Chefarzt Dr. Holl 2006 - Helene König - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 2006 E-Book

Helene König

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Ein Knall, ein greller Lichtschein - und plötzlich ist alles anders. Journalistin Felicia wagt sich bei einem Gewitter aufs freie Feld hinaus, um spektakuläre Fotos zu machen. Trotz aller Vorsicht wird sie vom Blitz getroffen.
Sie hat scheinbar Riesenglück. Nicht nur, dass sie überlebt. Schon bald kann sie aus der Berling-Klinik entlassen werden - doch das eigentliche Drama beginnt erst danach. Es fängt mit einem merkwürdigen Vorfall an: Als die Suppe überkocht, greift sie nach dem brennheißen Topf und trägt ihn zur Spüle. Ihre Hände werden knallrot, und Blasen bilden sich, doch sie spürt keinen Schmerz - und Felicia erkennt, dass mit ihr etwas ganz und gar nicht stimmt ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Blitze über Garmisch-Partenkirchen

Vorschau

Impressum

Blitze über Garmisch-Partenkirchen

Felicia wird bei einem Herbstgewitter schwer verletzt

Von Helene König

Ein Knall, ein greller Lichtschein – und plötzlich ist alles anders. Journalistin Felicia wagt sich bei einem Gewitter aufs freie Feld hinaus, um spektakuläre Fotos zu machen. Trotz aller Vorsicht wird sie vom Blitz getroffen.

Sie hat scheinbar Riesenglück. Nicht nur, dass sie überlebt. Schon bald kann sie aus der Berling-Klinik entlassen werden – doch das eigentliche Drama beginnt erst danach. Es fängt mit einem merkwürdigen Vorfall an: Als die Suppe überkocht, greift sie nach dem brennheißen Topf und trägt ihn zur Spüle. Ihre Hände werden knallrot, und Blasen bilden sich, doch sie spürt keinen Schmerz – und Felicia erkennt, dass mit ihr etwas ganz und gar nicht stimmt ...

»Wusstest du, dass der Beruf des Glöckners früher extrem gefährlich war? Hast du schon einmal etwas vom Wetterläuten gehört?« Felicia saß am Schreibtisch der hellen Zweizimmerwohnung und scrollte begeistert durch den Wikipedia-Artikel auf ihrem Laptop. »Im Mittelalter haben die Menschen daran geglaubt, dass das Läuten der Kirchturmglocke das Gewitter vertreiben könnte. Sobald ein Unwetter aufzog, musste der Glöckner den Turm hinauf und Sturm läuten.«

Tobias, der nicht weit von ihr entfernt auf dem Boden saß und von Kamerataschen und Filmutensilien umgeben war, sah sie erstaunt an. »Hat man das nicht lediglich gemacht, um die Menschen im Dorf vor einem Sturm zu warnen? Ich meine, im Alpenraum wird das noch bis heute praktiziert.«

Felicia scrollte ein wenig weiter runter und nickte schließlich.

»Stimmt schon, den Brauch gibt's immer noch. Aber früher hat man nicht nur die Gemeinschaft warnen wollen – man hat wirklich geglaubt, dass der Schall der Glocke das Gewitter vertreiben könnte.« Sie schmunzelte. »Und wenn es dennoch zu einem Unwetter kam, musste der Pfarrer vor die Kirche treten und in alle vier Himmelsrichtungen den Wettersegen erteilen. Gab es dann auch noch eine schlechte Ernte, hat sich das negativ auf die Einkünfte des Glöckners ausgewirkt.« Sie sah hinunter zu ihrem Freund, der die Filmutensilien um sich herum sorgfältig sortierte und systematisch in ihren großen, robusten Reiserucksack einpackte. »Ist das nicht verrückt?«

»Ich finde es eher verrückt, dass du dich mit solchen Nebensächlichkeiten ablenkst, statt schon längst unterwegs zu sein. Du weißt doch, wie selten so ein Herbstgewitter ist. An deiner Stelle wäre ich schon vor Stunden nach Garmisch-Partenkirchen gefahren.«

Felicia schmunzelte und drehte sich von ihrem Computer weg. Sie musterte den gut aussehenden Mann auf dem Boden, der mit ernster Miene eines ihrer Objektive auf Staubpartikel prüfte und anschließend in einem der gepolsterten Fächer ihres Rucksacks verstaute.

