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Nach seiner Rettung aus einem Kriegsgefangenenlager in Russland weiß der Wolfswandler Lieutenant Colonel Mark Thompson nicht so recht, was er mit dem Rest seines Lebens anstellen soll. Als ein interessanter junger Mann ihm anbietet, sich an einem eintausend Meilen entfernten Ort zu erholen, nimmt er das Angebot an. Der Adlerwandler Nathan „Hacker“ Anderson verdient sich seinen Lebensunterhalt, indem er seinen genialen Verstand einsetzt, um nicht ganz legale Aufträge für jeden auszuführen, der ihn anheuert. Nachdem er einmal zu viel fürchten muss, erwischt zu werden, flieht er nach British Columbia, wo er sich mitten im Wald ein Zuhause aufbaut. Zum ersten Mal in seinem Leben ist er glücklich und zufrieden mit der Einsamkeit, in der er lebt. Bis eine zufällige Begegnung mit dem hübschen Mark Thompson dazu führt, dass Nathan sich zum ersten Mal in seinem Leben verliebt. Wenn er Mark nur davon überzeugen könnte, dass er so viel mehr ist als die Verletzung, die seine Karriere beendet hat, wäre das Leben perfekt. Mark war noch nie so hingerissen von einem anderen Wandler. Nathan erweckt Gefühle in ihm, die er noch nie zuvor erlebt hat. Doch was kann er dem jungen Mann schon bieten? Er hat keinen Job, keine Rolle in seinem neuen Rudel und nicht einmal eine funktionierende rechte Hand. Sind ihre Gefühle stark genug oder wird die Kombination aus Marks Unsicherheiten, Nathans Unerfahrenheit und der Situation im Rudel sie auseinanderreißen? Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 42.000 Wörter
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Veröffentlichungsjahr: 2019
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
ÜBER LYNN TYLER
LESEPROBE:
Wiedergefunden
Nach seiner Rettung aus einem Kriegsgefangenenlager in Russland weiß der Wolfswandler Lieutenant Colonel Mark Thompson nicht so recht, was er mit dem Rest seines Lebens anstellen soll. Als ein interessanter junger Mann ihm anbietet, sich an einem eintausend Meilen entfernten Ort zu erholen, nimmt er das Angebot an.
Der Adlerwandler Nathan „Hacker“ Anderson verdient sich seinen Lebensunterhalt, indem er seinen genialen Verstand einsetzt, um nicht ganz legale Aufträge für jeden auszuführen, der ihn anheuert. Nachdem er einmal zu viel fürchten muss, erwischt zu werden, flieht er nach British Columbia, wo er sich mitten im Wald ein Zuhause aufbaut. Zum ersten Mal in seinem Leben ist er glücklich und zufrieden mit der Einsamkeit, in der er lebt.
Bis eine zufällige Begegnung mit dem hübschen Mark Thompson dazu führt, dass Nathan sich zum ersten Mal in seinem Leben verliebt. Wenn er Mark nur davon überzeugen könnte, dass er so viel mehr ist als die Verletzung, die seine Karriere beendet hat, wäre das Leben perfekt.
Mark war noch nie so hingerissen von einem anderen Wandler. Nathan erweckt Gefühle in ihm, die er noch nie zuvor erlebt hat. Doch was kann er dem jungen Mann schon bieten? Er hat keinen Job, keine Rolle in seinem neuen Rudel und nicht einmal eine funktionierende rechte Hand.
Sind ihre Gefühle stark genug oder wird die Kombination aus Marks Unsicherheiten, Nathans Unerfahrenheit und der Situation im Rudel sie auseinanderreißen?
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.
Länge: rund 42.000 Wörter
LYNN TYLER
Wiedergefunden
Das Fraser Lake-Rudel 3
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene
ME AND THE MUSE PUBLISHING
www.meandthemuse.com
Copyright © der englischen Originalausgabe „Found Again“:
Lynn Tyler
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:
Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe
Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2018
Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs
Übersetzt von: Jutta E. Reitbauer
URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZT:
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Lieutenant Colonel Mark Thompson kämpfte sich durch den dichten Dschungel und hielt nach jeder Quelle verwertbaren Proteins Ausschau. Es war lebenswichtig, dass er mit Fleisch für Pay zurückkam. Ohne hätte der Junge keine Chance, sich zu verwandeln und zu heilen. Normalerweise wäre er in der Lage gewesen, jedes kleine Beutetier in der Nähe zu riechen, aber der Geruch von verrotteten Blättern und tierischen Exkrementen machte es ihm schwer zu lokalisieren, was er brauchte.
