Dakota - Karin Adamczyk - E-Book

Dakota E-Book

Karin Adamczyk

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Beschreibung

Ich habe mal versprochen, die Geschichte von Dakota aufzuschreiben. Bis jetzt habe ich den Mut dazu nicht aufgebracht. Und Mut brauche ich dazu! Alles noch einmal zu durchleben, wird nicht leicht sein. Erinnerungen sind mitunter bösartig und können wie schlimme Stacheln schmerzen. Wunden werden aufgerissen, die noch nicht einmal ganz verheilt sind. Aber wann soll ich damit anfangen? Ich glaube, manche Dinge heilen nie richtig. Und vielleicht ist es besser, das eine oder andere ruhen zu lassen. Aber ich habe es versprochen! Wenn ich es schaffe, das zu Ende zu bringen, aufzuschreiben, was Dakota und mir widerfahren ist, wird es besser sein, oder aber noch viel schlimmer? Habe ich auch wirklich alles versucht? Ich habe Angst, Angst vor alten Wunden, Angst, alles noch einmal, wenn auch nur im Kopf, durchleben zu müssen. Muss ich das wirklich tun? Aber… Ich habe es versprochen!!

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Seitenzahl: 190

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Karin Adamzyk

Dakota

Impressum

© 2016 Karin Adamczyk

Umschlaggestaltung, Jeannette Jud

Lektorat, Korrektorat: Brigitte Brinkmann

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN Paperback: 978-3-7345-2377-9

ISBN Hardcover: 978-3-7345-2378-6

ISBN e-Book: 978-3-7345-2379-3

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Tage wie Himmel und Hölle

Dakota

Ich habe mal versprochen, die Geschichte von Dakota aufzuschreiben. Bis jetzt habe ich den Mut dazu nicht aufgebracht.

Und Mut brauche ich dazu!

Alles noch einmal zu durchleben, wird nicht leicht sein. Erinnerungen sind mitunter bösartig und können wie schlimme Stacheln schmerzen.

Wunden werden aufgerissen, die noch nicht einmal ganz verheilt sind.

Aber wann soll ich damit anfangen? Ich glaube, manche Dinge heilen nie richtig.

Und vielleicht ist es besser, das eine oder andere ruhen zu lassen.

Aber ich habe es versprochen!

Wenn ich es schaffe, das zu Ende zu bringen, aufzuschreiben, was Dakota und mir widerfahren ist, wird es besser sein, oder aber noch viel schlimmer?

Habe ich auch wirklich alles versucht?

Alles „richtig“ gemacht?

Habe ich mich genug angestrengt, oder wird das Aufschreiben aufdecken, dass ich vieles hätte anders machen müssen?.

Ich habe Angst, Angst vor alten Wunden, Angst, alles noch einmal, wenn auch nur im Kopf, durchleben zu müssen.

Muss ich das wirklich tun?

Aber…

Ich habe es versprochen!!

1

Das ist die Geschichte von meiner Dakota, geboren, um mir meine Grenzen aufzuzeigen.

Geboren, um Stärke und Macht zu demonstrieren,: die Macht der Liebe und die der Freiheit und vor allem ..

die der OHNMACHT

Dakota wurde als fünfte von zehn Welpen geboren. Sie war schwarz, wie ihre Geschwister, und zunächst wuchs sie völlig unauffällig inmitten ihrer Schwestern und Brüder auf.

Ihre Welpenzeit war geprägt von den hündischen Rudelmitgliedern: Mutter, Onkel und Tanten, die vor allem für einen Welpen Sicherheit und Liebe bedeuteten.

Menschen, die kleine Leckereien mitbrachten, waren ebenso ein fester Bestandteil des Tages, wie die Tatsache, dass es immerzu etwas Neues zu entdecken gab.

Es wurden Spiele gespielt, es gab so viel Frohsinn, und vor allem konnten Menschen gute Sachen verstecken, die kleine Hunde im hohen Gras und hinter Büschen suchen und finden konnten.

Blumen, Beete, Socken, wer braucht die schon, in handliche kleine Schnipsel zerlegt, die Blumentöpfe leer und wie Trophäen umhergetragen, das war die bessere Alternative, zumindest aus der Sicht der Welpen.

