Circle: Die Welt der Dämonen - Elina Wörmann - E-Book

Circle: Die Welt der Dämonen E-Book

Elina Wörmann

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Beschreibung

Band 2 der Circle-Reihe. Reinkarnation bedeutet Wiedergeburt. Seelenwanderung. Es beschreibt den Prozess, wenn eine Seele nach dem Tod in einen anderen Körper gelangt. In diesem ewigen Kreislauf ein neues Leben beginnt. Ohne Erinnerungen an das, was zuvor gewesen war. Doch man muss sich nicht erinnern, um einander wiederzufinden. Es reicht aus, geduldig zu sein. Zu warten. Sich an den jeweils anderen zu binden und darauf zu hoffen, dass das Schicksal gnädig ist. Sodass die Seele eines Tages zurückkehrt – in die Welt der Dämonen. Welt der Dämonen oder Welt der Seelen – welches Wiedersehen liest du zuerst?

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Circle
Die Welt der Dämonen
Elina Wörmann
Impressum © 2025 Elina Wörmann
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, zu erreichen unter:Elina Wörmannc/o WirFinden.EsNaß und Hellie GbRKirchgasse 1965817 EppsteinLektorat:Lektorat Lynxwww.lektorat-lynx.deUmschlaggestaltung und Illustrationen:inspirited books Grafikdesignwww.inspiritedbooks.at
Glossar
Wir Dämonen existieren außerhalb der menschlichen Rollen. Was bedeutet, dass nicht nur unser Äußeres sich von dem euren unterscheidet, sondern auch unsere Sprache. Und da ich einen Teil dieser Geschichte erzählen durfte und mir wichtig ist, dass ihr meine Worte versteht, möchte ich euch eben diese näherbringen.
Personalpronomen
Possesivpronomen
Hinweis:
Die Menschen, die mir auf meinem Weg begegnet sind, kennen diese Pronomen. Auch wenn ich zugeben muss, dass sie in eurer Welt kaum eine Rolle spielen, weshalb sie leider keinen Gebrauch finden.
Wörterbuch
Linyar - der Seelenkörper
Centhar'var - der Ort der letzten Entscheidung
Lior'alis vecn - (Möge) dein Licht strahlen
Alis velar'ni Siryx - Du bist mein Siryx*
Vel Siryx'alis ithar - Ich bin deiner Siryx begegnet
*Als Siryx bezeichnen wir eine Art Lieblingsperson. Der Begriff wird ausschließlich in Kombination tiefster Gefühle verwendet und ist nicht Vergleichbar mit Liebe.
Kapitel 1
Ich sollte mich darüber freuen, dass du hier bist. Sollte die Zeit genießen, die du uns schenkst.
---
Die Sonne ging nicht unter. Es sah so aus, denn sie küsste das Meer am Horizont und ließ den Himmel in warmen Farben erstrahlen, doch das Bild blieb immer gleich. Egal, wie lange Alex es betrachtete. Das Einzige, was sich bewegte, waren das Wasser und die Wolken. Ersteres rollte mit einem rhythmischen Rauschen über den weißen Sandstrand, wohingegen letzteres in Form von grauweißer Watte über den Himmel zog.
Beides waren Anzeichen dafür, dass die Zeit nicht stillstand, obwohl es sich danach anfühlte. Deswegen wusste Alex auch nicht, wie lange sie schon am Strand saß – die Füße im Sand vergraben – und in die Ferne blickte. Es könnten Minuten oder Stunden sein, selbst Tage schloss sie nicht aus. Aber letzten Endes spielte es keine Rolle.
Es gefiel ihr hier, wo auch immer hier war.
Sie erinnerte sich nicht daran, hergekommen zu sein. Binnen eines Wimpernschlags war sie an diesem fremden Ort erwacht und hatte sich seitdem nicht vom Fleck bewegt.
Wieso auch?
Es gab keinen Grund dazu.
Mit Ausnahme des beklemmenden Gefühls in ihrem Brustkorb, das ihr verriet, dass sie jetzt gerade eigentlich woanders sein müsste.
Aber wo?
Und wieso sollte sie danach suchen, wenn sie nicht einmal wusste, in welche Richtung sie sich dafür begeben musste? Oder was es ihr brächte, dorthin zu gehen?
