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Sri Aurobindo schreibt, dass die Fabriken und Märkte des Ego den herrlichen Tempel der Seele umgeben. Die Seele ist ein Teil des Göttlichen und das Zentrum des Lichts in unserem Wesen. Weil sie in ihrer Natur göttlich ist, sind ihre Eigenschaften und Kräfte ebenfalls göttlich. Schönheit, Harmonie, Liebe, Freude und andere Aspekte der Göttlichen Wahrheit sind vorhanden, wo immer die Seele wach ist und sie das Gemach der Seele zu einem wahren Tempel macht. Aber normalerweise haben wir keinen Zugang zu diesem Tempel, denn die Seele ist umgeben von Formationen des Ego und des Begierde-Selbstes, welches seine plumpen Bauwerke aus Verlangen, Ansprüchen, Betrug und Falschheit errichtet und die Seele blendet. Und diese so erfolgreich agierenden Konstruktionen fahren damit fort, Handel zu treiben und unser Wesen in eine verrauchte Durchgangsstraße zu verwandeln, auf der jedes vorbeiziehende Verlangen, jede flüchtige Leidenschaft und Ambition willkommen geheißen, gemästet und vervielfältigt wird. Ein wesentliches Ziel des Integralen Yoga ist, dass dieser sich absondernde Ego-Sinn völlig beseitigt wird. Wenn ein Ego noch eine Zeitlang in uns verbleiben soll, kann es nur eine Form von ihm sein, die weiß, dass sie nur äußere Form ist und bereitwillig verschwindet, sobald das wirkliche Zentrum des Bewusstseins sich manifestiert oder in uns gegründet ist. Das wahre Zentrum ist eine lichtvolle Ausdrucksform des einzigen Bewusstseins, ein reiner Kanal und ein Instrument des einzigen Daseins. Als Stütze für die individuelle Manifestation und Aktion der universalen Kraft offenbart es stufenweise die hinter ihm wirkende wahre Person in uns, das zentrale ewige Wesen, das immer dauernde Sein des Höchsten, Macht und Teil der transzendenten Shakti.
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Veröffentlichungsjahr: 2020
Omsriaurobindomira
ALLES
LEBEN
IST
YOGA
All life is Yoga. – Sri Aurobindo
Sri Aurobindo
SRI AUROBINDO
DIGITAL EDITION
BERCHTESGADENER LAND
www.sriaurobindo.center
© Copyright 2025
Herausgeber
AURO MEDIA
Verlag und Fachbuchhandel
Wilfried Schuh
Deutschland
www.auro.media
eBook Design
SRI AUROBINDO DIGITAL EDITION
Deutschland, Berchtesgaden
Das Ego – Funktion und Auslöschung
Auszüge aus den Werken von
Sri Aurobindo
Dritte Auflage 2025
ISBN 978-3-96387-002-6
© Fotos und Textauszüge
Sri Aurobindos und der Mutter:
Sri Aurobindo Ashram Trust
Puducherry, Indien
Blume auf dem Cover:
Eucalyptus. Cremeweiß.
Die von der Mutter gegebene spirituelle Bedeutung:
Überwindung des Egos
Man lebt nur durch das Göttliche und für das Göttliche.
Überall auf der Welt wächst das Interesse an Spiritualität und Yoga. Man kann eine zunehmende Suche nach dem wahren Sinn und Zweck des Lebens erkennen, eine Suche nach tieferen Lösungen für die Probleme, mit denen wir alle konfrontiert sind, und man kann eine zunehmende Bemühung beobachten, am evolutionären Wandel und Fortschritt der Menschheit beitragen zu wollen.
Bei dieser Suche und Bemühung wenden sich immer mehr Menschen an Sri Aurobindo und die Mutter, um Führung und Kraft zu finden. Aber in den umfangreichen Werken Sri Aurobindos und der Mutter wissen wir oft nicht, wo wir Antworten auf unsere Fragen finden können. Aus diesem Grund haben wir zu bestimmten Themen des alltäglichen Lebens einfache Auszüge aus ihren Werken zusammengetragen, die für die Sadhana eine praktische Orientierung im Alltag geben sollen, denn wahre Spiritualität bedeutet nicht, sich vom Leben abzukehren, sondern das Leben mit einer Göttlichen Vollkommenheit zu vollenden.
