Lust auf Meditation - Dr. August Höglinger - E-Book

Lust auf Meditation E-Book

Dr. August Höglinger

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Beschreibung

Eine außergewöhnliche Reise. Wenn Sie nach Klarheit in wichtigen Fragen und Entscheidungen suchen, wenn Sie innerlich ruhiger und ausgeglichener werden wollen, wenn Sie das Meditieren praktisch erlernen oder einfach Grundlegendes über Meditation erfahren möchten, dann sollten Sie dieses Buch lesen. Dieses Buch ist ein hilfreiches Nachschlagewerk und vielleicht sogar der Beginn eines lebenslangen Weges zur eigenen Mitte.

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Seitenzahl: 186

Veröffentlichungsjahr: 2015

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August Höglinger

Lust auf

Meditation

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

Höglinger, August:Lust auf Meditation / August Höglinger. – Linz,Fröhlerweg 8 : A.Höglinger, 2002ISBN 3-9501137-2-X

Impressum:

Herausgeber und Verleger: August HöglingerLektorat: Johann Schnellinger, Textservice, LinzCover: Projektagentur Weixelbaumer KEG, Landstraße 22, 4020 Linz

Copyright © 2002 by August Höglinger, Fröhlerweg 8, A-4040 Linz.Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers.

Bestellung an den Verlag:Dr. August Höglinger, Fröhlerweg 8, A-4040 LinzTel.: ++43(0)732 / 75 75 77Fax: ++43(0)732 / 75 75 77-4E-Mail: [email protected]: www.hoeglinger.net

ISBN 978-3-902410-28-3

Inhalt

Vorwort

1. Einleitung

2. Was ist Meditation?

3. Eine Reise durch ein Meditationsseminar

4. Sollen Sie ein Meditationsseminar besuchen?

5. Oft gestellte Fragen

6. Bilder und Wirkungen von Meditation

7. Informationen für Interessierte

Verzeichnis der Übungen

Literaturverzeichnis

Vorwort

Haben Sie schon einmal meditiert? – Nein! – Dann täuschen Sie sich, denn irgendwann, irgendwie waren Sie auf dem Weg zu Ihrer Mitte, zu Ihrem ureigensten Wesen, zu sich selbst, zu Gott, auch wenn Sie es gar nicht bemerkt haben.

Ist dieser Weg Meditation? – Nein! – Es ist eine Brücke, über die wir immer wieder gehen. Dieses Buch ist auch eine Brücke für Anfänger, und die bleiben wir ein Leben lang, ohne falsche Bescheidenheit, mit Selbstbewusstsein und mit Demut zugleich. Das Buch will Zugänge schaffen mit einer einfachen Sprache, mit einleuchtenden Bildern, mit vielen Impulsen. Aber es kann und will nicht die Mühe des Übens, die Fallen und Stolpersteine beseitigen, die jedem begegnen und mit denen sich jeder, der diesen Weg geht, auseinander setzen muss.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ Das hat sich wohl auch der Autor gedacht – und er tut es. Er schreibt da ein Buch über Meditation, damit vielleicht der eine oder die andere Lust verspürt, selbst den Weg in die Mitte zu gehen und zu finden.

Es kommt nicht auf die Worte an, auf die Übungen, auf die Impulse, sondern auf die innere Einstellung, auf die feinen und leisen Bewegungen des Leibes, der Seele und des Herzens. Dieses Buch will einen Weg zum Herzen eröffnen. Dort ereignet sich die tiefste Bewegung und Begegnung, denn dort ist die Wohnung Gottes in uns und unter den Menschen.

Das hört sich so einfach an. Diejenigen, die diesen Weg gehen, wissen, wie herausfordernd es ist, sich selbst, den Menschen, der Schöpfung und Gott zu begegnen. Wenn jemand mit diesem Buch diesen Weg geht, wird er das merken, auch wenn alle Impulse und Übungen sich sehr einfach anhören.