Jeden Tag passierten neue spannende Sachen in ihrem noch sehr jungen Leben.

Sei es, dass kleine Autofahrten auf dem Programm standen oder dass sie alle in einem Bollerwagen saßen, der von Wotan gezogen wurde.

Überhaupt war Wotan der Dreh und Angelpunkt für die Welpen.

Wotan, der Rudelchef, Wotan, der den Kleinen allen möglichen Unsinn zeigte, wie „Burg bauen“ und „Matschkuhlen verteidigen“.

„Burg spielen“ erfreute sich großer Beliebtheit bei den Welpen, und Wotan war derjenige, der allen zeigte, wie man es richtig machte.

Zunächst wurde die „Burg“ ausgesucht. Das konnte eine gepolsterte Liege sein, oder eine Palette aus Holz, oder ein alter gebrauchter Hundekorb, all diese Dinge konnten die „Burg“ sein…

Einer der Welpen beschloss, dass das Liegebrett rechts von der Tür, „seine“ Burg war.

Der nächste, der nun versuchte, sich ebenfalls auf das ausgesuchte „Burg“ Liegebrett zu begeben, wurde schon bei dem Versuch, das Brett auch nur zu betreten, vehement daran gehindert.

Der so Behandelte wollte nun natürlich erst recht auch darauf. Und schon entbrannte der „Burg“-Krieg, an dem sich letztendlich alle Welpen beteiligten. Derjenige, der oben war, wurde dann in der Regel irgendwann überwältigt, indem sich die übrigen Welpen gegen den „Burgherren“ zusammentaten und diesen dann letztendlich gemeinsam enteigneten.

Das ging natürlich immer mit großen Gebell und Geschrei einher, jeder wollte „Burg“ spielen und der „Besetzer“ verteidigte seine Burg so fest er konnte. Man konnte sich als Zuschauer kaum satt sehen, ein Schmunzeln und so manches Mal ein herzhaftes Lachen, ließ sich meist nicht unterdrücken.

Das gleiche Spiel war „Matschkuhle verteidigen“ und wer hatte es der kleinen Rasselbande gezeigt?

Natürlich Wotan, der liebevollste und souveränste aller Rüden, den ich je kennen gelernt hatte.

Wotan der immer wusste was zu tun ist, Wotan der sein letztes für sein Rudel und seine Menschen tun würde.

Wotan der ebenso freundlich und überschwenglich sein konnte, wie auch verteidigungsbereit.

2

Vielleicht sollte ich mich und auch meine Familienmitglieder, für alle die mich noch nicht kennen, ein wenig vorstellen:

Mein Name ist Karin, alle sagen hier ich wäre die Chefin der „Panther“

Schon immer hatte ich Hunde, schleppte als kleines Kind den Dackel meiner Tante weg und nahm ihn mit nach Hause (übrigens gab es dafür damals ‚big Schelte‘).

Mit noch nicht mal elf Jahren „entführte“ ich den Schäferhund unseres Nachbarn, der schräg gegenüber wohnte.

Natürlich gab auch das ziemlichen Ärger, komischerweise mit meiner Mutter.

Unser Nachbar fand das gar nicht schlimm und erlaubte mir den Umgang mit seinem Hund. Ivo war ein schwarz-brauner kurzhaariger Schäferhund, er wohnte in einem kleinen Zwinger im Garten gegenüber.

Kein Tag verging, an dem ich nicht mit Ivo umherzog.

Er hatte allerdings eine sehr böse und schlimme Angewohnheit: Er konnte andere Hunde nicht ausstehen und verletzte diese auch, wenn er sie erwischen konnte.

Was sollte ich also dagegen tun?

Ich machte das einzige, was ich kannte, ich ging mit Ivo auf einen Hundeplatz,

Ein halbes Jahr später bekam ich Esko dazu, einen sehr großen und schweren schwarz-gelben Schäferhund.

Er gehörte einem älteren Vereinsmitglied, der sich aus Krankheitsgründen nicht mehr in der Lage fühlte, mit ihm zu arbeiten.

Mit beiden Hunden legte ich im Alter von zwölf Jahren die ersten Schutzhundeprüfungen im Hundeverein ab.

