Das Leben entrümpeln - Dr. August Höglinger - E-Book

Das Leben entrümpeln E-Book

Dr. August Höglinger

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Beschreibung

Im Lauf eines langen Lebens sammelt sich Vieles an. Manches trägt man ständig mit sich herum. Anderes füllt Kästen und Schränke, verbraucht Platz auf dem Dachboden oder im Keller. Jede Menge Gerümpel wird auch in der Seele und im Geist angesammelt. Viele Menschen wissen nicht, wie man richtig entrümpelt und manche entsorgen dabei das Falsche! Zutiefst in ihrem Inneren sehnen sie sich danach, ihr Leben zu entrümpeln!

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Seitenzahl: 82

Veröffentlichungsjahr: 2015

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August Höglinger

Das Lebenentrümpeln

Impressum:

Herausgeber und Verleger: Dr. August HöglingerLektorat: Textservice Johann Schnellinger, LinzCover: pixelkinder, www.pixelkinder.comCoverfoto: © pixelkinderRedaktionelle Bearbeitung: Dr. Georg Schildhammer

Copyright © 2008 by Dr. August Höglinger, Fröhlerweg 8, A-4040 LinzAlle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers.

Bestellungen an den Verlag:Dr. August Höglinger, Fröhlerweg 8, A-4040 LinzTel.: ++43(0)732 / 75 75 77Fax: ++43(0)732 / 75 75 77 DW 4E-Mail: [email protected]: www.hoeglinger.net

ISBN 978-3-9024103-3-7

Inhalt

Einleitung

Was ist überhaupt „Gerümpel“?

Warum entrümpeln?

Warum fällt uns das Entrümpeln so schwer?

„Bei dir schaut’s aber aus!“

Ordnung fängt zuhause an

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Der Arbeitsplatz als Müllhalde

Unser Körper als Haus von Geist und Seele

Von Geist und Seele

Die zehn Schritte des Loslassens

Durch Meditation zur inneren Ruhe und Reinheit

Am Ende – ganz am Anfang

Männliche/weibliche Form im Text

Ich habe aus Gründen der besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes nur eine Form der Anrede gewählt, und zwar die männliche, weil sie die gängigere ist. Diese steht stellvertretend für beide Geschlechter. Ich bitte alle meine Leserinnen und Leser um ihr Verständnis.

Einleitung

Kennen Sie Adrian Monk? Richtig! Das ist der schusselige – oder besser gesagt: auf den ersten Blick schusselig wirkende – Ex-Polizist und Berater der Polizei, der in der gleichnamigen US-TV-Serie in San Francisco auf Verbrecherjagd geht. Tatsächlich löst Mister Monk jeden seiner Fälle auf brillante Art und Weise, während die Polizei bis zu seinem Auftritt meistens völlig im Dunkeln tappt. Warum wirkt der „Schnüffler“ aber nun schusselig? Er leidet unter starken neurotischen Zwangsstörungen. Alles in seiner Umgebung muss perfekt „passen“. Er ordnet nicht nur die Gegenstände in seiner eigenen Wohnung mit dem Lineal in Reih und Glied und benötigt Stunden, um einen einzigen Scheck auszufüllen – weil es eben so lange dauert, bis die Unterschrift seiner Ansicht nach „sitzt“. Seine Kleider, sein Küchenzubehör, all seine Unterlagen haben ihren genau definierten Platz, den sie nach Verwendung und sorgfältigster Reinigung sofort wieder zugewiesen bekommen. Überall wo Adrian Monk hinkommt, ist er gezwungen, der Welt seine eigene, übergenaue Ordnung aufzuzwingen. So rückt er schiefe Bilder an Wänden zurecht, bringt Zuckerdosen in Restaurants in symmetrische Reihe und ordnet bei Besuchen im Police Department seiner Heimatstadt Kugelschreiber in den Behältern auf den Schreibtischen nach ihrer Farbe.

Warum erzähle ich Ihnen das alles? Nun, Adrian Monk ist das perfekte Gegenbild zu all jenen, über die ich auf den folgenden Seiten berichten möchte. Auch wenn Monks Art, Ordnung zu halten, zweifellos krankhaft ist, könnten sich die meisten von uns an ihm zumindest ein kleines Beispiel nehmen.

