Castle 7: Driving Heat - Treibende Hitze - Richard Castle - E-Book
Beschreibung

Im siebten Roman seiner beliebten Nikki-Heat-Reihe wurde die beste Mordermittlerin des NYPD zum Captain befördert - gerade noch rechtzeitig, um sich einem spannenden Fall mit einer sehr persönlichen Wendung zu stellen. Captain Heats Verlobter, der Journalist und Pulitzer-Preisträger Jameson Rook, befindet sich mitten in einer Recherche für einen Artikel. Professionell betrachtet gefährdet Rooks Einmischung in den Fall Heats neuen Job. Privat betrachtet wird das Ganze zu einem frühen Test für ihre Verlobung, als Rook bestenfalls zu einer Ablenkung und schlimmstenfalls zu einem Hindernis wird, während sich ihre parallel verlaufenden Leben nicht nur kreuzen, sondern auch miteinander kollidieren. Ihren anspruchsvollen Job mit einer komplizierten Romanze in Einklang zu bringen, ist die größte Herausforderung gewesen, seit sich Nikki in den berühmten Reporter verliebt hat. Nun verwandelt sich ihre Beziehung im Zuge des riskantesten Falls ihrer Karriere schlagartig von einer komplexen Angelegenheit in einen heftigen Konflikt. Im Angesicht der tobenden Gewalt von Hurrikan Sandy, der in New York wütet, legt sich Heat mit einem ehrgeizigen Strippenzieher an, kämpft gegen eine Truppe städtischer Söldner und gerät in einen Streit mit dem Mann, den sie liebt. Detective Heat weiß, dass ihre Aufgabe darin besteht, Mordfälle auszuklären. Doch sie befürchtet, dass die Aufklärung dieses Mordfalls den Tod ihrer Beziehung bedeuten könnte.

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RICHARDCASTLE

DRIVING HEAT

TREIBENDE HITZE

ÜBERSETZUNG

ANIKA KLÜVER

Die deutsche Ausgabe von CASTLE 7: DRIVING HEAT – TREIBENDE HITZE wird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg. Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern, Übersetzung: Anika Klüver; verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde; Lektorat: Katrin Aust; Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik; Cover Artwork: Shubhani Sarkar; Printausgabe gedruckt von CPI Moravia Books s.r.o., CZ-69123 Pohorelice. Printed in the Czech Republic.

Castle © ABC Studios. All rights reserved

Originally published in the United States and Canada as DRIVING HEAT by Richard Castle.This translated edition published by arrangement with Kingswell, an imprint of Disney Book Group, LLC.

German translation copyright © 2015 ABC Studios.

Print ISBN: 978-3-86425-798-8 · E-Book ISBN 978-3-86425-739-1 (November 2015)

WWW.CROSS-CULT.DE

Inhalt

EINS

ZWEI

DREI

VIER

FÜNF

SECHS

SIEBEN

ACHT

NEUN

ZEHN

ELF

ZWÖLF

DREIZEHN

VIERZEHN

FÜNFZEHN

SECHZEHN

SIEBZEHN

ACHTZEHN

NEUNZEHN

ZWANZIG

DANKSAGUNGEN

Deinetwegen.Unseretwegen.Immer.

EINS

Das Letzte, womit Nikki Heat gerechnet hatte, als sie ihre Beförderung zum Captain des NYPD erhielt, war, wie sehr Rooks stolzer Gesichtsausdruck im Publikum ihr Verlangen nach ihm anfachen würde. Während der gesamten Zeremonie war sie würdevoll, aufmerksam, konzentriert und tief bewegt gewesen. Doch gegen Ende, als die formellen Zwänge und das Benehmen, das von ihr erwartet wurde, allmählich von ihr abfielen, umfasste sie ihre neue goldene Marke, ließ den Blick über die Sitzreihen voller Familienmitglieder und Freunde im Zuschauerraum wandern und entdeckte ihren Verlobten.

Im Taxi auf dem Rückweg zu seiner Wohnung erzählte Nikki ihm, dass sie das Helden-Video mit der Erzählerstimme von James Earl Jones zu Tränen gerührt hatte. Dabei fiel ihr auf, wie er sie anstarrte und ihr aufmerksam zuhörte. In diesem Moment kam ihr der Gedanke, sich gleich hier auf ihn zu stürzen. Dann sah er ihr tief in die Augen und sie erkannte, dass er das Gleiche fühlte.

Die unausgesprochene Hitze ihres Verlangens und ihrer begierigen Vorfreude im Fahrstuhl auf dem Weg nach oben in sein Loft in Tribeca war nichts Neues. All das und noch viel mehr knisterte auf der langsamen Fahrt zwischen ihnen, während sie in gegenüberliegenden Ecken an den Wände des ratterten Ungetüms lehnten. Doch dieses Mal veränderten sich die unverhüllten bewundernden Blicke in der sexuell aufgeladenen Atmosphäre des Industriefahrstuhls und ihr offensichtliches Verlangen wurde heftig genug, um Gestalt anzunehmen. Jeder Anstand verschwand und wich animalischem Drang.