Das, was sich jetzt nach ‚mal eben so‘ anhört, war damals ein echt harter Kampf. Die Schäferhundszene wurde durchweg von Männern beherrscht.

Frauen… na klar… hinter der Vereinstheke, da durften sie Kaffee und sonntags zum Frühschoppen auch mal die Bierchen über die Theke reichen, während ihre Männer draußen auf der Veranda über ihre Hunde fachsimpelten.

Die Hunde waren durchweg kurzhaarig, schwarzmit gelben oder schwarz mit braunen Abzeichen und jeder einzelne natürlich das Nonplusultra

Andere Rassen? Da gab es dann höchstens mal einen Rottweiler, an den ich mich erinnern kann. Ich weiß sogar noch seinen Namen, Anton hieß er.

Das ist kein Scherz, was ich hier erzähle, alles, jedes einzelne Wort entspricht den Tatsachen.

Aber ansonsten waren es tatsächlich nur Schäferhunde und eindeutig Männer, die sie führten und ausbildeten.

Ich sehe schon, einige von euch schütteln ungläubig den Kopf. Doch, natürlich war das damals so, Frauen an den Herd, Männer auf die Arbeit und auf den Hundeplatz.

Hey, ich komme aus einer Zeit, da musste man noch verheiratet sein, um eine Wohnung zu bekommen.

Das ist heute undenkbar, aber - fragt doch mal eure Mütter.

Ich denke, ich war damals so eine Art Maskottchen: ein Hundeverein, in dem ein Kind, und dann noch ein Mädchen, einen Schäferhund auf Prüfungen führte, so was hatte schließlich damals niemand.

Welche Gründe auch eine Rolle gespielt haben mögen, ich durfte jedenfalls bleiben, wurde viel herumgeschubst und noch mehr angeschrien.

Auch das war damals so und völlig normal.

Aber ich lernte noch von Anfang an obendrein „von der Pieke auf“, wie man einen Hund ausbildet, ihn führt, ihm Sachen beibringt und vor allem, wie man ihn lenken kann.

Später durfte ich auch helfen, wenn es mal wieder auf Auswärtsprüfungen ging. Ich fuhr mit, bereitete die Hunde auf die Wettkämpfe vor, führte sie Gassi, und brachte sie, wenn sie aufgerufen wurden, auf den Platz und übergab sie am Eingang den Männern, die sie führten.

Auf genau einer solchen schweren Prüfung sah ich dann “meinen Hund“: Es war ein langhaariger, mit einer Farbe, wie ich sie noch nie zuvor bei einem Schäferhund gesehen hatte.

Er war einheitlich grau, auch der Fang war nicht, wie ich ihn kannte, schwarz, nein, er war auch grau. Die Ohren klein und gleichmäßig, nicht so riesig wie bei seinen kurzhaarigen Vettern. Er hatte einen wunderschönen runden dicken Kopf und kräftige, breite und starke Beine.

Wenn er lief, sah das schwungvoll und erhaben aus. Der Kopf war stolz nach oben gereckt und die langen Haare wehten unter seinem Bauch.

Ich war hin und weg. Und ich war mir zu 100% sicher- einen solchen Hund wollte ich auch irgendwann haben.

Ich versuchte, so viel wie möglich über ihn zu erfahren, aber überall, wo ich nachfragte, wurde nur verächtlich abgewunken.

„Ja ne“, ein „Zottel“, wurde nur gesagt, taugt eh nix!“.

„Zottel“ wurden sie damals noch genannt, und belächelt und vielfach verachtet.

Und genau diese „Zottels“, sie waren und sind mein ganzes Leben.

Ich fing also damals schon an zu suchen.

(Leute, es gab noch kein Internet, noch nicht mal Telefone in Häusern waren da, nur vereinzelt gab es Telefonzellen, eine Auslandsauskunft kostete für eine 16jährige tatsächlich Unmengen an Geld.)

3

Ungeachtet dessen bekam ich irgendwann meinen Zottel, ich gab ihm den Namen …. Nathan. Er war ein grauer Altdeutscher Schäferhund, für den ich bis an die französische Grenze fahren musste:

Das waren damals noch richtige Mammutaufgaben: kein Navi, erst recht keine „Siri“, keine bequemen ICE s, oder gar ‚Mutti bringt dich mal eben mit dem Auto‘

Oh nee, das waren noch andere Zeiten!