Vor zwei Jahren war Tobias Kessler zu ihr in die gemütliche Altbauwohnung gleich am Münchener Busbahnhof gezogen. Es war ein großer Schritt in ihrer Beziehung gewesen, denn vor ihr war Tobi recht bindungsscheu gewesen. Sie wusste das, weil sie ihn schon lange vor ihrer Beziehung, zu Beginn ihres Studiums, kennengelernt hatte.

Im Seminar »Einführung in den Fotojournalismus« war damals neben dem attraktiven Brünetten mit den stechend grünen Augen noch ein Platz frei gewesen. Seine melancholische James-Dean-Art hatte sie sofort angezogen, genauso wie seine Leidenschaft für die Fotografie – eine Gemeinsamkeit, die sie immer noch teilten.

Sie war zu schüchtern gewesen, um ihm ihre Nummer zu geben – auch weil sie ihn oft eng umschlungen mit anderen hübschen Studentinnen sah – es hatte alle paar Wochen eine Neue. Dann verlor sie ihn aus den Augen und traf ihn erst zufällig nach ihrem abgeschlossenen Bachelor wieder. Da arbeitete sie bereits als freie Journalistin und war an einer Geschichte über Sturmjäger dran. Sie interviewte eine Gruppe dieser enthusiastischen Hobby-Fotografen, die extreme Wetterereignisse verfolgten und dokumentierten. Zufällig war Tobi unter ihnen.

Diesmal traute sie sich, ihr Interesse zu zeigen – es war der Anfang einer innigen, liebevollen Beziehung.

»Das ist keine Nebensächlichkeit«, sagte sie nun. »Das kann ich als auflockernde Anekdote sehr gut in meine Reportage einbauen. Und außerdem fahre ich eh gleich los. Ich habe die Radarbilder im Blick.« Sie deutete auf ihr Handy. »Niederschlag, Temperatur, Wind – alles sieht noch gut aus.«

Tobi packte zusätzliche Speicherkarten und Ersatzbatterien in eine kleinere Tasche und diese dann ebenfalls in ihren Rucksack. Zufrieden legte er ihr Stativ daneben. »So, alles fertig. Du bist bereit.« Er lächelte sie an. »Das Interview wird sicher super, Feli. Aber vor allem die Bilder von dem Herbstgewitter werden fantastisch, das sage ich dir.«

»Warum kommst du nicht mit?«, fragte Felicia zum wiederholten Mal an diesem Tag. »Du lässt dir doch sonst ein solches Naturspektakel nicht entgehen. Und ich habe nur dir zu verdanken, dass ich überhaupt von dem anstehenden Gewitter Wind bekommen habe.«

Selbst die Idee, einen journalistischen Filmbeitrag über die Auswirkungen von Blitzschlägen zu produzieren, war Tobi zu verdanken. Als Sturmjäger faszinierten ihn Blitze – und Feli hatte einen guten Vorschlag für ihren Auftraggeber gebraucht. Derzeit war sie vor allem für eine Wissenschaftssendung einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt tätig – da hatte das Thema perfekt gepasst und war gleich genehmigt geworden.

»Es ist schon sehr verlockend ... aber ich habe dir doch gesagt, dass ich mit dem Fahrrad zum Starnberger See wollte. Am Isar-Kanal entlang. Da gibt es auch schöne Fotogelegenheiten auf der Strecke.«

»Schönere als ein mögliches Herbstgewitter?«

Er zögerte. »Ich bin außerdem heute noch verabredet. Das würde also zeitlich eng werden.«

»Ach, komm schon.« Felicia machte eine wegwischende Handbewegung. »Wir packen das Fahrrad einfach in den Kofferraum. Ich will das Gewitter eh unten vom Dorf aus dokumentieren und nicht irgendwo rauffahren. Du kannst von dort ja eine andere Tour starten oder mit dem Fahrrad zum Bahnhof, wenn ich weiter zu meinem Interviewpartner muss.«

Er schien hin- und hergerissen. Sie ließ ihm Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Für die brauchte er länger, seit er auf Felicia gehört und seine Gelegenheitsjobs aufgegeben hatte. Seit Monaten war er nun schon auf der Suche nach einer stabilen, erfüllenden Arbeit – bisher ohne Erfolg. Er war dadurch angespannter und fahriger, doch Felicia hatte volles Vertrauen, dass er bald seinen Weg finden würde. Veränderungen brauchten eben Zeit. Bis dahin schenkte sie ihm die Stabilität und Lebensfreude, die er so dringend brauchte und an ihr schätzte.