Schweiß lief über seinen Rücken und ließ das Hemd unangenehm auf seiner Haut kleben. Die Versuchung war groß, alles bis auf seine Hose auszuziehen, aber die Wolke von kleinen Vampirinsekten, die sein Gesicht umschwärmten, überzeugte ihn, all seine Klamotten anzubehalten.
Jeder einzelne Muskel in seinem Körper brannte. Das nagende Ziehen in seinem Magen erinnerte ihn daran, dass er seit fast zwei Tagen nichts mehr gegessen hatte, und er hatte Mühe, die Augen offen zu behalten. Doch er ging weiter, zwang einen Fuß vor den anderen, denn falls er stehen bliebe, würde er nie wieder aufstehen können.
Und das wäre für sie alle eine Katastrophe.
Vor widerstreitenden Gedanken und Gefühlen drehte sich ihm der Kopf. Er hatte seine Männer direkt in einen Hinterhalt geführt. Bei dem, was vor sich ging, hätte er auf seinen Instinkt hören sollen. Alle Anzeichen waren da gewesen. Monatelang hatten sie keine Versorgung erhalten und mussten mit den Einheimischen in Afghanistan handeln und Dinge, die sie dringend benötigten, auf dem Schwarzmarkt eintauschen für Dinge, die sie noch mehr brauchten.
Der Zeitpunkt des Befehls, sich an ihren momentanen Aufenthaltsort zu begeben, direkt nach der vierten verpassten Lieferung von Vorräten, hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Er wusste, dass er seine Männer von der Armee wegbringen musste, bevor sie in den Tod oder Wahnsinn getrieben wurden.
Er hatte es geschafft, ein sicheres Rudel in Northern Ontario zu finden, das gewillt war, sie alle aufzunehmen, und der schmerzhaften Tatsache ins Gesicht gesehen, dass er seine Männer ermutigen würde, ihre Posten zu verlassen.
Er hätte auf die leise Stimme in seinem Hinterkopf hören sollen, die ihn anflehte, seinen Zeitplan zu beschleunigen. Aber woher hätte er wissen sollen, dass sie in eine Falle geschickt wurden, in einen Hinterhalt? Und dass sie von dem Land im Stich gelassen werden würden, dem sie dienten?
Natürlich hatte er das auf keinen Fall wissen können. Aber das änderte nichts daran, dass er für seine Einheit verantwortlich war und dass unter seinem Kommando einer seiner Männer getötet und ein weiterer schwer verletzt worden war.
Die entsetzliche Wunde auf Pays Gesicht blitzte vor seinem inneren Auge auf. Das jüngste Mitglied der Einheit und bei Weitem das unschuldigste. Der Junge war nicht für den Kampf gemacht. Er sollte zu Hause sein, für die Abschlussprüfungen auf der Uni lernen, die hausgemachten Gerichte seiner Mutter essen und mit allem flirten, das über einen Puls verfügte.
Er schob den Gedanken weit von sich. Pay brauchte sein Mitleid nicht; er brauchte Protein, um ihn mit genug Energie für eine Verwandlung zu versorgen. Also ließ er sich von dem Gedanken, Pay zu retten, motivieren und machte weiter. Später, wenn seine Männer in Sicherheit waren, würde er um Doc trauern.
Ein Rascheln in einem Baum in der Nähe erregte seine Aufmerksamkeit. Er versteifte sich und verstärkte den Griff um seine Waffe. Eine Art Affe huschte hervor und starrte neugierig auf ihn hinab. Frustriert schüttelte er den Kopf und suchte weiter nach einem kleinen, leichter zu fangenden Tier. Vermutlich würde der Affe genug Fleisch für sie alle abgeben – und Gott wusste, dass sie die Kalorien dringend benötigten –, aber das Tier so vorzubereiten, dass man es verzehren konnte, würde mehr Zeit in Anspruch nehmen, als sie hatten. Das Entbehrungstraining, das sie alle hatten durchmachen müssen, um dieser Einheit beizutreten, hatte ihnen nur Basiswissen vermittelt. Und wer wusste schon, wann sie wieder Zugang zu Nahrung haben würden.