Nein, für dieses Gefühl, mochte es noch so penetrant sein, wollte sie sich nicht von hier fortgehen. Zu sehr genoss sie den Anblick der endlos weiten Natur und die damit einhergehende Ruhe. Ihre Gedanken waren still, solange ihre Aufmerksamkeit nur auf dem Meer lag. Sie empfand keinen Stress, war losgelöst von den Zwängen einer Gesellschaft, deren Existenz mit jeder vergehenden Minute in den Tiefen ihres Bewusstseins verblasste.
Es war befreiend. Nicht mehr und nicht weniger.
Mit diesem Wissen und einem tiefen Seufzen stützte sie die Hände hinter sich ab und legte den Kopf in den Nacken. Gerade rechtzeitig, um die Person zu bemerken, die sich ihr näherte; eine Person mit grauer Haut und seidig glatten Haaren, deren Längen mit der ihres pechschwarzen Pullis konkurrierte. Mit dem tiefgrünen Wald im Hintergrund und dem hellen Sand unter ihren Füßen sah sie aus wie ein Schatten. Sie drängte sich in den Mittelpunkt der Szenerie, indem sie als einziges vollkommen unscheinbar war. Abgesehen von dem Lächeln, das sich auf ihren Lippen ausbreitete, als Alex sich zu ihr umdrehte.
»Es ist schön hier, nicht wahr?«
Die Fremde kam neben Alex zum Stehen.
»Ja«, antwortete Alex, deren Aufmerksamkeit nicht länger auf der Umgebung ruhte. Sie glaubte, der Fremden schon einmal begegnet zu sein. Allerdings konnte sie weder sagen, wo dies gewesen sein soll, noch wann. Die verschollenen Erinnerungen daran klopften zwar behutsam an die Türen ihres Gedächtnisses, wagten es jedoch nicht, einzutreten. Somit war das Einzige, was Alex sicher sagen konnte, dass es nicht die äußere Erscheinung der Person war, die ihr bekannt vorkam. Vielmehr war es ihre Stimme. Dieser sanfte Klang …
»Mein Zuhause.« Die Fremde schaute über das Meer hinweg. »Ich kann es dir zeigen, wenn du magst.«
»Ich weiß nicht.« Alex löste den Blick von ihr, schlang die Arme um ihre Knie und legte den Kopf darauf ab. »Ich mag es hier.«
»Das ist okay. Wir haben Zeit.«
Die Fremde setzte sich, wobei sie ihren Rücken kerzengerade hielt. Dennoch verschmolzen die Spitzen ihrer Haare sogleich mit den Sandkörnern.
»Zeit wofür?«
»Zu sein.« Sie vergrub ihre grauen Finger im Sand. »Insbesondere hier. Der Ozean soll uns daran erinnern, wie bedeutsam selbst die kleinsten Augenblicke sind. Ebenso wie er bestehen auch wir aus nicht mehr als unzähligen Tropfen, ohne die wir genauso leer wären wie der Meeresgrund.«
Alex runzelte die Stirn. »Der Meeresgrund ist nicht leer.«
»Nicht, solange er über Wasser verfügt. Es ist sein Lebenselixier, wie unsere Erfahrungen unseres sind.«
»Das ist …« Überrascht von dieser Aussage musterte Alex die Fremde. »Wow.«
»So kann man es ausdrücken, ja.«
»Was liegt dahinter?« Mit einem Kopfnicken deutete Alex in Richtung des Wassers.
»Nichts.«
»Gar nichts?«
Die Fremde schüttelte den Kopf. »Es ist so endlos wie die Zeit. Aber es muss auch nichts dahinterliegen, wenn alles, was wichtig ist, sich hier befindet.«
»Das …« Alex zögerte. Zum einen, weil sie von den Themensprüngen leicht irritiert war, und zum anderen, weil sie auf einmal nicht mehr wusste, was sie hatte sagen wollen. Dass diese Erklärung plausibel klang, obwohl sie unmöglich war? Irgendwas in diese Richtung hätte es wohl werden sollen, aber war das wichtig? Mussten sie diese Diskussion führen, wenn im Grunde genommen alles gesagt war, was gesagt werden musste?
Alex ging nicht gänzlich mit der Erklärung der Fremden mit, dennoch war sie gewillt, ihre Sichtweise auf den Ozean zu akzeptieren. Sie war philosophisch, aber daran war nichts verkehrt. Im Gegenteil, sie hatte etwas Schönes an sich, weshalb Alex sich erlaubte, sie ein Stück länger zu verfolgen.
