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Nachdem er zu seiner eigenen Sicherheit das Heim seiner Eltern verlassen musste, hat sich Pierce Nevitt sein ganzes Leben den Wünschen anderer Leute untergeordnet. Der Tiger-Omega ist beschützt und von der Außenwelt abgeschottet worden, und ihm wurde das verwehrt, was er sich am meisten wünscht: Gavin. Gavin Jackson lief vor Pierce davon, voller Angst, dass er sich zu sehr in ihn verlieben könnte, nur um herauszufinden, dass es bereits zu spät war. Frisch vom College wird er Pierce als einer seiner Leibwächter zugeteilt, als dieser nach Smooth Rock Falls umzieht. Ein Kidnapper läuft frei herum, und sein Ziel sind Tiger-Omegas. Gefahr lauert an jeder Ecke, und Pierce und Gavin müssen in einem Wettlauf gegen die Zeit zusammenarbeiten, um den Drahtzieher der versuchten Entführungen zu finden, bevor es zu spät ist. Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 61.800 Wörter
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Veröffentlichungsjahr: 2019
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
ÜBER LYNN TYLER
LESEPROBE:
Pierces Entscheidung
Nachdem er zu seiner eigenen Sicherheit das Heim seiner Eltern verlassen musste, hat sich Pierce Nevitt sein ganzes Leben den Wünschen anderer Leute untergeordnet. Der Tiger-Omega ist beschützt und von der Außenwelt abgeschottet worden, und ihm wurde das verwehrt, was er sich am meisten wünscht: Gavin.
Gavin Jackson lief vor Pierce davon, voller Angst, dass er sich zu sehr in ihn verlieben könnte, nur um herauszufinden, dass es bereits zu spät war. Frisch vom College wird er Pierce als einer seiner Leibwächter zugeteilt, als dieser nach Smooth Rock Falls umzieht.
Ein Kidnapper läuft frei herum, und sein Ziel sind Tiger-Omegas. Gefahr lauert an jeder Ecke, und Pierce und Gavin müssen in einem Wettlauf gegen die Zeit zusammenarbeiten, um den Drahtzieher der versuchten Entführungen zu finden, bevor es zu spät ist.
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.
Länge: rund 61.800 Wörter
LYNN TYLER
Pierces Entscheidung
Pack Mates 5
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene
ME AND THE MUSE PUBLISHING
www.meandthemuse.com
Copyright © der englischen Originalausgabe „Pierce’s Choice“:
Lynn Tyler
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:
Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe
Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2018
Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs
Übersetzt von: Jutta E. Reitbauer
URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZT:
Dieses Buch darf ohne vorherige eindeutige schriftliche Zustimmung des Urheberrechtsinhabers in keinerlei Form, weder ganz noch auszugsweise, vervielfältigt und / oder vertrieben werden. Dies beinhaltet auch die elektronische und fotografische Vervielfältigung sowie zukünftig entwickelte Methoden. Ebenso ist die kostenlose Weitergabe dieses Buches, beispielsweise über sogenannte File-Sharing Sites ausdrücklich untersagt.
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Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.
Bitte beachten:
Einige unserer Titel enthalten Hinweise auf und Beschreibungen sexueller Handlungen, die möglicherweise eine Gefährdung körperlicher und geistiger Gesundheit darstellen können. Mit der Beschreibung solcher Praktiken erheben wir keinen Anspruch auf deren tatsächliche Durchführbarkeit und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Verletzungen oder Schäden, die bei der Nachstellung solcher oder vergleichbarer Handlungen entstehen. Generell raten wir unseren Lesern davon ab, potenziell gefährliche Sexualpraktiken ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Anleitung durch Personen mit ausreichender Sachkenntnis durchzuführen.
Widmung
Wie immer für meinen Mann, der großzügigerweise seinen Anspruch auf den Familiencomputer aufgab, als meine beiden abstürzten und schreckliche Tode starben.
Lernt die Gestaltwandler von Smooth Rock Falls kennen
Declan O’Halloran: Website-Designer bei Tag, Alpha des Smooth Rock Falls Rudels bei Nacht. Er nahm Quinn Gallagher in dem Buch Heimkehr zu seinem Gefährten zum Gefährten.
Quinn Gallagher: Quinn ist der Omega von Smooth Rock Falls mit einer tragischen Vergangenheit. Es war seine Paarung mit Declan in Heimkehr zu seinem Gefährten, die ihn heilte.
Adam Harris: Adam ist einer der Smooth Rock Falls Betas, der ebenfalls Feuerwehrmann ist. Er nahm Cullen in der Kurzgeschichte Gefährten im Frühling zum Gefährten.
Cullen Stark: Cullen ist einer der Smooth Rock Falls Betas. Er verdient sich seinen Lebensunterhalt als Lektor und ist Adams Gefährte.
Shea Morrison: Shea ist ein Genie und arbeitet bei der Royal Canadian Mounted Police als forensischer Chemiker. Er ist eine Art Einzelgänger, und soziale Interaktionen fallen ihm schwer. Er ist Micahs Gefährte, und ihre Geschichte findet sich in Micahs Zuflucht.
Micah Warren: Micah ist neu im Smooth Rock Falls Rudel, nachdem er gezwungen war, sein altes Rudel zu verlassen. Er ist Bauunternehmer und Sheas Gefährte.
Grayson Mitchell: Gray arbeitet als Krankenpfleger in der Notaufnahme. Er hat die Vormundschaft für seine drei kleinen Nichten und ist der Gefährte von Shannon Cho aus Der Tiger und sein Wolf.
Shannon Cho: Shannon hat Probleme mit seinem Namen, da er kein Mädchen, sondern durch und durch Mann ist. Er ist der erste Tigerwandler unter den Wölfen des Smooth Rock Falls Rudels und Graysons Gefährte aus Der Tiger und sein Wolf.
