Michaels Herz - Lynn Tyler - E-Book

Michaels Herz E-Book

Lynn Tyler

0,0
6,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Michael Ferris führt ein einsames Leben, selbst als Werwolf innerhalb des begrenzten Raums des Smooth Rock Falls Rudels. Da er nicht gewillt ist, erneut das Risiko einzugehen, verletzt zu werden, hat er eine undurchdringliche Mauer um sein Herz errichtet, und nur wenigen ist es gelungen, einige Steine zu lösen. Seine Arbeit bei der Feuerwehr hilft ihm, seine Einsamkeit eine Zeit lang zu vergessen, doch als er den richtigen Mann trifft, weiß Michael nicht, ob er ihn in sein Herz lassen kann. Justin Blake ist nicht freiwillig einsam. Tatsächlich ist ihm nicht einmal bewusst, wie einsam er wirklich ist, bis er den attraktiven Feuerwehrmann erblickt. Als Verhandlungsführer der Gestaltwandler fühlt sich Justin hoffnungslos zu Michael hingezogen, während er neuen Gestaltwandlern dabei hilft, sich auf dem Rudelterritorium niederzulassen. Können zwei verletzte, verlorene Seelen sich gegenseitig heilen, oder wird Angst sie voneinander getrennt halten, selbst als das Smooth Rock Falls Rudel größer wird? Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 61.800 Wörter

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2019

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

ÜBER LYNN TYLER

LESEPROBE:

Michaels Herz

Michael Ferris führt ein einsames Leben, selbst als Werwolf innerhalb des begrenzten Raums des Smooth Rock Falls Rudels. Da er nicht gewillt ist, erneut das Risiko einzugehen, verletzt zu werden, hat er eine undurchdringliche Mauer um sein Herz errichtet, und nur wenigen ist es gelungen, einige Steine zu lösen. Seine Arbeit bei der Feuerwehr hilft ihm, seine Einsamkeit eine Zeit lang zu vergessen, doch als er den richtigen Mann trifft, weiß Michael nicht, ob er ihn in sein Herz lassen kann.

Justin Blake ist nicht freiwillig einsam. Tatsächlich ist ihm nicht einmal bewusst, wie einsam er wirklich ist, bis er den attraktiven Feuerwehrmann erblickt. Als Verhandlungsführer der Gestaltwandler fühlt sich Justin hoffnungslos zu Michael hingezogen, während er neuen Gestaltwandlern dabei hilft, sich auf dem Rudelterritorium niederzulassen.

Können zwei verletzte, verlorene Seelen sich gegenseitig heilen, oder wird Angst sie voneinander getrennt halten, selbst als das Smooth Rock Falls Rudel größer wird?

Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.

Länge: rund 61.800 Wörter

LYNN TYLER

Michaels Herz

Pack Mates 4

Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene

ME AND THE MUSE PUBLISHING

www.meandthemuse.com

Copyright © der englischen Originalausgabe „Michael’s Heart“:

Lynn Tyler

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:

Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe

Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2017

Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs

Übersetzt von: Jutta E. Reitbauer

URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZT:

Dieses Buch darf ohne vorherige eindeutige schriftliche Zustimmung des Urheberrechtsinhabers in keinerlei Form, weder ganz noch auszugsweise, vervielfältigt und / oder vertrieben werden. Dies beinhaltet auch die elektronische und fotografische Vervielfältigung sowie zukünftig entwickelte Methoden. Ebenso ist die kostenlose Weitergabe dieses Buches, beispielsweise über sogenannte File-Sharing Sites ausdrücklich untersagt.

Mit dem Erwerb eines E-Books erhält der Käufer die Lizenz zur persönlichen Nutzung, ist jedoch nicht zur Weitergabe des Inhaltes an Dritte, weder gegen Entgelt noch kostenlos, berechtigt.

Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.

Bitte beachten:

Einige unserer Titel enthalten Hinweise auf und Beschreibungen sexueller Handlungen, die möglicherweise eine Gefährdung körperlicher und geistiger Gesundheit darstellen können. Mit der Beschreibung solcher Praktiken erheben wir keinen Anspruch auf deren tatsächliche Durchführbarkeit und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Verletzungen oder Schäden, die bei der Nachstellung solcher oder vergleichbarer Handlungen entstehen. Generell raten wir unseren Lesern davon ab, potenziell gefährliche Sexualpraktiken ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Anleitung durch Personen mit ausreichender Sachkenntnis durchzuführen.

Widmung

Dieses Buch ist all jenen gewidmet, die die Wölfe von Smooth Rock Falls lieben. Ihr seid der Hammer!

Danksagung

Ich hätte das nicht ohne meinen Mann geschafft, der mit einem Lächeln die Wäsche machte, Essen kochte und einkaufen ging, damit ich schreiben konnte.

Lernt die Gestaltwandler von Smooth Rock Falls kennen

Declan O’Halloran: Website-Designer bei Tag, Alpha des Smooth Rock Falls Rudels bei Nacht. Er nahm Quinn Gallagher in dem Buch Heimkehr zu seinem Gefährten zum Gefährten.

Quinn Gallagher: Quinn ist der Omega von Smooth Rock Falls mit einer tragischen Vergangenheit. Es war seine Paarung mit Declan in Heimkehr zu seinem Gefährten, die ihn heilte.

Adam Harris: Adam ist einer der Smooth Rock Falls Betas, der ebenfalls Feuerwehrmann ist. Er nahm Cullen in der Kurzgeschichte Gefährten im Frühling zum Gefährten.

Cullen Stark: Cullen ist einer der Smooth Rock Falls Betas. Er verdient sich seinen Lebensunterhalt als Lektor und ist Adams Gefährte.