So lange, bis die Fremde abermals das Wort ergriff: »Mein Name ist übrigens Ivy.«
»Ivy«, wiederholte Alex langsam. Es war kein ungewöhnlicher Name, doch in Anbetracht der Person schien er vollkommen anders zu klingen. Wie ein Gedicht aus drei Buchstaben, dessen Geheimnisse es zu entschlüsseln galt.
Hastig schüttelte sie den Gedanken ab. Ihre Faszination für diese Fremde, die keine zwei Minuten an ihrer Seite saß, war auf absurde Weise überwältigend.
»Und deiner?«
Alex räusperte sich, zwang sich zu einem aufrechten Sitz und dazu, wieder Klarheit in ihren Kopf zu bekommen. »Alex.«
»Die Schützende. Ein passender Name für eine Welt wie diese. Dabei bist es nicht du, die jemanden schützen muss, Alex. Das weißt du, oder?«
Irritiert blinzelte Alex. Es kam ihr vor, als hätte sie die Hälfte ihres Gespräches verpasst. »J-ja? Ich meine …«
Sie sah sich um. Gab es hier überhaupt etwas, das beschützt werden müsste? Und falls ja, wovor? Bisher hatte sie, mit Ausnahme von Ivy, weder Mensch noch Tier zu Gesicht bekommen. Nicht einmal Vögel zwitscherten, obgleich die unzähligen Kiefern ihnen einen hervorragenden Lebensraum bieten dürften.
»Komm mit mir.« Ivy stand auf und reichte ihr eine Hand. »Ich möchte dir etwas zeigen.«
Verunsichert blieb Alex sitzen. Mit einem Mal fühlte sie sich, als wäre sie soeben aus einem Traum erwacht, von dem sie nicht gewusst hatte, ihn geträumt zu haben. Misstrauisch sah sie zum Meer, musterte den hypnotischen Wellengang und realisierte, dass sie tatsächlich nicht länger hierbleiben sollte.
»Was denn?«, fragte sie, während sie ihre Hand in die der Fremden legte und sich aufhelfen ließ.
»Deinen Lieblingsort. Vielleicht bringt er deine Erinnerungen zurück.«
»I-ich war schon mal hier?«
»Natürlich.«
»Dann kennen wir uns wirklich?«
Endlich schaffte Alex es, einen klaren Gedanken zu fassen. Plötzlich ergab es Sinn, dass Ivys Stimme ihr so bekannt vorkam.
Aber warum nur diese? Wieso erschien ihr die Welt ansonsten vollkommen fremd? Alles war neu und … so wunderschön. Wie ein verborgenes Paradies, unberührt von den Einflüssen der Zivilisation.
»Ja und nein.« Ivy wiegte nachdenklich den Kopf von einer Seite zur anderen. »Man könnte sagen, dass wir uns schon das ein oder andere Mal begegnet sind.«
Alex ließ die Schultern hängen.
»Es ist eine Weile her«, beeilte Ivy sich einzuschieben.
»Muss eine lange Weile sein.«
»Jede Weile ohne dich ist zu lang für mich.«
Ivy wandte sich in Richtung des Waldes und setzte sich in Bewegung. Alex hingegen starrte ihr nach – vollkommen verdattert von dem, was ihr gerade eröffnet wurde.
Ivy machte Witze, oder?
Sie musste Witze machen.
Es war kaum möglich, dass sie einander auf diese Weise kannten – andernfalls würde Alex sich erinnern.
»Kommst du?« Ivy blieb stehen und sah sich zu ihr um. Mit einem Schmunzeln, das Alex verriet, dass sie tatsächlich gespaßt hatte.
Etwas anderes würde auch gar keinen Sinn ergeben. Das ein oder andere Mal, hatte Ivy gesagt. Demnach kannten sie einander höchstens flüchtig. Es musste also noch an den Einflüssen des Ozeans liegen, dass Alex sich so sehr von einer derartigen Kleinigkeit beirren ließ. Ihr Kopf funktionierte noch nicht richtig; war förmlich in Watte gepackt.
Aus dieser Überzeugung heraus erlaubte sie sich, ihre Irritation zu überwinden und sich wieder der Entspannung hinzugeben. Das Meer lag hinter ihnen und konnte sie nicht länger in seinen Bann ziehen. Anders als der Wald und diese ruhige Ader dieser Welt, in die Ivy sich so mühelos einfügte.
