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Wolfswandler Grayson Mitchell möchte nur in Ruhe seine Nichten großziehen und vielleicht dabei gelegentlich eine Nacht durchschlafen. Doch wegen seines Jobs als Krankenpfleger in der Notaufnahme und der Bedürfnisse der drei kleinen Mädchen scheint Schlaf in weiter Ferne zu liegen. Er braucht jemanden, der ihm mit den Mädchen hilft, und ein Kindermädchen scheint die ideale Lösung zu sein. Shannon Cho ist ein Tigerwandler, der aus seinem Rudel verbannt wurde, weil er zu mächtig war. Aber er will gar kein Anführer sein. Er will sein Leben Kindern widmen. Die Anzeige, in der nach einer Nanny gesucht wird, ist die Gelegenheit, auf die er gewartet hat. Doch was passiert, wenn die beiden Männer die Grenze zwischen Arbeitgeber und Angestelltem überschreiten? Wird sich Liebe entwickeln? Oder wird das Geheimnis, das vor dem Rudel von Smooth Rock Falls verborgen wurde, alles zerstören? Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 69.300 Wörter
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Veröffentlichungsjahr: 2019
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
ÜBER LYNN TYLER
LESEPROBE:
Der Tiger und sein Wolf
Wolfswandler Grayson Mitchell möchte nur in Ruhe seine Nichten großziehen und vielleicht dabei gelegentlich eine Nacht durchschlafen. Doch wegen seines Jobs als Krankenpfleger in der Notaufnahme und der Bedürfnisse der drei kleinen Mädchen scheint Schlaf in weiter Ferne zu liegen. Er braucht jemanden, der ihm mit den Mädchen hilft, und ein Kindermädchen scheint die ideale Lösung zu sein.
Shannon Cho ist ein Tigerwandler, der aus seinem Rudel verbannt wurde, weil er zu mächtig war. Aber er will gar kein Anführer sein. Er will sein Leben Kindern widmen. Die Anzeige, in der nach einer Nanny gesucht wird, ist die Gelegenheit, auf die er gewartet hat.
Doch was passiert, wenn die beiden Männer die Grenze zwischen Arbeitgeber und Angestelltem überschreiten? Wird sich Liebe entwickeln? Oder wird das Geheimnis, das vor dem Rudel von Smooth Rock Falls verborgen wurde, alles zerstören?
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.
Länge: rund 69.300 Wörter
LYNN TYLER
Der Tiger und sein Wolf
Pack Mates 3
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene
ME AND THE MUSE PUBLISHING
www.meandthemuse.com
Copyright © der englischen Originalausgabe „The Wolf’s Tiger“:
Lynn Tyler
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:
Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe
Hohenstaufenring 62, 50674 Köln
Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs
Übersetzt von: Jutta E. Reitbauer
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Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.
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Grayson nahm das winzige, kostbare Bündel entgegen und drückte das Baby an seine Brust. Die beiden anderen Mädchen im ersten Stock waren bereits eingeschlafen. Er würde später nach ihnen sehen, sobald das Baby sein Fläschchen ausgetrunken hatte.
„Danke, Quinn“, sagte er dankbar. „Es tut mir leid, dass ich so spät dran bin, aber eine der Krankenschwestern in der Notaufnahme hat sich krankgemeldet, also musste ich bleiben, bis sie einen Ersatz gefunden hatten.“
Quinn lächelte ihn an und klopfte ihm auf die Schulter. „Mach dir keinen Kopf. Declan war hier, um mir Gesellschaft zu leisten.“
Der Alphawolf des Smooth Rock Falls Rudels erhob sich von der Couch und schlang einen Arm um Quinns Taille. „Abgesehen davon“, sagte Declan mit einem weichen Lächeln, „sind die Mädchen wirklich süß.“ Das Baby war eingeschlafen, also legte Gray es in die Wiege, die er im Wohnzimmer aufgestellt hatte.
Gray lächelte den Alpha und seinen Gefährten müde an. „Sie sind süß. Und sie sind Mariah auch so ähnlich.“ Bei dem Gedanken an seine Schwester schluckte er die Tränen hinunter.
Ein Paar warmer Arme legten sich um seine Schultern, und er wurde an eine harte Brust gezogen. An Declan gelehnt entspannte sich Gray völlig, sogar als ihn Quinn von hinten umarmte. Trauer kämpfte mit Erschöpfung, und er ließ sich gegen die beiden Männer sinken und schloss die Augen.
Declan streichelte über Grays Haar. „Hast du dir schon erlaubt zu trauern, Gray?“
Seine Nichte wimmerte, und Gray löste sich von dem Trost, den er in der Umarmung seines Alphas gefunden hatte, um sie hochzuheben. „Shh, mein kleines Mädchen“, gurrte er, während er sie hin und her wiegte. „Onkel Gray ist hier.“ Er suchte im Korb der Wiege, bis er ihren winzigen rosa Schnuller fand. Er steckte ihn in ihren Mund und hielt sie an sich gedrückt, während sie wieder einschlief.
Sanft streichelte er über Faiths flaumigen Haarschopf und drückte ihr einen Kuss auf den Kopf. „Ich habe keine Zeit, mich der Trauer hinzugeben“, antwortete Gray seinem Alpha. „Als Mariah und Tyler gestorben sind, bin ich alleinerziehender Vater von drei Mädchen geworden, die alle unter sechs Jahre alt sind. Das und meine Schichten im Krankenhaus machen es mir schwer, meinen Kopf über Wasser zu halten.“
Allerdings würde er das seinen Nichten nie zum Vorwurf machen. Seit dem Tag ihrer Geburt liebte er sie, vielleicht, weil er als schwuler Mann nie wirklich gedacht hatte, dass er einmal eigene Kinder haben würde. Abgesehen davon waren die Mädchen alles, was ihm von seiner Schwester geblieben war.
Wenigstens fühlten sich die Kinder bei ihm wohl. Gott sei Dank hatte Mariah jemanden aus dem Thunder Bay Rudel zum Gefährten gewählt. Thunder Bay war zwar neun Stunden mit dem Auto entfernt, doch das war allemal besser als ein Flug quer über Kanada, falls seine Schwester jemanden in British Columbia zum Gefährten genommen hätte. Also hatte er die Mädchen regelmäßig gesehen.
