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Gabe ist ein Leitengel, der aufgrund der Todsünde des Hochmuts aus dem Himmel verstoßen wurde. Zur Strafe muss er als Mensch auf der Erde leben. Die einzige Möglichkeit, wie er seinen Platz im Himmel zurückgewinnen kann, besteht darin, einen Menschen dazu zu bringen, sich in ihn zu verlieben und sein Leben für ihn zu geben. Der Arzt Josh fasziniert ihn wie kein anderer, und Gabe entwickelt schon bald Gefühle für den attraktiven Sterblichen. Doch kann Gabe wirklich Josh opfern, um sich seinen Platz im Himmel zurückzuerobern? Denn falls nicht, wäre Gabes gesamte Existenz ausgelöscht, wenn sein sterblicher Körper stirbt. Nach einer miesen Beziehung hat sich Josh fast ausschließlich auf seine medizinische Laufbahn konzentriert. Er ist geschmeichelt, als sich der umwerfende Künstler Gabriel Michaels um ihn bemüht. Der Sex ist der heißeste, den er je hatte, doch irgendetwas stimmt nicht mit Gabe. Der Mann hat das Gesicht eines Engels, das arrogante Gehabe eines Politikers und scheint sexuell unerfahren zu sein. Keiner von beiden rechnet damit, sich zu verlieben, doch genau das könnte einen von ihnen das Leben kosten. Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Länge: rund 39.000 Wörter
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Veröffentlichungsjahr: 2019
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
ÜBER DEN AUTOR
LESEPROBE:
Redeemed: Ein Engel sucht Vergebung
Gabe ist ein Leitengel, der aufgrund der Todsünde des Hochmuts aus dem Himmel verstoßen wurde. Zur Strafe muss er als Mensch auf der Erde leben. Die einzige Möglichkeit, wie er seinen Platz im Himmel zurückgewinnen kann, besteht darin, einen Menschen dazu zu bringen, sich in ihn zu verlieben und sein Leben für ihn zu geben. Der Arzt Josh fasziniert ihn wie kein anderer, und Gabe entwickelt schon bald Gefühle für den attraktiven Sterblichen. Doch kann Gabe wirklich Josh opfern, um sich seinen Platz im Himmel zurückzuerobern? Denn falls nicht, wäre Gabes gesamte Existenz ausgelöscht, wenn sein sterblicher Körper stirbt.
Nach einer miesen Beziehung hat sich Josh fast ausschließlich auf seine medizinische Laufbahn konzentriert. Er ist geschmeichelt, als sich der umwerfende Künstler Gabriel Michaels um ihn bemüht. Der Sex ist der heißeste, den er je hatte, doch irgendetwas stimmt nicht mit Gabe. Der Mann hat das Gesicht eines Engels, das arrogante Gehabe eines Politikers und scheint sexuell unerfahren zu sein.
Keiner von beiden rechnet damit, sich zu verlieben, doch genau das könnte einen von ihnen das Leben kosten.
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt.
Länge: rund 39.000 Wörter
LYNN TYLER
Redeemed: Ein Engel sucht Vergebung
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene
ME AND THE MUSE PUBLISHING
www.meandthemuse.com
Copyright © der englischen Originalausgabe „Redeemed“:
Lynn Tyler, 2015
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:
Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe
Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2017
Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs
Übersetzt von: Jutta E. Reitbauer
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Seufzend blickte Michael auf den Mann, der ihm gegenüber auf dem Sofa lümmelte. Er trommelte mit den Fingern auf dem Schreibtisch und bemühte sich, seine Ungeduld zu zügeln. Selbst wenn er es versucht hätte, könnte Gabriel unmöglich noch respektloser sein. Der andere Engel hatte sich auf seiner weißen Bürocouch ausgestreckt, die Hand auf ein Ende gelegt, während ein Bein auf den Kissen lag und das andere Knie gebeugt war, sodass sein Fuß auf dem Boden stand. Verflucht noch mal, Gabe war der unverschämteste Leitengel, der ihm je untergekommen war. Doch er war gut in seinem Job, und Michael freute sich nicht auf das, was er gleich tun würde.
