Das Schwert der Wahrheit 5 - Terry Goodkind - E-Book

Das Schwert der Wahrheit 5 E-Book

Terry Goodkind

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Beschreibung

Das Fantasy-Meisterwerk jetzt in moderner Neuausstattung!

Um ihren geliebten Richard zu retten, befreite Kahlan die Chimären. Jetzt terrorisieren diese geheimnisvollen Geschöpfe die Midlands, stehlen Seelen und drohen das Land jeglicher Magie zu berauben. Und so brechen Richard und Kahlan nach Anderith auf, um dort nach dem Tagebuch eines Magiers zu suchen, in dem der einzige Weg zur Rettung beschrieben sein könnte. Doch die Mächtigen von Anderith haben ganz eigene Pläne …

»Das Schwert der Wahrheit« bei Blanvalet:
1. Das erste Gesetz der Magie
2. Die Schwestern des Lichts
3. Die Günstlinge der Unterwelt
4. Der Tempel der vier Winde
5. Die Seele des Feuers
6. Schwester der Finsternis
7. Die Säulen der Schöpfung
8. Das Reich des dunklen Herrschers
9. Die Magie der Erinnerung
10. Am Ende der Welten
11. Konfessor

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Seitenzahl: 1391




Inhaltsverzeichnis

Die Burg der Zauberer
1. Kapitel2. Kapitel3. Kapitel4. Kapitel
Copyright

Die Burg der Zauberer

1. Kapitel

Ich möchte zu gerne wissen, was die Hühner so unruhig macht«, wunderte sich Richard.

Kahlan schmiegte den Kopf fester an seine Schulter. »Vielleicht ist jetzt ja auch noch dein Großvater hinter ihnen her.« Als er nichts darauf erwiderte, legte sie den Kopf in den Nacken und blinzelte ihn im schwachen Schein des Feuers an. Er beobachtete aufmerksam die Tür. »Vielleicht sind sie auch schlecht gelaunt, weil wir sie den größten Teil der Nacht wach gehalten haben.«

Richard schmunzelte und gab ihr einen Kuß auf die Stirn. Das kurze Zetern auf der anderen Seite der Tür hatte aufgehört. Bestimmt hatten die Kinder des Dorfes in ihrer unverminderten Ausgelassenheit wegen der Hochzeitsfeierlichkeiten die Hühner von ihrem Lieblingsschlafplatz auf der niedrigen Mauer draußen vor dem Seelenhaus verscheucht.

Leise Klänge fernen Lachens, von Gesprächen und Gesang wehten zu ihrem stillen Schlupfwinkel herüber. Der Duft von Räucherstäbchen, die stets im Kamin des Seelenhauses abgebrannt wurden, vermischte sich mit dem Schweißgeruch der Leidenschaft und dem würzig-süßen Aroma von gerösteten Paprika und Zwiebeln. Einen Augenblick lang betrachtete Kahlan den Widerschein des Feuers in seinen grauen Augen, dann lehnte sie sich wieder zurück in seine Arme und wiegte sich sanft zu den Klängen der Trommeln und Boldas.

Kratzhölzer schabten über die in die hohlen, glockenförmigen Boldas geritzten Kerben und erzeugten eine unheimliche, berückende Melodie, die auf ihrem Weg hinaus in das Grasland in die Abgeschiedenheit des Seelenhauses drang und die Ahnenseelen zu den Feierlichkeiten willkommen hieß.

Sich streckend fischte Richard sich ein rundes, flaches Stück Tavabrot von dem Servierteller, den sein Großvater Zedd ihnen gebracht hatte. »Es ist noch warm. Möchtest du etwas?«

»So schnell schon langweilt Euch Eure neue Gemahlin, Lord Rahl?«

Richards zufriedenes Lachen zauberte ihr ein Lächeln auf die Lippen. »Wir sind wirklich verheiratet, nicht wahr? Es war doch nicht alles nur ein Traum, oder?«

Kahlan mochte sein Lachen sehr. Oft hatte sie zu den guten Seelen dafür gebetet, daß er wieder lachen konnte – daß sie beide wieder lachen konnten.