»Also gut«, sagte Tobi endlich.

Felicia grinste zufrieden. »Wusste ich's doch. Als ob du dir so etwas entgehen lassen könntest.«

Er grinste zurück. Kaum ging es um die Sturmjagd, kehrte das leidenschaftliche Funkeln in seinen Augen zurück. »Lass mich noch schnell meine Kamera holen.«

***

»Und der Kerl wohnt also hier im Landkreis?«

»In Sonnenbichl. Er wurde vor zehn Jahren in der Partnachklamm von einem Blitz getroffen. Sein Bruder hat es nicht überlebt, er schon.«

Tobi hörte seiner Freundin aufmerksam zu, während sie über die Bundesstraße fuhren und sich dem bayerischen Kurort näherten. Feli war wie so oft perfekt auf ihren Interviewpartner vorbereitet. Alles im Leben, was sie anfasste, hatte sie im Griff – im Gegensatz zu ihm.

Nachdenklich betrachtete er durch die Fensterscheibe den Himmel, über dem sich etwas Dunkles zusammenbraute. »Es geht gleich los, Feli. Wir haben nicht mehr viel Zeit.«

Sie blinkte und fuhr in einen kleinen Schotterweg ein, der mitten auf ein offenes Feld führte. Der Weg endete vor einem prächtigen, goldblättrigen Ahornbaum. Als Felicia anhielt, hob Tobi eine Augenbraue.

»Das ist nicht dein Ernst. Hältst du es bei diesem Wetter wirklich für eine gute Idee, direkt neben einem Baum zu parken?«

»Ja, weil wir in einem Auto sitzen. Du selbst hast mir beigebracht, dass man während eines Gewitters im Wagen sicher ist.«

Das stimmte natürlich. Ein Auto wirkte wie ein Faraday'scher Käfig. Im Falle eines Blitzschlags verteilte sich die elektrische Energie auf der äußeren Metalloberfläche der Karosserie und floss über die Reifen in die Erde ab. Der Innenraum blieb dabei unberührt, selbst bei geöffnetem Fenster. Felicia übersah dabei allerdings einen entscheidenden Punkt.

»Wir wollen doch nicht nur aus dem Auto heraus filmen. Ich zumindest nicht. Also fahr bitte zumindest ein paar Meter zurück.«

Felicia seufzte und legte den Rückwärtsgang ein. Als sie ein wenig Distanz zwischen sich und den Baum gebracht hatten, stellte sie den Motor ab. »Zufrieden?«

Er bejahte und griff nach seinem Rucksack, den er während der Fahrt zwischen seinen Beinen abgelegt hatte. Felicia holte ihr eigenes Equipment aus dem Kofferraum und positionierte ihr Stativ einige Meter vom Auto entfernt. Tobi betrachtete fasziniert den Himmel.

Dicke, dunkle Wolken ballten sich bedrohlich zusammen. Es würde nicht mehr lange dauern. Die Luft war feucht und schwer. Der Baum hinter ihnen raschelte, seine Blätter bewegten sich immer stärker im Wind. Er konnte förmlich spüren, wie die Atmosphäre vor Spannung knisterte. Es war ein berauschendes Gefühl. Felicia hatte sich mittlerweile vor ihre eigene Kamera gestellt. In ihrer roten Regenjacke blickte sie nun mit professioneller Reportermiene in die kleine Linse. Hinter ihr türmten sich die Wolken immer mächtiger auf.

