Das Haus am Ilsensteinweg - Helmut Schweckendieck - E-Book

Das Haus am Ilsensteinweg E-Book

Helmut Schweckendieck

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Beschreibung

Helmut Schweckendieck, Jahrgang 1952, hat nicht nur die Corona-Pandemie im Ilsensteinweg durchgestanden. Er lebt bereits seit mehr als drei Jahrzehnten hier, zunächst viele Jahre mit seiner Ehefrau Gesa, dem gemeinsamen Sohn Robert und den beiden Hunden Tommy und Sunny, seit dem Tod seiner Frau im Jahre 2015 alleine. Ein Großteil der Möbel und Bilder in dem Reihenhaus sind Erbstücke aus der Familie seiner Frau und seiner eigenen Familie. Der Autor verleiht diesen Gegenständen eine Stimme; überwiegend heiter, witzig und unterhaltsam, teilweise auch ernst, erzählen sie ihre Geschichten. Das Büchlein ist zugleich eine Liebeserklärung an den Zehlendorfer Stadtteil Schlachtensee.

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Seitenzahl: 52

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Die Küche

Die Diele

Der Keller

Das Wohnzimmer

Das Balkonzimmer

Mein Ankleidezimmer

Schlafzimmer 1

Schlafzimmer 2

Die kleine Mansarde

Der Dachboden

Der Garten

Die Aussichten

Vorwort

Der Ilse(n)stein ist eine 473 m hohe Erhebung im Oberharz in Sachsen-Anhalt. Im 11. Jahrhundert befand sich dort eine Burg, deren Besatzung sich hauptsächlich durch Plünderungen der zum Kloster Ilsenburg gehörenden umliegenden Güter hervortat; deswegen wurde die Burg bereits Ende des Jahres 1105 auf päpstlichen Befehl zerstört. Viele Jahrhunderte später wurde auf dem Gipfel in Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig ein eisernes Kreuz errichtet; das Kreuz ist auf der Vorderseite des Covers dieses Büchleins zu sehen. Kurz darauf kam eine Gedenktafel dazu. Der Ilsenstein wird in der Literatur mehrfach genannt; Goethe erwähnt ihn in „Faust I“ und in „Faust II“, Heinrich Heine beschreibt die Besteigung in seiner „Harzreise“, in der Oper „Hänsel und Gretel“ von Humperdinck spielt der Ilsenstein ebenfalls eine Rolle. Jetzt wird dieser „Berg“ auch von mir literarisch verarbeitet; da stehe ich doch in einer berühmten Ahnenreihe!

Von all’ dem wussten Gesa und ich nichts, als wir im Frühjahr 1991 mit unserem damals siebeneinhalbjährigen Sohn Robert in unser Reihenhaus im Ilsensteinweg gezogen sind. Der Ilsensteinweg hieß früher Albrechtstraße und ab 1937 Hoensbroechstraße (möglicherweise benannt nach dem 1922 verstorbenen Mitglied des Deutschen Reichstages Graf von und zu Hoensbroech). Am 31. Juli 1947 wurde die Straße in Ilsensteinweg umbenannt. Vor unserem Umzug hatten wir zehn Jahre in der Dachwohnung in der Niklasstraße gegenüber von Riemanns gewohnt. In der Luftlinie betrug die Entfernung von der einen zur anderen Wohnung geschätzte 70 m. Den Umzug habe ich zu großen Teilen mit einer Schubkarre durchgeführt. Im Laufe von inzwischen mehr als dreißig Jahren hat sich eine Menge an Möbeln, Bildern, Büchern, Silberbesteck, Schmuck und Stehrumchen angesammelt. Dafür ist im wesentlichen Gesa verantwortlich, die alles aufgehoben und nahezu nichts weggeworfen hat. Schrittweise habe ich nach Gesas Tod im Sommer 2015 das Inventar des Hauses etwas übersichtlicher gestaltet, nicht zuletzt auf dringendes Anraten von Robert. Er befürchtete nämlich, er müsse sich anderenfalls nach meinem Ableben drei Monate Urlaub nehmen, um meinen Haushalt aufzulösen, womit er nicht ganz Unrecht hatte; jetzt dauert es nur noch zweieinhalb Monate.