Als hätten sie beide denselben Gedanken gehabt, stürzten sie sich aufeinander. Nikki hatte einen kleinen Vorsprung und ihre Lust war so groß, dass sie Rook ansprang, bevor er ihr entgegenkommen konnte. Sie drängte ihn rückwärts gegen das stählerne Ziehharmonikagitter der Fahrstuhlkabine. Sein Stöhnen beim Aufprall klang nicht nach Schmerz, sondern sehr nach Verlangen. Er schlang seine lange Arme um sie. Sie drückte sich von unten gegen ihn, erschauderte und nahm sein Ohrläppchen zwischen die Zähne. Eine seiner Hände verließ ihren Hintern und tastete nach dem Kontrollfeld. Die Kabine kam ruckelnd zwischen zwei Stockwerken zum Stehen. Der abrupte Halt schleuderte sie gegeneinander.

Ihre Münder fanden sich. Er legte seine Hand wieder auf ihren Hintern und zog sie an sich. Sie wehrte sich, jedoch nur, um genug Platz zu schaffen, damit sie ihre Hände zwischen ihre Körper bringen und seinen Gürtel öffnen konnte. Als es ihr endlich gelang, zogen seine Finger bereits den Reißverschluss ihrer Hose auf.

Nach einer kosmischen Vereinigung, die von einer Reihe ungeduldiger Rufe eines Pizzalieferanten in der Lobby übertönt wurde, die durch den Schacht nach oben hallten, schickten sie die Kabine wieder nach unten und schlenderten durch den kurzen Flur zu seinem Loft. Den ganzen Weg über hingen sie aneinander, als wären sie magnetisch. »Ich kann nicht glauben, dass wir das noch nie zuvor gemacht haben«, sagte sie.

Rook lächelte. »Der Trick besteht darin, den Fahrstuhl ganz für uns zu haben. Glaub mir, so was wie gerade willst du nicht machen, wenn Mr. Zeiss aus Nummer 302 in der Kabine steht und zuschaut.«

Nikki stellte sich den winzigen Nachbarn mit der dicken Brille vor und lachte. Dann kam ihr ein nachträglicher Gedanke und sie warf Rook einen misstrauischen Seitenblick zu. »Du hast es doch noch nie zuvor da drin gemacht, oder?«, fragte sie. »Ich meine, du bist recht geschickt mit diesem Schalter umgegangen.«

»Sagen wir einfach, heute war ein Tag der Premieren, und belassen es dabei.« An der Tür drehte er sich um, um sie anzusehen, und berührte die beiden neuen goldenen Rangabzeichen an ihrem weißen Uniformkragen. »Zum Beispiel warst du mein erster Captain, Captain Heat.«

Der Klang des Titels erschreckte Heat. So war es ihr auch schon ergangen, als der Commissioner ihn bei ihrer Vereidigung ausgesprochen hatte. Einmal mehr verspürte Heat das seltsame Gefühl, das mit ihrem neuen Rang einherging, und das einschüchternde Gewicht ihrer neuen Verantwortung. Obwohl sie seit Monaten gewusst hatte, dass die Beförderung bevorstand, fühlte sich die gute Neuigkeit nun, da sie den Eid geschworen hatte, die Rangabzeichen am Kragen trug und eine aufgewertete Marke besaß, nicht länger an, als würde man bei einem Picknick am Labor Day über Weihnachten sprechen. Der Tag war gekommen, ihr Rang als Captain war offiziell, und damit kam ein beklemmendes Gefühl, das sie als glücklich-ängstlich beschrieben hätte.

Rook öffnete die Tür und ließ sie zuerst eintreten. Von der Schwelle vernahm er ein unterdrücktes Wimmern. Er trat zu Nikki in die Wohnung, als sie sich gerade eine Träne von der Wange wischte. Das gesamte Loft hatte sich in einen Festwagen in den Farben des NYPD verwandelt: Blaue Tischdecken bedeckten die Küchentheke und den Esstisch in dem großen Zimmer dahinter; blaue und weiße Kreppbänder hingen von der Decke, wo sie sich mit blauen und weißen Schnüren abwechselten, an denen blaue und weiße Luftballons befestigt waren; ein halbes Dutzend Blumenbouquets aus weißen Rosen und blauen Schwertlilien schmückte die Tische und Ablagen; ein weiß überzogener Kuchen mit einer Fotoverzierung einer Captainmarke in Blau und Gold inklusive der Eichenlaub- und Kronenabzeichen stand auf dem Wohnzimmertisch neben einem blauen Eiskübel mit ihrem Lieblingswein, einem Jean-Max Roger Sancerre.

»Warte kurz«, sagte Rook und griff nach einer Fernbedienung, um »Blue Champagne« von Glenn Miller über Spotify abzuspielen. Nach ein paar Takten schloss Nikki die Augen und senkte den Kopf, als wollte sie ihr Gesicht verbergen. »Zu kitschig?«, fragte er.