Ich kann mich an eine Begebenheit erinnern, die einige Jahre später, aber immer noch genau für diese Zeit sprach.

Mein Nathan wurde natürlich gearbeitet. Damals gab es keine Begleithundeprüfung, keine Altersbegrenzungen und so ein Zeugs, es gab nur die Schutzhunde-Ausbildung - und sonst nichts.

Das höchste, was ein Hund mit seinem Hundeführer erreichen konnte, war die SchH III (Schutzhundeprüfung 3)

Wenn man einmal die SchH III erreicht hatte, konnte man auf jeder Prüfung starten, und sich mit anderen Hundeführern im Wettkampf messen.

Das dient jetzt nur zum besseren Verständnis der folgenden Begebenheit!

Ich zog um.

An meinem neuen Wohnort sollte es ja wohl auch Hundeplätze geben.

Endlich fand ich einen, und als ich zu einer Übungsstunde mit meinem Hund dort ankam, wurde ich zunächst einmal gar nicht beachtet.

Irgendwann kam dann einer der Männer zu mir und meinte gönnerhaft… naaa und du…

suchst du eine Beschäftigung mit deinem Hund?

Als ich nickte, erklärte er mir, dass jetzt erst einmal die guten Hunde dran wären, und wenn die andern ihre Hunde gearbeitet hätten, dürfte ich danach auch mal auf den Platz. Er wäre dann so nett und würde mir den Umgang mit einem Schäferhund nahe bringen.

„Aber das ist ja ein „Zottel“, und der ist natürlich nicht so gut wie die übrigen Schäferhunde“, sagte er mir dann noch.

„Na klar“, ich erklärte mich einverstanden und wartete geduldig, dass ich dann irgendwann mal dran sein würde.

Am Ende durfte ich dann auf den Platz, der Übungswart erklärte mir, dass ein Schäferhund immer auf der linken Seite in Höhe des Knies bei Fuß laufen musste und fragte mich dann “ Hast du verstanden.?“

Als ich nickte, sagte er mit einem milden Lächeln „Na. dann zeig mal… “

Ich holte meinen Nathan, ging auf den Platz, leinte ihn ohne Worte ab und führte ihn eine komplette SchHIII Unterordnung.

Danach waren die Männer sehr nett, erklärten mir das sie in 14 Tagen eine Prüfung auf diesem Platz

hätten, und ob ich denn nicht Lust hätte und auch mitführen möchte

So war das 1979 im Hundesport, Frauen waren Raritäten und „Zottel“ konnten keine guten Prüfungen laufen.

Gleichlaufend hatte ich, nachdem mein Nathan ein Jahr alt war, nach einer ebensolchen Hündin gesucht. In Holland wurde ich fündig und Shiva, eine schwarze Altdeutsche Schäferhündin, kam zu mir.

1979 hatte ich dann auch bereits meinen ersten Wurf, graue und schwarze langhaarige Babys, 14 an der Zahl, die ersten zwei silbernen Welpen waren darin auch zu finden.

Damals gab es solche Hunde in Deutschland noch gar nicht. Dieser Wurf waren die allerersten Altdeutschen Schäferhunde in grau, silbern und schwarz .

Schwarz, das war auch so was, gab es doch zu diesem Zeitpunkt kaum schwarze Schäferhunde und Graue schon mal gar nicht.

Die damaligen Zwingernamen lauteten so edel wie ….von Bismark, oder von der Uferstraße.

Das fand ich wirklich ziemlich furchtbar, einfallslos und nichts sagend. Meine Hunde sollten anders heißen, sie waren schließlich etwas Besonderes und so sollte dann auch ihr Name sein, eben etwas Besonderes.

Und so entstand dann vor über 35 Jahren für die damaligen Verhältnisse der ungewöhnliche Name

Vom schwarzen Panther

Wenn ich das jetzt so zurückblickend lese, meine Güte, das war eine solch erlebnisreiche und spannende Zeit.

Ich durfte so viel lernen, und für die damaligen Verhältnisse ein außergewöhnliches Leben führen.

