Micahs Zuflucht - Lynn Tyler - E-Book

Micahs Zuflucht E-Book

Lynn Tyler

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Beschreibung

Als Micah vor der Wahl steht, seinen menschlichen Liebhaber zu jagen und zu töten oder aus seinem Werwolfrudel verbannt zu werden, ist er gezwungen, alles und jeden, den er liebt, zurückzulassen. In Northern Ontario findet er ein neues Rudel, das gewillt ist, ihm Zuflucht zu bieten. Entschlossen, einen Neubeginn zu wagen, hofft Micah, dass er einen Gefährten finden und sich niederlassen kann. Der forensische Chemiker Shea hat kaum Freizeit, doch das stört ihn nicht. So sehr er sein Rudel auch liebt, ist er doch eher ein Einzelgänger und wünscht sich gar keinen Gefährten. Immerhin machen ihn seine leicht antisozialen Tendenzen zusammen mit der Angst, dass jemand sich auf ihn verlässt, nicht gerade zum idealen Gefährten. Doch als sich ein neuer Wolf dem Rudel anschließt, erlebt Shea Gefühle, mit denen er noch nie zu tun hatte und die seine gesamte Welt auf den Kopf stellen. Da Micah sich vollkommen darüber im Klaren ist, dass Shea nicht nach einem Gefährten sucht, weiß er nicht, ob er das Genie umwerben oder sich anderweitig nach einem Gefährten umsehen soll. Doch kann Shea Micah einfach gehen lassen, als sich eine Tragödie ereignet und Leidenschaft zwischen ihnen aufflammt? Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 38.000 Wörter

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

ÜBER LYNN TYLER

LESEPROBE:

Micahs Zuflucht

Als Micah vor der Wahl steht, seinen menschlichen Liebhaber zu jagen und zu töten oder aus seinem Werwolfrudel verbannt zu werden, ist er gezwungen, alles und jeden, den er liebt, zurückzulassen. In Northern Ontario findet er ein neues Rudel, das gewillt ist, ihm Zuflucht zu bieten. Entschlossen, einen Neubeginn zu wagen, hofft Micah, dass er einen Gefährten finden und sich niederlassen kann.

Der forensische Chemiker Shea hat kaum Freizeit, doch das stört ihn nicht. So sehr er sein Rudel auch liebt, ist er doch eher ein Einzelgänger und wünscht sich gar keinen Gefährten. Immerhin machen ihn seine leicht antisozialen Tendenzen zusammen mit der Angst, dass jemand sich auf ihn verlässt, nicht gerade zum idealen Gefährten. Doch als sich ein neuer Wolf dem Rudel anschließt, erlebt Shea Gefühle, mit denen er noch nie zu tun hatte und die seine gesamte Welt auf den Kopf stellen.

Da Micah sich vollkommen darüber im Klaren ist, dass Shea nicht nach einem Gefährten sucht, weiß er nicht, ob er das Genie umwerben oder sich anderweitig nach einem Gefährten umsehen soll. Doch kann Shea Micah einfach gehen lassen, als sich eine Tragödie ereignet und Leidenschaft zwischen ihnen aufflammt?

Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.

Länge: rund 38.000 Wörter

LYNN TYLER

Micahs Zuflucht

Pack Mates 2

Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene

ME AND THE MUSE PUBLISHING

www.meandthemuse.com

Copyright © der englischen Originalausgabe „Micah’s Refuge“:

Lynn Tyler, 2015

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:

Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe

Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2017

Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs

Übersetzt von: Jutta E. Reitbauer

URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZT:

Dieses Buch darf ohne vorherige eindeutige schriftliche Zustimmung des Urheberrechtsinhabers in keinerlei Form, weder ganz noch auszugsweise, vervielfältigt und / oder vertrieben werden. Dies beinhaltet auch die elektronische und fotografische Vervielfältigung sowie zukünftig entwickelte Methoden. Ebenso ist die kostenlose Weitergabe dieses Buches, beispielsweise über sogenannte File-Sharing Sites ausdrücklich untersagt.