Szenenwechsel. Der bekannte, allseits beliebte und auf seine Weise ebenso schrullige Opernliebhaber Marcel Prawy, der vor Jahren verstarb, war wohl das, was man neudeutsch als „Messie“ (der Ausdruck stammt von der US-amerikanischen Sonderschulpädagogin Sandra Felton, selbst ein „Messie“, die in den 80er-Jahren die Selbsthilfegruppe „Messies Anonymous“ gründete und zahlreiche Bücher zum Thema veröffentlichte) bezeichnet: ein Mensch, der besessen irgendwelche Dinge sammelt und sich partout nicht von ihnen trennen kann, obwohl sie ihm bereits den Platz zum Leben wegnehmen. Prawy, der alle möglichen Partituren und musiktheoretischen Unterlagen in Plastiksäckchen in seiner Wohnung aufbewahrte, war ab einem bestimmten Zeitpunkt gezwungen, in ein Zimmer im Wiener Hotel Sacher zu übersiedeln. Denn in seiner Wohnung war kein Platz mehr für ihn selbst …

Sie sehen schon, Adrian Monk und Marcel Prawy verkörpern, jeder auf seine Weise, Extreme: auf der einen Seite der zwanghafte Ordnungsfanatiker, auf der anderen sein Gegenteil, der (liebenswerte) „Ramschler“. Beide Haltungen sind mit ziemlicher Sicherheit nicht die Norm, denn die liegt – wie so oft – auch hier in der Mitte.

Im vorliegenden Buch möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie sich selbst und Ihr Leben „in Ordnung“ bringen können, ohne deshalb gleich zu einem zweiten Monk werden zu müssen. Ich werde mich dazu mit drei Bereichen beschäftigen, in denen „Gerümpel“ im weitesten Sinn anfällt und uns das Leben schwer macht. Dabei werde ich mich gleichsam von außen nach innen bewegen. Was ist damit gemeint? „Gerümpel“ im ursprünglichen Sinn kann sich um uns herum, also außerhalb unseres Körpers ansammeln. Ich wende den Begriff aber auch auf unseren Körper selbst an. Schleppen wir Übergewicht, Schlacken, Giftstoffe mit uns herum, die wir loswerden sollten? Das ist die mittlere Station auf der Strecke zum „gerümpelfreien“ Zustand. Im letzten Abschnitt des Buches wende ich mich dann unserem Inneren zu: „Gerümpel“ seelischer und geistiger Natur ist dort das Thema. Welche Gedanken und Gefühle verfolgen und quälen mich? Wie kann ich mich von ihnen befreien, sie hinter mir lassen?

Sie haben Recht: Auf den ersten Blick mag es etwas sonderbar erscheinen, drei vollkommen unterschiedliche Gebiete unter einer Perspektive in den Blick zu nehmen und Lösungen dafür vorzuschlagen. Ist dieser Anspruch, vor allem bei der gebotenen Kürze eines einzigen Buches, überhaupt zu erfüllen? Macht ein solcher Zugang überhaupt Sinn? Ich glaube, ja. Es ist richtig, weil hilfreich, die Parallelen aufzudecken, die zwischen dem Chaos um uns herum, demjenigen in unserem Körper und demjenigen in unserem geistig-seelischen Sein bestehen. Denn alle drei Bereiche hängen aufs Engste miteinander zusammen.

Man könnte wohl zu Recht von einem strukturellen Problem sprechen. Denn der Hang zur Unordnung, der seine Ursachen in unserem Inneren hat, findet seinen Ausdruck in allen drei genannten Gebieten. Ihm die Stirn zu bieten und ihn in den Griff zu bekommen, erfordert eine Menge Arbeit – in physischer, aber auch in psychischer Hinsicht. Die Belohnung für den Aufwand macht sich dafür dann aber mehrfach bezahlt: Wer es schafft, Ordnung in der Welt um sich herum herzustellen, dem fällt es leichter, die innere Ordnung (wieder) zu finden und umgekehrt. Denn alles hängt miteinander zusammen und beeinflusst sich wechselseitig.

Was ist überhaupt „Gerümpel“?

Die Gegenstände der Welt um uns herum, die Stoffe, die wir unserem Körper zuführen und dort lagern, sowie das, was wir an Gedanken und Gefühlen in unserem Geist und in unserer Seele aufheben, zerfallen – grob betrachtet – in zwei Gruppen: Auf der einen Seite gibt es diejenigen Dinge (im weitesten Sinn des Wortes), die wir für einen konkreten Zweck benötigen und sie deshalb gebrauchen. Ihnen gegenüber steht eine große Zahl an Dingen, deren Bedeutung für uns – sprich: ihr Nutzen – nicht so wirklich erkennbar ist. Vieles davon brauchen wir wahrscheinlich überhaupt nicht (mehr). Einiges davon könnten wir, selbst wenn wir es brauchen würden, nicht mehr verwenden, weil es schon vor längerer Zeit im technischen Sinn unbrauchbar geworden ist. Zur Bezeichnung all jener Dinge verwenden wir die Begriffe „Gerümpel“, „Krempel“, „Kram“, „Mist“, „Plunder“ und so weiter.