Diesbezüglich sagte die Mutter:
„Sri Aurobindo sollte nicht nach Büchern studiert werden, sondern nach Themen – was er über das Göttliche, die Einheit, die Religion, die Evolution, die Erziehung, die Selbstvervollkommnung, das Supramental, usw. gesagt hat.“ (CWM Vol. 12, p. 206)
Bei einer anderen Gelegenheit sagte sie:
„Wenn du wissen willst, was Sri Aurobindo zu einem bestimmten Thema gesagt hat, musst du zumindest alles lesen, was er zu diesem Thema geschrieben hat. Man wird dann sehen, dass er die widersprüchlichsten Dinge gesagt zu haben scheint. Aber wenn man alles gelesen und ein wenig verstanden hat, sieht man, dass all die Widersprüche sich ergänzen und in einer integralen Synthese geordnet und geeint sind.“ (CWM Vol. 16, pp. 309-10)
Unsere Titel aus der Reihe ALLES LEBEN IST YOGA sind ein Versuch, etwas mehr Klarheit über ein bestimmtes Thema zu gewinnen und so vielleicht unsere persönlichen Bemühungen in die richtige Richtung zu lenken. Denn Sri Aurobindo sagt:
„Es ist stets wünschenswert, sich in die richtige Richtung zu bemühen; selbst wenn man scheitert, bringt das Bemühen ein bestimmtes Ergebnis und ist niemals verloren.“ (CWSA Vol. 29, p. 87)
Die Übersetzung der Textstellen von Sri Aurobindo erfolgte aus dem ursprünglichen Englisch, während die meisten Passagen der Mutter bereits Übersetzungen aus dem Französischen waren. Fast alle Texte der Mutter wurden ihren Gesprächen, die sie mit Kindern und Erwachsenen führte, entnommen, einige ihren Schriften. Wir müssen außerdem berücksichtigen, dass die Auszüge ihrem ursprünglichen Zusammenhang entnommen wurden und dass jede Zusammenstellung ihrer Natur nach möglicherweise einen persönlichen und subjektiven Charakter hat. Es wurde jedoch der aufrichtige Versuch unternommen, der Vision Sri Aurobindos und der Mutter treu zu bleiben.
Die Textauszüge sind vom Verlag zum Teil mit Kapiteln und Überschriften versehen worden, um ihre Themen hervorzuheben. Sofern es möglich war, wurden sie in Anlehnung eines Satzes aus dem Text selbst gewählt.
Sri Aurobindo und die Mutter machen von der in der englischen Sprache gegebenen Möglichkeit, Wörter groß zu schreiben, um ihre Bedeutung hervorzuheben, häufig Gebrauch. Mit dieser Großschreibung bezeichnen sie meist Begriffe aus übergeordneten Daseinsbereichen, doch auch allgemeine wie Licht, Friede, Kraft usw., wenn sie ihnen einen vom üblichen Gebrauch abweichenden Sinn zuordnen. Diese Begriffe wurden in diesem Buch kursiv hervorgehoben, um dem Leser zu einer leichteren Einfühlung in diese subtilen Unterscheidungen zu verhelfen.
Eckige Klammern bezeichnen Einfügungen des Übersetzers, die um des besseren Verständnisses willen angebracht erschienen. Einige wenige Sanskritwörter wie Sadhana, Sadhaka, Yoga usw. wurden eingedeutscht, da sie durch ihren häufigen Gebrauch bereits als Bestandteil der deutschen Sprache angesehen werden können. Alle anderen Sanskritwörter sind kursiv hervorgehoben, wobei auf diakritische Transkriptionszeichen verzichtet wurde.
Die kursiv geschriebenen Textpassagen vor den Worten Sri Aurobindos und der Mutter sind Fragen bzw. Antworten von Schülern oder sonstige erläuternde Texte.
