Die Nihilisten - Johannes Scherr - E-Book

Die Nihilisten E-Book

Johannes Scherr

0,0
1,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

In "Die Nihilisten" entfaltet Johannes Scherr eine fesselnde Erzählung, die sich mit den geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts auseinandersetzt. Das Werk präsentiert die Konflikte zwischen Idealismus und Nihilismus, eingebettet in eine Gesellschaft, die von Umbrüchen geprägt ist. Scherrs prägnanter Stil und seine meisterhafte Erzählweise machen deutlich, wie philosophische Konzepte das individuelle und kollektive Leben beeinflussen. Die Charaktere stehen im Spannungsfeld zwischen Glauben und Zweifel, was die moralischen Dilemmata und die existenziellen Fragen dieser Epoche eindrucksvoll reflektiert. Johannes Scherr, ein bedeutender deutscher Schriftsteller und Historiker des 19. Jahrhunderts, war nicht nur literarisch, sondern auch kulturell engagiert. Seine eigenen Erfahrungen mit den gesellschaftlichen Umwälzungen seiner Zeit, kombiniert mit einem tiefen Verständnis für die Philosophie und Sozialtheorien, haben ihn zur Auseinandersetzung mit dem Nihilismus angeregt. Scherrs Interesse an der Entwicklung der Gesellschaft und seinen zeitgenössischen Denkern vereint sich in diesem Werk und macht es zu einem zeitgenössischen Dokument seiner Epoche. "Die Nihilisten" ist unentbehrlich für jeden, der sich für die philosophischen und kulturellen Strömungen des 19. Jahrhunderts interessiert. Es bietet nicht nur einen tiefen Einblick in die Probleme der damaligen Gesellschaft, sondern regt auch zur Reflexion über die eigene Existenz und deren Sinn an. Ein zeitloses Meisterwerk, das sowohl die Gelehrten als auch die allgemeinen Leser in seinen Bann ziehen wird.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Johannes Scherr

Die Nihilisten

Einblick in Russlands Transformation: Nihilismus, Zar Alexander II und die Ära der Reformen
Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2024
EAN 8596547848318

Inhaltsverzeichnis

Cover
Titelblatt
Text

Die Nihilisten. I. Alexander der Zweite und die Reform

Inhaltsverzeichnis
I. Alexander der Zweite und die Reform.
1.

Der Zar Nikolai starb am 2. März von amtlichen Berichten zufolge stramm, wie er gelebt, ruhig und gefaßt dem Ende entgegensehend. Jedenfalls ist er gestorben als ein Mann von Ueberzeugung und Princip, vielleicht der letzte Despot, welcher an sich und an den Despotismus glaubte. In Russland wurde ihm diese Grabrede geschwiegen: „Gut, daß er todt! Länger hätte es so nicht weitergehen können.“

Wären die Zügel nicht dem starken Zügelhalter entglitten, würde es, allem liberalen Gezischel und revoluzischen Gemunkel zum Trotz, wohl noch länger so weitergegangen sein. Jetzt aber, als der konsequente und willenskräftige Selbstherrscher verschwunden, kam das ganze Gebäude des Despotismus ins Schwanken und Wanken. Es zeigte sich jetzt, wie tief dasselbe durch die verfemte Zeitströmung seit Jahren heimlich unterhöhlt worden war, und nun dieser Strömung plötzlich Licht und Luft gegönnt wurden, suchte sie sich mit derselben Gewaltsamkeit Bahn zu brechen, womit man sie so lange hintangehalten hatte.

Nicht als ob diese Gewaltsamkeit sofort mit dem Regierungantritt Alexanders des Zweiten ihre ganze Kraft, beziehungsweise ihre ganze Wuth entwickelt hätte. Nein! Es läßt sich ja die Regierungszeit dieses Zaren ziemlich scharf in zwei Perioden scheiden, deren erste, die 60ger Jahre umfassend, als die Zeit der reformistischen Strebungen, Versuche und Vollbringungen, deren zweite, die 70ger Jahre mit Einschluß der Märzkatastrophe von 1881 enthaltend, als die Zeit der revoluzischen Komplotte und Attentate gekennzeichnet werden kann.