»Ein Traum, der einfach Wahrheit wurde«, meinte sie leise.

Mit sanfter Gewalt entwand sie ihm das Tavabrot und gab ihm einen langen Kuß. Sein Atem beschleunigte sich, als er seine kräftigen Arme um sie schlang. Ihre Hände glitten über die schweißbedeckten Muskeln seiner breiten Schultern, sie fuhr mit ihren Fingern durch sein dichtes Haargewirr und bot ihm stöhnend ihre Lippen dar.

Hier im Seelenhaus der Schlammenschen – in einer Nacht, die mittlerweile Ewigkeiten zurückzuliegen schien – war ihr zum allerersten Mal bewußt geworden, daß sie hoffnungslos in ihn verliebt war. Damals allerdings hatte sie ihre verbotenen Gefühle für sich behalten müssen. Bei jenem Besuch, nach zahlreichen Kämpfen, Mühen und Opfern, waren sie in die Gemeinschaft dieses abgeschieden lebenden Volkes aufgenommen worden. Bei einem späteren Besuch hatte Richard sie, nachdem er das Unmögliche vollbracht und den Bann des Verbots gebrochen hatte, hier im Seelenhaus gebeten, seine Frau zu werden. Und jetzt, endlich, hatten sie ihre Hochzeitsnacht im Seelenhaus der Schlammenschen verbracht.

Es war zwar eine Liebesheirat, eine reine Liebesheirat, trotzdem besiegelte ihre Hochzeit gleichzeitig den förmlichen Zusammenschluß der Midlands und D’Haras. Wären sie in einer der großen Städte der Midlands getraut worden, wäre das Ereignis zweifellos ein unvergleichliches, prächtiges Spektakel geworden. Prunkvolles Zeremoniengehabe kannte Kahlan zur Genüge. Deshalb fand sie es um so schöner, daß diese aufrichtigen und arglosen Menschen hier ihre Lauterkeit und ihre einfachen Beweggründe, getraut werden zu wollen, verstanden. Die fröhliche Hochzeit, die sie unter ihnen im Herzen verbundenen Menschen gefeiert hatten, behagte ihr mehr als ein Fest von kalter Pracht.

Eine solche Feierlichkeit bot den Schlammenschen, die in den Ebenen der Wildnis ein entbehrungsreiches Leben führten, die seltene Gelegenheit, zu einem fröhlichen Fest zusammenzukommen, zu feiern, zu tanzen und sich einander Geschichten zu erzählen. Kahlan war kein anderer Fall bekannt, daß ein Außenstehender als Schlammensch aufgenommen worden wäre, daher war eine solche Hochzeit beispiellos. Vermutlich würden sie in die Legende eingehen, und mit kunstvollen Gras- und Fellkostümen bekleidete Tänzer, deren Gesichter zu Masken aus weißem und schwarzem Schlamm bemalt waren, würden die Geschichte bei zukünftigen Zusammenkünften immer wieder aufs neue aufführen.

»Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, du versuchst, eine unschuldige junge Frau mit deinem Geschick für Magie zu beeindrucken«, neckte sie ihn atemlos.

Allmählich begann sie zu vergessen, wie entkräftet und müde ihre Beine waren.