Mit dem Erwerb eines E-Books erhält der Käufer die Lizenz zur persönlichen Nutzung, ist jedoch nicht zur Weitergabe des Inhaltes an Dritte, weder gegen Entgelt noch kostenlos, berechtigt.

Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.

Bitte beachten:

Einige unserer Titel enthalten Hinweise auf und Beschreibungen sexueller Handlungen, die möglicherweise eine Gefährdung körperlicher und geistiger Gesundheit darstellen können. Mit der Beschreibung solcher Praktiken erheben wir keinen Anspruch auf deren tatsächliche Durchführbarkeit und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Verletzungen oder Schäden, die bei der Nachstellung solcher oder vergleichbarer Handlungen entstehen. Generell raten wir unseren Lesern davon ab, potenziell gefährliche Sexualpraktiken ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Anleitung durch Personen mit ausreichender Sachkenntnis durchzuführen.

Kapitel 1

Der kleine Twink stöhnte, als Micah Warren seinen harten Penis an dem süßen Hintern rieb, den der Mensch ihm präsentierte. Der Mann war nicht wirklich Micahs Typ, aber er genoss es, beim Sex der Top zu sein. Für das Vergnügen von jemand anderem verantwortlich zu sein, war beinahe genauso heiß, wie sich in einem willigen Körper zu versenken. Doch dieser Junge hatte sich lange geziert, und obwohl Micah nichts gegen eine gelegentliche Herausforderung hatte, wollte er für einen One-Night-Stand nicht so schwer schuften. Allerdings war er offen gesagt so verdammt geil, dass er sogar mit einem Schlüsselloch zufrieden gewesen wäre.

Das Ziehen in seinem Penis verstärkte sich, er schloss die Augen und konzentrierte sich darauf, seine Stöße langsam und gleichmäßig zu halten. Sein Partner war klein und menschlich, und Micah stellte fest, dass es ein wenig seine Stimmung drückte, wenn er darauf achten musste, dem Mann nicht weh zu tun. Menschen waren zart und empfindlich und würden seine Werwolfkraft nicht ertragen, falls Micah die Kontrolle aufgab und so in ihn hämmerte, wie er wollte. Dennoch war der Hintern des jungen Mannes eng, und er war hinreichend enthusiastisch.

Micah hatte den Typen über die Rückenlehne seiner Couch gebeugt und stieß unablässig, wenngleich vorsichtig, in ihn, als er spürte, wie der Orgasmus des Kerls einsetzte. Glatte Wände aus Muskeln zogen sich um ihn zusammen, und Micah wusste, dass der Mann nur noch einen kleinen Schubs brauchte, um zu kommen.

Er hätte sich noch länger zurückhalten und das Vergnügen für sie beide ausdehnen können, doch es war mitten am Tag. Er war so gierig auf Sex gewesen, dass er den Menschen in sein Haus mitgenommen hatte und darauf vertraute, dass die meisten aus dem Rudel bei der Arbeit sein würden. Das war dumm gewesen, und der Gedanke, was sein Alpha tun würde, wenn er herausfand, dass Micah einen Menschen auf das Territorium des Rudels gebracht hatte, war ihm im Hinterkopf stets bewusst.

Seinem Schwanz war das Risiko allerdings egal. Alles, was dieser wollte, war die temporäre Erleichterung, die ein williger Körper ihm liefern konnte.

Aber Micah war kein Arsch. Er wollte, dass der Mann einen tollen Höhepunkt hatte. Also griff er um dessen Hüfte herum, umfasste die Erektion und bewegte seine Hand im Rhythmus seiner Stöße. Seine Berührung war federleicht und hielt den Twink bis zum letzten Moment hin. Erst als der Mann zu wimmern begann, zog Micah einmal fest an dem Penis in seiner Hand. Das enge, heiße, kleine Loch fing an, sich um ihn zusammenzuziehen, während Hitze über seine Hand schwappte. „Oh Mann“, kreischte der Mensch. „Oh Scheiße, Mann, das ist gut.“

Sein Schwanz zuckte und Befriedigung strömte durch ihn, als Micah schließlich seine Beherrschung aufgab und sich in das Kondom entleerte, das er trug.

