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Peter Sittig sonnt sich gerne in seinem Erfolg. Der Werbetexter zieht Millionenaufträge an Land, pflegt einen luxuriösen Lebensstil, und am liebsten denkt er an sich selbst. Seine einfühlsame Tochter - Filmstudentin Lena - vergöttert ihren Vater, auch wenn er ihr nie die Liebe schenkt, die sie eigentlich verdient hätte.
Eines Abends lädt Peter Gäste in ein Lokal, um wieder einmal einen beruflichen Erfolg zu feiern, und da ist auf einen Schlag alles anders: Lähmungserscheinungen treten auf, und er bricht zusammen. Er wird in die Berling-Klinik eingeliefert, und das Krankheitsbild gibt den Ärzten Rätsel auf.
Lena kümmert sich rührend um ihren Vater, doch er erhebt schwere Vorwürfe: Ausgerechnet sie soll schuld an seiner Krankheit sein ...
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2023
Cover
Auf einen Schlag anders
Vorschau
Impressum
Auf einen Schlag anders
Vom egozentrischen Idol zum liebenden Vater – wie eine Krankheit Peter veränderte
Von Helene König
Peter Sittig sonnt sich gerne in seinem Erfolg. Der Werbetexter zieht Millionenaufträge an Land, pflegt einen luxuriösen Lebensstil, und am liebsten denkt er an sich selbst. Seine Tochter – Filmstudentin Lena – vergöttert ihren Vater, auch wenn er ihr nie die Liebe schenkt, die sie eigentlich verdient hätte.
Eines Abends lädt Peter Gäste in ein Lokal, um wieder einmal einen beruflichen Erfolg zu feiern, und da ist auf einen Schlag alles anders: Lähmungen treten auf, und er bricht zusammen. Er wird in die Berling-Klinik eingeliefert, und das Krankheitsbild gibt den Ärzten Rätsel auf.
Lena kümmert sich rührend um ihren Vater, doch er erhebt schwere Vorwürfe: Ausgerechnet sie soll schuld an seiner Krankheit sein ...
Lena erwachte zu einem ruhigen, steten Herzschlag. Sie blinzelte, spürte die warme Daunendecke, die ihre schlanken Beine umschlang, und das Kribbeln in ihrem linken Arm, auf dem sie eingeschlafen sein musste. Sie hob ihre Hüfte an, gerade genug, damit sich ihr Arm aus seiner misslichen Lage befreien und wieder mit genug Blut versorgt werden konnte.
Da spürte sie eine neue Regung; zwei Körper, die aneinander rieben. Nackte, warme Haut, die sich an die andere schmiegte. Wieder blinzelte sie, ihr Blick wurde schärfer, der Verstand wacher. Natürlich. Sie war nicht allein. Und das dumpfe, beruhigende Klopfen, das so gut zu ihrem Atem gepasst hatte, gehörte auch nicht zu ihr. Sie hob den Kopf von der breiten Brust, die sie als Kissen verwendet hatte, und sah auf in blaue, amüsierte Augen.
»Na, gut geschlafen?«
Sie hörte, wie er ein Buch neben sich zuklappte. Sicherlich wieder irgendein psychologischer Lehrschinken.
Sie drehte ihren Kopf zur Seite und suchte den Wecker auf dem Nachttischschrank, doch auch der war von einem Stapel Uni-Lektüre verdeckt.
»Wie spät ist es?«
Es schauderte ihr angenehm, als David seine Fingerspitzen wie nebenbei über ihren Rücken streifen ließ, um einen besseren Blick auf seine Armbanduhr zu bekommen.
»Fast Mittag. Genau viertel vor zwölf.«
»O Gott!«
Vorbei war es mit dem angenehmen Schauer. Nun hellwach und wie von einer Tarantel gestochen, sprang sie vom Bett auf. Sie zog die Daunendecke fast gänzlich mit sich und bekam damit freie Sicht auf Davids muskulösen, schlanken Körper. Er lachte und zog die Decke wieder zurück.