„Nun“, sagte Quinn, als Declan und er auf Zehenspitzen zur Tür schlichen, „wir helfen jederzeit gerne.“
„Ich weiß. Ich habe nur das Gefühl, dass ich alle ausnutze.“ Gray legte sich das schlafende Baby an die Schulter und folgte den beiden Männern zur Tür.
Der Alpha blickte zu ihm hoch, während er sich den rechten Stiefel schnürte. „Grayson. Wir sind dein Rudel und die Mädchen gehören auch dazu. Und in diesem Rudel kümmern wir uns um die anderen Mitglieder.“
Grays Augen fühlten sich trocken an, als hätte er Sand darin, und er wollte sie verzweifelt reiben, doch er brauchte beide Hände, um das Baby zu halten. Er begnügte sich damit, einige Male seine Augen zusammenzukneifen. „Danke, Alpha“, flüsterte er.
Declan richtete sich auf und presste seine Hand auf Grays Brust, direkt über seinem Herzen. Sofort spürte Gray, wie der Rückhalt des gesamten Rudels durch ihn floss.
„So kannst du nicht weitermachen, Gray“, sagte Quinn neben ihm. „Wann schläfst du überhaupt?“
Schlaf? Momentan war Schlaf ein kostbares Gut. „Ich schlafe, wenn die Mädchen im Bett sind.“ Was irgendwie schwer war, wenn er Nachtschicht hatte und die Mädchen tagsüber wach waren, aber was sollte er dagegen unternehmen?
„Das ist nicht genug“, sagte Declan im Flüsterton, als sich das Baby bewegte. „Wir haben eine Kindertagesstätte, Gray. Das weißt du. Zum Teufel, du verbringst dort jede Woche ein paar Stunden auf der Krankenstation. Warum gibst du die Mädchen dort nicht tagsüber ab, damit du dich ein wenig ausruhen kannst?“
Logisch betrachtet wusste Gray, dass es ein guter Vorschlag war. Aber der Teil seines Gehirns, der noch immer um seine Zwillingsschwester trauerte, ertrug es nicht, länger als absolut nötig von den drei Mädchen getrennt zu sein.
Er rieb sich über die Stirn. Gott, er brauchte ein Aspirin. „Aber Honor ist jetzt in der Vorschule. Es ist schwierig, sie zur Tagesstätte zu bringen und wieder abzuholen, wenn ich nicht da bin, um das zu erledigen.“ Er ignorierte mit Absicht die Tatsache, dass die Mädchen in der Tagesstätte waren, wenn er Tagschicht hatte, und Honor problemlos zur Schule und wieder zurück kam.
Quinn warf ihm einen wissenden Blick zu, doch er sagte nichts. Stattdessen streckte er den Arm aus und rieb über den Rücken des Babys.
Declan hingegen ließ das Thema nicht auf sich beruhen. „Gray, ich mache mir Sorgen um dich, Mann. Du kannst dir das nicht weiter selbst antun. Es ist nicht gut für dich, und es ist nicht gut für die Mädchen.“
Grays seufzte. „Ich weiß, Alpha. Ich habe darüber nachgedacht, ein Kindermädchen einzustellen.“
Quinn stand neben der Tür, die Hand bereits auf den Knauf gelegt. Er ließ den Arm fallen, als er Grays Worte hörte. „Die Mädchen werden mir in der Tagesstätte fehlen“, sagte er leise.
Die Augen des blonden Wolfs glänzten verdächtig, und Gray fühlte sich sofort schuldig. „Du wirst sie auch weiterhin sehen“, beeilte er sich zu sagen. „Aber … ich brauche sie im Moment in meiner Nähe.“
Declan schlang einen Arm um seinen Gefährten und zog ihn an sich. „Das verstehen wir. Ich glaube, dass Quinn das Gefühl hat, dass er selbst ein Kind braucht, deshalb ist er im Augenblick ein bisschen emotional.“
Der Alpha grunzte, als ihn Quinn nicht allzu sanft in den Bauch boxte. „Bei dir klingt das so, als ob ich ein kleines Mädchen sei. Allerdings muss ich zugeben, dass es schön ist, ein Baby zu haben.“
Diesmal schenkte Gray ihnen ein echtes Lächeln. Declan und Quinn hatten eine Menge hinter sich, seit sie sich letztes Jahr kennengelernt hatten. Der abgemagerte Quinn hatte sich in eine wahre Schönheit verwandelt, und der Mann, der einst Probleme damit gehabt hatte, jemandem in die Augen zu sehen, steckte jetzt voller Leben.
Und natürlich würde sich jeder, der die Gesellschaft seiner Nichten genoss, ein Baby wünschen. Seine Mädchen waren verdammt niedlich. „Ich kann sie weiterhin mitnehmen, wenn ich in der Tagesstätte vorbeischaue, um die Untersuchungen und den üblichen Kram zu erledigen. Mach dir keine Sorgen, wir verschwinden nicht völlig.“
Gray brachte die beiden Männer hinaus und versperrte die Tür hinter ihnen. Früher hatte er nie abgesperrt, schließlich konnte er sich in einen riesigen Werwolf verwandeln. Aber jetzt, wo seine heißgeliebten Nichten im Haus waren, würde er auf keinen Fall ein Risiko eingehen.
Er schaltete das Licht im Erdgeschoss aus und stieg erschöpft die Stufen hoch. Gott, war er müde. Wie wohl die Chancen standen, dass alle drei Mädchen die Nacht durchschliefen?
Müdigkeit ließ seinen Gang schwer werden, und der Weg zum Zimmer des Babys schien auf einmal ewig zu dauern. Es fühlte sich an, als ob er einen zwanzig Pfund schweren Sack mit Kartoffeln herumschleppte und kein sechs Monate altes Baby. Er legte Faith ins Gitterbett und deckte sie mit einer leichten Decke zu. Sie nuckelte fester an ihrem Schnuller und bewegte sich ruhelos. Gray hielt den Atem an, doch das Baby schlief wieder ein.
Nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte, schlich er in das Zimmer, das sich die beiden älteren Mädchen teilten. Er konnte das breite Lächeln, das seine Mundwinkel nach oben zog, nicht unterdrücken, als er sah, wie sie sich in Honors Bett aneinander kuschelten. Es war nicht schwer zu erkennen, dass sie Wölfe waren, obwohl sie noch nicht alt genug waren, um sich schon zu verwandeln.
