CORA Collection Band 35 - Heather MacAllister - E-Book

CORA Collection Band 35 E-Book

Heather Macallister

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Beschreibung

SCHLAFLOS BIS SEATTLE von Heather MacAllister Der Schneesturm fegt über die Straße - zum Glück muss Zoey nicht allein nach Seattle fahren! Zwar kennt sie Cameron erst ein paar Stunden, aber jede Berührung lässt das Feuer stärker lodern … ES WAR EINMAL AM VALENTINSTAG … von ALLISON LEIGH An Happy Ends glaubt Shea längst nicht mehr. Deshalb zeigt sie dem attraktiven Millionär Pax Merrick entschlossen die kalte Schulter, als er alles Märchenprinzenmögliche tut, um ihr Herz zu erobern. Bis sie am Valentinstag in Seattle etwas entdeckt, das sie plötzlich schwach werden lässt … WIEDERSEHEN MIT JILL von RAYE MORGAN Als Connor sie vor einem peinlichen Blind Date rettet, ist Jill empört - sie kommt prima allein mit ihren Kindern zurecht! Trotzdem beschert er ihr mit seinem verführerischen Lächeln schlaflose Nächte. Und bald kommt ihr die kleine Insel vor Seattle doch einsam vor …

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Heather MacAllister, Allison Leigh, Raye Morgan

CORA COLLECTION BAND 35

IMPRESSUM

CORA COLLECTION erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Katja Berger, Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Christina SeegerGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

Neuauflage by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg, in der Reihe: CORA COLLECTION, Band 35 – 2021

© 2014 by Heather W. MacAllister Originaltitel: „Taken by Storm“ erschienen bei: Harlequin Books, Toronto Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l. Übersetzung: Andrea Cieslak Deutsche Erstausgabe 2015 by Harlequin Enterprises GmbH, Hamburg,in der Reihe TIFFANY HOT & SEXY, Band 41

© 2014 by Allison Lee Johnson Originaltitel: „Once Upon a Valentine“ erschienen bei: Harlequin Books, Toronto Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l. Übersetzung: Stephanie Thoma-Kellner Deutsche Erstausgabe 2015 by by Harlequin Enterprises GmbH, Hamburg,in der Reihe BIANCA EXTRA, Band 14

© 2013 by Helen Conrad Originaltitel: „A Daddy for Her Sons“ erschienen bei: Mills & Boon, London Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l. Übersetzung: Christopher Muth Deutsche Erstausgabe 2015 by by Harlequin Enterprises GmbH, Hamburg,in der Reihe JULIA EXTRA, Band 397

Abbildungen: PeopleImages / iStock, Sergey Oleinik, Lukas Bischoff / Getty Images, alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 01/2021 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783751502122

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

Schlaflos bis Seattle

1. KAPITEL

Zoey Archer hatte es drei Schritte von ihrem Schreibtisch weggeschafft, als das Telefon klingelte. Drei Schritte in ihr erstes freies Wochenende seit Monaten. Sie war die Letzte an diesem Freitagabend im Callcenter des Kundendienstes von Loring Industries, tief im Herzen von Texas.

Bei dieser Tätigkeit handelte es sich nicht etwa um ihren Wunschberuf. Niemand träumte davon, im Callcenter eines Megakonzerns zu arbeiten. Es war ein Job, den man notgedrungen machte, um seine Rechnungen bezahlen zu können.

Zoey wünschte sich einen Beruf, in dem sie Menschen helfen konnte, aber leider wollten viele Menschen ihre Hilfe nicht mehr. Sie wurde gemocht, zumindest am Anfang. Man beschrieb sie als offen, einsatzbereit und voller wunderbarer Ideen. Auch als impulsiv. Zoey selbst hielt sich für jemanden, der gern die Initiative ergriff.

Dummerweise waren einige dieser Initiativen Fehler gewesen. Große Fehler. Teure Fehler. Gute Absichten zwar, aber schlecht ausgeführt.

Doch wenn sie Mist baute, übernahm sie stets die Verantwortung, räumte den Fehler ein und machte den Schaden nach Möglichkeit wieder gut. Lernte sie aus ihren Fehlern? Sicher. Bekam sie eine zweite Chance? Nein.

Zoey hatte ein gewisses Verständnis dafür. Mit Geld konnte man eben nicht alles in Ordnung bringen. Und manche Chancen waren für immer vertan.

Aber ein Produkt der Konkurrenz zu empfehlen, weil Lorings Creme Hautausschlag verursachte, war kein Fehler gewesen, Auch wenn sie deshalb in die Nacht- und Wochenendschichten verbannt worden war. Es hatte sie auch einen Freund gekostet, dem es nicht passte, dass sie jede Nacht arbeitete. Doch nicht einmal das war ein wirklicher Verlust gewesen.

Zoey kannte sich mit Hautpflege aus. Seit Jahren stellte sie sich ihre eigenen Feuchtigkeitscremes und Seifen her. Die Beschwerden, die sie im Callcenter entgegennahm, zeigten ihr, dass die Welt ihre Produkte brauchte. So könnte sie Menschen helfen. Von ihren rein biologischen Cremes und Lotionen würde niemand Ausschlag bekommen wie von dem billigen Chemiecocktail, den Loring vertrieb.

Die Abteilung Qualitätskontrolle hatte ihren Input nicht zu schätzen gewusst. Nun, Loring hatte seine Chance gehabt. Zoey plante, ihre eigenen Produkte online unter dem Namen Skin Garden zu vermarkten. Noch heute Abend wollte sie eine neue Ladung Limonen-Olivenöl-Balsam anrühren.

Wen kümmerte es, dass Freitagabend war: Partytime. Zoey hatte ohnehin niemanden, mit dem sie feiern konnte. Und wirklich am Boden zerstört war sie deswegen auch nicht. Sie hatte kein Date mehr gehabt seit Justin … nein, Jared … oder war es Josh? Wer auch immer, es war egal. All ihre Exfreunde waren gescheiterte Existenzen gewesen, denen sie zu helfen versucht hatte. Letztlich hatten auch sie ihre Hilfe nicht gewollt.

Deshalb würde sie ihre Zeit nicht weiter mit kraftraubenden Beziehungen vergeuden. Keine festen Freunde, die sie ablenkten. Von nun an sollte es nur noch um sie gehen.

Das ganze Wochenende lag vor ihr. Zoey hängte ihre Kopfhörer auf, nahm ihre Handtasche und ging zur Tür. Jetzt im Januar bot Loring keinen Rund-um-die-Uhr-Service mehr an. Als ob die Menschen abends und am Wochenende nicht auch Probleme hätten. Sie schwor sich, dass Skin Garden vierundzwanzig Stunden für seine Kunden da sein würde, und wenn sie selbst am Telefon sitzen müsste.

Und nun klingelte das Telefon, kaum dass sie drei Schritte weit gekommen war. Schuldbewusst blieb Zoey stehen. Ein Mensch, der sieben Minuten nach fünf anrief, würde bis Montagmorgen warten müssen, wenn er einen Kundendienstmitarbeiter erreichen wollte.

Wahrscheinlich hatte wieder jemand Hautausschlag.

Zoey eilte an ihren Platz zurück und schnappte sich ihre Kopfhörer. „Loring Industries. Wie kann ich Ihnen helfen?“

„Zoey Archer, bitte.“

Es war so ungewöhnlich, dass jemand sie namentlich verlangte, dass Zoey ein paar Sekunden brauchte, bis sie die Stimme ihrer Schwester erkannte. „Kate? Bist du das?“

„Oh, Zoey. Gott sei Dank!“ Erleichtert atmete Kate aus. „Ich habe versucht, dich über dein Handy zu erreichen, aber du bist nicht rangegangen.“

Das lag daran, dass Zoey ihr Telefon auf Vibration gestellt hatte und es noch nicht auf Anrufe gecheckt hatte. Callcenter-Agenten war es nicht erlaubt, an ihrem Arbeitsplatz privat zu telefonieren. Nur in den Pausen. Oder in Notfällen. Kate wusste das.

Was bedeutete … Ein mulmiges Gefühl beschlich Zoey. „Was ist passiert?“

„Nichts ist passiert … Es ist nur …“

„Nur was?“

„Alexandra von Theben ist läufig.“

Das war nicht das, was Zoey zu hören erwartet hatte. „Ah … okay.“

„Ryan und ich sind in Costa Rica! Erinnerst du dich?“

„Natürlich! Die Hochzeit.“ Freunde von Kate hatten zu einer extravaganten Feier geladen. „Amüsierst du dich gut?“

„Zoey.“ Ihre Schwester seufzte, und Zoey wappnete sich für das Schuldgefühl, das sie jedes Mal überkam, wenn jemand ihren Namen im Ton resignierter Enttäuschung aussprach.

„Kate, bis jetzt hast du mir nur erzählt, dass einer eurer Hunde läufig ist und dass ihr beide in Costa Rica seid. Was ist los?“

„Zoey! Du weißt, dass Alexandra nicht unser Hund ist.“

Nein, das wusste sie nicht. „Du besitzt ein ganzes Rudel Hunde. Ich kenne nicht jeden einzelnen beim Namen.“ Ihre Schwester und ihr Schwager züchteten Hunde. Große, langhaarige Exemplare.

„Wir reden von Alexandra von Theben.“

„Ich …“

„Die Alexandra von Theben.“

Es war offensichtlich, dass sie von dem Namen beeindruckt sein sollte, aber Schauhunde interessierten sie nicht. „Ich kann dir nicht ganz folgen“, erwiderte sie vorsichtig.