4

Ein paar Jahre später trat dann auch Herbert in mein Leben.

Was heißt denn hier, trat…. Er trat nicht, er stolperte, aber das ist natürlich eine andere Geschichte und hat jetzt an dieser Stelle nicht wirklich was zu suchen.

Jedenfalls hatte er ein riesengroßes Herz für meine Schäferhunde und anscheinend letztendlich auch für mich.

Er ist derjenige der das, was die Hunde meinen nicht mehr gebrauchen zu können, reparieren muss.

Und natürlich kam es wie es kommen musste, auch er verfiel dem Hundesportvirus.

Mindestens 4-5mal in der Woche waren wir auf dem Übungsgelände zu finden.

Er arbeitete mit unseren Hündinnen, brachte ihnen das Apportieren bei, und hatte ein super gutes Händchen, wenn es um knifflige Aufgaben ging. Aber noch viel mehr war er als guter Geist mit Hammer, Nagel und allem möglichen technischen Gerät unterwegs, um Zäune zu ersetzen oder Sträucher und Blumen wieder einzubuddeln, die die Hunde im Überschwang ihrer Kräfte und im Spaß mal eben ausgerupft und dezimiert hatten.

Bis heute macht er fertig, schleppt Streu und Futter und macht Spökskes mit den Hunden, geht mit Ihnen spazieren, und ist sich nicht zu schade, mal eben Kaffee zu machen, wenn unverhofft Besuch kommt.

Als ich noch Nachtschicht hatte und erst um ein Uhr nachts Feierabend machen konnte, holte er mich mit den Hunden ab und wir fuhren nach Herten zu einer bewaldeten ehemaligen Berghalde, um dort eine Runde spazieren zu gehen.

Egal ob Sommer oder Winter - . uns gehörte Nachts um zwei Uhr das Lachen und die Ausgelassenheit, die nur Menschen haben können, die einander blind verstehen und die an den gleichen Dingen Freude haben.

Hunde, die ausgelassen umeinander toben, einem Ball im Dunklen über Stock und Stein hinterher jagen, Hunde, die Mäuse mit den Pfoten zu fangen versuchen, gehörten zu dieser Zeit dazu, und waren auch gar nicht weg zu denken.

Die Innigkeit, die uns damals verband und die Freude an der Ausgelassenheit der Hunde, wenn sie dort völlig frei, ohne Zwang im Rudel von 5-6 Hunden voranstürmten, das hat sich uns bis heute ein kleines Stück weit bewahrt.

Eine Halde, und sei sie noch so sehr bewaldet,. musste man steil bergauf erklimmen und ebenso steil ging es auf dem Rückweg auch bergab. Im Winter waren Schneeballschlachten und unvorhergesehene Rutschpartien ebenso ein Grund zur Freude, wie kleine Seen im Sommer, die dann dort zum Verweilen einluden.

Herbert ist der Ruhepol und der Organisator von uns beiden. Ohne ihn würde hier nicht viel gehen. Er macht ohne viel Worte eben alles wieder gangbar.

Und dann wäre dann da noch meine Sandra zu erwähnen.

Sandra habe ich konfisziert.

Wir lernten uns auf dem Hundeplatz kennen, natürlich, wo denn sonst?

Sandra hatte ihren Rocky, einen Hovawart, arbeitete mit ihm und führte ihn auf Prüfungen. Rocky war unglaublich feinfühlig ausgebildet, zu der damaligen Zeit keine Selbstverständlichkeit.

Leider war er auch schon nicht mehr der Jüngste und ging bald darauf in seine wohlverdiente Rente. So sagt man schließlich, dabei ist es maßlos übertrieben, das auch noch so zu formulieren. Schließlich arbeiten unsere Hunde aus Spaß an der Freude, und nicht, weil sie unbedingt müssen.

Selbst damals sah ich das so, und Sandra erst recht.

Rocky hatte sowieso ein Leben, in dem ihm sicherlich an gar nichts mangelte, angefangen von „auf- der- Couch-liegen“ bis „Leckerchen-gebrachtbekommen,“ anstatt sie sich verdienen müssen.

Und spazieren gehen war sowieso an der Tagesordnung.