Genau wie ihre tierischen Verwandten tendierten junge Werwölfe dazu, dicht aneinandergedrängt in Welpenhaufen zu schlafen. Er strich Hope die dunklen Locken aus der Stirn und zog den Daumen aus Honors Mund, bevor er die Decke hochzog und sicherging, dass das Nachtlicht eingeschaltet war.
Sein Bett rief nach ihm. Er könnte schwören, dass die Matratze buchstäblich seinen Namen flüsterte. Im Krankenhaus hatte er eine fünfzehn-Stunden-Schicht in der Notaufnahme hinter sich und musste in acht Stunden wieder zum Dienst antreten. Sein Körper schmerzte nahezu mit dem Bedürfnis nach Ruhe. Doch er musste noch eine Sache erledigen, ehe er schlafen gehen konnte.
Gray öffnete den Laptop, startete sein Textverarbeitungsprogramm und begann, eine Suchanzeige nach einem im Haus lebenden Kindermädchen zu schreiben. Hoffentlich schreckte die Tatsache, dass er schwul war, keine potentiellen Bewerber ab.
Im Haus lebendes Kindermädchen (gw) gesucht. Drei Mädchen im Alter bis zu sechs Jahren. Für Unterkunft und Verpflegung wird gesorgt. Referenzen nötig.
Shannon Cho umkreiste die Anzeige in der Zeitung mit einem roten Stift. Er hatte einige Jahre als Nanny für eines seiner Rudelmitglieder gearbeitet, bevor sein Alpha herausgefunden hatte, dass er schwul war. Das Bekanntwerden seiner sexuellen Orientierung war die perfekte Ausrede für den Alpha gewesen, um Shannon aus dem Rudel zu verstoßen. In Wahrheit war er für den Geschmack seines Alphas einfach zu stark gewesen, doch er hatte ihn nicht hinauswerfen können, da Shannon ihm seine Position nie streitig gemacht hatte.
Er sah auf die beiden kleinen Zeichen zwischen den Wörtern Kindermädchen und gesucht. Das gw wurde in Publikationen nur von Gestaltwandlern benutzt. Zumindest musste er so nicht erklären, warum er gelegentlich frei brauchte, um sich zu verwandeln. Er zermarterte sich das Hirn nach Informationen über verschiedene Rudel von Wölfen oder Katzenartigen in der unmittelbaren Umgebung. Das Territorium seines alten Rudels war mehr als zwei Stunden Fahrtzeit von hier entfernt, also suchte wahrscheinlich kein Tiger nach einem Kindermädchen. Nicht, dass er alle Rudelmitglieder persönlich kannte, doch sie neigten dazu, zumindest in einem Umkreis von einer halben Fahrstunde zum Rudelterritorium zu bleiben.
Allerdings gab es in der Nähe ein Wolfsrudel. Er wusste nicht allzu viel über Wölfe. Nur, dass sie Raubtiere waren und in Rudeln lebten. Vielleicht würden sie einem Tiger eine Chance geben.
Andererseits könnte seine sexuelle Orientierung gegen ihn sprechen. Schließlich war er deswegen aus seinem alten Rudel geworfen worden.
Ein Versuch konnte nicht schaden. Er nahm sein Smartphone und wählte die Nummer, die in der Anzeige angegeben war.
Ein sehr gehetzt klingender Mann antwortete. „Hallo?“
„Äh, hi“, antwortete Shannon. „Ich rufe wegen der Annonce für die freie Stelle des Kindermädchens an.“
„Richtig. Warten Sie einen Moment.“ Es gab ein dumpfes Geräusch, als ob das Telefon weggelegt worden wäre, und dann ertönte die Stimme des Mannes schwach in der Leitung. „Nein, Hope. Liebling, das Baby will keinen Filzstift auf dem Gesicht haben.“
„Aber Onkel Gray, es wird so aussehen, als ob sie Lippenstift und Lidschatten trägt. Faithy wird so hübsch sein.“
Shannon musste ein Lachen unterdrücken, selbst als Onkel Gray wieder sprach. „Ja, Liebling, aber Filzstifte sind für Papier, nicht Haut. Da … Da ist ein Blatt Papier. Warum malst du nicht ein schönes Bild für Quinn?“
Einige Schritte und ein glückliches Kreischen waren zu hören, bevor der Mann wieder ins Telefon redete. „Tut mir leid. Sie rufen wegen der Stelle als Nanny an?“
Gott, der Mann hatte eine Stimme wie geschmolzene Schokolade, ganz geschmeidig und tief und köstlich. Sie sandte Schauer über seinen Rücken. Reiß dich zusammen, Shannon. „Ja. Ist die Stelle schon vergeben?“
„Nein, noch nicht“, sagte der Mann. „Hören Sie, gibt es eine bestimmte Zeit im Monat, wo Sie sich freinehmen müssen?“
Ah, das war die subtile Frage nach seinem Gestaltwandlerstatus. „Keine Sorge“, sagte er geradeheraus. Es hatte keinen Sinn, um den heißen Brei herumzureden. „Ich bin Gestaltwandler. Mein Name ist Shannon Cho.“
„Oh, Gott sei Dank“, sagte Gray deutlich erleichtert. „Bislang waren die Einzigen, die sich für den Job beworben haben, Menschen. Haben Sie Erfahrung?“
Shannon erläuterte seine bisherige Erfahrung und gab ihm die Nummer seiner vorigen Arbeitgeberin. Hoffentlich hatte der Alpha seines alten Rudels den anderen nicht verboten, ihm ein gutes Zeugnis auszustellen.
Im Hintergrund begann ein Säugling zu weinen, und Shannons Herz sehnte sich danach, das Baby in den Arm zu nehmen und zu beruhigen, bis es nicht mehr wimmerte. „Gut. Ich werde Ihre Referenzen kontaktieren. Warum machen wir nicht einen Termin für ein Vorstellungsgespräch aus? Falls sich bei Ihren Referenzen etwas ergibt, das mir nicht gefällt, werde ich mich einfach melden und absagen“, sagte Gray.
Das war ein wenig direkter, als Shannon erwartet hatte, doch der Mann klang etwas abgelenkt. „Welche Zeit wäre Ihnen recht?“, fragte er.
