Derrick Storm 2: Wild Storm - Wilder Sturm - Richard Castle - E-Book
Beschreibung

Derrick Storm ist der Typ, den die CIA anheuert, wenn sie jemanden für Ermittlungen im Inland braucht. Er ist gerade auf dem Weg zurück von einer Klettertour in den Schweizer Alpen, als das Flugzeug, in dem er sich befindet, in zehn Kilometern Höhe plötzlich zu einem Sturzflug ansetzt. Storm benutzt seine Kletterausrüstung, um sich an einen der Flügel zu binden und rettet so heldenhaft sowohl das Flugzeug als auch alle Anwesenden an Bord. Doch leider war Storm nicht in der Lage, den drei anderen Flugzeugen zu Hilfe zu eilen, die unter ähnlichen Umständen abstürzten und bei denen keiner der Insassen überlebte. Interessanterweise handelt es sich bei den meisten Opfern um einflussreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und religiösen Gruppen. Der stets geheimnisumwitterte Jedidiah Jones, Leiter des National Clandestine Service, betraut Storm mit den Ermittlungen. Storm findet heraus, dass ein unbekannter Extremist genügend Promethium, ein Element, das zu den Seltenen Erden gehört, an sich gebracht hat, um einen Laser zu entwickeln, mit dem man Flugzeuge vom Boden aus abschießen kann. Die Problematik nimmt schon bald globale Ausmaße an, als vier weitere Flugzeuge über der Arabischen Wüste abstürzen. Die Spurenlage, seine Intuition und sein Mut führen Storm nach Monaco, Panama-Stadt und Ägypten, wo er auf der heldenhaften Suche nach dem Wahnsinnigen hinter den Anschlägen wunderschöne Frauen trifft, auf zornigen Kamelen reitet und unschuldige Opfer rettet.

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Sammlungen



RICHARDCASTLE

WILD STORM

WILDER STURM

ÜBERSETZUNG

SABINE ELBERS

UND

SUSANNE DÖPKE

Die deutsche Ausgabe von CASTLE: WILD STORM – WILDER STURMwird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg.Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern, Übersetzung: Sabine Elbers und Susanne Döpke;verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde; Lektorat: Katrin Aust;Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik; Cover Artwork: Shubhani Sarkar;Printausgabe gedruckt von CPI Morvia Books s.r.o., CZ-69123 Pohorelice. Printed in the Czech Republic.

Castle © ABC Studios. All rights reserved

Originally published in the United States and Canada as WILD STORM by Richard Castle.This translated edition published by arrangement with Kingswell, an imprint of Disney Book Group, LLC.

German translation copyright © 2014 ABC Studios.

Print ISBN ISBN: 978-3-86425-297-6 (Juli 2014) · E-Book ISBN 978-3-86425-332-4 (Juli 2014)

WWW.CROSS-CULT.DE

Inhalt

EINS

ZWEI

DREI

VIER

FÜNF

SECHS

SIEBEN

ACHT

NEUN

ZEHN

ELF

ZWÖLF

DREIZEHN

VIERZEHN

FÜNFZEHN

SECHZEHN

SIEBZEHN

ACHTZEHN

NEUNZEHN

ZWANZIG

EINUNDZWANZIG

ZWEIUNDZWANZIG

DREIUNDZWANZIG

VIERUNDZWANZIG

FÜNFUNDZWANZIG

SECHSUNDZWANZIG

SIEBENUNDZWANZIG

ACHTUNDZWANZIG

NEUNUNDZWANZIG

DREISSIG

EINUNDDREISSIG

ZWEIUNDDREISSIG

DREIUNDDREISSIG

ROMANE BEI CROSS CULT

Für mein Ein und Alles.Du machst die Rettung der Welt zu Magie.

EINS

SECHSTAUSEND METER ÜBER YORK, Pennsylvania

In dem Moment, als Flug 937 ins Visier genommen wurde – der Moment, als die mehr als dreihundert Seelen an Bord in eine Gefahr gerieten, deren Ausmaße sie nicht mal ansatzweise ahnen konnten –, dachte der Mann auf Sitz 2B über ein Nickerchen nach.

Sitz 2B war ein Stück nach hinten geneigt und der Mann atmete tief und ruhig. Er sah verwegen aus, groß, dunkelhaarig, mit breiter Brust. Sein dichtes Haar trug er modisch zur Seite gekämmt. Zusätzlich zu seinem guten Aussehen hatte er eine unbeschreibliche Ausstrahlung – sei es nun Charme, Charisma oder auch natürliche Anziehungskraft –, was dazu führte, dass die Flugbegleiterinnen ihm etwas mehr Aufmerksamkeit schenkten, als eigentlich nötig gewesen wäre.

Sein Gesicht war sonnengebräunt und wettergegerbt. Er war in den letzten Wochen zum Klettern in den Schweizer Alpen gewesen und hatte seine Tour mit der Einzelbesteigung der Eiger-Nordwand in etwas unter vier Stunden abgeschlossen. Nicht gerade rekordverdächtig, aber auch nicht schlecht für einen Mann, der seinen Lebensunterhalt nicht mit Klettern verdiente.