Die Leichtigkeit, mit der sie über den Sand schlenderte, war ansteckend. Für eine Weile verspürte Alex nicht einmal das Bedürfnis zu sprechen. Sie war vollkommen zufrieden damit, Seite an Seite mit Ivy unter den Kiefern hindurch zu spazieren und sich die Natur anzusehen.
Sie betrachtete die Bäume und Sträucher, die moosbedeckten Wurzeln und Felsen und den von weichen Nadeln übersäten Weg. Außerdem den Himmel, wann immer dieser durch das grüne Blätterdach brach und die Abendsonne zu ihnen hinabsandte. Dazu inhalierte Alex den herrlich würzigen Duft nach Erde und Harz, der sich angenehm leicht in ihrer Lunge ausbreitete.
Mit einem Lächeln auf den Lippen verschränkte Alex ihre Finger ineinander, streckte die Arme empor und atmete einmal tief ein. Ja, sie könnte sich daran gewöhnen, hier zu sein. Wenn sie es nicht längst getan hatte. Was immer die Alternative sein mochte, zu der ihr Körper sie nach wie vor drängen wollte, sie war bestimmt nicht so angenehm wie dieser Ort.
Bei diesem Gedanken stieß sie die Luft aus und ließ die Hände fallen. Sie stockte, fuhr sich durch die Haare und blickte dann zu Ivy.
»Ich habe keine«, stellte sie fest.
»Keine was?« Neugierig drehte Ivy sich zu ihr um.
»Hörner.«
»Oh.« Ivy hob ihre Hand und betastete die rabenschwarzen Ziegenhörner, die ihren Kopf zierten. Dann lächelte sie. »Nein, du hast keine.«
»Wieso nicht?«
»Weil du kein Dämon bist.«
Alex blieb stehen, als wäre sie vor eine unsichtbare Wand gelaufen. Ein bitte was war sie nicht?
»Ein Dämon?«, wiederholte sie, während sie Ivy hinterherstarrte. Diese ging weiter als wäre die Information überhaupt nichts Neues.
Gut, für sie war es das wahrscheinlich auch nicht, aber für Alex … Sie hatte geahnt, dass Ivy kein Mensch war. Die elfenhaften Ohren, die graue Haut, die Hörner – alles hatte darauf hingedeutet.
Aber ein Dämon? Eine Ausgeburt der Hölle?
Das war das letzte, womit sie gerechnet hätte. Dieser Ort hier war zu schön, Ivy zu sanft … einfach alles war so anders, als sie es sich in Bezug auf diese Kreaturen vorgestellt hatte.
Kreateuren? Vorgestellt?
Sie studierte Ivy, die sich endlich zu ihr umdrehte. Sie wirkte nicht gefährlich und sah auch nicht danach aus, als wollte sie Alex geradewegs ins Verderben führen. Dennoch empfand Alex zum ersten Mal seit ihrer Ankunft eine Art Beunruhigung.
»Heißt das, ich bin tot?«
Kapitel 2
Aber ausnahmsweise wünschte ich, dass du nicht hier bist. Zumindest nicht in diesem Leben, denn das bedeutet, …
---
Ivy war noch zwei Schritte weitergegangen, um nire Belustigung über Alex’ Erkenntnis zu verbergen. Die Frau hatte bisher jedes Mal schnell begriffen, in welchem vermeintlichen Zustand sie sich befand, und ihre Reaktion war immer ähnlich gewesen.
Trotzdem machte Ivy dieses Gespräch nervös.
Nir fürchtete sich davor, dass es eines Tages anders sein könnte. Dass Alex nin von sich stoßen würde, ohne dass Ivy irgendetwas dagegen zu unternehmen wusste.
Mit einem Lächeln, das diese Befürchtungen verbergen und Alex ihre Anspannung nehmen sollte, drehte Ivy sich zu ihr um. Angst oder Trauer zu empfinden, war für Seelen in dieser Welt nur selten möglich, aber das verhinderte keine negativen Emotionen an sich.
»Nein«, antwortete Ivy auf ihre Frage. Alex’ Körper lag im Koma, nicht mehr und nicht weniger. Sie wurde versorgt. Allein deswegen hatten sie Zeit füreinander. Eine unbestimmt kurze Zeit, aber es war mehr, als sie zu anderen Begegnungen gehabt hatten. Deswegen würde Ivy dieses Treffen gerne sinnvoller gestalten als mit diesem Gespräch.
Doch das wäre falsch.
