1,99 €
Mariella Kramer hat tausende Fans im Internet. Sie ist nicht nur für ihre Schminktipps bekannt, in ihren Videos spricht sie auch offen über ihre chronische Lupus-Erkrankung. Ein Missgeschick bringt das Leben der jungen Frau durcheinander. Nach einem Sturz im Badezimmer wird sie mit einer Verstauchung in die Berling-Klinik eingeliefert, und dort bemerkt ein aufmerksamer Pfleger, dass Mariellas Symptome nicht eindeutig auf Lupus hinweisen. Das Ärzteteam beginnt zu recherchieren, und bald kommt eine erstaunliche Wahrheit ans Licht. Eigentlich wäre diese ein Grund zur Freude. Nicht aber für Mariella. Ihr droht plötzlich der Sturz ins Bodenlose ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Sie sendete live aus der Berling-Klinik
Leseprobe
Vorschau
Impressum
Sie sendete live aus der Berling-Klinik
Mariella macht ihre Krankheitzum Geschäft
Von Helene König
Mariella Kramer hat tausende Fans im Internet. Sie ist nicht nur für ihre Schminktipps bekannt, in ihren Videos spricht sie auch über ihre Lupus-Erkrankung.
Ein Missgeschick bringt das Leben der jungen Frau durcheinander. Nach einem Sturz im Badezimmer wird sie mit einer Verstauchung in die Berling-Klinik eingeliefert, und dort bemerkt ein aufmerksamer Pfleger, dass Mariellas Symptome nicht eindeutig auf Lupus hinweisen. Das Ärzteteam recherchiert, und bald kommt eine erstaunliche Wahrheit ans Licht. Eigentlich wäre diese ein Grund zur Freude. Nicht aber für Mariella. Ihr droht plötzlich der Sturz ins Bodenlose ...
Niemals hätte Mariella gedacht, dass sie einmal dieses Leben führen würde. Doch nun saß sie hier, im warmen Schein ihres Ringlichts, und strahlte in ihre professionelle, spiegellose Kamera, die ihr Jonas vor zwei Jahren zum Geburtstag geschenkt hatte.
»Hey, ihr Lieben! Schön, dass ihr dabei seid!«, rief sie fröhlich in die Linse und schielte dabei auf den Laptop. Auf dem Bildschirm war ihr eigenes Bild in perfekter Qualität zu sehen, daneben der Chat, in dem bereits die ersten Zuschauer Herz-Emojis und freudige Nachrichten schickten. Die Verbindung war stabil, das Mikrofon sauber ausgerichtet – es konnte losgehen. »Normalerweise veröffentliche ich ja eher Videos und mache keine Live-Übertragungen. Aber wie viele von euch wissen, will ich mal etwas Neues ausprobieren, um auch mehr im Austausch mit euch zu sein. Seht es mir also bitte nach, wenn ich nicht so schnell mit dem Lesen eurer Kommentare hinterherkomme.«
Sie warf ihr blondes, langes Haar über die Schultern und strahlte über das ganze Gesicht. Die Zahl der Zuschauer kletterte im Sekundentakt in die Höhe. Mariellas Herz schlug schneller. Sie griff nach der Foundation, die sie schon Stunden vorher mit den anderen Make-up-Produkten sorgfältig auf dem Tisch platziert hatte.
»Heute sprechen wir über eines meiner absoluten Lieblingsthemen«, begann sie mit ihrer gewohnt lockeren Stimme, während sie Foundation auf einen Schwamm tropfte. »Heute geht es darum, wie ihr trotz empfindlicher Haut und kleiner Problemzonen einen frischen, natürlichen Look bekommt.« Im Chat tauchten bereits die ersten Fragen auf. Die junge Frau warf einen schnellen Blick auf den blauen Kasten.
Was ist das für ein schlimmer Ausschlag auf deiner Haut? Oder sieht das nur durch das Licht so heftig aus, und du bist einfach sehr aufgeregt?