Shea Morrison: Shea ist ein Genie und arbeitet bei der Royal Canadian Mounted Police als forensischer Chemiker. Er ist eine Art Einzelgänger, und soziale Interaktionen fallen ihm schwer. Er ist Micahs Gefährte, und ihre Geschichte findet sich in Micahs Zuflucht.

Micah Warren: Micah ist neu im Smooth Rock Falls Rudel, nachdem er gezwungen war, sein altes Rudel zu verlassen. Er ist Bauunternehmer und Sheas Gefährte.

Grayson Mitchell: Gray arbeitet als Krankenpfleger in der Notaufnahme. Er hat die Vormundschaft für seine drei kleinen Nichten und ist der Gefährte von Shannon Cho aus Der Tiger und sein Wolf.

Shannon Cho: Shannon hat Probleme mit seinem Namen, da er kein Mädchen, sondern durch und durch Mann ist. Er ist der erste Tigerwandler unter den Wölfen des Smooth Rock Falls Rudels und Graysons Gefährte aus Der Tiger und sein Wolf.

Michael Ferris: Michael ist Feuerwehrmann und Declans Pflegebruder. Zwar ist er geoutet, aber definitiv kein stolzer Schwuler, und seine selbst errichtete Schutzmauer ist höher als die Flammen, die er bekämpft.

Justin Blake: Justin ist ein seltener Adlerwandler. Soweit es Menschen betrifft, ist er Anwalt, aber tatsächlich ist er als Verhandlungsführer der Gestaltwandler tätig und hilft dabei, Probleme zwischen den unterschiedlichen Wandlerarten zu lösen.

Kapitel 1

Der köstliche Geruch von gebratenem Hähnchen umgab ihn, und Michael Ferris grinste. Falls das die Jungs nicht von ihrem Spielmarathon loseiste, würde es nichts auf der Welt schaffen. Nun ja, vielleicht würden der Kartoffelbrei und die Sauce, die sie alle so liebten, das Wunder ebenfalls zustandebringen. Der Wolf in ihm knurrte bei dem Gedanken, seine Mahlzeit mit jemand anderem als Adam teilen zu müssen, doch er drückte das Tier nach unten und beschwichtigte es mit dem Versprechen einer schönen, großen Hühnerbrust.

Wahrscheinlich würden die meisten Feuerwehrleute das gedämpfte Gemüse, das Michael gemacht hatte, ignorieren, aber zumindest hatte er es hingestellt.

Adam, sein Kollege bei der Feuerwehr und einer der Betawölfe in seinem Rudel, spazierte herein und schnüffelte anerkennend. „Riecht fantastisch, Mike. Fast so gut wie etwas, das Shannon zubereitet hat.“

Michael wurde leicht rot und rührte die blubbernde Sauce um. Shannon war der Partner seines besten Freundes und ein Gourmetkoch. Ein Abendessen bei ihnen zu Hause war wie in einem Fünf-Sterne-Restaurant. Mindestens einmal die Woche luden sie ihn zum Essen ein, und für gewöhnlich ging er auch hin. Er genoss es, sich mit Gray zu unterhalten, und die Nichten des Mannes waren einfach zu niedlich. Er musste nur daran denken, Gray nicht allzu nahe zu kommen, denn Shannon war ein sehr besitzergreifender Tigerwandler und neigte dazu, gegenüber seinem Wolfswandler-Gefährten und ihren drei kleinen Mädchen einen extremen Beschützerinstinkt an den Tag zu legen. „Es ist nicht so gut wie etwas von Shannon, aber es ist ganz okay“, antwortete er.

Der Betawolf nahm sich einen Hähnchenschenkel und biss herzhaft hinein. „Gut“, lobte er mit vollem Mund. Er schluckte hinunter und lächelte. „Wenn ich nicht bereits Cullen zum Gefährten hätte, würde ich dich anmachen.“

„Lass Cullen ja nicht hören, dass du das gesagt hast“, warnte Michael mit einem Lachen. „Er würde mich in Stücke reißen und dir danach deine eigenen Eier auf dem Silbertablett servieren.“

Adam lachte ebenfalls. „Ja, das stimmt. Tagsüber mag er Lektor sein, aber er verwandelt sich in einen zweibeinigen Schrecken, falls etwas geschieht, das ihm missfällt.“

Mike übergab Adam eine Platte mit Hähnchen, damit er sie auf den Tisch stellte, steckte den Kopf in den Aufenthaltsraum der Feuerwache und rief den Rest der Männer zum Abendessen.

Sein Magen knurrte und sein Wolf verlangte nach Nahrung, also schnappte er sich die nächste Platte mit Hähnchen, während die anderen in die Küche strömten. „Oh Mann“, sagte einer von ihnen. „Das ist besser als alles, was meine Mom und meine Frau zusammen zustande bringen könnten.“

„Ja“, stimmte ein weiterer zu. „Meinst du, dass du meiner Frau Kochunterricht geben könntest?“

Michael lachte und fasste zwischen die Schultern der großen Männer, um die Platte auf den Tisch zu stellen. „Ich habe gesehen, was deine Frau kochen kann“, entgegnete er. „Sie ist eine tolle Köchin.“

Rund um den Tisch griffen die Feuerwehrmänner nach Hähnchenstücken und bissen in die knusprige Haut, bevor er überhaupt den Rest des Essens auf den Tisch gebracht hatte. „Nehmt euch wenigstens einen Teller, ihr Barbaren“, schimpfte er, bevor er zum Herd eilte, um die riesige Schüssel mit Kartoffelbrei zu holen.

„Ja, Liebling“, schoss einer der Feuerwehrmänner zurück. „Ich schwöre, du bist genauso schlimm wie meine Frau.“

„Vielleicht sollten wir anfangen, dich Miss Michael zu nennen“, kam eine weitere Antwort.

Lachen ertönte rund um den Tisch, während Michael spürte, wie sein Lächeln anfing, seinen Glanz zu verlieren. Und es geht los.