„Geht es morgen am späten Nachmittag? Ich bin für eine halbe Schicht im Krankenhaus eingeteilt, aber ich sollte gegen Mittag zu Hause sein.“
Es war nicht so, als ob Shannon irgendetwas anderes vorgehabt hätte. „Klar.“
Der Mann gab ihm seine Adresse und sagte ihm, dass er seinem Alpha und den Wölfen auf Patrouille mitteilen würde, dass Shannon kam, bevor er auflegte.
Shannon ließ sich schwer auf die Matratze des billigen Motels fallen und starrte an die Decke. Es klang so, als ob er tatsächlich eine Chance haben könnte, diesen Job zu bekommen. Alles, was er tun musste, war eine Möglichkeit zu finden, wie er seinen potentiellen Arbeitgeber über seine sexuellen Präferenzen unterrichten konnte.
* * * *
Shannon stand an der Schwelle und klingelte zum dritten Mal. Langsam fing es an, hier draußen ungemütlich zu werden. Mindestens drei Wölfe beobachteten ihn von verschiedenen Stellen in der Nähe des Hauses, und er begann, sich unter ihren Blicken zu winden.
Endlich wurde ein sehr schwaches Herein von irgendwo im Haus gerufen. Er drehte den Knauf, steckte den Kopf hinein und wurde von totalem Chaos begrüßt.
Ein kleines Mädchen, ungefähr fünf Jahre alt, stand splitterfasernackt in der Küche und heulte sich die Augen aus. Das Geräusch einer zweiten Toilettenspülung erklang im oberen Stockwerk, und irgendwo schrie ein Baby. Ein sehr gestresst aussehender Mann erschien am Kopf der Treppe. Er trug zerknitterte, grüne Krankenhauskleidung, und sein Haar stand in alle Richtungen ab, als ob er sich mit den Fingern durchgefahren wäre. „Shannon?“
Shannon nickte und winkte leicht.
Der Mann schenkte ihm ein schmales Lächeln, obwohl gerade ein weiterer heulender Schrei die Luft zerriss. „Geben Sie mir ein paar Minuten“, rief er. „Ich glaube, die Windel des Babys ist explodiert.“
Mit diesen Worten drehte er sich um und lief den gleichen Weg zurück, den er gekommen war, was Shannon mit einem schluchzenden kleinen Mädchen allein ließ. „Hey, Schätzchen“, sagte er, als er vor ihr auf die Knie sank. „Warum weinst du denn?“
„Ich darf nicht mit Fremden reden“, sagte sie zwischen zwei schweren Atemzügen.
„Nun, mein Name ist Shannon, und ich bin hier, um mit deinem Onkel darüber zu sprechen, mich um euch zu kümmern“, antwortete er und hielt ihr seine Hand hin, damit sie sie schütteln konnte.
Sie sah ihn mit großen, tränengefüllten Augen an, nahm jedoch seine Hand. „Ich bin Honor. Ich wohne hier.“
„Ich verstehe“, sagte er voller Ernst. „Glaubst du, dass du mir sagen kannst, warum du so aufgebracht bist?“
Ihre Unterlippe zitterte. „Ich habe Saft auf mein Kleid verschüttet. Onkel Gray hat gesagt, dass es okay ist, aber ich musste jetzt meinen Pyjama anziehen.“
Oh, Shannon konnte erkennen, worauf das hinauslief. „Aber du wolltest ein anderes Kleid anziehen?“ Ihr kleines Gesicht verzog sich wieder, und er beeilte sich weiterzureden. „Hast du ein Nachthemd?“
Honor sah ihn voller Misstrauen an und nickte.
„Nun, dann lass uns das anziehen. Es ist fast so, als ob du ein Kleid anhättest.“
Sie steckte den Daumen in den Mund und ergriff wieder seine Hand. Er stand auf und ließ sich von ihr aus der Küche ziehen. Sie gingen die Treppe hoch und betraten eines der Schlafzimmer. Es war eindeutig für kleine Mädchen gedacht.
Die Wände waren in Flamingorosa gestrichen, mit einem zehn Zentimeter breiten, hellgrünen Zierstreifen. Zwei identische Betten standen einander an der Wand gegenüber, und am Ende von jedem befand sich eine kleine weiße Kommode. Petrol- und hellgrüne Schmetterlinge zierten die Wände, und das Fenster war von einer Verdunkelungsjalousie und weißen Stores verdeckt.
Honor begann, in einer Kommode unter dem Fenster herumzuwühlen und zog ein langes, rosa Nachthemd heraus. Sie hielt es ihm mit einem hoffnungsvollen Lächeln entgegen.
Lachend nahm Shannon ihr das Nachthemd ab, streifte es über ihren Kopf und half ihr dabei, die Arme durch die richtigen Öffnungen zu stecken.
„Flechtest du meine Haare?“, fragte sie. „Onkel Gray weiß nicht, wie das geht, und egal, wie oft Trina versucht, es ihm zu zeigen, er kapiert es einfach nicht.“
Gut, dass Shannon mit drei Schwestern aufgewachsen war. Sie hatten ihn dazu gezwungen, ihnen die Haare zu flechten, ihre Fingernägel zu lackieren und sogar stillzusitzen, während sie ihn aufstylten. Er nahm eine Bürste von der Kommode, hielt aber inne, als die Toilettenspülung zum fünften Mal hintereinander betätigt wurde.
Entweder hatte jemand Verdauungsprobleme oder dieser jemand versuchte, etwas das Klo hinunterzuspülen, was dort nicht hingehörte. Er konnte hören, wie Gray auf das noch immer weinende Baby einredete. Da er wusste, dass es drei Kinder gab, folgte nach dem Ausschlussprinzip, dass das andere kleine Mädchen der Jemand im Badezimmer sein musste.
„Honor, Schatz? Wie heißt deine Schwester?“
„Hope. Sie ist im Bad.“
Ah. „Lass uns nach ihr sehen, okay?“, sagte Shannon.
Honor nickte ernst und zeigte ihm den Weg.
Shannon öffnete die Badezimmertür einen Spalt und presste sich die Hand auf den Mund, um nicht laut aufzulachen. Das Kleinkind war damit beschäftigt, eine Puppe in die Toilette zu stecken und sie von der Spülung herumwirbeln zu lassen.
„Whirlpool!“, rief die Kleine fröhlich.
„Oh nein“, sagt Shannon in einem dramatischen Tonfall, sobald er seinen Lachreiz unter Kontrolle hatte. „Ich glaube, deine Puppe ertrinkt gerade!“
Das kleine Mädchen sah mit großen, braunen Augen zu ihm hoch. „Dann müssen wir sie retten“, antwortete es.