Er trug noch immer seine Wanderstiefel. Ein Teil seiner Ausrüstung war über ihm in einem abgetragenen Rucksack verstaut. Der Rest lag unten im Bauch der Boeing 767-300, die sich seit dem Abflug in Zürich pflichtbewusst ihren Weg durch den Himmel pflügte.

Sie befanden sich in einem langen, langsamen Sinkflug in Richtung Dulles International Airport, und der Mann auf Sitz 2B freute sich auf den Abend, denn er plante, mit seinem Vater zu einem Spiel der Orioles zu gehen. Sie hatten sich seit zwei Monaten nicht mehr gesehen, eine viel zu lange Zeit. Sie hatten einiges nachzuholen.

Die 767 schwenkte leicht nach rechts, dann flog sie wieder geradeaus. Sie war ein robustes Flugzeug, daher war die Reise bisher ruhig verlaufen. Nur vor ein paar Minuten hatte es ein paar kaum spürbare Turbulenzen gegeben, als das Flugzeug unter einer hohen Wolkenbank hindurchgeflogen war. Der Mann auf Sitz 2B hatte die Augen zwar geschlossen, schlief jedoch nicht. Er befand sich in der Übergangsphase zwischen Wachen und Schlafen, in der der bewusste Teil seines Denkens nach und nach die Kontrolle an sein Unterbewusstsein abgab.

Dann ertönte das laute Klonk.

Seine Augen öffneten sich. Das war definitiv kein Geräusch, dass man in einem Flugzeug hören wollte oder zu hören erwartete. Es folgten klagende und panische Stimmen, die von einer Position links hinten im Flugzeug zu ihm vordrangen. Über ihm ertönte das Signal zum Anlegen der Sicherheitsgurte. Das Flugzeug flog nicht länger ruhig oder geradeaus. Es war nach links ausgebrochen und ruckelte mit etwa zehn Prozent Neigung dem Erdboden entgegen.

Physiologen hatten als die beiden möglichen Reaktionen auf eine Bedrohung Kampf oder Flucht identifiziert. Doch tatsächlich handelte es sich bei diesen um rein instinktive Reaktionen, das Erbe der affenartigen Vorfahren des Menschen. Als Mitglied einer weiterentwickelten Spezies bildet sich der H. sapiens jedoch ein, diese grundlegenden animalischen Triebe überwunden zu haben. Er ist höflich und zivilisiert, insbesondere in Anwesenheit anderer H. sapiens. Der Anstand ist ihm wichtig – manchmal sogar wichtiger als das Überleben.

Daher besteht die Reaktion der meisten Menschen bei einem Notfall darin, nichts zu tun.

Doch der Mann auf Sitz 2B war nicht wie die meisten Menschen.

Während die anderen First-Class-Passagiere nervöse Blicke austauschten, öffnete der Mann auf Sitz 2B seinen Sicherheitsgurt und ging in den mittleren Teil des Flugzeugs. In ihm brodelte sein Kampf-oder-Flucht-Instinkt – beschleunigter Herzschlag, geweitete Pupillen, gut durchblutete Muskeln, bereit zum Handeln –, doch er war schon lange darauf trainiert, das chemische Chaos in seinem Körper produktiv und zu seinem Vorteil zu nutzen.

Er durchquerte die Business Class, dann erreichte er die Economy Class und die Reihen am Notausgang. Ohne ein Wort an die Passagiere zu richten, die alle die Hälse reckten, um nach draußen schauen zu können, beugte er sich vor und warf selbst einen Blick durchs Fenster. Er brauchte vielleicht anderthalb Sekunden, um einzuschätzen, was er vor sich sah, und noch zwei weitere Sekunden, um zu entscheiden, was er dagegen unternehmen sollte. Er ging zurück in die First Class. Dort traf er auf eine Flugbegleiterin, eine hübsche Frau mit aschblondem Haar, deren Namensschild sie als PEGGY identifizierte. Sie hielt sich an einer Seite des Rumpfs fest.

Die Stimme des Mannes blieb ruhig, als er sagte: „Ich muss mit dem Piloten sprechen.“

„Sir, bitte gehen Sie zurück zu Ihrem Platz und legen Sie den Sicherheitsgurt an.“

„Ich muss sofort mit dem Piloten sprechen.“

„Es tut mir leid, Sir, das ist nicht …“

Sein Tonfall war immer noch ruhig, als er sie abermals unterbrach: „Bei allem Respekt, Peggy, ich habe keine Zeit, mich mit Ihnen zu streiten. Ob Sie es nun wahrhaben wollen oder nicht, wir befinden uns in einer, wie die Piloten es nennen, Todesspirale. Noch ist die Sogwirkung minimal, doch es gibt rein gar nichts, was Ihr Pilot dagegen tun kann. Sie wird unaufhörlich zunehmen. Wenn Sie mich ihm nicht helfen lassen, wird die Spirale enger und enger werden, bis wir in einem steilen Winkel und mit ziemlich hoher Geschwindigkeit auf dem Boden aufschlagen. Vertrauen Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass das für uns alle nicht gut ausgehen wird, ob wir nun die Sicherheitsgurte angelegt haben oder nicht.“

Endlich hatte er sich Peggys Aufmerksamkeit gesichert – und auch ihre Kooperation. Sie ging mit wackligen Schritten auf ein Telefon zu, hob ab und sprach in den Hörer.