Nikki hob den Kopf und drehte sich um, um ihn anzusehen. Sie prägte sich den Anblick ihres Freundes, Liebhabers und Verlobten ein, der den maßgeschneiderten Anzug von Hugo Boss, den er sich extra für ihre Zeremonie gekauft hatte, so perfekt ausfüllte. Sie küssten sich erneut, dieses Mal zärtlich, und sie hakte sich bei ihm unter und zog ihn zum Wohnzimmertisch. Sie hob den Eiskübel hoch und sagte: »Bring die Weingläser mit.«

»Was ist mit dem Kuchen?«

»Zuerst der Nachtisch, dann der Kuchen«, erwiderte sie und führte ihn durch den Flur zum Schlafzimmer.

Ein einziges Summen ihres neuen vom Dezernat gestellten Blackberrys auf dem Nachttisch weckte Nikki zwei Minuten vor der auf halb sechs gestellten Weckfunktion ihres iPhones. Sie rollte sich auf die Seite, um nachzusehen, und entdeckte eine E-Mail vom Polizeihauptquartier, in der man sie und die sechsundsiebzig anderen Revierleiter auf der Dienstliste von den neuen Protokollen für die Archivierung von Statistikzahlen in der Datenbank in Kenntnis setzte. Während sie durch den scheinbar endlosen Text über Beschwerdekategorien, Haftbeschlüsse und Verhaftungsvorschriften scrollte, regte sich die vertraute Beklemmung in ihrem Bauch und dieses Mal führte ängstlich das Feld an. Dies war Captain Heats erste offizielle E-Mail als neue Leiterin des Zwanzigsten Reviers, nachdem sie über ein halbes Jahr darauf gewartet hatte, die Stelle zu erhalten.

Die vergangenen sieben Monate waren für Nikki eine Probe in Geduld und Diplomatie gewesen. Sie hatte hart gekämpft, um ihr Mordermittlungsteam unter der desinteressierten Leitung des vorübergehenden Revierleiters zu führen, der nach Captain Irons’ Tod den Posten übernommen hatte. Und die ganze Zeit über hatten alle, einschließlich des Commissioners, gewusst, dass sie die Leitung übernehmen würde, sobald die Maschinerie der Dezernatspolitik ein Datum ausspucken würde.

Am Tag zuvor hatte sie ihre Abzeichen für den Rang des Captains erhalten. Heute wurde ihr die kalte Wahrheit bewusst: Sie musste das Kommando übernehmen.

Sie hatte gehört, wie Rook vor einer halben Stunde aufgestanden war. Nun fand sie ihn in einem T-Shirt und Boxershorts am Esstisch vor, wo ihn das mondartige Glühen seines Laptops beleuchtete. Er klappte den Deckel zu und versetzte das Gerät in den Ruhezustand, sobald Nikki in den Raum schlurfte. »Du musst meinetwegen nicht aufhören zu arbeiten.«

»Kein Problem.« Er strich die Ecken einiger Notizzettel glatt und schob sie in eine Aktenmappe, die er ebenfalls zuklappte – fast schon verstohlen, fand sie. »Das ist ohnehin ein guter Zeitpunkt für eine Pause.«

»Woran arbeitest du?«

»Stelle ich dir diese Frage?« Er stand auf, um ihr entgegenzugehen, und schloss sie in eine warme Umarmung, in der sie beide verharrten.

»Dauernd«, murmelte sie gegen seine Brust. »Aber wenn du eingeknickt bist und unter deinem Pseudonym schon wieder einen dieser Liebesromane schreibst, obwohl du geschworen hast, dass du das nie wieder tun würdest, kann ich verstehen, warum du nicht gerade scharf darauf bist, es mir zu beichten – Victoria St. Clair.«

»Glücklicherweise hat Disney die Filmoption für meine Berichte aus Tschetschenien erneuert, also muss ich nicht länger Nackenbeißer unter einem Pseudonym verfassen. Von jetzt an beiße ich nur noch in deinen Nacken.«

»Apropos. Du schienst gestern Abend sehr darauf erpicht, dass ich das Uniformhemd anlasse.«

Rook runzelte die Stirn und spielte den Unschuldigen. »Ach ja?«

»Allerdings. Und du hast mich gebeten zu sagen: ›Ich bin jetzt der Captain.‹«

»Okay.« Er bewegte den Kopf hin und her und grinste. »Ich gebe zu, dass mich dieses gestärkte weiße Hemd mit den Rangabzeichen eines Captains am Kragen unerwarteterweise ein wenig angemacht hat.«

»Ernsthaft? Rook, meine Uniform hat dich angemacht?«

»Ich sehe dich nur selten in einer. Und ganz sicher nicht im Bett.«

»Das klingt nach Rollenspiel. War ich ohne mein Wissen in ein Rollenspiel verwickelt?«

»Keineswegs. Es sei denn, es hat dir gefallen.« Er lachte. »Es ist nicht schlimm, wenn man etwas findet, um die Dinge interessant und verspielt zu halten.«

»Brauchen wir das?«

»Brauchen? Absolut nicht. Aber es ist doch gut, die Beziehung frisch zu halten, oder?«

