Chefarzt Dr. Holl 1984 - Helene König - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 1984 E-Book

Helene König

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Beschreibung

Sophia Klein wird von wiederkehrenden Schwindelattacken geplagt. Zuerst versucht sie noch, sie zu ignorieren. Die Marketing-Projektmanagerin kämpft nämlich gerade um eine Beförderung, da passen ihr gesundheitliche Probleme überhaupt nicht in den Kram.
Als sie wegen eines Schwindelanfalls aber beinahe einen Autounfall baut, begibt sie sich doch in Behandlung. In der Berling-Klinik diagnostiziert Orthopädin Dr. Susanne Meltendorf bei ihr eine abnorme Beweglichkeit der Halswirbelkörper. Mithilfe einer Versteifungs-OP könnte ihr der Leidensdruck genommen werden, erklärt die Ärztin ihrer Patientin, die dem Eingriff schließlich zustimmt.
Allerdings sind die Schwindelattacken danach nicht verschwunden. Ganz im Gegenteil. Und der Orthopädin wird bewusst, dass ihr ein schwerer Fehler unterlaufen ist ...

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Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Der Irrtum der Orthopädin

Vorschau

Impressum

Der Irrtum der Orthopädin

Als Dr. Meltendorf ihren Fehler erkannte, war es zu spät

Von Helene König

Sophia Klein wird von wiederkehrenden Schwindelattacken geplagt. Zuerst versucht sie noch, sie zu ignorieren. Die Marketing-Projektmanagerin kämpft nämlich gerade um eine Beförderung, da passen ihr gesundheitliche Probleme überhaupt nicht in den Kram.

Als sie wegen eines Schwindelanfalls aber beinahe einen Autounfall verursacht, begibt sie sich doch in Behandlung. In der Berling-Klinik diagnostiziert Orthopädin Dr. Susanne Meltendorf bei ihr eine abnorme Beweglichkeit der Halswirbelkörper. Mithilfe einer Versteifungs-OP könnte ihr der Leidensdruck genommen werden, erklärt die Ärztin ihrer Patientin, die dem Eingriff schließlich zustimmt.

Nach der OP kann Sophia ihren Kopf nur sehr eingeschränkt bewegen – und das wird für immer so bleiben. Die Schwindelattacken sind aber nicht verschwunden. Und der Orthopädin wird bewusst, dass ihr ein schwerer Fehler unterlaufen ist ...

»Reden wir schon wieder über Lukas Fischer?«

Sophia Klein hörte die Belustigung in der Stimme ihrer Freundin. Leicht gereizt presste sie das Handy von einem ans andere Ohr und öffnete den Schrank über der Spüle, in dem sie ihre Kaffeepads verstaute. Die Packung war leer. Sie seufzte resigniert.

»Lach nicht, Lena. Er hat versprochen, dass er uns hilft. Er hat es versprochen. Und weißt du, wie seine Hilfe dann aussah?«

Verzweifelt schob sie Gewürze und Aufbewahrungsboxen zur Seite, in der Hoffnung, auf eine vergessene Reservepackung lösliches Kaffeepulver zu stoßen, doch wieder ging sie leer aus und realisierte, dass ihre Morgenroutine nun endgültig dahin war. Ihr Ärger stieg an.

»Statt den Termin zu verschieben, hat er die Kundin pünktlich empfangen, uns im Hintergrund schuften lassen und ihr schöne Augen gemacht. Als wir endlich die Präsentation fertig hatten, haben sie gerade ihre Pläne fürs Dinner besprochen.«

Sie öffnete den Kühlschrank und holte einen Energydrink aus dem Seitenfach, auch wenn sie zuckerhaltige Getränke normalerweise bis zum Nachmittag mied. Aber sie war nicht bereit, ohne Koffein im Blut das Haus zu verlassen. Andernfalls konnte sie nicht die Leistung erbringen, die sie von sich erwartete. Dazu gehörte unter anderem das Ertragen von selbstverliebten Arbeitskollegen, die ihr das Leben schwer machten.

»Du hättest sie sehen sollen. Ich war froh, dass die beiden noch angezogen waren, als ich den Raum betreten habe.«

Während Sophia die bloße Erinnerung immer noch empörte, lachte Lena nun doch.