„Gehen Sie rein“, sagte sie und nickte in Richtung der Cockpit-Tür. „Sie ist nicht verschlossen.“

Der Pilot hatte graues Haar und Krähenfüße, was ihn als erfahrenen Flieger auswies. Doch in seinen vielen Tausend Flugstunden hatte er sich niemals einer Situation wie dieser stellen müssen. Er setzte sein ganzes Gewicht bei der Bedienung des Steuerknüppels ein, die Muskeln an seinen Armen spannten sich. Das Flugzeug reagierte zwar darauf, jedoch nicht genug.

Der Mann von Sitz 2B hielt sich nicht mit Höflichkeiten auf.

„Eins von Ihren linken Querrudern ist weg und das andere hängt nur noch am seidenen Faden“, sagte er.

„Ich habe den Energiezufluss der Backbordmotoren erhöht und das Seitenruder angepasst, aber ich kann uns nicht gerade halten“, informierte ihn der Pilot.

„Und das wird Ihnen auch nicht gelingen“, erklärte der Mann von Sitz 2B. „Ich glaube nicht, dass ich die Funktion Ihres Querruders wiederherstellen kann. Allerdings denke ich, dass ich es wenigstens wieder in Position bringen kann.“

„Und wie wollen Sie das anstellen?“, fragte der Pilot.

Der Mann von Sitz 2B ignorierte die Frage und erkundigte sich: „Haben Sie Speed Tape in Ihrer Flugkiste?“

„Ja, es liegt im Fach hinter mir.“

„Gut“, sagte der Mann und war bereits auf dem Weg in die angegebene Richtung.

„Wir sind nicht die Einzigen“, berichtete der Pilot.

„Was meinen Sie damit?“

„Drei Flugzeuge sind bereits abgestürzt. Keiner weiß, was zum Teufel los ist. Die Flugsicherung spricht bereits von einem weiteren 11. September. Die Flugzeuge fallen einfach vom Himmel.“

Der Mann von Sitz 2B dachte kurz über diese Information nach und verbannte sie dann aus seinen Gedanken. Sie war unter den gegebenen Umständen momentan nicht von Belang und er würde seine gesamte Konzentration für sein Vorhaben benötigen. „Wie hoch sind wir?“, fragte er.

„Fünftausendsechsundsiebzig Meter und fallend.“

„Okay. Sie müssen die Fluggeschwindigkeit auf zweihundertsechzig Kilometer pro Stunde drosseln, auf viertausend Meter sinken und den Kabinendruck ausschalten. Können Sie das für mich tun?“

„Ich denke schon.“

„Wie ist Ihr Name, Captain?“

„Estes. Ben Estes.“

„Captain Estes, ich werde Ihnen teilweise Kontrolle über diesen Vogel verschaffen. Hoffentlich genug, um uns sicher runterzubringen. Halten Sie die Maschine in den nächsten fünf Minuten für mich so ruhig Sie können. Keine plötzlichen Bewegungen.“

„Roger. Wie lautet Ihr Name, mein Sohn?“

Doch der Mann von Sitz 2B hatte das Cockpit bereits verlassen. Er hielt kurz an seinem Sitz an, öffnete die Gepäckklappe über sich und holte seinen Rucksack heraus. Aus dem Rucksack zog er einen Klettergurt von Petzl Modell Hirundos, einige Karabiner und ein siebzig Meter langes Kletterseil der Marke Mammut. Das Flugzeug war langsamer geworden. Es neigte sich nun etwa fünfzehn Grad nach links. In den Ohren des Mannes von Sitz 2B knackte es.

Die Frau auf Sitz 1B löcherte ihn mit Fragen: „Was ist hier los? Werden wir abstürzen? Was haben Sie vor?“

„Ich versuche nur, eine Venenthrombose zu vermeiden“, sagte der Mann von Sitz 2B schließlich. „Die bringt einen ohne Vorwarnung um, wissen Sie.“

Nach diesen Worten war er wieder in Bewegung und auf dem Weg zurück in die Economy Class und zu den Sitzen am Notausgang. In diesem Teil des Flugzeugs war unter den Passagieren mittlerweile Panik ausgebrochen. Sie hatten den Flügel gesehen. Sie spürten die Schräglage des Flugzeugs. Einige schluchzten. Einige hielten geliebte Menschen fest in den Armen. Andere beteten.

„Leute, ihr müsst die Sitze hier verlassen“, sagte er zu den Passagieren, die auf den Sitzen am Notausgang saßen. „Wenn ihr das tut, ist die Gefahr deutlich geringer, dass ihr aus dem Flugzeug gesogen werdet.“

Diese Worte – aus dem Flugzeug gesogen – und die damit verbundenen Bilder in den Köpfen erzielten sofortige Wirkung. Die vier Sitze, zwei in jeder Reihe, leerten sich, während der Mann von Sitz 2B in seinen Klettergurt stieg und das eine Ende des Seils daran befestigte. Dann nahm er das andere Ende, wickelte es mehrmals um Sitz 20B und machte den stabilsten Knoten, den er kannte.