Michael Ferris: Michael ist Feuerwehrmann und Declans Pflegebruder. Zwar ist er geoutet, aber definitiv kein stolzer Schwuler, und seine selbst errichtete Schutzmauer ist höher als die Flammen, die er bekämpft.
Justin Blake: Justin ist ein seltener Adlerwandler. Soweit es Menschen betrifft, ist er Anwalt, aber tatsächlich ist er als Verhandlungsführer der Gestaltwandler tätig und hilft dabei, Probleme zwischen den unterschiedlichen Wandlerarten zu lösen.
Pierce Nevitt: Pierce ist ein Tigeromega, der endlich lernt, wie es ist, selbst eine Entscheidung treffen zu können.
Gavin Jackson: Gavin ist ein Tigerwandler und wurde vom Rat als einer von Pierces Bodyguards eingesetzt.
Gott. Gavins Lippen waren so weich. Sie fühlten sich wie Seide auf seinem Mund an. Er stöhnte, als sich Zähne um seine Unterlippe schlossen und leicht daran zogen.
„Pierce, mach den Mund auf“, murmelte Gavin.
Pierce gehorchte und war hingerissen, als Gavin seine Zunge hineinschob. Er schmiegte sich an den harten Körper vor sich und überließ Gavin völlig die Kontrolle. Das war schon so lange sein Traum gewesen und brachte sein achtzehnjähriges Herz dazu, so schnell zu schlagen, dass er sich fragte, ob es aus seiner Brust springen würde.
Abrupt fand sich Pierce auf seiner Matratze wieder, mit einem sehr heißen Teenagerjungen, der auf ihm lag. Er blinzelte. Hatten sie nicht in der Küche angefangen, sich zu küssen? Er erinnerte sich nicht daran, die Treppe zu seinem Schlafzimmer hochgestiegen zu sein.
Doch dann begann Gavin, seinen Hals zu küssen, und er beschloss, dass er auch noch später herausfinden konnte, wie er in sein Zimmer gekommen war. Besonders als Gavins Finger sich an den Knöpfen seines Hemds zu schaffen machten. Er versuchte etwas zu sagen, zu erwähnen, dass sie vielleicht die Tür schließen sollten, bevor sie weitermachten, doch erneut wurde sein Mund von Gavins äußerst fordernder Zunge erobert.
Schließlich hatte Gavin alle Knöpfe geöffnet und schob das Hemd von Pierce’ Schultern, wobei es seine Arme zwischen seinem Rücken und der Matratze hielt und ihn praktisch ans Bett fesselte. „Gott, ich liebe deine Haut“, murmelte Gavin an seinen Lippen.
Pierce konnte nichts anderes tun als nicken. Es schien, als hätte Gavin seine Denkfähigkeit geraubt, ganz zu schweigen von der Fähigkeit, Worte zu einem sinnvollen Satz zusammenzufügen. Seine plötzliche Unfähigkeit zu sprechen wurde sogar noch schlimmer, als Gavin mit den Lippen von Pierce’ Mund zu seinem Kiefer glitt und in die Stelle biss, wo dieser in sein Ohr überging.
Hatte er so etwas überhaupt schon einmal gefühlt? Diese zittrige, begierige, verzweifelte Empfindung war ihm gänzlich fremd. Nun ja, vielleicht nicht völlig fremd. Seit er fünfzehn war, reichte der bloße Anblick von Gavin aus, um ihn in Erregung zu versetzen. Jetzt, wo er mit achtzehn volljährig war und kurz davorstand, mit dem Jungen Sex zu haben, der seine Fantasien seit Jahren dominierte, war Erregung nicht einmal annähernd das richtige Wort, um seine Gefühle zu beschreiben. Er fragte sich, ob es möglich sei, dass sich ein Gestaltwandler spontan in Flammen auflösen konnte.
Dann umschlossen Gavins Lippen seine Brustwarze, und die Sache wurde wirklich ernst. „Gavin“, stöhnte er. „Gav … bitte.“
Es war gut, dass Gavin ihn nicht fragte, worum er bettelte, hauptsächlich deshalb, weil er es nicht wusste. Alles, was er wusste, war, dass seine Eier gleich von seinem Körper eingesaugt werden würden, falls sie nicht bald etwas Erleichterung erhielten.
Gavin jedoch lachte einfach nur leise, griff mit beiden Händen nach Pierce’ Jeans und fummelte mit der Knopfleiste herum, während seine Lippen mit ihrem Angriff auf seinen Nippel weitermachten. „Alles zu seiner Zeit“, versprach er.
Pierce schaffte es noch immer nicht, seine Hände zu bewegen, und begnügte sich damit, mit dem Becken zu zucken, begierig nach etwas Druck oder Reibung oder irgendetwas für seinen sehnsüchtigen Schwanz.
Er wurde fündig, als sein Penis in Kontakt mit Gavins Hüfte kam. Beide waren von der Taille abwärts noch immer vollständig bekleidet, doch nichts hatte sich je so verdammt gut angefühlt. Einige Minuten lang rieb er seinen Schritt am harten Knochen von Gavins Hüfte und schrie beinahe auf, als Gavin von ihm abrückte.
„Shh“, flüsterte Gavin. „Lass uns diese Jeans loswerden, ja?“
Etwas beruhigt wand sich Pierce auf dem Bett und versuchte Gavin dabei zu helfen, den Denim von seinen Beinen zu bekommen. Gavin sprang aus dem Bett und zerrte seine eigene Hose hinunter. Jeder Anschein einer langsamen Verführung war verschwunden. Pierce konnte das Grinsen nicht unterdrücken, das sich auf seinem Gesicht ausbreitete. Er wusste ganz genau, dass Gavin genauso wie er noch Jungfrau war. Im Haus des Rats lebten nur wenige Leute in ihrem Alter, also hatte keiner von ihnen viel Gelegenheit gehabt, sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Es war an der Zeit, dass Gavin etwas Ungeduld zeigte.