„Tja, du weißt schon, wenn er sich angesprochen fühlt …“

Michael ließ die Schüssel mit den Kartoffeln praktisch auf den Tisch fallen. Er hatte sich bereits als Teenager geoutet und seit damals nie bemüht, seine sexuelle Orientierung zu verbergen. Er hatte gedacht, dass nichts schlimmer sein könnte als die Reaktion seines Vaters auf diese Verkündung. Und er hatte recht gehabt. Aber die Sticheleien, besonders von seinen Kollegen, störten ihn trotzdem.

„Hört auf mit dem Scheiß, Jungs“, fauchte Adam und stellte sich vor ihn.

Michael widerstand dem Drang seines Wolfs, sich an seinen Beta zu schmiegen, wie es ein normaler Werwolf tun würde. Er machte ein paar Schritte zurück, räusperte sich und zwang sich zu einem Lächeln. „Es ist okay, Ad-man. Sie machen nur Spaß.“

Zumindest dachte er das.

Trotz seines lockeren Auftretens hatte er den Appetit verloren, und das Essen übte nicht länger einen Reiz auf ihn aus. Er brachte den Rest des Essens auf den Tisch und schämte sich ein bisschen. Noch immer hörte er die Worte seines Vaters in seinem Kopf, der ihm sagte, dass er von seiner sexuellen Orientierung angewidert sein sollte, und ein kleiner, sehr winziger Teil von ihm glaubte dem Mann.

Doch der wahre Grund, warum er sich für sich selbst schämte, war das Wissen, dass er nicht von seiner Sexualität angewidert sein sollte. Es gab genug Leute in seiner Umgebung, wie Adam und sein Gefährte Cullen, die geoutet und stolze Schwule waren. Michael war geoutet, aber nicht immer darauf stolz.

Er überließ es den Jungs, die Mahlzeit zu vernichten, die er gekocht hatte, und verschwand mit der Ausrede im jetzt leerem Aufenthaltsraum, dass er einen dringenden Anruf tätigen musste.

Doch in Wahrheit gab es gar nicht viele Leute, die er anrufen könnte. Er hatte so viele seiner Freunde von sich gestoßen, als er von zuhause hinausgeworfen worden war, nachdem er seinen Eltern gesagt hatte, dass er schwul war; er konnte die Anzahl seiner Freunde an einer Hand abzählen.

Es gab nur eine Person, die ihm einfiel, die er anrufen konnte. Er wählte die Nummer und wartete, während es am anderen Ende der Leitung läutete. Fast hätte er aufgelegt, als endlich eine tiefe, atemlose Stimme antwortete. „Hallo?“

Musik erklang im Hintergrund, und Kichern und leise Schreie unterbrachen gelegentlich die Melodie. „Äh, hi, Shannon. Hier ist Michael. Kann ich Gray sprechen?“

„Klar“, sagte Shannon. „Bleib kurz dran.“

Das Geräusch von Schritten ertönte durch die Leitung, und kurz wurde das Kreischen lauter, als ob ein glückliches Baby von einem Paar Arme an das nächste weitergereicht wurde, bevor Gray ins Telefon sprach. „Hallo?“

Vielleicht war das doch keine so gute Idee gewesen. Michael wusste auf einmal nicht, was er sagen sollte.

Gray redete weiter. „Mikey? Bist du noch dran?

Der Klang von Grays Spitznamen für Michael in ihrer Kindheit löste seine Zunge. „Hey, Gray. Läuft da eine Party, zu der ich nicht eingeladen worden bin?“

Gray lachte. „Eine spontane Tanzparty, die gerade in der Küche losgegangen ist. Ernsthaft, Mikey, du solltest Honor zu ‚Moves Like Jagger‘ tanzen sehen. Sie hat Micks Ententanz perfekt drauf.“

Das konnte er sich lebhaft vorstellen. Grays drei Nichten, für die er die Vormundschaft hatte, waren die niedlichsten Kinder, die man sich denken konnte. Er hatte sie noch nicht allzu oft getroffen, da sie normalerweise bereits im Bett waren, wenn er zum Essen vorbeikam, aber er hatte das Vergnügen gehabt, sie einige Male zu bewachen. „Ich wette, dass es verdammt süß ist. Und dein Mann ist wahrscheinlich auch keine Niete, was das Tanzen angeht.“

Sein Freund räusperte sich einige Male. „Ja, ich kann dir versichern, dass er ein ziemlich guter Tänzer ist.“

Grays Tonfall ließ die Aussage versaut wirken, und Michael konnte das Schnauben nicht unterdrücken, das seiner Kehle entkam. „Du bist ein Perversling“, sagte er mit einem leisen Lachen.

„Hey“, sagte Gray und klang leicht beleidigt. „Ich habe nichts Falsches gesagt. Du bist derjenige, der solche schweinischen Gedanken hat.“

Michael kannte Gray gut genug, um zu wissen, dass der andere Wolf nur Spaß machte. „Mann, vielleicht sollte ich mal wieder Sex haben.“

Gray schnaubte erneut. „Das könnte bei den schweinischen Gedanken helfen. Andererseits könnte es sie auch schlimmer machen.“

Scheiße, er war froh, dass er seinen Freund angerufen hatte. Er mochte den Kontakt zu Gray verloren haben, als der andere Mann seine Ausbildung zum Krankenpfleger begann, doch Gray versuchte bereits seit einer Weile, ihre Freundschaft neu zu beleben. Vielleicht wäre etwas gemeinsame Zeit mit einem Freund eine gute Sache. „Ich hab mich gefragt, ob du heute Abend was trinken gehen willst? Ich bin mit meiner Schicht gegen acht fertig, außer es gibt ein größeres Feuer, wofür sie meine Hilfe brauchen.“

„Das sollte klargehen, vorausgesetzt, dass Shannon nichts dagegen hat, heute allein auf die Kinder aufzupassen.“ Es gab eine Pause, und dann brüllte Gray seine Bitte, um die Musik zu übertönen.