Er zog fest daran, um ihn zu testen. Der Mann von Sitz 2B stemmte beim Bankdrücken einhundertfünfzig Kilo und aus der Hocke doppelt so viel. Er wusste, dass dies nichts im Vergleich zu den Kräften war, die das Seil gleich aushalten musste. Er hoffte nur, dass es hielt.

Die Rolle Speed Tape klemmte er sich zwischen die Zähne, bevor er das Siegel an der Tür zum Notausgang brach, sie mit beiden Händen packte und aus dem Flugzeug warf. Er ignorierte die Schreie der Passagiere in der Nähe und konzentrierte sich auf die Aufgabe, die nun vor ihm lag.

Als Kind hatte der Mann von Sitz 2B immer Spaß daran gehabt, die Scheiben im Buick – es war immer ein Buick gewesen – seines Vaters herunterzukurbeln und die Hand in den Wind zu halten, der ihm entgegenblies, und daran seine jugendliche Kraft zu testen. Hundert Kilometer pro Stunde war es schon eine Herausforderung gewesen, doch das Flugzeug bewegte sich mit mehr als dreifacher Geschwindigkeit. Aber er war kein Kind mehr. Er legte sich flach auf den Boden und holte ein Mal tief Luft.

Dann kroch er auf den Flügel.

Er lag in Flugrichtung und stemmte einen Fuß gegen den Türrahmen des Notausgangs. Der Wind riss an ihm und tat sein Bestes, um ihn herunterzufegen. Nur wenn er sich möglichst flach auf dem Flügel hielt, konnte er verhindern, fortgeschleudert zu werden. Das Seil, das ihn mit dem Flugzeug verband, mochte halten oder auch nicht, wenn es auf die Probe gestellt wurde. Der Mann von Sitz 2B war nicht wirklich scharf darauf, es herauszufinden.

Sein Ziel war es, die Anströmkante des Flügels zu erreichen, also kroch er weiter darauf zu. Er arbeitete sich langsam voran, seine Hände waren schwielig und hatten in den Wochen in den Bergen an Stärke gewonnen.

Als er die Kante erreichte, hielt er sich daran fest und bewegte sich Stück für Stück vom Flugzeugrumpf weg und auf die Flügelspitze zu. Er schob eine Hand vor, dann die andere. Er wagte es nicht, sich zu schnell zu bewegen, bis er den Teil des Flügels erreichte, wo er das Querruder hinter sich flattern hören konnte.

Nun kam der erste schwierige Teil: Sich umdrehen.

Er machte eine Art Klimmzug und kam so näher an die Anströmkante des Flügels heran. Dann hakte er seinen rechten Arm darum, gefolgt von seinem rechten Bein. Die Kraft des Windes drückte so wenigstens einen Teil von ihm fest gegen das Flugzeug. Er versuchte, nicht daran zu denken, dass ein Großteil seines Körpers in viertausend Metern Höhe über den Feldern Süd-Pennsylvanias baumelte, und streckte seine linke Hand nach hinten aus. Seine rechte Hand folgte der linken bis er den hinteren Teil des Flugzeugs sehen konnte. Vorsichtig schob er sich nun an die Flügelhinterkante heran.

Es folgte der zweite schwierige Teil: Das Querruder erwischen.

Das Metallstück war ein bewegliches Ziel, also gab es für ihn keine Möglichkeit, es in die Finger zu bekommen – jedenfalls nicht, ohne das bisschen Halt, das er auf dem Flügel hatte, zu verlieren. Stattdessen griff er nach dem schmalen Metallstreifen, über den das Querruder noch mit dem Flügel verbunden war. Sobald er ihn mit der rechten Hand gepackt hatte, zog er ihn vorsichtig zu sich heran – rechte Hand, linke Hand, rechte Hand, linke –, bis er das Querruder schließlich greifen konnte.

Er war dankbar für die Gummisohlen an seinen Wanderstiefeln. Er bezweifelte, dass er mit seinen Slippern genügend Halt auf dem Flügel gehabt hätte, besonders da das Flugzeug sich weiterhin dem Boden zuneigte. Die Todesspirale begann. Falls das Flugzeug noch mehr Schräglage bekam, wäre seine Aufgabe unmöglich zu schaffen.

Nun, da er das Querruder endlich in Händen hielt, machte er sich an die dritte schwierige Aufgabe: Es wieder an seinem Platz fixieren.

Er klemmte das Querruder unter seinen Körper und riss ein Stück Speed Tape von der Rolle. Obwohl es wie Duct Tape aussah, bestand Speed Tape aus Aluminium. Zunächst hatte es im Vietnamkrieg Verwendung gefunden. Man hatte es im Feld benutzt, um durch kleinere Geschosse verursachte Schäden an Hubschraubern notdürftig zu reparieren. Damals hieß es, es könne einer Geschwindigkeit von tausendfünfhundert Kilometern pro Stunde standhalten.

Der Mann von Sitz 2B konnte nur hoffen, dass die Kriegsgeschichten stimmten, als er den ersten Streifen auf das Metall des Querruders klebte. Dann einen weiteren Streifen. Das Tape war schwer und es hatte einen schweren Job vor sich. Als er der Meinung war, dass er genügend Tape verwendet hatte, positionierte er das Querruder so, dass es nach seinem Dafürhalten in seiner Ursprungsposition lag. Oder zumindest nah dran. Er drückte es nach unten und hielt es mit den Handgelenken an Ort und Stelle, während er mit den Händen weiteres Speed Tape von der Rolle abriss. Er klebte noch ein paar Streifen dazu, bis er so etwas wie Zuversicht verspürte.