»Herrlich. Das passt zu allem, was du mir bisher über diesen Mann erzählt hast. Aber warum regst du dich auf? Es hat doch was gebracht – er hat für euch Zeit rausgeholt, die ihr nutzen konntet. Ist doch super, oder nicht?«

Sophia hob die Augenbrauen, während sie die Dose mit einem schnellen Handgriff öffnete. Es zischte.

»Ich rege mich auf, weil er wieder mal die ganzen Lorbeeren eingefahren hat, obwohl er keinen Finger gekrümmt hat! Während wir uns den Hintern aufreißen, wochenlang an detaillierten Plänen für die Marketingkampagne arbeiten, weiß er gerade mal, dass die Kundin einen Fitnessklub leitet und expandieren will! Er hätte sich ins Projekt einlesen sollen, das Budget oder den Zeitplan kontrollieren, aber nein – lieber lässt er sich an die trainierten Arme fassen, schaut der Frau ein paar Mal tief in die Augen und lächelt dabei sein breites Zahnpastalächeln. Und dann kommen wir, präsentieren alle wichtigen Fakten und Zahlen, aber sie will alles Weitere nur mit Lukas besprechen! Mit Lukas! Diesem hirnlosen Möchtegern-Adonis!«

Sophie nahm zwei große Schlucke aus der kleinen Dose. Ein herb-säuerlicher Geschmack blieb im Gaumen zurück.

»Ich kann nicht glauben, dass wir dieselbe Position haben. Und ich kann nicht glauben, dass er genauso erfolgreich bei der Kundenakquise sein soll wie ich!«

»Weißt du, was ich nicht glauben kann?«, fragte Lena am anderen Ende und lachte leise. »Dass wir schon wieder über Lukas reden. Nicht einmal ich rede so viel über meinen Verlobten. Das sollte dir zu denken geben.«

»Mir gibt es zu denken, dass man in der Werbebranche mit Charme und Arroganz genauso viel erreichen kann wie mit Fleiß und Intelligenz. Es ist unfair.« Sie warf die leere Dose in den Mülleimer. Grübelnd sah sie aus dem Fenster. »Ich habe mir meinen Platz hart erarbeiten müssen. Ich liebe meinen Job, aber du weißt, wie viel ich für die Agentur gebe.«

»Natürlich weiß ich das«, hörte sie Lena sagen. »Schließlich bin ich die einzige Freundin, die du noch hast, nachdem du das Büro deiner Freizeit vorziehst.«

Das erste Mal an diesem Morgen lachte Sophia.

»So schlimm ist es nun auch wieder nicht«, erwiderte sie, auch wenn sie genau wusste, dass Lena recht hatte.

Lena Behrens war ihre Kindheitsfreundin. Seit der Grundschule waren sie durch dick und dünn gegangen, nichts konnte die beiden auseinanderbringen. Sie hatten ihren Streit um eine Barbiepuppe überstanden, den Kampf um den beliebtesten Jungen der Parallelklasse, Lenas Auslandssemester in England, wo sie ihre große Liebe kennengelernt und nach München gebracht hatte, wie auch Sophias Wandlung vom Couch-Potato zur boxversessenen Workaholic-Frau.

Sophia fehlte manchmal ihr ausschweifendes Sozialleben von früher. Trotzdem wollte sie nie wieder dahin zurück. Seit sie auf ihre Karriere und die Figur achtete, war sie viel selbstbewusster geworden. Und solange sie ihre beste Freundin noch an ihrer Seite hatte, verkraftete sie den Verlust all der oberflächlichen Partyfreundschaften.

Grimmig dachte sie nun an ihren Konkurrenten Lukas Fischer zurück und nahm den Faden wieder auf. »Ich schwöre bei Gott, wenn dieser nichtsnutzige Adonis vor mir zum Projektleiter befördert wird, mache ich ihm das Leben zur Hölle.«

Am anderen Ende der Leitung schnaubte es.

»Schon wieder Adonis? Herrje, Sophia, schlaf endlich mit ihm, damit du deine unterdrückte Sehnsucht ein für alle Mal befriedigen kannst und wir endlich mal über was anderes reden können.«

Sophia spürte, dass sie rot wurde.

»Ich steh nicht auf ihn! Er geht mir auf die Nerven!« Sie fuhr sich durch ihr dunkelblondes Haar und fügte nach einigem Zögern hinzu: »Er mag attraktiv sein, aber ich kann es nicht leiden, dass er das zu seinem Vorteil ausnutzt. Und damit auch noch durchkommt.«

Wieder schnaubte es am anderen Ende.