»Sie ist nicht frisch?«

»Ich glaube, ich reite mich hier immer tiefer rein.« Er spürte ihren abschätzenden Blick, der nur dazu führte, dass er sich in noch größere Schwierigkeiten brachte. »Sie ist sehr frisch. Auch wenn du gelegentlich – nur gelegentlich – zugeben musst, dass du ein wenig … abgelenkt bist.«

»Zum Beispiel im Fahrstuhl?«

»Im Fahrstuhl warst du definitiv nicht abgelenkt. Und auch sonst meist nicht. Du verstehst das alles ganz falsch. Ich will damit nur sagen, dass ich sicherstellen will, dass wir, wenn wir verheiratet sind, das …«

»Das Feuer erhalten?«

»Gut ausgedrückt. Ja. Das Feuer.« Er wechselte so schnell er konnte das Thema. »Lass uns frühstücken. Ich habe Kaffee gemacht.«

»Toll«, erwiderte sie. »Ich trinke ihn zu meinem Kuchen.«

»Sieh an, Captain Kuchen-zum-Frühstück.«

Nikki zog eine Augenbraue hoch. »Ich will die Dinge nur frisch halten.«

Er tat so, als hätte ihn ihre Stichelei verletzt, und trottete in die Küche, um Tassen und Teller zu holen.

Als sie mit dem Frühstück fertig waren, fuhr Rook mit dem Zeigefinger über seinen Teller, um ein wenig verirrten Zuckerguss aufzuwischen, und sagte: »Wir sollten diesen Bäcker unsere Hochzeitstorte machen lassen.«

Das führte nur dazu, dass Nikki in Panik verfiel, weil sie mit ihren Hochzeitsplänen so sehr hinterherhinkten. Sie hatten sich schon vor langer Zeit auf August geeinigt, also blieben ihnen immer noch vier Monate. Aber da sie beide so viel Arbeit hatten, waren sie bislang noch nicht dazu gekommen, einen Ort für die Zeremonie oder den Empfang zu reservieren oder die Flitterwochen zu planen, abgesehen davon, dass sie über Venedig, Nizza und Portofino als mögliche Ziele diskutiert hatten. Für zwei sehr engagierte Karrieremenschen wie sie war das der reine Wahnsinn. »Zumindest«, sagte sie, »sollten wir schon mal das Wochenende festlegen, damit sich die Gäste den Termin freihalten können.«

»Dem stimme ich voll und ganz zu.« Er hielt ihr seinen mit Zuckerguss bedeckten Finger hin, doch Nikki winkte energisch ab. »Ansonsten werden nämlich ein paar der Gäste auf meiner Liste andere Verpflichtungen haben.« Er leckte den Zuckerguss ab und begann, ein paar der Leute aufzuzählen, die er einladen wollte. »Sir Paul macht seine Out-There-Tour. Annie Leibovitz ist immer ausgebucht. Bono sagte, ich solle ihm nur den Termin nennen und er würde alles stehen und liegen lassen, aber ich will kein Risiko eingehen, vor allem wenn er gerade mit einer seiner Wohltätigkeitsveranstaltungen beschäftigt ist. Lena Dunham schreibt gerade ihre Biografie – noch eine? George Stephanopoulos arbeitet an jedem Tag der Woche – er müsste also ohnehin einen neuen Tag erfinden …« Rook bemerkte, dass Nikki nachdenklich auf einen blauen Ballon starrte, der über Nacht die Luft verloren hatte und in sich zusammengefallen war. »Reiße ich die Unterhaltung an mich? Ich weiß, dass du auch eine Gästeliste hast.«

»Nun, mal sehen. Da wäre mein Dad mit seiner neuen Freundin. Und seine Schwester, Tante Jessie.«

»Jessie. Bin ich der schon mal begegnet?«

»Zwei Mal.«

»Stimmt. Sie ist … Bist du sicher, dass es Jessie war?« Heats Telefon summte. »Es ist wirklich lästig, dass Leute immer dann sterben, wenn man versucht, eine Unterhaltung zu führen.«

Er sah Nikkis Gesichtsausdruck, nachdem sie den Anruf entgegengenommen hatte, und schob ihr über die blaue Tischdecke einen Stift und eins seiner Reporternotizbücher mit Spiralbindung zu. Er war schon oft auf dieser Seite der Leitung Zeuge eines Anrufs gewesen, der mit einem Fall zu tun hatte. Nikki murmelte zahlreiche Bestätigungen und nickte mit dem Kopf, während ihr Engelsgesicht aufgrund der harten Realität angespannt war.

»Das war Detective Ochoa«, sagte sie, nachdem sie aufgelegt hatte, obwohl Rook die gedämpfte Stimme an ihrem Ohr bereits identifiziert hatte.

Rook stand auf, schnappte sich die Kuchenteller und sagte: »Ich komme mit dir.« Doch Heat war bereits unterwegs, um sich anziehen.