Titelseite
Impressum
Anmerkung des Herausgebers
Zitat
1. GRUNDLEGENDE ERLÄUTERUNGEN
1. Des Menschen wichtigste Arbeit
2. Die Wirkensweise der universalen Natur
3. Hinter der äußeren Erscheinung der Dinge
4. Das egoistische Leben ist nur ein Vorspiel
2. WAS IST DAS EGO?
1. Das Ego und seine Beschaffenheit
2. Die Ursache der Dualitäten
3. Die Funktionen des Egos
4. Das vitale Ego
5. Das mentale Ego
6. Das tamasische, rajasische und sattwische Ego
7. Das verstärkte Ego und das Substrat des Egos
3. DIE BEFREIUNG VOM EGO
1. Gleichwertige Werkzeuge
2. Die richtige Einstellung und das wahre Verhalten
3. Die Auslöschung des Egos – Einige Anleitungen
4. Die Vernichtung des Egos auf dem Pfad der Werke
5. Die Beseitigung des Egos auf dem Pfad des Wissens
6. Integrale Befreiung vom Ego
7. Sind wir eine vorübergehende und wandelbare Gestalt der Natur?
Bibliographie
Inhaltsverzeichnis
Cover
Titelseite
Copyright
Vorwort
Quellenangaben
Ein wesentliches Ziel unseres Yoga ist, dass dieser sich absondernde Ego-Sinn völlig beseitigt wird. Wenn ein Ego noch eine Zeitlang in uns verbleiben soll, kann es nur eine Form von ihm sein, die weiß, dass sie nur äußere Form ist und bereitwillig verschwindet, sobald das wirkliche Zentrum des Bewusstseins sich manifestiert oder in uns gegründet ist. Das wahre Zentrum ist eine lichtvolle Ausdrucksform des einzigen Bewusstseins, ein reiner Kanal und ein Instrument des einzigen Daseins. Als Stütze für die individuelle Manifestation und Aktion der universalen Kraft offenbart es stufenweise die hinter ihm wirkende wahre Person in uns, das zentrale ewige Wesen, das immer dauernde Sein des Höchsten, Macht und Teil der transzendenten Shakti.
– Sri Aurobindo
Die Formation eines mentalen und vitalen Ego, das an den Körper-Sinn gebunden ist, war die erste große Arbeit des kosmischen Lebens in seiner progressiven Evolution. Es erfand dieses Mittel, um aus der Materie ein bewusstes Individuum zu erschaffen. Die Auflösung dieses begrenzenden Egos ist jedoch für das kosmische Leben einzige Bedingung und notwendiges Mittel, um seine Entwicklung göttlich fruchtbar zu vollenden. Nur so kann das bewusste Individuum entweder sein transzendentes Selbst oder seine wahre Person finden.
Aus der Unbewusstheit erscheint das Dasein in einer ersten evolutionären Form als Substanz der Materie, die von einer unbewussten Energie geschaffen ist. Bewusstsein, in die Materie involviert und nicht in Erscheinung tretend, taucht zuerst auf in der Verkleidung von vitalen Vibrationen, die lebhaft, aber unterbewusst sind. Danach ringt es in den unvollkommenen Formulierungen bewussten Lebens danach, sich durch aufeinanderfolgende Formen dieser materiellen Substanz selbst zu finden, durch Formen, die mehr und mehr angepasst sind, es immer vollständiger zum Ausdruck zu bringen. Bewusstsein müht sich im Leben, indem es die ursprüngliche Unempfindlichkeit der materiellen Unbelebtheit und Nichtbewusstheit abwirft, um sich selbst mehr oder minder vollständig in der Unwissenheit zu finden, die ihre erste unvermeidliche Formulierung ist. Sie erlangt aber zuerst nur eine primitive mentale Wahrnehmung und vitale Bewusstheit vom Selbst und von den Dingen, eine Lebens-Wahrnehmung, die in ihren ersten Formen von einem inneren Empfinden abhängt, das auf die Kontakte mit anderem Leben und mit der Materie reagiert. Bewusstsein arbeitet daran, sich, so gut es kann, durch die noch unangemessene Art der Empfindung seiner eigenen, ihm innewohnenden Wonne des Wesens zu offenbaren. Es kann aber nur zum Teil den Schmerz oder die Freude formulieren. Im Menschen erscheint das seine Kraft entfaltende Bewusstsein als Mental, das deutlicher seiner selbst und der Dinge bewusst ist, eine partielle und begrenzte, noch nicht integrale Macht seines Selbsts, bei der aber eine erste begriffliche Potenz und das Versprechen auf ein vollständiges Hervortreten sichtbar ist. Dieses integrale Hervortreten ist das Ziel der sich entwickelnden Natur…