Es folgte der kritische Moment, in dem er die Hände vom Querruder nehmen musste. Falls es nicht an seinem Platz blieb, konnte er genauso gut vom Flugzeug springen. Ihm bliebe nicht genügend Zeit, um die Aktion zu wiederholen, bevor die Todesspirale sie auf dem Boden aufschlagen ließe. Dies war für ihn und jeden weiteren Mann, jede Frau und jedes Kind an Bord der Moment der Wahrheit.

Er ließ los.

Das Querruder hielt.

Als sie sich im Landeanflug auf den Dulles Airport befanden, stand bereits ein Empfangskomitee aus Feuerwehr- und Rettungswagen an der Landebahn bereit.

Captain Estes hatte das Flugzeug mit purer Willenskraft und mithilfe der zumindest teilweise zurückerhaltenen Kontrolle unter großen Anstrengungen durch die letzten hundert Kilometer ihrer Reise gekämpft. Später hieß es, nur einer von Amerikas besten Piloten hätte das vollbringen können. Ihn erwartete das Cover des Time-Magazines, ein Buchvertrag, ja sogar ein Gastauftritt in einer hochgelobten Krimiserie bei ABC.

Der Mann, der das alles möglich gemacht hatte, war zu Sitz 2B zurückgekehrt, als sei gar nichts geschehen, als sei er nur ein gewöhnlicher Passagier. Selbst als seine Mitreisenden sich bei ihm bedanken wollten, schüttelte er nur den Kopf, wies auf das Cockpit und erklärte: „Ich bin nicht derjenige, der den Vogel gelandet hat.“ Das Aufsetzen des Flugzeugs wurde von tosendem Applaus begleitet. Als Peggy, die Flugbegleiterin – die bereits ihr eigenes spezielles Dankeschön für Captain Estes plante –, an die Lautsprecheranlage trat und sagte: „Willkommen am Dulles Airport!“, brachen die Passagiere erneut in Jubel aus.

Der Mann auf Sitz 2B spürte, wie ihm Hände anerkennend auf den Rücken klopften. Er fühlte keine besondere Euphorie, keine Begeisterung darüber, noch am Leben zu sein, nur Sorge. Die anderen Passagiere wussten nichts von der größeren Tragödie, die sich außerhalb des Flugzeugs abspielte. Sie waren sich der Tatsache nicht bewusst, dass sie zwar dem sicheren Tod entronnen waren, doch Hunderte andere Passagiere an diesem Tag nicht so viel Glück gehabt hatten.

Peggy verkündete, dass sie nun ihre elektronischen Geräte wieder anschalten durften, obwohl die meisten das schon längst getan hatten. Sie sendeten bereits fieberhaft eine ganze Flut von „Du wirst nicht glauben, was mir gerade passiert ist“-Textnachrichten und „Es geht mir gut, ja, es geht mir wirklich gut“-E-Mails.

Der Mann auf Sitz 2B nahm jedoch keinen Anteil an ihrer Freude. Ihm war bereits klar, was ihn erwartete, wenn er sein Handy einschaltete.

Es war eine Textnachricht von einer unterdrückten Nummer. Dort stand nur: Kämmerlein. Sofort.

Wenn man ihn ins Kämmerlein bestellte, konnte das nur eines bedeuten: Ein Job wartete auf ihn.

Zum Orioles-Spiel würde er es also nicht schaffen.

Der Mann von Sitz 2B machte sich nicht die Mühe, sein Handgepäck mitzunehmen, es würde ihn ohnehin nur aufhalten. Er wartete auch nicht, bis die Hauptkabinentür in der Mitte des Flugzeugs geöffnet wurde. Er öffnete sie selbst, noch bevor die Fluggastbrücke angedockt hatte, sprang aus dem Flugzeug und beschlagnahmte einen vorbeifahrenden Gepäckwagen.

Captain Estes empfing tränenschwangere Umarmungen und dankbares Händeschütteln von den Passagieren, die das Flugzeug auf normalem Wege verließen. In den kommenden Wochen und Monaten kamen ihm viele ihrer Geschichten zu Ohren, wodurch er die Menschen, zu deren Rettung er beigetragen hatte, besser kennenlernte: eine Frau, die mit Zwillingen schwanger war; ein Siebenjähriger auf dem Weg zu seiner Großmutter; ein Medizinforscher, der an der Entwicklung eines Krebsmedikaments beteiligt war; eine Nonne, die ihr Leben den Armen widmete; ein Vater mit sechs Adoptivkindern – sie alle waren bemerkenswerte Menschen.

Doch in genau diesem Moment dachte Captain Estes nur an einen Mann, einen Mann, der sich bereits heimlich davongemacht hatte.

„Ich kenne noch nicht mal seinen Namen“, sagte er zur Flugbegleiterin, nachdem alle Passagiere ausgestiegen waren.

„Er saß auf Sitz 2B“, berichtete ihm Peggy. „Warum überprüfen Sie nicht die Passagierliste?“

Der Captain ging zurück ins Cockpit und warf einen Blick auf die Passagierliste.