»Für alle, die neu hier sind«, sagte Mariella lächelnd, ohne aus dem Konzept zu geraten, »und von den roten Flecken auf meinem Gesicht ein wenig irritiert sind: Das nennt man Schmetterlingsausschlag. Seht ihr? Die Hautrötung auf meinen Wangen und hier über dem Nasenrücken.« Sie ging mit ihrem Gesicht näher an die Linse und strich sich mit ihren schlanken Fingern sachte über die Haut. »Ich verwende keinen Filter, deswegen sieht man es so gut. Aber keine Sorge, das ist nicht ansteckend, ihr habt nichts zu befürchten.«
Sie zwinkerte gut gelaunt.
»Es gehört zu einer Krankheit, die sich Lupus nennt. Um genau zu sein – und jetzt darf ich ein wenig angeben: kutaner Lupus erythematodes. Meine Ärztin sagt, ich bin in diesem Thema mittlerweile absolute Expertin. Wie es alle Menschen sind, die eine chronische Krankheit haben. Alles im Leben hat Vor- und Nachteile, was?« Sie zuckte mit den Schultern, dann beschäftigte sie sich wieder mit ihrer Foundation. »Bei mir wurde Lupus mit Anfang zwanzig diagnostiziert. Es ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung, durch die ich unter anderem diese Flecken kriege. Manchmal schuppen die Stellen auch, und an schlechten Tagen ist es fast unmöglich, nicht zu kratzen. Aber dafür gibt es ja Salben, Medikamente und dieses schöne Make-up, nicht wahr?«
Sanft trug sie sich die Foundation auf und verrieb sie über ihr Gesicht.
Tut mir leid, das wusste ich nicht, ploppte nun im Chat auf, an anderer Stelle hieß es: Du hast ja nicht nur mit der Haut Probleme. Erzähl ihnen von den anderen Symptomen.
»Ja, das stimmt«, sagte Mariella laut. »Lupus-Symptome sind bei jedem ein wenig anders, aber ich leide sehr an Müdigkeit und Gelenkschmerzen. Die kann man leider nicht so einfach wegschminken wie die roten Flecken. Oder ich weiß einfach noch nichts davon. Wenn ihr von irgendwelcher Lupus-Wunderschminke gehört habt, lasst es mich bitte sofort wissen. Ich kaufe sie mit Handkuss.«
Ein paar lachende Emojis tanzten über den Bildschirm, eine Flut an positiven Nachrichten tauchte auf.
Mariella! Du bist so lustig.
Ich wünschte, ich könnte damit genauso offen umgehen wie du.
Ich bewundere dich, Mariella!
Die Kommentare berührten die junge Frau. Es war immer wieder schön zu sehen, wie verständnisvoll ihre Zuschauer reagierten. Mit einem kleinen Lächeln legte sie den Schwamm ab und griff nach dem Concealer.
»Vielen Dank für eure lieben Worte«, sagte sie, während sie sich mit dem Stift etwas unter die Augen tupfte und alles mit einem Pinsel verwischte. »Wisst ihr, genau deswegen mache ich das hier. Ich will zeigen, dass wir alle irgendwie unsere Kämpfe austragen – und dass das vollkommen in Ordnung ist. Und mal ehrlich: Mit ein bisschen Übung kann jeder solche Flecken so überschminken, dass sie praktisch unsichtbar werden. Das ist zwar nicht die Lösung für alles, aber es gibt einem etwas mehr Selbstvertrauen, nicht wahr?«
Sie lächelte verschmitzt. Dann sah sie wieder auf den Bildschirm, und ihr Blick wurde nachdenklicher.
»Hier will jemand wissen, wie ich es schaffe, immer so positiv zu sein.« Sie strich sich durch ihr blondes, glänzendes Haar, ihre blauen Augen schimmerten leicht. »Ehrlich gesagt, war das nicht immer so. Das wissen einige von euch schon. Als ich jünger war, habe ich mich oft allein gefühlt. Ich habe mir so sehr gewünscht, dass da jemand ist, der mir sagt: Du bist okay, so wie du bist. Aber ich hatte niemanden, der das getan hat.«
Sie spielte kurz mit ihrem Puderpinsel, dann fixierte sie die Foundation.
»Ich glaube, genau deshalb ist mir meine Community so wichtig. Ihr seid für mich wie dieser jemand, den ich mir als Kind immer gewünscht habe. Und ich hoffe, dass ich für euch – oder zumindest für einige von euch – genau das sein kann.«
Die Herzen im Chat fluteten den Bildschirm. Mariella fuhr leise fort, ihre Stimme nun etwas persönlicher, drückender.