Die Unfähigkeit, eine Entscheidung zu treffen, überwältigte ihn. Luft ballte sich in seiner Kehle, zu schwer und feucht, um problemlos in seine Lungen zu gleiten. Die Feuchtigkeit drückte von innen und außen gegen ihn, es war unmöglich, tief zu atmen. In Afghanistan mochte die trockene, sengende Luft ihre Kehlen verbrannt haben, aber zumindest war er in der Lage gewesen, anständig zu atmen.
Mark hatte noch immer die Hoffnung, dass er in einem Albtraum gefangen war, dass er aufwachen und Doc sehen würde – gesund und munter und am Leben. Es war schwer zu glauben, dass noch vor wenigen Tagen ihre einzige Sorge gewesen war, ob das kanadische Militär es für nötig erachten würde, ihre Vorräte aufzustocken und Uniformen auszuteilen, die ihrer Umgebung angepasst waren, oder nicht.
Mit dem Handrücken wischte er sich Feuchtigkeit aus den Augen und erschauerte, als kalter Schweiß auf seinem Nacken ausbrach. Er musste mehrmals schlucken, und Speichel flutete seinen Mund, als sein Körper sich gegen den Widerstand seines Verstandes wehrte, der den restlichen Mageninhalt nicht entleeren wollte. Er schloss die Augen und atmete durch die Nase ein. Es wäre definitiv besser für seinen Körper, die magere Menge an Wasser, die er getrunken hatte, nicht wieder zu erbrechen.
Er brauchte einige Momente tiefer Atemzüge und Visualisierung, bevor er sicher war, dass er sich weiterbewegen konnte, ohne dass etwas einen unangenehmen Auftritt hatte, aber schließlich schaffte Mark es, ein paar Schritte vorwärts zu kommen. Er arbeitete sich durch den Dschungel und zwang seinen benommenen Geist, sich auf die unmittelbare Aufgabe zu konzentrieren.
Zumindest war die Luft still. Kein Wind, der die Gerüche wegtragen konnte. Er würde in der Lage sein, jedes Beutetier zu verfolgen, sobald er dessen Geruch herausgefiltert hatte. Das war ein riesiger Vorteil.
Natürlich hatte die Beute den gleichen Vorteil. Sein eigener Geruch würde nach Raubtier stinken, und jedes Tier, das diesen Geruch aufschnappte, würde sich von ihm fernhalten.
Er ging die verschiedenen Gerüche durch, die in der Luft hingen, und überdachte sorgfältig seine Auswahlmöglichkeiten, bis er in der Vielzahl an Düften ein warmes, kupfernes Aroma bemerkte. Der Affe war noch immer in der Nähe. Es gab auch eine Art Nageltier, das einige Meter entfernt vor Angst erstarrt war. Er konnte das Adrenalin feststellen, das von beiden Tieren stammte, da beiden klar war, dass er ein viel größeres und viel tödlicheres Raubtier war, als sie gewöhnt waren.
Natürlich wäre das Nagetier viel leichter zu fangen. Dazu war keine Kletterei nötig. Aber es bot nicht viel Fleisch.
Er überlegte noch immer, ob er die Energie aufwenden sollte, den Affen zu fangen, damit alle von ihnen dringend benötigte Nahrung erhielten, oder ob er seine Energie und kostbare Zeit sparen sollte, indem er das Nagetier jagte, als ein seltsames Geräusch irgendwo links von ihm ertönte. Was immer es war, es riss das Nagetier aus seiner Starre, sodass es davonhuschte. Das Geräusch war vertraut, etwas, das sowohl Hoffnung als auch Entsetzen in Marks Herzen aufwallen ließ.
Es war ein Motor. Ein lauter Motor.
Er bezweifelte, dass die Guerillas Zugang zu einem Fahrzeug hatten, und selbst wenn, wäre es kein großes.
Einen kurzen Moment flammte Hoffnung in seiner Brust auf. Vielleicht hatte er falsch gelegen mit seiner Annahme, dass seine Regierung und sein Militär ihn und seine Männer im Stich gelassen hatten, damit sie in der Wildnis starben. Vielleicht hatten sie sie irgendwie aufgespürt und Verstärkung geschickt, hoffentlich mit medizinischen Vorräten.
Andererseits war es viel wahrscheinlicher, dass wer auch immer den Angriff der Guerillas auf sie befohlen hatte, gehört hatte, was geschehen war, und beschlossen hatte, die Aufgabe selbst zu Ende zu führen.