»Was?«, fragte Sophia irritiert.

»Als ob dir dein Aussehen nicht genauso Vorteile verschaffen würde. Wir wissen beide, wie sehr du deinem Chef gefällst. Und am Ende entscheidet er über eine Beförderung. Also musst du dir wenig Sorgen machen.«

Sophia fühlte, dass ihre Wangen glühten, diesmal jedoch aus Scham.

»Hey! Ich bin gut in meinem Job!«

»Gut und gut aussehend«, stimmte Lena zu. Bevor Sophia protestieren konnte, fuhr ihre Freundin mit lauter Stimme fort: »Sorry, Sophia, sieh der Realität ins Auge. Mein Chef ruft mich jedenfalls nicht während unseres Mädels-Urlaubs an, um zu fragen, was er seiner Frau schenken soll.«

Sophia ging in den Flur, klemmte das Handy zwischen Ohr und Schulter und zog sich ihre schwarzen Pumps an. »Wir verstehen uns gut und fertig. Wir gehen ins selbe Gym, das fördert das freundschaftliche Verhältnis. Aber Patrick kann Berufliches und Privates gut trennen. Zumindest bei mir.«

»Sicher«, sagte Lena. Es klang wenig überzeugt.

Sophia sah auf ihre Armbanduhr. »Wie auch immer, ich muss jetzt los.« Sie griff nach ihrer Tasche und der Frühlingsjacke. »Sehen wir uns heute Abend auf einen Afterwork-Drink?«

»Ich werde da sein«, versprach Lena.

Zufrieden legte Sophia auf. Das Koffein wirkte. Sie war bereit für den Tag.

***

»Noch einen Kaffee?«

Jaqueline, die junge Praktikantin mit französischen Wurzeln, richtete sich mit ihrer Frage erwartungsvoll an Lukas Fischer. Der schwarzhaarige Lockenkopf verneinte mit einem Lächeln, woraufhin Jaqueline Durant mit schwingenden Hüften an ihren Schreibtisch verschwand.

Niklas Müller, der dabei direkt neben Lukas stand und völlig ignoriert worden war, hätte das unter anderen Umständen amüsiert, doch eine andere Erkenntnis dominierte seine Gedanken.

Irritiert wandte er sich an Lukas. »Schon wieder eine neue Praktikantin?«

Noch letzte Woche hatte er der blonden Mia einen Zwischenbericht zum Korrekturlesen auf den Tisch gelegt. Den hatte er bekommen, nur von dem jungen Mädchen fehlte seit Tagen jede Spur.

Lukas zuckte mit den Achseln. »Patrick meint, Jaqueline passe besser in unser Team. Mia hat am Wochenende ihre Kündigung eingereicht. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist sie für die restlichen Tage krankgeschrieben.«

Besorgt kratzte sich Niklas an der Schläfe. Er hatte nicht bemerkt, dass Mia ihren Job aufgeben wollte. Er hatte eher den Eindruck gewonnen, dass sie gerne in der Werbeagentur arbeitete und eine Festanstellung anstrebte.

»Schon wieder verschwindet eine Kollegin von einem Tag auf den anderen, ohne dass ich ihr Unwohlsein bemerkt habe«, murmelte Niklas. »Warum kündigen die Mädels, bevor sie das Gespräch mit mir suchen? Vielleicht bin ich doch nicht so ein guter Projektleiter, wie ich glaube ...«

Sogleich nahm er das spöttische Lächeln von Lukas wahr.

»Jetzt fang nicht wieder mit sowas an. Weißt du, was wirklich dein Problem ist? Für einen Projektleiter bist du viel zu selbstkritisch.«

Niklas sah ihn ernst an. »Ich will, dass sich die Leute unter meiner Führung wohlfühlen. Dann leisten sie auch gute Arbeit. Mitarbeiterfluktuation ist kein gutes Zeichen. Da sollte sich jeder gute Chef hinterfragen.«

»Chef. Ein gutes Stichwort.« Lukas stellte die leere Kaffeetasse auf der Theke hinter sich ab. »Mach dir keine Sorgen, Niklas. Du bist ein guter Projektleiter. Abgesehen davon, dass du für diese Branche viel zu nett bist. Die Praktikantinnen gehen nicht wegen dir. Sie gehen, weil sie mit dem Boss schlecht klarkommen. Das liegt doch auf der Hand.«

Niklas hob eine Augenbraue.