Gott, dieser Orgasmus war genau das gewesen, was er gebraucht hatte. Micah zog seinen Penis heraus und bettete seinen Liebhaber auf die Couch. „Bleib hier, Babe. Ich hole dir schnell etwas zum Saubermachen und was Kaltes zum Trinken.“

Der Twink war eindeutig erschöpft, doch er warf Micah ein schnelles Lächeln zu und schloss mit flatternden Lidern die Augen. „Danke, Mann. Ich glaube nicht, dass ich im Moment meine Beine zur Mitarbeit überreden kann.“

Mann. Der Twink hatte ihn Mann genannt. Jetzt fühlte sich Micah nicht so mies, weil er sich nicht an den Namen des Typen erinnerte, da sich dieser offensichtlich auch nicht an seinen Namen erinnerte. Andererseits hatten sie beide von Anfang an klargestellt, dass keiner von ihnen mehr wollte, als sich gegenseitig ein Bedürfnis zu erfüllen.

Micah seufzte, als er sich aufrichtete. Seit Monaten schon hatte er anonymen Sex, und langsam hatte er es ein wenig satt. In jüngster Zeit fühlte er sich nach dem Sex hohl, beinahe leer. Er wusste, was das Problem war. Er war einsam. Er würde es nie vor anderen zugeben, doch er spürte das Bedürfnis, sich an einen Mann zu binden und sich mit ihm niederzulassen. Vielleicht war es Zeit, nach einem anderen Wolf zu suchen, mit dem er sein Leben verbringen konnte. Doch in der Zwischenzeit musste er sich um den kleinen Menschen hier kümmern.

„Kein Problem“, sagte er, während er das Latex abstreifte. Weder konnte er menschliche Krankheiten übertragen, noch sich mit welchen anstecken, und es war nicht so, als ob er befürchten musste, einen Mann zu schwängern, doch es hätte Fragen gegeben, falls er kein Kondom benutzt hätte. Fragen, auf die er nicht unbedingt eine passende Antwort hatte.

Er konnte schlecht laut verkünden, dass er ein Werwolf war.

„Ich habe Bier, Cola, Ginger Ale ohne Kohlensäure und Wasser. Was hättest du gerne?“, rief er über seine Schulter, als er in die Küche ging.

„Eigentlich wäre ein Bier toll. Ich glaube, wir werden es brauchen.“

Die Stimme an seiner Küchentür erschreckte ihn, und Micah wirbelte zu seinem Alpha herum. Mit gesenktem Blick starrte er respektvoll die Brust des größeren Mannes an. Er entblößte seine Kehle, machte einen Schritt zurück und platzierte sich zwischen dem großen Wolf und der Tür zum Wohnzimmer. „Alpha“, flüsterte er in der Hoffnung, herauszufinden, was der Wolf wollte, und ihn loszuwerden, bevor er den Menschen im Haus entdeckte oder der Twink neugierig wurde und in die Küche spazierte. „Was kann ich für dich tun?“, fragte er, während er den Kühlschrank öffnete und eine Flasche Bier herausholte.

Der Alpha öffnete den Verschluss und nahm einen langen Schluck. „Jemand hat angerufen, um mir mitzuteilen, dass er gesehen hat, wie du mit einem Fremden hergekommen bist.“

Jeder Muskel in Micahs Körper spannte sich an, als er sich gegen den Unmut seines Alphas wappnete. Er hatte keine Ahnung, was der Alpha tun würde. Er regierte das Rudel mit eiserner Faust, und Micah hatte eine der Grundregeln gebrochen: keine Beziehungen zu Menschen, die über beiläufige Interaktionen hinausgingen.