Das aufmerksame, sensible Hören auf das Leben wird geschult. Nicht nur das Laute und Beeindruckende, auch das Leise und Sanfte will gehört werden. Und es wird sich im Übenden zeigen, dass es stimmt, wenn es in der Bibel heißt: „Hört, dann werdet ihr leben.“

Leben soll in einem umfassenden Sinn gefördert werden, das „Leben in Fülle“ mit all seinen Höhen und Tiefen. Dazu ist es nötig, Räume und Zeiten der Stille zu schaffen, vielleicht sogar selbst ganz leer zu werden, um zu erfahren, dass auf diesem Weg eine ganz andere Fülle und Erfüllung geschenkt wird, als wir sie im normalen Alltag erleben.

Das Lauschen und Hören, das Üben, die Sorgfalt und die Aufmerksamkeit sind ein wichtiger Pfeiler auf diesem Weg. Der andere Pfeiler ist die Demut. Damit meine ich nicht falsche Bescheidenheit, Unaufrichtigkeit oder gar Verbogensein. Ich meine damit die Haltung des Menschwerdens, der Erdverbundenheit, der Bodenhaftung und des Humors. Wenn es nur einem einzigen Menschen gelingt, mehr Mensch zu werden oder fester auf dem Boden zu stehen, ganz da zu sein und mit mehr Vertrauen, Gelassenheit und Humor seinen Weg zu gestalten, dann hat das Buch sein Ziel erreicht.

Ich wünsche all denen, die dieses Buch lesen, ein weites Herz und die Erfahrung Gottes im Leben.

P. Dr. Johannes Pausch OSB

Europakloster Gut Aich

 

Wenn ein Schüler bereit ist,findet er seinen Lehrer.

Chinesisches Sprichwort

1. Einleitung

Getrieben vom beruflichen Stress habe ich lange Zeit gesucht, was mir auf schnelle Weise Entspannung verschafft. Ein Freund schenkte mir eine Meditationskassette. Das Anhören dieser Kassette bewirkte wenig. Ich war nach wie vor viel zu überdreht. Wer mich von früher kennt, wird das bestätigen. Meine Ruhe war maximal oberflächlich. Sie reichte noch nicht in die Tiefe. Schließlich entdeckte ich in einem Geschäft Entspannungskassetten mit der Bezeichnung „Ultra-Meditation“. Mithilfe dieser gelang es mir, mich am Abend innerhalb von 30 Minuten zu entspannen. Ich konnte das Unverdaute vom Tag verarbeiten und abschließen. Seither ist mir eine geistige und emotionale „Verdauungszeit“ am Ende des Tages ein wichtiger Fixpunkt.

Bei einem von mir gehaltenen Seminar über Zeit- und Selbstmanagement gab mir eine Teilnehmerin einen Prospekt eines Meditationsleiterlehrganges im Europakloster Gut Aich. Wer es nicht kennt: Es befindet sich in St. Gilgen am Wolfgangsee im österreichischen Bundesland Salzburg. Dieser Lehrgang basiert auf benediktinischer Spiritualität und wird von P. Dr. Johannes Pausch OSB geleitet. Diese Ausbildung hat mir ganz neue Zugänge zur Meditation eröffnet. Bis dahin war ich nur Autodidakt. Ich habe erkannt, dass es enorm hilfreich ist, das Meditieren unter professioneller Anleitung zu beginnen. Ich habe dort auch entdeckt, worin die Unterschiede liegen, ob ich allein meditiere oder in einer Gruppe.

Nach Abschluss der Ausbildung haben mich Freunde ermuntert, für sie ein Meditationsseminar anzubieten. Der große Erfolg dieses Seminars hat bewirkt, dass ich jährlich mehrere Meditationsseminare mit verschiedenen Themenschwerpunkten abhalte. Nach mehreren Jahren, in denen ich als Seminarleiter viele Erfahrungen sammeln durfte, habe ich mich dazu entschlossen, selbst Meditationsleiter in einem achtwöchigen Lehrgang auszubilden.

Heute kann ich mir ein Leben ohne Meditation nicht mehr vorstellen.