»Hier braut sich ein schweres Unwetter zusammen. Keine Seltenheit in Garmisch-Partenkirchen, das nicht nur für seine atemberaubende alpine Landschaft bekannt ist. Hier gibt es auch sehr häufig heftige Gewitter. Aufgrund der geographischen Lage kommt es zu sehr vielen Blitzentladungen.«

Wie aus dem Nichts durchzuckte ein erster greller Lichtstrahl den Himmel. Tobis Herz schlug aufgeregt, doch Felicia behielt ihren gewichtigen Gesichtsausdruck.

»Welche Risiken das für die Menschen birgt, musste Johann Weber am eigenen Leib erfahren. Er wuchs gemeinsam mit seinem Bruder in einem kleinen Bauernhaus nördlich des Stadtzentrums auf. Vor zwölf Jahren wurden die beiden bei einer Wanderung in der Partnachklamm von einem Blitz getroffen. Der heute Sechzigjährige überlebte nur knapp, sein Bruder war auf der Stelle tot. Bis zum heutigen Tag hat Johann Weber mit den Folgen des Unfalls zu kämpfen. Ich mache mich nun auf den Weg, um die tragische Geschichte eines Mannes zu hören, der auf wundersame Weise dem Tod entging.«

Tobi drückte für sie auf den Aufnahmestopp.

Sie strahlte ihn an. »Hast du den Blitz gesehen? War das nicht vom Timing perfekt?«

Er nickte. Sie stellte sich wieder hinter die Kamera, überprüfte zufrieden die Aufnahme, dann passte sie die Belichtung an, stellte den Fokus neu ein und nahm wieder auf. Auch Tobi beobachtete nun durch seine Kameralinse gebannt das Wetterphänomen. Der nächste Blitz schlug ein. Es war einfach atemberaubend. Ein zackiger, strahlender Pfeil aus reiner Energie, der sich blitzschnell seinen Weg auf die Erde suchte. Immer wieder drückte er auf den Auslöser, ein Donnern folgte. Tobi spürte das Adrenalin durch seine Adern rauschen. In Momenten wie diesen fühlte er sich unglaublich lebendig.

»Wahnsinn!«, machte er seiner Erregung Luft.

»Absolut«, rief Feli und betrachtete dazwischen immer wieder ihr Filmmaterial. »Sieh dir das an. Wie gut das erst wirken wird, wenn ich meine Off-Stimme drüberlege.« Ihre blauen Augen suchten seinen Blick. »Jetzt bist du sicherlich froh, dass du mitgekommen bist, gell?«

Kaum hatte sie das gesagt, fiel ihm wieder ein, welche Pläne ihm noch bevorstanden. Die zuvor verspürte Leichtigkeit entwich seinem Körper, ein flaues Gefühl machte sich in seinem Magen breit. Er sah auf die Uhr.

»Schon, aber ich sollte jetzt wohl wirklich gehen. Sonst komme ich noch zu spät, und wer weiß, wann der nächste Zug nach München fährt?«

Sie lächelte verständnisvoll. Das war Felicias Art. Diese Frau war nicht nur bildschön anzusehen, mit ihren schulterlangen, blonden Haaren, den hellblauen Augen und der süßen Stupsnase, nein, sie war auch noch verständnisvoll, lebensfroh und unglaublich fleißig.

Früher oder später hatte bisher jede Frau von ihm genug gehabt, nachdem sie hinter seine Fassade geblickt hatte. Nicht wenige Ex-Freundinnen hatten ihm erklärt, dass er endlich erwachsen werden sollte. Sie sahen in ihm den faulen und undisziplinierten Mann, der er eigentlich war.

Doch nicht Felicia. Sie hob immer wieder seine kreative und leidenschaftliche Art hervor, betonte, dass er das Potenzial habe, etwas aus sich zu machen, wenn er sich nur traute, wenn er nur an sich glaubte. Sie sah etwas in ihm, das nicht da war. Das machte ihm manchmal Angst. Er setzte darauf, dass das nach heute nicht mehr der Fall sein würde und er schon bald wieder Luft zum Atmen bekam ...

Tobi ging zum Kofferraum und zog sein Fahrrad heraus. Angesichts des herannahenden Gewitters warf er seiner Freundin einen ernsten Blick zu.