Die entspannte Haltung des Alphas und seine ruhige Stimme täuschten ihn nicht. Er konnte die Spannung in dem dominanten Wolf spüren. Er konnte auch den Zorn spüren, der unter der Oberfläche des ruhigen Auftretens seines Anführers brodelte. Sein Alpha hatte den Menschen bereits gerochen. „Wo ist er?“

„Alpha, bitte …“, sagte Micah und suchte nach einem Ausweg aus der misslichen Lage, in die er sich und, schlimmer noch, den Menschen gebracht hatte. „Er weiß gar nichts. Es war nur eine einmalige Sache, ich schwöre. Er kennt nicht einmal meinen Namen.“

„Du hast die Sicherheit dieses Rudel gefährdet, du Idiot. Bring mir den Menschen, Micah. Ich werde mich um ihn kümmern.“

Tja, Scheiße. Er konnte einen direkten Befehl seines Alpha nicht missachten, doch er konnte die Anweisung ein wenig verdrehen. „Er ist im Wohnzimmer“, stieß Micah zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

Der Wolf marschierte an ihm vorbei und zerrte den dösenden Menschen von der Couch hoch. Er hielt seine Kehle umklammert und schüttelte ihn ein wenig. „Ich werde ihn bis heute Abend in die Zelle in meinem Keller stecken. Ich habe bereits eine Notfallbesprechung einberufen. Dabei werden wir sein Schicksal und deine Bestrafung besprechen.“

Oh verdammt. Der Alpha war nicht für seine Gnade bekannt, besonders gegenüber Menschen, die ihm in den Weg gerieten. Der arme Mensch musste es ebenfalls gespürt haben, weil sich eine Pfütze auf dem Boden bildete, die nichts mit dem zu tun hatte, was Micah und der Twink noch vor ein paar Minuten getan hatten. „Alpha, ich schwöre es. Er weiß gar nichts. Lass ihn einfach gehen.“

„Bleib, wo du bist, bis wir weg sind.“ Er schleifte den Menschen hinter sich her. Der arme Mann hatte so viel Angst, dass er sich nicht einmal wehrte. „Wir treffen uns pünktlich um fünf Uhr auf den Jagdgründen.“

Fünf Uhr nachmittags war ein bisschen früh für ein Rudeltreffen. Hoffentlich war das nur, weil der Alpha Pläne für den Abend hatte. Micah glaubte nicht, dass der Alpha wirklich zulassen würde, dass das Rudel einen Menschen jagte, aus Angst, dass seine Wölfe in einen Blutrausch verfallen könnten, doch Micah konnte sich nicht hundertprozentig sicher sein.

Zum Glück war es noch immer früh am Nachmittag, also hatte er genug Zeit zur Verfügung, um sich zu überlegen, wie er den Menschen aus der Gefahrenzone bringen konnte.

Der Alpha hatte ihm befohlen zu bleiben, wo er war, bis er und der Mensch verschwunden waren, was bedeutete, dass er technisch gesehen gehen konnte, sobald sich die Tür hinter den beiden Männern geschlossen hatte.

Der Mann war wegen seiner Kraft und Brutalität Alpha, nicht weil er so klug war. Tatsächlich hatte Micah immer gedacht, dass ihr Anführer ein wenig dumm sei. Und Dummheit in Kombination mit Arroganz führte manchmal zu Fehlern. Micah zählte darauf, dass ihm diese Fehler dabei halfen, den Menschen zu befreien.

Danach ... Nun, er hatte keine Ahnung, was danach kam. Der Alpha mochte dumm sein, doch er hatte ein Talent dafür, die größten Ängste seiner Rudelmitglieder zu kennen und sie dann in die schlimmstmöglichen Bestrafungen zu verwandeln.

Nachdem er der Meinung war, eine ausreichende Zeit gewartet zu haben, verließ Micah das Haus und spazierte zum Alphahaus, wobei er sein Bestes gab, sich unauffällig zu verhalten. Der Alpha würde nicht wollen, dass jemand wusste, dass er einen Menschen gefangen hielt. Es war gegen die Regeln, die der Ältestenrat festgelegt hatte.

Er klopfte an die Tür. Keine Antwort, genau wie er gedacht hatte. Sein Anführer war vermutlich zurück zur Arbeit gefahren. Er dachte nicht, dass es jemand wagen würde, sich gegen ihn aufzulehnen.

Normalerweise hätte Micah das auch nicht getan, doch er musste den kleinen Menschen hier herausholen, bevor ihm etwas zustieß. Sein Alpha war sadistisch genug, um den Menschen Angst leiden zu lassen, nur damit er beim Rudeltreffen heute Abend ein Exempel an ihm statuieren konnte.