Menschen suchen nach Ruhe und Ausgeglichenheit

Die meisten von uns stehen tagtäglich zahlreichen Aufgaben gegenüber, die uns viel Kraft, Ausdauer und Energie abverlangen. Dabei sind es heute weniger die körperlichen Anstrengungen als vielmehr die geistigen und psychischen Anforderungen. Oft stehen Führungskräfte und Mitarbeiter höchst komplexen und vernetzten Problemstellungen gegenüber. Ständig ändern sich Vorgaben, Fristen und andere Rahmenbedingungen. Fehler und terminlicher Verzug bedeuten finanzielle Verluste. Hoher Arbeitsdruck, Stress und körperliche Anspannung sind für viele täglicher Normalzustand.

„Ich habe mich daran gewöhnt, ständig unter Strom zu stehen“, sagte mir ein Konzernmanager. „Ich weiß, dass ich mich meist im ‚roten Bereich‘ befinde. Manchmal kann ich mir kaum noch vorstellen, wie es ist, wirklich ausgeruht, ausgeglichen und entspannt zu sein. Hin und wieder gehe ich zur Massage, wenn sich der Stress zu sehr im Nacken- und Schulterbereich festgesetzt hat. Aber was soll man tun? Die Konkurrenz entspannt sich ja auch nicht!“

Von einigen Menschen weiß ich, dass sie sich den letzten Urlaub vor vielen Jahren gegönnt haben. Wenn sie davon sprechen, klingt das wie die Rede von der guten alten Zeit. Man hofft, dass die Tage wieder besser und ruhiger werden. Dann werde man endlich aufatmen und ausspannen können.

Andererseits reichen die Probleme von Stress und Anspannung weit in den privaten Bereich hinein oder sind mit den beruflichen Anforderungen eng verbunden. Partnerschaftliche und familiäre Belange verzahnen sich dann mit den beruflichen zu einer unheilvollen Tretmühle, der man kaum zu entrinnen vermag. Gibt es einen Ausweg?

Die Antwort

Die Meditationsschüler fragten ihren Meister, wozu denn Stille gut sein soll, wo doch Stille eigentlich nichts ist. Der Meister wies die Schüler an, einen Stein in den Brunnen zu werfen und zu beschreiben, was sie wahrnahmen.

Die Schüler sagten: „Wir sehen Wellen, Kreise, Bewegungen. Wir spüren die Kraft des Wassers, wie es am Brunnenrand hochsteigt.“

Danach bat der Meister die Schüler zu warten, bis das Wasser wieder vollkommen zur Ruhe gekommen war.

Er fragte: „Nun, was erblickt ihr jetzt, wenn ihr in den Brunnen schaut?“

Die Schüler antworteten ganz erstaunt: „Uns selbst. Wir können uns selbst sehen!“

Es ist so schwer,den falschen Weg zu meiden.

Johann Wolfgang von Goethe

Wann sollten Sie dieses Buch lesen?

Sie sollten es lesen, wenn Sie nach Klarheit in wichtigen Fragen und Entscheidungen suchen, wenn sie innerlich ruhiger und ausgeglichener sein möchten. Sie finden hier Antworten darauf, was Ihnen dazu die Meditation bringen kann. Das Herzstück dieses Buches sind „Betroffene“ selbst und ihre konkreten Lebensgeschichten. Sie werden in Kapitel 3 eine Reise durch ein Meditationsseminar direkt miterleben. Sie hören zu Beginn von den Umständen und Problemen der Teilnehmer, die sie zur Meditation geführt haben, und von den Erwartungen an die Meditationstage. Sie erleben mit der Gruppe die verschiedenen Übungen und erfahren im so genannten Sesselkreis, was diese bei Einzelnen auslösen und verändern. Hier finden Sie auch meine Antworten auf die vielen Fragen der Teilnehmer. In den zahlreichen Statements der Teilnehmer und besonders in der Abschlussrunde erfahren Sie, was ihnen die Meditation wirklich gebracht hat.