Als sie die West End Avenue an der Zweiundsiebzigsten Straße überquerten, bat Heat Rook, den Fahrer anzuweisen, sie in der Mitte des Blocks abzusetzen, bevor sie Riverside erreichten. Als Revierleiterin würde sie ihr eigenes Undercoverfahrzeug bekommen, sobald sie zur Polizeidienststelle kam, und selbst das war ihr noch zu auffällig. »Ich will nicht am ersten Tag nach meiner Beförderung in einer Limousine an einem Tatort eintreffen.«

»Technisch gesehen ist es ein Luxus-SUV«, korrigierte Rook und fügte hinzu: »Und er gehört nicht mir, es ist ein Hitch!-Auto. Ich liebe es, meine Hitch!-App zu benutzen, um mir ein Hitch!-Auto zu organisieren. Und dann auch noch einen echten Fünfsterneschlitten. Vlad, Sie können uns hier rauslassen.« Der besorgte Blick des Fahrers zuckte im Spiegel zu Heat. Sie versicherte ihm, er müsse sich wegen der Halteverbotszone keine Sorgen machen, da es sich um eine offizielle Polizeiangelegenheit handele.

»Als ob er da nicht selbst drauf gekommen wäre«, sagte Rook, sobald sie auf dem Bürgersteig standen. Um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen, benutzte er seinen Ärmelaufschlag, um die Rangabzeichen an ihrem frischen Uniformhemd zu polieren. Als sie nicht reagierte, legte er den Kopf schief. »Geht es dir gut?«

Nikki nickte abwesend. Sie hatte sich bereits in sich selbst zurückgezogen und starrte nach Westen in Richtung der fernen Ecke und der beiden Streifenpolizisten, die vor dem Absperrband am Eingang des Riverside Parks stationiert waren. Dahinter, das wusste sie, hatte ein Leben sein Ende gefunden. Heat verbannte alles andere aus ihren Gedanken und nahm sich den rituellen Augenblick der Stille für das Opfer und dessen Familie – vorausgesetzt, es hatte eine. Obwohl sie dafür nur drei Sekunden brauchte, wurde dieses Zeichen des Respekts nie einfach nur oberflächlich. Das Leben war von Bedeutung. Vielleicht sogar noch mehr, wenn man beruflich Morde aufklärte.

Als die beiden uniformierten Kollegen das Band für sie anhoben, bemerkte sie, dass sie beide kurzärmelige Hemden trugen, ein Zeichen dafür, dass der April nun wohl doch langsam milder wurde. Diese Erkenntnis sorgte dafür, dass Nikki einen weiteren kurzen Panikschub verspürte, weil der August ständig näher rückte und sie immer noch keine Pläne gemacht hatten. Von der Statue von Eleanor Roosevelt aus gingen Heat und Rook über den sich nach unten schlängelnden Fußweg an der Hundewiese vorbei, die an diesem Morgen wegen des Polizeieinsatzes leer war. Dann hörten sie das Echo ihrer Schritte im Inneren der gewölbten Steinunterführung unter dem Henry Hudson. Auf der anderen Seite des Tunnels, zwischen dem Softballfeld und dem Fluss, hatte man die Grünfläche in einen improvisierten Parkplatz für sechs Polizeiautos, einen bereitstehenden Krankenwagen sowie einen weißen Lieferwagen mit der blauen Aufschrift »Gerichtsmediziner« an der Seite verwandelt. »Meine ganze Erfahrung als Enthüllungsjournalist verrät mir, dass dies unser Tatort ist«, kommentierte Rook.

Nikki reagierte nicht auf ihn, weil sie damit beschäftigt war, die Gegend genau zu betrachten, während sie sich näherten. Sie schätzte die Geografie, die Geräusche und die Gerüche ein und ließ das Gefühl, das ihr der Bereich vermittelte, zu sich sprechen. Faule Ermittler tauchten einfach auf und stellten Fragen. Heat machte sich gern ein paar eigene Gedanken, bevor sie mit irgendjemandem sprach.