Pierce setzte sich auf, zog sein Hemd völlig aus und war sich bewusst, dass Gavins Blick die ganze Zeit auf seine entblößte Brust gerichtet war.
Nur mehr mit seinem weißen Slip bekleidet, war Gavin eine wahre Augenweide. Der Stoff verdeckte kaum seinen harten Schwanz, und die Baumwolle war auf obszöne Weise gedehnt, mit einem feuchten Fleck an der Vorderseite.
Pierce legte die Hand auf seine eigene Erektion und rieb mit dem Handballen über die Eichel seines mit Stoff bedeckten Penis, bis er um Atem rang. Gavin stand vor ihm, umfasste seine Beule und beobachtete ihn mit halb geschlossenen Augen. Ein Schauer der Erregung durchlief Pierce, als ihm klar wurde, dass er auf Gavin genau den gleichen Effekt hatte wie dieser auf ihn. „Komm her“, krächzte er.
„Gerne“, sagte Gavin. Die Worte waren praktisch ein Schnurren.
Pierce öffnete die Arme und Gavin stürzte sich auf ihn. Ihre Lippen trafen sich zu einem Kuss, viel sanfter, als Pierce erwartet hatte. Starke Beine umklammerten seine Oberschenkel, und Gavin ließ sich auf ihn sinken, bis ihre Penisse einander leicht streiften. Pierce stöhnte bei dem Kontakt und rollte mit dem Becken.
Gavin knabberte ein wenig an seiner Lippe, zog daran und besänftigte den kleinen Stich, indem er schnell darüber leckte. „Wir sollten die Unterwäsche loswerden“, flüsterte Gavin, obwohl er keinen Versuch machte, stillzuhalten.
„Später“, antwortete Pierce und strich mit den Händen über Gavins feuchten Rücken hinunter, um seinen Hintern zu umfassen. Er zerrte fest an Gavins Hüften und stöhnte bei dem Gefühl. „Fühlt sich so gut an.“
Er legte den Kopf in den Nacken und entblößte seinen Hals für Gavin, der prompt mit den Zähnen über die empfindliche Haut kratzte. „Gott, ich komme gleich“, ächzte Gavin und erhöhte das Tempo.
„Ja“, sagte Pierce, nicht sicher, ob er Gavin zustimmte oder ihn einfach nur anfeuerte. Was auch immer der Fall war, die Spur der Empfindung, die an der Basis seines Schädels begann und sein Rückgrat entlang nach unten raste, um sich in seinen Hoden zu sammeln, reichte aus, um ihn sein Becken nach oben stoßen zu lassen. Gavin presste die Zähne in seine Schulter, und Pierce vergrub die Finger in Gavins festem Hintern und hielt sich daran fest.
Er keuchte noch immer, als Gavin die Zähne von seiner Schulter nahm und seine verschwitzte Stirn an Pierce’ drückte. „Oh verdammt, Pierce. Das war gut.“
Pierce runzelte die Stirn. Oh verdammt. Das war gut? Das schienen nicht die richtigen Worte zu sein, die jemand von sich gab, der gerade einen überwältigenden Orgasmus mit seinem Geliebten gehabt hatte. Und Gavin war gekommen, dessen war sich Pierce sicher. Der riesige nasse Fleck auf seiner Unterwäsche konnte nicht nur allein von ihm stammen.
Doch er schüttelte das Gefühl ab. Sie waren beide Jungfrau, und vielleicht war Pierce von ihrem gegenseitigen Vergnügen zu sehr beeinflusst gewesen. Vielleicht war Gavin die Bedeutsamkeit der ganzen Situation nicht bewusst gewesen.
Vielleicht sollte er in den sauren Apfel beißen und als Erster ein Geständnis ablegen.
„Gav?“, meinte er zögernd.
„Hm?“, machte der größere Mann, als er sich von ihm herunterrollte.
„Kann ich dir etwas sagen?“ Diese Unterhaltung war nicht unbedingt die Art, wie er sich immer vorgestellt hatte, dass er Gavin sagen würde, dass er ihn liebte, doch jetzt gab es kein Zurück mehr.
Gavin legte sich auf den Rücken und streckte die Arme über den Kopf. „Klar.“
Pierce öffnete den Mund, doch es kamen keine Worte heraus. Er räusperte sich ein paar Mal, bevor er es erneut versuchte, doch es war, als ob seine Zunge am Gaumen festklebte.
„Mach schon, Pierce“, drängte Gavin, als er aufstand und anfing, seine Klamotten wieder anzuziehen. „Ich hab viel zu tun, also spuck es aus.“
Pierce fühlte sich, als ob Gavin ihm eine Ohrfeige verpasst hätte, doch er schaffte es, einen gelassenen Gesichtsausdruck beizubehalten. Zumindest hoffte er das. Gavin stand unter enormem Druck von seinem Vater, auf die Uni zu gehen und das Haus des Rats zu verlassen. Er lernte bis spät in die Nacht und hatte die besten Noten auf der Highschool. Zumindest war es das, was ihr Freund Jake ihm erzählte. Pierce hatte das Haus nicht mehr verlassen dürfen, seit er als Zehnjähriger von seiner Familie getrennt worden war. Der Rat hatte sorgfältig überprüfte Lehrer engagiert, damit er unterrichtet werden konnte.