Sie sollten dieses Buch lesen, wenn Sie das Meditieren praktisch erlernen möchten – ohne ein Seminar. Im erwähnten Reisebericht finden Sie den Wortlaut und Ablauf von Körper- und Meditationsübungen, die Sie problemlos zu Hause durchführen können. Eine Übersicht dieser Übungen ist im hinteren Teil des Buches abgedruckt. Kapitel 5 bietet Ihnen eine Sammlung von weiteren Antworten auf oft gestellte Fragen zur Meditation – auch für das Meditieren zu Hause.

Wenn Sie Generelles zur Meditation erfahren möchten, finden Sie hier Informationen: Kapitel 2: Was ist Meditation? Wie funktioniert sie? Kapitel 6: Was sind wesentliche Wirkungen, die durch Meditation ausgelöst und erreicht werden? In diesem Kapitel spreche ich zum einen mein persönliches Selbstverständnis von Meditation an, das heißt meine Position im Blick auf die vielen Methoden und Möglichkeiten des Meditierens; zum anderen behandle ich jene zentralen Bilder über Meditation, die ich im Laufe der letzten Jahre als wesentlich erkannt habe.

Warum sollten Sie gerade dieses Meditationsbuch lesen? Es gibt doch unzählige andere Bücher über Meditation! Die meisten Bücher sind meines Erachtens für Geübte geschrieben. Zumindest sind Vorkenntnisse sehr hilfreich. Andere Bücher bieten eine Anleitung in bestimmte Richtungen, zum Beispiel in christliche Formen der Vertiefung und Gottesbegegnung (ignatianische oder kontemplative Exerzitien) oder in fernöstliche Schulen wie Yoga oder Zen. Dieses Buch ist ein Buch für Einsteiger. Es bietet eine praktische Einführung in einfacher Sprache. Gerade wenn Sie mit dem Meditieren wenig vertraut sind, sind nachvollziehbare Vorstellungen hilfreich.

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lesereise. Vielleicht werden Sie durch den einen oder anderen Gedanken in die Welt der Meditation entführt und zu hilfreichen Schritten für Ihren persönlichen Weg angeregt. Noch mehr freut es mich, wenn Sie am Ende Lust dazu bekommen haben, Ihre Reise zur eigenen Mitte anzutreten oder fortzusetzen. Wenn ich Sie dabei in einem Meditationsseminar begrüßen darf, bin ich gerne Ihr persönlicher Wegbegleiter.

Alles Gute auf dem Weg zur Mitte wünscht Ihnen

August Höglinger

Linz, November 2002

Männliche/weibliche Form im Text

Ich habe aus Gründen der besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes nur eine Form der Anrede gewählt, und zwar die männliche, weil sie die gängigere ist. Diese steht stellvertretend für beide Geschlechter. Ich bitte alle meine Leserinnen und Leser um ihr Verständnis.

 

Wir sind dann,wenn wir dem äußeren Anscheinnach nichts tun,genau in diesem Augenblick amlebendigsten.

George Bernard Shaw

2. Was ist Meditation?

Die Bedeutung des Wortes

Von der Wortwurzel her meint Meditation Nachdenken, sinnendes Betrachten oder religiöse Versenkung. Das Wort leitet sich vom lateinischen meditari ab, was so viel bedeutet wie ermessen, geistig abmessen (Duden Band 7). Mir gefällt dieser Gedanke des Maßnehmens, denn es geht um das Maß bei mir, in mir, für mich und für mein Leben. Das Maß ist nicht bei anderen zu finden, sondern in mir selbst. Wer meditiert, weiß, dass dies alles andere als billige Willkür bedeutet. Inneres Suchen und Abmessen ist ein wahres Abenteuer mit unvorhersehbaren Herausforderungen. Der Weg zur Mitte gibt sich nicht einfach frei. Den Weg zu gehen braucht Mut und Disziplin. Die richtige Fährte zu erkennen braucht guten Spürsinn und Erfahrung.