»Hey, was ist denn in dich gefahren? Bleib doch noch.«
Sie spürte seine großen, einladenden Hände, die sie sanft an ihrer Hüfte versuchten, zurückzuziehen, während sie den Boden verzweifelt nach ihrer restlichen Unterwäsche absuchte. Sie hatte fast alles, nur ihr BH und eine Socke schienen unauffindbar.
»Keine Zeit. Warum hast du nichts gesagt? Ich bin viel zu lange weggenickt.«
Sie löste sich aus seinem Griff und sah unters Bett, unter dem ihr vermisster schwarzer Sport-BH auftauchte.
»Weil es so gemütlich war. Ich hab den Moment genossen«, erwiderte David mit verführerischer Ernsthaftigkeit in der Stimme, die sie schamhafter Weise anzog. »Außerdem wusste ich nicht, dass du es eilig hast.«
Lena zog sich das dunkelbraune, lange Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen, dann knöpfte sie, so schnell sie konnte, ihre Jeans zu.
»Hab ich aber. Ich muss mich beeilen. Hast du meine Socke gesehen?«
David suchte kurz das Bett ab, dann hielt er das grüne Kleidungsstück mit Bambi-Aufdruck in die Luft. Eine jugendliche Reliquie, die von ihrer längst angepassten Erwachsenengarderobe widerwillig geduldet wurde.
»Ich geb sie dir, wenn du zurück zum Kuscheln kommst.«
Dass sie nicht lachte. Lena wusste, dass es dabei nicht bleiben würde. David wollte keine Streicheleinheiten. Er wollte eine süße Wiederholung der intimen Zweisamkeit vom Vormittag.
Sie warf ihm einen tadelnden Blick zu und riss ihm die Socke aus der Hand.
»Ich habe wirklich keine Zeit. Kuscheln kannst du auch mit deinem Hund.«
Mit gespielter Betroffenheit schlug David die Hand vors Gesicht und warf sich mit dem Rücken schwungvoll in die Matratze.
»Mimi! Mimi, hast du das gehört? Es tut so weh.« Er griff sich ans Herz und warf den Kopf leidverzerrt hin und her. Mit wedelndem Schwanz kam ein Golden Retriever aus dem Flur gelaufen und versuchte, winselnd aufs Bett zu kommen.
Lena schüttelte nur den Kopf, auch wenn sie die Show zugegebenermaßen amüsierte. Immer wieder aufs Neue fühlte sie sich darin bestätigt, dass ihn Unnahbarkeit unglaublich anzog. Anders konnte sie sich Davids selbstbewusste Reaktion auf ständige Abweisung und mangelnde Verfügbarkeit nicht erklären. Er schien Übung darin zu haben. Wer wusste schon, wie viele Frauen hier ein- und ausgingen? Lena sollte es recht sein. Sie suchte sowieso nichts Festes.
Die schlanke Frau zog sich den Pullover über den Kopf und griff nach ihrem Handy. Ein verpasster Anruf und zwei Textnachrichten von Peter Sittig. Ihr Herz klopfte. Sie musste sich sputen.
»Wen triffst du?«
Sie sah auf und begegnete Davids wachsamem Blick. Ihr war nicht aufgefallen, dass er sie beobachtet hatte.
»Du triffst jetzt wen anderen, nicht wahr?«
Lena steckte ihr Handy wieder ein.
»Es geht dich nichts an, wen ich treffe.«
»Autsch.«
Wieder wedelte seine Hündin aufgeregt mit dem Schwanz, als David sich an die Brust griff.
»Du hast ein kaltes Herz, Lena. Ein kaltes, unwiderstehliches Herz. Bin ich froh, dass du hier drauf eine ganz andere Sprache sprichst.« Er klopfte auf die Matratze, damit sie auch wirklich verstand, welchen Ort er meinte.
Sie rollte mit den Augen. »Glaub, was du willst.«
»Jaja, streite alles ab. Aber du weißt genau, dass das zwischen uns echt ist. Sowas kann man nicht vorspielen, auch wenn du das nicht wahrhaben willst.«
»Ziemlich große Worte für einen Schürzenjäger wie dich«, flüsterte sie grinsend und beugte sich für einen Abschiedskuss vor. Sie zielte auf die Wange, doch flink neigte er den Kopf, und ihre Lippen trafen sich.