»Du glaubst, sie haben ein Problem mit Patrick? Dem Mann, der hier unbedingt die Frauenquote hochtreiben will, damit sich endlich etwas ändert?«

Wieder amüsierte sich Lukas über ihn. Er versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen, doch Niklas sah es im Funkeln seiner Augen.

»Natürlich will Patrick, dass sich etwas ändert, aber nicht aus politischen Gründen. Dir ist schon klar, dass er einfach was Hübsches zum Anschauen haben will, oder? Seine Sprüche nerven die Neulinge. Deswegen halten sie es hier nicht aus.«

Niklas rieb sich nervös am Nacken. Er mochte es nicht, hinter dem Rücken über andere Leute zu sprechen. Vor allem nicht über Vorgesetzte, die Freund und Arbeitgeber gleichzeitig waren. Sollte er Lukas zurechtweisen? Aber wie konnte er das tun, ohne dass dieser sich auf den Schlips getreten fühlte? Er versuchte es mithilfe eines sanften Perspektivwechsels.

»Patrick ist ein guter Chef. Wir können dankbar sein, dass er uns so viel Vertrauen und Autonomie schenkt.«

Lukas hob abwehrend die Hände. »Natürlich! Zu uns ist er gut. Aber er hat seine Lieblinge. Bei vielen anderen wendet er tough love an. Er ist hart zu ihnen, um sie langfristig zu halten. Damit muss man umgehen können.« Er sah rüber zu Jaquelines Schreibtisch. »Für viele ist es das erste Mal in der Arbeitswelt. Die denken, das wäre hier ein gemütlicher Plauderjob. Dabei wird man in der Marketingbranche recht in die Mangel genommen. Viele unterschätzen das.«

»Sagt gerade der Mann, der mit seinen Kunden lieber Golf spielen geht, als die Budgetierung zu besprechen ...«

Niklas und Lukas drehten sich überrascht um, als sie die helle Stimme von Sophia Klein hörten. Sie stand mit verschränkten Armen dicht hinter Lukas und sah ihn mit ihren stechend blauen Augen angriffslustig an. Der wiederum gab einen theatralischen Seufzer von sich.

»Das war ein einziges Mal in diesem Jahr, Sophia. Mit einem Kunden, den wir sonst nicht bekommen hätten. Der hat sich nicht für Zahlen interessiert, sondern nur für ein gutes Gefühl. Ich hab's für die Firma getan.«

Kaum war der Satz zu Ende gesprochen, wusste Niklas, wie diese Unterhaltung weitergehen würde. Und dass er keine Lust hatte, dabeizustehen. Er öffnete den Mund, um sich zu verabschieden, doch er war zu langsam. Sophia schnappte zu.

»Oh, sicher. Ich war auch total dankbar, als dein geliebter Kunde auf halber Strecke das Projekt abbrechen wollte, weil er sich die hohen Summen für unsere Werbekampagne nicht erklären konnte.«

Lukas runzelte die Stirn. »Du wolltest doch das Gespräch unbedingt mit ihm führen. Ich habe dir gesagt, ich gehe mit ihm den Projektstatus nach meinem Urlaub durch.«

»Nun denn, ich muss dann langsam ...«, begann Niklas vorsichtig, doch Sophia fuhr mit immer schärfer werdendem Ton dazwischen.

»Nein, der Kunde wollte das Gespräch unbedingt führen. Und es wäre kein Problem gewesen, wenn du vorher deine Arbeit sauber gemacht hättest.«

Lukas atmete hörbar ein. »Sophia. Wenn du nicht so verklemmt wärst und auf ein, zwei seiner Flirtversuche eingegangen wärst, hättest du dir diese stundenlangen Gespräche sparen können ...«

»Du meinst, ich sollte an meinen Job unprofessioneller rangehen? So wie du?«

Sie lachte kurz auf. Niklas sah sich hilfesuchend um, doch in dem großen Gemeinschaftsbüro taten alle so, als hörten sie nichts. Sophia piekte mit dem Zeigefinger gegen Lukas' Brust.

»Nicht jeder hat es nötig, sich so billig zu verkaufen. Nimm dir ein Beispiel an Niklas. Dann kommst du im Leben vielleicht auch mal weiter.«

Die Augen des Projektleiters weiteten sich. »Leute, bitte. Haltet mich aus eurem täglichen Ehestreit raus.«

Lukas zuckte leicht zusammen, Sophia errötete. Ob aus Wut oder Scham, konnte Niklas nicht sagen.