„Offensichtlich nicht, denn sonst wüsstest du, dass sie in den vergangenen Jahren nicht nur jeden Zuchtpreis gewonnen hat, sondern auch bei jedem nennenswerten Wettbewerb zum besten Schauhund gekürt …“

„Okay! Ich verstehe. Ist sie auch so ein großer weißer Hund wie Casper?“ Kate und Ryan redeten seit anderthalb Jahren von keinem anderen Hund aus ihrer Zucht mehr.

„Ein Afghanischer Windhund, ja“, bestätigte ihre Schwester. „Alexandras Welpen werden sehr wertvoll sein, vor allem, wenn der Erzeuger auch ein Grand Champion ist. Wir haben immer davon geträumt, einen ihrer Welpen zu bekommen, aber wir hätten nie damit gerechnet, dass Martha, sie ist Alexandras Besitzerin, Casper als Deckrüden für sie aussuchen würde.“

„Oha. Herzlichen Glückwunsch.“

„Es ist eine unglaubliche Ehre für uns. Vor allem, weil Casper kein Grand Champion ist. Zumindest noch nicht. Er braucht noch viel mehr Punkte.“ Es klang fast so, als ob Kate hyperventilierte. „Übernächste Woche ist die Moorefield Show. Martha muss Caspers Chancen für außerordentlich hoch halten. Alexandra ist seine größte Konkurrentin, doch diesmal wird sie nicht dabei sein.“

Während Kate atemlos weiterredete, wurde die Beleuchtung automatisch gedimmt. Vorbereitung fürs Wochenende. Zoey befand sich allein in einem großen fensterlosen Büro. Sie wusste nicht, ob es regnete oder nicht. Aber sie wusste, dass ihre Schwester sie um einen Gefallen bitten wollte und noch zögerte, es auszusprechen.

„Kate, soll ich Casper zu seinem Date bringen? Ist es das, worum es geht?“

Tiefes Durchatmen. „Ich …“

Das Schweigen zog sich in die Länge. Zoey verstand, warum. Ihr Ruf als Pechvogel der Familie hatte eine tiefe Tradition. Und wie alle Traditionen einen wahren Kern.

Sie stand tief in Kates und Ryans Schuld, die sie vor ein paar Jahren, als sie in Not war, für ein paar Monate bei sich aufgenommen hatten. Als Gegenleistung hatte sie ihnen bei der Arbeit helfen wollen. Sie hatten sich damals gerade unter dem Namen Ryka mit ihrer Hundezucht selbstständig gemacht.

Eine Erinnerung blitzte in ihr auf. Ein heißer Tag, eine frisch asphaltierte Einfahrt und Teer im Hundefell. Niemals wieder würde Zoey den Fehler machen, die Intelligenz eines Afghanischen Windhunds zu überschätzen. Könnte es sein, dass Kate ihr eine zweite Chance geben wollte?

„Es ist viel verlangt“, meinte Kate immer noch zögernd. „Du müsstest nach Virginia fliegen, um Casper abzuholen, und ihn dann zum Zwinger Merriweather bei Seattle bringen.“

„Das mache ich gern. Sag mir nur, wo und wann.“

Die nächste Stimme, die Zoey hörte, war die ihres Schwagers. „Hey, Zoey, danke für deine Hilfe. Ich weiß es wirklich zu schätzen. Die Tickets buche ich für dich. Ich werde versuchen, einen Flug ab Austin für dich zu bekommen, aber vielleicht wirst du nach Houston fahren müssen.“

„Das macht nichts.“ Zoey meinte es ernst. Dieses eine Mal brauchte ihre perfekte Schwester ihre Hilfe. „Wie es gerade passt.“

„Danke. Kate wird mit Phyllis sprechen, sie hat während unserer Abwesenheit die Verantwortung für den Betrieb, damit sie dir eine Liste mit Anweisungen für Casper mitgibt.“

„Und versprich mir, dass du sie genau befolgen wirst!“, rief Kate aus dem Hintergrund. „Auch wenn du sie für dumm hältst. Auch wenn du glaubst, dass du einen besseren Weg weißt. Denk am besten überhaupt nicht. Wir übernehmen das Denken.“

Ihre Schwester traute Zoeys Urteilsvermögen nicht. „Sag Kate, dass sie sich entspannen soll. Ich schaffe das.“ Sie musste es schaffen.

In Wahrheit war Kate nicht die Einzige, die an Zoey zweifelte. In letzter Zeit hatte Zoey selbst an sich gezweifelt. Sie brauchte dringend ein Erfolgserlebnis, um ihr Ego aufzupolieren, bevor sie voll in die Kosmetikproduktion einstieg.

Auf dem Weg zur Tiefgarage verglich sie ihr Leben mit dem ihrer Schwester. Kate war nur zwei Jahre älter als sie, doch sie hatte einen Ehemann, ein Haus und ein Auto, das unter zehn Jahre alt war. Außerdem stand sie geschäftlich kurz vor dem Durchbruch.

Zoey gönnte ihrer Schwester den Erfolg. Wirklich. Sie und Ryan arbeiteten hart.

Ich arbeite auch hart, dachte Zoey. Mit dem Unterschied, dass alles, was Kate anfasste, zu Gold wurde, während Zoey nur Misserfolg erntete.

Aber nicht diesmal. Zoey stieg in ihren vierzehn Jahre alten Honda Civic. Das war die perfekte Gelegenheit, sich zu beweisen. Mit Kates detaillierten Instruktionen würde sie gleichsam eine Blaupause für den Erfolg haben. Sie brauchte nichts anderes zu tun, als sich daran zu halten.

Erfolg führt zu Erfolg, dachte Zoey lächelnd. Oder, wie in diesem Fall, zu Afghanischen Windhundwelpen.

Sorgfältig packte Cameron MacNeil eine Flasche von MacNeil’sHighland Oatmeal Stout in Luftpolsterfolie. Sein verärgerter Cousin Angus stand untätig daneben.

„Ich verstehe nicht, warum du einen Investor an Land ziehen willst“, sagte Angus und trank den Rest in seiner Flasche Starkbier in einem Zug aus.

„Langsam“, warnte Cam ihn. „Wir haben nicht mehr viel von der Produktionsladung übrig.“

„Dann mach mehr.“ Gus wollte nach einer weiteren Flasche greifen, doch Cam packte sein Handgelenk und führte es zum Highland Spring Bock.

„Das Starkbier ist saisonabhängig. Probier das hier.“

„Abwaschwasser“, murmelte Gus und griff stattdessen nach dem Pumpkin Porter mit hohem Alkoholgehalt. Cam ließ ihn gewähren. Er mochte den Geschmack nicht, aber es schien ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass alle Brauereien im Herbst ein Kürbisbier anbieten mussten. Seiner Meinung nach tat die Mischung weder dem Bier noch dem Kürbis einen Gefallen.

„Das ist es, wovon ich rede“, erklärte Gus nach einem großen Schluck. „Junge, du musst einfach nur mehr Vertrauen zu dir selbst haben.“

Cam schüttelte den Kopf. Sein Problem war nicht mangelndes Selbstvertrauen, sondern mangelnde Hilfe in der Brauerei. Er überlegte einen Moment, dann packte er eine Flasche vom Kürbisbier ein, um sie mit nach Seattle zu nehmen. Auf Gus’ Biergeschmack konnte man sich verlassen. Er war das Aushängeschild für MacNeil’s Highland Beer – der jovial lächelnde Mann mit dem roten Bart auf jedem Etikett.

Gus trank noch einen Schluck und fügte hinzu: „Dann klappt’s auch mit den Frauen.“

Cam verteilte Holzspäne als Füllmaterial um die Flaschen. „Gus …“

„Ich weiß. Du willst keine Freundin. Du hast keine Zeit für eine ‚Beziehung‘.“ Gus malte unsichtbare Anführungszeichen in die Luft. „Aber uns allen ist sehr bewusst, dass du keine Frau hast. Du brauchst eine Frau.“

„Was ich brauche, ist Hilfe in der Brauerei.“

Gus ging über den Einwand hinweg. „Ich rede ja nicht von einer Beziehung.“ Er machte eine ausholende Armbewegung. „Nur eine kurze Bekanntschaft. Ein oder zwei Nächte.“ Als Cam sich einen Gummihammer schnappte, streckte Gus die Hände aus und wich zurück. „Mehr sage ich nicht.“

Unglaublich, dachte Cam.

„Eine Frau würde vielleicht deinen Blickwinkel verändern. Womöglich hast du dann gar keine Lust mehr, die Brauerei zu vergrößern und all die Mehrarbeit auf dich zu laden. Du beschwerst dich ohnehin schon über die viele Arbeit.“

„Wie sollte eine Vergrößerung mir denn Mehrarbeit bringen, bei all den Brüdern und Cousins, die mir so aufopferungsvoll helfen“, erwiderte Cam sarkastisch.

„Cam.“ Gus berührte seinen Arm. „Lass die Dinge, wie sie sind.“

„Ich kann nicht.“ Er sah seinen Cousin an. „MacNeil ist zu groß für ein Familienhobby, aber nicht groß genug, um regelmäßig Bier in den Vertrieb zu bringen. Entweder wir wachsen, oder wir packen ein.“

„Du musst dich entspannen, Cam. Genieß das Leben.“

Wenn er das täte, würde es die Brauerei nicht mehr lange geben. Das wollte er seiner Familie durch seine Abwesenheit nächste Woche vor Augen führen. „Du meinst, ich könnte hier herumstehen, Bier trinken und Banalitäten von mir geben – wie du?“

Gus war nicht beleidigt. „Ach, Junge.“ Er schüttelte den Kopf. „Es ist der Überschuss von männlichen Körpersäften, der dich so reden lässt.“

„Du hast nicht wirklich gerade ‚Körpersäfte‘ gesagt, oder?“ Cam legte den Deckel auf die Holzkiste und schlug einen Nagel ins Holz.

