Daniels Gefährte - Lynn Tyler - E-Book

Daniels Gefährte E-Book

Lynn Tyler

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Beschreibung

Manche Geheimnisse sind nicht dazu gedacht, für immer geheim zu bleiben. Der große, verschlossene Wolfswandler Daniel Carter ist seit Jahren auf der Flucht. Als er sich als Einzelwolf endlich in Smooth Rock Falls niederlässt, hat er das Gefühl, dass er vielleicht tatsächlich eine Chance hat, das Geheimnis zu bewahren, das er seit Jahren mit sich herumträgt. Trevor Armstrong erholt sich noch immer von einem halben Jahr des Horrors. Er will keinesfalls erneut unter der Kontrolle eines Alphas sein. Als Daniel Trevor die Möglichkeit bietet, sich zu erholen, ohne vor dem örtlichen Alpha einen Eid abzulegen, ergreift er sie sofort. Aber Geheimnisse sind nicht immer dazu gedacht, für ewig bewahrt zu werden, und ein falscher Schritt kann sie alle zerstören. Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 63.600 Wörter

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

ÜBER LYNN TYLER

LESEPROBE:

Daniels Gefährte

Manche Geheimnisse sind nicht dazu gedacht, für immer geheim zu bleiben.

Der große, verschlossene Wolfswandler Daniel Carter ist seit Jahren auf der Flucht. Als er sich als Einzelwolf endlich in Smooth Rock Falls niederlässt, hat er das Gefühl, dass er vielleicht tatsächlich eine Chance hat, das Geheimnis zu bewahren, das er seit Jahren mit sich herumträgt.

Trevor Armstrong erholt sich noch immer von einem halben Jahr des Horrors. Er will keinesfalls erneut unter der Kontrolle eines Alphas sein. Als Daniel Trevor die Möglichkeit bietet, sich zu erholen, ohne vor dem örtlichen Alpha einen Eid abzulegen, ergreift er sie sofort.

Aber Geheimnisse sind nicht immer dazu gedacht, für ewig bewahrt zu werden, und ein falscher Schritt kann sie alle zerstören.

Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.

Länge: rund 63.600 Wörter

LYNN TYLER

Daniels Gefährte

Pack Mates 6

Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene

ME AND THE MUSE PUBLISHING

www.meandthemuse.com

Copyright © der englischen Originalausgabe „Daniel’s Mate“:

Lynn Tyler

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:

Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe

Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2018

Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs

Übersetzt von: Jutta E. Reitbauer

URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZT:

Dieses Buch darf ohne vorherige eindeutige schriftliche Zustimmung des Urheberrechtsinhabers in keinerlei Form, weder ganz noch auszugsweise, vervielfältigt und / oder vertrieben werden. Dies beinhaltet auch die elektronische und fotografische Vervielfältigung sowie zukünftig entwickelte Methoden. Ebenso ist die kostenlose Weitergabe dieses Buches, beispielsweise über sogenannte File-Sharing Sites ausdrücklich untersagt.

Mit dem Erwerb eines E-Books erhält der Käufer die Lizenz zur persönlichen Nutzung, ist jedoch nicht zur Weitergabe des Inhaltes an Dritte, weder gegen Entgelt noch kostenlos, berechtigt.

Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.

Bitte beachten:

Einige unserer Titel enthalten Hinweise auf und Beschreibungen sexueller Handlungen, die möglicherweise eine Gefährdung körperlicher und geistiger Gesundheit darstellen können. Mit der Beschreibung solcher Praktiken erheben wir keinen Anspruch auf deren tatsächliche Durchführbarkeit und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Verletzungen oder Schäden, die bei der Nachstellung solcher oder vergleichbarer Handlungen entstehen. Generell raten wir unseren Lesern davon ab, potenziell gefährliche Sexualpraktiken ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Anleitung durch Personen mit ausreichender Sachkenntnis durchzuführen.

Kapitel 1

Der Knoten in Daniel Carters Magen löste sich in dem Moment auf, als er seine Wohnung betrat und sah, wie die menschliche Frau von ihrem Buch aufblickte und ihn anlächelte.

„Hey, Jen“, sagte er, während er sich die Schuhe auszog.

Die Frau grinste und steckte ein Lesezeichen ins Buch, bevor sie aufstand. „Hey, Dan. Wie war deine Besprechung?“

Dan liebte diese Frau. Wirklich. Sie war immer gewillt, in seine Wohnung zu kommen, wann immer er irgendwo hinfahren musste. Die mütterliche Frau in den Fünfzigern war eine unersetzliche Hilfe, und er ging sicher, dass er ihr das auch alle paar Tage sagte. „Es lief gut, danke. War er brav?“

Jen gestikulierte mit einer Hand in der Luft und schnaubte. „Natürlich war er brav. Das ist er immer. Er bereitet mir nie Schwierigkeiten. Er sagte, dass er hungrig ist. Ich hätte ja mit dem Abendessen angefangen, aber ich wusste, dass du nicht lange weg sein würdest.“

Dan nickte und sah zu der geschlossenen Tür am Ende des Flures. Lucas würde ihm bald die Haare vom Kopf fressen. Er half Jen in die Jacke und scherzte: „Ich frage mich dauernd, wann er ein Fass ohne Boden wurde.“

„Alle Jungs in diesem Alter haben großen Appetit. Ich warne dich. Mach dich auf seine Pubertät gefasst. Er wird zur gleichen Zeit launisch und am Verhungern sein. Glaub mir, das ist kein schöner Anblick. Ich erinnere mich, als mein jüngster dreizehn wurde. Er hat gedacht, dass die Welt untergeht, falls ich ihm nicht pünktlich um fünf Uhr seine Pizza hingestellt habe.“

Er verdrehte die Augen und überreichte Jen einen Zwanzig-Dollar-Schein. „Danke fürs Vorbeischauen“, sagte er. „Du bist die Beste.“

Jen sah auf das Geld und schnaubte. „Ich hab’s dir schon oft gesagt, Daniel. Du musst mich nicht bezahlen, wenn ich nur für eine Stunde hier bin, und zwanzig ist viel zu viel.“

Jetzt war er an der Reihe, mit einer Hand zu gestikulieren. „Du hast keine Ahnung, wie viel deine Hilfe für uns bedeutet. Also nimm es einfach und grüß deine Jungs von mir. Sag ihnen, ich habe am Samstag Zeit, falls sie noch immer ein paar Selbstverteidigungstechniken lernen wollen.“

Er sah Jen zu, wie sie zum Aufzug ging, und spazierte dann zum Fenster, um ein Auge auf sie zu haben, damit sie auch sicher zu ihrem Auto kam. Als Mensch hatte sie keine Ahnung, welche Kreaturen da draußen herumliefen.