Ich bin ihr fremd, erinnerte nir sich, und auch wenn es umgekehrt vollkommen anders aussah, musste nir sich gedulden.
»Du stehst auf der Schwelle zum Tod, weshalb du vorübergehend hier bist. Aber dein Leben ist außer Gefahr.«
Erleichtert atmete Alex aus. »Dann kann ich zurück?«
»Wenn du das möchtest, ja.«
Alex ließ die Schultern sinken; erlaubte ihrer Anspannung zu entweichen und zeigte Ivy auf diese Weise, was in ihrem Kopf vor sich ging. Es war beruhigend und schmerzhaft zugleich, denn der metaphorische Dolch ließ nicht lange auf sich warten und bohrte sich direkt in Ivys Herz.
»Das möchte ich«, sagte Alex, griff mit diesem einen Satz nach der Klinge und drehte sie um ihre eigene Achse.
Ivy musste sich auf die Zunge beißen, um nirs Lächeln aufrechtzuerhalten. Mit einem Nicken in Richtung des Pfades wandte nir sich zum Gehen. Wenn Alex zurückwollte, mussten sie weiter. Ihre Zeit zu vergeuden würde nur ihr Vertrauen brechen – falls dies überhaupt schon existierte.
Einst hatte es das.
Es war viele Jahre her, doch das hielt Ivy nicht davon ab, daran festzuhalten. An den Erinnerungen. Den Gefühlen. Der Hoffnung.
»Ivy?« Alex schloss zu ihr auf. »Wo sind wir hier?«
Kurz musterte Ivy die Frau, ehe nir nire Aufmerksamkeit wieder auf den Weg vor ihnen richtete. »In einer der Zwischenwelten. Hierher kommen all jene menschlichen Seelen, die die Verbindung zu ihrem Körper vorübergehend verloren haben.«
»Ach so.« Alex schien zufrieden mit der Antwort. Fast sah sie wieder entspannt aus, wären da nicht immer noch die Falten auf ihrer Stirn. Über irgendetwas grübelte sie, aber Ivy hakte nicht nach. Alex würde es ihr erzählen, wenn sie dazu bereit wäre.
So war es immer. Dafür war sie hier.
Nun, nicht direkt dafür, aber es war ein Teil des Prozesses. Der Ort hier war ein Schutzraum für Gespaltene und während ihres Aufenthaltes war es sinnvoll, sie von ihren menschlichen Lasten zu befreien. Es gelang nicht immer, insbesondere in Anbetracht ihrer Kurzweiligkeit in dieser Welt, aber es war eine der Aufgaben der Dämonen. Noch dazu eine ehrenvolle, wie Ivy fand.
»Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir Dämonen anders vorgestellt«, sagte Alex irgendwann und rettete Ivy auf diese Weise aus niren einsamen Gedanken.
»Ach ja?«
»Ja.«
Es war amüsant, zu sehen, wie Alex sich zwischen den Bäumen umsah – offenbar unsicher, ob ihre Worte richtig gewählt waren. Dabei war es für Ivy nichts Neues, dass der Begriff Dämon in der Menschenwelt inzwischen negativ konnotiert war.
Was Alex nicht mehr wissen konnte …
Genauso wie sie sich nicht mehr daran erinnerte, dass Ivy nichts gegen dieses neugezeichnete Bild einzuwenden hatte. Dämonen als grausame Wesen aufzuzeigen, war ein von Menschen erschaffener Schutz, den nire Art nur zu gerne akzeptierte.
»Ich kann dir von uns erzählen, wenn du das möchtest«, bot Ivy an, als Alex’ Unsicherheit sich nicht legte. Und wie richtig dieser Vorschlag war, erkannte nir an der Dankbarkeit in Alex’ Augen. »Sag, was möchtest du wissen?«
»A-alles, wenn das okay ist.«
Ivy lächelte. »Ist es. Aber dann wird es eine lange Geschichte, weißt du das?«
Alex nickte. Es war nur eine zaghafte Geste, als würde sie dennoch abwägen, ob sie die Zeit dafür hatten, aber da sie ihre Zweifel nicht aussprach, nahm Ivy ihre Entscheidung an.
»Wir Dämonen sind totgeboren«, begann nir und verlangsamte das Tempo ein wenig. »Wir entstehen aus der Liebe, die der Tod für einen Menschen empfindet. Was bedeutet, dass wir friedlich sind, auch wenn ihr Menschen uns gerne anders darstellt.«
---ENDE DER LESEPROBE---