Was sie dort um zwanzig nach sechs wahrnahm, war ein verheißungsvoller klarer Frühlingsmorgen. Der Ballspielplatz war leer, aber ein Aluminiumschläger lehnte am Fangnetz neben einem weißen Eimer voller Softbälle. Drei weitere Bälle lagen wie kleine weiße Hügel auf dem ungemähten Gras außerhalb des rechten Felds. Jogger und Fahrradfahrer waren unterwegs, wurden aber im Norden und Süden der Teerstraße zurückgehalten und gebeten, eine andere Route zu nehmen, weil hier bedauerlicherweise ein Mord geschehen war. Die Sonne war vor wenigen Minuten aufgegangen und hatte sich noch nicht über die Hochhäuser auf der West Side erhoben, daher lag der Streifen aus baumgesäumtem Parkland, der entlang des Hudson Rivers verlief, noch im Schatten. Eine frische Brise wehte von New Jersey aus über den Fluss. Sie war so stark, dass die Möwen ihre Flügel ausbreiten und in der Luft auf der Stelle schweben konnten, während der Wind die Wasseroberfläche kräuselte und mit sich stets verändernden Mustern verzierte. Auf dem leeren Cricketplatz direkt neben dem Softballfeld sprach Detective Rhymer mit einem rotgesichtigen Mann, der für seine Lycra-Kleidung knapp zwanzig Kilo zu schwer war und neben seinem Cannondale-Slice-Fahrrad stand. Vierzig Meter entfernt, am Rand des Fahrradwegs, befragte Detective Feller eine blasse junge Frau mit Wurfhandschuh und einem Sweatshirt vom Barnard College mit abgeschnittenen Ärmeln. Für Nikki war das Ganze ein Stummfilm. Die Stimmen verloren sich im weißen Rauschen des morgendlichen Berufsverkehrs auf dem Highway hinter ihr und dem Dröhnen eines Lastkahns, der einen Baukran den Fluss hinauf transportierte, vermutlich für die Aufrüstung der Tappan Zee Bridge. Aber sie musste keine Worte hören, um zwei Augenzeugen zu erkennen, die etwas gesehen hatten, das sie so schnell nicht wieder vergessen würden – falls überhaupt jemals. Heat kannte das Gefühl. Sie war etwa so alt wie die junge Frau in dem Barnard-Shirt gewesen, als sie die Leiche ihrer Mutter gefunden hatte.

Nikkis Freundin Lauren Parry hatte sie noch nicht gesehen. Der Kopf der Gerichtsmedizinerin steckte im Heck des Wagens, wo sie ihre Ausrüstung für die vor ihr liegende Aufgabe vorbereitete. Die Detectives Raley und Ochoa – derart unzertrennliche Partner, dass sie sich den gemeinsamen Spitznamen Roach verdient hatten – bemerkten sie, standen von der Stelle am Flussufer auf, an der sie gekniet hatten, und kamen auf sie zu. »Wie hast du es geschafft, dass das gesamte Team hier ist?«, fragte Rook, während die beiden den Grashügel am Hudson hinaufstapften. Die anderen Detectives, Rhymer und Feller, entdeckten sie ebenfalls und machten sich auf den Weg zu ihnen. »Ist das Opfer eine Berühmtheit?«, hakte Rook weiter nach. »Ich werde keine Namen nennen, aber es gibt ein paar, deren Ableben mich nicht betrüben würde. Macht mich das zu einem schlechten Menschen?«

»Sogar zu einem sehr schlechten«, erwiderte Nikki. »Aber ich weiß nicht, wer das Opfer ist. Für die Anwesenheit des gesamten Teams gibt es einen anderen Grund.«

»Bekomme ich einen Hinweis?«

Die vier Detectives waren nun fast in Hörweite, also beschränkte Heat ihre Antwort auf ein einziges Wort: »Ehrgeiz.«

Rooks Gesichtsausdruck erhellte sich, sobald sie es ausgesprochen hatte. »Alles klar«, murmelte er, als es bei ihm klick machte. Heats Beförderung hatte eine freie Stelle in ihrer alten Position als Leiterin des Mordermittlungsteams hinterlassen. Nun präsentierten die vier Kandidaten Mienen, deren Ausdruck von Eifer bis zu einstudierter Zurückhaltung reichte, während sie sich um die frisch beförderte Revierleiterin versammelten.

»Glückwunsch, Captain Heat«, sagte Randall Feller. »Hipp, hipp, hurra!«

Heat hielt ihm zwei ausgestreckte Handflächen entgegen. »Bitte. Nicht.«

Der Detective runzelte die Stirn. »Warum nicht? Das ist doch ein Grund zum Feiern.«

»Das hier ist ein Tatort.«

Feller war ein geborener Polizist, aber er legte regelmäßig zu viel Abgebrühtheit an den Tag. Korrektheit war nicht gerade Randys Stärke und er lieferte sofort ein Beispiel, indem er Richtung Fluss deutete und sagte: »Der kann mich doch sowieso nicht mehr hören.«

»Aber ich kann es.« Mehr musste Heat nicht sagen. Umgehend senkte er den Blick zu Boden. Er würde sich später auf dem Revier entschuldigen und sie würde es ihm durchgehen lassen. So ging das Spiel nun einmal.

»Wir haben Folgendes«, begann Ochoa. »Der Radfahrer …«

»Den ich befragt habe«, unterbrach Detective Rhymer allein aus dem Grund, sich bemerkbar zu machen – ein Verhalten, das so gar nicht zu dem stets höflichen Mann aus Virginia passte. Als er die Blicke der anderen auf sich spürte, verlor er die Nerven, lief rot an und murmelte: »Mehr dazu später.«

Miguel Ochoa verdrehte die Augen in Richtung seines Partners und fuhr fort. »Der Radfahrer fuhr um circa fünf nach fünf auf dem Weg Richtung Norden, als er ein Kajak sah, das gegen den morschen Pfahl des alten Piers stieß, der sich früher hier draußen befand.«

»Gegen den vordersten«, ergänzte Raley und deutete auf den nächsten der drei Pfosten, die wie die Überreste des Brustkorbs eines gewaltigen prähistorischen Ungetüms aus dem Hudson ragten.