Gefährliche Kreaturen.

Und nach allem, was in letzter Zeit geschehen war, wollte er sicher sein, dass sie solchen Kreaturen aus dem Weg ging.

Er rieb sich mit einer Hand übers Gesicht und wandte sich vom Fenster ab, als Jen den Motor anließ und wegfuhr. Sie hatte wirklich keine Ahnung, wie sehr sie ihm half. Lucas war erst zehn Jahre alt, noch nicht annähernd alt genug, um alleine zu Hause zu bleiben, obwohl der Junge oft genug darauf bestand.

Als ob er von Dans Gedanken alarmiert worden sei, meldete sich Lucas aus seinem Zimmer. „Dad?“

Dan lächelte bei dem kräftigen Klang der Stimme seines Sohns. Es hatte eine Zeit gegeben, da war er nicht sicher gewesen, ob er sie je wieder hören würde, also störte es ihn nicht wirklich, dass Lucas aus seinem Zimmer rief, statt herauszukommen, um mit ihm zu reden.

„Hey, Lukey“, erwiderte er, ging den Flur hinunter und steckte den Kopf durch die offene Tür ins Zimmer seines Sohns.

Lucas rümpfte die Nase und streckte die Zunge heraus. „Nenn mich nicht Lukey“, beschwerte er sich. „Ich bin zehn Jahre alt, Dad. Kein Baby.“

„Richtig“, sagte er und wuschelte seinem Sohn durch die Haare. Es hatte keinen Sinn, Luke zu sagen, dass er immer Dans Baby sein würde. Das würde der Junge erst verstehen, wenn er selbst Kinder hatte.

Falls das überhaupt möglich war.

Mit einem Kopfschütteln vertrieb er den düsteren Gedanken und grinste seinen Jungen an. „Du hast gerufen?“

Lucas’ finsterer Blick hellte sich sofort auf, und er deutete auf das Blatt Papier auf seinem Schreibtisch. „Kannst du mir bei dieser Mathe-Aufgabe helfen? Ich verstehe nicht, wie die Lösung fünf sein soll.“

Dan seufzte, als er auf die Mathe-Aufgabe sah. Von allen Hausaufgaben war Mathe am schwersten zu verstehen. Oh, er wusste, wie man mit Summen umging. Es war diese neue Mathe-Sache, bei der er Probleme hatte. Ihm erschloss sich ernsthaft nicht der Sinn darin, rückwärts zu zählen und unter jedem Schritt irgendwelche merkwürdigen Zahlen hinzuzufügen. Das letzte Mal, als er von der Methode des Lehrers abgewichen war, hatte Lucas Punkte verloren, weil er seinen Rechenweg nicht zeigte, obwohl die Lösung richtig gewesen war.

Er beugte sich hinunter und versuchte, einen Sinn in dem Diagramm auf dem Papier zu erkennen. Warum konnten sie nicht bei einer einfachen Methode bleiben?

„Tut mir leid, Luke. Ich weiß, dass die Lösung fünf ist, aber ich kann dir nicht sagen, wie du mit dieser Methode dorthin kommst. Lass mich im Internet suchen, vielleicht kann ich es herausfinden, okay?“

Lucas blickte finster auf die Zahlen und stach mit seinem Bleistift auf die Aufgabe ein. „Warum muss ich zu Hause unterrichtet werden? Warum kann ich nicht auf eine normale Schule gehen?“

Dan unterdrückte das Seufzen, das seiner Kehle zu entkommen drohte. Es war immer der gleiche Streit. Er endete auch immer auf die gleiche Art. „Du weißt, warum du nicht auf eine öffentliche Schule gehen kannst.“

„Das ist dämlich“, sagte Lucas. Schmollend schob er seine Mathe-Aufgabe beiseite und holte den Ordner für Geschichte heraus. „Wo soll ich anfangen?“

Lucas hatte keine Ahnung, wie sehr Dan sich wünschte, seinen Sohn in die Schule schicken zu können. Es gab nichts, was er nicht tun würde, um ihm ein normales Leben zu ermöglichen. Doch es war ihm nicht vorherbestimmt. Stattdessen kämpften sie beide mit Dans ungeschickten Versuchen, ihn zu unterrichten.

Allerdings hatte Hausunterricht auch einen Vorteil. „Ich glaube, du hast für heute genug gemacht. Wir werden morgen mit der Schlacht auf der Abraham-Ebene weitermachen.“

„Können wir nach Quebec fahren und uns die Abraham-Ebene anschauen?“, fragte Lucas, als er den Ordner auf seinem Schreibtisch zurückschob und den Bleistift in die Nähe seines Stiftehalters warf.

„Das ist nicht unbedingt direkt um die Ecke“, erwiderte Dan und versuchte zu vermeiden, seinem Sohn eine negative Antwort zu geben. „Bis Quebec City ist es mit dem Auto mindestens ein Tag.“

„Ich weiß“, sagte Lucas stirnrunzelnd. Ganz offensichtlich verstand er, dass die Antwort ein weiteres Nein war. „Ich habe gedacht, dass wir vielleicht eines Tages … Ach egal.“

„Eines Tages werden wir dorthin fahren“, versprach Dan, während seine Gedanken rasten. Wie viele Gestaltwandler-Territorien würden sie bei einer Fahrt nach Quebec durchqueren müssen? Zum Teufel, es musste ein Rudel in Quebec geben, dass er zumindest kontaktieren musste. Und nicht viele Alphas waren gewillt, einen Einzelwolf für eine Besichtigungstour auf ihr Territorium zu lassen.