Er grinste zurück. »Heutzutage sagt niemand mehr Schürzenjäger.«
»Und niemand redet heute noch von großen Gefühlen«, antwortete sie und drehte sich um. Im Vorbeigehen streichelte sie Mimis Kopf.
»Wann sehen wir uns wieder?«, rief der blonde Schönling ihr nach, noch bevor sie die Tür erreichte.
»Wann immer wir uns wiedersehen«, gab sie zurück.
»Oh, mein Herz, mein Herz«, hörte sie David aus dem Schlafzimmer rufen. Mimi winselte, und Lena konnte nicht anders, als laut zu lachen, während sie den Türknauf hinter sich zuzog.
***
»Thierry, ich hab alle meine Argumente zusammen, beruhig dich. Die Präsentation ist nur noch pro forma. Wenn du mir das Reden überlässt und nicht wieder dazwischenfunkst, ist der Auftrag noch am selben Tag unter Dach und Fach.«
Peter ging mit festen, langsamen Schritten die Straße auf und ab. Sein Gehradius beschränkte sich auf den Fußgängerbereich vor dem futuristisch gehaltenen Restaurant, dessen Logo mit rot blinkenden chinesischen Schriftzeichen versuchte, ins Innere zu locken. Durch die äußeren Glaswände konnte man einige Tische sehen, auf denen verdächtig fleischähnliche Speisen standen. Verdächtig deswegen, weil Lena ihm von einem vegetarischen Restaurant vorgeschwärmt hatte. Peter hatte sie gefragt, ob sie auch wirklich denselben Laden meinten, doch besagte Frau hatte zu seinem Ärger noch nicht auf die Frage reagiert.
»Pierre ist unser wichtigster Kunde«, hörte er seinen Chef durchs Handy sprechen, »da geht's um viel Geld. Es wird nicht leicht sein, ihn zu überzeugen. Nimm die Sache bloß ernst.«
Peter spürte, wie die Leute hinter den Glaswänden ihn betrachteten; den großen, eleganten Anzugträger, mit den braunen Haaren und den vereinzelt grauen Strähnen, die ihm den modernen Look eines Fernsehdoktors verpassten.
Er wusste um seine einnehmende Ausstrahlung und sein gepflegtes, stattliches Äußeres. Er achtete peinlich genau darauf. Die Welt öffnete einem deutlich mehr Türen, wenn der scharfe Verstand auch zu einem attraktiven Erscheinungsbild passte. Er konnte stolz von sich sagen, dass er stets exklusiven Zugang genoss.
»Komm schon. Vierzigtausend Euro sind nichts. Mach dich nicht lächerlich.«
»Für eine Kinderhilfsorganisation schon. Der Kunde ist nicht aus finanziellen Gründen so lukrativ. Das weißt du genau.«
Natürlich. Peter hatte es schon oft genug hören müssen. Thierry wollte das Image der Werbeagentur langfristig aufpolieren, deswegen hatten sie mittlerweile einen zweigleisigen Kundenstamm: die eine Gruppe, die ihnen Geld verschaffte, und die andere, die moralisches Ansehen brachte. Peter war allerdings der Meinung, dass Thierry den falschen Leuten gefallen wollte. Jedenfalls hatten die beiden Männer eine grundlegend andere Vorstellung von positivem Image und Erfolg.
»Von mir aus. Vierzigtausend Euro sind trotzdem nichts. Das deckt gerade einmal die Hälfte der Kosten ab. Den Rest werde ich über Sponsoren reinholen. Das Marketingkonzept ist für das Geld ein Wahnsinn, sie sollten froh sein.«
Der gemeinnützige Verein war vor fünfzig Jahren gegründet worden. Er unterstützte weltweit Kinder in Not, überwiegend durch organisierte Patenschaften und Spenden. Die meisten freiwilligen Helfer waren in Indien und Südamerika stationiert, wo man beim Bildungsangebot und der Schaffung von lebenswertem Wohnraum mit anpackte. Im Rahmen des Jubiläums wollte der Geschäftsführer der Organisation den Bekanntheitsgrad der Kinderhilfe steigern, aber auch der deutschsprachigen Bevölkerung die Tätigkeiten des Vereins greifbarer machen.