Shannon nickte und fischte die nackte Puppe auf der Toilette. „Ich mache keine Mund-zu-Mund-Beatmung bei ihr“, sagte er, während er in die WC-Schüssel spähte. „Hast du noch was anderes hier hineingeworfen?“
„Nur mein Pipi und mein Kacka“, sagte Hope mit einem Schulterzucken. „Ich bin kein Baby wie Faith.“
Hmm. Vielleicht sollte diese Puppe für ein paar Stunden einen kleinen Ausflug zur Müllhalde machen. Oder für immer.
„Oh, danke vielmals“, sagte Gray, als er mit dem noch immer schniefenden Baby ins Badezimmer kam. „Honor, Schatz, du siehst so hübsch aus. Hope, erinnerst du dich daran, was wir über Puppen in der Toilette gesagt haben?“
Hope schenkte ihm ein breites Lächeln und klimperte ihn mit ihren langen Wimpern an. „Ja, Onkel Gray. Aber meine Puppe wollte ein Bad.“
Gray seufzte und legte sich das Baby an die Schulter. „Sind wir fertig fürs Abendessen?“
Sofort begannen die beiden älteren Mädchen kreischend herumzuhüpfen. „Hotdogs!“
„Schon wieder?“, fragte Gray.
Das Baby fing erneut zu weinen an, und Gray wiegte es in seinen Armen. „Okay. Dann gibt’s Hotdogs. Schon wieder. Hope, wasch dir bitte die Hände.“
Shannon sah zu, wie das Mädchen eine großzügige Menge einer leuchtend violetten Seife benutzte und sich die Hände abspülte, bevor es sie an einem weißen Handtuch abtrocknete. Natürlich blieben dabei schwache violette Streifen auf dem Frottee zurück. Diese kleinen Mädchen lebten eindeutig noch nicht lange hier, denn nicht viele Eltern würden weiße Handtücher aufhängen. Zumindest nicht im Badezimmer für die ganze Familie.
Er folgte der kleinen Familie die Treppe hinunter in die Küche, wo er Honor in ihrem Evakostüm gesehen hatte. „Haben Sie etwas dagegen, das Baby zu halten, während ich das Fläschchen vorbereite?“
Bevor Shannon antworten konnte, hatte er auch schon den Arm voll mit einem Baby. Das machte ihm nichts aus. Gray nahm einen Meßlöffel mit dem Milchpulver und setzte einen Kessel auf, um das Wasser ein wenig zu erwärmen.
Er lief auf die andere Seite der Küche, öffnete eine Schublade und holte einige Malbücher und zwei Packungen mit Buntstiften heraus. „Hier, Mädchen. Warum malt ihr nicht ein bisschen, während wir auf das Essen warten?“
„Aber Onkel Gray, ich bin hungrig“, jammerte Hope.
Gray zog eine Plastikschüssel mit kleingeschnittenem Gemüse heraus und stellte sie mitten auf den Tisch. „Du kannst darauf herumknabbern, während ich deine Hotdogs fertigmache.“
Bald war die Küche mit dem Geruch von unbekanntem, gebratenem Fleisch erfüllt. Shannon rümpfte die Nase, sagte aber nichts dazu. Falls er diesen Job bekam, würde er darum bitten, eine ganz andere Mahlzeit zubereiten zu dürfen. Er war ein ausgezeichneter Koch, und seine letzte Arbeitgeberin hatte ihm oft gesagt, dass er ein Genie war, wenn es um die Zubereitung von kinderfreundlichem, supernahrhaftem Essen ging.
Schließlich waren die Hotdogs fertig, ebenso wie das Fläschchen. Der Wolf servierte den beiden älteren Mädchen zuerst ihr Essen, überreichte ihnen ihre Becher mit Wasser und teilte kleine Mengen Ketchup aus, bevor er das Baby zurücknahm und ihm sein Fläschchen gab.
„Hi“, sagt er mit einem müden Lächeln. „Tut mir leid wegen des Chaos.“
Shannon hatte schon viel Schlimmeres gesehen. „Kein Problem. Freut mich, Sie kennenzulernen, Onkel Gray.“ Er warf Gray ein Lächeln zu, da der Mann alle Hände voll zu tun hatte mit dem nuckelnden Baby.
Der Wolf lachte, ein tiefer und voller Laut. Gänsehaut breitete sich auf Shannons Körper aus. Was für ein hinreißendes Lachen. Er fragte sich, wie der Mann wohl im Bett klang. Mit einem Kopfschütteln versuchte er, sich von diesem verführerischen Gedanken zu befreien. Er sollte wirklich nicht auf seinen Arbeitgeber abfahren, da Wölfe, wenn er sich richtig erinnerte, einen sehr empfindlichen Geruchssinn hatten. Wenn er seine schweifenden Gedanken nicht unter Kontrolle brachte, würde er erregt werden, und Gray würde das zweifellos riechen.
Stattdessen konzentrierte er sich auf die Lippen des Mannes.
Schlechte Idee.
Schlussendlich entschied er sich, das Baby anzusehen, während er sich dazu zwang, dem Mann zuzuhören. „Eigentlich ist es Grayson Mitchell. Aber die meisten Leute nennen mich einfach Gray. Wenn das für dich in Ordnung ist, dann sag einfach Gray zu mir.“
„Freut mich, dich kennenzulernen. Ich bin Shannon Cho.“
Gray nickte in Richtung des Tischs, und die beiden setzten sich. „Ich habe gestern Abend deine Referenzen angerufen, und sie waren ausgezeichnet“, sagte Gray.
Shannon musste einen Seufzer der Erleichterung unterdrücken. Zum Glück war seiner letzten Arbeitgeberin nicht befohlen worden, Shannons Versuch, einen neuen Job zu bekommen, zu sabotieren. „Das freut mich. Ich habe mich nicht im Guten von meinem Rudel getrennt, und ich war nicht sicher, ob mein alter Alpha ihr erlauben würde, mir ein gutes Zeugnis auszustellen.“
Gray neigte den Kopf, während er das jetzt leere Fläschchen auf den Tisch stellte. Er hob das Baby an seine Schulter und klopfte ihm auf den Rücken. „Welche Art von Rudel? Bist du eine Katze? Ich weiß, dass du kein Wolf bist, aber ich kann nicht genau sagen, welche Art von Gestaltwandler du bist.“
Shannon nickte. „Tiger. Und ich schätze, du fragst dich, warum ich nicht länger bei meinem Rudel bin?“
Das Baby machte ein Bäuerchen und schmiegte sich schläfrig an die Schulter des Wolfs. „Ich würde als Vormund der Mädchen keinen guten Job leisten, wenn ich nicht nach dem Grund frage“, antwortete Gray.