„Es ist die Wahrheit. Deine Säfte haben sich aufgestaut und wissen nicht wohin, bis du eines Tages eine Frau siehst und sie überschäumen werden, genau wie unser erstes Ale damals.“

„Gus.“ Es zuckte leicht um Cams Mundwinkel.

„Das ist der Grund, weshalb Männer auf die falschen Frauen hereinfallen.“ Gus nahm ihm den Hammer aus der Hand. „Oder sie verscheuchen die richtigen, weil sie keine Finesse haben.“ Geschickt schlug er die letzten Krampen ein. „Oder sie betteln irgendeinen Engländer um Geld an, damit er an unserem Gewinn teilhaben kann, nachdem wir jahrelang Rezepte erprobt und Freibier ausgeschenkt haben, um die Leute auf den Geschmack zu bringen.“

Cam klatschte einen müden Applaus. „Sehr dramatisch.“

„Aber wahr.“

„Zugegeben. Doch nachdem die Leute nun auf den Geschmack gekommen sind, müssen wir ihnen unser Bier auch liefern. Hör zu. Die Beer Barn in Wimberly will ihre Tanks verkaufen. Sie lassen das Hausbier woanders brauen.“

Gus schnappte nach Luft. „Das ist ein Sakrileg!“

„Das ist eine Gelegenheit. Für uns.“ Er holte sich eine Kühlbox aus Styropor. „Ich möchte die Tanks kaufen und die Halle mieten, damit ich sie fürs Erste dort stehen lassen kann. Dann könnten wir mehr von unseren beiden Topsellern brauen, oder wir brauen eins von unseren Bieren in dem einen Tank und Beer Barn’s Hausmarke in dem anderen.“

„Junge, du bist ein Schlitzohr.“ Gus grinste. „Wer bietet noch auf die Tanks?“

„Es spielt keine Rolle, wenn wir ein Angebot in bar abgeben.“

„Aha.“ Gus musterte ihn lange. „Aber wir haben nicht das nötige Bargeld.“

Cam schüttelte den Kopf. „Noch nicht. Doch wenn mein Meeting in Seattle so läuft, wie ich hoffe, dann werde ich das Geld bekommen.“

Gus zuckte mit den Schultern. „Einen Außenstehenden mit ins Boot zu holen, darüber muss abgestimmt werden. Die Jungs werden nicht dafür sein.“

Er meinte Cams beiden Brüder und einige Cousins, für die die Brauerei eher eine Spielerei und Quelle von Freibier war als ein Geschäft. „Dann können die ‚Jungs‘ übernehmen. Weil ich es satt habe. Ich habe es satt, arm zu sein. Ich habe es satt, dass ich nie einen Tag frei habe. Und ich habe es verdammt satt, keine Freundin zu haben!“ Seine Stimme war immer lauter geworden.

Gus blinzelte nicht einmal. „Verständlich.“ Er machte den Kühlschrank auf und starrte hinein. „Du hast nie gesagt, wer dein Investor ist.“

„Ein Typ, den ich von der Schule kenne.“ Das Styropor quietschte, als Cam die Holzkiste hineinzwängte. „Ein Computer-Geek, der eine App an Apple oder Google verkauft hat.“ Sicherheitshalber befestigte er den Deckel mit Klebeband. „Er findet es hip, Miteigentümer einer Brauerei zu sein.“

Gus schaute immer noch in den Kühlschrank. „Ich denke, ich könnte mit einem Investor leben.“ Er machte die Tür zu, ohne sich ein Bier zu nehmen. Das bedeutete, dass er immer noch überlegte. „Solange es keiner von diesen teuflischen Campbells ist.“

Oh, da haben wir’s. Cam bückte sich, um eine Handvoll Holzspäne zu nehmen.

„Wie heißt der Investor?“, wiederholte Gus.

„Richard.“ Cam richtete sich auf. „Hey, könntest du ein Etikett auf die Kiste kleben?“

Gus ließ sich Zeit, das Etikett von der Folie abzuziehen. „Meinst du etwa Richard Campbell?“

Cam sah ihn fest an. „Komm mir jetzt nicht mit alten Rivalitäten. Die Brauerei steht auf dem Spiel. Willst du dich gegen mich stellen wegen eines Streits, den unsere Vorfahren vor Hunderten von Jahren mit den Campbells hatten?“

„Wenn ich mich jetzt nicht mit dir streite, wirst du dich später mit ihm streiten müssen.“ Gus klebte das Etikett auf die Kiste. „Kein Campbell wird dir einen Scheck ausstellen und dich dann mit seinem Geld wirtschaften lassen, wie du willst.“

„Richard hat sein eigenes Unternehmen, und er lebt in Seattle. Er wird uns nicht stören.“ Während er Proben von Bierhefe und Hopfen in den Versandbehälter legte, spürte er den Blick seines Cousins auf sich. „Pass auf.“ Er drehte sich zu Gus um. „Wir werden ihn zu uns einladen und lassen ihn dabei helfen, eine Ladung Bier zu brauen. Dann schicken wir ihm ein paar Kisten davon, damit er es an all seine Freunde verschenken kann. Vertrau mir, es geht nur darum, dass Richard cool sein möchte.“

„Vertrau mir“, sagte Gus warnend. „Es geht ihm um verdammt viel mehr, als cool zu sein.“

Cam war mit dem Verpacken fertig, und Gus schaltete das Licht aus.

„Hey, was machst du?“

„Ich gehe nach Hause. Du nicht?“

„Ich wünschte, ich könnte.“ Cam hatte noch ein paar Stunden Arbeit vor sich. „Ich muss noch alles für die Besichtigungstour morgen vorbereiten.“

„Nein, das musst du nicht. Die Jungs wissen, was sie zu tun haben.“

Cam schaltete das Licht wieder ein. „Einige vergessen es.“

Gus winkte ab. „Und wenn schon? Es werden genügend Leute da sein, um zu helfen. Entspann dich, Junge. Es wird sich alles zurechtlaufen.“

Entspann dich. Es wird sich alles zurechtlaufen. Das war Gus’ Standardreaktion auf Cams Sorgen bezüglich der Brauerei. „Ich werde mich nächste Woche entspannen, während du hier dafür sorgst, dass sich alles zurechtläuft.“

„Tu das“, meinte Gus. „Und such dir eine Frau, wenn du schon dabei bist.“

2. KAPITEL

Sobald Zoey nach Hause kam, schaltete sie den Wetterkanal ein und fing an zu packen. Die Winter in Mitteltexas waren normalerweise mild, aber sie flog zuerst nach Virginia und von dort nach Seattle, wo sie einen Mietwagen nehmen würde, um zu Martha Merriweathers Hundezucht zu fahren.

Sie hörte das Ende des Berichts: „Im Mittleren Westen ist innerhalb der nächsten Tage mit heftigen Schneefällen zu rechnen …“

Schnee. Zoey hatte nichts mit Schnee im Sinn. Sie bekam ihn nicht oft zu sehen und war erst zweimal bei Schnee gefahren.

Während sie darauf wartete, dass Kate und Ryan sie anriefen, um ihr die Flugdaten durchzugeben, packte Zoey Proben ihrer Kosmetikprodukte ein. Quer durchs Land zu fliegen war eine gute Gelegenheit zu testen, welche Cremes am besten gegen die trockene Luft im Flugzeug schützten. Außerdem legte sie noch einige Extras dazu, um eine kleine Geschenktüte für Alexandras Besitzerin zusammenstellen zu können.

Gegen Mitternacht rief ihre Schwester an. „Hey, Zoey, leider musst du über Chicago fliegen, weil nicht alle Maschinen geeignete Frachträume haben. Und der Zwischenaufenthalt muss lang genug sein, um Casper kurz auszuführen, bevor du umsteigst.“

Chicago. Chicago lag im Mittleren Westen. „Hast du nicht die Wettervorhersage gehört? Es soll einen schweren Sturm …“

„Es ist Januar. Da gibt es immer einen schweren Sturm“, unterbrach Kate sie gereizt.

Die Wetterprognosen hatten sich während der vergangenen Stunden stetig verschlechtert. Der Sturm wurde heftiger und kam schneller voran, als ursprünglich angekündigt. „Du solltest den Fernseher einschalten. Ich glaube wirklich …“

„Zoey! Du hast versprochen, nicht zu denken!“ Kate atmete tief durch. „Halt dich einfach an den Plan.“

Richtig, dachte Zoey. Ihre Pläne führten zum Scheitern – Kates Pläne zu Erfolg. Wie konnte ich das vergessen.

Am Chicagoer O’Hare Airport beobachtete Cam in einem Pulk übellauniger Passagiere, wie immer mehr Flüge auf den Monitoren erst als verspätet und dann als gestrichen gemeldet wurden.

Er hätte seine Reise absagen sollen, nachdem er schon auf dem Flughafen von Houston stundenlang gewartet hatte. Schnee und Eis. Jetzt brach der Sturm über Chicago herein. Wer wusste schon, wie lange er hier festsitzen würde.