„Pierce?“, sagte Gavin und winkte mit der Hand vor seinem Gesicht. „Ich muss lernen. Was wolltest du mir sagen?“
Das war sowas von nicht romantisch, doch plötzlich spürte er eine merkwürdige Dringlichkeit, Gavin von seinen Gefühlen zu erzählen. Es war, als würde er die Liebe seines Lebens für immer verlieren. „Ich liebe dich“, platzte es aus ihm heraus. „Ich meine, ich bin in dich verliebt.“
Er hatte sich immer Gavins Reaktion vorgestellt, wenn er ihm schlussendlich seine Liebe gestehen würde. Doch die Realität passte nicht zu seiner Fantasie. Denn Gavin sah ihn nur ungläubig an. „Ehrlich? Scheiße. Ich wusste, dass das passieren würde.“
Jetzt war er verwirrt. „Wie bitte?“, fragte Pierce.
Gavins Körper schwankte, und Pierce musste einige Male blinzeln, um ihn wieder scharf zu sehen. Irgendwie hatten sich seine Klamotten von abgetragenen Jeans und einem zartgrünen T-Shirt zu einem Paar Khakihosen und einem hellblauen Polo-Shirt verwandelt. Sein Haar war kürzer, als es noch vor einer halben Minute gewesen war, und auf stylishe Art mit Gel nach hinten gekämmt. „Hör zu, Pierce. Du bist mein Freund und du bist heiß. Aber … ich bin nicht in dich verliebt. Ich bin in jemand anderen verliebt.“
Eine umwerfende Frau mit langen mahagonifarbenen Haaren trat ins Zimmer und klammerte sich an Gavins Arm. „Wer ist das, Kuschelbärchen?“
Gavin drehte sich zu ihr um und lächelte auf sie hinab. „Er ist nur ein Freund. Komm mit, mein Hasemäuschen, gehen wir zu meinem Dad und erzählen ihm die guten Neuigkeiten.“
Die Frau, die ihn mit blendend weißen Zähnen anlächelte, gestikulierte mit der linken Hand in Pierce’ Richtung. „Hat mein Kuschelbärchen es dir erzählt? Wir sind verlobt.“
In Pierce’ Brust gab es ein merkwürdiges Gefühl des Zerreißens, als ob Gavin in ihn hineingegriffen hätte und ihm langsam das Herz aus dem Körper zog. „Gav? Aber … Ich dachte …“ Am Boden zerstört brach er ab.
Gavin grinste leicht, als er der Frau eine Hand in den Nacken legte. „Was gedacht? Dass ich deine Gefühle erwidere?“ Er lachte, als ob es der lustigste Witz auf dem ganzen Planeten sei. „Welche Art Leben hätte ich mit dir?“, fragte er. „Nie das verdammte Haus verlassen dürfen? Immer unter dem wachsamen Auge meines Vaters leben zu müssen? Nein danke.“
Alles in Pierce brach zusammen. Jede Hoffnung, jeder Traum, jede einzelne Sache, auf die er sich gefreut hatte, verwandelte sich in einen Haufen Staub und ließ ihn an Verbitterung und Schmerz ersticken.
Ohne einen weiteren Blick legte Gavin den Arm um sein Hasemäuschen und spazierte aus dem Zimmer. Pierce hielt durch, bis die Tür fest hinter ihnen geschlossen war, ehe er in Tränen ausbrach.
* * * *
Er weinte, wie es schien, stundenlang. Vage war ihm bewusst, dass er zitterte. Er schrieb es der Tatsache zu, dass das Einzige, was er in seinem Leben wollte, Gavins Liebe, hinausspaziert war und seinen Hoffnungen einen Riegel vorgeschoben hatte.
Nur dass er nicht einfach zitterte. Sein ganzer Körper schüttelte sich. Irgendein Druck wurde auf seine Schulter ausgeübt und wurde langsam unangenehm.
Da war eine vertraute Stimme, die in sein Ohr murmelte. „Pierce? Pierce, wach auf.“
Wach auf?
Pierce zwang seine Lider auf und starrte einen äußerst besorgten Gavin an. Der Mann, der ihm das Herz gebrochen hatte, lag ausgestreckt neben ihm, auf einen Ellenbogen aufgestützt, und strich ihm die verschwitzten Ponyfransen aus der Stirn. „Das war ja mal ein Albtraum“, sagte Gavin leise. „Ich versuche seit zehn Minuten, dich aufzuwecken. Willst du mir erzählen, worum es in dem Traum ging?“ Er strich mit dem Daumen über Pierce’ Wangenknochen und wischte die Feuchtigkeit weg, die sich noch immer auf seiner Haut befand.
Bei Gavins vertrautem Geruch, seiner beruhigenden Berührung, war Pierce hin- und hergerissen. Der Mann hatte ihm das Herz gebrochen. Zugegeben, weder hatte er eine Frau mit nach Hause gebracht, noch jemals das Wort Hasemäuschen ausgesprochen. Dieser Teil gehörte nur zum Albtraum. Aber er hatte sich von dem Moment an, als er aufs College ging, von Pierce distanziert. Und da Pierce ein Omega war, hatte er in dem Augenblick, in dem Gavin in den Winterferien nach Hause gekommen war, gewusst, dass er sich im Prinzip in die Campusschlampe verwandelt hatte. Alles, um ihn zu vergessen.
Er war völlig am Boden zerstört gewesen. Mehr als zerstört, es hatte ihn beinahe gebrochen. Er hatte sich geschworen, dass er nicht zulassen würde, sich erneut allzu sehr zu Gavin hingezogen zu fühlen, und bis jetzt hatte er es geschafft, dieses Versprechen an sich selbst zu halten.
Doch die vorsichtige, beinahe ehrfürchtige Berührung von Gavins Hand auf seinem Gesicht und die beruhigenden, geflüsterten Worte, die ihn so sehr an den alten Gavin erinnerten, waren zu viel, und er konnte den Mann nicht einfach wegschieben. Stattdessen drehte er den Kopf und schmiegte sich zum ersten Mal seit Jahren an Gavins Hand.
