Kanossa - Johannes Scherr - E-Book

Kanossa E-Book

Johannes Scherr

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Beschreibung

In "Kanossa" entfaltet Johannes Scherr ein episches Bild der moralischen und politischen Wirren des Mittelalters, geprägt von der Auseinandersetzung zwischen Kirche und Weltlichkeit. Durch einen narrativen Stil, der sowohl poetische Eleganz als auch historische Präzision vereint, zieht Scherr den Leser in die turbulentesten Zeiten der Geschichte, insbesondere die Konflikte zwischen Papst und Kaiser. Die sorgfältige Rekonstruktion der Erzählung spiegelt nicht nur die zeitgenössischen Debatten wider, sondern bietet auch tiefgründige Einsichten in die menschliche Natur und die Komplexität der Machtverhältnisse. Die Verwendung von Charakteren, die als Symbole von Tugend und Macht agieren, verstärkt die thematische Tiefe des Werkes und schafft eine lebendige Historie, die sowohl lehrreich als auch unterhaltsam ist. Johannes Scherr, ein bedeutender deutscher Schriftsteller und Historiker des 19. Jahrhunderts, hat mit "Kanossa" ein Werk geschaffen, das sowohl seine Faszination für die Geschichte als auch sein tiefes Verständnis für die menschliche Psyche zeigt. Sein Engagement für die aufklärerischen Ideale und seine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit machen ihn zu einem wichtigen Sprachrohr seiner Zeit. Scherr selbst wurde durch die politischen Umwälzungen seines Jahrhunderts geprägt, was deutlich in den Themen und Konflikten seiner Schriften zum Ausdruck kommt. Dieses Buch ist nicht nur für Geschichtsinteressierte von hohem Wert; es bietet jedem Leser eine packende Erzählung über Macht, Zweifel und die Suche nach Wahrheit. Scherrs Fähigkeit, historische Fakten in ein fesselndes Narrativ zu verwandeln, macht "Kanossa" zu einem unverzichtbaren Bestandteil der deutschen Literatur. Lassen Sie sich von dieser kraftvollen Erzählung inspirieren und entdecken Sie die zeitlose Relevanz historischer Konflikte in der heutigen Welt.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Johannes Scherr

Kanossa

Ein historisches Drama über Macht, Glauben und den berühmten Investiturstreit zwischen Heinrich IV. und Gregor VII.
Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2024
EAN 8596547846680

Inhaltsverzeichnis

Cover
Titelblatt
Text

Hochidealische Religionen wie der Buddhismus und das Christenthum tragen vom Anfang an einen Widerspruch in sich, welcher herauskommt, sobald sie in der Welt zur Geltung und Macht gelangen. Denn die Wirklichkeit rächt sich an dem Ideal dadurch, daß sich es zur Karikatur seiner selbst macht. Was ist aus der Lehre der Weltverleugnung und Weltverachtung, welche Buddha und Christus gepredigt haben, auf geschichtlichem Boden geworden? Hüben wie drüben ein hierarchisches System, welches eingestandenermaßen das Leben bedingen und bestimmen, die Welt so oder so besitzen und beherrschen will. Auf die idealische Frage nach der Menschenbruderschaft gab die Geschichte den faulen Lamaismus und den herrschsüchtigen Papalismus, die Ketzerverfolgungen und die Religionskriege zur Antwort. Die metaphysische Substanz des buddhistischen wie des christlichen Dogma’s verflüchtigte sich spurlos in dem Pomp und Geräusch eines auf sinnliche Wirkung berechneten Kultus. Die abstrakte Doktrin verwandelte sich in konkreten Götzendienst. An die Stellen der idealisch-erhabenen Erscheinungen des Königssohnes von Kapilavastu und des Zimmermannssohnes von Nazara traten ihre größenwahnwitzig-realen Zerrbilder, der Tale Lama zu Hlassa und der Papst in Rom.

