Veränderungen - Dr. August Höglinger - E-Book

Veränderungen E-Book

Dr. August Höglinger

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Beschreibung

Unser Leben ist einem ständigen Wandel unterworfen, nichts bleibt für immer gleich. In diesem Buch erfahren Sie, wie Sie sich selbst verändern können und wie Sie bei Ihren Mitmenschen Veränderungen bewirken. Denn wer sich den Veränderungen stellt und sie aktiv gestaltet, kann von ihnen profitieren und wird so zum Schmied seines eigenen Glücks.

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Seitenzahl: 89

Veröffentlichungsjahr: 2015

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August Höglinger

Veränderungen

Impressum:

Herausgeber und Verleger: Dr. August Höglinger

Lektorat: Textservice Johann Schnellinger, Linz

Cover: pixelkinder, www.pixelkinder.com

Coverfoto: © Miredi

Redaktionelle Bearbeitung: Dr. Georg Schildhammer

Copyright © 2011 by Dr. August Höglinger, Fröhlerweg 8, A-4040 Linz

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher

Genehmigung des Herausgebers.

Bestellungen an den Verlag:

Dr. August Höglinger, Fröhlerweg 8, A-4040 Linz

Tel.: ++43(0)732 / 75 75 77

Fax: ++43(0)732 / 75 75 77, DW 4

E-Mail: [email protected]

Internet: www.hoeglinger.net

ISBN 978-3-902410-35-1

Inhalt

Einleitung

Warum Veränderung?

Vorbehalte gegenüber Veränderungen

Zwei Gründe für Veränderungen

Anstoß zur und Tempo der Veränderung

Gewohnheiten ändern

Stillstand – und was nun?

Entscheidung zur Veränderung

Innehalten und zurückblicken

Anderen Menschen beim Verändern helfen

Veränderungen im Unternehmen

Von den vielfältigen Veränderungen im Leben

Männliche/weibliche Form im Text

Ich habe aus Gründen der besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes nur eine Form der Anrede gewählt, und zwar die männliche, weil sie die gängigere ist. Diese steht stellvertretend für beide Geschlechter. Ich bitte alle meine Leserinnen und Leser um ihr Verständnis.

Einleitung

„Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.“

Diese Erkenntnis verdanken wir dem vorsokratischen Philosophen Heraklit von Ephesos (520 bis 460 v. Chr.). Von ihm stammt auch die Formel „panta rhei“ („alles fließt“), mit welcher er auf den steten Wandel der Welt hingewiesen hat. Nichts bleibt so, wie es ist, das Alte wird permanent von Neuem abgelöst. Für einen Schüler des Heraklit ging das Gleichnis mit dem Fluss übrigens nicht weit genug. Er hat die Idee dahinter ernster genommen als sein Lehrer und sie konsequent zu Ende gedacht. Man könne nicht nur nicht zweimal in denselben Fluss steigen, sondern:

„Nicht einmal einmal.“

Wenn das allerdings stimmen würde, könnten Sie dieses Buch gleich wieder zumachen und weglegen. Denn falls es tatsächlich keine Identität im Wandel gibt, macht es keinen Sinn, sich überhaupt mit diesem Thema zu befassen. Wen sollte es wohl betreffen? Schweigend müssten wir unser Leben zubringen und sogar darauf verzichten, darüber nachzudenken.

Gott sei Dank verhalten sich die Dinge aber doch ein wenig anders! Wir leben und verändern uns zwar laufend, im Kern aber bleiben wir uns selbst gleich oder besser gesagt: Wir sind immer wir selbst, gerade auch, wenn wir einen Wandel erfahren. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir die meisten Veränderungen nicht abrupt erfahren. Wir haben vielmehr genügend Zeit, um uns an sie anzupassen und uns so Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.

Weiterentwicklung – das ist das Stichwort. Wenn sich die Welt verändert, werden auch wir, als ein Teil von ihr, zwangsläufig mit verändert. Die Sehnsucht nach absoluter Stabilität ist unerfüllbar. Das Einzige, was gleich bleibt, ist gerade der permanente Wandel. Betrachten Sie die Natur: Alles ist in Bewegung, das Leben besteht aus, nein, es ist Veränderung. Die Frucht wächst heran, sie reift, fällt zu Boden und stirbt. Aus ihren Samen wachsen neue Pflanzen, neue Früchte entstehen und so geht es immer weiter – ein Prozess, der nie zum Stillstand kommt.

