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Oliver Berner liebt seine Familie. Der engagierte Lehrer setzt alles daran, seiner Frau Katja und der gemeinsamen Tochter Rachel ein stabiles Zuhause zu bieten. Doch etwas hat sich verändert: Katja wirkt zunehmend verschlossen, gereizt - und fremd. Als ein gemeinsamer Ausflug in einem schweren Autounfall endet, scheint die Katastrophe perfekt. Beide werden schwer verletzt in die Berling-Klinik eingeliefert - doch es ist nicht der Unfall, der Dr. Holl und sein Team erschüttert, sondern Katjas verzweifelter Satz: "Bitte retten Sie mich - nicht ihn!" Spätestens als bei Oliver Verletzungen entdeckt werden, die nicht vom Unfall stammen können, wird klar: In dieser Beziehung stimmt etwas ganz und gar nicht ...
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Seitenzahl: 130
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Inhalt
Bitte rettet mich, nicht ihn
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Ein Noteinsatz bringt eine dunkle Wahrheit ans Licht
Von Helene König
Oliver Berner liebt seine Familie. Der engagierte Lehrer setzt alles daran, seiner Frau Katja und der gemeinsamen Tochter Rachel ein stabiles Zuhause zu bieten. Doch etwas hat sich verändert: Katja wirkt zunehmend verschlossen, gereizt – und fremd. Als ein gemeinsamer Ausflug in einem schweren Autounfall endet, scheint die Katastrophe perfekt. Beide werden schwer verletzt in die Berling-Klinik eingeliefert – doch es ist nicht der Unfall, der Dr. Holl und sein Team erschüttert, sondern Katjas verzweifelter Satz: »Bitte retten Sie mich – nicht ihn!«
Spätestens als bei Oliver Verletzungen entdeckt werden, die nicht vom Unfall stammen können, wird klar: In dieser Beziehung stimmt etwas ganz und gar nicht ...
Ein heißer Windhauch strich durch das offene Fenster, während Oliver Berner an diesem ungewöhnlich warmen Nachmittag im August durch die Straßen Münchens fuhr. Menschen, die bei diesem Wetter keinen Grund hatten, unterwegs zu sein, mieden den drückenden Großstadtverkehr, doch das galt nicht für den engagierten Lehrer Oliver.
Er hatte es tatsächlich geschafft. Offiziell waren zwar noch Sommerferien, doch er hatte sich mit ein paar Kolleginnen und Kollegen in der Schule getroffen, um einen besonderen Ausflug für seine Klasse zu planen. Die Naturkunde-Exkursion für die gesamte Stufe war endlich durchgesetzt – trotz aller Bedenken der Direktorin und des Kollegiums.
Selbstverständlich hatte er die Gegenstimmen irgendwie nachvollziehen können – so eine Veranstaltung bedeutete einen Mehraufwand, den viele alteingesessene Kollegen nicht mehr betreiben wollten. Gerade in der Ferienzeit. Doch für Oliver überwog der Nutzen für seine Schützlinge. Die Kinder würden so viel lernen und hoffentlich noch lange davon erzählen. Viele von ihnen saßen nach der Schule nur noch vor dem Computer oder am Handy. Oliver sah es als seine Pflicht, nicht nur Theorie, sondern auch Begeisterung für die Welt da draußen zu vermitteln. Das war jeden Mehraufwand wert.
Sein Wagen rollte an einem Eiscafé vorbei, in dem einige Münchner die Hitze bei süß-kalten Bestellungen zu vergessen versuchten. Oliver wischte sich über die Stirn. Die Klimaanlage hatte schon bessere Tage gesehen – wie auch andere Bestandteile des Autos, wenn man dem roten Blinken am Armaturenbrett Glauben schenken wollte – doch er nahm die brütende Hitze in Kauf. So konnte er noch schnell und bequem vorher einkaufen, bevor er Katja und Rachel daheim überraschte.
