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Meine Frau Brita und ich lebten viele Jahre in Westberlin. Nach der Wende wollten wir der Stadt den Rücken kehren. Heinrich Hübbe, der Onkel meiner Frau, hatte gehört, dass wir ein Bauernhaus suchten. Er lebte in Westdeutschland. Da er aus Altersgründen keinen Ortswechsel mehr wollte, bot er uns sein Haus in Meesiger/Vorpommern an. Als wir dann anfingen, uns mit diesem 1878 gebauten Bauernhaus zu beschäftigen, stießen wir immer wieder auf Zeugnisse aus seiner Geschichte. Erzählungen, Berichte kamen hinzu, Inschriften auf alten Grabsteinen und Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern des 19. Jahrhunderts. So entstand der Wunsch, all das zusammenzutragen und damit dem Vergessen zu entreißen. Das Buch ist damit auch ein Zeichen der Verbundenheit mit all den Menschen, die im Hübbeschen Haus gelebt haben, gearbeitet haben und gestorben sind.
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Seitenzahl: 33
Veröffentlichungsjahr: 2020
Für Ella und Johannes Hübbe
und ihre Kinder
Heinrich, Elfriede und Marta
Die Geschichten um unser Haus An Brink 24 in Meesiger könnten nicht erzählt werden ohne die Informationen derer, die sich noch erinnern. Sie haben sich für diese Arbeit interessiert und haben damit an einem Prozess mitgewirkt, der für Geschichtsschreibung und Märchen Erzählen gleichermaßen wichtig ist: der mündlichen Weitergabe von Wissen, von Tradiertem und Meinung.
Jede dieser Informationen war mir wichtig. Sollte die eine oder andere trotzdem nicht im Text auftauchen, so bitte ich das zu entschuldigen.
Mein herzlicher Dank gilt
Heinrich und Maria Hübbe in Mülheim, Marta Bottke in Salem, Rosa und Rudi Jahn in Meesiger, Elisabeth Mittendorf in Meesiger, Elfriede und Franz Woting in Söby, sowie meiner Frau Brita Woting.
Gertrud Radünz und ihre Familie haben alte Fotos zur Verfügung gestellt. Auch dafür herzlichen Dank.
Käthe Dähne danke ich für ihre sachkundige Beratung und Hilfe beim Layout, Tilo Hertel und dem SchrägDruckVerlag für das Interesse an dieser Arbeit.
Hartwig Woting
Das Haus um 1927
Vorwort der 1. Auflage 1997
Vorwort zur Neuauflage 2020
Chronologie
Die Menschen
Hochzeit von Else Mau und Erdmann Maier aus Beggerow 1919
Näherung
Schluss
Ein Haus behält seine Geschichte. Sie ist zu finden unter den später aufgetragenen Putzschichten, wenn man eine alte Fensteröffnung sucht oder wenn unter der dritten Tapetenschicht die Kaseinfarbe hervorkommt. Wenn jemand, wie Elfriede, in einem Zimmer steht und sagt: Hier bin ich geboren worden.
Die Geschichte steht von einem unbekannten Finger als Zahl in den feuchten Lehm einer Dachkammerwand geschrieben oder hängt als Faden, an dem einmal Tabak trocknete, von einem Balken.
Gegenstände bewahren die Geschichte, etwa die Rummel hinter den Räucherkammern oder das Rad aus Holz, das noch heute vor der Giebelwand hängt, obwohl die Dachluke nicht mehr da ist, wir auch keine Säcke mehr auf den Dachboden ziehen und den Weizen auf den Dielen ausbreiten. Ich fürchte, die Dielen würden ihn auch teilweise nicht mehr tragen. So ist nur noch ein wenig davon übrig, durch die Ritzen gefallen, zwischen die alten Balken, von Mäusen gefressen. Die Spreu fällt heute auf die Bodentreppe. Das Knarren ihrer Stufen war schon da, als die Magd den Speck zu den Räucherkammern trug. Auch der Geruch des Specks ist noch da.
Wie viele Menschen haben den langen Flur durchmessen? Hatte die kleine Elfriede Angst in seiner feuchten Dunkelheit? Wo hallte der Schuss, der den alten Höppner tötete? In welchem Zimmer verbrachte Johann Joachim Friedrich Both, der Erbauer des Hauses, seine letzten Stunden?
Die Zeugen sind da, aber sie schweigen.
1997, 3 Jahre nachdem meine Frau Brita und ich unser Haus in Meesiger gekauft hatten, schrieb ich dieses kleine Buch. Um das Haus und das Dorf rankten sich so viele Geschichten, von Menschen, Schicksalen, Ereignissen, dass ich fand, man müsse das erzählen. Nun, mit einem großen Abstand, nahm ich das Buch wieder in die Hände. Es stellte sich die Frage, ob es sinnvoll wäre, Ergänzungen und Korrekturen vorzunehmen. Was die Korrekturen betrifft, fand ich entsprechende Änderungen richtig, etwa, wenn ich damals einen Namen nicht wusste oder ihn falsch geschrieben habe. (Einiges ergab sich, als meine Frau und ich die Kirchenbücher studierten!) Ergänzungen aber wollte ich nach der Lektüre nicht vornehmen. Der Text ist aus einem Guss und soll bleiben, wie er ist. Unsere technischen Möglichkeiten allerdings waren 1997 nicht so gut. So haben wir nun alle Fotos neu gescannt, hier gibt es auch Ergänzungen, etwa Kopien aus den Kirchenbüchern oder Abbildungen von Grabsteinen, die wir damals nicht kannten.
Leider sind die meisten der Zeitzeugen, die damals ihr Wissen an uns weitergaben, inzwischen verstorben. Es sind dies Heinrich und Maria Hübbe, Franz und Elfriede Woting, Marta Bottke, Rosa und Rudi Jahn, Elisabeth Mittendorf sowie Gertrud Radünz. So ist dies Buch auch ihrem Gedenken gewidmet.
Meesiger, im Januar 2020
Hartwig Woting
15. 05. 1849
Hermann Hagen geboren