„Sicher. Kann ich auf der Wii spielen?“, fragte Lucas.

Dan grinste beim plötzlichen Themenwechsel seines Sohns. Lucas war keiner, der sich von den Umständen lange die Laune vermiesen ließ. „Klar. Und ich habe diese Sendung, die uns beiden gefällt, aufgenommen. Wir könnten Popcorn machen und sie uns nach dem Abendessen ansehen.“

Grinsend rieb sich Lucas den Bauch. „Klingt gut. Was gibt’s überhaupt zum Essen?“

„Pasta und Salat mit Knoblauchbrot“, antwortete Dan und musste lächeln, als Lucas sich die Lippen leckte.

„Mit Fleischsauce?“

Es bestand kein Zweifel daran, dass sein Sohn ein Werwolf war. Dan war ziemlich sicher, dass kein Mensch einen solchen Ausdruck in den Augen hatte, wenn er an Fleisch dachte. „Natürlich.“

Lucas schob sich vom Schreibtisch zurück, und Dan trat zur Seite, damit er mit dem Rollstuhl zur Tür hinaus in den Flur kam.

„Ich möchte trotzdem auf eine normale Schule gehen, weißt du“, sagte Lucas über seine Schulter.

„Ich weiß“, erkannte Dan diesen Wunsch an, statt darüber zu streiten. Er schüttelte den Kopf und verzog das Gesicht. Er hätte wissen sollen, dass Lucas das Thema nicht einfach fallenlassen würde. Es war nie in der Natur seines Jungen gewesen, klein beizugeben.

Lucas hielt vorsichtigen Abstand zum Couchende, parkte seinen Rollstuhl vor dem Fernseher und streckte den Arm aus, um die Spielkonsole einzuschalten. Es brach Dan das Herz zu sehen, wie sein Sohn damit zu kämpfen hatte, in seinem Zuhause herumzukommen. Leider gab es in Smooth Rock Falls wenig Auswahl, was behindertengerechte Wohnungen anging. Und Declan O-Halloran, der Alpha des Smooth Rock Falls Wolfsrudels, war der einzige Alpha gewesen, der gewillt war, einen Einzelwolf auf seinem Territorium zu dulden.

Dan fuhr seinen Computer hoch, bevor er einen Topf mit Wasser füllte. Sobald es kochte, setzte er sich an den Küchentisch, öffnete seinen Lieblingsbrowser und tippte die Worte „neue Mathematik“ in die Suchleiste. Er klickte auf den ersten Eintrag und wartete darauf, dass die Seite lud.

Lucas stieß einen Jubelschrei aus, als er das Videospiel spielte, und sein dünner Körper schwang im Rollstuhl hin und her, während er den Controller durch die Luft zog.

Plötzlicher Schmerz breitete sich in Dans Brust aus, als er dem Jungen zusah. Lucas war das Beste in seinem Leben. Er hatte keine Ahnung, was er ohne ihn tun würde.

Wasser zischte, als es unter dem Deckel des Kopfes hervorquoll, und er eilte zum Herd und ignorierte die kleine Verbrennung, die er erhielt, als er den heißen Deckel hochhob. Er gab die Pasta ins Wasser, rührte um und nahm kaum die Nudeln wahr, während sie weicher wurden.

Er wollte seinem Sohn die Sterne vom Himmel holen. Sein größter Wunsch war es, dass Lucas alles erleben durfte, was die Welt zu bieten hatte, und es betrübte ihn, dass Lucas in der kleinen Wohnung feststeckte, wo er kaum genug Platz hatte, um mit dem Rollstuhl zu manövrieren. Er hatte alles so behindertengerecht wie möglich eingerichtet, aber selbst er hatte Grenzen.

Vielleicht war es an der Zeit, dass er und Lucas weiterzogen. Vielleicht gab es irgendwo da draußen eine Stadt, die noch nicht von irgendeinem Rudel als Territorium beansprucht worden war. Dann könnte er Lucas zumindest in die Schule schicken.

Er wusste, dass so etwas kaum passieren würde. Er hatte bis jetzt noch keinen Ort gefunden, der nicht irgendwo auf dem Territorium eines Alphas lag.

Er wusste, dass er sich zum Essen zwingen müssen würde. Bei dem Gedanken, was der Alpha tun könnte, falls er je von Lucas erfuhr, war ihm der Appetit völlig vergangen.

Dan stellte sich darauf ein, eine weitere Nacht am Bett seines Sohns zu verbringen und über ihn zu wachen. Er würde tun, was immer notwendig war, um Lucas zu beschützen.

Auf keinen Fall würde er zulassen, dass ein Alpha ihm seinen Sohn wegnahm.

Kapitel 2

Trevor wälzte sich auf dem Bett hin und her und riss den Kopf nach oben, als Schritte vor seiner Tür hielten. Er krabbelte über die Matratze und presste sich in den schmalen Spalt zwischen Bett und Wand. Es war nicht einmal annähernd bequem. Leider hatte er sonst nichts, hinter dem er sich verstecken konnte.

Als sich die Tür knarrend einen Spalt öffnete, rührte er sich nicht, auch wenn er wusste, dass er sich lächerlich aufführte. Niemand hatte ihm wehgetan, seit er aus diesem verdammten Käfig freigelassen und hierher gebracht worden war, wo auch immer hier war. Abgesehen davon konnte er seinen Geruch gar nicht vor dem Ältesten verbergen.