»Ich wünschte manchmal, ich hätte schon viel früher mit Youtube angefangen. Aber die Wahrheit ist, dass ich erst nach meiner Diagnose zu mir selbst gestanden habe. Zum ersten Mal habe ich gedacht: Das bin ich! Und ich werde das Beste daraus machen. Aber ich hätte schon viel früher zu mir stehen sollen. Na ja, leichter gesagt als getan, was?«
Sie lachte leise und schüttelte den Kopf.
»Einige von euch kennen das vermutlich auch: Es ist schwer, an sich selbst zu glauben, wenn du vor Schmerzen und Müdigkeit nicht aus dem Bett kommst. Oder wenn du im Sportunterricht immer als Letzte gewählt wirst, weil alle denken, dass du das Team nur zurückhältst.« Sie seufzte, dann griff sie nach ihrem Lippenstift und öffnete den Deckel. »Man fühlt sich wie der letzte Mensch. Aber hier unter uns ist das natürlich anders. Hier sind wir alle gleichgesinnt. Hier wissen wir ... also, zumindest will ich, dass ihr zu verstehen beginnt, dass wir alle unsere Stärken und Schwächen haben und uns das einzigartig und zu etwas Besonderem macht.«
Sie pausierte kurz, zog mit schnellen, geübten Bewegungen ihre Lippen nach, dann sprach sie weiter.
»Genau das will ich hier mit meinem Kanal vermitteln. Ich will euch zeigen, dass jedes Leben genauso viel wert ist wie das andere – auch von Menschen wie mir. Egal, ob ihr auch Lupus oder mit einer anderen chronischen Krankheit zu kämpfen habt, egal, ob ihr körperliche oder mentale Schwierigkeiten habt – man kann auch trotz Einschränkungen ein wunderschönes Leben führen.«
Die Emojis und bewundernden Kommentare überfluteten erneut den Chat. Mariella lachte dankbar, während sie nach einem Taschentuch griff und sich die Lippen abtupfte.
»Ich habe nicht damit gerechnet, dass die heutige Schminkeinheit eher eine Motivationsrede wird, aber ich hoffe, ihr konntet trotzdem gut folgen. Wie ihr seht, ist diese Make-up-Routine sehr wirkungsvoll – ich bin gerade rot wie eine Tomate von euren Komplimenten, aber die Haut bleibt strahlend weiß.« Sie grinste. Dann legte sie alles zurück auf den Tisch und sah auf die Uhr. »Gut, ihr Lieben. Das war's für heute. Ich muss mich für ein anstehendes Event vorbereiten. Noch kann ich euch leider nicht verraten, worum es da geht, aber ich werde euch natürlich wie immer mitnehmen.«
Sie ignorierte das immer lauter werdende Pochen in ihrem Kopf und das Ziehen in ihrem ganzen Körper. Nur noch ein bisschen, dann konnte sie für einen Augenblick zurück ins Bett. Selbst ihre Gesichtsmuskeln taten ihr mittlerweile weh. Sie sah die weiter auftauchenden Fragen, doch sie hatte keine Energie mehr, darauf einzugehen, also tat sie einfach so, als würde sie sie nicht sehen.
»Ich bin mir sicher, ihr wollt dazu noch einiges wissen, doch ein wenig müsst ihr euch noch gedulden. Die Auflösung kommt früh genug. Bis dahin vertröste ich euch mit einer kleinen Ankündigung.« Sie hob vielsagend die Augenbrauen und beugte sich vor. »Viele von euch wollten mehr über Jonas wissen. Nächstes Mal erzähle ich euch also, wie er und ich uns kennengelernt haben. Aber ich warne euch schon vor: Das ist eine wirklich besondere Geschichte!«
»Die auch lieber ich erzählen sollte.«
Als Mariella die vertraute Stimme im Hintergrund hörte, lachte sie und drehte sich um. Da stand er, lässig mit seinen Krücken, das Lächeln warm und ansteckend wie immer. Sie sah wieder zurück in die Kamera.