»Das hat er im Dunkeln gesehen?«, wollte Rook wissen.

»Er hat die Silhouette des Kajaks bemerkt«, sagte Rhymer, der nun einen Grund hatte, sich einzumischen, und mit seiner üblichen entspannten Autorität sprach. »Der Fluss reflektiert eine Menge Licht von diesen Gebäuden und dem Anlegeplatz von Jabob’s Ferry. Außerdem sind da noch die Lichter der George.« Sie drehten sich alle nach Norden, wo das Schimmern der Lichter der George Washington Bridge selbst in den ersten Augenblicken nach Sonnenaufgang noch einen silbernen Schein über den Hudson legte.

Raley fuhr mit seinem Bericht fort: »Er sah einen reglosen Mann im Kajak sitzen und konnte kein Paddel entdecken, also rief er um sieben nach fünf beim Notruf an. Er hielt am Ufer an, rief nach dem Typen im Kajak, bekam aber keine Antwort. Also behielt er das Boot im Blick, bis der Krankenwagen und die Streifenwagen eintrafen.«

»Und während er wartete«, fügte Detective Feller hinzu, »schoben der Wind und die Strömung das Kajak vom Pfahl weg. Es driftete Richtung Ufer. Der Radfahrer hörte, wie meine Augenzeugin Softbälle schlug, und rief sie zu sich, damit sie ihm helfen konnte, das Boot festzuhalten, sobald es ans Ufer kam. Sie hatten allerdings Angst, den Mann darin anzufassen, denn er war tot. Er hatte eine Schusswunde im Kopf, reagierte nicht und war so bleich wie …« Da er seine Lektion gelernt hatte, riss sich Feller am Riemen. »Bleich.«

Heat nahm zwei Paar Latexhandschuhe aus ihrer Tasche und reichte eins davon Rook, während die Gruppe am Wagen der Gerichtsmedizin vorbei nach unten zu der grasbewachsenen Böschung am Ufer ging. »Passen Sie auf, wo sie hintreten«, warnte Ochoa. »Lance Armstrong konnte sein Frühstück nicht bei sich behalten, und zwar hier … und hier.«

»Guten Morgen, Captain Heat«, sagte Lauren Parry, die sich über das Opfer gebeugt und ihren Kollegen den Rücken zugewandt hatte. »Du wirst es mir sicher verzeihen, wenn ich nicht salutiere.«

»Ich werd’s überleben.«

»Das sagen viele Leute, kurz bevor sie mir begegnen«, meinte die Gerichtsmedizinerin. Trotz der Leichtigkeit ihres Wortgeplänkels wusste Heat, dass sie ihrer Freundin gegenüber nicht ungeduldig sein durfte, und wartete, bis sie an der Reihe war, sich die Leiche anzusehen, während die Gerichtsmedizinerin ihre vorläufige Untersuchung des Opfers durchführte, das immer noch aufrecht im Kajak saß. Das Kajak selbst konnte nicht mehr wegtreiben. Die Polizisten, die als Erste am Tatort eingetroffen waren, hatten die Tragegriffe festgebunden und es mit dem Bug und dem Heck am Ufer festgemacht.

»Wer weiß etwas über das Opfer?«, fragte Heat, die dringend etwas anderes tun wollte, als so zu tun, als wäre sie geduldig.

»Moi«, erwiderte Ochoa. »Ein männlicher Schwarzer, sechsundvierzig Jahre alt. Wir mussten etwa sechs Reißverschlüsse an seiner Schwimmweste öffnen, um seinen Ausweis zu finden. Wie sich herausgestellt hat, gehört er gewissermaßen zur Familie.«

»Ein Polizist?«, fragte Heat, die sich wünschte, Lauren würde sich verdammt noch mal beeilen.

»Streng genommen nicht. Aber er hat für die Polizei gearbeitet.«

»Eigentlich war er ein Berater.« Raley hielt eine Asservatentüte aus Plastik hoch und las die einlaminierte Karte vor, die sich darin befand. »Hier steht es: ›Beratender Psychologe für das NYPD‹.«

Das Flattern in Nikkis Brust beschleunigte so stark, dass ihr Herz einen Schlag aussetzte, während sie den Kopf ruckartig zum Kajak herumdrehte. Sie fragte sich, ob einer ihrer Kollegen ihre erschrockene Reaktion bemerkt hatte, doch nur Rook beobachtete sie interessiert. Zum Teufel mit dem Protokoll, sie trat neben Dr. Parry und starrte auf die Leiche hinunter.

»Sein Name«, sagte Raley, »war …«

»Lon King«, beendete Heat den Satz. Sie hatte nicht genug Luft, um weitere Worte hervorzubringen. Nikki sah auf die Leiche in dem Boot hinunter und fragte sich, wer in aller Welt ihrem Seelenklempner eine Kugel in den Kopf jagen würde.