„Trevor?“, rief der Älteste. Seine Stimme war sanft, als ob er erwartete, dass Trevor jeden Augenblick davonstürmen könnte. „Trevor? Die aus der Küche haben mir gesagt, dass du dein Abendessen wieder nicht gegessen hast. Stimmt etwas damit nicht? Soll ich ihnen sagen, dass sie etwas anderes machen sollen?“

Trevor seufzte und kroch aus seinem Versteck. Er war nicht sicher, was der Älteste von ihm erwartete. Schließlich konnte er dem Mann keine Antwort geben. Er steckte in seiner Wolfsgestalt fest, seit sein ehemaliger Alpha ihm die Scheiße aus dem Leib geprügelt und ihn in einen gottverdammten Käfig gesteckt hatte.

Was seine Essgewohnheiten anging, nun, es gab nicht viel, was er dagegen tun konnte. Es war ja nicht so, dass er gar nichts fraß, denn das tat er. Er schlang so viel hinunter, wie er nur konnte, bevor er den Teller mit der Nase wegschob. Als der Rat ihn gerettet hatte, war er vor Hunger halb verrückt gewesen, und er schätzte, dass sein Magen einfach noch nicht seine vorherige Aufnahmekapazität wiedererlangt hatte.

Der Älteste seufzte und setzte sich neben ihn auf die Matratze. Trevor senkte den Blick und versuchte, nicht zu viel Angst zu zeigen. Eine sanfte Hand strich durch das Fell am Ansatz seiner Ohren. Trevor zuckte zusammen, wich aber nicht zurück. Wenn dieser Älteste, einer der mächtigsten Wölfe ihrer Art, ihn streicheln wollte, musste Trevor es zulassen.

Falls er in der Lage gewesen wäre, sich wieder in einen Menschen zu verwandeln, hätte er geweint. Früher einmal hätte er liebevolle Berührungen wie diese von einem dominanteren Wolf willkommen geheißen. Es war immer schön, sich eine Weile von jemandem umsorgen zu lassen.

Die sechs Monate, die er in dem Käfig verbracht hatte, hatten diese Art Trost völlig ruiniert.

Nun, um fair zu sein, hatte er nicht die ganzen sechs Monate in dem Käfig verbracht, aber die Zeit außerhalb des Käfigs war noch furchtbarer gewesen. Er erwartete noch immer, den Schmerz eines glühenden Schürhakens zu spüren, der in seine Seite gestoßen wurde.

„Wir haben veranlasst, dass du und einige deiner Rudelfreunde zum Smooth Rock Falls Rudel überstellt werden“, sagte der Älteste schließlich.

Trevor spannte sich an, und seine Muskeln verkrampften sich schmerzhaft. Nach dem ganzen Scheiß, den sein voriges Rudel ihnen angetan hatte, hatte er ernsthafte Zweifel, dass er vom Smooth Rock Falls Rudel mit offenen Armen empfangen werden würde.

Die Entscheidung des Ältesten war vor langer Zeit getroffen worden, und Trevor hatte versucht, sich für den unvermeidlichen Hass zu wappnen, der ihn nach seiner Ankunft dort erwarten würde. Er hatte die leise Hoffnung gehegt, dass der Rat diese Entscheidung überdenken würde. Schließlich waren alle sechs schon seit Monaten hier, um sich zu erholen.

Der Älteste redete weiter. „Wir wollten bis morgen früh warten, um euch zu verlegen, aber es ist entschieden worden, je schneller ihr nach Smooth Rock Falls kommt, desto besser. Der Wagen wartet bereits.“

Es hatte keinen Sinn, zu versuchen, einen Aufschub zu erwirken. Mit zitternden Beinen sprang Trevor vom Bett und verließ zum ersten Mal, seit er in das Haus des Rats gekommen war, das Zimmer, das ihm zugeteilt worden war. Er musste ein paar Mal stehenbleiben, um sich zu sammeln, und die Treppen stellten sich als besonders schwierig heraus.

Geduldig spazierte der Älteste neben ihm her, trieb ihn nie zur Eile an und zeigte kein Anzeichen von Frustration. Eine freundliche, ältere Frau wartete an der Tür auf sie.

„Trevor“, flüsterte sie, als sie sich vor ihm hinkniete.

Der Geruch sagte ihm sofort, dass sie die Gefährtin des Ältesten neben ihm war.

Mit schiefgelegtem Kopf sah er sie an, darauf bedacht, ihren Blick nicht zu erwidern. Sie war nicht so dominant wie er, das konnte er spüren, aber ihr Gefährte könnte ihn mit einem Hieb seiner Krallen töten.

Auch sie strich mit den Fingern durch das Fell auf seinem Kopf. „Trevor, du erinnerst mich so sehr an meinen Schwiegersohn. Du wirst ihn kennenlernen, wenn du nach Smooth Rock Falls kommst. Sein Name ist Quinn und er wird dir helfen, wenn du ihn lässt.“ Sie schluckte, und eine einzelne Träne lief ihr übers Gesicht. „Er weiß, was du durchmachst. Bitte lass dir von ihm helfen.“

Der Älteste klopfte seiner Gefährtin auf die Schulter, und sie richtete sich auf. „Mach dir nicht zu viele Sorgen, Liebling“, murmelte der Älteste, „und wein nicht. Denk dran, wie gut sich Quinn entwickelt hat.“

Sie bückte sich wieder und sah Trevor direkt in die Augen. Etwas in ihrem Blick hielt ihn davon ab, wegzusehen. „Ich habe dir eine Tasche gepackt, die du mitnehmen kannst. Sie ist bereits im Lieferwagen. Darin sind einige Sachen zum Anziehen, einer dieser neumodischen Musik-Player und ein paar Bücher. Ich habe nicht gewusst, was du gerne liest, also habe ich einfach ein paar Bestseller ausgesucht.“

Falls sich Trevor in seiner menschlichen Gestalt befunden hätte, wäre er errötet. Er war gerührt, dass jemand so sehr an ihn dachte, um ihm eine Tasche zu packen, vor allem da sie ihn ja nie als Menschen gesehen hatte. Offensichtlich war sie zuversichtlich, dass er nicht für immer in dieser Gestalt feststecken würde. Er wünschte, er hätte sich vernünftig bei ihr bedanken können. Stattdessen hob und senkte er einfach seinen Kopf.