Cam machte sich auf den Weg zum Schalter, um nachzufragen, wo sein Gepäck aufbewahrt wurde. Falls es sich um einen unbeheizten Lagerraum handelte, würde er die Kiste mit dem Bier holen müssen. Die Styropor-Box würde wahrscheinlich verhindern, dass das Bier in den Flaschen gefror, aber die Proben von Stammwürze, Hopfen und Hefe waren nicht gegen Kälte geschützt.

Leider war die Schlange vor der Gepäckaufgabe so lang, dass er nicht einmal das Ende sehen konnte. Innerlich fluchen, beschloss er, seine Sachen auf eigene Faust zu suchen. Die Männer, die sich um die Fracht kümmerten, wussten sicher besser Bescheid als die Mitarbeiter am Schalter.

Am Ende des Gebäudes, wo sich die Büros der Verwaltung befanden, hielten sich nicht ganz so viele Menschen auf. Cam genoss für einen Augenblick die relative Ruhe, als er plötzlich Hundegebell hörte. Natürlich, dachte er. Tiere wurden im selben Frachtraum transportiert wie sein Bier. Vielleicht würde er seine Kiste deshalb auch während des unplanmäßigen Aufenthalts in ihrer Nähe finden.

Er folgte der Ausschilderung und sah schließlich etliche erschöpfte Passagiere, die versuchten, ihre verstörten Tiere zu beruhigen. Seine Aufmerksamkeit wurde jedoch sofort gefesselt von einer Frau, die mit einem großen Hund kämpfte. Er trug etwas Ähnliches wie eine Duschkappe auf dem Kopf und hatte eine Art blauen Overall an, der mit dem Schriftzug „Rykas Casper“ bestickt war.

Der Hund saß mit dem Hintern fest auf dem Boden und wollte offenbar nicht zurück in seine Reisebox. Die Frau gestikulierte, aber als das alles nicht half, schleifte sie den sitzenden Hund an der Leine zur Box. Das arme Tier war wahrscheinlich stundenlang darin eingesperrt gewesen.

Cam und ein Teil der anderen Fluggäste beobachteten schweigend, wie sich die Frau abmühte, kleine blaue Stiefel von den Pfoten zu ziehen.

„Casper, bitte!“ Sie legte ihren Rucksack ab und stellte ihn neben die Box. „Sie sind ganz nass.“

Als sie sich bückte, verfing sich ihr Strickschal im Gitter der Transportbox. Gleichzeitig zog der Hund an der Leine.

„Warten Sie, ich helfe Ihnen.“ Schnell trat Cam näher und kniete sich neben die Box, um den rot-weiß gestreiften Schal aus dem Drahtgeflecht zu lösen.

„Danke“, hörte er, als er sich aufrichtete und in ein gerötetes Gesicht mit großen hellgrünen Augen und einem dankbaren, aber erschöpften Lächeln sah.

Ihm blieb die Luft weg. Sprachlos starrte er die Frau an und konnte den Blick nicht von ihr lösen. Schlimmer noch, er wollte es auch gar nicht. Er wäre glücklich, wenn er die Stunden bis zu seinem neuen Abflugtermin damit verbringen könnte, sie stumm zu betrachten: ihre seegrasfarbenen Augen, die rosa Wangen, ihre schöne Haut. Unter der Kapuze, die mit dem Schal zusammenzuhängen schien, lugten braune Stirnfransen hervor.

Sie blinzelte und zupfte sanft an dem Schal.

„Oh.“ Er lachte kurz und ließ den Schal los. „Ich nehme an, den möchten Sie wiederhaben.“ Er trat einen Schritt zurück, um ihr Raum zu geben, denn ihr Lächeln wirkte ein wenig eingefroren.

Der Hund winselte und zog in Richtung Ausgang an der Leine.

Die Frau sagte nichts, und Cam brachte nicht einen Satz heraus. Er war schon froh, dass er wenigstens wieder atmen konnte.

„Casper hatte wohl noch nicht genug vom Schnee. Ich gehe noch einmal mit ihm raus.“ Sie deutete über die Schulter. „Nochmals vielen Dank.“

Cam hätte ihr gern angeboten, sie zu begleiten, doch er wollte nicht aufdringlich wirken. Deshalb meinte er nur: „Viel Spaß.“ Etwas Besseres fiel ihm nicht ein.

Er sah ihr nach, während sie sich von dem Hund fortziehen ließ. Viel von ihrer Figur konnte er unter dem zerknitterten, beigefarbenen Mantel nicht erkennen, aber ihre Beine steckten in engen Jeans und hohen Stiefeln. Hübsch.

Sie blieb stehen und erteilte dem Hund ein Kommando. Sofort kehrte er an ihre Seite zurück und erstarrte in majestätischer Haltung: Kopf hoch, Schwanz nach oben eingerollt, Beine gerade. Sie griff in ihre Manteltasche und holte rot-weiß gestreifte Handschuhe heraus. Nein. Fäustlinge. Sie zog Fäustlinge an. Cam grinste und ordnete die Frau vorläufig in die Kategorie flippiges, sexy Girl ein. Normalerweise wich er diesem Typ aus, weil ihm die Flippigkeit nach ein paar Stunden auf die Nerven ging, doch instinktiv spürte er, dass sie anders war. Ihr Mantel sagte: praktisch, ihre Beine sagten: sexy, und die Fäustling-Schal-Kapuze-Kombination sagte: flippig. Sie gefiel ihm. Sehr.

Nach einem weiteren Kommando gingen die beiden im Gleichschritt zur Tür.

Offensichtlich ein Schauhund. Kein Wunder, dass er so nobel ausstaffiert war. Rykas Casper. War die Frau Ryka?

Cam hatte vielleicht noch die Gelegenheit, es herauszufinden, denn es schien, dass er noch eine Weile hier festsitzen würde. Die Schlange vor dem Service-Schalter hatte sich in den vergangenen fünfzehn Minuten kaum bewegt. Es hatte wirklich keinen Sinn, sich dort anzustellen.

Da fiel sein Blick auf den schwarzen Rucksack neben der leeren Hundebox. Unbeaufsichtigtes Gepäck. Verdächtig. Sehr verdächtig, wie immer wieder über Lautsprecher gewarnt wurde. Aber Ryka hatte ihren Rucksack nur liegen lassen, weil sie es eilig gehabt hatte, von Cam wegzukommen. Es würde seine Schuld sein, wenn jemand den Rucksack stahl oder ihn als unbeaufsichtigtes Gepäck meldete. Daher setzte er sich lässig auf den Boden neben der Box. Er würde den Rucksack im Auge behalten und gehen, sobald Ryka zurückkäme.

Eine Welle der Müdigkeit überkam ihn. Er hatte das Treffen mit Richard sorgfältig vorbereitet, nachdem er in seiner College-Zeitschrift ein Interview gelesen hatte, in dem sein ehemaliger Mitbewohner sein Interesse an Bierbrauerei erwähnte. Zum Glück war das Yakima Valley im Staat Washington ein riesiges Hopfenanbaugebiet, sodass Cam einen Termin bei einem Hopfenbauern als Grund für die weite Reise vorschieben konnte. Er wollte nicht verzweifelt wirken, denn Richard war der Typ, der das schamlos ausnutzen würde.

Cam atmete tief durch. Sein Blick fiel wieder auf den Rucksack. Zu gern hätte er den Papierstreifen mit der Adresse umgedreht, doch wenn Ryka merkte, wie er sich an ihrem Gepäck zu schaffen machte, würde er in Erklärungsnot kommen.

Er konnte sich seine Neugier selbst kaum erklären. Was spielte es für eine Rolle, wer sie war und wo sie wohnte?

Er nahm sich vor, sich gleich nach ihrer Rückkehr um sein eigenes Gepäck zu kümmern. Während er beobachtete, wie ein Flughafenangestellter Etiketten am Koffer und an der Hundebox eines Passagiers befestigte, kam ihm der Gedanke, sich Caspers Transportbox anzusehen.

Und da stand es, für jedermann sichtbar: Zwinger Ryka, Leeland. Virginia. Virginia. Nicht gerade in der Nähe von Texas.

Cam versuchte, seine Enttäuschung abzuschütteln. Was hatte er denn gedacht? Dass er sie eines Tages anrufen und sie um ein Date bitten würde? Und falls sie tatsächlich zustimmte, würde er nach Virginia fliegen müssen.

Das würde nicht passieren. Die Brauerei erforderte seine ganze Zeit und Energie. Er machte Frauen gegenüber keinen Hehl daraus. Sie sagten zwar immer, dass sie es verstanden, aber nach ein paar Wochen verloren sie die Geduld. Er nahm es ihnen nicht übel – sie verdienten mehr, als er geben konnte.

Die Minuten verstrichen nur langsam. Per Lautsprecher und auf den Monitoren wurde verkündet, dass der Flughafen wegen der katastrophalen Wetterbedingungen bis auf Weiteres geschlossen wurde. Nicht gut.

Cam simste Richard, dass sein Flug aufgrund des Wetters verschoben worden war. Das war Richard wahrscheinlich nicht neu, doch Cam musste ihm eine Erklärung liefern, warum er sich verspätete.

Gleich darauf wehten Ryka, Casper und eine dichte Schneewolke von draußen herein. Sie stampfte mit den Füßen auf, und der Hund schüttelte sich. Ihre Kapuze fiel zurück, als sie sich Schnee vom Mantel wischte. Casper setzte sich und versuchte, sich die Stiefel von den Pfoten zu nagen. Schnell zog Ryka sie ihm aus. Cam schmunzelte über das Gesicht, das sie machte, bevor sie die Stiefel zusammen mit den Fäustlingen in ihre Manteltaschen steckte. Dann fasste sie sich in den Nacken, um ihr Haar unter dem Schal herauszuziehen.