Das Sichten und Aussortieren war mir nur dann möglich, wenn ich dazu in der richtigen Stimmung war, weil immer wieder Erinnerungen hochkamen. Via Internet habe ich insgesamt etwa 500 Bücher (von gefühlten 3000) veräußert, zum Reichwerden reicht das nicht, aber besser als Wegwerfen ist es allemal. Ich habe mich auch sonst von einigen mir überflüssig erscheinenden Sachen getrennt. Voll ist es aber immer noch in meinem Haus. Viele Gegenstände haben eine Geschichte oder können eine Geschichte erzählen. Im Folgenden will ich versuchen, diese Geschichten, soweit sie mir noch in Erinnerung sind, wiederzugeben.

I.

Die Küche

Noch zu Lebzeiten von Gesa haben wir unsere Küche durch einen Tischler neu gestalten lassen. Das ist recht gut gelungen, auch ich als Quasi-Single profitiere von den von Gesa georderten hochwertigen Miele-Geräten. Nur wenige Einrichtungsgegenstände der Küche sind ansonsten erwähnenswert. Da sind zum einen die in der Nische über dem Küchentisch befindlichen „Fayencen“, die aus dem Haushalt meiner Schwiegermutter Ingeborg Mildebrath („Nanny“) stammen. Laut Fremdwörterlexikon sind Fayencen glasierte Tonwaren, die ganz hübsch aussehen, aber sinnentleert sind bzw. nie einen praktischen Wert hatten. Auch aus dem Haushalt Mildebrath stammen die drei auf dem Hochschrank über der Spüle befindlichen Gefäße für Reis, Gries und Zucker, wobei zwei der drei Deckel beschädigt sind; es dürfte sich um Delfter Porzellan handeln. Zumindest theoretisch könnte ich diese Behältnisse benutzen. Nicht täglich, aber häufig in Gebrauch ist das rot gemusterte englische Porzellan, auch (wie vieles im Ilsensteinweg 34) aus Schwiegermutters Haushalt stammend. Einen wirklichen praktischen Nutzen und darüber hinaus eine erzählenswerte Geschichte hat der dunklere der beiden in der Küche befindlichen Stühle mit Korbgeflecht (den hellen hat Gesa irgendwann mal gekauft). Der dunkle Korbstuhl ist der einzig verbliebene von ehemals 24 derartigen Stühlen, die auf dem Gut Strelow in Vorpommern im großen Saal um den dortigen langen Tisch herum standen. Auf dem Gut hat meine Mutter bis 1945 gelebt. Im Sommer 1945 wurde die Familie Rassow von den „Russen“ im Rahmen der sogenannten Bodenreform rausgeschmissen und weggejagt. Mit Hilfe der Dorfleute konnten nur ganz wenige Möbelstücke gerettet werden. Neben einer Barockkommode, die jetzt bei meiner Schwester Ingrid steht, befand sich nur noch dieser eine Stuhl im Besitz meiner Mutter. Anfang 2022 habe ich ihn aufarbeiten lassen, er ist regelmäßig in Benutzung.

II.

Die Diele

Erwähnenswert ist die mit vergoldeten Engeln verzierte Wanduhr. Auch diese Uhr hat Gesa in unseren Haushalt eingebracht; ich glaube, sie stammt nicht aus dem Haushalt der Schwiegermutter, sondern eventuell von Lisa Owzarzak (Lisa „Wackelkopf“), einer Freundin von Inge Mildebrath aus alten Zeiten, vielleicht auch von Tante Hotta, einer der Schwestern meiner Schwiegermutter. Gleiches gilt hinsichtlich des Tischchens in der Ecke der Diele, eigentlich einer von zwei Nachttischen; der zweite steht bei mir im Balkonzimmer (mit dem Globus drauf; den hat Gesa mir mal geschenkt). Auch die Deckenlampe ist auf irgendeine erbschaftsähnliche Weise über Gesa in den Ilsensteinweg gelangt. Die kleine Holzkommode hat keinerlei Wert, soll aber insofern erwähnt werden, als die beiden Ecken von der damals noch ganz jungen Sunny, unserem dynamischen Aussie-Mädchen, aus Langeweile an- bzw. abgenagt worden sind. Die beiden Spiegel in der Diele haben Gesa und ich gekauft, desgleichen den Spiegel im Windfang.

Unser erster Hund Tommy, ein sehr freundlicher schwarzer Retriever, hatte in der Diele seinen Stammplatz, entweder in seinem Körbchen unter einem der Spiegel oder drei Treppenstufen höher direkt unter der Garderobe. Sunny nächtigte in der Regel bei uns oder bei mir im Schlafzimmer. Nach etwa zwei Dritteln der Nacht hatte sie dann aber von dieser Schlafstätte genug und verlegte ihren Platz in die untere Treppenecke, drei Stufen über dem von Tommy geschätzten Podest unter der Garderobe.

III.

Der Keller

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