingangsbereich in den Flur. Es ging darum, rasch vorzudringen und jeden Raum zu sichern. Dabei mussten sie einander absichern, ohne zu nah beieinander zu stehen. Raley blieb ein wenig zurück, um ihnen Rückendeckung zu geben.

Die erste Tür zu ihrer Rechten führte in ein elegant eingerichtetes Esszimmer. Heat stürmte mit Ochoa hinein und jeder übernahm eine Seite des Raums. Das Esszimmer war leer, aber ein totales Chaos. Kommoden und antike Truhen standen offen, und überall auf dem Parkettboden lag Besteck und zerbrochenes Porzellangeschirr, das aus den Schränken gezerrt und heruntergeworfen worden war.

Auf der anderen Seite des Flurs fanden sie das Wohnzimmer in einem ähnlichen Zustand vor. Umgeworfene Stühle lagen auf zerfetzten Bildbänden. Eine Schicht aus Kissenfüllung bedeckte zerbrochene Vasen und Tonschalen. Die Leinwände zerschnittener Ölgemälde hingen schlaff aus ihren Bilderrahmen. Ein Aschehaufen aus dem Kamin bedeckte die Feuerstelle und den davorliegenden Orientteppich, als ob ein Maulwurf versucht hätte, sich dort herauszugraben.

Im Gegensatz zum vorderen Bereich der Wohnung brannte im anliegenden Raum Licht. Von dort, wo sie stand, konnte Heat erkennen, dass es sich um ein Arbeitszimmer handelte. Sie signalisierte Raley, seine Position zu halten und ihnen Deckung zu geben, während sie und Ochoa sich einmal mehr zu beiden Seiten der Tür aufstellten. Auf ihr Nicken hin stürmten sie ins Arbeitszimmer.

Die tote Frau schien um die fünfzig zu sein und saß auf einem Stuhl vor dem Schreibtisch. Ihr Kopf war nach hinten geneigt, als ob sie in der Bewegung kurz vor einem gewaltigen Niesen verharrt wäre. Heat beschrieb mit ihrer linken Hand einen Kreis in der Luft, um ihren Partnern mitzuteilen, dass sie wachsam bleiben sollten, während sie sich einen Weg durch die Trümmer auf dem Fußboden des Arbeitszimmers in Richtung Schreibtisch bahnte, um Puls und Atmung der Frau zu überprüfen. Nach einem kurzen Moment zog sie die Hand vom kalten Fleisch der Leiche zurück, sah auf und schüttelte den Kopf.

Von der anderen Seite des Flurs erklang ein Geräusch.

Alle drei wirbelten gleichzeitig herum, als sie es hörten. Es klang wie ein Fuß, der auf zerbrochenes Glas trat. Die Tür zu dem Raum, aus dem es kam, war geschlossen, doch unter dem Türspalt schimmerte Licht durch. Heat malte sich im Kopf den wahrscheinlichen Grundriss des Hauses auf. Wenn das dort die Küche war, würde die Tür, die sie am hinteren Ende des Esszimmers gesehen hatte, ebenfalls dort hineinführen. Sie deutete auf Raley und signalisierte ihm, zu dieser Tür zu gehen und zu warten, bis sie loslegte. Dann zeigte sie auf ihre Uhr und fuhr mit der Hand über die Mitte, um klarzumachen, dass sie in einer halben Minute so weit sein würde. Er warf einen Blick auf sein Handgelenk, nickte und schlich davon.

Detective Ochoa war bereits auf einer Seite der Tür in Position gegangen. Sie übernahm die andere Seite und hielt ihre Armbanduhr hoch. Bei ihrem dritten Nicken, stürmten sie lautstark in den Raum. „NYPD! Keine Bewegung!“

Der Mann, der am Küchentisch saß, sah, wie drei Schusswaffen aus Richtung der beiden Türen auf ihn zielten, und riss kreischend die Hände hoch.

Als Nikki Heat ihn erkannte, rief sie: „Was zum Teufel soll das werden?“

Der Mann ließ langsam eine Hand sinken und zog sich die Ohrstöpsel aus den Ohren. Er schluckte hörbar und fragte: „Was?“

„Was zum Teufel machst du hier?“

„Ich warte auf euch“, sagte Jameson Rook. Er sah etwas, das ihm nicht gefiel, auf ihren Gesichtern und fügte hinzu: „Ihr habt doch nicht etwa geglaubt, dass ich da drinnen bei ihr warte, oder?“

ZWEI

Als die Detectives ihre Waffen in den Holstern verstauten, seufzte Rook erleichtert auf. „Mann, ich glaube, ihr habt mich gerade zehn Jahre meines Lebens gekostet.“

„Sie haben Glück, dass Sie überhaupt noch leben“, erwiderte Raley. „Warum haben Sie uns nicht geantwortet?“

„Wir haben doch laut gerufen, um festzustellen, ob hier jemand ist“, fügte Ochoa hinzu.

Rook hielt einfach nur sein iPhone hoch. „Digital nachbearbeitete Lieder der Beatles. Ich musste mich irgendwie von der L-e-i-c-h-e ablenken.“ Er verzog das Gesicht und deutete in den Nebenraum. „Allerdings musste ich feststellen, dass ‚A Day in the Life‘ nicht gerade die erbaulichste Ablenkung darstellt. Sie sind am Ende des Lieds hier eingefallen, genau an der Stelle, als dieser donnernde Schlag auf das Klavier kommt. Ernsthaft.“ Er wandte sich an Nikki und lächelte bedeutungsvoll. „Das nenn ich mal Timing, was?“

Heat versuchte, den Unterton zu ignorieren, der in ihren Ohren alles andere als subtil klang. Vielleicht reagierte sie aber auch nur sensibler darauf. Als sie einen Blick zu Roach warf, um ihre Reaktionen festzustellen, konnte sie keine entdecken. Sie fragte sich, ob die Dinge für sie schlimmer standen, als sie gedacht hatte, oder ob es einfach nur der Schock war, Rook ausgerechnet hier anzutreffen. Nikki war schon zuvor ehemaligen Liebhabern über den Weg gelaufen, wer war das nicht? Doch normalerweise passierte so etwas in einem Starbucks oder im Kino – nicht am Tatort eines Mordes. Eines war sicher: Dies war eine unwillkommene Ablenkung von ihrer Arbeit, etwas, das verdrängt werden musste. „Roach“, sagte sie in professionellem Tonfall, „Sie beide überprüfen den Rest des Gebäudes.“

„Oh, hier ist niemand. Ich habe bereits nachgesehen.“ Rook hob beide Hände mit den Handflächen nach oben. „Aber ich habe nichts angefasst. Ich schwöre.“

„Überprüfen Sie es trotzdem“, lautete Nikkis Erwiderung darauf, und Roach machten sich auf, um die verbliebenen Räume zu durchsuchen.

Sobald sie allein waren, sagte er: „Schön, dich wiederzusehen, Nikki.“ Und dann ließ er wieder dieses verdammte Lächeln aufblitzen. „Oh, und danke, dass du mich nicht erschossen hast.“

„Was machst du hier, Rook?“ Sie bemühte sich, jeglichen Hinweis auf die Verspieltheit, die sie normalerweise mitschwingen ließ, wenn sie seinen Nachnamen aussprach, aus ihrer Stimme herauszuhalten. Dieser Kerl brauchte eine eindeutige Botschaft.

„Wie ich schon sagte: Ich habe auf euch gewartet. Ich war derjenige, der die Leiche gemeldet hat.“

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