Der Mensch will getäuscht sein. Das verlangt seine Natur, welche nach Täuschung lechzt und die Wahrheit mehr fürchtet als Feuer und Schwert. Vom Beginne der menschlichen Gesellschaft bis zur heutigen Stunde war die Lüge ihr Schoßkind. Sie wird es auch bleiben, so lange die Gesellschaft dauert. Erst der letzte Mensch wird der letzte Sichselbstbelüger, der letzte betrogene Betrüger sein.

Die Illusion ist, so zu sagen, die Butter zum täglichen Brote des Menschendaseins. Je dicker sie aufgetragen wird, desto lieber beißt der Mensch darein. Das haben alle Gründer und Schwindler gewußt und benützt vom Apollonius von Tyana bis zur Spitzeder. Am besten aber wußten und am ausgiebigsten benützten es zu allen Zeiten die Hierarchen. Unermüdlich drehten sie die Kurbel des Glaubensfasses, worin „die Milch der frommen Denkart“ zu Illusionen gebuttert wurde. Schon in den Tempeln von Memphis und Babel, war ihnen klargeworden, daß man dem menschlichen Täuschungsbedürfniß alles, aber auch gar alles zumuthen dürfte.

Die christlichen Auguren überboten dann ihre heidnischen Kollegen und verstanden es auch noch besser als diese, das Lachen zu verhalten, wenn sie einander begegneten. Mit der ernsthaftesten, ja mit der erhabensten Miene von der Welt verkündigten sie die plattesten Orakel. Und sie wirkten damit wirklich Wunder, gar keine Frage. Unter vielen anderen dieses, daß dem Windei der faulen Fabel, Petrus wäre Bischof zu Rom gewesen, der weltgeschichtliche Koloß des Papstthums entkroch.

Was die Menschen glauben, das ist. Die Menschen des Mittelalters mußten, so, wie sie waren, an das Papstthum als an eine, nein, als an die Weltmacht glauben, und darum war es eine solche. In den Augen der Millionen und wieder Millionen, die noch heute daran glauben, ist es noch jetzt eine, nein, die oberste Weltmacht. Nicht das Sein der Dinge, sondern das Scheinen bedingt ja ihren Werth und ihre Wirkung. Spottet nicht über den „Fels Petri“! Der ist dauerhafter als Granit. Nur ein ebenbürtiger, nur ein gleich riesenhafter Wahn wird ihn zerschlagen können. Noch aber ragt er steil und stolz und an dem Schatten, welchen er über die Gegenwart hinwirft, läßt sich die Wolkenhöhe messen, in welcher er sich vor achthundert Jahren den Menschen dargestellt hat.

Ein unserem Vaterlande mißgünstiger Stern stand über der Stunde, wo der Bischof von Rom, von den Umständen gedrängt, den Entschluß faßte, die Tradition vom römischen „Imperium“ dem Germanenthum aufzupfropfen. Karl der Große gab sich zum Imperator her, weil er vom Größenwahn der Weltherrschaft besessen war, wie vor ihm der makedonische Alexander und wie nach ihm der korsische Napoleon. Nun hob jener Kampf zwischen Kaiserthum und Papstthum an, welcher das ganze Mittelalter hindurch in wechselnder Gestalt getobt hat. Anfangs freilich, etliche Jahrhunderte lang sogar, mußte sich das „geistliche Schwert“ demüthig unter das „weltliche Schwert“ ducken. Noch war ja das Schutzbedürfniß des Papstthums ein zu gebieterisches, als daß ihm hätte beikommen können, sich dem Kaiserthum gleichstellen oder gar über dasselbe sich erheben zu wollen. Thatsächlich waren die deutschen Kaiser die Herren und Gebieter der römischen Päpste. Otto der Große stellte dieses Verhältniß auch staatsrechtlich fest, indem er durchsetzte, daß zwar Klerus und Volk der Stadt Rom das Recht, die Päpste zu wählen, haben sollten, aber das Recht der Bestätigung oder Verwerfung dieser Wahl beim Kaiser sein sollte, welchem neugewählte und bestätigte Päpste einen förmlichen Treueid schwören mußten.