»Du kommst klar?«

Sie nickte. »Ich filme nur noch ein paar andere Perspektiven, dann mache ich mich auch auf den Weg. Wir sehen uns dann heute Abend?«

Er betrachtete ihr schönes, zartes Gesicht und bekam einen Kloß im Hals. »Ich weiß noch nicht, wann ich genau zurück sein werde. Warte am besten nicht auf mich.« Dann küsste er sie sanft und schlang fest die Arme um sie. Sie roch nach Lavendel und einem Hauch von Zitrone. Sie roch nach etwas, das er nicht verdient hatte. »Du bist eine wundervolle Frau, Felicia. Ich liebe dich. Ich bin dankbar für alles, was du mir gegeben hast.«

Felicia lachte in seine Umarmung hinein. »Was ist das denn für eine schnulzige Verabschiedung? Du tust ja gerade so, als würden wir uns nie mehr wiedersehen.« Sie löste sich von ihm und blickte ihn mit warmen, weichen Zügen an. »Bis später, mein Schatz. Ich liebe dich auch. Genieß den Tag und versuch, den Kopf wieder freizubekommen. Es wird alles gut, hörst du?«

»Ja. Ja, bis bald.« Er schwang sich auf das Fahrrad und fuhr über den Schotterweg zurück auf die Hauptstraße. Tobi wusste, dass es von hier nicht weit zum Bahnhof war. Wehmut stellte sich ein. Es wurde windiger und dunkler. Es war seltsam, bei diesen Wetterbedingungen nicht bei Felicia zu bleiben und an ihrer Seite zu fotografieren.

Als dann allerdings der Regen einsetzte und lautes Donnern gefährlich nahe klang, hielt er am Straßenrand und blickte zurück. Stand Felicia etwa immer noch draußen? Er spähte über das offene Feld auf der Suche nach dem Rot ihres Regenmantels.

Er war erleichtert, als er sah, wie sie vernünftigerweise das Stativ wieder abbaute. Der nächste Blitz schlug ein, dicht gefolgt von einem Donner, so ohrenbetäubend und laut, dass sich ihm die Nackenhaare aufstellten. Er suchte nach seinem Handy und rief sie an. Es dauerte nicht lange, dann beobachtete er sie dabei, wie sie stehen blieb und abhob.

»Vermisst du mich etwa schon?«, fragte sie neckend.

Er ging nicht darauf ein. »Gehst du eh wieder zurück ins Auto? Die Gewitterwolken sind viel zu dicht dran.«

»Natürlich, ich bin schon auf dem Weg«, versicherte sie. »Wenn du willst, kann ich dich mit dem Auto ...«

Es knallte.

Dann kappte die Verbindung.

Tobi sah den gleißenden Lichtstrahl, so hell, dass es ihn blendete. Er hielt sich die Hand vor Augen und drehte sich weg. Dann blickte er wieder zurück auf das Feld.

»Felicia?« Er bekam keine Antwort. »Felicia?« Mit großen Augen starrte er auf die Gestalt in der Ferne und ließ das Handy sinken. Sie lag auf dem Boden, gleich neben dem Wagen, und rührte sich nicht. »O Gott ... Felicia!«

***

Der Himmel über der Berling-Klinik hing tief. Aus der Ferne hörte man noch vereinzeltes Donnern, doch zumindest hatte der Regen mittlerweile aufgehört. Der Neurologe und Leiter der Stroke Unit, Dr. Marlon Pfeffermann, bekam davon wenig mit. Er war mit drängenderen Ereignissen beschäftigt. Gemeinsam mit seinem Assistenzarzt Dr. Jochen Hansen eilte er mit hastigen Schritten hinunter in die Notaufnahme. Die Nachricht über die eingelieferte Blitzschlag-Patientin hatte sie mitten in einer Besprechung erreicht. Nun drängten sie sich durch die hektischen Gänge des Krankenhauses.

In der Notaufnahme herrschte reges Treiben. Auf einer Trage schob ein Pfleger eine stöhnende alte Frau in einen der Untersuchungsräume, eine Schwester beruhigte einen jungen Mann in Regenjacke mit feuchtem, dunklem Haar.