Die Frau schien ihn allerdings zu verstehen, denn sie lächelte ihn strahlend an. Sie machte einen Schritt zurück, und er folgte dem Ältesten zur Tür hinaus in den kühlen Abend. Die frische Luft kitzelte in seiner Nase, und er nieste einige Male. Es fühlte sich gut an, wieder im Freien zu sein, und er legte den Kopf schief, als er in weiter Entfernung Beute roch. Sein Magen knurrte und seine Sicht wurde schärfer.

Der Älteste beobachtete ihn aufmerksam. „Es kann schwer sein, den Jagdtrieb nicht erfüllen zu dürfen, besonders da du das seit Monaten nicht gemacht hast. Wirst du es problemlos nach Smooth Rock Falls schaffen?“

Trevor wusste zu schätzen, dass der Älteste mit ihm wie mit einem Menschen redete. Es half ihm dabei, seine Wolfsinstinkte zu zügeln. Erneut neigte er den Kopf und stolperte auf den dunklen Lieferwagen zu, der in der Auffahrt wartete.

An der Tür blieb er stehen und spähte hinein. Fünf andere Menschen starrten ihn an, und er wich ein Stück zurück. Sie alle waren Mitglieder seines alten Rudels gewesen und hatten auch alle seine Bestrafung miterlebt. Ein oder zwei von ihnen waren damit beauftragt gewesen, ihm das bisschen Essen, das ihm erlaubt worden war, durch die Stäbe seines Käfigs zu schieben.

Jeder einzelne von ihnen hatte versucht, ihm zu helfen, und dafür gebüßt.

Es gab nur mehr einen freien Sitz, direkt neben einem der weiblichen Wölfe. Nachdem die Frau versucht hatte, ihn aus seinem Käfig zu lassen, war sie gezwungen worden, dabei zuzusehen, wie zwei Menschen abgeschlachtet wurden. Der Schock hatte dafür gesorgt, dass sie tagelang nicht ansprechbar war.

Sie lächelte ihn schwach an und klopfte auf den Sitz. „Verwandle dich einfach und setz dich neben mich.“

Beschämt ließ er den Kopf hängen. Er hatte heute früh versucht, sich zu verwandeln, und war kläglich daran gescheitert. Nicht gewillt, den verbleibenden Mitgliedern seines früheren Rudels zu zeigen, wie sehr er zu kämpfen hatte, stand er einfach nur reglos da.

„Komm schon“, drängte sie. „Es ist nicht genug Platz, wenn du in deiner Wolfsgestalt bleibst.“

Trevor kam sich dämlich vor, also holte er tief Luft und konzentrierte sich darauf, seiner menschlichen Seite zu erlauben, zu übernehmen.

Er erschauerte einige Male, als die Veränderung in ihm begann. Seine Muskeln zogen sich zusammen, Knochen schrumpften und verformten sich. Ein Schauer der Aufregung lief durch ihn. Das war es. Er würde endlich wieder in der Lage sein, auf zwei Beinen zu stehen und seine Bedürfnisse mit Worten zum Ausdruck zu bringen.

Der erste, heiße Schub Schmerz, den er völlig erwartet hatte, brach seine Verwandlung ab. Der Wolf ergriff sofort wieder die Kontrolle, und seine Muskeln und Knochen kehrten in den Zustand zurück, in dem sie bereits seit mehr als einem halben Jahr verharrten.

Er war völlig erschöpft, und seine Beine gaben unter ihm nach. Keuchend lag er auf dem harten Asphalt der Auffahrt und wünschte sich, dass sein ehemaliger Alpha ihn einfach umgebracht hätte.

Der Älteste hockte sich vor ihm hin. „Es tut mir leid, Trevor“, flüsterte er. „In deiner Wolfsgestalt hast du keinen Platz im Inneren des Wagens. Du wirst hinten mitfahren müssen.“

Großartig. Also war seine Demütigung vor den anderen Wölfen jetzt vollständig. Er konnte nicht einmal mehr die Kraft finden, sich alleine hochzukämpfen, geschweige denn in den verdammten Kofferraum des Vans zu springen. Die Arme des Ältesten schoben sich unter ihn und hoben ihn in die Luft. Er schloss die Augen, um seine Scham zu verbergen, als der Älteste ihn hinten in den Lieferwagen legte.

„Mach’s gut“, sagte der Älteste zu ihm. „Lass dir von Quinn helfen.“

Der Wagen fuhr los und auf die Straße hinaus. Trevor ließ seine Gedanken ein wenig wandern, während ein Teil von ihm wachsam blieb. Seit die Gefährtin des Ältesten den Namen Quinn gesagt hatte, nagte eine Erinnerung an ihm. Er war sicher, dass er den Namen schon zuvor gehört hatte und dass er etwas Wichtiges bedeutete. Doch egal wie sehr er sich bemühte, er konnte ihn nicht zuordnen.

Sie waren schon eine Weile unterwegs, als ihm die Bedeutung des Namens einfiel.

Quinn, der Gefährte des Alphas vom Smooth Rock Falls Rudel.

Derjenige, den der verrückte Beta aus British Columbia, der sich ihrem Rudel angeschlossen hatte, versucht hatte umzubringen.

Oh Scheiße. Man kam nicht einfach ungeschoren davon, wenn man versucht hatte, den Gefährten eines Alphas umzubringen. Der irre Wolf war getötet worden, aber er traute dem Rudel zu, dass sie ihren neuen Mitgliedern das übelnahmen.

Er konzentrierte sich darauf, seine Angst unter Kontrolle zu bekommen, da er wusste, dass es definitiv die anderen beeinflussen würde. Er war nicht der dominanteste Wolf im Wagen, aber er war auch nicht unterwürfig.

Zumindest war er früher nie unterwürfig gewesen. Er fühlte sich nicht mehr besonders dominant. Eigentlich hatte er sogar vor seinem eigenen Schatten Angst. War es möglich, dass sich ein dominanter Wolf in einen unterwürfigen verwandelte?