„Nun“, begann Gabriel, „wer ist der nächste Affe, den ich leiten soll? Und sollte ich nicht Urlaub bekommen nach dem letzten Primaten, den ich auf den richtigen Weg brachte? Ich meine, es ist ganz schön anstrengend, sich mit diesen Menschen herumzuschlagen.“
Michael biss die Zähne zusammen. Vielleicht würde das nicht so schwer werden, wie er gedacht hatte. Er verzog das Gesicht, als Gabe die Arme vor der Brust verschränkte und die Augen schloss. Dieser Engel hatte Unverschämtheit wirklich zu einer Kunstform erhoben. Wer immer gedacht hatte, dass Gabe einen guten Leitengel abgäbe, sollte mal seinen Kopf untersuchen lassen. Dieser Mann war eher dafür geeignet, in aller Einsamkeit Kunstwerke zu erschaffen, als zu versuchen, Menschen auf den rechten Pfad zu führen. Aber sie alle mussten mit dem Los umgehen, das ihnen das Schicksal zugeteilt hatte. „Ich habe dich heute nicht herkommen lassen, um dir einen neuen Auftrag zu erteilen.“
Etwas in seinem Tonfall musste Gabe misstrauisch gemacht haben, denn er setzte sich auf und beugte sich aufmerksam vor. „Ist mein Antrag auf Versetzung bewilligt worden?“
„Nein. Ich wurde davon in Kenntnis gesetzt, dass du gegenüber den Menschen, denen du zugeteilt wurdest, respektlos warst. Dass du dich aufgeführt hast, als seist du besser als sie.“
Gabe verschränkte erneut die Arme und grinste schief, obwohl ein Schimmer Unsicherheit in seinen Augen aufglomm. „Sie sind Menschen, Michael. Natürlich sind wir besser als sie. Sie tun nichts anderes, als ihr Leben zu verschwenden, ebenso wie die Talente, mit denen sie gesegnet wurden.“
Michael massierte sich die Schläfen, wo ein leichter Kopfschmerz begonnen hatte, unterdrückte ein weiteres Seufzen und erwiderte den Blick des anderen Mannes. „Gabriel, aufgrund deines Verhaltens und deiner Einstellung bist du des Himmels verwiesen worden.“
Gabe sprang auf und stürmte zum Schreibtisch. Er stützte sich mit beiden Händen auf der Tischplatte aus Kirsche ab und sah zornig auf Michael hinunter. „Das ist Mist und du weißt es. Ich habe meine Aufträge immer mit einer Erfolgsrate von einhundert Prozent abgeschlossen. Du hast keine anderen Leitengel, die eine solche Leistung erbringen. Du kannst mich nicht einfach loswerden, weil du sonst bis zum Hals in der Scheiße sitzen würdest.“
„Achte bitte auf deine Ausdrucksweise. Du bist ein Engel, kein Heide.“ Seine Kopfschmerzen waren jetzt ein pochendes Hämmern, und er wünschte sich dringend ein paar Schmerztabletten.
Gabe stieß sich mit aller Kraft vom Schreibtisch ab und lief durchs Zimmer. „Ich habe den Großteil meiner Zeit mit diesen haarlosen Affen zugebracht, wie soll ich denn sonst sprechen?“ Er schüttelte den Kopf und blieb genau vor Michaels Stuhl stehen, wo er über ihm aufragte. „Du kannst mich nicht verstoßen. Du kannst diese Abteilung nicht ohne mich führen, und du weißt es.“
Das stimmte. Er konnte diese Abteilung ohne Gabe nicht effizient führen. Dieser Engel war wirklich der beste, den er hatte. Aber es war unvermeidbar. „Du wurdest der Todsünde des Hochmuts für schuldig befunden. Hiermit bist du aus dem Himmel verstoßen. Allerdings gibt es in deinem Fall noch Hoffnung.“ Sein Kopfschmerz löste sich auf, als ihm die Ironie der Situation bewusst wurde. Oh, Gabriel würde nicht gefallen, was er gleich sagen würde. „Du wirst wieder im Himmel aufgenommen, wenn sich ein Mensch in dich verliebt und freiwillig sein Leben für dich gibt.“
Gabe baute sich vor ihm auf. „Du meinst, ich muss ...“ Er ließ den Satz unvollendet, als wäre der Gedanke zu schrecklich, um ihn auszusprechen.