Shannons gedämpfte Antwort, die ihm sagte, dass es in Ordnung ginge, solange Gray ihn belohnte, wenn er nach Hause kam, brachte Michael zum Ächzen. Er freute sich für seinen Freund. Wirklich. Aber sie mussten ihm ihr Sexleben nicht unter die Nase reiben.

„Hast du das gehört?“, fragte Gray, als er wieder in der Leitung war.

„Ja“, bestätigte Michael. „Und du sagst, dass ich hier der Perverse bin? Ich denke, Shannon schlägt mich auf dem Gebiet.“

Ein plötzliches Kreischen ließ Michael das Handy von seinem Ohr weghalten, und diesmal klang der Schrei nicht fröhlich. Das durchdringende Geräusch wurde lauter und lauter, bis Michael das Handy einen halben Meter von seinem Körper weghalten musste. Er konnte sich nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie es in Grays Haus klingen mochte.

„Hope, Süße, das ist keine gute Idee“, sagte Gray zu seiner mittleren Nichte. „Hör mal, ich muss aufhören. Wo sollen wir uns treffen?“

Michael dachte daran, Gray das örtliche Pub vorzuschlagen, entschied sich aber dagegen, als ihm bewusst wurde, dass keiner von ihnen in der Lage wäre, nach ein paar Drinks selbst nach Hause zu fahren. „Wie wär’s bei mir? Sagen wir gegen neun?“

„Perfekt“, antwortete Gray. Ein Weinen gesellte sich zum Kreischen und klang unmissverständlich nach einem Baby.

Er wollte gerade fragen, was vor sich ging, als Adam zu ihm in den Aufenthaltsraum kam. „Dann leg jetzt auf“, sagte er zu Gray und bedeutete Adam, dass er nur mehr einen Moment brauchte. „Bis später.“

„Ja, Mann. Hey, pass auf dich auf. Und sag Adam das Gleiche.“

Gray legte auf, bevor Michael noch etwas sagen konnte, doch er machte ihm keinen Vorwurf. Ganz offensichtlich brauchte etwas oder jemand seine volle Aufmerksamkeit.

Was Aufmerksamkeit betraf, schien Adam geduldig darauf zu warten, dass Michael seine auf ihn richtete. „Was gibt’s?“, fragte er.

Der Betawolf neigte den Kopf und kam direkt auf Michael zu. Er schlang die Arme um Michaels Taille und zog ihn eng an sich.

Michael gab seinem Wolf nach und lehnte sich einige Sekunden an den dominanteren Mann. Es fühlte sich gut an, loszulassen und etwas Trost anzunehmen, selbst wenn es nur eine halbe Minute dauerte.

„Komm jetzt und iss etwas“, flüsterte Adam, löste sich von ihm und trat zurück.

Sein Telefonat mit Gray hatte seine Stimmung erheblich aufgehellt, doch plötzlich erinnerte sich Michael daran, warum er überhaupt im Aufenthaltsraum Zuflucht gesucht hatte. „Ich bin nicht wirklich hungrig“, sagte er.

Adam betrachtete ihn mit gerunzelter Stirn und verschränkte die Arme vor der Brust. „Mike, du musst mitkommen und etwas essen. Du weißt, dass du dafür sorgen musst, dass du genug Kalorien zu dir nimmst.“

Der Beta warf einen Blick über die Schulter, um sicherzugehen, dass sie weiterhin allein waren.

„Hör zu, dein Wolf lässt nicht zu, dass du sehr lange ohne Nährstoffe weitermachst, besonders da du so ein muskulöser Kerl bist. Das Letzte, was wir brauchen, ist ein hungriger Werwolf, vor allem nicht bei einem Brandherd, wo eine Menge Angst herrscht und es wahrscheinlich auch Blut gibt. Du willst deinen Wolf nicht in Versuchung führen.“

Michael wusste, dass Adam recht hatte, und er wusste auch, dass die anderen Jungs ihn nur aufzogen. Sie hatten keine Probleme mit ihm oder Adam. Tatsächlich hatte Adam Cullen bereits einige Male zu Barbecues auf der Feuerwache und Wohltätigkeitsveranstaltungen mitgenommen. Aber er wusste nicht, ob er heute Abend noch weitere Sticheleien ertrug.

Adam schien zu wissen, was er dachte, und rieb Michaels Schulter. „Lass mich mit den Jungs darüber sprechen, wie sie mit dir reden.“

Sie hatten den gleichen Streit jedes Mal, wenn die Worte Michael schlussendlich zusetzten. „Lass gut sein. Ich bin ein Mann und sollte mich auch so benehmen. Ihre Witze sollten mir egal sein.“

Der andere Mann schüttelte den Kopf. „Das hat nichts damit zu tun, dass du ein Mann bist, Mike. Das weißt du.“

Michael schüttelte den Kopf und wiederholte das Gleiche, was er jedes Mal sagte. „Nein, sag nichts zu ihnen. Wenigstens machen sie momentan nur harmlose Witze. Ich will nicht, dass sie einen Grund haben, wirklich auf mich loszugehen.“

Adam seufzte, gab aber nach. „Na schön. Ich werde nichts sagen … Wenn du mitkommst und etwas isst.“

Michael lag eine Ablehnung auf der Zunge, doch Adam war der dominantere Wolf und stand höher in der Hierarchie des Rudels. Er konnte nicht wirklich Nein sagen.

Also folgte er dem Beta in die Küche und quetschte sich zwischen zwei seiner Kollegen. Er nahm sich einen Teller und füllte ihn mit einer Hühnerbrust, einer kleinen Portion Kartoffelbrei und drei grünen Bohnen.