Der Mann auf Sitz 2B hieß Derrick Storm.

ZWEI

WESTLICH VON LUXOR, Ägypten

Die Wüste Sahara, die sich knapp fünftausend Kilometer westlich des Nils erstreckt, eignete sich mit ihrer flachen und kargen Landschaft sowie der beinahe unerträglichen Hitze als ideales Versteck. Allerdings nur, wenn man ein Sandkorn war.

Alles andere stach deutlich hervor. Aus diesem Grund hatte Katie Comely keinerlei Schwierigkeiten, die Staubwolke auszumachen, die einige Kilometer von ihr entfernt aufstieg.

Sie richtete die Linse ihres Zeiss-Conquest-HD-Fernglases auf den vorderen Teil der Wolke und sah die Reflexion der Sonne auf einer Windschutzscheibe. Es waren Fahrzeuge, mindestens vier, die in einer leicht verschobenen V-Formation und mit einer Geschwindigkeit von etwa siebzig Kilometern pro Stunde auf sie zukamen.

Sie bemühten sich nicht einmal um Unauffälligkeit. Doch die Männer, die Katie Sorge bereiteten, scherten sich um so etwas auch nicht.

Es waren Banditen. Schon wieder. Sie waren seit jeher ein Problem in der Wüste, doch seit der Revolution von 2011 und dem Tuareg-Aufstand vom 6. April, stellten sie eine noch größere Bedrohung dar. Den Behörden gelang es kaum, in den Dörfern und Städten die Ordnung aufrechtzuerhalten. Die abseits gelegenen Gebiete waren mittlerweile so gesetzlos, wie sie es in den Tagen nach dem Fall des Römischen Imperiums gewesen waren. In den zwei Monaten, seit Katie ihre Arbeit an der Ausgrabungsstätte begonnen hatte, war die Expedition bereits dreimal von Banditen überfallen worden, die alles mitgenommen hatten, was sie tragen konnten. Ein oder zwei Stücke waren später von den ägyptischen Behörden wieder aufgefunden worden. Der Rest war verschwunden und wohl auf dem Schwarzmarkt für einen Bruchteil des eigentlichen Werts verschachert worden.

Die Expedition hatte eine Sicherheitsmannschaft angeheuert – genau genommen bestand sie aus zwei älteren Einheimischen mit noch älteren Waffen und ohne den Mut, sie zu benutzen –, doch sie war alle drei Male zahlenmäßig und waffentechnisch unterlegen gewesen. Daher hatte man die Sicherheitsmannschaft auf vier Männer aufgestockt. Sie hoffte, dass das ausreichen würde.

Katie verstellte ihr Fernglas, um die Fahrzeuge besser erkennen zu können. Sie war neunundzwanzig und ihre Disputation lang erst wenige Monate zurück. Die Tinte auf ihrem Doktordiplom war noch nicht ganz trocken. Zwar hatte ihr die Universität von Kansas beigebracht, wie man die Schätze der Vergangenheit ans Licht holte, jedoch nicht wie man mit bewaffneten Banditen umging.

Sie rückte den Hidschab auf ihrem Kopf zurecht. Das Kopftuch hatte mindestens zwei Vorteile: Es schützte ihr Gesicht vor der Sonne und ließ sie darüber hinaus weniger auffällig aussehen. In ihrer Heimat Kansas war sie mit ihrem blonden Haar und den blauen Augen einfach eine typische Cheerleaderin gewesen. Doch hier draußen unter den ganzen dunkelhäutigen Arabern mit dunklem Haar wirkte sie wie ein Freak.

Wenn sie doch nur einen Weg gefunden hätte, ihr Geschlecht zu verbergen. Zwar war Ägypten deutlich fortschrittlicher als andere muslimische Nationen, wenn es um die Einstellung gegenüber Frauen ging, doch die Männer warfen Katie trotzdem anzügliche Blicke zu, wo immer sie hinkam.

Sie senkte das Fernglas und runzelte die Stirn. „Wollen Sie auch mal einen Blick auf die Sache werfen?“, fragte sie den Mann, der neben ihr stand.

Professor Stanford Raynes – „Stan“ für die Mitglieder des Kollegiums in Princeton – war groß und schlank, hatte ein spitzes Kinn und ein paar Jahre zu viel auf dem Buckel, um sich in Katie zu vergucken. Was ihn aber nicht davon abgehalten hatte.

„Ich bin mir sicher, dass alles in Ordnung ist“, beschwichtigte er.

Katie tolerierte seine Zuneigung ihr gegenüber, ja ermutigte sie sogar. Einerseits weil sie harmlos war – er hatte nie Hand an sie gelegt und sich ihr gegenüber niemals ungebührlich verhalten –, und andererseits weil er ihre Karriere vorantreiben oder beenden konnte. Als weltbekannter Ägyptologe besaß er Doktortitel sowohl in Archäologie als auch in Geologie. Er hatte die Ausgrabungsarbeit durch die Verwendung von Seismogrammen revolutioniert, was zur Entdeckung vieler bis dato unentdeckter Artefakte führte, und war auf verborgene Pyramiden gestoßen, von denen Generationen von Möchtegern-Indiana-Joneses nur Gerüchte gehört hatten. Darüber hinaus finanzierte er das Ganze hier, ihre erste Ausgrabung als Profi in einem der meistumkämpften Fachgebiete der akademischen Welt.