Zur Geschichte und aktuellen Entwicklung

Das Meditieren hat in den letzten Jahren einen neuen Aufschwung und eine Veränderung erfahren – einerseits durch das bereits erwähnte Bedürfnis vieler Menschen nach Verlangsamung, nach mehr Lebensqualität und Lebenssinn; andererseits durch die Einflüsse der fernöstlichen Spiritualität, der wieder entdeckten alten Kulturen wie jener der Kelten oder Schamanen und durch die Entwicklungen im psychologisch-therapeutischen Bereich. Sie haben das Bild und Verständnis von Meditation inhaltlich wie methodisch beeinflusst und aufgefächert. Zu den klassischen Meditationstraditionen hat sich eine breite Methodenvielfalt hinzugesellt. Es haben sich auch Mischformen ausgebildet, die versuchen, altes und neues Wissen miteinander zu verbinden. Als Christ bin ich offen für alle Meditationstechniken anderer Religionen wie jene aus dem Buddhismus, Judentum und Islam. Ich versuche eine Brücke zu schlagen zwischen alten und neuen Formen, zwischen östlichen und westlichen Zugängen.

In der größten Ruheliegt die größte Bewegung.

Johannes Pausch

Wie funktioniert Meditation grundsätzlich?

Es gibt einige Prinzipien und Mechanismen, die in der Meditation zusammenwirken. Die wesentlichen davon möchte ich hier nennen. Wichtige Ergänzungen dazu werden im Buch an den geeigneten Stellen noch angeführt.

Das Hauptprinzip ist Folgendes: Eine äußere Methode fördert ein inneres Geschehen. Äußeres dient als Starthilfe für den Weg nach innen. Dabei sind die Methoden wichtig. Sie beeinflussen und fördern die Richtung der nächsten Schritte. Wenn die Methoden gut gewählt sind, steigern sie die Qualität des inneren Wahrnehmens und führen den Meditierenden in tiefere Schichten.Dabei bedient sich die Meditation wesentlich der Methoden der Ruhe und Stille. Geräusche und körperliche Bewegung werden über eine längere Zeit auf ein Minimum reduziert oder gänzlich abgestellt. Je ungeübter ein Meditierender ist, desto mehr können methodische und inhaltliche Vorgaben notwendig sein. Gerade Ungeübte könnten Probleme bekommen, ohne Anweisungen ein oder mehrere Stunden im ruhenden Schweigen zu verbringen. Sie würden es nicht aushalten und vermutlich „ausflippen“. Allein darin ist die Dynamik der Ruhe erkennbar.

Die innere Reise beginnt. Sie führt mich zu Gedanken, Bildern und Ereignissen. Eine Frage oder ein bestimmtes Thema wird unter Umständen meine Reise inhaltlich lenken. Begebenheiten und Abschnitte meines Lebens werden in der Meditation lebendig. Auch wenn sie Jahre zurückliegen, können sie so lebendig wirken, als wären sie erst gestern gewesen. Vielleicht sind es auch nur Dinge des vergangenen Tages, die auftauchen, kommen und wieder gehen.

Ein wichtiges Prinzip des Meditierens ist, dass es geschieht und ich dafür offen bin: Ereignisse im Meditieren kann ich nicht produzieren, so wie ich einen Fernseher einschalte und dann einen spannenden Film sehe. Ich kann Gedanken auch nicht einfach abstellen, wenn sie mich langweilen oder mir nicht gefallen. Das, was ich tun kann, ist, da zu sein – ohne die Erwartung, dass etwas passiert und ohne den inneren Druck, etwas leisten zu müssen.

Einen wichtigen Anteil an der Wirkung der Meditation hat die bereits vorhin angedeutete Dimension der Zeit: Je länger ich in der Meditation verweile, desto intensiver kann die Erfahrung sein, die ich mache. Die Zeitdauer ist jedoch nicht logischerweise ausschlaggebend dafür, wie intensiv eine Meditationserfahrung ist. Dennoch braucht es im Normalfall eine gewisse Zeit, um in die Phase innerer Ruhe zu gelangen, die mich auf den Weg bringt. Geübte können jedoch in kürzester Zeit den Zustand innerer Ruhe erreichen.