ZWEI

Heat spürte eher, wie sich alle Mitglieder der Mordermittlungsteams langsam zu ihr herumdrehten, als dass sie es sah. Doch aufgrund des ungläubigen Aufruhrs, der in ihr wütete, schaffte sie es gerade so, den Blick fest auf der Leiche vor ihr zu halten, während sie nach emotionalem Halt suchte. Noch beunruhigender war, dass das Gesicht des Psychologen im Tod nicht sehr viel anders aussah als während ihrer Sitzungen: neutral, leidenschaftslos, zugänglich. Wie oft hatte sie auf diese leere Leinwand gestarrt, die er ihr so begierig geboten hatte, und seinen entspannten Blick und den leicht geöffneten Mund gesehen, genau wie jetzt? In diesem Ausdruck lagen weder Wertung noch Freude – und nun noch nicht einmal Leben.

»Nikki?«, flüsterte Lauren Parry sanft und ergriff ihre behandschuhte Hand mit ihrer. »Musst du dich setzen?« Heat verneinte das mit einem Kopfschütteln, ohne sie anzusehen, und suchte die Gegend instinktiv – wenn auch zwecklos – nach dem Mörder ab. Ein al-Qaida-Scharfschütze auf dem Fischerpier zu ihrer Linken? Er war unbesetzt. Das bedrohliche Schnellboot eines Drogenkartells, das davonraste? Es gab keins. Ein Polizist mit posttraumatischer Belastungsstörung, der den Hügel hinauf in das Gebüsch über dem Greenway kroch? Nein, da waren nur Rotkelchen, die im Gras nach Würmern suchten.

Schließlich richtete sich ihr Blick wieder auf ihr Team. Jeder einzelne von ihnen sah sie immer noch an und wartete geduldig darauf, dass Heat sprach. Dann suchte sie nach Rook, der bei den anderen stand, aber mit einem bedrückten Ausdruck auf die Leiche des Seelenklempners starrte, der für jemanden, der das Opfer nicht gekannt hatte, irgendwie übertrieben wirkte. Konnte es sein, dachte sie, dass ihre Beziehung einen Punkt emotionaler Verschmelzung erreicht hatte und dass Rook ihre Bestürzung als seine eigene empfand? Unter anderen Umständen hätte das Nikki sehr glücklich gemacht. Aber nicht in diesem Fall.

»Ich schätze, Sie haben alle mitbekommen, dass ich das Opfer kannte«, sagte sie und versuchte sich von diesem Moment zu befreien, den sie heraufbeschworen hatte. Rook hob den Blick, um ihrem zu begegnen. Sie machte eine Pause, verharrte kurz in dem unangenehmen Augenblick und suchte nach der Version, die sie den anderen zu erzählen wagte. In welchem Ausmaß sollte sie ihnen ihre Therapie bei dem Seelenklempner offenbaren? Normalerweise entschied sich Nikki immer für Transparenz, doch dieses Mal entschied sie, nur einen Teil der Wahrheit preiszugeben. Instinktiv schützte sie sich vor der Enthüllung – im Angesicht ihrer Detectives und ihres Verlobten. »Erinnern Sie sich an diese Sache vor ein paar Jahren, als Captain Irons versuchte, mich von einem Fall zu entbinden, indem er eine Einschätzung des Dezernatspsychologen anordnete?« Sie neigte den Kopf in Richtung des Opfers, sah es aber nicht an. Das war ihre Reaktion auf die irrationale Erwartung, dass Lon King sich aufsetzen und sie auffordern würde, nichts zurückzuhalten.

Diese Auskunft schien den Detectives zu genügen. Rook wirkte auf sie noch immer ein wenig verstört, aber Heat hielt es für besser, sich aus der Gefahrenzone zu begeben, damit sie nicht in Schwierigkeiten geriet, also wechselte sie das Thema und sprach die Organisation an. »Also gut, das hier ist kompliziert. Wir sollten besprechen, wie wir die Sache angehen.«

Detective Raley meldete sich vor allen anderen zu Wort. »Zuerst einmal brauchen wir einen geschätzten Todeszeitpunkt.« Er sprach die ganze Gruppe an, achtete aber darauf, dass auch Lauren Parry ihn hören konnte.

Und sie hörte ihn bestens. Die Gerichtsmedizinerin stand auf und bedachte ihn mit dem gleichen kühlen Blick, den die anderen ihm zuwarfen.

»Oje«, kommentierte Rook. »Diesen Blick kenne ich. Den habe ich auch schon bekommen. Das ist jetzt ganz allein Ihr Problem, Kumpel.«

»Was? Nun ja, wir brauchen ihn doch, oder etwa nicht?« Anstatt sich aus der Schusslinie zu manövrieren, verdoppelte Raley seine Bemühungen, die Ermittlung selbst in die Hand zu nehmen. »Wir brauchen ein Zeitfenster, damit wir wissen, wo wir anfangen müssen und in welchem Zeitrahmen wir ermitteln.« Er sah die Mitglieder des Teams an, aber sie würden ihm nicht zu Hilfe kommen und wandten sich größtenteils ab.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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