»Das ist kein-«

»Sophia! Komm zu mir!«

Erleichtert hörte Niklas die tiefe Stimme von Patrick Schmitt aus seinem Büro am Ende des Ganges. Sophia warf Lukas einen letzten eisigen Blick zu, dann stolzierte sie davon. Der schwarzhaarige Lockenkopf sah ihr nach. Als er bemerkte, dass Niklas ihn dabei beobachtete, verdrehte er die Augen.

»Da kann sie auf einmal die Hüften schwingen ... ich präsentiere: einer der Lieblinge, die der Chef bevorzugt behandelt.«

»Hey!«, protestierte Niklas. »Verzapf nicht so einen Unsinn! Sie wird geschätzt, weil sie ihren Job gut macht und dabei sehr umgänglich ist.«

Lukas lag etwas auf der Zunge, doch er schien es sich in letzter Sekunde anders zu überlegen. »Siehst du nicht«, fragte er den Projektleiter nun leise, »was Patrick ihr für Augen macht? Das bringt sicher Vorteile. Leider habe ich nicht so ein schönes Dekolletee, sonst hätte ich dir sicher schon längst deinen Posten streitig gemacht.«

Niklas seufzte. Lukas und Sophia waren die besten Projektmanager in seinem Team. Aber wegen Sprüchen wie diesem sah er lieber Sophia in zukünftiger leitender Position. Außerdem wusste er bei Sophia, woran er war. Da sie ähnlich tickten, konnte er sie gut lesen. Lukas wiederum war eine andere Geschichte. Er gab sich oft charmant und kumpelhaft, aber Niklas wusste nie wirklich, was ihm durch den Kopf ging. Wie beispielsweise auch jetzt. Die grünen Augen des breitschultrigen Mannes huschten immer wieder zu Patricks Bürotür.

Lag in seinem Blick Eifersucht? Oder Sorge?

Er hatte aufgegeben, die Dynamik zwischen Sophia und ihm verstehen zu wollen. Und bald konnte ihm das sowieso egal sein.

»Patrick hat bei Beförderungen zwar das letzte Wort, aber es kommt auf meine Empfehlung an. Wenn du meinen Posten also unbedingt haben willst, dann kannst du ja heute nach der Teamsitzung beweisen, was du draufhast.«

Überrascht starrte Lukas ihn an. »Wie meinst du das?«

Der Projektleiter blickte ruhig zurück.

»Wirst du schon sehen. Ich habe einige Ankündigungen zu machen. Aber sagen wir mal so – ab jetzt wird es hier wohl richtig spannend ...«

***

»Niklas verlässt uns?«

Sophia konnte es kaum glauben. Schockiert sah sie ihren Chef an.

Der untersetzte, in einen schicken Designeranzug gekleidete Mann hatte sie gebeten, die Tür zu schließen, deswegen hatte sie gleich gewusst, dass es sich um etwas Ernstes handeln würde. Eine verschätzte Kalkulation vielleicht oder wichtige Terminabsage. Niemals hätte sie jedoch damit gerechnet, dass ihr geschätzter Projektleiter, mit dem sie noch vor wenigen Minuten nichtsahnend zusammengestanden hatte, das Handtuch werfen würde.

Ein Stich ging ihr durch die Brust.

»Wann?«

Niklas war ihr ans Herz gewachsen. Er war einer der wenigen aufrichtigen, bodenständigen Menschen im Team. Er hatte sich stets fair verhalten, immer darauf bedacht, dass seine Mitarbeiter zufrieden waren. Er war ein guter Teamleiter gewesen. Er würde ihr fehlen.

»In drei Monaten. Er wird es heute oder morgen in der Teamsitzung verkünden.«

Sophia machte wohl ein bestürztes Gesicht, denn Patrick nickte seufzend und strich sich dabei theatralisch durch sein auffällig kräftiges, nussbraunes Haar.

»Ich weiß, ich weiß ... ich habe es auch nicht glauben können. Aber seine amerikanische Freundin und er wollen nach San Francisco, er hat dort schon eine Zusage als Account Manager. Ich versteh's ja nicht. Niklas und ich haben uns hier einen Namen gemacht. Drüben wird er ganz neu anfangen müssen. Ich dachte immer, die Agentur ist unser Baby, dass er mit Herzblut dabei ist.«