Ebenso wichtig ist eine geeignete Form des Abschließens der Meditation, um wieder in das Hier und Jetzt zurückzukehren.

 

Meditationkann ich letztlich nur erfahren,indem ich selbst meditiere.Ich kann sie nichtdurch noch so weise Worte fassen.

3. Eine Reise durch ein Meditationsseminar

Der erste Tag

Die Anreise

DER REISENDE (R): Es ist Donnerstagmorgen, die Mitte der Arbeitswoche. Ich sitze im Auto – so wie immer um diese Zeit. Auf der Straße bewegt sich eine zähflüssige Kolonne von Pkws, Lastwagen und Bussen die Bundesstraße entlang Richtung Innenstadt – so wie fast jeden Morgen. Jene, die drinnen sitzen, werden wohl zur Arbeit fahren – so wie jeden Arbeitstag. Eines ist für mich selbst an diesem Morgen anders: Ich fahre in die Gegenrichtung! Ich klinke mich aus dem großen vorgegebenen Rhythmus und Plan meines sonst vorgeprägten Alltags aus. Ich fahre zu Höglinger – genauer: zum Meditationsseminar, das August Höglinger im Stift Schlägl abhalten wird.

Bereits vor einem halben Jahr habe ich mich dazu angemeldet: „Meditieren für Anfänger“. Das Thema: „Anfängen“. Warum ich mich damals zum Seminar angemeldet habe, weiß ich heute nicht mehr. Vermutlich haben mich zu viel Hektik und Stress dazu bewogen, mein Leben irgendwie wieder ins Lot zu bringen. Wie oft habe ich mir das schon gesagt: So kann es nicht weitergehen! Aber meistens geht es irgendwie weiter und es bleibt alles beim Alten.

Jetzt fahre ich tatsächlich zum Seminar. Ein merkwürdiges Gefühl! Die mir entgegenkommenden Menschen in ihren Fahrzeugen lassen in mir schlechtes Gewissen aufkommen: Eigentlich müsste ich doch – eigentlich sollte ich … Auf meinem Schreibtisch im Büro wartet genug Arbeit auf mich. Am liebsten würde ich umkehren. Aber irgendwie ist es nun dazu zu spät. Es ist auch alles bezahlt und organisiert. Die im Stift erwarten mein Kommen und die im Büro erwarten das Gegenteil. Na ja, fahren wir hin und schaun wir mal.

Je länger ich im Auto sitze, desto mehr beschäftigt mich der Gedanke der Gegen-richtung: Diese Tage des Meditierens könnten für mich doch eine echte Gelegenheit sein, über manches intensiver nachzudenken. Vielleicht könnte ich dort und da einen neuen Weg einschlagen: Ich sollte weniger essen, weniger rauchen, weniger fernsehen – stattdessen mich mehr bewegen, mich gesünder ernähren, mehr mit meiner Partnerin und den Kindern unternehmen. (…) Mein Weg führt mich vom Ufer der Donau hinauf in die weichhügelige Landschaft des Oberen Mühlviertels. Der Ausblick unterbricht meine geistigen Heldentaten, das Ruder meines Lebens sofort herumzureißen: die Donau von oben, die aufgehende Sonne, der klare Himmel und die Landschaft. Wunderbar! Ich bin von diesem Anblick sentimental berührt. Ich genieße diesen Moment.

Einige Minuten später beginnen meine Gedanken um jenes Thema zu kreisen, das mich in den nächsten Tagen beschäftigen wird: die Meditation. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal meditiert? Ehrlich gesagt, weiß ich das nicht mehr so genau. (…) Toll! Ein wunderschöner Panoramablick tut sich mir von neuem auf. In die Kulisse eingebettet: das Stift Schlägl. Dessen Dächer und Mauern erstrahlen in der Morgensonne in intensiven Farben.