Ihre Wohnung gehörte zu einer Anlage im Stadtteil Haidhausen, nicht weit weg von den Maximiliansanlagen. Gleich um die Ecke befand sich ein kleiner Supermarkt, der immer genügend freie Parkplätze vor dem Eingang hatte. Die automatischen Türen gingen schwungvoll auf, als Oliver eintrat. Er ließ den kühlen Luftzug kurz auf sich wirken, dann suchte er zielstrebig die Obstabteilung auf.
Seine Tochter liebte Mangos. Bei den hohen Temperaturen schmeckten sie Rachel besonders gut mit Eis oder in frischen Smoothies. Der Lehrer lächelte still vor sich hin, als er die schönsten Früchte auswählte und in seinen Einkaufskorb legte.
Auf dem Weg zu den Kassen blieb er vor dem Blumenstand stehen. Tulpen gab es dank Gewächshäusern sogar im August – und Katja hatte schon oft betont, wie sehr sie deren Schlichtheit liebte. Da ihr Hochzeitstag kurz bevorstand, wollte er keine Gelegenheit verpassen, ihr eine kleine Freude zu machen. Schließlich griff Oliver noch nach einer Flasche Weißwein. Martin und Hannah, ihre alten Studienfreunde, würden dieses Wochenende in München sein. Er war schon jetzt voller Vorfreude auf das Wiedersehen. Es würde Katja und ihm sicher guttun, wieder an die guten alten Zeiten erinnert zu werden.
Wenig später stieg er beladen mit Tüten und Blumen die Treppen in den dritten Stock zu ihrer Wohnung hinauf. Obwohl er zuvor noch so energiegeladen gewesen war, spürte er jetzt eine leichte Beklommenheit.
Stell dich nicht so an, redete er sich selbst gut zu, in letzter Zeit ist es viel besser geworden. Du bist viel zu empfindlich. Es ist alles gut.
Dreimal wiederholte er noch, dass alles gut sei, dann holte er tief Luft und öffnete die Tür. Sofort schlug ihm eine angenehme Kühle vom Ventilator im Flur entgegen. Rachel flitzte aus dem Wohnzimmer heraus, direkt auf ihn zu.
»Papa! Da bist du ja endlich!« Mit glühenden Wangen blieb sie vor ihm stehen. Er lächelte.
Die Dreizehnjährige kam unverkennbar nach ihm – ihre Gesichtsform, das schmale Kinn, selbst die Locken, die im Sonnenlicht einen leichten Bronzeton annahmen. Nur die Augen hatte sie unverkennbar von Katja. Ein sattes, warmes Braun, das manchmal wirkte, als könne es jeden Menschen durchschauen.
»Hallo, mein Schatz«, begrüßte er sie voller Wärme, »ich dachte, ich bringe dir etwas Frisches mit.«
Rachel entdeckte die Mangos in der Einkaufstüte. »Danke, Papa! Aber die kann ich dann wohl erst nach dem Wochenende genießen.«
Oliver runzelte die Stirn. »Wieso erst nach dem Wochenende?«
»Na, heute darf ich nicht mehr, wir hatten schon eine riesige Fruchtbowle. Und Mama und ich fahren weg. Wir machen einen Mutter-Tochter-Urlaub!« Sie strahlte beim letzten Satz.
Oliver spürte, wie sein Herz schneller schlug. Wusste er davon und hatte das einfach vergessen? Noch ehe er nachfragen konnte, tauchte Katja im Türrahmen auf.
»Rachel, was redest du da?« Oliver blickte zu seiner Frau. Sie ging mittlerweile auf die Mitte dreißig zu, sah aber immer noch so schön und jugendhaft aus wie am ersten Tag. Vor allem in den seltenen Momenten, wenn sie ihn anlächelte. Ihr kastanienbraunes Haar trug sie normalerweise schulterlang, heute etwas unordentlich mit einer Spange nach hinten geklemmt. Die ersten Fältchen an ihren Augen ließen sie in Olivers Augen nur schöner werden, auch wenn er wusste, dass sie sich manchmal darüber ärgerte. Dann zogen sich ihre Brauen zusammen, ähnlich wie jetzt, als sie ihre Tochter streng musterte.