Die Tür war nicht versperrt, und nachdem sich Micah schnell umgesehen hatte, um sicherzugehen, dass ihn niemand beobachtete, schlüpfte er hinein. Er schüttelte den Kopf, weil es so leicht war, ins Haus des Alphas zu gelangen. Anscheinend war der Mann arrogant genug zu glauben, dass niemand in seinem Rudel ihn je herausfordern würde, indem er ihm in seinem eigenen Haus auflauerte.

Was auch immer. Er war nicht hier, um die Führung des Rudels anzufechten. Micah war weder dumm genug zu glauben, dass er ein Alpha sein konnte, noch wollte er ein Rudel anführen. Das war viel zu viel Verantwortung für ihn. Er war nur hier, um den Menschen zu befreien und ihn dazu zu drängen, so viel Entfernung wie möglich zwischen sich und die Stadt zu bringen. Es war eine Schande, dass der Mann sein Leben hier aufgeben müssen würde, aber vielleicht konnte er in einem Jahr oder so still und heimlich zurückkommen, sobald Alpha Keith erkannt hatte, dass er keine Gefahr für das Rudel bedeutete.

Micah kannte sich im Alphahaus gut aus. Er hatte das verdammte Ding errichtet und sogar die Zelle eingebaut. Der mit Stahl verkleidete Raum sollte keinen Menschen in Verwahrung halten, sondern einen verrückt gewordenen Werwolf.

Er ging durch das Gebäude und wusste, dass sein Geruch überall wahrzunehmen sein würde. Allerdings machte er sich darüber nicht allzu große Sorgen. Er war erst gestern hier gewesen, um einen undichten Wasserhahn zu reparieren. Was ihm mehr Sorgen bereitete, war der Gedanke, dass der Alpha vielleicht schlau genug gewesen war, um den Schlüssel der Zelle bei sich zu tragen, anstatt ihn an den Haken neben dem Schloss zu hängen.

Der Mensch lag zusammengerollt in einer Ecke der Zelle und weinte leise in seine Hände, als Micah in den Keller schlich. Der Alpha hatte keine Wachen zurückgelassen. Anscheinend war er zuversichtlich, dass der Mensch sich nicht von alleine befreien konnte. Was natürlich stimmte. Die mit Stahl verkleideten Wände bestanden aus verstärktem Beton und sollten einen Werwolf in voll ausgebrochenem Blutrausch sicher verwahrt halten.

Er seufzte vor Erleichterung auf, als er den Schlüssel genau dort entdeckte, wo er ihn zurückgelassen hatte, als er mit dem Einbau der Zelle fertig gewesen war. Das Glück war noch immer auf seiner Seite. Hoffentlich würde sich daran nichts ändern. „Hey, Mann.“

Der Mensch zuckte zusammen und nahm die Hände von den Augen. „Was seid ihr Jungs?“, fragte er wimmernd. „Irgendwelche Mafiosi aus Alberta?“

Er konnte die Angst des Menschen riechen, doch ebenso seine Entschlossenheit. Dieser Mann würde sofort zu den Behörden laufen, sobald er hier raus war.

Nun, das machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Auf keinen Fall durfte er zulassen, dass der Mensch in dem Glauben, dass sie Kriminelle seien, zur Polizei ging. Er ging neben der Tür in die Knie. „Wir sind so viel schlimmer als die Mafia“, sagte er leise. „Du wirst niemandem von uns erzählen. Alles, was wir tun, ist legal und korrekt. Die Behörden würden nichts finden, und du würdest wie ein Idiot aussehen.“

Der Mensch setzte sich auf und schnaubte. „Sie werden es nicht merkwürdig finden, dass ihr eine Zelle in eurem Keller habt?“

Also besaß der Mann Rückgrat. Gut für ihn. Doch Micah war ein dominanter Wolf, und die Beute forderte ihn heraus. „Hör zu. Ich halte nichts davon, Menschen grundlos zu töten. Deshalb lasse ich dich laufen. Aber täusche dich nicht, wenn du dieses Rudel in irgendeiner Art und Weise bedrohst, wird sich dieser Mann deinen Kopf holen. Im wahrsten Sinne des Wortes.“

Er ließ seine Reißzähne herauskommen, als er den Mund öffnete und die Zähne bleckte.