Schließlich hielten sie vor einem Tor, und der Fahrer führte eine kurze Unterhaltung mit dem Wolf, der Wachdienst hatte. Das Gespräch war kurz und bestand darin, dass der Fahrer die „neuen Rudelmitglieder“ erwähnte. Die Wache steckte kurz den Kopf in den Van und schien alle und alles im Inneren zu begutachten, ehe er einen Schritt zurück machte.

Das Tor öffnete sich, und der Lieferwagen fuhr eine holprige Straße entlang. Trevor drückte sich so flach wie möglich auf dem Boden und wartete, bis sie angehalten hatten, ehe er sich langsam aufrichtete und aus dem Rückfenster sah. Sie waren vor einem großen Haus stehengeblieben. Die Fenster leuchteten hell in der Dunkelheit. Er schätzte, wenn er jemand anders wäre, würde dieses Leuchten einladend wirken, doch ihn erinnerte es nur an die Art, wie die Augen seines Alphas im dunklen Keller geschimmert hatten, wenige Momente, bevor er ihn gefoltert hatte.

Merkwürdigerweise verebbte seine irrationale Angst. Trotz der Situation hatte er das Gefühl, sich selbst viel mehr unter Kontrolle zu haben als noch vor zehn Minuten.

Dieser Gedanke hätte ihn in Panik verfallen lassen sollen, doch er hatte schlicht und einfach nicht die Energie, sich so weit hineinzusteigern, dass es ihn tatsächlich kümmerte.

Als die Tür des Vans aufglitt, richteten sich seine Ohren auf, und er hörte, wie die Fahrgäste ausstiegen. Keine zehn Sekunden später hob sich die Heckklappe, und er starrte einen äußerst besorgten, blonden Mann an.

„Hi“, sagte dieser. „Du musst Trevor sein.“ Der junge Mann redete weiter mit ihm, als ob er in seiner menschlichen Gestalt wäre. „Ich bin Quinn. Quinn O’Hallaran. Meine Schwiegermutter hat mich angerufen. Sie macht sich wirklich Sorgen. Willst du reinkommen oder sollen wir noch eine Weile hierbleiben?“

Wow. Holt dieser Typ überhaupt einmal Luft beim Reden? Trevor blieb wo er war, ein wenig verwirrt durch die Aufmerksamkeit des blonden Mannes.

Das war der Wolf, vor dem sein Ex-Alpha und der verrückte Kerl aus B. C. sie gewarnt hatten? Den hatten sie töten wollen? Oder schlimmer noch, besitzen?

„Quinn?“, rief jemand von der Veranda. „Alles okay?“

„Ja, Dec. Es geht uns gut“, rief Quinn zurück. Er verdrehte die Augen und beugte sich näher zu Trevor. „Mein Mann ist ein wenig beschützerisch. Ich habe mein ganzes Gewicht in die Waagschale geworfen, um ihn dazu zu bringen, dass ich hier herauskommen und dich alleine treffen darf. Ich musste sogar versprechen … Nun ja, wahrscheinlich möchtest du nicht wissen, was ich ihm versprechen musste.“

Fasziniert hörte Trevor zu, als der junge Mann endlich einen tiefen Atemzug machte, ehe er weiterredete.

„Wie dem auch sei, ich weiß, wer du bist. Bettina hat mir gesagt, dass du es warst, der ihr geraten hat, die Mädchen zu nehmen und abzuhauen, ehe sich ein Alpha Honor schnappen konnte. Sie hat mir gesagt, dass du dafür schwer bestraft worden bist, also weiß ich, dass du ein guter Mann bist.“

Ein weiterer blonder Mann kam auf den Van zu. Er war ein Gestaltwandler, aber Trevor hatte noch nie einen solchen Geruch wahrgenommen.

„Das ist Pierce“, sagte Quinn, der der Richtung von Trevors Blicks folgte. „Er ist ein Tigerwandler. Es gibt auch einen Adlerwandler auf dem Rudelterritorium, also lass dich von den neuen Gerüchen nicht verwirren. Hi, Pierce.“

Der Tigerwandler lächelte Quinn nachsichtig an. „Hey. Ist das Trevor?“

Trevor veränderte unruhig seine Position. Hatte die Gefährtin des Ältesten jeden angerufen, den sie kannte?

„Es tut mir leid“, sagte Pierce, der offensichtlich Trevors Emotionen wahrnahm. „Bettina Nelson hat auf dich hingewiesen. Sie wollte herkommen, um dir für alles danken, was du für sie und ihre Enkel getan hast. Shannon hatte es ihr ausgeredet. Wir haben gedacht, dass du vielleicht zuerst gern ein bisschen Zeit hättest, um dich einzuleben. Sollen wir ins Haus gehen und herausfinden, was Declan möchte?“

Er ertappte sich dabei, dass er den beiden Männern aus dem Wagen und die Stufen zur Veranda hoch folgte. Bevor ihm noch klar war, was genau passierte, stand er im Keller, umgeben von dominanten Wölfen.

Kapitel 3

„Dad?“

Dan seufzte und bemühte sich, seine Verärgerung nicht zu zeigen. Lucas hatte ihn wieder genervt, ihn heute zu dem Rudeltreffen zu begleiten. Er verstand völlig, warum Lucas aus dieser Wohnung wollte und wusste auch, wie viel Spaß dieser wahrscheinlich mit den anderen Welpen haben würde.

Er konnte es einfach nicht riskieren.

„Was ist, Luke?“, fragte er, als er endlich ausreichend Gewalt über seine Stimme hatte.

„Dein Handy läutet die ganze Zeit.“

Tja, jetzt kam er sich richtig mies vor.

Lucas rollte herein, Dans Handy auf dem Schoß. „Dürfen Jen und ich uns heute einen Film ansehen?“

Dan nahm das Telefon entgegen und nickte seinem Sohn abgelenkt zu, während er durch die Anrufliste scrollte. Er runzelte die Stirn, als ein spezieller Name mehrere Male auftauchte: Lieutenant Colonel.