Er ignorierte alle Warnungen, die sein Verstand ihm zurief, denn dieser wollte, dass Pierce darauf bestand, dass Gavin den Raum verließ. Stattdessen rutschte er näher an den warmen Körper neben sich. Es war ihm egal, dass die Decke bis zu seinen Hüften herunterrutschte, bis er den Geruch seines eigenen Orgasmus auffing.
Er erstarrte und wartete darauf, was Gavin tun würde. Wäre es zu viel verlangt, darauf zu hoffen, dass Gavin aufgrund seiner Besorgnis den Geruch nicht mitbekommen hatte?
Ein tiefes Knurren zerriss die Luft, und Pierce konnte sehen, wie Gavins Reißzähne ausfuhren. Ein schneller Blick auf Gavins Schritt bestätigte, dass er tatsächlich auf den im Raum schwebenden Geruch von Lust reagierte.
Gavins Berührung wechselte von beruhigend zu verführerisch, während er mit dem Daumen über Pierce’ Unterlippe strich. „Pierce“, flüsterte er. „Hast du überhaupt eine Ahnung, was du mit mir anstellst?“
Ehe Pierce antworten konnte, kam Gavins Gesicht näher. Mit flatternden Lidern schloss er die Augen, als er sich auf den Kuss vorbereitete. Bis die kleine Stimme in seinem Hinterkopf ihn an das letzte Mal erinnerte, als Gavin und er sich geküsst hatten. Als Gavin aus seinem Leben hinausspaziert war, sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinn.
Er ließ das Laken los, von dem ihm nicht einmal bewusst gewesen war, dass er es umklammert hatte, legte beide Handflächen auf Gavins mächtige Brust und drückte dagegen. „Gavin“, sagte er und bemühte sich, seiner Stimme Autorität zu verleihen, obwohl er nichts mehr wollte, als sich an den größeren Mann zu schmiegen. „Die Dinge sind kompliziert für mich. Ich will, dass du gehst.“
Das glückliche, sexy Glitzern in Gavins Augen verschwand. „Ich weiß, dass wir noch immer versuchen, unsere Probleme zu lösen, doch was braucht es noch? Seit wir nach Smooth Rock Falls gekommen sind, versuche ich dir zu zeigen, wie viel du mir bedeutest. Was muss ich noch tun? Du willst mich. Ich weiß, dass es so ist. Jedes Mal, wenn wir uns nahe kommen, kann ich es riechen. Ich bin der Grund dafür, nicht wahr?“ Seine Hand glitt über Pierce’ Brust nach unten und landete auf seinem Penis, wo Gavin den feuchten Fleck auf der Pyjamahose nachzeichnete.
Pierce zwang seinen Körper durch reine Willenskraft dazu, nicht zu reagieren, ergriff Gavins Hand und legte sie wieder auf seine Wange, wo noch immer Spuren von Tränen waren. „Du bist auch der Grund dafür. Und es geht nicht darum, dich zu bestrafen, Gav. Ich brauche etwas Abstand, okay? Okay?“, wiederholte er, als Gavin sich nicht bewegte.
Seufzend stieg Gavin aus dem Bett und blieb im Türrahmen stehen. „Ich habe verstanden. Aber lass mich dir sagen, dass wir noch nicht miteinander fertig sind.“ Er verließ das Zimmer und schloss die Tür leise hinter sich.
Pierce ließ sich auf die Matratze sinken. Keinesfalls konnte er jetzt weiterschlafen. Nicht, wenn trocknendes Sperma auf ihm klebte und seine Gefühle völlig durcheinander waren. Es war erst halb sechs Uhr morgens, aber das war spät genug, dass er zumindest aufstehen und sich fertigmachen konnte.
Er entledigte sich seines Pyjamas und zog das Bett ab. Der Rest des Hauses musste nicht unbedingt wissen, dass er einen weiteren feuchten Traum gehabt hatte, der sich in einen Albtraum verwandelt hatte. Splitterfasernackt schlich er zur Waschmaschine im Erdgeschoss hinunter, warf seine Laken hinein, gab eine großzügige Menge Waschmittel dazu und hoffte verzweifelt, dass er nicht wieder den Raum mit Schaumbläschen überschwemmen würde. Er war immer noch dabei, sich daran zu gewöhnen, Sachen selbst zu erledigen, und Wäschewaschen war keine Ausnahme. Im Haus des Rats hatte es Leute gegeben, die diese Dinge für ihn getan hatten, also hatte er Sachen wie Wäschewaschen oder Frühstückmachen nie gelernt.
Doch er genoss seine neu entdeckte Freiheit, selbst wenn er gelegentlich Wasser vom Boden der Waschküche aufwischen oder verbranntes Rührei aus der Pfanne kratzen musste. Der Umzug nach Smooth Rock Falls hatte sich als Segen herausgestellt.
Pierce steckte den Kopf bei der Waschküche hinaus und ging sicher, dass keiner seiner Mitbewohner in der Nähe war, bevor er zurück in sein Zimmer eilte. Andere Gestaltwandler mochten kein Problem haben, in Gegenwart von anderen nackt herumzulaufen, doch bei Tigern lag die Sache anders. Nun ja, zumindest bei den Tigern, die er kannte. Es war nicht so, als hätte er viel Erfahrung mit anderen Leuten als denen, die im Haus des Rats gelebt hatten.
Er schaffte es zurück in sein Zimmer, ohne dass ihn jemand sah, und ging direkt ins Badezimmer. Das Resultat seines kleinen Traums war auf seiner Haut getrocknet und hatte zu jucken begonnen. Er ließ warmes Wasser über sich strömen, während er über das nachdachte, was an diesem Morgen geschehen war.
Es wurde immer schwerer, Gavins Annäherungsversuche zu ignorieren. Bald würde er nachgeben und Gavin genau das tun lassen, was sie beide wollten. Doch sich zu erlauben, sich wieder in Gavin zu verlieben, war ein erschreckender Gedanke.