Dem Glauben, daß mit der Throngelangung des neuen Zaren eine neue Epoche für Russland angebrochen sei, gab von London her Alexander Herzen kühnen Ausdruck. Er richtete an den zweiten Alexander ein Sendschreiben, in welchem das autokratische Regiment gebrandmarkt, ein offener und ehrlicher Bruch mit diesem System allgemeiner Vergewaltigung und Knechtung gefordert, die Aufnahme der zeitbewegenden Ideen in die russische Staatsverwaltung angerathen und als unbedingte Voraussetzung einer wirklichen Entwicklung Russlands die Aufhebung der bäuerlichen Leibeigenschaft hingestellt wurde.

Kein Zweifel, Herzens Mahnruf hat nur in warmblütige und energische Worte gekleidet, was alle denkenden, unterrichteten, redlichen und unabhängigen Russen fühlten. Der beredsame Exulant formulirte nur, was die Besten der Nation im Stillen schon lange gewollt und gewünscht hatten. Daher die ungeheure Wirkung von Herzens offenem Brief. Der Schreiber desselben wurde mit einem Schlag eine Macht, wurde der anerkannte Prophet und Führer der öffentlichen Meinung, die sich, sobald Zungen und Federn einigermaßen sich regen und rühren durften, mit überraschender Schnelligkeit bildete. Mit nur allzu großer Schnellfertigkeit. Denn auch hier wieder trat das Unvermittelte, Sprunghafte, Voreilige, welches dem modernen Russenthum anhaftet, unliebsam, ja schädlich und gefährlich zu Tage. Die unflügge öffentliche Meinung wollte laufen, bevor sie kriechen konnte, wollte fliegen, bevor ihr die Schwingen gewachsen waren. Sie verlangte stürmisch, daß alles schon fertiggestellt sei, bevor noch etwas vorbereitet war. Ohne sich bei der Erwägung aufzuhalten, daß es wohl eine der schwierigsten Aufgaben der Staatskunst wäre, den Uebergang vom Nikolaismus zum Konstitutionalismus in wahrhaft gedeihlicher Weise zu bewerkstelligen, verlangte sie ungestüm alles auf einmal und überließ sich dem Wahnglauben, es bedürfte an höchster Stelle nur guten Willens, um die große Umgestaltung wie im Handumdrehen zu bewirken.

Als dann aber solche kindische Illusion die Enttäuschung erfuhr, welche sie naturnothwendig erfahren mußte, da warf sich ein nicht kleiner Theil der russischen Liberalen sofort in die äußerste Opposition. Ja, bald schon nach Alexanders des Zweiten Regierungsantritt begannen die Reihen der Reformer sich zu lichten und die der Revoluzer sich zu füllen. Der Leiter der Bewegung selbst, Herzen, hielt sich noch mehrere Jahre lang in den Schranken der Mäßigung. Der Mann hatte eben in Deutschland, Frankreich und England einsehen gelernt, daß man das verknechtete Zarenreich nicht von heute auf morgen zum Verfassungsstaat umzaubern könnte. Darum läutete er dazumal noch seine berühmte „Glocke“ (Kolokol) im Sinne der Reform. Wie willkommen ihre, obzwar amtlich verbotenen und verpönten, Klänge in Russland waren, was für einen mächtigen Widerhall sie in der russischen „Gesellschaft“ fanden, wird einleuchtend dadurch bezeugt, daß aus dieser Gesellschaft heraus eine Menge von Händen, darunter auch amtliche, höchstamtliche, unmittelbar oder mittelbar an Herzens Glockenstrang mitzogen.

2.

Auch der neue Zar vernahm den Glockenruf und war keineswegs gewillt, selbigen zu mißachten.

Alexander der Zweite war ein fühlender Mensch. Geradezu der menschlichste Mensch, welcher jemalen auf dem Zarenthron gesessen. Er hatte unter dem Unfehlbarkeitshochmuth seines Vorgängers ebenfalls, wie jeder Russe, sein gut Theil zu leiden gehabt und besaß auch Geist genug, um einzusehen, wie thöricht das nikolaische Unterfangen, Russland gegen die Anschauungen und Forderungen des Jahrhunderts vermauern zu wollen. Die schreienden Lehren, welche der Krimkrieg gegeben, waren von ihm verstanden, die thönernen Füße, auf welchen der Koloß des Zarismus stand, waren für ihn sichtbar geworden. Er begriff die Nothwendigkeit einer durchgreifenden Reform des ganzen Staatswesens und mit dieser Einsicht verband sich in ihm ein hohes Maß von humanen Regungen. Alexander empfand warm für sein Volk und wollte aufrichtig das Gute und Rechte.