Michaels Lippen zuckten unkontrolliert. Es wäre nicht gütig und rechtschaffen von ihm, an der Not eines anderen Vergnügen zu empfinden. Natürlich war es auch nicht gerade einfach, seine Erheiterung zurückzuhalten. Das geschah Gabriel ganz recht. Er hoffte nur, dass der jüngere Engel seine wahre Lektion lernen würde, damit er weiter dem Pfad folgen konnte, der für ihn ausgesucht worden war. „Ja. Du musst auf der Erde unter Menschen leben. Hoffentlich wird dich deine Erfahrung mit ihnen Demut lehren.“
* * * *
Wie hatte dieser Tag nur so schlecht verlaufen können? In einem Moment hatte Gabe sich auf den wohlverdienten Urlaub gefreut, und im nächsten wurde ihm von seinem Boss gesagt, dass er wegen der Todsünde des Hochmuts aus dem Himmel verstoßen worden war. Um dem Ganzen noch eins draufzusetzen, musste er unter diesen Menschen leben, die er verabscheute, und einen davon dazu bringen, sich in ihn zu verlieben.
Er ließ sich auf die Couch sinken und vergrub den Kopf in den Händen. Wieso passierte ausgerechnet ihm so etwas? Er hatte immer seine Arbeit erledigt, und er hatte seine Sache gut gemacht. Er liebte und respektierte Gott. Alles, was er je wollte, war ihn zu ehren, indem er die Talente benutzte, die ihm geschenkt worden waren. Er hatte nichts mehr gewollt, als sich irgendwo einzuschließen und seine Ehrerbietung durch seine Pinsel und seine Farben zum Ausdruck zu bringen.
Schweiß rann ihm über den Rücken, tränkte sein Hemd, und sein Herz raste. Ein saurer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus, und sein Magen zog sich zusammen. Moment mal. Engel schwitzten nicht, und ganz gewiss war ihnen nie übel. Er öffnete die Augen und fand sich selbst in einer Gasse auf einem Milchkarton hockend wieder. „Was zum Geier?“
Michael hockte vor ihm und betrachtete ihn irgendwie mitleidig. „Gott ist nicht ohne Gnade, Gabriel. Es wird dir an nichts fehlen. Die Wohnung in diesem Gebäude gehört dir bereits. Ebenso wie das Geld auf dem Konto, das wir für dich eingerichtet haben. Alles, was du tun musst, ist Demut zu lernen und wie man liebt.“
Gabe erzitterte am ganzen Leib, als er sich seines neuen sterblichen Körpers bewusst wurde. Sein Magen zog sich wieder zusammen, und diesmal musste er sich übergeben. Seine Augen füllten sich mit Tränen, die Muskeln in seinem Bauch schmerzten und seine Kehle brannte. Es gab ein unangenehmes Gefühl tief in seinem Magen, eine Art Druck, der zu entweichen versuchte. „Was ist mit mir passiert?“ Seine Stimme klang heiser, kaum mehr als ein raues Flüstern.
Der andere Mann zuckte mit den Schultern. „Du hast jetzt einen sterblichen Körper und alle Bedürfnisse und Empfindungen, die dazu gehören. Du wirst Hunger spüren, den Drang dich zu erleichtern und zu urinieren, Müdigkeit, ja sogar Erregung.“
Echte Angst erfasste ihn. „Was passiert, wenn dieser Körper stirbt, ehe ich jemanden finde, der sich in mich verliebt und freiwillig sein Leben für mich gibt? Komme ich dann in die Hölle?“
Michael klopfte ihm aufs Knie und drängte ihn zum Aufstehen. „Nein. Du wirst aufhören zu existieren.“
Gabe ließ zu, dass er in die Lobby des Wohnkomplexes und dort zum Aufzug gebracht wurde. Er konnte sich nicht entscheiden, welches Schicksal schlimmer war, Hölle oder Nichts. Er war so in seine Gedanken vertieft, dass ihm gar nicht bewusst war, dass Michael ihn aus dem Lift hinaus und in eine Wohnung geführt hatte. Das Apartment war eintönig und trist. Taupefarbene Wände und ein erst kürzlich gereinigter cremefarbener Teppich begrüßten ihn. Es war perfekt neutral und normal. Der Künstler in ihm rebellierte sofort. Die Wände sollten in einem zornigen Rot gestrichen werden und der Teppich sollte herausgerissen und in den Müllcontainer geworfen werden, wo er hingehörte.