Als Adam sich räusperte, sah er zu ihm hinüber und seufzte bei dem finsteren Blick, den der Wolf ihm zuwarf. Er häufte mehr Essen auf seinen Teller, bis der Beta leicht nickte.

Sein Magen knurrte, als er den ersten Bissen nahm, und ihm wurde bewusst, wie hungrig er wirklich war. Es erstaunte ihn immer, wie sehr seine Laune die Reaktionen seines Körpers beeinflusste.

„Also“, sagte einer der Feuerwehrmänner, als Michael anfing, sich auf sein Essen zu stürzen. „Du hast ziemlich lange telefoniert. Hast du heute Abend ein heißes Date?“

„Und bitte, erspare uns die Details“, rief einer der anderen Jungs von der Spüle, wo er sich um den Abwasch kümmerte.

Michael zwang sich zu einem Lächeln und schluckte hinunter, bevor er den Mund aufmachte, um eine Antwort zu geben.

Nicht, dass er eine andere Antwort als das übliche fick dich hatte.

Das Läuten der Feuerglocke ersparte ihm, etwas zu sagen. Er stopfte noch rasch einige Bissen in den Mund, bevor aufsprang und den anderen hinterherlief. Er rollte mit den Schultern, während er sich darauf vorbereitete, zu einem Brandherd zu rasen.

Kapitel 2

Justin Blake lehnte sich auf seinem Schreibtischsessel zurück und streckte die Arme über den Kopf. Seine Wirbel knackten, als sie sich endlich bewegten. Er warf einen Blick auf die Uhr und bemerkte, dass er seit drei Stunden in der gleichen Akte las. Es überraschte ihn nicht. Regelmäßig verlor er sich in seiner Arbeit, und für gewöhnlich brauchte es etwas ziemlich Dramatisches, um seine Aufmerksamkeit zu erregen, wenn er sich auf eine Aufgabe konzentrierte.

Es war sein knurrender Magen gewesen, der seine Gedanken unterbrochen hatte, da es ungefähr die Zeit war, zu der die meisten normalen Leute ihr Abendessen einnahmen. Seine Sekretärin war sicher schon vor einer Stunde gegangen. Vermutlich hatte sie ihren Kopf zur Tür hereingesteckt, um sich zu verabschieden, und er war zu konzentriert gewesen, um es überhaupt zu bemerken. Falls er Glück hatte, würde sie etwas da gelassen haben … Ja! Ein dickes Sandwich vom Feinkostladen die Straße hinunter lag auf einem Teller, der auf einem seiner Aktenschränke stand, neben einem Stapel Kartoffelchips und einer Dillgurke. Ein großer Becher Limonade vervollständigte die Mahlzeit.

Seine Sekretärin war der Meinung, dass er jemanden brauchte, der sich um ihn kümmerte, und da ihre Kinder erwachsen und aus dem Haus ausgezogen waren, hatte sie diese Rolle übernommen. Ständig ermahnte sie ihn zu essen, brachte ihm köstliche Süßspeisen, die sie zu Hause gebacken hatte, und erinnerte ihn daran, nicht ganze Nächte im Büro zu verbringen.

Er wusste diese Mühe mehr zu schätzen, als sie je ahnen würde. Er war ein Adlerwandler, und als er achtzehn geworden war, hatten seine Eltern ihn in die Welt entlassen.

Nun ja, eher mit Gewalt in die Welt hinausgestoßen. Normalerweise waren Adlerwandler unabhängig und lebten abgeschieden. Sie hatten nicht viel Kontakt zu ihrer Familie, sobald sie volljährig waren, und die Eltern wurden von ihrer Pflicht entbunden, sich um ihr Kind zu kümmern.

Er war einer der wenigen Glücklichen gewesen. Obwohl seine Eltern sich nicht wirklich um ihn kümmerten, hatte er einen älteren Bruder, der es auf sich genommen hatte, auf ihn aufzupassen. Und die Tatsache, dass seine Eltern überhaupt gelegentlich Kontakt zu ihm während seiner Kindheit hatten, war ehrlich gesagt ein Wunder. Der Ältestenrat hatte ein ganzes Waisenhaus errichtet, das sich nur um junge Adlerwandler kümmerte, deren Eltern einfach nicht die Verantwortung übernehmen wollten, sie aufzuziehen.

Es war ein einsames Dasein gewesen; er isolierte sich noch immer von anderen, aber er wusste nicht, wie er das ändern sollte. Sein ganzes Leben hatte er damit verbracht, sich zum Anwalt und Unterhändler der Gestaltwandler ausbilden zu lassen. Nach dem Abschluss des ersten Teils seines Studiums, hielt er selbst zu seinem Bruder kaum noch Kontakt. Jetzt, wo er sein Ziel erreicht hatte, bekam er manchmal das Gefühl, in einer Sackgasse zu stecken.

Justin stand auf und ächzte laut, als jedes Gelenk in seinem Körper knackte. Er holte sich sein Sandwich, nahm einen riesigen Bissen und machte sich eine gedankliche Notiz, seiner Sekretärin die Blumen zu schicken, die ihr anscheinend so sehr gefielen. Er würde noch eine Flasche des besten Whiskys, den er sich leisten konnte, für ihren Mann dazugeben. Das war das Mindeste, was Justin tun konnte, da dieser letzte Woche mit seiner Frau ins Büro gekommen war, um ein Leck im Badezimmer zu reparieren.