„Heilige Scheiße. Was zur Hölle bist du?“ Der junge Mann kroch rückwärts und drückte sich mit dem Rücken an die Wand.

Der Geruch panischer Angst erweckte seinen Wolf und lockte das Raubtier in ihm, mit der Jagd zu beginnen, doch Micahs menschliche Seite behielt unbeirrt die Kontrolle. „Ein Werwolf. Doch wer würde dir das glauben, wenn du es jemanden erzählst? Sie würden dich wahrscheinlich wegen Wahnvorstellungen in eine Irrenanstalt stecken.“

Dankbar, dass er daran gedacht hatte, die Klamotten des Mannes mitzunehmen, warf er sie ihm zu. Er holte die Autoschlüssel des Twinks aus seiner Hosentasche, ließ den Menschen aus der Zelle und brachte ihn die Treppe hoch.

Micah öffnete vorsichtig die Haustür und sah sich schnüffelnd nach jemandem um, der sie beobachten könnte. Nichts. Er sandte ein stummes Gebet an alles, was heilig war, und führte den Menschen zu seinem Auto. „Ich würde die Stadt verlassen, Mann“, sagte er. „Pack so viel von deinem Zeug, wie du kannst, in dein Auto und fahr in spätestens einer Stunde los.“

„Wie lange soll ich fortbleiben?“

Micah zuckte mit den Schultern. Er wollte ihm keinen genauen Zeitpunkt nennen. „Es ist vielleicht nie wieder sicher für dich, zurückzukommen“, sagte er stattdessen. „Oder es könnte auch sein, dass du nach einem Monat oder so absolut sicher bist. Deine Entscheidung, Mann, aber mein Alpha ist niemand, mit dem du dich anlegen willst.“

Der Mensch legte den Kopf schief und blickte ihn an. „Warum stellst du dich gegen ihn?“

Gute Frage. Er hatte das Gefühl, dass, was immer heute Abend mit ihm geschehen würde, nicht schön sein würde. „Ich halte nichts davon, Menschen zu töten.“

Bei der Erinnerung, dass das, was neben ihm stand, nicht menschlich war, erschauerte der Twink ein bisschen. Abscheu huschte über sein Gesicht. „Glaub nicht, dass du je wieder mit mir schlafen darfst. Ich habe keinen Sex mit Tieren.“

Unglaublich. „Sei unbesorgt. Du bist ohnehin nicht mein Typ.“

Der Mensch stieg in sein Auto, ließ den Motor an und fuhr davon, ohne auch nur ‚danke, dass du mich vor dem sicheren Tod bewahrt hast‘ zu sagen.

Micah sah auf seine Uhr. Die ganze Rettungsaktion hatte nur eine halbe Stunde gedauert. Er hatte noch dreieinhalb Stunden Zeit, bevor er sich der Strafe stellen musste, die sein Alpha sich ausgedacht hatte.

Oh, da kam Freude auf. Weil er ja so gerne wartete.

* * * *

„Micah Warren“, brüllte der Alpha und stürmte in den Kreis, den das Rudel bildete. „Was hast du mit dem Menschen gemacht?“

Micah schluckte hart. Es war nie gut, wenn sein Alpha wutentbrannt war. Micah war ein dominanter Wolf, doch er würde eine körperliche Auseinandersetzung nicht gewinnen. Sorgfältig wählte er seine Worte. „Ich habe ihn gehen lassen. Der Mensch ist auf dem Weg aus der Stadt hinaus.“

Es gab keinen Grund, ein Wort darüber zu verlieren, dass er dem Mann seine Reißzähne gezeigt hatte.

Oder dass er zugegeben hatte, ein Werwolf zu sein.

Falls Micah gedacht hatte, dass der Wolf vorher wutentbrannt gewesen war, hatte er falsch gelegen. Das Gesicht des Alphas war flammend rot, die Ader auf seiner Stirn pulsierte, seine Augen hatten sich vollständig verwandelt, und seine Klauen waren ausgefahren. Er sah so aus, als würde er jeden Moment die Beherrschung verlieren.