Glänzende braune Wellen ergossen sich über ihren Rücken. Sie strich sich das Haar aus dem Gesicht und zupfte ihre Ponyfransen zurecht.

Die Szene wirkte wie aus einem Werbespot. Es fehlte nur der Zeitlupeneffekt.

Sie sagte etwas zu dem Hund und zog an der Leine. In dem seltsamen Laufschritt, der auf Hundeschauen benutzt wurde, kamen beide auf Cam zu.

Er sah die beiden auch ohne spezielle Kameraeffekte wie in Zeitlupe. Ryka mit geröteten Wangen und schwingendem Haar, ein albern ausstaffierter Hund neben ihr trabend …

Da entdeckte sie ihn und verharrte kurz. Ihr misstrauischer Gesichtsausdruck versetzte ihm einen Stich – er hatte die Chance, mehr Zeit mit ihr zu verbringen, offensichtlich vertan.

Er stand so schnell auf, dass ihm schwindelig wurde, zwang sich zu einem Lächeln und deutete auf ihren Rucksack. Sie schien seinen Wink zu verstehen, denn das Misstrauen schwand aus ihrem Gesicht, doch er wollte es nicht drauf ankommen lassen, es sich noch weiter mit ihr zu verderben. Er winkte zum Abschied und ging in die entgegengesetzte Richtung.

„Oh, hey!“ Er hörte sie, drehte sich aber nicht um. Vielleicht bildete er es sich nur ein, und außerdem wollte er nicht, dass sie glaubte, dass er sie beachtete.

Doch seine Schritte wurden langsamer. Nur sicherheitshalber.

Sekunden später hörte er „Entschuldigen Sie“ und fühlte ihre Hand auf seinem Arm. Er wusste, dass es ihre Hand war, weil seine Haut unter der Lederjacke und dem Kaschmirpullover und dem Hemd, das er trug, zu kribbeln begann. Ja. So stark reagierte er auf sie.

Er drehte sich um und sah sie fragend an. Finesse, hatte Gus gesagt. Denk an Finesse.

„Danke noch einmal.“ Unsicher lächelte sie. „Ich weiß es zu schätzen, dass Sie auf mein Gepäck aufgepasst haben.“

„Kein Problem“, murmelte er. Da. Finesse. Seine Stimme hatte sich überschlagen. Wenigstens hatte er Ryka nicht gepackt und ihr einen Kuss auf ihre Lippen gedrückt. Lippen, die wie zum Küssen geschaffen waren. Voll. Sinnlich.

„Ich muss Sie um noch einen Gefallen bitten“, fuhr sie fort.

„Okay.“ Er versuchte, nicht zu eifrig zu erscheinen.

„Ich …“ Sie hielt inne und atmete aus. „Casper geht nicht in seine Box, aber ich muss kurz in den Waschraum. Würden Sie bitte für mich auf ihn aufpassen?“

„Gern.“ Lächelnd schaute er auf den Hund herunter. Du hast was bei mir gut, Kumpel.

„Oh, ich danke Ihnen!“ Sie drückte ihm die Leine in die Hand. „Ich bin gleich zurück!“

Cam schaute ihr nach, wie sie mit wehendem Haar davoneilte. Sie hatte tolles Haar: lang, glatt und glänzend. Er wollte es durch seine Finger gleiten lassen. Er wollte es an seiner nackten Haut fühlen. Er wollte, dass es wie ein Vorhang um ihr Gesicht fiel, wenn sie sich im Bett zu ihm herunterbeugte, um ihn zu küssen.

Neben sich hörte er ein Winseln. Der Hund schaute aus treuen Augen zu ihm hoch, als ob er Cams Gedanken lesen könnte.

„Hey, Casper“, sagte er. „Was hältst du davon, wenn wir zu deiner Box gehen?“ Dort lag immer noch Rykas Rucksack.

Neben der Box setzte Cam sich wieder auf den Boden. Der Hund legte sich neben ihn und den Kopf ruhend auf seine ausgestreckten Pfoten. Cam tätschelte ihn kurz und beschloss, ihm die nassen Sachen auszuziehen. Das Fell darunter war strähnchenweise mit blauen Gummibändern zusammengebunden. Dichtes, feuchtes weißes Fell. Leider war der Fußboden im Gepäckterminal nicht gerade sauber, da die Menschen Schneematsch von draußen hereintrugen.

Cam drapierte Caspers Mantel und Haube zum Trocknen über die Transportbox und streichelte den Hund sanft.

„Fühlt sich das gut an, Junge?“

Casper leckte sich ums Maul und hechelte.

„Ich nehme das als ein Ja.“ Cam mochte Hunde, obwohl er keinen besaß. Wenn er sich jemals einen zulegen sollte, dann niemals ein Exemplar dieser Rasse. Zu viel Haar.

Casper rollte sich auf den Rücken und verdrehte den Körper S-förmig.

„Du möchtest den Bauch gestreichelt bekommen.“ Cam benutzte beide Hände. „Das kann nur heißen, dass du mit mir warm geworden bist. Mal sehen, ob wir auch dein Frauchen dazu kriegen, sich mit mir anzufreunden.“

3. KAPITEL

Ich habe nicht einmal nach seinem Namen gefragt, dachte Zoey. Sie hatte Casper, Rykas große weiße Hoffnung, in der Obhut eines Mannes gelassen, über den sie nichts wusste. Außer, dass er eine Art hatte, sie anzusehen, bei der sie innerlich dahinschmolz.

Er war ein heißer Typ, aber auch angenehm ernst. Und das genügte ihr, um ihm zu vertrauen? Verzweifelte Zeiten und so weiter … Je länger die Verzögerung in Chicago dauerte, desto größer war das Risiko zu versagen.

Hör auf, so zu denken.Dies ist nur eine Pause. Doch wenn die „Pause“ noch lange anhielt, würde sie ihre Schwester anrufen müssen. Und das wollte sie möglichst vermeiden.

Zoey kämmte sich das Haar vor dem Spiegel und verließ den Waschraum. Aufgrund der Schlange vor den Toiletten war sie länger fortgeblieben, als sie gedacht hatte, und sie hatte ein mulmiges Gefühl, dass sie Casper so lange allein gelassen hatte.

Doch als sie um die Ecke bog, sah sie, wie Casper auf dem Rücken lag und sich den Bauch kraulen ließ.

Noch nie hatte sie das neurotische Tier so entspannt gesehen. Der Mann ließ seine Hände langsam über den rosa Bauch gleiten, manchmal innehaltend, um eine bestimmte Stelle mit den Daumen zu reiben. Sehr gründlich. Mit großer Liebe zum Detail. Zoey seufzte.

Der Mann schaute erst auf, als sie schon fast bei ihnen war, und fuhr lächelnd fort, den Hund zu streicheln. Zoey fühlte ein Kribbeln im Bauch und sank neben den beiden auf den Fußboden. „Ich bin Ihnen wirklich dankbar, dass Sie auf Casper aufgepasst haben. Dabei kenne ich nicht einmal Ihren Namen.“ Bitte lass ihn nicht mit einem J beginnen. „Ich bin Zoey.“ Sie streckte die Hand aus.

„Zoey.“ Er lächelte. „Cameron. Cam.“

Sie war seltsam erleichtert, dass sein Name tatsächlich nicht mit einem J begann. Dann ergriff er ihre Hand, und sie verspürte einen leichten elektrischen Schlag. Sie erschraken beide, aber er ließ sie nicht los.

„Das ist also gemeint, wenn es heißt, ‚zwischen ihnen sprühen Funken‘.“ Er sah ihr tief in die Augen. Ein Prickeln, das nichts mit statischer Aufladung zu tun hatte, lief durch ihren Arm.

Casper hob den Kopf und stieß ihre verschränkten Hände mit seiner kalten, nassen Hundeschnauze an.

„Okay, ich habe die Botschaft verstanden.“ Lachend tätschelte Cam den Hund. „Er liebt es, den Bauch massiert zu bekommen.“

„Ich hatte keine Ahnung.“ Solange dieser Mann es tat, hätte sie auch nichts gegen eine Bauchmassage einzuwenden.

Fragend hob Cam die Augenbrauen.

„Casper ist der Hund meiner Schwester.“

Er nickte. „Ist sie Ryka?“

„Nein, das ist der Name der Zucht meiner Schwester und meines Schwagers. Ryan und Kate. Ryka. Sie züchten Afghanische Windhunde und nehmen mit ihnen an Hundeshows teil.“

„Das erklärt die Frisur und das Outfit.“

„Oh, ja.“ Zoey seufzte. „Es soll sein Fell vor Schmutz schützen und verhindern, dass es verfilzt. Sie sollten ihn mal sehen, wenn er für eine Schau herausgeputzt ist. Wirklich schön. Aber es erfordert auch viel Pflege.“

Cam schaute den Hund an und kraulte ihn noch einmal kurz. „Ich hoffe, es ist okay, dass ich ihm den Mantel abgenommen habe. Er war ganz nass.“

„Oh, sicher. Danke.“ Sie verzog das Gesicht und holte die nassen, schmutzigen Hundestiefel aus den Manteltaschen. „Wir waren nicht auf einen Schneesturm vorbereitet.“

Er schlang die Arme um seine Knie. „Schlimm draußen?“

„Es ist irgendwie unwirklich. Wie leben Menschen bei diesem Wetter?“ Sie stand auf und legte die Stiefel auf die Box, wo Cam den nassen Hundemantel zum Trocknen ausgebreitet hatte. Sehr umsichtig.