Nachdem er den Teller zu seinem Schreibtisch getragen hatte, kaute er auf seinem Essen herum, während er weiterhin in seinen Unterlagen las. Er führte gerade Verhandlungen über einen Vertrag zwischen dem Werwolfrudel von Smooth Rock Falls und dem Tigerrat. Der Rat wollte seinen Omega, eine seltene Art von Gestaltwandler, und eine ganze Reihe Leibwachen herschicken, damit sie zusammen mit dem Werwolfrudel lebten. Normalerweise hätten die beiden Spezies nie interagiert, aber da Shannon Cho, ein Tigerwandler, einen Gefährten aus dem Smooth Rock Falls Rudel genommen hatte, und Quinn, ein Omegawolf, ebenfalls auf dem Gelände lebte, hielt der Tigerrat dieses Rudel für den sichersten Ort für ihren Omega.

Es ergab Sinn. Der Tiger-Omega war vermutlich sein ganzes Leben lang eingesperrt gewesen, und sobald er sich auf dem Territorium des Rudels befand, würde er ein gewisses Maß an Freiheit genießen. Besonders da Declan, der Alpha des Rudels, die Anzahl der Wachen drastisch erhöht hatte, seitdem er erkannt hatte, dass Quinn ein Omega war. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass einer der Welpen des Rudels Anzeichen zu entwickeln schien, selbst zu einem Omega zu werden.

Stirnrunzelnd unterstrich er einen besonders besorgniserregenden Absatz. Der Tigerrat behauptete, dass sich Gerüchte über die Existenz von Omegawandlern verbreitet hatten. Vorher waren sie für einen Mythos gehalten worden, und nur eine Handvoll Auserwählter wusste, dass sie wirklich existierten.

Falls die Omegas aufgespürt wurden, könnte das katastrophale Folgen haben. Omegas hatten einen beruhigenden Einfluss auf ihr Rudel und waren dafür bekannt, ihr Rudel, egal ob Wölfe oder Katzen, näher zusammenzubringen. Engere Rudelbande bedeuteten, dass das Rudel in einem Kampf mehr zu verlieren hatte, und die Mitglieder würden bis zum Tod kämpfen.

Es gab auch Spekulationen, dass die Präsenz eines Omegas die Stärke der Rudelmitglieder erhöhen könnte. Justin würde das nie jemandem verraten, aber er wusste, dass das stimmte. Declan hatte ihm einmal anvertraut, dass seine physische Kraft bedeutend zugenommen hatte, seit Quinn zu ihrem Rudel gestoßen war.

Justin hatte das Sandwich vertilgt und sich den Chips zugewandt, als Brandgeruch in seine Nase drang. Er blickte aus dem Fenster und sah dicken, schwarzen Rauch, der in der Ferne in die Luft stieg. Die Menge des Rauchs wies auf ein riesiges Feuer hin, oder zumindest musste was da auch brannte höchst entflammbar sein. Jedenfalls war es nicht gut.

Feuerwehrwagen fuhren mit eingeschalteter Sirene an seinem Büro vorbei in Richtung Stadtrand. Die Falten auf seiner Stirn wurde tiefer. Das Einzige, was auf diesem Weg aus der Stadt hinaus lag, war die Grundschule und das Land, das die Werwölfe ihr Territorium nannten. Hoffentlich war auf dem Rudelgelände alles in Ordnung.

Vor kurzem hatte er enge Bekanntschaft mit Grayson Mitchell und Shannon Cho geschlossen, als er sich in ihrem Auftrag um einen Sorgerechtsfall gekümmert hatte. Sie hatten eine entspannte Haltung, waren eindeutig verliebt und kümmerten sich wenig um seinen Geruch.

Sein Geruch war unter Gestaltwandlern eine ziemlich große Sache. Adler lebten für gewöhnlich so abgeschieden, dass die meisten anderen Wandlerspezies nie einen trafen. Aber die Natur seines Jobs bedeutete auch, dass er mit jeder Menge Gestaltwandlern anderer Spezies in Kontakt kam, und sein Geruch, der auf ein Raubtier hinwies, aber nicht annähernd so dominant wie der eines Wolfs oder eines Tigers war, brachte die meisten Gestaltwandler aus dem Konzept. Normalerweise reagierten sie aggressiv und warfen mit Herausforderungen der Dominanz nur so um sich. Er machte ihnen keinen Vorwurf. Es lag in ihrer Natur, das herauszufordern, was sie nicht verstanden. Aber Shannon und Gray hatten die Wirkung seines Geruchs innerhalb von wenigen Minuten nach ihrem Kennenlernen abgeschüttelt, und Justin stellte fest, dass er sich in ihrer Gesellschaft wohlfühlte.

Freunde zu haben machte sein Leben ein kleines bisschen weniger einsam.

Der Gedanke, dass seine Freunde in Gefahr sein könnten, machte ihn etwas nervös. Justin beschloss, die Situation genauer zu untersuchen, sperrte die Bürotür ab und öffnete das Fenster, bevor er sich auszog.

Er ließ seine Verwandlung durch sich fließen und nach kurzer Zeit hüpfte er als riesiger Adler auf die Fensterbank.

Nach einem Schritt über den Rand hob er ab, segelte durch den Himmel und ließ sich auf Luftströmungen treiben. Zu jeder anderen Zeit hätte er sich einen Moment genommen, um das Gefühl zu genießen. Er verwandelte sich nicht sehr oft, nur wenn der Mond ihn rief, und nie nahm er die Tatsache, dass er fliegen konnte, für gegeben hin. Da er sich im Augenblick allerdings Sorgen um seine Freunde machte, kam ihm gar nicht in den Sinn, diesen Flug zu genießen.

Rasch entdeckte er den Brandherd und stellte erleichtert fest, dass er sich nicht auf dem Rudelgelände befand. Nicht, dass die Situation viel besser war, da die Grundschule von Flammen eingeschlossen war, aber wenigstens war es Wochenende, und die Schule würde leer sein.