Dreimal die Woche trafen wir uns auf dem Hundeplatz, gingen dann noch mindestens 1-2 Stunden mit allen Hunden in den angrenzenden Wald, ein so genanntes Gassi.

Das war meist großes Kino, sehr viele Hunde, die da aufeinander trafen, Spaß und wilde Spiele, die ich dilettantisch versuchte fotografisch zu begleiten, wurden schnell selbstverständlich.

Meist matschig und mit komplett verdreckten Hunden traten wir dann den Weg nach Hause an.

Bald kam Sandra uns auch privat besuchen, und immer öfter fuhren wir zusammen auf den Hundeplatz .

Zunächst arbeitete sie dann mit meinen Hunden und später dann auch mit ihrer Bengasha. Dabei durfte ich sie begleiten und mit Rat und Tat zur Seite stehen.

So fing es an, und es ist bereits viele Jahre her. Sandra ist hier nicht mehr weg zu denken, sie hilft immer und überall mit und sieht die Dinge, die Frauen eben sehen und die Männer gerne übersehen.

So sind wir irgendwie komplett.

Zusammengefunden aus gleichen Interessen und die gleiche Liebe zu den Hunden.

5

Viele Jahre sind seither vergangen und so langsam sollte ich mich dann endlich wieder dem eigentlichen Grund meines Schreibens zuwenden.

Ich weiß gar nicht mehr genau, wo ich meine „Rede“ unterbrochen hatte, bevor ich so abgeschweift bin.

Ich glaube, ich war bei Jessy und dem Wurf, in dem meine Dakota bei uns geboren wurde!

Also machen wir weiter, und ich erzähle euch, wie es damals war.

Wenn ich euch von Dakota erzählen möchte, dann muss ich auf Wotan

(übrigens, ein Enkel von Nathan) den aktuellen grauen Chefrüden der Pantherbrigade, zurückkommen,

Wotan, der kompromisslos sein Rudel verteidigt hätte, der aber auch genauso kompromisslos der liebevollste „Vaterersatz“ für alle Welpen, egal wie alt und welcher Rasse zugehörig, war!

Wotan nahm jeden Welpen auf und liebevoll wurde dieser dann an alles herangeführt. So wuchsen alle Welpen unter seiner Obhut heran und alle Mütter gaben ab der vierten Woche ihre Welpen gerne an Wotan ab.

Das ist unglaublich, sagen Sie?

Aber so war es bei uns. Alle Babys, die bei uns geboren wurden, wurden von unserem Wotan auf ihr weiteres Leben vorbereitet, und alle unsere Hündinnen überließen ab der vierten Lebenswoche ihre Welpen unserem Wotan.

Ich denke, die Hunde wissen genau, was sie tun, vor allem wissen sie als Mütter immer, was das Beste für ihre Welpen ist.

Je älter die kleine Rasselbande von Jessy wurde, umso mehr wurde klar, dass Dakota bei mir bleiben würde.

Ich kann noch nicht einmal genau sagen, warum ausgerechnet sie es aus diesem Wurf war. Schließlich waren es insgesamt 9 Welpen, 5 Jungs und 4 Mädchen, und alle waren schwarz.

Vielleicht war es ihr ausdrucksstarker Kopf, ihre Augen, die einen so abschätzend mustern konnten, ihre so eigene Art, sich zu bewegen, oder war es einfach so, dass sie bei mir bleiben musste?

6

Mit gerade mal acht Wochen begleitete sie mich bereits zusammen mit ihrer Mutter auf ein Abseiltraining der Rettungshundestaffel.

Dakota lief auf ihren kurzen Beinen frei zwischen allen anderen Hunden und Menschen herum und bestaunte das rege Treiben um sie.

Als die Hunde in „Rucksäcken“ abgeseilt wurden, schaute sie, obwohl sie erst 8 oder 9 Wochen alt war, nach oben und verfolgte gebannt das Geschehen in der Steilwand.

Plötzlich passierte es, Elke verlor irgendwie den Halt und konnte sich nur noch mit Mühe in der Wand halten.

Rauf oder runter war ihr nicht mehr möglich.

Obwohl die Situation auch für den Hund, der sich angeschnallt auf ihrem Rücken befand, sehr unangenehm wurde, behielt dieser eisern seine Ruhe.