Sie warf ihm einen Blick zu. Er saß immer noch auf dem Boden und schien es nicht eilig zu haben, irgendwo hinzukommen.

„Schneit es nicht in Virginia?“, fragte er, während Casper zur Box ging und den leeren Wasserbehälter mit der Schnauze anstieß.

„Vielleicht, doch ich lebe in Texas in der Nähe von Austin, und da gibt es eher selten Schnee.“ Sie drehte den Hahn vom Wasserspender auf.

„Hey, ich lebe in San Marcos“, sagte Cam.

Sie schaute ihn an und sah ihn so breit lächeln, dass sich in seinen Wangen hinreißende Grübchen bildeten. Sekundenlang war sie so abgelenkt, dass sie mehr Wasser in Caspers Schüssel laufen ließ, als sie beabsichtigt hatte. „Ich komme aus Round Rock.“

„Das ist nur ein paar Meilen weiter.“ Immer noch lächelnd schüttelte er den Kopf. „Was für ein Zufall.“

Zoey spürte, wie er sie beobachtete. Sie wollte sich geschmeichelt fühlen, aber unter normalen Umständen musste sie sich sehr anstrengen, um die Aufmerksamkeit von Männern von Cams Format zu erringen. Vielleicht war sie es bisher nur falsch angegangen. Vielleicht brauchte sie sich nur einen Hund zuzulegen, damit ein Mann sich nach ihr umdrehte.

„Wohin wollen Sie?“, fragte er.

„Nach Seattle.“

„Die Maschine um ein Uhr vierzig?“

„Ja. Das heißt, ursprünglich.“ Ihre Blicke trafen sich.

„Ich auch“, erwiderte er weich.

Sie konnte nicht wegschauen, obwohl sie wusste, dass sie Signale aussandte, die sie nicht aussenden sollte. Er musterte sie, ohne auch nur einmal zu blinzeln. Seine Augen waren von einem kühlen Blau, doch sein Blick war heiß.

Ein Prickeln durchlief sie, und ihr stockte der Atem. Sie musste sich zwingen, ruhig ein- und wieder auszuatmen. Wow. Das war intensiv.

Sie sah weg und konzentrierte sich auf Casper. Er hatte aufgehört zu trinken und wartete jetzt auf sein Fressen. Sie hatte jedoch nicht viel bei sich. Der größte Teil seines Spezialfutters nahm viel Platz in ihrem Koffer ein. Sie gab ihm ein paar Stücke von dem, was sie in ihrem Rucksack hatte. „Das ist fürs Erste alles, Casper. Ich habe keine Ahnung, wie lange wir hier noch festsitzen werden.“

„Richtig.“ Cam stand auf und wischte die Handflächen aneinander ab. „Was mich daran erinnert, dass ich mich um mein Gepäck kümmern muss.“ Er zeigte zur Tür, wo Personal der Fluggesellschaft Tiere und leicht verderbliche Waren ein- und ausluden. „Ich versuche es lieber auf direktem Weg, statt mich in eine Schlange zu stellen.“

„Guter Plan. Und danke nochmals, dass Sie mir geholfen haben.“

„Gern geschehen.“ Er musterte sie wieder mit diesem intensiven Blick, der ihr den Atem raubte.

Impulsiv fragte sie: „Sind wir uns schon einmal begegnet?“ Vielleicht wäre das eine Erklärung für ihre Reaktion.

Er öffnete den Mund, sagte aber nichts.

„Was?“

„Ich wollte sagen, dass ich mich an Sie erinnert hätte, doch das klingt nach einer Floskel.“

„Ich würde mich bestimmt an Sie erinnern“, erwiderte Zoey. Sie spürte, wie sie errötete. „Ihr Lächeln. Es haut einen um.“

„Ja?“ Er lächelte sein Umhaulächeln.

Oh ja.

„Dennoch, da ist etwas …“ Suchend sah er in ihr Gesicht. „Waren Sie vielleicht an der Texas State?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, an der University of Texas. Vielleicht haben wir uns irgendwo anders gesehen. Wo arbeiten Sie?“

„Bei MacNeil’s, der Brauerei.“

„Richtig! Sie liegt außerhalb von San Marcos. Da bin ich gewesen.“

Seine Miene erhellte sich. „Bei einer der Samstagsbesichtungen?“

Zoey lachte. „Bei mehr als einer. Ich habe meiner Freundin Pam geholfen, dort die Geburtstagsparty für ihren Mann zu arrangieren.“

„Ja?“ Seine Grübchen wurden tiefer. Wow. Seit wann waren Grübchen sexy? „Ich bin für die Terminvergabe zuständig.“

„Vielleicht haben wir miteinander telefoniert!“

„Wann war die Party?“, fragte Cam.

„Oh, das ist schon eine Weile her. Vor etwa zwei Jahren. Da gab es die Brauerei noch nicht lange.“

„Dann habe ich wahrscheinlich an den Zapfhähnen gestanden.“

„Wirklich?“ Zoey grinste, aber er auch. Zum ersten Mal seit langer Zeit verspürte sie die sprudelnde Euphorie, wenn man sich sicher war, dass der andere dieselbe Anziehung fühlte wie man selbst.

„Erinnern Sie sich an das Datum?“

„Nicht mehr genau, doch es war im Juli. Die Party stand unter dem Motto Harley Davidson, weil Pam ihrem Mann ein Motorrad schenken wollte. Es sollte eine Überraschung werden, deshalb mussten wir es heimlich dorthin schaffen. Keiner von uns war je auf einer Harley gefahren, deshalb wechselten wir uns ab, während der andere im Auto hinterherfuhr.“ Zoey lachte. „Sie hätten uns sehen sollen!“

Sie nahm an, dass er mitlachen würde, und das tat er auch, aber das Sprudeln war flau geworden. „Als wir endlich bei der Brauerei ankamen, mussten wir ein Versteck für das Motorrad finden.“

„Den Kühlraum.“ Er lächelte immer noch, doch weder seine Zähne noch seine Grübchen waren zu sehen. Zoey vermisste sie.

„Ja! Sie erinnern sich!“, sagte sie übertrieben munter.

„Schwer zu vergessen.“

Okay, jetzt lag eindeutig eine gewisse Schärfe in seiner Stimme. Was um alles in der Welt hatte sie gesagt?

„Es war ein richtig heißes Wochenende“, fügte er hinzu, und Zoey wusste, dass er sich auf die Temperatur und nicht auf all die Mädchen in ihren knappen Biker-Outfits aus schwarzem Leder bezog.

„Gut, dass es viel kaltes Bier gab, denn ich kann Ihnen sagen, schwarzes Leder in der Sonne ist die Hölle.“

Er lächelte – ein höfliches, verbindliches Lächeln. Der Kontrast zu seinem vorherigen Ausdruck war so stark, dass Zoey tatsächlich einen Schmerz in der Magengrube verspürte.

Was war schiefgelaufen? Hatten sie auf der Party zu viel Bier getrunken? Sie versuchte sich zu erinnern … Nein, ganz sicher nicht.

Zoey hatte keine Ahnung, was die Glut in seinem Blick ausgelöscht hatte. Vielleicht sollte sie das Gespräch lieber beenden. Aber hörte sie auf zu reden? Oh nein. Sie redete weiter, weil dieser Mann sie noch vor wenigen Minuten mit echtem Interesse angesehen hatte. Nun hatte er das Interesse verloren, und sie wollte wissen, warum.

Also erzählte sie weiter von dem dämlichen Motorrad. „Als wir die Maschine aus dem Kühlraum schoben, beschlugen die Chromteile in der Hitze sofort. Pam schickte mich los, um ein paar Lappen zu holen, damit wir …“

Eine verschwommene Erinnerung tauchte auf.

„… damit wir …“, Zoey gestikulierte, „… das Kondenswasser abwischen konnten.“

Die Erinnerung wurde zu einem kristallklaren Bild von einem Mann, der eine Lache Bier aufwischte. Kronkorken sprangen mit einem Plopp von den Flaschen, und Bier spritzte wie eine Fontäne heraus. Frustriert hatte der Mann, den sie jetzt als Cam erkannte, den Mob hingeworfen. Dann hatte er sie gesehen. Ein paar Sekunden lang hatten sie sich von den gegenüberliegenden Enden eines langen Flurs angestarrt, ehe sie in den Waschraum für Damen gehuscht war, wo sie sich eine Handvoll Papierhandtücher gegriffen hatte.

Zum ersten Mal kam sie nun auf die Verbindung zwischen den explodierenden Flaschen und dem Bier, das sie und Pam am Tag zuvor aus dem Kühlraum geholt hatten, um Platz für das Motorrad zu schaffen.

„Wir sind uns begegnet“, erklärte sie. „Sie haben Bier aufgewischt.“

Er nickte. „Die Flaschen waren zu heiß geworden. Die Charge war ganz frisch gebraut gewesen.“

Sie starrten einander an genau wie damals. „Das war das Bier, das wir aus dem Kühlraum genommen hatten, nicht wahr?“ Das Motorrad dort zu verstecken war ihre Idee gewesen.