»Sollte das nicht eine Überraschung sein?«
Rachel biss sich auf die Unterlippe. »Tut mir leid, Mama. Ich hab's nur aus Versehen verraten.«
Bevor die Situation unangenehm werden konnte, nutzte Oliver die Gelegenheit, um an seine Frau heranzutreten. Er streckte ihr den Strauß Tulpen entgegen. »Hallo, mein Schatz. Die sind für dich.«
Zunächst huschte ein kleines Lächeln über Katjas Gesicht. Sachte berührte sie die Blumen, als müsse sie prüfen, ob sie echt waren. Dann jedoch verschwand die Wärme in ihren Augen so rasch, wie sie gekommen war. »Woher willst du wissen, dass ich diese Sorte mag?«
Ihr Ton klang merkwürdig, fast herausfordernd. Oliver räusperte sich. »Weil ich dein Ehemann bin, schon vergessen?« Mit einem sanften Lachen versuchte er die Spannung zu lösen und beugte sich vor, um sie auf die Wange zu küssen. Doch Katja wich zurück, wandte den Kopf ab.
»Ich bin nicht in der Stimmung, Oliver.« Aus den Augenwinkeln sah er, wie Rachel sich unbeholfen zurückzog und in ihr Zimmer verschwand. Als die Tür ihrer Tochter sich schloss, senkte Oliver die Stimme.
»Katja, bitte. Du weißt genau, dass du dieses Wochenende nicht mit Rachel wegfahren kannst. Martin und Hannah kommen doch nach München. Wir haben ihnen versprochen, uns Zeit für sie zu nehmen.«
Seine Frau fixierte ihn mit einem kühlen Blick, der fast verletzend wirkte. »Ach ja, stimmt. Martin und Hannah. Das hätte ich beinahe vergessen«, sagte sie gedehnt.
Oliver spürte ein vertrautes Unbehagen in sich aufsteigen. So oft war es in letzter Zeit vorgekommen, dass Katja Dinge durcheinanderbrachte oder Pläne spontan änderte. Manchmal wirkte es fast so, als würde sie das absichtlich tun. »Wir sollten sie wirklich nicht wieder vertrösten. Sie sind nur selten hier. Bitte versprich Rachel nichts, was du nicht halten kannst.«
Einen gefühlt ewigen Moment standen sie sich stumm gegenüber. Dann nickte Katja zögernd. »Gut. Wir gehen zu viert essen oder so ... schon klar. Das wird sicher nett.«
Erleichtert atmete Oliver auf. »Danke, mein Schatz. Das bedeutet mir viel. Ich habe mich richtig darauf gefreut, unsere alten Zeiten wieder aufleben zu lassen.« Er trat einen Schritt auf sie zu, wollte ihr sanft die Hand auf die Schulter legen, doch im nächsten Augenblick schlug sie seine Berührung weg.
»Fass mich nicht an«, zischte sie und wich zurück. Für einen Sekundenbruchteil glaubte Oliver, so etwas wie Furcht in ihrem Blick zu sehen. Und dann schließlich Wut, als sie den Arm hob. Er zuckte zusammen, machte sich instinktiv kleiner und presste die Augen zusammen. Doch es passierte nichts. Als er die Augen wieder öffnete, hatte sie sich schon wieder abgewandt und verschwand ins Schlafzimmer. Die Tür schloss sich mit einem lauten Klicken.
Oliver blieb allein zurück, die Tulpen noch immer in der Hand. Einen Augenblick starrte er die geschlossene Tür an, dann drehte er sich stumm um und ging mit Blumen und Einkaufstüte in die Küche. Nachdem er eine Vase aus dem Schrank genommen und mit Wasser gefüllt hatte, erinnerte er sich daran, dass Katja die Blumen nicht abgelehnt hatte – er redete sich ein, dass das ein gutes Zeichen war.
Während er die Tulpen auf den Tisch stellte und vorsichtig anordnete, lastete die Stille der Wohnung schwer auf ihm. Er fragte sich, was aus den verspielten Neckereien und dem leichten Miteinander zwischen ihm und Katja geworden war. War ihre Ehe wirklich so zerbrechlich geworden, dass selbst ein harmloses Wochenende mit Freunden für Spannungen sorgte?