»Meine Lieben, bevor hier jemand noch zu viel preisgibt, mache ich lieber Schluss. Denkt daran: Ihr seid gut so, wie ihr seid, und Doktor House hat unrecht! Bis ganz bald!«
Mit einem Klick beendete sie die Liveübertragung, lehnte sich zurück und atmete tief durch. Dann sah sie erschöpft zu dem wahren Grund ihres Selbstvertrauens. Dem Menschen, der ihr ihr Lachen zurückgegeben hatte: Jonas Brin, der Liebe ihres Lebens.
***
»Alles in Ordnung?« Jonas beobachtete seine schöne Freundin dabei, wie sie die Liveübertragung beendete und sich mit einem Seufzen auf ihren Stuhl zurückfallen ließ. Trotz ihrer fröhlichen Fassade, die sie vor der Kamera immer so mühelos aufrechterhielt, kannte er sie gut genug, um ihr die Erschöpfung anzumerken.
Sie winkte ab. »Alles in Ordnung. Ich bin sicher nur aufgeregt wegen der anstehenden Preisverleihung, dem Stream-Award. Und ich habe heute leider nicht so viele Videos vorproduzieren können, wie ich eigentlich wollte. Ich hätte lieber schon Feierabend.« Sie seufzte. Er trat näher und ließ sich auf der Sofakante nieder. Die Frustration der schnellen Erschöpfung trotz nagender Pflichten, dieses Gefühl kannte er nur zu gut. Es war ein Leiden, das sie schon lange gemeinsam teilten. Jonas neigte den Kopf und sah sie aus braunen Augen fragend an.
»Da fällt mir ein ... was meintest du da zum Schluss? Was hat es mit diesem Doktor House auf sich?«
Sie blinzelte überrascht, dann lachte sie leise. »Hast du die Serie nie geschaut? Doktor House! Ich war früher süchtig danach. Es geht um einen genialen Arzt, der in jeder Folge rechtzeitig die richtige Diagnose für seine schwerkranken Patienten findet, bevor es zu spät ist. Am Anfang der Folgen ist die Verdachtsdiagnose seines Teams oft Lupus, aber am Ende ist es immer etwas anderes. House sagt deswegen auch immer: ›Es ist nicht Lupus.‹ Dabei ist es Lupus! Zumindest in meinem Fall.« Sie grinste breit.
Jonas konnte nicht anders, als zurückzulächeln.
»Okay, das ist tatsächlich lustig.«
»Es wäre noch lustiger, wenn du die Serie kennen würdest«, neckte sie ihn. »Ich kann echt nicht fassen, dass du es dir nie angeschaut hast.«
Jonas zuckte mit den Achseln. »Du weißt, dass ich früher so gut wie nie vorm Bildschirm saß. Ich hatte nie Zeit dafür.«
»Ja, weil du ein Sportfreak warst. Aber jetzt hast du Zeit. Mit deiner wundervollen Freundin. Wer will schon abends ins Fitnessstudio oder Laufen gehen, wenn er stattdessen mit jemandem wie mir auf dem Sofa kuscheln kann?«
Sie stieß sich vom Boden ab, sodass der Stuhl zu drehen begann, und hob in präsentierender Manier die Arme in die Höhe. Jonas legte die Krücken zur Seite, während er Mariella bei ihren Umrundungen beobachtete. Ihre Energie war ansteckend, auch wenn er wusste, dass sie nicht lange anhalten würde.
»Ja, wer will schon ins Fitnessstudio, wenn er dich haben kann?« Jonas lächelte sanft, doch ein Schatten huschte über sein Gesicht. Er erinnerte sich daran, wie viel das Fitnessstudio und der Sport ihm früher bedeutet hatten. Joggen im Morgengrauen, Wettkämpfe, die ihn an seine Grenzen brachten, die Adrenalinschübe ... das alles hatte sich geändert – oder besser gesagt, war ihm genommen worden.
Mariella schien den flüchtigen Wechsel in seinem Blick zu bemerken. Sie hielt den Stuhl abrupt an.
»Hey, alles okay?«, war sie es nun, die fragte. Ihre Stimme war sanft, besorgt. Jonas nickte und richtete sich auf.