Das Leben hält täglich Überraschungen für uns bereit. Nicht alle davon mögen gut sein, zumindest nicht auf den ersten Blick. Aber wir können jede Veränderung durchaus als Chance betrachten. Wir sollten die Tatsache des Wandels akzeptieren. Wenn wir uns so weit wie möglich auf sie einlassen und versuchen, die Art und Geschwindigkeit der Entwicklung wenigstens ein bisschen zu beeinflussen, nehmen wir unser Schicksal selbst in die Hand. Wenn wir uns jedoch gegen den Wandel stellen, werden wir von ihm mitgerissen, ob wir wollen oder nicht.

Es war der römische Philosoph Seneca (ca. 1 bis 65 n. Chr.), ein Stoiker, der diesen Sachverhalt treffend auf den Punkt gebracht hat:

„Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es.“

Vor einiger Zeit durfte ich eine Gruppe von 17 Nonnen in einem Seminar zum Thema „Veränderung“ begleiten. Die Schwestern waren Führungspersonen in unterschiedlichen sozialen Einrichtungen: Krankenhäusern, Schulen, Alten- und Behindertenheimen. Die erste Hälfte des Tages verlief äußerst zäh. Die Veranstaltung war bis dahin so unbefriedigend für mich, dass ich gegen Mittag kurz davorstand, das Seminar abzubrechen. Jedes Mal, wenn ich das Wort „Veränderung“ in den Mund nahm, spürte ich förmlich die Angst der Teilnehmerinnen und stieß auf eine Mauer des Schweigens. Unter diesen Bedingungen machte es für mich keinen Sinn, das Seminar fortzusetzen. Anstatt die Mittagspause gemeinsam mit den Nonnen beim Essen zu verbringen, unternahm ich einen Spaziergang. Ich versuchte, zu mir und zu einer Lösung für die problematische Situation zu finden.

Wie aus heiterem Himmel, gleichsam als göttliche Eingebung, kam mir dabei folgende Idee: Was wäre, wenn ich das Seminar, anstatt weiter auf dem Kerninhalt, der Veränderung, zu beharren, radikal umkrempeln und beim Gegenteil ansetzen würde – bei der Stabilität? Der Einfall begeisterte mich. Bevor ich mich selbst, aber auch andere Menschen oder auch Organisationen verändern kann, sollte ich mich fragen:

Was bleibt gleich? Wo mache ich mich selbst fest, wenn es an Veränderungen geht? Was gibt mir Sicherheit? Worauf kann ich mich in allem Wandel verlassen?

Wenn ein Bergsteiger einen Gipfel erklimmt, lässt er nicht gleichzeitig alle vier Kontaktpunkte los: die der beiden Hände und diejenigen beider Füße. Das wäre unsinnig, denn dann würde er abstürzen. Der geübte Kletterer achtet vielmehr darauf, drei Viertel seiner Fixpunkte zu halten – eine Hand, beide Füße. Erst dann greift er mit der anderen Hand nach einem neuen, höher gelegenen Punkt, zu dem er sich anschließend hocharbeitet. Die Lehre, die wir daraus ziehen können: Wenn wir uns verändern wollen, ist es wichtig, uns zunächst zu vergewissern, was uns Stabilität gibt. Wo sind wir – im wahrsten Sinne des Wortes – verankert?

Als ich nach der Mittagspause in den Seminarraum zurückgekehrt war, gab ich den Nonnen eine Übung zur Kleingruppenarbeit auf. Die Fragestellung lautete: Was bleibt für sie in all den möglichen Veränderungen, mit denen sie rechnen müssen, gleich? Die daraus entstehende Gruppendynamik war beeindruckend. Die Teilnehmerinnen diskutierten ziemlich engagiert. Als sie aus der Übung zurückkamen, wirkten sie entspannt. Die Stimmung unter ihnen hatte sich merklich gebessert, die Angst war beinahe einer Euphorie gewichen. Bei der anschließenden Präsentation der Ergebnisse ihrer Gruppenarbeit nannten die Nonnen zwei Dinge, die durch allen Wandel hindurch stets gleich bleiben: Gott und der Orden. Diese beiden, so die Schwestern, könne ihnen niemand nehmen. Sie würden ihnen Sicherheit geben. Auf Basis dieser Sicherheit konnten sie sich nun darauf einlassen, über mögliche Veränderungen in ihrem beruflichen Umfeld zu sprechen.