Weil er wusste, dass, sobald er sein Herz ein wenig öffnete, nur ein winziger Schubs nötig sein würde, um ihn über diese Kante zu stoßen, und das letzte Mal hatte ihn das Ergebnis beinahe umgebracht.
Gavin warf sich auf seiner Matratze hin und her und versuchte, eine einigermaßen bequeme Position zu finden. Als er Pierce’ Zimmer verlassen hatte, war er steinhart gewesen, und seitdem hatte er es nicht geschafft, sich zu entspannen.
Pierce’ lustvolles Stöhnen war in seinen Schlaf gedrungen, und er hatte sich kaum selbst angefasst, weil er die Empfindung so lange wie möglich ausdehnen wollte, als das Stöhnen von lustvoll zu gequält wechselte. Herzzerreißendes Schluchzen hatte die Laute des Verlangens ersetzt und Gavin aus dem Bett und seinem Zimmer gezwungen, bevor ihm überhaupt bewusst war, dass sein Körper sich bewegte.
Es war nicht leicht gewesen, Pierce aufzuwecken. Normalerweise hätte er den Mann einfach nur gehalten, bis dieser wieder eingeschlafen war, aber etwas an der Art, wie Pierce weinte, als ob ihm das Herz herausgerissen worden wäre, ließ ihn das nicht machen.
Stattdessen hatte er seinen Freund geschüttelt, bis sich dessen wunderschöne blaue Augen öffneten. Nach dem Aufwachen schien sich Pierce ziemlich schnell zu beruhigen, und es genügte ein leichtes Rutschen seiner Decke, um den anhaltenden Geruch von Pierce’ Orgasmus, den erdigen, moschusartigen Duft seines Spermas, im Raum zu verteilen.
Gavin seufzte frustriert und blickte auf seinen erigierten Schwanz. Er war Pierce’ Leibwache beigetreten, sobald er mit der Ausbildung fertig gewesen war und erfahren hatte, dass der Omega zu einem Werwolfsrudel überstellt wurde, weil er dort sicherer war. Sein Vater war nicht besonders glücklich über seine Entscheidung, doch er war achtundzwanzig Jahre alt, und sein Vater durfte nicht mehr über sein Leben bestimmen.
Jetzt war er hier, steckte irgendwo in der Mitte von Scheiß-Nirgendwo fest, und liebte jede Sekunde davon. Die Wölfe von Smooth Rock Falls hatten sie mit offenen Armen auf ihrem Territorium willkommen geheißen und ihnen sogar ein fantastisches Haus zur Verfügung gestellt. Da der Tigerrat Gavin und den meisten anderen Bodyguards, die als Pierce’ Leibwache dienten, ein großzügiges Gehalt zahlte, gab es nicht wirklich etwas, was sie vermissten. Und Pierce – dem Mann, der keine einzige Sekunde der Freiheit genossen hatte, seit er erfahren hatte, dass er ein Omega war und um jeden Preis beschützt werden musste – dabei zuzusehen, wie er frei durch die Wälder streifte, sowohl in menschlicher Gestalt als auch in der eines Tigers, war unglaublich.
Doch es brachte auch ein kleines Problem mit sich. Gavin war ständig in der Nähe des Mannes, den er mehr als jeden anderen oder alles andere auf diesem Planeten wollte. Sein Schwanz würde vermutlich bald abfallen wegen der unzähligen Male, die er sich selbst Erleichterung verschaffen musste, aber ihn so stehen zu lassen war keine Option.
Allerdings war dies das erste Mal, dass er tatsächlich hoffte, dass Pierce und er ihre alte Leidenschaft wiederbeleben konnten. Eine kurze Zeit hatte Pierce auch den Eindruck gemacht, dazu gewillt zu sein. Doch in seiner Aufregung war Gavin zu schnell vorgegangen, hatte ihn zu sehr bedrängt, und Pierce war wieder zurückgewichen.
Er drehte sich auf den Bauch und versuchte, an etwas anderes zu denken, irgendetwas, das sein nicht-so-kleines Problem zum Verschwinden bringen würde. Stattdessen war alles, was er zustande brachte, seinen Penis am Bett zu reiben, bis er kurz vor der Explosion stand.
Da er nicht schon wieder die nächste Ladung Wäsche waschen wollte, weil er seine Laken eingesaut hatte, zwang sich Gavin, aufzustehen und in die Dusche zu schlurfen.
Die Hitze des Wassers erinnerte ihn an Pierce, daran, wie gut es früher gewesen war, den Mann zu küssen und seine Zunge in Pierce’ Mund zu stecken, und sein Schwanz zuckte ungeduldig.
Der Geruch von Pierce’ Orgasmus lag noch immer in seiner Nase und erinnerte ihn an das erste und einzige andere Mal, als er Pierce’ Lust gerochen hatte. Sie waren Teenager gewesen, und es war das erste Mal gewesen, dass ihnen bewusst geworden war, dass sie den anderen sexuell begehrten.
Gavin war so hart, die empfindliche Haut so sehr über seinen Schwanz gespannt, dass es nur einige wenige Bewegungen und die Erinnerung an Pierce’ achtzehnjähriges, vor Lust verzerrtes Gesicht brauchte, bevor er abspritzte.
Er kam, lange und hart, und als es vorbei war, musste er die Knie durchdrücken, um aufrecht stehenzubleiben. Und dennoch war es unbefriedigend. Klar, er hatte nicht mehr das Gefühl, als ob seine Eier gleich explodieren würden, und sein Penis hing jetzt schlaff zwischen seinen Beinen, statt gerade nach oben zu zeigen, doch emotional fühlte er sich leer.
Gavin nahm die einfache, sauber riechende Seife, die Pierce immer so gern gehabt hatte, und schrubbte den Beweis dessen, was er gerade getan hatte, weg.