„Ich mache mir Sorgen“, beharrte sie. „Sie nicht?“

„Das sind bestimmt nur ein paar Heißsporne, die mit ihren Autos in der Wüste Rennen fahren. Und falls nicht, haben wir ja noch diese Gentlemen hier“, sagte er und wies auf die vier bewaffneten Männer.

Die Autos kamen immer näher und waren nun noch knapp eineinhalb Kilometer entfernt. Sie fuhren in einer Reihe geradewegs auf die Ausgrabungsstätte zu, und das mit einer Zielstrebigkeit, die nach Katies Empfindung nichts Gutes bedeuten konnte.

„Vielleicht sind es nur Händler, die uns etwas verkaufen wollen“, schlug der Professor vor. „Obst oder Gemüse oder wertlosen Schmuck. Wie dem auch sei, ich gehe mal ins Zelt, um etwas Wasser zu trinken. Das sollten Sie auch tun. Ich sagen Ihnen immer wieder, wie schnell man hier draußen dehydriert.“

„Es geht mir gut“, sagte sie. „Es ist nur … Ich darf Khufu nicht verlieren.“

Der Professor verschwand im Zelt. Doch Katie ging weiter auf die Staubwolke zu und in Richtung der mit einem Zelt überspannten Lagerfläche, wo die Schätze, die sie aus dem Sand geborgen hatten, sorgfältig verpackt und für den Abtransport bereitgemacht wurden. Dort standen Kisten verschiedener Größen herum, einige davon klein genug für ein paar winzige Figuren, andere enthielten dagegen riesige gemeißelte Granitplatten, die gut vierhundertfünfzig Kilo oder mehr wogen.

Unter den Artefakten, die sie selbst entdeckt hatte, war eine lebensgroße Büste von Khufu. Er war einer der frühen Pharaonen der Vierten Dynastie gewesen und von seinen Untertanen als Gott verehrt worden. Seine Herrschaft lag mehr als viertausendfünfhundert Jahre zurück und man nahm allgemein an, dass er die Pyramide von Gizeh hatte bauen lassen. Viel mehr war nicht über ihn bekannt. Falls ihre Annahme verifiziert wurde, wäre die rosa Granitstatue erst die zweite bekannte Abbildung des vorzeitlichen Königs.

Darüber hinaus würde ein solcher Fund Dr. Comely in die erste Liga junger Archäologen katapultieren. Eventuell würde er sogar zu einer Juniorprofessur an einer der renommiertesten Universitäten führen. Jedoch nur wenn sie ihren Fund ins Labor schaffen konnte.

Die Staubwolke sah mittlerweile aus, als sei sie drei Stockwerke hoch, und die Fahrzeuge – es handelte sich um Pick-ups, auf deren Ladeflächen Männer standen – waren nur noch ein paar Hundert Meter entfernt.

Nahe genug, dass Katie auch ohne ihr Fernglas die Waffen erkennen konnte.

„Professor!“, rief sie. „Sie sind es. Sie sind wieder da.“

Raynes tauchte im Eingang seines Zeltes auf.

„Sind Sie sicher?“, fragte er.

„Sehen Sie doch!“

Er nahm das Fernglas aus ihrer ausgestreckten Hand entgegen, stellte es ein und fluchte.

„Okay, okay. Lassen … lassen Sie uns jetzt nicht in Panik ausbrechen“, sagte er.

Dann fing er an, den verschlafenen Wachleuten etwas auf Arabisch zuzurufen – und zwar in einer Stimmlage, die doch ziemlich nach Panik klang. Katie sprach nur wenige Worte dieser Sprache, genug, um auf der Straße Höflichkeiten auszutauschen und nachzufragen, wo sie die Toilette finden konnte. Sie hatte ihre Sprachkenntnisse schon länger verbessern wollen. Nun verstand sie kein Wort mehr, als die Unterhaltung begann.

In dem Moment, als der Professor den Wachleuten Befehle erteilte, riss einer der jungen, schnell näher kommenden Angreifer sein AK-47 in die Luft und drückte den Abzug. In schneller Folge ratterten zehn oder zwanzig Patronen aus dem Lauf. Katie zählte mindestens sechs weitere Bewaffnete unter den Angreifern.

Zu Katies Bestürzung erwiderten die Wachleute das Feuer nicht. Sie warfen einen Blick auf das, was da auf sie zukam, und entschieden gleichzeitig, als hätten sie es einstudiert, dass man ihnen nicht genug bezahlte, um sich mit dieser Sache auseinanderzusetzen. Sie drehten sich um und rannten davon.

Ein Schrei entfloh Katies Kehle. Der Professor fluchte ihnen auf Arabisch hinterher, doch seine Beschimpfungen schienen einfach an ihnen abzuprallen.

Die Banditen hatten sie nun erreicht. Die meisten von ihnen waren jung, gerade erst dem Teenageralter entwachsen, und ihre dunklen Bärte waren noch dünn. Der Anführer – oder der Mann, der ihr Anführer zu sein schien – war älter, vielleicht Ende dreißig oder Anfang vierzig, und weiße Strähnen durchzogen seinen Bart.