Das war’s. Shannon wappnete sich für ein schnelles ‚danke, aber nein danke‘ und gab ihm eine kurze Zusammenfassung.
Gray schwieg einen Moment, bevor er mit den Mädchen redete. „Honor, Hope, ich bringe Faith ins Bett. Bleibt hier und malt noch ein bisschen. Shannon, begleitest du mich?“
„Klar.“ Er schob seinen Stuhl zurück und folgte Gray ins Zimmer des Babys.
Gray legte das Baby ins Gitterbett und steckte ihm einen Schnuller in den Mund, als es begann, sich aufzuregen. „Also bist du ein dominanter Tiger?“
„Nun ja, meine Katze ist außergewöhnlich stark, aber ich habe keinerlei Ambitionen, die Führung zu übernehmen. Mein Alpha hatte ein ungutes Gefühl bei der Tatsache, dass ich ihn in einem Kampf besiegen könnte, falls ich das wollte. Aber da ich ihn nie herausgefordert habe, hatte er keinen Grund, mich aus dem Rudel zu werfen.“
Gray legte wieder den Kopf schief und versuchte eindeutig herauszufinden, wieso Shannon verstoßen worden war.
Shannon entschied, dem Mann die Mühe zu sparen, fragen zu müssen, holte tief Luft und redete weiter. „Er hat meine sexuelle Orientierung als Ausrede benutzt“, beeilte er sich zu sagen. Vielleicht würde es leichter sein, wenn er es schnell genug aussprach. „Er hat gesagt, dass unsere Population zu niedrig ist, um nicht jeden verfügbaren Tiger zur Zeugung von Nachwuchs einzusetzen. Da ich mich geweigert habe, eine Frau zur Gefährtin zu nehmen, hat er gesagt, dass ich gehen muss. Er wollte nicht, dass ich den jüngeren Tigern einen Grund gebe, es sich mit einer Paarung und Nachwuchs zu überlegen.“ Shannon hielt den Atem an und wartete darauf, dass Gray etwas sagte.
„Nun“, meinte der Wolf schließlich, „es ist kein Problem, dass du schwul bist.“
Erleichterung durchströmte Shannon, und er ließ den Atem entweichen, von dem ihm nicht bewusst gewesen war, dass er ihn angehalten hatte. „Was ist mit deinem Alpha?“
Gray lächelte trocken und schüttelte den Kopf. „Declan ist in einer sehr glücklichen Beziehung mit einem männlichen Gefährten. Unsere männlichen Betas haben einander zum Gefährten genommen, und es gibt noch ein weiteres Gefährtenpaar gleichen Geschlechts. Glaub mir, in unserem Rudel bekommst du sehr viel Unterstützung.“
Huh. Das hatte er nicht erwartet. Aber er musste dennoch herausfinden, was Gray davon hielt. „Das ist alles schön und gut, aber deine Meinung ist die einzige, die wirklich zählt.“
Sie verließen das Zimmer des Babys, und Gray schloss die Tür hinter ihnen. „Es wäre ziemlich heuchlerisch von mir, dich wegen deiner sexuellen Präferenzen zu diskriminieren.“
Gray sagte nichts weiter dazu, doch es war genug, um Shannon wissen zu lassen, dass er und Gray für die gleiche Mannschaft spielten.
Die älteren Mädchen waren noch immer mit ihren Bildern beschäftigt, und Gray blieb stehen, um jedem einen Kuss auf den Kopf zu drücken. „Onkel Gray und Shannon gehen für ein paar Minuten in mein Büro. Kommt zu mir, falls ihr etwas braucht, okay?“
Honor blickte auf und nickte. Hope sagte gar nichts. Sie streckte nur ihre Zunge seitlich aus dem Mund, während sie sich auf ihre Kritzelei konzentrierte.
Grays Büro war ordentlich zusammengeräumt und ganz offensichtlich kein Bereich, zu dem die drei Mädchen Zugang hatten, obwohl überall Fotos von ihnen standen.
„Ich war beeindruckt von deinen Referenzen, besonders von der von deinem Kinderpsychologie-Professor. Und die Mädchen kommen mit neuen Menschen nicht oft so gut klar, wie sie mit dir klargekommen sind, was mir eine Menge sagt. Mein Alpha wird noch deinen Hintergrund überprüfen wollen, aber vorausgesetzt, dass dabei nichts Negatives herauskommt, möchte ich dich gerne engagieren. Ich kann nicht viel zahlen, aber es gibt Unterkunft und Verpflegung gratis sowie vollen Zugang zu den Ressourcen des Rudels. Wann kannst du anfangen? Und hast du noch irgendwelche Fragen?“
„Dein Alpha wird nur einen Strafzettel wegen Falschparkens finden. Ich kann morgen anfangen. Und ja, ich habe ein paar Fragen an dich …“ Shannon hörte auf zu reden, da er nicht wusste, wie er das Thema zur Sprache bringen sollte.
Als Gray ihn anschwieg, beschloss Shannon, es einfach geradeheraus zu sagen. „Ich habe den Eindruck, dass die Mädchen noch nicht allzu lange hier sind. Wie ist es dazu gekommen, dass du ihr Vormund bist?“
Der Geruch von Trauer durchdrang die Luft, und Shannon hatte das plötzliche Bedürfnis, den Wolf in seine Arme zu ziehen und ihn festzuhalten.