Der Rauch reizte seine Augen, und seine Adlerinstinkte, die ihm sagten, die Gefahr zu meiden, begannen seine ursprüngliche Sorge zu überlagern. Er war dabei umzudrehen, als er einen der Betas des Rudels entdeckte, der sich um das Feuer herumbewegte. Er kannte Adam nicht besonders gut und hatte den Mann nur wenige Male getroffen, als Justin beim Rudelalpha gewesen war. Es überraschte ihn nicht, dass Adam hier war. Schließlich war er Feuerwehrmann.

Natürlich fragte er sich wegen Adams Anwesenheit, ob auch Michael hier war.

Er umkreiste das Feuer und sah sich nach dem Wolf um, für den er insgeheim schwärmte, seitdem er im Feinkostladen zum ersten Mal in ihn hineingelaufen war. Was absolut wörtlich zu verstehen war. Justin hatte dabei sein Getränk über das enge, weiße T-Shirt des großen Mannes verschüttet.

Wie er es geschafft hatte, den riesigen Mann vorher nicht zu bemerken, war ihm bis heute ein Rätsel, denn Michael hatte die Größe eines Bergs. Er war groß und muskulös, ohne ein Gramm Fett an seinem Körper.

Justin hatte mit einer Serviette auf Michaels Brust herumgewischt und hätte schwören können, dass sich der Nippel des Wolfs unter seinen Fingern verhärtete.

Er hatte dem Himmel gedankt, dass es am Ende seines Arbeitstages passiert war und er nach Hause eilen konnte, um sich um die Erektion zu kümmern, die sich blitzartig in seiner Hose gebildet hatte.

Seitdem spielte Michael die Hauptrolle in all seinen Selbstbefriedigungssitzungen. Er fragte sich immer, wie es wohl wäre, diesen Mann zu vögeln. Er wollte wissen, ob sich Michaels Augen schlossen, wenn er kam, oder ob er versuchte, sie offenzuhalten und seinen Partner eindringlich anzusehen.

Schließlich entdeckte er Michael, der das Ende eines Schlauches hielt und den Wasserstrom in ein offenes Fenster lenkte.

Justin schlug erneut mit den Flügeln, legte an Höhe zu und versuchte, die nächste Luftströmung zu erwischen, damit er nicht gegen die Strömungen ankämpfen musste, die das Feuer schuf.

Er beobachtete, wie Michael vor dem Feuer zurückwich, und ließ sich näher treiben. Das Feuer war noch weit davon entfernt, kontrolliert zu sein, und Michael schien ihm nicht der Typ zu sein, der nicht beendete, was er angefangen hatte. Justin fokussierte seinen Blick auf das Gesicht des Mannes und konnte den panischen Ausdruck darin erkennen.

Die anderen Feuerwehrmänner brüllten Michael zu, den Wasserstrahl weiter auf das Feuer zu richten, doch irgendetwas hatte den Wolf ganz eindeutig erschreckt. Justin konnte nur annehmen, dass etwas die Instinkte des Werwolfs aufgeweckt hatte und er darauf reagierte.

Er versuchte wegzufliegen, doch es war zu spät. Die Schule explodierte direkt vor ihm. Die Explosion holte ihn beinahe aus der Luft, und als er endlich wieder die Kontrolle über seinen Flug hatte, war die halbe Schule zusammengekracht.

Ein schneller Rundblick zeigte ihm einige Feuerwehrleute auf dem Boden, darunter die beiden Werwölfe.

Sanitäter waren bereits vor Ort, und Justin beobachtete die Szene weiter von oben. Adam bewegte sich, doch er schien sich nicht wirklich bewusst zu sein, was vor sich ging.

Bei Michael lag der Fall ganz anders. Er rührte sich nicht und lag wie tot auf dem Boden. Dank seiner überlegenen Sicht konnte Justin erkennen, dass Michaels Brust sich bewegte, also atmete er zumindest noch. Justin beobachtete voller Entsetzen, wie zwei Sanitäter Michael eine Halskrause anlegten und ihn auf ein Spineboard schnallten.

Oh, Scheiße. Plötzlich wurde ihm klar, dass zwei verletzte Werwölfe gleich in die Notaufnahme des Krankenhauses eingeliefert werden würden. Dort gab es alle möglichen verängstigte, kranke und möglicherweise blutende Menschen. Das war genau das, was ein Werwolf nicht brauchte, wenn er sein Tier kaum unter Kontrolle hatte. Das war eine sich anbahnende Katastrophe.

Er musste zum Haus des Alphas und ihn wegen dieser Situation warnen, bevor etwas passierte.

Justin änderte die Flugrichtung, und wenige Minuten später kreiste er über dem Rudelgelände. Er war noch nie zuvor beim Haus des Alphas gewesen, da Declan immer in sein Büro gekommen war, doch er war einige Male bei Grays und Shannons Haus gewesen. Bei seinem ersten Besuch hatten ihm seine Freunde das Haus des Alphas gezeigt.

Justin landete auf dem Fenstersims, neigte den Kopf und spähte durch das Glas. Es sah nach einem Wohnzimmer aus, doch es war leer. Allerdings brannte ein Feuer im Kamin, was ihn hoffen ließ, dass entweder Declan oder sein Gefährte Quinn nur in die Küche gegangen war, um sich einen Snack zu holen, oder schnell im Badezimmer verschwunden war.

Und da spazierte auch schon Quinn ins Zimmer, ein Glas Milch in einer Hand und einen Stapel Cookies in der anderen.

Justin benutzte seinen Schnabel, um gegen das Glas zu klopfen.

Quinn warf nicht einmal einen Blick in seine Richtung, was Justin völlig verwunderte. Hatten Werwölfe nicht ein fantastisches Gehör?

Justin klopfte erneut, diesmal lauter.