Michael führte ihn zur Couch und bedeutete ihm, sich hinzusetzen. „Ich werde jetzt gehen. Aber falls du etwas brauchen solltest, dann zögere nicht, nach mir zu rufen. Ich werde immer für dich da sein.“
Er nickte nur. Ausnahmsweise fehlten ihm völlig die Worte. Das war das absolut Schlimmste, was ihm hätte passieren können.
Dann traf ihn die Erkenntnis. Michael würde gehen, und das bedeutete, dass er allein in dieser Welt voller undankbarer, fantasieloser, ungezogener, ihre Körper zerstörender, fauler Chaoten war. „Nein! Michael, lass mich nicht allein. Du darfst mich nicht verlassen. Was soll ich tun? Wie werde ich überleben? Ich kann nicht wie sie leben.“ Gabe spürte, wie Verzweiflung in ihm hochkroch.
Sein Chef ging in die Knie und schaute zu ihm hoch. Die Erheiterung, die Gabe vorhin entdeckt hatte, war zu einem Ausdruck des Mitleids geschmolzen. Das verletzte seinen Stolz, aber er würde alles tun, um diese Strafe abzuwehren. „Sag mir, was ich tun soll. Willst du, dass ich bettle? Ich werde es tun.“ Er ließ sich auf die Knie fallen, ergriff Michaels Ärmel und senkte den Kopf, um seine Lippen auf die Hand des Engels zu drücken. „Ich bin auf meinen Knien, Michael. Bitte.“
Michael zog sanft seine Hand aus Gabes Griff zurück und stand auf, ehe er einen Schritt zurück machte. „Du musst deine Lektion lernen. Es tut mir leid, dass du das so sehr verabscheust, aber das ist genau der Ort, an dem du sein musst.“
Mit einem letzten mitleidigen Blick verschwand er vor Gabes Augen.
Gabe ließ den Kopf fallen, ballte die Hände zu Fäusten und schlug damit gegen seine Oberschenkel. Zorn, wie er ihn noch nie gespürt hatte, brandete durch ihn, und er schrie seinen Schmerz und seine Wut gegen die Zimmerdecke. Er spürte, wie die Sehnen an seinem Hals hervortraten. Seine Kehle war rau, seine Lungen brannten mit dem Verlangen nach Sauerstoff, und seine Augen fühlten sich an, als ob sie jeden Moment aus seinem Kopf springen würden. Er schrie, bis seine Stimme brach. Er schrie stumm weiter, bis sich sein Zorn in Panik verwandelte.
Der Druck auf seine Blase und sein Rektum wurde zu viel, und ihm wurde plötzlich bewusst, dass er seinen Körper entleeren musste. Da er seit gut zweihundert Jahren mit Menschen zu tun hatte, wusste er, dass eine Toilette diesem Zweck diente. Als er sich endlich mit der misslichen Lage angefreundet und das winzige Badezimmer gefunden hatte, war er verzweifelt bemüht, dem wachsenden Druck nachzugeben.
Seine Übelkeit kehrte zurück, als sein Körper mit dem Prozess der Ausscheidungen begann. Er war völlig abgestoßen von dem, was passierte. Jetzt war er nicht besser als diese menschlichen Affen, die er so lange geleitet hatte. Der Gedanke, was er vielleicht tun müsste, um einen Menschen dazu zu bringen, sich in ihn zu verlieben, stieß ihn ab. Wie sollte er sich selbst je auf dieses Niveau begeben, ganz zu schweigen davon, mit einem von ihnen eine Art bedeutsamer Beziehung zu führen?