* * * *
Als Gavin sich angezogen hatte und nach unten ging, herrschte in der Küche bereits reges Treiben. Wie immer suchte sein Blick Pierce. Und wie immer wurde Gavins Herz schwer, als er ihn in unmittelbarer Nähe zu jemand anderem fand. Heute Morgen stand Pierce neben Jake, während der andere Leibwächter das Frühstück zubereitete. Jake erklärte ihm gerade, wie man ein Omelette wendete. Der Omega schien völlig von Jakes Worten gefangen zu sein und stieß sogar ein überraschtes Lachen aus, als Jake die Eiermasse erfolgreich in die Luft warf und sie perfekt mit der Pfanne auffing.
„Hey, Gav“, sagte Patrick, ein weiterer von Pierce’ Bodyguards, vom Kühlschrank her. „Willst du etwas Saft?“
Gavin kam nicht umhin, die Anspannung in Pierce’ Muskeln sowie den leicht beißenden Geruch seines Unbehagens zu bemerken. Er sah keine Chance, dass irgendjemandem in dem verdammten Raum das entgangen sein konnte. Er wusste, dass er einige fragende Blicke erhalten würde, tat aber sein Bestes, es einfach abzutun, als er an den Tisch ging. „Gerne. Danke.“
Er sehnte sich danach, zu Pierce zu gehen und die Arme von hinten um seine schmale Mitte zu legen. Es war mehr als nur ein Verlangen. Es war fast so, als ob ein Seil an seinen Eingeweiden angebracht war und ihn näher an den Omega zog. Die Empfindung war so intensiv, dass sie beinahe schmerzhaft war. Doch es war klar, dass Pierce nichts mit ihm zu tun haben wollte, zumindest nicht nach dem, was heute Morgen passiert war.
Dass er den Verlust der Nähe betrauerte, die sie einmal geteilt hatten, war noch milde ausgedrückt. Manchmal fühlte er sich, als ob er am Ertrinken wäre. Doch er weigerte sich zu glauben, dass er jede Hoffnung auf eine Beziehung mit dem Mann zerstört hatte. Stattdessen klammerte er sich an Dinge wie diesen Morgen. Er lebte für die seltenen Momente, wenn Pierce nicht auf der Hut war und sich ohne jeden Widerstand in Gavins Arme schmiegte.
Die Haustür fiel ins Schloss, und der letzte von Pierce’ Wachen und Gavins bester Freund, spazierte in die Küche, wobei er nur seine Hose und ein Grinsen trug. „Euch allen einen guten Morgen“, begrüßte Caleb sie und ließ sich an den Tisch plumpsen.
Gavin konnte das Lächeln nicht unterdrücken, das sich auf seinem Gesicht bildete. „Sieht so aus, als hättest du auf jeden Fall einen guten Morgen“, meinte er und klopfte seinem Freund leicht auf die Schulter, ehe er sich neben ihn setzte.
„Das kann man wohl sagen.“ Caleb rollte mit den Schultern und rieb sich den Bauch. „Ich habe jede Menge Appetit mitgebracht. Gibst du mir etwas zu essen, Pierce, oder soll ich mir eine Schüssel Müsli holen?“
Schallendes Lachen ertönte in der Küche und schnitt durch die unbehagliche Atmosphäre, die sich gebildet hatte. Niemand in dem Raum konnte Calebs Version eines flehenden Welpenblicks widerstehen, nicht einmal Pierce.
Lachend brachte ihm Pierce einen Teller mit Omelette und mehreren Scheiben Toast. „Hattest du einen guten Lauf?“, fragte er.
Caleb öffnete den Mund, machte ihn dann wieder zu und beäugte Pierce, als ob er versuchte festzustellen, ob der Omega ihn aufzog oder nicht.
„Himmel“, jammerte Pierce. „Gott, ich mag eine Jungfrau sein, aber nicht einmal ich bin so unschuldig. Hättest du lieber, dass ich dich frage, ob Trina gut im Bett ist?“
Gavin schaffte es, seinen Mund nicht aufklappen zu lassen. Pierce war noch immer Jungfrau? Aber … Pierce war mit beinahe siebenundzwanzig nur ein Jahr jünger als er.
Zum Glück schien ihm niemand besondere Beachtung zu schenken. Stattdessen hatten alle ihre Aufmerksamkeit auf Pierce und seinen Ausbruch gerichtet. „Bist du okay?“, fragte Caleb.
Der Omega verdrehte seufzend die Augen, ein Verhalten, das völlig untypisch für ihn war. „Es geht mir gut. Hattest du viel Spaß mit Trina oder nicht?“
„Äh, ja. Danke. Glaube ich.“
Pierce rollte erneut mit den Augen. „Ich bin gleich wieder da“, sagte er, ehe er aus dem Zimmer stürmte und dabei etwas darüber murmelte, dass zumindest irgendjemand in diesem verdammten Haus Sex bekam.
„Wow. Wer hat ihm heute Morgen in die Cornflakes gepinkelt?“, fragte Caleb. Er blickte auf sein Frühstück, als ob er sich fragte, ob Pierce auf seine Eier gespuckt oder Gift auf seinen Toast gestrichen hatte.
„Anscheinend Gavin“, sagte Jake und schlug die nächsten Eier in eine Schüssel. „Mit Pierce war alles in Ordnung, bis Gavin vor ein paar Minuten auftauchte.“
Patrick schlenderte zum Tisch und stellte ein Glas Saft vor ihm ab. „Was zum Geier ist passiert?“, fragte er.
Gavin würde ihnen keine Einzelheiten verraten, also zuckte er einfach mit den Schultern. „Ich habe ihn heute Morgen aufgeweckt. Ich schätze, er war nicht allzu glücklich darüber.“ Das war nicht unbedingt die ganze Wahrheit, doch er hatte Pierce tatsächlich aufgeweckt.