Warum um alles in der Welt sollte sein ehemaliger kommandierender Offizier, sein C. O., ihn jetzt anrufen? Und was war so dringend, dass er es gleich fünfmal hintereinander versuchte?

„Hör mal, Kumpel, ich muss diese Nummer gleich zurückrufen. Bist du fertig mit Mathe?“

Lucas nickte und hatte seine Aufmerksamkeit bereits auf die unzähligen Stapel an DVDs gerichtet, die Dan zur Unterhaltung seines Sohns gekauft hatte, um sich einen Film auszusuchen.

„Ich gehe zum Telefonieren ins Schlafzimmer. Falls Jen kommt, bevor ich fertig bin, lass sie herein. Mach niemand anderem die Tür auf.“

„Ich weiß, Dad“, erwiderte Lucas und klang so gelangweilt, wie es nur ein Zehnjähriger konnte. Dan konnte praktisch hören, wie sich Lucas’ Augen in ihren Höhlen drehten.

Als er die Tür zu seinem Schlafzimmer schloss, hatte er bereits auf Anrufen gedrückt. Hoffentlich hatte er nicht verpasst, wie– „Thompson.“

Das war sein C. O. Der verschwendete nie Zeit.

„Colonel“, grüßte er ihn. „Hier ist Dan Carter.“

„Danke, dass du mich zurückrufst, Dan. Ich muss dich um einen Gefallen bitten und wollte die Anweisungen nicht einfach auf der Mailbox hinterlassen.“

„Um was geht’s?“, sagte er sofort. Sein ehemalig C. O. war immer gut zu ihm gewesen. Er hatte die ganze Einheit gut behandelt, schien aber zu Dan besonders freundlich zu sein. Vielleicht lag es daran, weil er der Einzige in der Einheit gewesen war, der verheiratet war und ein Kind hatte.

Was immer der Fall war, Lieutenant Colonel Thompson war der Grund, warum die ehrenhafte Entlassung nach dem Tod seiner Frau so schnell über die Bühne gegangen war.

Dafür schuldete er dem Mann weit mehr als nur einen Gefallen.

„Ich habe vor einiger Zeit ein paar der anderen menschlichen Offiziere belauscht“, fing der Colonel an.

Dan blieb die Luft weg, als plötzliche Übelkeit in seinem Magen aufstieg. Sein C. O. hatte sich nie an Klatsch beteiligt, falls er dies also weitergab, konnte es nicht gut sein.

„Okay“, erwiderte er.

„Nun, du weißt ja, dass nur einige wenige auserwählte Personen über uns Bescheid wissen? Es scheint, dass sie Gerüchte gehört haben, dass irgendein Vertreter der Regierung vorhat, die Öffentlichkeit über die Existenz von Werwölfen zu informieren.“

„Scheiße“, flüsterte Dan. Das könnte wirklich hässlich werden, falls mit der Wahrheit über ihre Existenz nicht richtig umgegangen wurde.

„Genau.“

„Colonel, das ist Wahnsinn. Sind Sie sicher, dass sich diese Leute das nicht aus den Fingern gesogen haben?“

„Ich habe dir gesagt, dass du mich Mark nennen sollst, besonders jetzt, wo du entlassen bist“, schimpfte der Colonel mit ihm. „Und ich bin ziemlich sicher, dass in ihrem Gerede zumindest ein Körnchen Wahrheit steckt. Ich wollte mit dem Ältestenrat über diese Angelegenheit sprechen, wurde allerdings gewarnt, dass es in letzter Zeit etwas Unruhe im Rat gibt. Ich war nicht sicher, wem ich noch vertrauen kann.“

Dan schossen alle möglichen Szenarien durch den Kopf. Es hatte gerade erst einen Skandal im Tigerrat gegeben, als einer der Ältesten die ganze Rasse verraten und versucht hatte, den Omega Pierce zu versteigern. Er glaubte nicht, dass der Wolfsrat kompromittiert worden war.

Seine Gedanken wanderten zu Declan, dem Alpha des Smooth Rock Falls Rudels. „Ich werde mich mit Alpha O’Halloran treffen und herausfinden, was er dazu sagt.“

„Können wir ihm vertrauen?“

Dan musste nicht raten, wie sehr der Colonel nervös war. Er und der Rest der Einheit würden sich in einer äußerst verletzlichen Situation befinden, falls die Sache schlecht verlief.

„Ich denke schon. Sein Gefährte war einer derjenigen, die von den Manipulationen des Tiger-Ältesten betroffen waren. Declan würde bis zum Ende der Welt gehen, um Quinn zu beschützen. Und das Gleiche gilt für sein Rudel.“

Leises Atmen war am anderen Ende der Leitung zu hören, und Dan konnte sich vorstellen, wie der Offizier die Fingerspitzen gegen die Schläfen presste, so wie er es immer machte, wenn er gestresst war. „Okay“, stimmte Thompson schließlich zu. „Ich vertraue deinem Urteil.“

„Pass auf dich auf.“ Er wusste, dass sein C. O. nur eine limitierte Zeit am Telefon zur Verfügung stand.

„Du auch. Lass mich wissen, was dieser Alpha O‘Halloran denkt.“

Dan legte auf und schüttelte den Kopf. Er hatte das ungute Gefühl, dass bald etwas Schlimmes passieren würde. Er scrollte durch seine Kontaktliste bis zum letzten Eintrag und tippte schnell eine Nachricht. Keine fünf Sekunden später hatte er eine Antwort.

Seine Anfrage an Hacker, sich Zugang zu Regierungsakten zu verschaffen, war empfangen und akzeptiert worden.

„Dad“, rief sein Sohn durch die Tür. „Jen ist hier.“

Dan steckte das Handy in seine Tasche und setzte ein falsches Lächeln auf. „Hey, Jen.“

Die menschliche Frau lächelte und winkte mit einer DVD-Hülle. „Lucas hat gesagt, dass er das heute Abend anschauen darf?“

Dan blieb stehen, um sich schnell den Titel anzusehen, und warf seinem Sohn einen Blick über die Hülle zu. „Nein.“

„Aber Dad“, jammerte Lucas.