Und einen Menschen dazu bringen, freiwillig sein Leben für ihn zu geben? Die Menschen waren so egoistisch und dachten nur an sich selbst. Er konnte sich genauso gut gleich an ein elendes Leben hier auf der Erde gewöhnen, bevor seine Existenz völlig ausgelöscht wurde. Für ihn gab es keine Hintertür zurück in den Himmel.
Er ließ den Kopf in die Hände fallen, während sein Körper damit fortfuhr, sich zu entleeren, und weinte zum ersten Mal in seinem langen Leben.
Das steife Material seiner Smokinghose warf leichte Falten, als Josh seine Anzugschuhe verfluchte. Verdammt noch mal, er war Chirurg, kein Model. Er war daran gewöhnt, im Krankenhaus in Slippern und OP-Kitteln herumzulaufen, nicht in einem Pinguinaufzug und kneifenden Schuhen. Er hatte einen Chiropraktiker gekannt, der ihm mal von dem Schaden berichtet hatte, den unpassende Schuhe an der Wirbelsäule anrichten konnten, und zuckte innerlich bei dem Gedanken zusammen, was der Mann jetzt zu ihm sagen würde. Doch der Vorstand seiner Abteilung, Dr. Bitterman, hatte auf seine Teilnahme an dieser Spendengala bestanden, und im Memo hatte eindeutig formelle Kleidung gestanden.
Er seufzte und mühte sich mit der Schnalle auf seinem lächerlich kleinen Manschettenknopf ab. Die Dinger waren nutzlos, aber sein Chef hatte auch in dem Punkt darauf bestanden, dass er sie tragen musste, um seinen Aufzug vollständig zu machen. Diese ganze Unterhaltung hatte ihn sich fragen lassen, ob sein Chef nicht besser Modekritiker statt Vorstand der Herzabteilung hätte werden sollen.
Der Raum, den er betrat, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Er entdeckte die Chefs von mehreren Abteilungen und einige andere Ärzte, die in der Menge herumliefen. Die restlichen Gäste mussten dann wohl die wichtigsten Spender sein. Zumindest würde das Krankenhaus eine Menge Geld einnehmen, wenn die Anzahl der anwesenden Leute einen Rückschluss darauf zuließ.
Er wollte sich gerade auf den Weg zur Bar machen, um sich einen Cranberrysaft zu holen, als er eine Hand an seinem Ellenbogen spürte. „Dr. Josh, Sie sehen heute Abend sehr gut aus.“
„Mr. Walters! Wie nett, Sie zu treffen. Wie geht es Ihnen?“ Der kleine alte Mann war vor einigen Monaten sein Patient gewesen. Er war ein ruppiger Kerl, der es genoss, bei jeder Gelegenheit den mürrischen alten Mann zu spielen. Josh hatte ihn vom ersten Augenblick an durchschaut, und seitdem pflegten die beiden einen kameradschaftlichen Umgang. „Wie gefällt Ihnen die Spendengala?“
Mr. Walters verdrehte die Augen und atmete ungehalten aus. „Es ist eine Kunstausstellung. Ich habe keine Ahnung von Kunst, aber die Drachenlady hat mir gesagt, dass ich kommen muss und mir befohlen, diesen Frack zu tragen. Wenn ich mich schon so in Schale werfen muss, dann hätten Sie wenigstens eine Monte-Carlo-Nacht oder was in der Art organisieren können.“
Josh erstickte ein Lachen hinter vorgehaltener Hand und ließ sich von seinem Patienten zur Bar führen. „Ich hatte mit der Planung dieses Abends nichts zu tun. Ich hätte sonst ein Barbecue auf dem Krankenhausparkplatz veranstaltet. Das war vermutlich der Grund, warum ich nicht eingeladen wurde, ein Teil des Planungskommitees zu sein.“
Die beiden plauderten freundlich miteinander, bis sich Mr. Walters’ Frau zu ihnen gesellte. „Mrs. Walters, freut mich, Sie wiederzusehen.“
„Danke gleichfalls“, antwortete Mrs. Walters in gebieterischem Tonfall. „Dieses Jahr herrscht eine rege Beteiligung.“
Josh nickte zustimmend. „Das Krankenhaus kann das Geld wirklich brauchen.“
Die Frau lächelte breit. „Ich lasse mir von Horace das teuerste Gemälde hier kaufen und dann verlangen wir, dass das Geld dafür der Herzabteilung zur Verfügung gestellt wird. Los, Horace. Wollen Sie uns nicht begleiten, Doktor?“
Die ältere Frau marschierte zum angrenzenden Raum, wo die Gemälde ausgestellt wurden. „Die Drachenlady ruft nach uns“, murmelte Mr. Walters. Er und Josh rutschten von ihren Barhockern und folgten ihr ergeben.