Aber diese spirituelle Wahrheit und das wahre Ziel seines Wesens kann dem Menschen erst in einer späteren Phase seines Lebensweges sichtbar werden. Denn die frühe vorbereitende Arbeit des Menschen in den evolutionären Stufen der Natur besteht darin, dass er seine eigene Individualität behaupten, sie ausgeprägt und reich machen, fest, machtvoll und vollständig in Besitz haben muss. Als eine Folge davon muss er sich am Anfang hauptsächlich mit seinem eigenen Ego beschäftigen. In dieser egoistischen Phase seiner Entwicklung sind für ihn die Welt und die anderen weniger wichtig als er sich selbst. Eigentlich sind sie für ihn nur wertvoll als Hilfen und als die gegebenen Möglichkeiten dafür, dass er sich selbst durchsetzt. Auch Gott ist für ihn auf dieser Stufe weniger wichtig, als er selbst es für sich ist. Darum werden in den früheren Lebensgestaltungen, auf den niederen Ebenen der religiösen Entwicklung, Gott oder die Götter so behandelt, als existierten sie nur zugunsten des Menschen, als hervorragende Mittel zur Befriedigung seiner Sehnsüchte, als seine Helfer bei der Aufgabe, die Welt, in der er lebt, zu verwenden, um seine Bedürfnisse, seine Wünsche und seinen Ehrgeiz zu befriedigen. Man darf diese anfängliche egoistische Entwicklungsstufe mit all ihren Sünden, Gewalttaten und Grausamkeiten keinesfalls, an ihrem eigentlichen Ort, als etwas Böses oder als Irrtum der Natur ansehen. Das ist für das anfängliche Wirken des Menschen notwendig, damit er sich völlig loslöst vom niederen Unterbewussten, in dem er als der einzelne Mensch vom Massen-Bewusstsein der Welt überwältigt und den mechanischen Wirkensweisen der Natur unterworfen ist. Der Mensch, das Individuum, muss seine Personalität der Natur gegenüber behaupten und unterscheiden. Er muss in machtvoller Weise er selbst sein, alle seine Begabungen an Kraft, Wissen und Genuss so entwickeln, dass er sie gegen die Natur und die Welt mit immer größerer Meisterschaft und Kraft einsetzen kann. Sein Egoismus, mit dem er sich von den anderen unterscheidet, ist ihm als Mittel zu diesem anfänglichen Zweck gegeben. Erst wenn er so seine Individualität, seine Persönlichkeit, seine gesonderten Fähigkeiten entwickelt hat, kann er für das größere, vor ihm liegende Werk geeignet sein oder seine Gaben erfolgreich für höhere, umfassendere und eher göttliche Zwecke einsetzen. Zuerst muss er sich innerhalb der Unwissenheit behaupten, bevor er sich im Wissen vervollkommnen kann…
Aus diesem Grund hat die Natur das Ego erfunden, damit sich das Individuum aus der Unbewusstheit und Unterbewusstheit der Masse herauslösen und zu einem unabhängigen, lebendigen Mental, einer Lebens-Macht, einer Seele und einem Geist wird, dank deren es sich mit der Welt seiner Umgebung koordinieren kann, aber nicht in ihr ertränkt wird, als Sonderwesen zu existieren aufhört und dadurch seine Wirkungskraft verliert. Denn das Individuum ist zwar gewiss ein Teil des kosmischen Wesens, aber auch mehr als das: Es ist eine Seele, die aus der Transzendenz herabgekommen ist. Das kann jedoch der Mensch nicht auf einmal manifestieren, da er der kosmischen Unbewusstheit noch zu nahe steht, aber noch nicht weit genug zu der ursprünglichen Überbewusstheit emporgekommen ist. Er muss sich erst als das mentale und vitale Ego finden, bevor er sich als die Seele oder den Geist finden kann.
Doch bedeutet das Finden seiner egoistischen Individualität noch nicht, dass er sein Selbst erkennt. Das wahre spirituelle Individuum ist nicht das Mental-Ego, das Lebens-Ego, das Körper-Ego. Diese erste Bewegung ist vorwiegend ein Werk von Wille, Macht, egoistischer Selbst-Durchsetzung. Erst in zweiter Linie ist sie ein Werk von Erkenntnis. Darum muss eine Zeit kommen, da der Mensch tiefer hinabschauen muss unter diese dunkle Außenseite seines egoistischen Wesens und zu versuchen hat, sich selbst zu erkennen. Er muss sich auf den Weg machen, den wirklichen Menschen zu finden. Ohne das würde er bei der primären Erziehung der Natur halt machen und niemals weitergehen zu ihren tieferen und umfassenderen Lehren. Wie groß auch sein praktisches Wissen und seine Tüchtigkeit ist, er würde damit doch nur wenig höher stehen als das Tier. Zuerst soll er seinen Blick auf seine eigene Psyche richten und deren natürliche Elemente unterscheiden – das Ego, das Mental mit seinen Instrumenten, das Leben und den Körper –, bis er entdeckt, dass sein ganzes Dasein vor der Notwendigkeit steht, eine andere Erklärung zu finden als nur diejenige durch die natürlichen Elemente. Der Mensch braucht ein Ziel für sein Handeln, das etwas anderes ist als egoistische Selbst-Behauptung und Befriedigung.