Peter hatte sofort die Idee einer Auslandsreise gehabt.
»Das vereint Kreativität, Authentizität und intime Einblicke!«, hatte er Thierry und seinem Agenturkollegen und guten Freund Klaus in einer Brainstorming-Session erklärt.
»Wir machen eine Content-Marketing-Reise. Wir brauchen einen Sänger, einen Fotografen und einen Texter, die an die weltweiten Standorte geschickt werden. Mit den notdürftigen Kindern entstehen Lieder, die wir auf den sozialen Kanälen verbreiten, das wird fotografisch und textlich dokumentiert. Wir machen ein Buch daraus, eine Lesung, es wird ein richtig gut durchdachtes, aufbauendes Projekt. Es hat alles. Seid ihr dabei?«
Sie hatten etwas gebraucht, aber waren schon bald mit an Bord. Klaus war ein grottenschlechter Texter, aber ein passabler Fotograf. Peter war eine Texter-Koryphäe in der Werbelandschaft, es stand außer Frage, dass er für die Content-Arbeit zuständig sein würde. Sie würden gut speisen, reisen, Spaß mit den Kindern haben und dann wieder zurückkommen. Genau wegen solcher Möglichkeiten liebte er seinen Job. Nur dass Barbara nicht mitkommen durfte, das ärgerte ihn.
»Ich werde hier doch nicht alle Positionen extern besetzen, damit du aus einer Dienstreise einen bezahlten Liebesurlaub machst! Ich brauch Barbara für die Finanzen!«, hatte Thierry geschimpft, kaum dass er es vorgeschlagen hatte.
Barbara war Peters Partnerin, eine Femme fatale mit engelsgleichem Gesicht, die in der Agentur für Buchhaltung und Backoffice zuständig war. Ein Job, den man von überall aus machen konnte, aber Peter war schon oft aufgefallen, dass Thierry bei seinen innovativen Ideen nicht so schnell hinterherkam.
»Wie du meinst«, holte Thierrys dumpfe Telefonstimme den Werbetexter zurück in die Gegenwart. »Mach mir einfach keine Schande. Sei überzeugend, aber übertreib nicht.«
Hielt er ihn für einen blutigen Anfänger? Solche würdelosen Tipps musste er sich nicht gefallen lassen.
»Ich leg jetzt auf«, sagte Peter unvermittelt und drückte ihn weg. Dann warf er einen schnellen Blick auf seine Rolex. Fast halb eins. Er wollte schon Lena anrufen und sie fragen, ob sie wohl pünktlich kam, da sah er sie von der anderen Straßenseite aus auf ihn zukommen.
Sie hatte ihr dunkelbraunes Haar geschlossen, der Pferdeschwanz fiel ihr locker über die rechte Schulter. Ihre braunen Augen leuchteten, als sie ihn sah, sie lächelte und winkte. Zufrieden fiel ihm auf, dass sie nicht nur den figurbetonten Mantel, sondern auch den Kaschmirschal trug, den er ihr zum Geburtstag geschenkt hatte. Sie war eine hübsche Frau und kleidete sich ganz nach seinem Geschmack. Nichts anderes hätte er von seiner Tochter erwartet.
»Hey, Kleine.«
»Hey, Papa. Gut schaust du aus! Gehen wir rein?«
Er antwortete mit einem seiner charmantesten Lächeln.
***
»Hallo, wir haben reserviert. Zwölf Uhr dreißig, auf Sittig.«
Lena schielte nervös zu ihrem Vater, während die Kellnerin im Gästebuch nach ihrem Namen suchte. Das Ambiente schien ihn noch nicht zu überzeugen, aber das würde sich sicher bald legen.
Das Restaurant war noch neu und schon jetzt ein absoluter Hit. Sie hatte gelesen, dass die gesamte Münchener Gourmet-Szene der Eröffnung ungeduldig entgegengefiebert hatte, jeder wollte die nachhaltige Veggie-Küche austesten, die angeblich auch den treusten Fleischliebhaber überzeugte. Die Ersatzprodukte seien hier revolutionär gut und schmeckten besser als das Original.