„Ja.“

„Der rothaarige Mann hatte gesagt, dass es okay wäre.“

„Gus hatte wahrscheinlich nicht an die Nachmittagssonne gedacht.“

Es war kühl und schattig und früh am Vormittag gewesen, als sie und Pam das Bier nach draußen gebracht hatten. Und um ehrlich zu sein, hatte sie es völlig vergessen, nachdem die Party angefangen hatte. Sie schloss die Augen. „Es tut mir leid.“

„Es war nicht ihre Schuld. Gus hätte besser aufpassen müssen.“

„Doch, es war meine Schuld.“ Sie atmete tief aus und schlug die Augen auf. „Haben Sie Ärger deswegen bekommen?“

„Nein“, sagte er nach einem verräterischen Zögern.

Niemand außer Zoey hätte es bemerkt, und sie merkte es nur deshalb, weil sie Expertin darin war, zu erkennen, wenn Leute das wahre Ausmaß ihrer Fehler vor ihr verbergen wollten. Merkten sie nicht, dass sie sich dadurch nur noch schlechter fühlte?

„Aber Sie mussten für den Schaden bezahlen, nicht wahr? Nicht.“ Sie hob eine Hand, als er etwas erwidern wollte. „Ich weiß, dass Sie nicht alles zugeben. Das tun die Leute nie, wenn ich Mist gebaut habe.“ Ein schrecklicher Gedanke kam ihr. „Wurde Gus gekündigt? Bitte sagen Sie mir, dass niemand gefeuert wurde.“

„Gus kann nicht gefeuert werden“, versicherte er ihr rasch. „Er ist einer der Inhaber. Genau wie ich.“

Damit hatte sie nicht gerechnet. Ein Name von der Website der Brauerei schoss ihr in den Sinn. „Sie sind Cameron MacNeil!“

„Ja.“ Er lächelte. „Also ist alles gut.“

Es war nicht alles gut, sonst würde sie seine Grübchen sehen. „Nicht bevor ich Ihnen den Schaden bezahlt habe.“

Er schüttelte den Kopf. „Das war vor zwei Jahren. Vergessen Sie’s.“

„Vor anderthalb Jahren, doch das ist nicht der Punkt. Ich möchte es wiedergutmachen.“

„Ich weiß das Angebot zu schätzen, aber es ist nicht nötig.“ Cam schaute sie an, und etwas von seinem früheren Interesse lag wieder in seinem Blick. „Gus hätte die Flaschen selbst wegbringen oder Ihnen zumindest zeigen sollen, wohin Sie sie bringen können“, meinte er. „Wir haben eine Lektion gelernt, und es ist nie wieder vorgekommen. Also vergessen Sie es. Im Ernst.“

Doch sie konnte es nicht. „Warum? Sie haben es nicht vergessen.“

Cam musste zugeben, dass Zoey recht hatte. „Nur weil Gus die Geschichte immer wieder erzählt. Er findet sie lustig.“ Gus hatte behauptet, dass er keine Ahnung gehabt hatte, was passiert, wenn man frisch gebrautes Bier aus dem Kühlraum holt. Zoey hingegen bot ihm noch fast zwei Jahre später an, ihn zu entschädigen, kaum dass sie davon gehört hatte. Es war erfrischend, wenn Menschen die Verantwortung für ihre Fehler übernahmen, und sprach für eine Charakterstärke, die Cam sehr anziehend fand.

Er sah in ihr entschlossenes Gesicht. Zugegeben, als er erfahren hatte, dass sie hinter der Bierexplosion steckte, hatte er sie abgeschrieben als hübsches, aber gedankenloses Partygirl. Er traf diese Art Mädchen häufig in der Brauerei, und sie war es nicht wert, sich über sie zu ärgern.

Doch wenn er sich einerseits auch freute, dass er sich geirrt hatte, war Zoey andererseits nun gefährlich attraktiv für ihn geworden.

„Aber Sie finden die Geschichte nicht lustig. Sie ärgern sich immer noch.“

Ihm wurde bewusst, dass er die Stirn gerunzelt hatte. „Nicht Ihretwegen.“ Er lächelte. „Sie haben sich entschuldigt, also ist alles wieder gut.“ Er hatte den Verdacht, dass sie großartig miteinander konnten und er wollte es herausfinden.

Das Timing? Furchtbar.

Die Logistik? Unmöglich.

Die Chancen auf eine funktionierende Beziehung? Nicht hoch. Vor allem, da Zoey ihn nun verärgert ansah.

Warum war sie verärgert?

Er erwartete, dass sie etwas sagte wie „Das ist wirklich nett von Ihnen. Lassen Sie mich Ihnen wenigstens einen Kaffee ausgeben.“ Stattdessen meinte sie. „Es ist nicht alles wieder gut. Wenn dem so wäre, würde ich jetzt Ihre Grübchen sehen.“

Er blinzelte. „Meine Grübchen?“

„Ja. Sobald Ihnen klar wurde, dass ich für den Schaden verantwortlich bin, wurden Sie kälter als der Schneesturm draußen.“

Er versuchte sie zu beruhigen. „Ich bin darüber hinweg. Sie haben sich entschuldigt. Ich habe es akzeptiert.“ Er lächelte, bis er seine Grübchen spürte. „Sehen Sie?“

„Ich kann falsche Grübchen erkennen.“

Cams Lächeln wurde echt. „Warum sind Sie verärgert?“

„Weil Sie nicht zugeben wollen, dass Sie es sind!“

„Weil ich es nicht bin.“

Ihre grünen Augen funkelten. „Wie viel?“

„Wie viel was?“

Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Wie viel war das Bier wert?“

„Ich habe keine Ahnung“, erwiderte er. „Es ist so lange her, dass ich mich wirklich nicht mehr daran erinnern kann.“ Eine Bewegung hinter ihr zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Casper hatte den Kopf gehoben. Wahrscheinlich spürte der Hund die Spannung zwischen ihnen.

Zoey folgte Cams Blick. „Hey, Casper.“

Der Hund schlug mit dem Schwanz auf den Boden und legte den Kopf wieder auf die Pfoten. Zoey trat näher an Cam heran, nah genug, dass er den zitronenfrischen Duft ihrer Haut roch. „Ich möchte den Verkaufswert wissen“, erklärte sie. „Wenn Sie sich wirklich nicht erinnern, rufen Sie jemanden in Ihrem Büro an und lassen ihn nachsehen. Sofort.“

Oh, zum … „Nein.“

Sie ließ sich nicht beirren. „Ich werde Ihnen auf jeden Fall Geld schicken, also können Sie mir auch gleich eine Summe nennen.“

Hier geht es um mehr als explodierende Bierflaschen, begriff Cam schließlich. Das tun die Leute immer, wenn ich Mist gebaut habe, hatte sie vorhin gesagt. „Warum ist Ihnen das so wichtig?“

Sie atmete aus und schaute weg. „Die Menschen werden komisch, wenn ich es nicht tue. Sie sagen zwar, dass es okay ist, aber sie sind danach nie mehr so wie vorher zu mir.“ Sie sah ihn wieder an. „Deshalb komme ich immer für den finanziellen Schaden auf und hoffe auf eine Gelegenheit, auch alles andere wiedergutmachen zu können.“

„Wollen Sie damit sagen, dass Sie vom Pech verfolgt werden?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich mache Fehler.“

„Wir alle machen Fehler.“

„Nun, ich mache sehr viele davon. Große. Und ich habe es satt, das kann ich Ihnen versichern.“

Cam unterdrückte ein Lachen. „Lernen Sie nicht aus Ihren Fehlern?“

„Natürlich. Keine Motorräder in Kühlräumen für Bier verstecken. Lektion gelernt.“

Jetzt lachte er doch. „Damals schien es Ihnen wahrscheinlich eine gute Idee zu sein.“

Sie verdrehte die Augen. „Das wird auf meinem Grabstein stehen.“ Sie malte Wörter in die Luft. „Zoey Archer. Damals schien es eine gute Idee zu sein.“

Er lachte wieder, während er in Gedanken ihren Nachnamen abspeicherte. Zoey lächelte kurz, bevor sie sagte: „Also geben Sie mir Ihre Kontaktdaten, oder ich schicke das Geld einfach an die Brauerei.“

Cam bewunderte sie für ihre Hartnäckigkeit, aber er würde ihr Geld nicht annehmen. Sie mussten das hinter sich lassen.

Da er nicht antwortete, zuckte sie leicht mit den Schultern, ehe sie sich zu dem dösenden Casper umdrehte. „Also dann an die Brauerei.“

„Warten Sie.“

Zögernd schaute sie zu ihm auf. Cam musste sich etwas einfallen lassen, um sie davon zu überzeugen, mehr Zeit mit ihm zu verbringen. „Statt mich mit Geld zu entschädigen, könnten Sie mir helfen.“

Sie kniff die Augen zusammen. „Wobei?“

„Ich habe eine Kiste mit Probierflaschen, die ich lieber bei mir hätte, statt zu riskieren, dass das Bier in irgendeinem kalten Lager gefriert.“ Seine Gedanken überschlugen sich. „Sie ist sehr schwer, und ich möchte sie nicht ständig mit mir herumschleppen. Da wir beide nach Seattle wollen, sollten wir uns zusammentun. Wir könnten abwechselnd in der Schlange stehen und auf das Zeug des anderen aufpassen.“

Nachdenklich musterte sie ihn. „Zu meinem ‚Zeug‘ gehört ein Hund.“

„Casper. Ich weiß. Wir sind Freunde, stimmt’s, Casper?“ Cam schaute zum Hund, der ihn aufmerksam beobachtete und mit dem Schwanz wedelte, als er seinen Namen hörte. „Sehen Sie? Er ist dafür.“

Sie lachte. „Sie sind mutig.“

„Wegen Casper?“

„Nein, wegen Ihrer Probierflaschen. Sie vertrauen mir Ihr Bier an?“

War das das Problem? Er grinste. „Es befindet sich in einer Holzkiste in einer Styroporbox, die sich wiederum in einer Kiste befindet. Absolut Zoey-sicher.“

„Nichts ist sicher vor mir. Wenn Sie sich in meiner Nähe aufhalten, werden Sie irgendwann dafür bezahlen.“ Sie sprach im Ton vollkommener Gewissheit.