Im Stift angekommen, checke ich an der Rezeption ein. Mit Tasche und Decke bepackt gehe ich den schmalen hohen Gang entlang nach vor zu den Zimmern. Allein die langen Gänge in Klöstern wirken auf mich meditativ. Die eine Seite dieses Ganges ist eine Außenmauer zu einem der Innenhöfe des Stiftes. Sie ist über einen Meter dick. Die Mauer regt mich zu Bildern und Vergleichen an: Mit dem Eintritt in dieses Haus werde ich für einige Tage meine übliche Alltagswelt verlassen. Diese Mauern werden mich vom Lärm und der Hektik des Alltags abschirmen. Sie werden mich aber umgekehrt auch in die Stille führen, zur Innenseite meines Lebens. Es wird spannend sein, was ich in mir finde, wenn ich ruhig werde. Wird diese Reise nach innen aufregend sein oder wenig spektakulär? Werde ich mögen, was ich finde? Werde ich es überhaupt aushalten, fast drei Tage nichts zu tun? Kann ich so lange seelen-ruhig herumliegen oder -sitzen? Werde ich bereits am zweiten Tag ausgiebig die Pausen und das Handy nützen, um die Geschäfte und Kontakte am Laufen zu halten?

Am Aushang vor dem Meditationsraum lese ich einen Text: „Handarbeit“. Ich überfliege die Zeilen und schnappe in der Kürze einige Gedanken auf, mehr nicht. Ich denke mir: Der Text könnte mir etwas zu sagen haben, wenn ich mir Zeit für ihn nehmen würde. Ja später, wenn ich mir für solche Dinge mehr Zeit nehme als für die Arbeit, ja dann … Ein Gedanke, den ich hinlänglich von mir kenne. Aber noch ist es bei mir mit dem Sich-Zeit-Nehmen nicht so weit.

Handarbeit

Wir stricken unser Leben.Manche wählen ein kompliziertes Muster,andere ein schlichtes.Es ist ein buntes Maschenwerkoder ein Stück in tristen Farben.

Nicht immer können wirdie Farbe selber wählen,auch die Qualität der Wolle wechselt,mal weiß und mal wolkenflauschig,mal kratzig und hart.

Die einen stricken liebevoll und sorgsam,andere mühevoll und ungern.Und so manches Mal schmeißt einerdas Strickzeug in die Ecke.Und öfters lässt auch du eine Masche fallenoder sie fällt ohne dein Zutun.

Du hast die Nadeln in der Hand!Du kannst das Muster wechseln,die Technik oder das Werkzeug.Nur auftrennenkannst du dein Leben nicht –nicht ein klitzekleines Stück.

Nach Kristiane Allert-Wybranietz

Das erste Zusammentreffen

R: Unsere Gruppe von 18 Personen trifft sich zum ersten Mal. Wir sitzen im Kreis. In der Mitte befinden sich ein wunderschönes Blumengesteck, eine brennende Kerze und Tücher in gedeckten Farben, die kunstvoll geschwungen am Boden liegen. Allein dieser äußere Rahmen wirkt auf mich interessant und mystisch. Es ist sehr ruhig. Ein paar Seminarteilnehmer reden leise miteinander. Ich blicke in die Runde der Teilnehmenden. Ich kenne niemanden – oh doch! Ich grüße einen mir Bekannten. Interessant, denke ich mir, dass der auch bei so was mitmacht. Das hätte ich bei dem gar nicht vermutet. Aber vielleicht denkt er sich das auch von mir. Ein Platz ist noch leer.

Der Abt des Stiftes begrüßt uns zu Beginn des Kurses. Wenn wir wollen, so der Abt, sind wir auch herzlich zum gemeinsamen Gebet mit den Chorherren in der Stiftskirche eingeladen. Des Weiteren erklärt er die Möglichkeiten für Besichtigungen, Spaziergänge und Erholung. Ich merke, wie ich langsam hier in dieser Welt ankomme: ein Stift, dicke Klostermauern, eine Gruppe im Sesselkreis, eine brennende Kerze und ein Abt, der zum Chorgebet einlädt.