Seine Krallen brachen durch die Haut an den Fingerspitzen, bevor er Gelegenheit hatte, sich klar zu werden, dass sie sich verwandeln würden. Ohne darüber nachzudenken, wie er es geschafft hatte, seine Verwandlung mitten im Vorgang anzuhalten, benutzte er seine Krallen, um damit den nächsten Baum hochzuklettern.
Rinde und Holz gaben unter seinen Krallen nach, und er nutzte seine Oberschenkel, um den Stamm zu umklammern und sich daran hochzuschieben. Es war erstaunlich, was ein wenig Adrenalin mit einem müden Körper anstellen konnte.
Mark kletterte, bis er das Blätterdach drei Meter über sich sah, dann hielt er inne. Die Blätter waren nicht dicht genug, um ihn zu verbergen, aber er hatte nicht viel Wahl. Auf der Suche nach einem Anzeichen des Fahrzeuges ließ er seinen Blick über den Boden schweifen. Er brauchte nicht lange, um es zu finden.
Es war ein offener Geländewagen militärischer Art. Im hinteren Teil konnte er einige Leute ausmachen, konnte Gewehrläufe sehen, die sie auf dem Rücken trugen.
Er konnte auch die russische Flagge auf der Tür sehen.
Diese Leute waren definitiv hier, um sie einzusammeln, aber nicht, um sie zu retten.
„Fuck.“ Er sah auf den Boden. Die Entfernung zwischen ihm und dem Waldboden war erstaunlich groß. Wann war er so hoch hinaufgeklettert?
Hinunter ging es viel schwerer als hinauf. Seine Krallen verankerten ihn am Baum, was beim Hinaufklettern ein Vorteil gewesen war, doch auf dem Weg hinunter trugen sie nichts dazu bei, ihn langsamer zu machen. So schnell er konnte, rutschte er den Baum hinunter und ließ dabei seine Krallen nur über die Rinde kratzen, um so schnell wie möglich zu seinen Männern zurückzukehren.
Zu langsam. Bei diesem Tempo würde er es nie rechtzeitig zur Lichtung schaffen, um sie zu warnen.
Mittlerweile müsste er dem Boden nahe genug sein, um zu springen. Ein schneller Blick über seine Schulter bestätigte das. Es waren noch ungefähr eineinhalb Meter. Er musste bei der Landung nur in die Knie gehen, damit er sich nicht den Knöchel brach, was eine halbe, vielleicht sogar eine ganze Minute sparte, und im Moment brauchte er jede zusätzliche Sekunde, die er kriegen konnte.
Sein Herz kroch seine Brust hoch, bis es am Anfang seiner Kehle festsaß. Er stieß sich vom Baumstamm ab und fiel wie ein Stein nach unten. Luft rauschte in seinen Ohren und die Sekunden dehnten sich zu Stunden, auch wenn er keine Zeit hatte, seinen Mund zu einem Schrei zu öffnen.
Bis er die Zeit hatte. Er kam zu einem plötzlichen Halt, sein Körper zum Stillstand, einen Sekundenbruchteil, bevor schneidender Schmerz ihn versuchen ließ, sich in Embryostellung zusammenzurollen.
Und dann lag er ausgestreckt auf dem Boden, sein Rücken aufgewölbt über etwas, das er für eine der riesigen Wurzeln des Baumes hielt. Der Schmerz war so intensiv, dass er nicht sagen konnte, woher er stammte. Es fühlte sich an, als ob Ziegelsteine auf seiner Brust aufgestapelt wären, während er Mühe hatte, einzuatmen. Weißer Nebel verschleierte seine Sicht. Eine leise Stimme in seinem Hinterkopf, die genau wie die seiner Ausbilder im Bootcamp klang, listete die Symptome auf. Schock, schalt sie ihn. Die Stimme zählte Behandlungen auf, als Erstes Wasser und Wärme. Erst als der Nebel sich auflöste und sein Atem leichter kam, registrierte er das Geräusch des Motors, näher als zuvor.
Scheiße. Er hatte keine Zeit festzustellen, was er verletzt hatte, ganz zu schweigen davon, wie er das geschafft hatte.