Micah spannte sich an und wartete auf seine Bestrafung.

Er musste nicht lange warten. „Du hast die Wahl. Entweder findest du den Menschen und bringst mir seinen Kopf, allerdings ohne seinen Körper, oder ich werde dich aus dem Rudel verstoßen.“

Der Mann hatte wieder einmal bewiesen, dass er die Schwächen jedes Rudelmitglieds gut kannte. Mord an einem wehrlosen Unschuldigen oder in Zukunft im Alleingang unterwegs sein und ein einsamer, abtrünniger Wolf werden. Beide Möglichkeiten zerrissen Micah das Herz. Er wollte nicht einmal daran denken, seine Familie zu verlassen, seine Freunde, seine Arbeit … Er war in Alberta geboren und aufgewachsen. Wegzugehen war undenkbar.

Doch letzten Endes hatte er nicht wirklich eine Wahl. „Es tut mir leid, dass du so empfindest, Alpha“, sagte er. „Ich bitte dich um die Möglichkeit, mich zu verabschieden und meine Sachen in den Truck zu packen und um vierundzwanzig Stunden, um mir ein neues Rudel zu suchen.“

Für den Bruchteil einer Sekunde weiteten sich die Augen des Alphas. „All das sei dir gewährt, abgesehen von deiner Bitte, dich zu verabschieden. Ich lasse nicht zu, dass du abweichende Meinungen in meinem Rudel verbreitest. Vierundzwanzig Stunden. Dann ist es besser für dich, das Territorium des Rudels verlassen zu haben, oder wir behandeln dich wie jeden anderen abtrünnigen Wolf und werden dich jagen.“ Er musste den und töten-Teil nicht laut aussprechen, damit Micah wusste, was genau gemeint war.

Eine scharfe Empfindung schnitt durch sein Hirn. Mit einem schmerzerfüllten Keuchen fiel er auf die Knie. Seinen Schädel mit beiden Händen umfassend, suchte er nach etwas, das die plötzliche Stille in seinem Kopf ausfüllen würde. Solange er sich erinnern konnte, war das tröstliche Wissen und die Präsenz seines Rudels immer in seinem Hinterkopf vorhanden gewesen. Jetzt war das verschwunden.

Seine Verbindung mit dem Rudel war zerstört. Er fühlte sich unglaublich einsam. Kein Wunder, dass sich rudellose Wölfe zu wilden Bestien entwickelten.

„Verwandelt euch“, befahl der Alpha dem Rest des Rudels und blickte alle finster an, bis auch das letzte Rudelmitglied in Wolfsgestalt vor ihnen stand.

Micah wurde von Trauer erfasst, als ihm bewusst wurde, dass er dem Alpha nicht länger gehorchen musste. Er war nicht mehr Teil des Rudels.

Seine Eltern und Brüder blickten ihn traurig an, doch er schüttelte den Kopf. Er wollte Keith keinen Vorwand liefern, sie ebenfalls zu verbannen. Vermutlich brannte der Alpha darauf, an ihnen ein Exempel zu statuieren. Micah warf ihnen eine Kusshand zu und berührte seine Brust, direkt über dem Herzen. Das war alles, was er tun konnte.

Alle Rudelmitglieder drehten ihm gleichzeitig den Rücken zu und verschwanden im Wald.

Micah ließ ein Seufzen entweichen und fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht. Es hatte keinen Sinn, noch länger hierzubleiben.

Bis er bei seinem Haus ankam, war die Sonne bereits am Untergehen. Als er darum gebeten hatte, hatten vierundzwanzig Stunden wie ein vernünftiger Zeitrahmen gewirkt, doch jetzt, wo er auf den Inhalt seines Hauses, eigentlich seines ganzen Lebens, schaute, schien es unmöglich zu sein, in dieser kurzen Zeit das zu tun, was getan werden musste.

Da er keinesfalls all sein Zeug in seinem Wagen unterbringen konnte, machte er sich daran, den Inhalt seiner Schränke auf ein abgeschlagenes Kofferset zu verteilen, das er von seinen Eltern geerbt hatte.

---ENDE DER LESEPROBE---