Schnell wurden die anderen Teilnehmer auf die missliche Lage der beiden aufmerksam. In aller Eile wurde ein Rettungsteam zusammengestellt. Man versuchte, zu ihr abzusteigen.

Die Zeit verging, Elke kämpfte gegen die Schwäche ihrer Hände, die sich an einem dünnen Seil langsam zu lösen begannen.

Inzwischen hing sie waagerecht in der Wand. Ihre Kraft ließ immer mehr nach. Ihr Hund wurde, aufgrund dessen, dass Elke immer mehr den Halt verlor und rutschte, kopfüber gekippt. Trotzdem blieb er immer noch völlig ruhig und zappelte nicht.

Die Männer versuchten ihr Bestes.

Aber es dauert, bis man so eine Wand runter geklettert ist, das geht nicht mal eben. Wir hielten alle die Luft an, Elke rutschte immer weiter ab.

Endlich waren die Helfer bei ihr angelangt und kamen ihr zu Hilfe. Es wurde auch allerhöchste Zeit, haltet ihr euch und euren Hund mal an einem Seil fest, in einer unzulänglichen Steilwand.

Das war alles andere als witzig.

Elke und ihr Hund wurden „geborgen“.

Außer einem großen Schreck war ihr und ihrem Hund nichts passiert.

Aber warum erzähle ich das? Das kann ich euch sagen!

Dakota, dieser kleine Hund mit ihren wenigen Lebenswochen, schien die Situation genau einzuschätzen. Damals tat ich das ab als Zufall, aber war das wirklich Zufall?

Sie hatte sich zum Zeitvertreib ein kleines Stöckchen geholt, sich einen schönen Platz ausgesucht und lag dort und kaute auf ihrem Stock herum.

Plötzlich ließ sie ihr Stöckchen Stöckchen sein und starrte gebannt auf die Wand…

Es schien als würde sie verstehen, was los war. Sekunden danach lief sie auf die Stelle zu, an der Elke in der Wand hing.

Es war weit über Dakota, aber unten stand dieser kleine 8 Wochen alte Hund und bellte aus Leibeskräften…

Dakota wuchs heran und wurde im Verlauf ihres Wachstums, schlanker und wie ich es nenne „spirriger“!

Unter „spirriger“ verstehe ich lang und dünn. Zu dünn, zu hochbeinig und so gar nicht wie ich es mir wünschte.

Vom Wesen glich sie ebenfalls gar nicht ihrer Mutter.

Dakota war reserviert, sogar eher schüchtern, wenn Fremde kamen.

Sie hielt sie sich aus dem allgemeinen Getümmel, den Besuch immer auslöste, raus. Abwartend stand sie meist etwas hinter den anderen und schaute dem Treiben zu.

Zunächst machte ich mir keine Gedanken, ich dachte an eine „Lebensphase“, aber sie wurde 7 Monate, und sie wurde 8 Monate, und nichts änderte sich an ihrem reservierten Verhalten.

Sie war auch optisch anders als ihre Mutter Jessy, und ihr Wesen glich nicht dem, was meine anderen Hunde ausmachte.

So langsam machte ich mir etwas Sorgen, Ich wollte eigentlich weder einen so schlanken Hund, ich mag es lieber kompakt und kurz im Körper, mit dicken Pfoten und breitem Kopf, (wie alle meine anderen Hunde), noch wollte ich einen Hund, der sich so reserviert verhielt.

Ihre Mutter war das genaue Gegenteil, immer lustig, immer gut drauf, immer für alles zu begeistern und vor allem absolut loyal. Sie mochte alle anderen Tiere, Kinder, Leute und liebte die Arbeit auf dem Hundeplatz.

Trotz ihres sehr freundlichen Wesens, beschützte und behütete sie ihr Rudel und ihre Menschen rigoros.

7

Da gab es einmal eine richtig dumme Sache, eigentlich viel zu peinlich, um sie hier zu erzählen. Heutzutage sagt man viele Sachen nicht mehr, damals war alles selbstverständlicher.

Aber heute ist es eher so, dass sehr vorsichtig mit Worten umgegangen werden muss.