Zum Glück funktionierte es. Quinn drehte den Kopf und sah ihn direkt an. „Declan“, rief er. „Sieh dir diesen Adler an. Er ist direkt auf dem Fenstersims gelandet.“

Der Alpha gesellte sich zu seinem Gefährten und zusammen näherten sie sich dem Fenster. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte sich Justin über ihren Gesichtsausdruck amüsiert. Doch jetzt hatte er keine Zeit, um ihre Faszination zu genießen. Er hüpfte vom Sims, landete leichtfüßig auf dem Boden und verwandelte sich zurück in einen Menschen.

Als er sich wieder erhob, starrte Declan ihn mit offenem Mund an. Justin wusste nicht, ob Declan überrascht war, weil sich Justin als Adlerwandler herausgestellt hatte oder weil ein nackter Mann vor seinem Fenster stand.

Seine Frage wurde beantwortet, als Declan zu reden begann. „Huh. An einen Raubvogel habe ich überhaupt nicht gedacht.“

Quinn grinste und stieß seinen Finger gegen Declans Brust. „Bringt es dich gar nicht aus der Fassung, dass er nackt ist? Anscheinend hast du zu viele nackte Hintern gesehen. Muss ich eifersüchtig sein?“

Justin trat von einem Bein aufs andere, während Declan seinem Gefährten einen amüsierten Blick zuwarf. „Meinst du, dass er sich aufregen könnte, nachdem du mich hereingelassen hast? Es ist kalt hier draußen“, rief er durchs Glas.

Der Alpha grinste schief, bedeutete ihm aber, zur Haustür zu kommen.

Die kurze Wanderung ums Haus herum war ein wenig schmerzhaft. Er trat auf mindestens fünf Tannenzapfen und stolperte über unzählige Steine, während seine Eier dabei waren abzufrieren.

Declan erwartete ihn bereits an der offenen Tür, als Justin es zur Vorderseite des Hauses geschaffen hatte. Er erklärte ihm sofort die Situation.

Der Alpha führte ihn hinein, während er sein Handy herausholte. „Micah, ich brauche dich und Shea hier, damit ihr ein wenig auf Quinn aufpasst. Ich muss ins Krankenhaus fahren.“

Justin betrachtete Declan fragend. Würde er Adams Gefährten nicht informieren?

Declan schien seine Verwirrung zu verstehen. „Ich werde es Cullen persönlich sagen, wenn ich zu ihm fahre. Er wird außer sich vor Sorge sein und vermutlich nicht selbst fahren können.“

Justin nickte. Das machte Sinn. Warum den anderen Beta länger quälen als nötig?

Zwei Männer liefen auf sie zu und erinnerten Justin daran, dass das Wolfsrudel zwar über jede Menge Land verfügte, aber dennoch gerne nah beisammen lebte. Für ihn war es ein fremdes Konzept, in solcher Nähe zu anderen zu wohnen, aber er stellte fest, dass ihm die Vorstellung gefiel.

Als sie näher kamen, erkannte Justin Shea. Der Mann arbeitete auf der Polizeistation in der Stadt, und er hatte ihn einige Male getroffen. Normalerweise wirkte Shea stets leicht abgelenkt und nicht so stark konzentriert wie im Moment.

Der andere Mann rannte dicht neben Shea, und als sie langsamer wurden, um die Treppe hinaufzugehen, berührten sich ihre Schultern. Er muss Sheas Gefährte sein.

„Hi, Jared“, sagte Shea und warf ihm einen beiläufigen Blick zu. „Was gibt’s, Dec?“

Soviel dazu, dass Shea konzentriert war. Anscheinend konnte er sich nicht an Justins Namen erinnern, obwohl sie erst vor ein paar Tagen eine Unterhaltung über einen Fall mit Gestaltwandlern geführt hatten, an dem Shea arbeitete. Oder besser gesagt daran arbeitete, das vor den Menschen zu verbergen.

Schnell erklärte Declan, warum er wollte, dass die beiden Männer zumindest ein paar Stunden bei Quinn blieben. Quinn seufzte, mischte sich aber nicht ein. Als Declan fertig war, stürmte er hinaus, hüpfte in seinen SUV und fuhr los.

Sheas Gefährte wich einige Zentimeter zurück, als er Justins Geruch wahrnahm. Seine Reaktion war nicht wirklich eine Überraschung. Selbst Gray und Shannon waren anfangs von seinem Geruch verwirrt gewesen. Der Einzige, der nicht einmal zu bemerken schien, dass Justin einen unterschiedlichen Geruch hatte, als sie sich kennengelernt hatten, war Quinn gewesen.

Quinn hatte ihm später erklärt, dass er den Geruch zwar bemerkt hatte, aber nicht wirklich von ihm beeinflusst wurde. Justin hatte die Vermutung, dass es daran lag, weil Quinn ein Omega war.

Der Fremde schaffte es, sich zusammenzureißen, und trat wieder auf ihn zu. „Hi, Jared, ich bin Micah.“

„Justin.“ Er schüttelte fest die Hand des Wolfs und versuchte, so viel Dominanz wie möglich in seinen Griff zulegen. Nicht weil er den Werwolf herausfordern wollte, sondern weil er nicht als Beute angesehen werden wollte. „Freut mich, dich kennenzulernen.“

Micah schüttelte den Kopf. „Justin, freut mich.“

„Tut mir leid“, sagte Shea ohne einen Hauch des Bedauerns. „Ich habe manchmal Schwierigkeiten mit Namen.“

Justin störte es nicht wirklich, also ließ er es darauf beruhen. Abgesehen davon war Shea ein verdammtes Genie und war gedanklich vermutlich mit allen möglichen geniemäßigen Dingen beschäftigt.

Ein kalter Wind kitzelte seinen Schwanz und seine Eier und erinnerte ihn plötzlich an seinen völligen Mangel an Kleidung, während er bei weit geöffneter Tür im Vorraum stand. Er errötete ein wenig und schaffte es mit Mühe, sich nicht die Hände vor den Schritt zu halten.

---ENDE DER LESEPROBE---