Der Lärm der sie umgebenden Menge verschwand, als Josh den ersten Blick auf die Bilder warf, die für die Auktion ausgestellt waren. Gleich wie bei Mr. Walters passte das, was Josh über Kunst wusste, auf die Klinge seines Skalpells, doch die hier ausgestellten Leinwände waren auf herzzerreißende Art atemberaubend.
Kühne Spritzer eines zornigen Scharlachrots in einer Strandszene deuteten auf die Tiefe der Wut des Künstlers hin. Das eintönige Grau und Schwarz einer Stadtlandschaft sprachen von einer tiefsitzenden Einsamkeit. Tatsächlich spiegelte jedes Bild quälenden Schmerz und Hoffnungslosigkeit wider. Er konnte praktisch die Emotionen spüren, die von der Leinwand abstrahlten, und sein Herz brach bei jedem Gemälde, das er sich ansah, ein wenig mehr.
Mrs. Walters sah ihn mit großen, tränengefüllten Augen an und schenkte ihm ein trauriges Lächeln. „Ziemlich ergreifend, nicht wahr? Jedes Mal, wenn ich mir einen Gabriel Michaels ansehe, habe ich das Bedürfnis zu weinen. Und doch sind sie so wunderschön.“
Josh konnte nur nicken, viel zu überwältigt von seinen Gefühlen, um etwas sagen zu können. Er hörte Mrs. Walters mit halbem Ohr zu, als sie darüber plauderte, welches Gemälde sie kaufen und wo sie es aufhängen wollte.
Besonders ein Bild erregte seine Aufmerksamkeit. Es war das einzige, das keine Landschaft zeigte. Das silhouettenhafte Profil eines muskulösen Mannes mit Engelsflügeln war alles, was auf der Leinwand zu sehen war. Er saß mit dem Kopf in den Händen auf einer Kiste, den Rücken gebeugt, was Josh den Eindruck von völligem und totalem Elend vermittelte. Die Flügel des Engels waren in einem merkwürdigen Winkel abgeknickt, als wären sie unter dem Gewicht von was immer er ertragen musste gebrochen. Er wollte einfach nur dieses Wesen an seine Brust ziehen, es an sich drücken und den ganzen Schmerz vertreiben.
Als eine Stimme dicht an seinem Ohr ertönte, zuckte er zusammen. „Gefällt es Ihnen?“
Josh wirbelte herum und kam fast ins Straucheln, als er dem schönsten Mann gegenüberstand, den er je gesehen hatte. Schön war nicht einmal annähernd eine passende Beschreibung. Er raubte ihm buchstäblich den Atem.
Er war groß, wahrscheinlich gute zwei Meter im Vergleich zu Joshs ein Meter achtundsiebzig, mit breiten Schultern, schmalen Hüften und mächtigen Oberschenkeln. Er war nicht übermäßig muskulös, aber durchtrainiert mit gut definierten Wölbungen an all den richtigen Stellen.
Sein Gesicht allein war ein Kunstwerk. Der Mann war mit lächerlich hohen Wangenknochen und einem vollen, weichen Mund gesegnet, der wie dafür gemacht schien, schmutzige kleine Wörter in das Ohr eines Liebhabers zu flüstern, während er langsam seinen Partner liebte. Dank eines eckigen Kinns und des sturen Winkels seiner Stirn wirkte er dennoch nicht allzu feminin.