Das Wort „Gerümpel“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet – wie ein Blick ins Herkunftswörterbuch klarmacht – „rumpelnd wackelnder oder zusammenbrechender Hausrat“. Das bringt eine wesentliche Eigenschaft von Gerümpel so ziemlich auf den Punkt. Es handelt sich bei Gerümpel im klassischen Sinn um Dinge, die eigentlich sinnlos, weil unbrauchbar geworden, im Weg herumstehen und uns die Sicht auf das Wesentliche verstellen: alte Unterlagen vom früheren Job (die schon wertlos waren, als man diesen Job noch hatte); Familienfotos der x-ten Geburtstagsfeier (die jedes Jahr von neuem aufgenommen werden und sich kaum von jenen der Jahre davor unterscheiden); leere Kaffeedosen (die man aufhebt, da man sie ja irgendwann einmal noch verwenden könnte, um irgendetwas darin aufzubewahren: zum Beispiel Kugelschreiber, von denen man bereits so viele gesammelt hat, dass man drei Menschenleben damit durchschreiben könnte); ein ferngesteuertes Auto des längst erwachsenen Sohnes (das zwar nicht mehr läuft, aber wer weiß, wozu man die Fernsteuerung irgendwann einmal benötigen könnte); Gegenstände, die man in mehrfacher Ausführung besitzt, von denen man aber nicht einmal ein einziges Exemplar benötigt, und vieles mehr.

Erst kürzlich hat mir ein Manager erzählt, dass seine Frau und er jedes Jahr ungefähr 60 Marmeladegläser waschen, trocknen und dann wieder in den Keller stellen – es könnte ja sein, dass sie die Gläser irgendwann einmal wieder brauchen. Ein befreundeter Arzt hat so viel Zeugs in seiner Wohnung gehortet, dass er sie kaum mehr betreten kann. Oder der Unternehmer, in dessen Büro sich stapelweise Akten auf dem Boden türmten. Er wusste genau, wo sich was befand, das war beinahe bewundernswert. Andererseits war er aber auch zu bedauern, weil er es nicht schaffte, zu entrümpeln. Das Büro seiner Sekretärin war das totale Gegenstück dazu: penibel aufgeräumt. Und sie fand die Dinge, die sie benötigte, mindestens genauso schnell. Eine weitere Klientin von mir sammelt leidenschaftlich Kartons in unterschiedlichen Größen. Sie benötigt sie nicht, auf jeden Fall nicht so viele. Aber sie denkt, es kommt einmal der Tag, wo sie Verwendung dafür haben könnte. Sie ist nicht in der Lage, auch nur eine einzige dieser Pappschachteln zu entsorgen. Mittlerweile gibt es in Linz eine Dame, die sich selbst als „Waste Watcher“ bezeichnet, als „Abfallwächterin“. Sie können diese Frau gegen Bezahlung dafür engagieren, dass sie Ihnen dabei hilft, zu entrümpeln. Mit ihrer Hilfe haben wir es geschafft, meiner Klientin zumindest einige ihrer Kartons zu „entreißen“, Stück für Stück – ein schwieriger und lange dauernder Prozess. Dazu mussten wir festlegen, wie viele Exemplare jeder Kartongröße sie wofür benötigt, die anderen haben wir dann weggeworfen.

Gerümpel sind aber nicht nur Dinge, mit denen wir im technischen Sinn wenig bis nichts mehr anfangen können. Ich rechne dazu auch Dinge, die ich nicht mehr liebe, sie also im unmittelbaren emotionalen Sinn nicht mehr „brauche“. Indirekt aber bin ich auf paradoxe Weise noch immer gefühlsmäßig von ihnen abhängig. Gerade deshalb kann ich mich ja nicht von ihnen trennen. Ein Beispiel: Sportutensilien, etwa meine Skier. Obwohl ich sie praktisch nie verwende, fällt es mir unendlich schwer, sie loszuwerden. Denn einerseits habe ich bei ihrem Kauf sehr viel Geld dafür ausgegeben. Sie jetzt wegzuwerfen oder herzuschenken wäre so, als würde ich das Geld, das ich dafür bezahlt habe, wegwerfen oder herschenken. Auf der anderen Seite kann ich mein schlechtes Gewissen darüber, dass ich zu wenig Sport treibe, damit in Schach halten, dass ich mir sage: Du hast ja all deine Sportgeräte und könntest, wenn du wolltest, jederzeit loslegen.