Gray räusperte sich einige Male, bevor er antwortete. „Meine Schwester und ihr Mann kamen vor ein paar Monaten bei einem Autounfall ums Leben. Zu dem Zeitpunkt habe ich gerade eine Woche lang auf die Mädchen aufgepasst. Ich werde ehrlich sein, die Mädchen scheinen noch nicht verstanden zu haben, was los ist, und die Tatsache, dass du einen Abschluss in Kinderpsychologie hast, spricht mich deshalb besonders an.“
Shannon kannte den Wolf nicht gut genug, um ihn einfach zu umarmen, doch er drückte seine Hand. Es gab noch eine weitere Frage, auf die er eine Antwort brauchte, und sie war nicht annähernd so schlimm wie die letzte. „Was machst du beruflich?“
Gray holte tief Luft, eindeutig dankbar für den Themenwechsel. „Ich bin Krankenpfleger in der Notaufnahme. Ich arbeite zwei Wochen hintereinander mit einem freien Tag pro Woche, habe dann vier Tage frei und arbeite dann zwei Wochen lang in der Nachtschicht, wieder mit einem freien Tag pro Woche. Von sieben bis sieben, was für beide Schichten gilt, unter der Voraussetzung, dass sich niemand krankgemeldet hat. Wir sind oft unterbesetzt, also kommt es häufig vor, dass meine Schichten etwas länger dauern. Quinn, der Gefährte des Alphas, betreibt eine Kindertagesstätte und passt für mich auf die Mädchen auf.“
Gott, Shannon wurde hier dringend gebraucht. Das Haus war nicht einmal kindersicher. Und er kam nicht umhin, sich zu fragen, ob es nur die Mädchen waren, die ihn brauchten.
Gray gähnte, während er Saft für Honor und Hope einschenkte. Sie waren schon wieder viel zu spät auf, doch die Zeit war nur so dahin geflogen. Zum vierten Mal in dieser Woche. Quinn sagte ihm dauernd, dass sie zu einer vernünftigen Zeit im Bett sein sollten, aber wenn Gray nach Hause kam, sie in ihre Pyjamas steckte und beim Zähneputzen half, war es immer kurz vor neun Uhr.
Heute war es ein wenig besser gewesen. Er hatte nur den Teil einer Schicht für jemand anderen übernehmen müssen, was schon vor Monaten ausgemacht gewesen war. Daher war er in der Lage gewesen, ein Abendessen zuzubereiten, so bescheiden es auch sein mochte, und hatte sogar ein Kindermädchen zum Vorstellungsgespräch hier gehabt.
Und Junge, war er froh, dass er es geschafft hatte, Zeit für das Treffen mit Shannon zu finden. Endlich schien etwas gut für ihn zu laufen. Vielleicht begannen die Dinge, langsam besser zu werden.
Natürlich hatten Honor und Hope lautstark protestiert, sobald Shannon gegangen war. Es hatte sogar Tränen gegeben. Er war sich ziemlich sicher, dass die Mädchen nur übermüdet waren, also hatte er einfach seinen Alpha angerufen.
Er wollte mit Declan nur am Telefon reden, doch sobald dieser den Wirbel gehört hatte, hatte er Gray gesagt, dass sie in ein paar Minuten bei ihm sein würden.
Gerade, als er die Becher vor die Mädchen hinstellte, ertönte ein leises Klopfen an der Tür. Sie ging auf, und Quinn steckte den Kopf herein. „Gray? Dürfen wir reinkommen?“
Die beiden Mädchen, die gerade erst zu weinen aufgehört hatten, weil ihr neuer Freund gegangen war, gaben ein entzücktes Quietschen von sich und ließen ihre Becher stehen, um sich auf Quinn und Declan zu stürzen.
Der Alpha lachte leise, hob Honor hoch und schürzte die Lippen. Das kleine Mädchen griff mit beiden Händen nach seinem Gesicht und drückte ihm einen großen Schmatzer auf den Mund. Hope hatte es irgendwie geschafft, an Quinn wie an einem Baum hochzuklettern und übersäte sein Gesicht mit nassen Babyküssen.
„Wie geht’s meinen Mädchen heute?“, fragte Declan grinsend.
Die Mädchen plapperten über ihren Tag, als hätten sie nicht einen Großteil davon mit diesen beiden Männern verbracht. Gray konnte ein warmes Lächeln nicht unterdrücken. Declan mochte darauf bestanden haben, dass er und Quinn sich um die Mädchen kümmerten, weil sie Teil des Rudels waren, doch er wusste, dass beide eine Schwäche für seine Nichten hatten.
Die beiden Männer zogen ihre Jacken und Stiefel aus, hängten die Jacken ordentlich an die Garderobehaken neben der Tür und schoben die Stiefel an die Wand.
Honor wand sich in Declans Armen, bis er sie auf den Boden stellte. Sie rannte davon, nur um gleich darauf mit einer Haarbürste zurückzukommen. „Quinn, kannst du mir einen Zopf flechten? Shannon wollte es tun, doch er musste gehen.“
„Klar, Süße“, antwortete Quinn und nahm die Bürste aus ihrer winzigen Hand entgegen. „Setzen wir uns ins Wohnzimmer, damit uns Onkel Gray sagen kann, warum er angerufen hat.“
Sobald alle Platz genommen hatten und leise, beruhigende Musik aus den Lautsprechern tönte, berichtete Gray dem Alpha von seinem Gespräch mit Shannon. „Also wäre es okay, wenn sich ein Tiger auf dem Rudelgelände aufhält?“
„Ich lasse sie natürlich von Shea überprüfen, aber solange sie zustimmt, den Gesetzen des Rudels zu gehorchen, habe ich kein Problem damit. Wie lautet ihr voller Name?“
Gray unterdrückte ein Kichern bei dem Gedanken an Shannons Gesicht, falls dieser hörte, dass der Alpha ihn für eine Frau hielt. Der große, muskulöse Mann würde wahrscheinlich angewidert sein. „Shannon Cho. Und Shannon ist ein Mann. Er wurde aus seinem Rudel hinausgeworfen, weil er schwul ist.“ Er erwähnte nicht den Teil, dass Shannon nach dem Geschmack seines alten Alphas zu stark war. Er hatte kein Bedürfnis bei dem Tiger verspürt, seine Dominanz zu beweisen, und er wollte, dass die Katze bald bei ihm anfing.
„Oh“, machte Declan, während er Hopes Rücken streichelte. „Ich schätze, das hört er oft.“
Gray war einen Moment lang verwundert, bis er sich an den Namen des Tigers erinnerte. Shannon war in Nordamerika ein typischer Frauenname. Doch dieser Mann war, in Ermangelung eines besseren Wortes, so maskulin, dass Shannon überhaupt nicht daran gedacht hatte, dass sein Name Verwirrung erzeugen könnte. „Nö. Shannon ist definitiv ein Mann.“
Declan nickte und holte sein Handy heraus. Gray würde nie verstehen, wie der Mann es schaffte, mit einer Hand zu tippen, während er mit der anderen eine Dreijährige festhielt. „Gut“, sagte Declan. „Ich habe Shea gerade eine SMS geschickt, damit er deinen Shannon überprüfen lässt. Wir sollten bis spätestens morgen Nachmittag wissen, ob er auch nur einmal auf die Straße gespuckt oder in einen See gepinkelt hat.“
Wow, sein Alpha wusste wirklich mit Worten umzugehen.