Bei solch großen Versprechungen hatte es Lena nicht gewundert, dass sie Wochen im Voraus einen Tisch hatte buchen müssen. Für eine Abendreservierung hatte man ihr angeboten, sie auf eine Warteliste zu setzen. Lena kannte so etwas nur von Szeneclubs und den umkämpften Seminaren ihrer Fachhochschule. Sie hatte dankend abgelehnt und war unendlich froh gewesen, ihren Vater zumindest zur Mittagszeit mit so einem Lokal beeindrucken zu können. Es klang nach der perfekten Umgebung für einen Mann aus der Werbebranche.
»So, bitte schön. Darf ich Ihnen schon etwas zu trinken bringen?«
Sie waren der Kellnerin zu einem schwarzen Kubus gefolgt. Lena brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, dass es sich hierbei um ihren Tisch handelte. Er stand an einer grob verputzten Betonwand, auf der mit grellen Neon-Leuchtröhren »make love, not meat« geschrieben stand.
Zaghaft nahmen sie auf den Holzdrehstühlen Platz.
»Ja, einen Chardonnay«, sagte Peter sogleich. »Und bringen Sie uns sofort die Speisekarte. Wir werden nicht lange bleiben«, fügte er mit misstrauischem Blick auf die Pendelleuchte über ihnen hinzu, die die Form eines Raumschiffes hatte. Kaum war die Kellnerin weg, kreiste er samt Stuhl einmal um sich selbst. »Welcher Innenarchitekt kommt nur auf solche Ideen? Und wer genehmigt dann auch noch den Schwachsinn?«, fragte er ungläubig, doch Lena interessierte etwas ganz anderes.
»Wir bleiben nicht lange?«, echote sie.
Peter seufzte. »Ich treffe später noch Klaus. Wir setzen gerade die Website für einen ziemlich großen Kunden neu auf. Die Texte passen, aber die Bildauswahl ist meiner Meinung nach nicht stimmig mit der Firmenidentität. Die müssen ausgetauscht werden.«
»Wäre das nicht eigentlich die Aufgabe des Chefs, ihm das zu sagen?«
»Natürlich! Aber Thierry hat kein Auge dafür. Also muss ich da wieder ran.«
Es erstaunte Lena immer wieder, wie sehr sich ihr Vater für die Agentur einsetzte. Sie selbst hätte keine Energie, neben ihren eigenen Aufgaben auch teilweise die der Kollegen zu übernehmen. Das zeichnete Peters Charakterstärke aus. Und bestärkte sie in ihrem Entschluss, den sie ihm gleich unterbreiten wollte.
»Ich verstehe. Keine Sorge, ich komme schnell zur Sache. Und das Essen geht heute auf mich«, sagte sie just in dem Moment, als ihnen Speise- und Getränkekarte überreicht wurden.
»Das brauchst du doch nicht, Liebes«, erwiderte Peter mit einem Lächeln, doch sie sah die Zufriedenheit in seinem Ausdruck. Er mochte unabhängige Frauen, die auf sich selbst aufpassen konnten. Seiner Ansicht nach gehörte dazu auch, dass sie die Restaurantausgaben selbst tragen konnten. Das hatte er sie schon öfters wissen lassen.
Wenig später bestellte sie auch einen Wein und den Tofu-Kimchi-Salat, Peter entschied sich für die Spezialität des Hauses, das »Wie-Beef-Tartar« mit Ei auf geröstetem Schwarzbrot. Als die Bedienung ihnen die Karten abnahm und der Smalltalk gut voranschritt, wurde es für Lena Zeit, ihre Idee zu unterbreiten.
Sie räusperte sich. »Du weißt ja, dass ich Dokumentarfilm studiere.«
»Ich dachte, du bist Verkäuferin?«, warf ihr Vater ein, doch Lena schüttelte den Kopf.
»Seit letztem Jahr nicht mehr, damit habe ich mir nur das Studium vorfinanziert. Außerdem war ich nicht nur im Laden tätig, ich hab auch ein paar journalistische Sachen gemacht.«
»Ja, das weiß ich noch, für dieses regionale Käseblatt.«