Mit einem Seufzer öffnete er den Kühlschrank, stellte den Wein hinein und dachte an Rachel, die vermutlich noch immer in ihrem Zimmer grübelte, ob sie etwas falsch gemacht hatte. Auch sie hätte den Mutter-Tochter-Ausflug sicher dringend gebraucht.
Oliver schaltete den Herd ein und stellte ein paar Zutaten für das Abendessen bereit. Vielleicht würde sich die Lage beruhigen, wenn die drei erst einmal zusammen am Tisch saßen. Ein ruhiges Gespräch, ein wenig Verständnis füreinander – mehr wünschte er sich im Moment gar nicht.
Und während er das Gemüse schnitt und das Surren der Dunstabzugshaube im Hintergrund hörte, zwang er sich, die nagenden Zweifel zu verdrängen, die sich immer wieder in seine Gedanken stahlen: Was, wenn sich Katja doch immer weiter von ihm entfernte?
***
Katja stand vor dem Spiegel im Schlafzimmer und strich mit fahriger Hand ein paar widerspenstige Haarsträhnen glatt. Unten vor dem Haus hupte Olivers Auto bereits zum zweiten Mal. Er hatte es eilig, das wusste sie, aber sie brauchte noch einen Moment, um sich zu sammeln.
»Mama?« Katja zuckte zusammen und fuhr herum. Rachel stand im Türrahmen und sah sie unsicher an. »Papa wartet unten schon ewig. Was ist denn los?«
Die Mutter räusperte sich. »Nichts ist los«, versicherte sie mit einer abwehrenden Handbewegung. »Mach dir keine Sorgen. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, was ich anziehen soll.« Mit raschem Schritt eilte sie an ihrer Tochter vorbei in den Flur und schlüpfte in ihre Ballerinas. Sie spürte Rachels forschenden Blick und sah auf. In ihren braunen Augen lag ein tiefer Ernst, den Katja früher oft bei Oliver gesehen hatte.
»Mama, manchmal bist du so komisch«, murmelte ihre Tochter. »Ich bin doch schon dreizehn. Natürlich mache ich mir Sorgen, wenn ich sehe, wie angespannt du bist.«
Katja zwang sich zu einem Lächeln. »Das bildest du dir ein. Ich habe nur schlecht geschlafen, das ist alles. Aber ich freu mich auf unser Treffen. So wie du dich hoffentlich auf das Wochenende mit deiner Freundin freust. Hab ganz viel Spaß und melde dich, wenn was ist, ja?«
Rachel nickte zögerlich. »Okay. Aber unseren Mutter-Tochter-Trip holen wir nach, versprochen?«
»Versprochen. Wir machen das ganz, ganz bald.« Katja konnte nicht anders und nahm ihre Tochter fest in den Arm. Sie spürte, wie Rachels Herz aufgeregt gegen ihre Brust schlug – oder war es ihr eigenes, das so heftig pochte?
Ihre Tochter löste sich wieder von ihr und lächelte. »Cool. Dann dir und Papa viel Spaß. Wir sehen uns am Sonntag.«
Als Rachel das sagte, blitzten ihre Augen aufgeregt, doch ihre Stimme klang ruhig und geerdet.
Sie ist irgendwo zwischen Kind und junger Frau, dachte Katja, nachdem sie sich verabschiedet und die Wohnung verlassen hatte. Wehmütig realisierte sie, wie schnell die Zeit verging. Und wie wichtig es nach wie vor war, dass ihr Kind nicht erfuhr, was wirklich in diesem Haus geschah ...
Rachel hatte ihr oft vorgeworfen, sie habe sich zu einer Helikoptermama entwickelt. Sie würde übertrieben wachsam sein. Katja hatte es nie geschafft, zu erklären, warum ihr das so wichtig war. Rachel würde es wohl sowieso nie verstehen. Vermutlich würde es niemand jemals verstehen. Das war ihr nach all den Jahren klar geworden. Umso wichtiger war es, immer aufmerksam zu bleiben, damit nicht noch Schlimmeres passierte – Dinge, die sie sich nie verzeihen könnte ...