Ein zweiter Gedanke zur Einstimmung: Vor ein paar Jahren hatte ich das Vergnügen, den berühmten Pantomimen Samy Molcho kennen zu lernen. Ich durfte an einem seiner Seminare teilnehmen, in welchem er unter anderem über Seiltänzer sprach. Jede bevorstehende Veränderung, so Molcho, bedeutet gewisse Risiken und, damit einhergehend, Angst. Wie bringe ich mich selbst oder andere Menschen dazu, mehr zu wagen? Wie veranlasse ich sie dazu, etwas Neues zu erreichen, ohne dabei unkalkulierbare und somit vielleicht gefährliche Risiken einzugehen? Manchmal liegt zwischen mir und einem neuen, glücklicheren Leben „nur“ eine schmale Schlucht, die es zu überwinden gilt. Aber was, wenn ich beim Versuch, diesen Abgrund hinter mich zu bringen, abstürze? Stellen Sie sich vor, Sie legen ein schmales Brett, drei Meter lang, vor sich auf den Boden. Nun versuchen Sie, über dieses Brett zu gehen, ohne daneben zu steigen. Es wird Ihnen wahrscheinlich problemlos gelingen. Und jetzt stellen Sie sich vor, das Brett würde eine drei Meter breite, aber 100 Meter tiefe Schlucht überbrücken. Würden Sie mit derselben Gelassenheit die Holzlatte entlangtänzeln? Wahrscheinlich nicht! Aber warum? Weil Sie den Sturz in die Tiefe fürchten. So weit, so gut. Bis hierher kannte ich die Geschichte und sie alleine wäre die hohe Seminargebühr nicht wert gewesen.

Nun aber kam der Clou: Samy Molcho wollte von den Seiltänzern erfahren, wie diese ihre Angst vor dem Absturz überwinden und sich aufs Hochseil wagen. Bedenken Sie: Ein Seil ist noch viel dünner als die Holzlatte, von der ich vorhin gesprochen habe. Im Unterschied zu dieser schwankt es sogar noch viel mehr, und zwar in alle Richtungen. Um wie viel größer ist wohl die Gefahr hinunterzufallen? Um wie viel größer ist daher auch die Angst davor, diesen schmalen „Pfad“ entlangzuspazieren?

Samy Molcho ging zu den Seiltänzern und fragte, wie sie ihre Angst in den Griff bekämen. Wissen Sie, was die Artisten ihm geantwortet haben?

„Wir üben das Fallen.“

Die Seiltänzer trainieren tatsächlich den Absturz! Sie probieren jede erdenkliche Weise, den Halt zu verlieren. Sie üben, vom Seil zu fallen und sich dabei selbst aufzufangen, um nicht in die Tiefe zu stürzen: nach vorne, nach hinten, zur Seite. Sie trainieren das Fallen so intensiv, dass sie es sogar mit verbundenen Augen schaffen würden, ihren Sturz aufzufangen.

Was können wir von den Seiltänzern lernen? Wer sich auf das Worst-Case-Szenario vorbereitet, wird ihm gelassener begegnen. Wer den schlimmsten denkbaren Fall im Leben voraussieht und – zumindest gedanklich – durchspielt, wird mit viel mehr Selbstvertrauen den nächsten Schritt setzen und den Mut für Neues aufbringen.

Ein drittes Bild: Im Rahmen meiner Tätigkeit für die Wirtschaftskammer (WKO) war ich unter anderem für die Einführung der Personalentwicklung in der WKO in ganz Österreich zuständig. Für diese Aufgabe war es nötig, zwei Tage pro Woche in Wien zu verbringen. An einem meiner Wien-Tage, ich ging gerade durch die große Eingangshalle der WKO-Zentrale, kam mir ein Mitarbeiter entgegen. Er arbeitete schon seit 25 Jahren im Unternehmen. Unmittelbar vor mir blieb er plötzlich stehen und richtete sich bedrohlich vor mir auf. Dann sagte er ziemlich aggressiv: „Herr Dr. Höglinger, ich lasse mir meine 25 Jahre in der WKO nicht von Ihnen schlechtmachen!“

Damals war ich sehr betroffen und dachte mir: Um Gottes willen, ich habe in meinem jugendlichen Ehrgeiz, alles neu machen und umstülpen zu wollen, nicht darauf geachtet, das, was bisher war, zu würdigen! Die WKO wäre ohne ihre Vorgeschichte, zu der bestimmt auch viel Gutes gehört, nicht dort, wo sie heute ist.

Welche Lehre habe ich aus diesem Erlebnis gezogen? Es geht nicht, alles von Grund auf neu zu gestalten, ohne dem Vergangenen und den Menschen, die daran beteiligt waren, Tribut zu zollen.