Er rollte sich auf die Seite und stöhnte, als der Schmerz stark zunahm. Er hatte nicht gewusst, dass sein Körper in der Lage war, so viel Agonie zu erzeugen. Der Schlamm und Matsch des Dschungelbodens drang durch die Knie seiner Hose und erhöhte sein Unbehagen. Er drückte die Handflächen auf den Boden, um sich hochzustemmen, und brach sofort wieder zusammen. Zumindest wusste er jetzt, woher der Schmerz stammte. Sein rechtes Handgelenk zeigte nach innen. Seine Krallen hatten sich nicht vollständig zurückgezogen, und aus einer strömte Blut. Tja, Scheiße.
Irgendwie hatte er es geschafft, sich an dem Baum eine Kralle auszureißen. Er starrte die Kralle an, die noch immer im Stamm steckte, und versuchte, sich nicht zu übergeben. Die Krallen von Wolfswandlern waren eine direkte Verlängerung der Handknochen, und es sah so aus, als hätte er es geschafft, eine zur Gänze herauszureißen und sich beim Aufprall das Handgelenk zu brechen.
Die Ränder seines Sichtfelds verloren an Farbe, und kleine, schwarze Punkte tanzten vor seinen Augen. Er konzentrierte sich einige Sekunden darauf, sein rasendes Herz zu beruhigen. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um ohnmächtig zu werden.
Er kämpfte sich auf die Beine und zwang sie, sich zu bewegen, setzte einen Fuß vor den anderen, bis er nicht mehr das Gefühl hatte, gleich vornüberzukippen. Jedenfalls nicht allzu sehr.
Sobald er sein Gleichgewicht wiedergefunden hatte, sprintete er los. Seine Männer brauchten ihn. Sie brauchten eine Warnung, um sich zu verteilen und im dichten Dschungel zu verstecken, bis die Bedrohung vorbei war. Er durfte keinen weiteren Tod auf seine Schultern laden. Er war nicht sicher, ob er das überleben könnte.
Mark hatte keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war, seit er die Russen entdeckt hatte, oder wie weit hinter ihm sie waren. Der Motor brummte immer lauter, wie ein Schwarm zorniger Hornissen kurz vor dem Angriff.
Plötzlich brach er durch die Baumgrenze und sah die Mitglieder seiner Einheit. „Lauft!“, rief er, ohne stehenzubleiben. „Los, los!“
Zum Glück gehorchte sein Team, ohne Fragen zu stellen. Sie stoben in alle Richtungen auseinander. Er entdeckte Gunny, der Pay in Deckung zerrte. Jackson und Summers hatten es fast bis auf die andere Seite der Lichtung geschafft, als der Jeep durch die Bäume krachte und auf ihn zuraste.
Alles, was danach geschah, war verschwommen. Leute sprangen aus dem Fahrzeug, Fäuste flogen, Messer wurden gezogen und Kugeln sausten vorbei.
Jemand packte seinen rechten Arm. Der Schmerz war so schlimm, dass es ihm den Atem verschlug, was ihn zusätzlich schwächte. Sein gebrochenes Handgelenk wurde verdreht, aber bevor er schreien konnte, traf ihn etwas Hartes am Nacken.
Durch den Schlag sackte er in den Armen seines Häschers zusammen und war nicht mehr in der Lage, irgendeinen Körperteil außer seiner Augen zu bewegen. Er versuchte, sich auf seine Männer zu konzentrieren, auf die Stelle, wo er wusste, dass Pay versteckt worden war, und betete mit aller Macht, dass der verletzte Soldat nicht entdeckt worden war. Etwas blitzte auf. Ein Mann zeigte mit einem Gewehr in ihre Richtung.
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten donnerte sein Körper gegen etwas Hartes. Sein Kopf prallte von Metall ab, und die Welt drehte sich. Schüsse waren das Letzte, was er hörte, bevor sein Gehör ihn im Stich ließ.
Er starrte auf die Stelle direkt vor sich, wo sich Kampfstiefel nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht befanden.
Übelkeitserregendes Entsetzen machte sich in seinen Eingeweiden breit. Er war von einem unbekannten Feind gefangen worden.
Mark schloss die Augen und bemühte sich nicht, bei Bewusstsein zu bleiben. Eine Gefangennahme endete nie gut. Tod durch eine Kopfverletzung oder Blutverlust wäre eine Gnade.
Vater unser, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name … Er versuchte, seinen Mund zu zwingen, die Worte zu bilden, die er in seiner Kindheit gelernt hatte. Er war nicht sicher, ob er damit Erfolg hatte, aber Erschöpfung und Schmerz verschlangen ihn, bevor er sein Gebet beenden konnte.