Gray nahm Hope aus Declans Armen entgegen und hob sie hoch. Mann, sogar Dreijährige waren schwer, wenn sie totes Gewicht darstellten. „Danke. Lass mich nur die Mädchen ins Bett bringen, und dann hole ich uns etwas zu trinken.“
Quinn stellte eine schläfrige Honor auf ihre Füße. „Ich helfe dir.“
Es war so spät, dass Gray entschied, auf das Zähneputzen bei den Mädchen zu verzichten und sie gleich ins Bett zu stecken. Mit Quinns Hilfe brachte er beide Mädchen zu Bett und zog ihnen die Decke bis zum Kinn hoch.
Als sie wieder die Treppe hinunterkamen, stand Declan in der Küche und balancierte einen Teller mit einem Sandwich und einem Stapel Kartoffelchips. „Du siehst erschöpft aus, Gray. Iss das und geh dann ins Bett. Quinn und ich werden dich allein lassen.“
Zu müde, um höflich zu sein, nickte Gray nur und nahm einen großen Bissen von dem Sandwich. Es war gut, mit einer dicken Schicht Füllung aus Fleisch und Käse, großzügig mit Mayonnaise bestrichen und nur wenig Salat. „Danke, Alpha.“
Bei der Nennung seines Titels runzelte Declan die Stirn, doch er sagte nichts dazu. „Gern geschehen. Also, Shea hat bereits mit dem Backgroundcheck begonnen. Bis jetzt hat er nur einen Strafzettel wegen Falschparkens gefunden, und er sagt, falls es etwas zu finden gibt, taucht es für gewöhnlich in den ersten paar Minuten auf.“
Gray war nicht überrascht. Der Tiger hatte gesagt, dass es nichts zu finden gab, und Gray hatte nichts gerochen, was darauf hinwies, dass Shannon log. Seine Nase war überaus empfindlich, und er hätte sofort gewusst, falls Shannon die Wahrheit auch nur ein wenig verbogen hätte.
Der Alpha und sein Gefährte zogen neben der Tür ihre Stiefel an, und Gray stellte den Teller auf der Anrichte ab, obwohl das Sandwich genauso verlockend war wie die Vorstellung von einer Runde Schlaf. „Danke“, sagte er erneut. Was würde er nur ohne sein Rudel tun?
Declan nickte. „Wenn du das nächste Mal mit Shannon sprichst, frag ihn, ob es irgendetwas Spezielles gibt, was ein Tiger braucht. Sollen wir für seine monatliche Jagd irgendwelche neuen Beutetiere auf dem Rudelgelände ansiedeln, oder ist er zufrieden mit dem, was wir hier haben?“
Der Drang zu gähnen wurde übermächtig, und Gray öffnete weit den Mund. „Okay, ich werde ihn fragen.“
Lächelnd tätschelte Quinn seinen Arm. „Alles wird in Ordnung kommen. Du wirst schon sehen.“
Zum ersten Mal, seit er die Nachricht vom Tod seiner Schwester und ihres Mannes erhalten hatte, hatte Gray die Hoffnung, dass alles gut werden könnte.
* * * *
Das klingelnde Geräusch, das eine neue SMS anzeigte, weckte Gray auf. Er streckte sich und warf einen Blick auf die Uhr. Halb acht. Die langen Abende hatten endlich auch den drei Mädchen zugesetzt, weil er die ganze Nacht keinen Mucks von ihnen gehört hatte. Und es war bereits volle eineinhalb Stunden nach der Zeit, zu der sie für gewöhnlich aufwachten.
Er griff nach seinem Handy und schaute aufs Display, um zu sehen, wer ihm so verdammt früh eine Nachricht geschickt hatte.
Backgroundcheck sauber. Kannst loslegen. Gray lächelte bei Sheas SMS. Der Mann hatte eine leichte Tendenz zur Zwangsneurose. Hoffentlich war Shea letzte Nacht schlafen gegangen, sonst würde sich sein Gefährte Micah aufregen. Nicht, dass Micah irgendetwas zu Gray sagen würde. Micah und er waren gute Freunde. Sie hatten sich sogar einige Male verabredet, bevor Micah offiziell mit Shea zusammengekommen war.
Schnell schickte er eine SMS zu Shea, bedankte sich bei ihm, weil dieser so schnell gewesen war, und machte sich eine gedankliche Notiz, ihm ein Zeichen seiner Wertschätzung zu bringen. Vielleicht sollte er die Mädchen etwas für die beiden Männer machen lassen. Micah war von seine Nichten ganz bezaubert, und obwohl Shea ein wenig von den Kleinen eingeschüchtert zu sein schien, lächelte er immer, wenn er sie sah.
Als ob es von seinen Gedanken gerufen worden wäre, begann das Baby zu wimmern. Gray rollte sich aus dem Bett und lief quer über den Flur. Als er Faiths Zimmer betrat, welches nur einen fünf-Sekunden-Sprint von seinem eigenen entfernt war, hatte sie sich bereits in lautes Weinen hineingesteigert. „Shh, meine Kleine. Bist du hungrig?“
Faiths Schreie verstummten, doch ihr winziger, rosiger Mund zitterte dramatisch. Er ging zu ihrem Gitterbett und musste wegen des Geruchs fast würgen. Windelwechseln bekam oberste Priorität.
Mann, er arbeitete in der Notaufnahme. Er hatte schon alles gerochen. Und doch war es eine mickrige Windel, die ihn beinahe zum Kotzen brachte. Er legte Faith eine neue Windel an, zog sie an und hatte gerade begonnen, sie zu füttern, als Honor und Hope hereinkamen.
„Hi, Onkel Gray“, säuselte Honor mit einem breiten Grinsen.
Hope war ein bisschen weniger aufgeweckt, rieb mit der Faust an ihrem Auge und zog eine gammelige Decke hinter sich her.
