Czar und Czarewitsch - Johannes Scherr - E-Book

Czar und Czarewitsch E-Book

Johannes Scherr

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Beschreibung

In "Czar und Czarewitsch" entfaltet Johannes Scherr ein facettenreiches Panorama der russischen Geschichte und Kultur, das sich auf die tiefgreifenden Spannungen innerhalb der Zarenfamilie konzentriert. Scherrs stilistisch reiche Prosa verbindet historische Fakten mit lebendigen Charakterstudien, um das Leben von Zaren und deren Erben eindringlich darzustellen. Inmitten des politischen Intrigenspiels und der gesellschaftlichen Umwälzungen gestaltet er ein komplexes Bild von Machtpositionen und deren emotionalen Konsequenzen, was das Werk sowohl literarisch als auch historisch bedeutend macht. Johannes Scherr, ein prägender Schriftsteller und Historiker des 19. Jahrhunderts, bringt seine umfassenden Kenntnisse über die slawische Geschichte und Kultur in dieses Werk ein. Seine Biographie, geprägt von Bildung und Reisen durch Europa, gibt ihm die nötige Perspektive, um die russische Seele und ihre politischen Institutionen zu durchdringen. Scherr war stets bestrebt, die Ursachen und Auswirkungen von Machtstrukturen zu ergründen, was sich klar in der Detailgenauigkeit und Tiefe seiner Charakterisierungen widerspiegelt. Dieses Buch ist eine unbedingte Empfehlung für alle, die ein tieferes Verständnis für die komplexe Dynamik der zaristischen Ära und die inneren Konflikte einer Dynastie gewinnen möchten. Mit seiner Mischung aus Fiktion und historischem Kontext bietet "Czar und Czarewitsch" sowohl eine fesselnde Lektüre als auch einen wertvollen Beitrag zur Geschichtsschreibung und Literatur der Zeit.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Johannes Scherr

Czar und Czarewitsch

Ein lebendiges Porträt politischer Intrigen und Adelsleben im historischen Russland des 19. Jahrhunderts
Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2024
EAN 8596547836391

Inhaltsverzeichnis

Cover
Titelblatt
Text
Eine russische Haus-, Hof- und Staatstragödie.
Von Johannes Scherr.
1. „Glücklich wie eine Prinzeß!“

„Quält mich doch nicht so mit den nutzlosen Arzneien und laßt mich ruhig sterben, da ich nicht länger leben mag. Das Dasein liegt zu schwer auf mir!“

Die das sprach am 1. November 1715 im Czarenpalast von Moskau, war eine deutsche Prinzessin, Charlotte Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel, und schwer fürwahr hatte das Dasein auf ihr gelegen und gelastet, seit jenem 25. October von 1711, wo sie zu Torgau dem Czarewitsch Alexei, des großen Peter’s erstgeborenem Sohn, angetraut worden war.

Damals, zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, sind russische Heirathen noch nicht der höchste Ehrgeiz und heißeste Wunsch deutscher Fürstenhäuser gewesen. Man wußte in Mittel-, West- und Südeuropa noch wenig von Rußland. Was man aber erfuhr, war der Art, die Leute mit einem aus Verwunderung, Schrecken und Abscheu gemischten Gefühle auf ein Volk blicken zu machen, welches aus dem physischen und moralischen Morast asiatischer Barbarei herauszureißen das gewaltige Kraftgenie Peter’s des Ersten soeben unternommen und begonnen hatte. Er war allerdings in seiner Art ein großer, ein größter Mann, dieser Peter. Eine welthistorische Charakterfigur ersten Ranges, in seinem Walten und Thun als Herrscher ein tüchtiger Arbeiter am Werke menschheitlicher Civilisation, geradezu ein, nein, der russische Culturheros, obzwar für seine Person sein Leben lang ein gräulicher Barbar, am hellen Tage und vor Aller Augen zügellosen Gelüsten und Leidenschaften fröhnend, deren Befriedigung selbst schamloseste Wüstlinge in Nacht und Einsamkeit zu bergen sich bemühen. Derselbe Mann aber, welcher eine Lust darin suchte und fand, allerhöchsteigenhändig den Knutenmeister und Kopfabhacker zu machen, hat mit genialem Blicke die Zukunft Rußlands erschaut und mit riesenstarkem Arme geschaffen. Er drängte, stieß, peitschte sein Volk auf die Großmachtsbahn; er pflanzte die Fahne russischer Eroberung an drei Meeren auf, an der Ostsee, am schwarzen und kaspischen Meere; er ließ den von ihm geschaffenen Koloß des Czarismus den einen Fuß auf Europa, den andern auf Asien setzen, während des Riesen lange Arme unersättlich ausgriffen, da schwedische und polnische, dort türkische, persische und chinesische Provinzen raffend und einheimsend.

Und keineswegs war Peter nur ein asiatischer Eroberer nach der Weise der Timur und Nadir. Nein, er war auch ein europäischer Organisator und Civilisator. In diesem wundersam gebauten Menschen arbeitete, selbst während er sich im Pfuhl unmeldbarer Ausschweifungen wälzte, der ruhelose Gedanke, Etwas zuwege zu zimmern und zurecht zu schmieden auf Erden, arbeitete ein rastloser Schöpfungstrieb, eine frohlockende Kraft, die gewaltige Schulter an die Völkerlawine Rußland zu stemmen und sie vorwärts zu rollen auf der weltgeschichtlichen Bahn. Auch war vom Geiste seines Jahrhunderts ein Funke in dieses Mannes Seele gefallen. Dies erhellt nicht nur daraus, daß der Czar, „frei von allen Vorurtheilen“ – wie ein zu jener Zeit häufig umgehendes Wort lautete – nicht anstand, die Bastardtochter einer esthnischen Leibeigenen, die gewesene Sclavin verschiedener russischer Generale, welche nachmals, eine gekrönte Kaiserin, als Katharina die Erste über Rußland geherrscht hat, als seine Gemahlin neben sich auf den Thron zu setzen, weil sie seine Gedanken verstand und seine Entwürfe fördern half, sondern es erhellt auch und noch deutlicher daraus, daß in diesem Kraftmenschen, in diesem Ungethüm von Wütherich und Tyrannen schon eine nicht minder starke Ader vom Staatsdienerbewußtsein pulsirte, als sie später in den zwei aufgeklärten Musterdespoten, in Friedrich dem Zweiten und Joseph dem Zweiten, sich regte. In Wahrheit, es war etwas von echter Größe in der Art und Weise, wie Peter zu verschiedenen Malen es aussprach und bethätigte, daß ihm die Größe Rußlands unendlich viel mehr galt, als die seines Hauses. Unter der Gehirndecke dieses Czarenschädels, wie weit immer sie gewölbt war, hatte ein so kleinlich Ding wie dynastische Selbstsucht dennoch keinen Platz …