Das „Ich“ oder das kleine Ego wird von der Natur geformt und ist gleicherweise ein mentales, vitales und physisches Gebilde, dazu bestimmt, das nach außen gerichtete Bewusstsein und die nach außen gerichtete Tat zu zentralisieren und zu individualisieren. Sobald das wahre Wesen entdeckt wird, ist der Zweck des Egos erfüllt, und dieses Gebilde muss verschwinden – an seiner Stelle wird das wahre Wesen gefühlt.
Das Ego ist nur eine vom unterscheidenden Mental in den Vordergrund gerückte Fähigkeit, die Erfahrungen des empfindenden Mentals um sich zu sammeln und wie eine Radnabe die Bewegung zusammenzuhalten. Das Ego ist weiter nichts als ein Instrument, obzwar wir, solange wir in den Grenzen unserer normalen Mentalität leben, von der Natur dieser Mentalität und dem Zweck des Instruments her gezwungen sind, unsere Egofunktion irrtümlich für unser eigentliches Selbst halten.
Ursache unseres In-der-Welt-Seins ist also nicht, wie unsere jetzige Erfahrung uns glauben machen will, unser Ego. Das Ego ist nur Ergebnis und Folgeerscheinung unserer Art des In-der-Welt-Seins. Es ist eine Beziehung, die der Purusha, der Besitzer vieler Seelen, zwischen dem individualisierten Mental und dem Körper der einzelnen Seelen hergestellt hat: eine Beziehung der Selbst-Verteidigung, der gegenseitigen Ausschließung und Aggression, damit diese unter all den Abhängigkeiten voneinander, in denen sich die Geschöpfe in der Welt befinden, die Möglichkeit haben, eine unabhängige physische und mentale Erfahrung zu machen.
Was ist aber diese stark trennende Selbst-Erfahrung, die wir Ego nennen? Sie ist nichts fundamental Reales, sondern nur eine praktische Konstitution unseres Bewusstseins, dazu bestimmt, die Wirkensweisen der Natur in uns zu zentralisieren. Wir erkennen eine Formation mentaler, physischer, vitaler Erfahrung, die sich von den übrigen Wesen unterscheidet. Wir denken, das sei unser Selbst seiner Natur nach – die Individualisierung von Wesen im Werden. Von da gehen wir weiter und verstehen uns als etwas, das sich so individualisiert hat und nur so lange existiert, als es individualisiert ist, ein nur zeitweiliges – vorläufiges oder höchstens zeitliches, vergängliches Werden. Oder wir begreifen unser Selbst als jemanden, der die Individualisierung fördert oder verursacht, vielleicht als ein unsterbliches Wesen, das aber durch seine Individualität begrenzt ist. Diese Auffassung und dieses Verstehen bilden unseren Ich-Sinn. Normalerweise gehen wir in der Erkenntnis unseres individuellen Daseins nicht weiter.
Schließlich müssen wir aber einsehen, dass unsere Individualisierung nur eine Gestalt unserer äußeren Person ist, eine praktische Auswahl, eine begrenzte bewusste Synthese für die zeitweilige Verwendung von Leben in einem besonderen Körper. Oder sie ist eine ständig wechselnde und sich entwickelnde Synthese, die sich durch aufeinanderfolgende Lebensabläufe in aufeinanderfolgenden Körpern vollzieht. Hinter ihr steht ein Bewusstsein, ein Purusha, der durch seine Individualisierung oder durch seine Synthese nicht bestimmt oder begrenzt wird. Im Gegenteil, er determiniert und unterstützt sie, ist selbst aber doch immer größer als sie. Das, woraus er seine Auswahl trifft, um diese Synthese zu konstruieren, ist eine totale Erfahrung des Welt-Wesens. Darum existiert unsere Individualisierung kraft des Welt-Wesens, aber auch kraft eines Bewusstseins, das das Welt-Wesen benutzt, um seine Möglichkeiten von Individualität zu erfahren.