Sie hielten neben der Lagerfläche und sprangen von ihren Pickups. Sie schienen fest entschlossen, alles mitzunehmen, was dort lag. Der Professor lief auf sie zu – mutig, leichtsinnig, und vollkommen unbewaffnet – und hielt nicht an, obwohl mehrere Gewehrläufe auf ihn gerichtet waren. Katie rannte hinter ihm her und rief ihm zu, er solle stehen bleiben, doch er lief unbeirrt weiter.

Der Anführer sprach den Professor an. Katie versuchte, die Worte zu verstehen, aber für sie klang es nur nach: „Badaladaladagabaha.“

Der Professor antwortete etwas, während er versuchte, zwei Banditen eine Kiste zu entreißen. Sein Versuch wirkte jämmerlich, da ihm die Kraft fehlte, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Die Farce endete abrupt, als der Anführer hinter Raynes trat und ihm mit seinem Gewehrkolben einen Schlag gegen den Hinterkopf versetzte. Der Professor fiel wie ein Sack Mehl zu Boden.

Katie schrie auf und eilte zu ihm. Die jungen Männer lachten.

„Feiglinge! Ihr seid ein Bande diebischer Feiglinge!“, rief sie. Als könnten sie ihre Worte verstehen, lachten die Männer nur noch lauter.

Der Anführer ging um die beiden herum, sodass er Katie ins Gesicht sehen konnte. Er richtete seine Waffe auf sie.

„Bring ihn hier weg“, schnauzte er sie an. Er sprach Englisch, jedoch mit starkem Akzent. „Hol ihm Eis für seinen Kopf. Ich brauche ihn gesund, damit er mehr Schätze für mich ausgraben kann.“

Der Anführer übersetzte seine Worte für seine Männer, die ihm ihre Zustimmung zujubelten. Katie starrte ihn trotzig an und wog ihre Möglichkeiten ab, doch sie musste einsehen, dass ihr nur wenige blieben.

„Bring ihn weg“, sagte der Anführer erneut auf Englisch. „Oder vielleicht nehme ich sonst dich, seine hübsche junge Freundin als Geisel, hm? Vielleicht haben wir ein bisschen Spaß zusammen, hm?“

Erneut wiederholte der Anführer seine Worte auf Arabisch. Dieses Mal klang die Antwort deutlich wollüstiger. Katie spürte, wie sie von einigen lüsternen Augenpaaren förmlich ausgezogen wurde.

Sie war geschlagen und verängstigt, also packte sie den halb bewusstlosen Professor unter den Armen und zog ihn in Richtung seines Zeltes.

„Es tut mir leid, Katie“, murmelte er. „Ich hab’s versucht. Ich hab’s versucht.“

DREI

LANGLEY, Virginia

Derrick Storm wusste nicht genau, wohin die Reise ging. Er wusste nur, dass er sich beeilen musste, doch daran gewöhnte man sich, wenn man Spion war.

Von dem Moment an, in dem er seinen Ford Taurus aus einer privaten Garage direkt neben dem Flughafengelände abgeholt hatte, presste er das Profil seines rechten Wanderstiefels auf das Bodenblech des Wagens. Er bremste nur, wenn das die letzte Möglichkeit war, einer Kollision zu entgehen.

Storm musste hin und wieder einigen Spott der anderen Mitarbeiter aus dem Bereich D. C. über sich ergehen lassen, wenn es um die Wahl seines fahrbaren Untersatzes ging. In ihren Augen wirkte sein Auto für einen Mann mit seinem Elan ziemlich spießig. Aber Storm lächelte nur darüber und akzeptierte ihre Neckereien. Wie er selbst hielt der Wagen seine wahren Fähigkeiten verborgen. Er hatte einen 3,5-l-Twinturbo-Motor mit unzähmbaren 365 Pferdestärken unter der Haube sowie eine strapazierfähige Polizeispezialaufhängung, um den extremen Anforderungen standzuhalten, die Storm hin und wieder an das Fahrzeug stellte.

Das Radio war ausgeschaltet. An den Informationen, die in den ersten Stunden nach einer Tragödie dieses Ausmaßes verbreitet wurden, war für gewöhnlich sowieso nicht viel Wahres dran. Manchmal schienen die Medien in ihrer Hast, die Neuigkeiten als Erste verbreiten zu wollen, lieber Vermutungen anzustellen anstatt die Fakten abzuwarten. Storm wollte sich seine Gedanken davon nicht vernebeln lassen. Stattdessen konzentrierte er sich darauf, die Reifen des Taurus auf dem Asphalt zu halten. Es gelang ihm nicht immer, wofür zumindest die Fahrerin eines Nissan Sentra dankbar war.

Allerdings war ihm trotz seiner Eile das Ziel noch immer nicht bekannt.

Jeder halbwegs fähige Höhlenmensch konnte mithilfe von Google Earth einen ziemlich genauen Blick auf das Hauptquartier der Central Intelligence Agency werfen, das gleich neben Washington D. C. auf einem grünen Gelände am Ufer des Potomac lag. Ein etwas geübterer Nutzer konnte auch feststellen, welche Gebäude den National Clandestine Service beherbergten, eine der geheimnisvolleren Unterabteilungen der CIA.

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