Caleb zog eine Augenbraue hoch, ehe er damit weitermachte, sein Frühstück zu inspizieren. Er schnüffelte daran, bevor er mit den Achseln zuckte und sich eine Gabelvoll in den Mund schob.
„Keine Angst, dass Pierce dir ins Essen gespuckt hat?“, fragte Gavin.
„Nö. Ich bin nicht derjenige, der ihn sauer gemacht hat. Abgesehen davon sind wir seit Jahren Freunde. Es wäre nicht das erste Mal, dass ich etwas von Pierce’ Spucke verdaut habe.“
Eifersucht, heiß und schwer, kochte in Gavins Eingeweiden hoch. „Was genau meinst du damit?“, fragte er.
Caleb warf ihm einen wissenden Blick zu. „Das ist eine lange Geschichte. Aber reg dich nicht auf, großer Kerl. Ich bin völlig, total und hundertprozentig hetero.“
Die Worte trugen nicht viel dazu bei, seine Eifersucht zu ersticken. Jake hatte anscheinend Mitleid mit ihm, denn er stellte einen Teller vor ihm hin und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Sie waren zwölf und haben einen Blutsbrüder-Pakt geschlossen. Nur dass jemand hier …“ Er nickte Caleb mit einem Grinsen zu. „… Angst vor Blut hatte, also haben sie stattdessen Spucke benutzt. Du warst gerade mit deinem Vater zu Besuch bei einem anderen Rudel.“
Gavin entspannte sich und lächelte seinen Freund zum Dank an. Abgesehen davon, dass sie Pierce’ Bodyguards waren, waren alle fünf seit ihrer Kindheit eng befreundet. Im Haus des Rats gab es für Kinder nicht viel zu tun, also hatten Jake, Caleb, Patrick und er sich zusammengeschlossen, sobald sie laufen konnten. Als Pierce dazu gestoßen war, ein einsamer, verängstigter, kleiner Junge von zehn Jahren, hatten alle vier sofort beschlossen, dass der kleine Blonde ein Teil ihrer Gruppe werden würde, ob er wollte oder nicht.
Einige Minuten lang aßen sie in freundschaftlichem Schweigen und sagten nur etwas, falls jemand das Salz brauchte oder Saft nachgeschenkt haben wollte. Erst als der letzte Bissen Toast vernichtet worden war, meldete sich einer von ihnen zu Wort.
„Also“, sagte Patrick, während er seinen Teller abspülte. „Ich habe mir gedacht, dass wir vielleicht einige Schichten der Patrouille übernehmen sollten. Das Rudel hier ist so gut zu uns gewesen, und dadurch können wir ihnen etwas Arbeit abnehmen. Cullen und Adam machen die meisten Patrouillen, wenn sie nicht arbeiten. Es wäre schön für sie, wenn sie ab und zu einen Abend zusammen verbringen könnten.“
Jake nickte. „Ich wäre dabei. Solange zumindest einer von uns hier bei Pierce ist, sollten wir klarkommen.“
„Klingt gut“, sagte Caleb. „Außerdem denke ich, dass es Trina beeindrucken würde.“
„Oh, also versuchen wir aktiv, jemanden zu beeindrucken“, zog ihn Patrick auf. „Muss dir ernst sein.“
Gavin sah zu, wie seine Freunde einander liebevoll neckten. Das hatte ihm mehr gefehlt, als ihm bewusst gewesen war. Als er zur Uni gegangen war, war er anfangs von der plötzlichen Freiheit überwältigt gewesen, von der Möglichkeit, zu kommen und zu gehen, wie es ihm gefiel. Und die ersten paar Semester hatte er sich ins Studentenleben gestürzt, so sehr, dass er beinahe durchgefallen wäre. Doch es dauerte nicht lange, bevor ihm klar wurde, dass er nur versuchte, sich von der Einsamkeit abzulenken, die er ohne seine Freunde spürte. Von dem Schmerz in seinem Herzen, den er jede Nacht erlebte, wenn er ohne Pierce in seinen Armen im Bett lag.
„Ich möchte lieber keine Patrouille übernehmen“, sagte Gavin leise.
Seine Freunde wandten sich erstaunt zu ihm um.
Er konnte spüren, wie Hitze seinen Hals hochkroch, und holte tief Luft. „Es ist nicht so, dass ich nicht zu schätzen weiß, was das Smooth Rock Falls Rudel für uns getan hat. Das tue ich, ehrlich. Es ist nur, dass ich glaube, dass Pierce mich mehr braucht.“ Ich brauche ihn mehr. Nicht, dass er diesen Gedanken laut aussprechen musste. Der Ausdruck auf dem Gesicht seiner Freunde vermittelte ihm deutlich, dass sie genau wussten, was er meinte.
„Das ist gut“, sagte Jake. „Ich denke, zumindest einer von Pierce’ Leibwächtern sollte ständig bei ihm sein. Das hilft, ihm Beständigkeit zu geben.“
Gavin war dankbar für Jakes Worte, weil er wusste, dass sie zu seinem Vorteil waren.
„Natürlich“, warf Caleb ein, „hängt das von Pierce ab und davon, ob er dich tatsächlich rund um die Uhr in seiner Nähe haben will.“
„Auf gar keinen Fall“, sagte Pierce von der Tür her. Er hatte sich umgezogen. Jetzt trug er eine schlichte graue Jogginghose und nichts weiter. „Wir werden definitiv eine Pause voneinander brauchen. Wie jetzt. Ich muss ein Stück laufen, meine Beine ein wenig strecken. Will jemand mitkommen?“
Jake überreichte Caleb die Pfanne, die er für die Omelettes benutzt hatte. „Ich komme mit. Aber du solltest zuerst etwas essen.“
Pierce schüttelte den Kopf. „Mein Tiger ist zu sehr darauf versessen, hinauszukommen. Er muss laufen.