»Ja. Ich hab nur kurz an früher gedacht.«
»Du meinst, bevor ...«, fing sie an, ließ den Satz aber unvollendet. Er wusste trotzdem, worauf sie hinauswollte. Dafür musste man kein Genie sein.
»Genau. Bevor die Ärzte dachten, dass der Grund für meine Schmerzen eine simple Muskelentzündung sei«, ergänzte Jonas bitter. »Und mich mit falschen Medikamenten vollgepumpt haben, bis die Nervenschäden irreversibel waren.«
Mariella zog die Stirn kraus und rutschte von ihrem Drehstuhl runter. Sie setzte sich neben ihn auf die Sofakante. »Jonas, ich ...«
Er winkte ab. »Es ist okay«, versicherte er, »wirklich. Ich habe mich damit abgefunden.«
»Hast du das?«, fragte sie leise.
Er fand keine Antwort. Aber in ihren blauen Augen sah er, dass sie ihn verstand. Dass ihr bewusst war, wie sehr ihm seine alte Bewegungsfreiheit fehlte. Er war früher einmal ein leidenschaftlicher Sportler gewesen, immer in Bewegung, immer auf der Suche nach dem nächsten Ziel. Und dann hatte eine simple Fehldiagnose alles verändert. Aus einer vermeintlichen Muskelentzündung wurde durch falsche Behandlung eine chronische Nervenschädigung, die ihn an guten Tagen auf Krücken gehen ließ und an schlechten an den Rollstuhl fesselte. In seinem Hals bildete sich ein Kloß.
»Manchmal«, gab er zu und griff nach ihrer Hand, »manchmal wünschte ich mir, ich könnte einfach wieder joggen gehen. Oder spontan aufstehen und mit dir tanzen, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob ich morgen überhaupt laufen kann.«
Mariella umklammerte seine Hand fest. »Jonas, du weißt, dass das für mich keine Rolle spielt, nicht wahr? Du bist immer noch der gleiche Jonas. Der gleiche Mensch, den ich liebe.«
Er sah sie an. Trotz des immer stärker werdenden Drucks auf seiner Brust zwang er sich zu einem Lächeln.
»Ich weiß. Deswegen bin ich so froh, dass ich dich getroffen habe. Du liebst mich, obwohl ich ... obwohl ich nicht mehr der Mann bin, der ich früher war. Aber an deiner Stelle würde ich mir mehr wünschen. Jemanden, der dir mehr bieten kann.«
Mariella sah ihn entgeistert an. Dann schüttelte sie den Kopf. Ihre blonden Haare flogen leicht hin und her.
»Jonas, das ist Quatsch«, erwiderte sie entschieden. »Du bist so viel mehr als der Sportler, der du mal warst.« Sie legte ihre Hand auf seine und drückte sanft zu. »Weißt du, was ich viel verrückter finde?«
»Was denn?«, fragte er leise.
»Dass du mich damals schon attraktiv fandst. Ich meine, wie kann das sein? Ich war damals so viel unsicherer und ... wegen meiner Erkrankung nie wirklich sportlich, im Gegensatz zu dir. Als ich dich damals im Park habe joggen sehen, bin ich beim bloßen Anblick schon aus der Puste gekommen. Ich bin bis heute so froh, dass du trotzdem über all das hast hinwegsehen können.«
Jonas runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. Er erinnerte sich noch genau an ihr erstes Kennenlernen und was er dabei empfunden hatte. »Trotzdem? Mariella, ich habe dich nicht ›trotzdem‹ gesehen. Ich habe dich wegen dir gesehen – wegen dem Menschen, der du bist. Und weil du absolut mein Typ bist. Das war bei unserem ersten Treffen ehrlicherweise motivierend genug, um stehen zu bleiben und zu fragen, ob es dir gut geht.«
Sie knuffte ihn in die Seite, doch er wusste, dass ihr die Bemerkung gefiel. Sie hörte überraschend gerne das Offensichtliche. Fast, als ob sie nicht selbst wüsste, was für ein schöner Mensch sie war.
»Jedenfalls definiert dich nicht deine Krankheit. Sie tut es immer noch nicht«, beendete er seinen Satz.