Er wartete auf die gesegnete Dunkelheit und dankte seinem Glücksstern, als er seine Umgebung nur mehr verschwommen wahrnahm und sich eine warme Decke der Taubheit über ihn legte. Zumindest war das Warten auf den Tod jetzt angenehmer.
Gab es so was wie spontane menschliche Selbstentzündung wirklich? Denn Nathan Anderson glaubte jetzt definitiv daran. Alles fühlte sich an, als stünde er in Flammen, obwohl er nicht aufhören konnte zu zittern. Was als leichter Schnupfen angefangen hatte, hatte sich in etwas wie die Pest verwandelt, zumindest dachte er das.
Zum Glück hatte sein Tigerwandler-Freund ihn gefunden, bevor welcher Virus auch immer, der gerade in seinem Körper Amok lief, ihn umgebracht hatte. Und Gott sei Dank hatte er ihn erkannt, statt Nathan nur für einen kranken Adler zu halten.
Jake war ein Tigerwandler, der aus Ontario gekommen war, um in British Columbia einen Neuanfang zu wagen, nur um am Ende der Gefährte des Fraser Lake-Alphawolfs zu werden.
Nathan war dem anderen Mann dankbar, auch wenn er buchstäblich in einen Wolfsbau getragen worden war. Einen, den er so lange vermieden hatte, obwohl er mit einem der Rudelmitglieder befreundet war.
Der Alpha, Tristan, war sanft mit ihm gewesen und hatte alles in seiner Macht Stehende getan, um Nathan zu helfen. Leider war das nicht genug. Das Fieber, das in seinem Körper wütete, ließ seine Gelenke so steif werden, dass er sie kaum bewegen konnte, was essen unmöglich machte, ganz zu schweigen davon, sich in seine Adlergestalt zu verwandeln.
Irgendwann hatte ein anderer Adlerwandler ihm eine Spritze mit etwas, was er für ein Schmerzmittel hielt, gegeben. Seine Muskeln und Gelenke entspannten sich endlich. Alles, was danach geschah, war verschwommen, wie ein Traum, an den er sich kaum erinnern konnte.
Gelegentlich blickte er auf seine Hände hinunter, die nicht länger Krallen waren, nur um sich zu versichern, dass er es tatsächlich geschafft hatte, sich in seine menschliche Gestalt zurückzuverwandeln.
Er hatte eine vage Erinnerung daran, mit Informationen herauszuplatzen, die er unbedingt mitteilen wollte. Manchmal war sein Verstand so vernebelt, so von der Realität gelöst, dass er nicht sicher war, welche Informationen das waren oder warum sie wichtig waren.
„Nathan?“
Eine vage vertraute Stimme zog seine umherstreifende Aufmerksamkeit auf sich. Er hob die schweren Lider und verzog das Gesicht bei dem Gefühl, als würde Schleifpapier über seine Augäpfel schaben. Wann hatte er seine Augen geschlossen? Und warum fühlte es sich so an, als ob ihm alle Feuchtigkeit abgesaugt worden wäre? Bestand der Körper denn nicht zu siebzig Prozent aus Wasser oder so ähnlich? Bedeutete das, dass sein Körper wie ein Schwarm schrumpfte? Das Bild eines gelben Schwamms mit Hose und Krawatte, der jedoch sein Gesicht trug, tanzte vor seinen Augen. Er kicherte, auch wenn er ziemlich sicher war, dass es nicht witzig war.
„Nathan? Bist du wach?“
Die Stimme war stärker, fordernder und definitiv mächtiger als zuvor. Nathan war ein dominanter Gestaltwandler, zumindest für seine Spezies, aber er hatte einen angeborenen Instinkt, sich zu unterwerfen, und war zu schwach, dagegen anzukämpfen. „Ja.“
Langsam tauchte ein blonder Mann in seinem Fokus auf. Er versuchte, ihn zuzuordnen. Die Information war am Rande seines Bewusstseins, und er knurrte vor Frustration, als er nicht wie gewünscht darauf zugreifen konnte.
Krank zu sein war echt beschissen. Er fühlte sich, als hätte ihn ein Vampir ausgesaugt.
Vampire … Nun, das wäre eine Recherche wert. Wenn es Gestaltwandler gab, warum konnten dann Vampire nicht existieren? Vielleicht versteckten sie sich genau wie er, indem sie einfach inmitten anderer Menschen untertauchten.