Jeder Mensch ist bewusst oder unbewusst das Instrument einer universalen Macht. Aber abgesehen von der Gegenwart im Inneren gibt es keine so wesentliche Unterscheidung zwischen der einen und einer anderen Aktion, zwischen der einen Art von Instrumentation und einer anderen, dass sie einen Schutz garantieren könnte gegen die Torheit eines egoistischen Hochmuts. Das Unterscheidungsvermögen zwischen Wissen und Unwissenheit ist eine Gnade des Geistes. Der Atem der göttlichen Macht weht, wo er will. Er erfüllt heute den einen und morgen den anderen mit dem Wort oder der Macht. Wenn der Töpfer das eine Gefäß vollkommener formt als das andere, liegt der Verdienst dafür nicht beim Topf, sondern beim Schöpfer. Darum darf es keine solche mentale Haltung in uns geben: „Das ist meine eigene Stärke,“ oder „Schau, wie Gottes Macht in mir wirkt!“ Vielmehr muss unsere Haltung so sein: „Eine Göttliche Macht wirkt in diesem Mental und Körper, und sie ist dieselbe, die am Werk ist in allen Menschen, im Tier, in der Pflanze und im Metall, in bewussten, lebendigen Wesen und Geschöpfen ebenso wie in denen, die unbewusst und unbelebt zu sein scheinen.“ Wenn diese weite Auffassung von dem Einen, der in allen wirkt und von der ganzen Welt als das gleiche Werkzeug für göttliches Wirken und für stufenweise Offenbarung seines Selbsts von uns zutiefst erfahren wird, hilft das, allen Egoismus der rajasischen Art aus uns auszumerzen. Selbst das Ich-Empfinden der sattwischen Art wird immer mehr aus unserer Natur schwinden.
Die Ausmerzung dieser Form des Egos führt uns direkt hin zum wahren instrumentalen Wirken…
CWSA Vol. 13, p. 199
CWSA Vol. 23, p. 356
CWSA Vol. 21, pp. 710-22
CWSA Vol. 19, pp. 552-55
CWSA Vol. 23, pp. 213-17
CWSA Vol. 32, pp. 242-43
CWSA Vol. 21, pp. 64-65
CWSA Vol. 28, p. 97
CWSA Vol. 18, p. 25
CWSA Vol. 23, pp. 440-41
CWSA Vol. 21, pp. 382-83
CWSA Vol. 17, pp. 56-57
CWSA Vol. 17, p. 87
CWSA Vol. 17, p. 18
CWSA Vol. 21, p. 63
CWSA Vol. 21, p. 551
CWSA Vol. 31, p. 217
CWSA Vol. 25, p. 167
CWSA Vol. 21, pp. 646-48
CWSA Vol. 21, p. 552
CWSA Vol. 21, pp. 644-45
CWSA Vol. 23, p. 330
CWSA Vol. 31, p. 228
CWSA Vol. 31, p. 225
CWSA Vol. 13, p. 83
CWSA Vol. 31, p. 798
CWSA Vol. 31, pp. 227-28
CWSA Vol. 13, p. 83
CWSA Vol. 19, p. 544
CWSA Vol. 31, p. 798
CWSA Vol. 31, p. 227
CWSA Vol. 31, pp. 226-27
CWSA Vol. 19, p. 544
CWSA Vol. 25, pp. 627-28
CWSA Vol. 31, p. 231
CWSA Vol. 23, pp. 228-29
CWSA Vol. 23, p. 248
CWSA Vol. 30, p. 30
CWSA Vol. 23, p. 60
CWSA Vol. 30, p. 30
CWSA Vol. 23, p. 360
CWSA Vol. 23, p. 250
CWSA Vol. 23, pp. 188-90
CWSA Vol. 23, pp. 765-66
CWSA Vol. 31, pp. 217-18
CWSA Vol. 31, p. 237
CWSA Vol. 31, p. 218
CWSA Vol. 31, p. 229
CWSA Vol. 31, p. 229
CWSA Vol. 31, p. 219
CWSA Vol. 31, p. 236
CWSA Vol. 31, p. 238
CWSA Vol. 12, p. 469
CWSA Vol. 23, pp. 113-14
CWSA Vol. 23, pp. 221-31
CWSA Vol. 23, pp. 363-64
CWSA Vol. 19, pp. 533-35
CWSA Vol. 23, pp. 676-79
CWSA Vol. 19, pp. 543-50