Aber seine Augen. Oh Gott, seine Augen. Sie waren von dem reinsten Smaragdgrün, das Josh je gesehen hatte. Es gab keine Spur einer anderen Farbe in diesen Iriden und sie schienen direkt in seine Seele zu blicken. Der Mann rieb sich über den Kopf, strich sein bereits perfektes schwarzes Haar glatt und verzog den Mund zu einem schmalen, beinahe zynischen Lächeln. „Gefällt Ihnen das Gemälde?“, fragte er erneut.
Josh schüttelte innerlich den Kopf über sich selbst, erwiderte das Lächeln und deutete auf das Bild mit dem Engel. „Es ist so schön, aber so traurig. Es bringt mich dazu, einfach dieses Geschöpf in meine Arme ziehen und festhalten zu wollen, bis es sich besser fühlt.“
Das Lächeln des wunderschönen Mannes verblasste, und er betrachtete Josh genau. „Das ist wirklich Ihr Ernst, nicht wahr.“ Er formulierte es als Feststellung und nicht als Frage.
Josh hatte das merkwürdige Gefühl, dass er irgendwie abgeschätzt wurde. In diesem Moment hätte er das Glitzern in den Augen des Mannes als kalt und berechnend bezeichnet.
Im nächsten Augenblick war sein Gesicht offen und seine Augen, wenngleich nicht besonders warm, blickten Josh nicht mehr mit solch distanziertem Interesse an. Er lächelte wieder, aber dieses Mal war es ein richtiges Grinsen. Es veränderte ihn, und sein Gesicht wurde so schön, dass es beinahe wehtat, ihn anzusehen. Michelangelos David war nichts gegen diesen Mann. Von seinem Abbild sollten Büsten hergestellt werden. „Ich heiße Gabriel“, sagte dieser grandiose Mund.
Josh blinzelte ihn einige Momente lang an, zu überrascht von der plötzlichen Lust, die sich einen Weg durch seinen Körper bahnte, um eine intelligente Antwort zu geben, und wütend auf sich selbst, weil er sich wie ein Idiot aufführte. Er war Arzt, verdammt noch mal. Er war klug und er hatte Jahre der Ausbildung hinter sich, die das bewiesen. Er konnte eine intelligente Unterhaltung mit einem anderen Mann führen, selbst einem so verführerischen wie diesem hier.
„Ich bin Josh“, antwortete er, streckte die Hand aus und stieß damit gegen den Drink in Gabriels Hand, sodass der Inhalt über den Rand des Glases schwappte. Er zuckte bei seiner Tollpatschigkeit zusammen, doch Gabriel wischte sich einfach die Hand mit einer Stoffserviette ab, die er einem vorbeieilenden Kellner abnahm.
„Sagen Sie mir, Josh, was halten Sie vom Rest der Gemälde?“
Er leckte sich nervös über die Lippen, doch wenigstens hatte er nicht zu stottern angefangen oder Gabriel seinen Drink endgültig aus der Hand geschlagen. Noch nicht. „Ich denke, sie sind alle schön, aber sie wirken auch so ... aufgewühlt, schätze ich.“
Gabriel legte den Kopf schief und schaute ihn an, als ob er versuchte, direkt in ihn hineinzublicken. „Aufgewühlt?“, fragte er und wartete eindeutig auf eine Erklärung.
Josh trat unruhig auf der Stelle und versuchte, sich nicht auf Gabriels Lippen zu konzentrieren. Obwohl seine sexuelle Präferenz für Männer kein Geheimnis war, tat er sein Bestes, diskret zu sein. Vor seinem Chef und dem ganzen Vorstand des Krankenhauses diesen hinreißenden Mann anzusabbern würde ganz sicher nicht als diskret gelten.
Dummerweise wurde ihm ohne Ablenkung bewusst, wie sehr seine Füße in diesen verdammten Budapestern schmerzten. Er hätte sich liebend gerne hingesetzt, diese dämlichen Schuhe ausgezogen und seine schmerzenden Sohlen massiert, aber er war sich ziemlich sicher, dass sein Chef dann einen Anfall bekommen würde.