„Nathan“, sagte die Stimme fordernd. „Bleib bei mir.“
Richtig. Fokus. Was immer er hatte, es ruinierte völlig seine Konzentrationsfähigkeit. „Bin hier“, schaffte er zu flüstern.
„Gut. Eine Zeit lang ist es dir besser gegangen, aber du hast einen Rückfall erlitten. Ich kann nichts mehr für dich tun. In Ontario gibt es einen Arzt, der dir helfen könnte. Mit deiner Erlaubnis würde ich dich gerne nach Smooth Rock Falls bringen, damit du dort behandelt wirst.“
Die Worte brauchten eine unmöglich lange Zeit, um einzusickern. Sobald Nathan begriffen hatte, was der Mann gesagt hatte, nickte er und hörte sofort damit auf, als sein Kopf drohte zu explodieren. „Okay. Aber ich darf zurückkommen, richtig?“
Eine weitere Stimme, stark und tröstend, obwohl sie neu war, meldete sich. „Natürlich. Du bist ein Teil dieses Rudels, seit du Freundschaft geschlossen hast mit …“
Wie in weiter Entfernung hörte er den anderen Mann weiterreden, doch sein vernebelter Verstand war viel zu voll, um sich konzentrieren zu können. Er würde nach Ontario zurückkehren. Nach Smooth Rock Falls. Er war nicht so weit im Norden dieser Provinz aufgewachsen, hatte stattdessen den Großteil seiner Kindheit in einem vollen Waisenhaus in der Innenstadt verbracht, aber er war in diese Richtung gezogen, als er bei jemandem Arbeit fand, der in dieser Gegend lebte.
Die Kleinstadt war recht hübsch gewesen, aber er war geflohen, als er beinahe dabei geschnappt worden wäre, wie er sich in einige Systeme hackte, die er nicht hätte hacken sollen.
Die Schönheit von British Columbia hatte ihn erstaunt. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er Wurzeln geschlagen. Er hatte sich eine kleine Hütte in den Bergen gebaut und dort eigenhändig einen Generator installiert.
Er hatte nicht erwartet, jemals nach Ontario zurückzukehren, schon gar nicht so schnell, nachdem er entschieden hatte, B. C. zu seinem permanenten Zuhause zu machen. Aber er hatte auch nicht geplant, an einem Adlerwandler-Virus zu sterben.
Etwas Scharfes durchstieß die Haut seines Oberschenkels, und das schwindelige Gefühl verstärkte sich, bis er Mühe hatte, die Augen offen zu behalten.
Das Nächste, was er mitbekam, war, dass er von einem Paar starker Arme vom Bett gehoben wurde. Jake, sein erster und einziger Freund, hielt ihn wie ein Neugeborenes an seine Brust gedrückt. Nathan versuchte, seine Gliedmaßen zu bewegen, die Arme um Jakes Hals zu legen, um etwas seines eigenen Gewichts zu tragen, aber vergeblich.
Dann traf ihn die Erkenntnis. „Jake!“
Der Tiger blieb stehen. Durch den Schleier seiner Wimpern sah Nathan, wie sein Freund voller Besorgnis auf ihn hinabblickte. „Ja?“
Er holte tief Luft und bedauerte es sofort, als die Luft in seiner Kehle steckenblieb und einen Hustenanfall auslöste.
Etwas Glattes und Kaltes wurde an seine Unterlippe gedrückt, als der Husten zu einem schweren Schnaufen verklungen war. Eiskaltes Wasser berührte seine Haut, und er öffnete den Mund und erlaubte der Flüssigkeit, seine wunde Kehle zu beruhigen.
Als sich sein Herzschlag schließlich wieder beruhigt und er nicht mehr das Gefühl hatte, als würde er jeden Moment eine oder gleich beide Lungen herauskotzen, drehte er den Kopf von dem Becher weg. Etwas Wasser lief sein Kinn hinunter, aber er ignorierte es und versuchte stattdessen, wieder etwas zu sagen. „Ich muss euch von Mark Thompson berichten. Ich war auf dem Weg, um euch zu sagen …“
Er brach ab und hustete erneut. Er bemühte sich, genug Sauerstoff einzuatmen, um sein Hirn am Arbeiten zu halten, doch tiefe Atemzüge schienen die Sache nur noch schlimmer zu machen.