„Es wäre das Risiko wert.“

„Das sagen Sie jetzt.“

„Es ist es wert“, erwiderte er fest.

Ihre Augen wurden groß. „Was macht Sie so sicher?“

„Die Chemie.“

„Was?“

„Zwischen uns.“ Cam deutete von ihr zu ihm. „Sie haben es gespürt. Ich weiß es.“

„Oh, bitte.“ Sie schaute himmelwärts. „Funktioniert die Phrase wirklich bei den Frauen?“

„Es ist keine Phrase. Es ist die Wahrheit.“

„Als Nächstes werden Sie mir sagen, dass Sie es beweisen können.“

„Ich muss es nicht. Muss ich es?“

Zoey erstarrte vor seiner Frage. Sie herauszufordern zuzugeben, dass es eine gegenseitige Anziehung gab, war ein Risiko, aber er musste sie davon abbringen, auf alten Geschichten herumzureiten.

„Sie haben mich gerade erst kennengelernt“, wandte sie ein.

„Genau darum geht es.“ Er schenkte ihr sein vertrauenswürdigstes Lächeln – mit ein wenig Grübchen. „Ich möchte, dass wir uns besser kennenlernen.“

Sie sah ihn immer noch mit großen Augen an. Er wünschte, er könnte ihre Gedanken lesen.

„Außerdem meinte ich es ernst mit dem Zusammentun“, fuhr er fort. „Das hier wird übel.“

Zoey schluckte. Vielleicht hatte er sie zu sehr bedrängt und sollte einen Rückzieher machen. „Denken Sie einfach darüber nach, während ich meine Kiste hole. Wir können reden, wenn ich …“

„Nein. Nein, nein, nein.“ Kopfschüttelnd wich sie zurück. „Wir werden uns nicht zusammentun. Ich muss mich darauf konzentrieren, Casper zum Zwinger Merriweather zu bringen, damit er sich mit Alexandra von Theben paaren kann. Das ist der Plan, und daran muss ich mich halten.“

„Hm, okay.“

„Sie sehen mich an, als wäre ich verrückt.“ Zoey seufzte tief. „Aber immer wenn ich eine eigene Idee habe oder eine Gelegenheit nutzen möchte, passieren Fehler.“

„Gehört in Chicago festzusitzen zu Ihrem Plan?“, fragte Cam.

„Nein, und deshalb muss ich besonders vorsichtig sein. Keine Ablenkungen. Also, es war nett Sie kennenzulernen, Cameron. Cam.“ Sie streckte die Hand aus.

Er starrte einen Moment darauf, bevor er sie ergriff. Wieder bekamen sie beide einen leichten Schlag. Zoeys Hand zitterte.

Er lachte. „Sehen Sie? Wie können Sie diesen Zeichen den Rücken zudrehen?“

„Passen Sie auf.“ Zoey drehte sich um und ging weg, Casper im Schlepptau an der Leine.

„Zoey! Ich bin kein Fehler. Wegzugehen, das ist der Fehler.“

Sie ließ sich nicht aufhalten. Er konnte es nicht glauben. Warum wollte sie nicht akzeptieren, dass sie irgendwann Hilfe brauchen würde? Schließlich konnte sie Casper nicht überall mit hineinnehmen.

Cam sah ihr nach und empfand ein Gefühl von Verlust, das nicht im Verhältnis stand zu der Zeit, die er sie kannte. Er könnte sie anrufen, wenn er wieder in Texas war, doch er würde es nicht tun. Auch mit mehr Hilfe in der Brauerei hätte er nicht genügend Zeit für eine richtige Beziehung.

Sie hat recht, dachte er. Zusammenzukommen wäre ein Fehler.

Dennoch blieb er stehen und beobachtete, wie Zoey sich mit dem Hund den Weg durch die Menge bahnten.

Plötzlich verharrte sie. Sie starrte einige Sekunden auf den Fußboden, bevor sie mit Casper umkehrte.

Sie steuerte direkt auf Cam zu.

„Beweisen Sie es“, forderte sie ihn auf.

„Was?“

„Beweisen Sie, dass es zwischen uns eine Chemie gibt, die es wert ist, dass man ihr auf den Grund geht. Sie haben mich ins Grübeln gebracht, und das lenkt mich genauso sehr ab, als wenn ich in Ihrer Nähe bliebe. Also, warum es nicht herausfinden? Ich will es wissen. Geben Sie Ihr Bestes!“

Cam zog sie an sich, senkte den Kopf und berührte ihre Lippen mit seinen. Ja, er küsste sie. Mitten im Gewühl auf einem der größten Flughäfen der Welt küsste er eine Frau, die er vor weniger als einer Stunde kennengelernt hatte.

Für ihn passte alles zusammen. Er war genau dort, wo er sein sollte, genau zur richtigen Zeit, und tat das Richtige mit der richtigen Frau.

Ihr Mund öffnete sich leicht. Wärme und Verlangen durchströmten Cam.

Wow, was hatten sie für eine Chemie. Eine entflammbare, explosive Chemie. Jedenfalls von seiner Seite. Bei Zoey war es vielleicht etwas weniger, nach ihrer zurückhaltenden Reaktion zu urteilen. Doch er hatte ihr ja auch noch nicht viel gegeben, worauf sie hätte reagieren können. Das ließ sich ändern.

Er zog sie fester an sich und neigte den Kopf. Sanft bewegte er seinen Mund an ihrem und schob seine Zunge spielerisch zwischen ihre Lippen, auch wenn er befürchtete, sie könnte zubeißen.

Aber sie biss nicht zu. Sie seufzte ein wenig. Oder war es sein Stöhnen? Es spielte keine Rolle. Wichtig war, dass Zoey immer noch in seinen Armen war. Sie hatte sich sogar ein wenig entspannt, was ihn ermutigte.

Sie fühlte sich gut an in seinen Armen. Sie trugen beide zu viel Kleidung, um ihren Körper zu spüren, doch sie schien eine gute Figur zu haben.

Außerdem schmeckte sie wunderbar. Ein wenig nach Pfefferminz. Aber darunter war nur Zoey, ein bisschen wie Röstmalz und Weizen. Dazu ein Hauch von einem nicht identifizierbaren Gewürz, einer geheimen Zoey-Prise, die sie einzigartig machte.

Wenn er diesen Geschmack in Flaschen abfüllen könnte, wäre er ein Sieger und MIllionär.

Cam verlor sich in dem langsamen, sehnsuchtsvollen Kuss. Er war gleichzeitig entspannt und so voller Energie wie seit Monaten nicht mehr. Es fühlte sich einfach gut an, dem Verlangen nachzugeben.

Gus hatte recht. Cam brauchte eine Frau. Jedoch nicht irgendeine. Sondern genau diese Frau.

Ein lauter Pfiff ließ sie zusammenzucken.

„Nehmen Sie sich ein Zimmer!“, rief eine männliche Stimme.

Cam beendete den Kuss im selben Moment, in dem Zoey sich von ihm löste.

„Ja, als ob sie irgendwo ein Zimmer kriegen würden“, murmelte jemand anders. „Alles ist voll. Und wo noch etwas frei ist, kommt man wegen des Schnees nicht hin.“

Das Stimmengewirr und der Flughafenlärm holten sie in die Wirklichkeit zurück. Atemlos und mit großen Augen starrte Zoey ihn an. „Oh, oh.“

4. KAPITEL

Sie war geküsst worden. Auf eine Art, bei der Frauen sich an ihren Partner wandten und sehnsüchtig fragten: „Warum küsst du mich nie so?“ Und genügend Leute waren Zeuge des Kusses geworden, da sie sich in einem sehr vollen, sehr öffentlichen Bereich befanden.

Wow. Wenn Cameron MacNeil nach so kurzer Bekanntschaft schon auf diese Art küsste, dann konnte Zoey den zweiten und dritten Kuss und das Alleinsein mit ihm nicht erwarten.

Sie hatte einen Beweis für die Chemie zwischen ihnen gewollt und ihn bekommen.

„Das können wir nicht ignorieren“, sagte Cam bestimmt. „Oder wir werden es ewig bereuen.“

Sie zitterte, weil sie genauso empfand. Sie hatte versucht, von ihm wegzugehen, doch etwas hatte sie zurückgezogen, und das war nicht Casper gewesen. „Okay. Aber sobald die Maschinen wieder fliegen, gehört meine ganze Aufmerksamkeit Casper. Das musst du akzeptieren.“

Er nickte. „Ich verstehe.“ Mehr sagte er nicht, doch das war auch nicht nötig. Sein Blick sagte alles.

Zoey atmete aus. „Also was jetzt?“

„Jetzt werden wir …“ Er brach ab, als etwas hinter ihrem Rücken seine Aufmerksamkeit erregte. „Tut mir leid. Wir reden später.“ Er lief einfach los und rief: „Hey! Warten Sie!“