„Kein Aber. Der dritte Teil des Kettensägenmassakers ist keine passende Wahl für einen Zehnjährigen.“ Er war sich nicht einmal sicher, wo diese DVD hergekommen war. Seine Frau hatte Horrorfilme geliebt. Vielleicht hatte er sie irrtümlicherweise in die Kiste mit den Kinder-DVDs geworfen, als er in aller Eile den Umzug vorbereitet hatte.

Lucas ächzte. Jen konnte nicht aufhören zu kichern. „Ich habe ihm gesagt, dass du Nein sagen wirst. Außerdem müsste er aufbleiben und mich beschützen, weil ich gruselige Filme hasse. Mein Mann hat versucht, mich dazu zu bringen, mir zusammen mit ihm Wiederholungen der Twilight Zone anzusehen, bis wir mit eingeschaltetem Licht schlafen mussten, weil ich Angst hatte.“

Dan stieß ein echtes Lachen aus und wuschelte seinem Sohn durch die Haare. „Wir wollen doch Jens Mann keinen Grund geben, dass er ihr verbietet, herzukommen, nicht wahr?“

Lucas schüttelte den Kopf und kramte wieder in der Kiste mit den DVDs herum. „Nö. Schließlich macht sie das beste Popcorn.“

„Ich bin nicht sicher, wie lange ich heute Abend weg sein werde“, sagte Dan an die Babysitterin gewandt. „Aber ich denke nicht, dass es länger als zehn Uhr sein wird. Falls es später wird, rufe ich an. Ist das okay?“

Jen nickte, ihre Aufmerksamkeit ganz auf Lucas gerichtet. „Mein Mann ist gestern mit den Kindern zu seinem Bruder gefahren, also bin ich ohnehin allein zu Hause.“

Er hätte sich dafür entschuldigt, sie von der Familie ihres Manns fernzuhalten, wusste allerdings, dass sie sich nicht viel aus ihrem Schwager machte.

„Du kannst gerne im Gästezimmer übernachten, falls du willst“, bot er an.

„Nein danke, ich fahre lieber nach Hause. So kann ich so lange schlafen, wie ich möchte, und zum Frühstück Kuchen essen.“

„Kann ich auch Kuchen zum Frühstück haben?“, fragte Lucas voller Hoffnung.

Dan zog sich seine Schuhe an. „Ich denke, du kennst bereits die Antwort darauf.“

Er verließ die Wohnung unter den Buhrufen seines Sohns und der Babysitterin.

Draußen blieb er stehen, um kurz die frische Frühlingsluft einzuatmen. Es war noch immer sehr kühl, aber dennoch eine nette Abwechslung von den tiefen Temperaturen, die sie letzten Winter gehabt hatten. Er hätte die ganze Nacht hier draußen bleiben können. Leider hatte Declan dieses Rudeltreffen schon vor Wochen angesetzt, als er erfahren hatte, an welchem Tag die ehemaligen Mitglieder des Thunder Bay Rudels in Smooth Rock Falls eintreffen würden.

Widerwillig stieg er ins Auto, rollte das Fenster herunter und fuhr so langsam wie möglich, um die milde Brise so lange wie möglich zu genießen. Er war beinahe traurig, als er vor dem Tor hielt.

Einer der Betas grinste ihn von seinem Wachposten aus an. „’n Abend, Dan.“

„Hey, Cullen. Also hast du den kürzesten Strohhalm gezogen?“

Sein Grinsen wurde breiter. „Im Prinzip schon, aber Adam hat versprochen, dass er mich später alles tun lassen wird, und er weiß noch nicht wirklich, was ihm bevorsteht.“

Dan schüttelte bewundernd den Kopf. „Wie lange musst du noch hier draußen bleiben?“

Cullen sah auf seiner Liste nach und klopfte mit einem Kugelschreiber darauf. „Du bist der Letzte, auf den ich gewartet habe. Also werde ich jetzt das Tor absperren und gleich hinaufgehen.“

„Falls du mitfahren willst, warte ich.“

„Danke.“

Er schob den Schalthebel in den Parkmodus, wartete, während Cullen abschloss, und versuchte, nicht an den Schaden zu denken, den er der Umwelt antat, indem er den Motor weiterlaufen ließ. Sein Sohn würde dazu definitiv etwas zu sagen haben. Er stellte sich die Worte vor, die Lucas zu ihm sagen würde, als Cullen die Beifahrertür öffnete und einstieg.

„Danke fürs Warten“, sagte Cullen.

„Kein Problem.“

Den Rest der Fahrt, die ganze drei Minuten dauerte, machten sie Smalltalk. Er hatte nie wirklich viel Zeit mit Cullen verbracht und stellte fest, dass er den fröhlichen Beta mochte. Er war ehrlich enttäuscht, als sie vor dem Haus des Alphas hielten.

Dan folgte Cullen die Stufen hoch und zögerte, als Cullen die Tür öffnete und geradewegs hineinspazierte.

„Kommst du nicht mit?“, fragte Cullen und sah über seine Schulter.

„Klopfst du nicht an?“ Er fühlte sich merkwürdig, ins Haus zu gehen, ohne hereingebeten worden zu sein.

„Nö. Declan, Adam und ich sind Freunde, seit wir in den Windeln lagen. Zum Teufel, Adam und ich haben sogar einen Schlüssel. Michael hat auch einen. Abgesehen davon sind bis zum letzten Entführungsversuch die meisten vom Rudel gekommen und gegangen, wie es ihnen einfiel. Seitdem hat Declan die Sicherheitsmaßnahmen ganz schön verstärkt.“

Dan nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte, scheute sich aber noch immer hineinzugehen. Er fühlte sich nicht wohl dabei, das Haus zu betreten, ohne eingeladen worden zu sein. Es kam ihm nicht richtig vor, dass er so freien Zugang zum Heim des Alphas hatte, selbst wenn es nur für ein gelegentliches Rudeltreffen war.

---ENDE DER LESEPROBE---