Katja holte tief Luft, als sie im Erdgeschoss angekommen war. Sie rückte die Gürtelschnalle ihrer Jeans zurecht, fuhr sich noch einmal über die Augen, um mögliche Tränen zu vertreiben, dann öffnete sie die Eingangstür. Die Augusthitze umfing sie mit einem stickigen Hauch, der noch im Schatten der Hausfassade spürbar war.
Olivers Kombi wartete in der Einfahrt. Mit einem nervösen Lächeln stieg sie ein und setzte sich auf den Beifahrersitz.
»Da bist du ja endlich!« Oliver sah sie kurz von der Seite an. »Du siehst schön aus«, sagte er leise und startete den Motor. »Du bist noch genauso schön wie am ersten Tag.«
Sie merkte, wie ihre Mundwinkel zuckten. Er war gut. Er war fast so charmant wie ihr Oliver von damals. »Fahr einfach los«, entgegnete sie. »Wir haben Martin und Hannah wirklich schon viel zu lange nicht mehr gesehen.«
Während der Wagen langsam aus der Einfahrt herausfuhr, versuchte der lockige Blondschopf neben ihr, ein Gespräch zu beginnen. »Weißt du noch damals, als wir mit ihnen diese Fahrradtour ins Allgäu gemacht haben?«
Katja nickte. Sie sah aus dem Seitenfenster, wo die Nachbarn gerade ihre Gärten wässerten. »Natürlich. Die Fotos von dem Urlaub hängen immer noch im Wohnzimmer.«
Oliver nickte. »Oder als Hannah versehentlich ein ganzes Semester lang ...«
»... das falsche Seminar besucht hat, klar«, vollendete Katja den Satz. »Die Geschichte kennt sogar Rachel.«
Sie bogen auf die Hauptstraße ein. Oliver sagte eine Weile nichts mehr, dann plötzlich hörte sie ihn leise lachen. Es klang erschreckend echt. »Am besten war aber immer noch die Abschlussfeier. Ihr Mädels habt mir nicht geglaubt, dass ich's durchziehen würde, nur Martin war auf meiner Seite. Ich weiß noch, wie ich da vorne auf dem Podest stand, überall der Angstschweiß, und dann ...«
Katja ertrug es nicht mehr. »Bitte, hör auf!«, stieß sie hervor. »Hör auf, mich mit diesen alten Geschichten einzulullen!« Als sie seinen verständnislosen Blick wahrnahm, schüttelte sie rasch den Kopf. Sie war zu weit gegangen. »Sorry«, sagte sie, »ich bin wohl einfach schlecht drauf.« Sie atmete tief durch und zwang sich zu einem entschuldigenden Lächeln. »Ich bin wirklich unmöglich im Moment. Es tut mir leid. Du hast es in letzter Zeit nicht leicht mit mir.« Sie lehnte sich zu ihm hinüber und gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange.
Er wirkte überrascht, aber auch erleichtert. »Schon okay, Katja. Alles gut.« Eine Zeit lang blieb es still, dann warf er ihr einen kurzen Blick zu. Seine Augen blitzten dabei schelmisch. »Wie wär's«, fing er mit übermütiger Stimme an, »wenn wir Martin und Hannah einfach versetzen und stattdessen in ein Hotel fahren? Ganz spontan. Nur wir zwei, wie früher.«
Einen Moment lang fühlte sich Katja zurückversetzt in die ersten Jahre ihrer Beziehung. Doch dann flackerte ein schmerzlicher Stich in ihr auf. Es war der alte Oliver, der so etwas gesagt hätte. Warum nur fiel es ihr so schwer zu begreifen, dass er nicht mehr existierte?
Sie lachte bitter auf und spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. Der Mann neben ihr sah sie besorgt an.
»Was ist denn los?«, fragte er und drosselte das Tempo.
Katja wischte sich hastig mit dem Handrücken über die Wangen. »Es ist nichts«, erwiderte sie und presste die Lippen zusammen. »Ich ... ich denke nur daran, wie schön es ist, in einer glücklichen Ehe zu sein. Ich habe damals den Mann gefunden, den ich wirklich liebe, weißt du?«