Richard wälzte sich auf den Rücken, um zu verschnaufen. »Meinst du, wir sollten hinausgehen und nachsehen, was Zedd treibt?«

Kahlan versetzte ihm mit dem Handrücken einen spielerischen Klaps gegen die Rippen. »Aber Lord Rahl, langsam glaube ich wirklich, Eure neue Gemahlin langweilt Euch bereits. Erst die Hühner, dann das Tavabrot und jetzt Euer Großvater.«

Richard beobachtete wieder die Tür. »Ich rieche Blut.«

Kahlan setzte sich auf. »Wahrscheinlich nur ein Stück Wild, das von einem Jagdtrupp mitgebracht wurde. Gäbe es tatsächlich Ärger, hätten wir davon erfahren, Richard. Wir haben Leute hier, die uns bewachen. An den Jägern der Schlammenschen kommt niemand ungesehen vorbei. Zumindest schlüge jemand Alarm, und alle wüßten Bescheid.«

Sie vermochte nicht mit Sicherheit zu sagen, ob er ihr überhaupt zuhörte. Er verharrte vollkommen reglos, sein Augenmerk auf die Tür gerichtet. Als Kahlans Finger seinen Arm hinaufglitten und ihre Hand leicht auf seiner Schulter zu liegen kam, wich die Anspannung endlich aus seinen Muskeln, und er wandte sich ihr zu.

»Du hast recht.« Sein Lächeln hatte etwas Reumütiges. »Wahrscheinlich gelingt es mir einfach nicht, mich richtig zu entspannen.«

Kahlan war fast ihr ganzes Leben lang in den Hallen von Macht und Autorität zu Hause gewesen. Von klein auf hatte man sie zu Verantwortung und Pflicht erzogen und in den Gefahren unterwiesen, die sie auf Schritt und Tritt begleiteten. Als sie schließlich dazu berufen wurde, den Bund der Midlands zu führen, war sie gegen dies alles gut gewappnet.

Richard war in ganz anderen Verhältnissen aufgewachsen. Er hatte der Liebe zu seiner waldreichen Heimat nachgegeben und war Waldführer geworden. Unruhen, das Schicksal und die eigene Bestimmung hatten ihm ein neues Leben als Führer des d’Haranischen Imperiums aufgezwungen. Die Wachsamkeit war zu einem wertvollen Verbündeten geworden und nur schwer abzulegen.

Sie sah, wie seine Hand vergeblich über seine Kleider tastete. Er suchte sein Schwert. Er hatte ohne es zum Dorf der Schlammenschen reisen müssen.

Zahllose Male hatte sie ihn dabei ertappt, wie er sich gedankenverloren und ohne bewußt darüber nachzudenken vergewissern wollte, daß es griffbereit war. Monatelang hatte es sich in Zeiten schwerer Prüfungen und gravierender Veränderungen – sowohl für ihn selbst als auch für die Welt – als zuverlässiger Begleiter erwiesen. Es war sein Beschützer und er wiederum der Beschützer jenes einzigartigen Schwertes und des Amtes, für das es stand.

In gewisser Weise war das Schwert der Wahrheit nichts weiter als ein Talisman. Die eigentliche Macht war die Hand, die das Schwert führte, als Sucher der Wahrheit war er die wahre Waffe. In mancherlei Hinsicht stellte es lediglich ein Symbol seines Amtes dar, ganz so, wie das charakteristische weiße Kleid ein Symbol des ihren war.

Kahlan beugte sich vor und küßte ihn. Er nahm sie wieder in die Arme; verspielt zog sie ihn zu sich herunter.

»Was ist das für ein Gefühl, mit der Mutter Konfessor persönlich verheiratet zu sein?«

Er ließ sich neben ihr auf einen Ellenbogen gleiten und sah ihr in die Augen. »Ein wundervolles«, meinte er leise. »Ein wundervolles und anspornendes. Und ein erschöpfendes.« Er strich ihr zärtlich mit dem Finger über den Schwung ihres Kinns. »Und wie ist es, mit Lord Rahl verheiratet zu sein?«

Ihr entfuhr ein heiseres Lachen. »Klebrig.«

Richard lachte vergnügt in sich hinein und steckte ihr ein Stück Tavabrot in den Mund. Er setzte sich auf und stellte den bis zum Rand belegten hölzernen Servierteller zwischen sie. Das aus Tavawurzeln hergestellte Brot war ein Haupterzeugnis der Schlammmenschen. Es wurde zu beinahe jeder Mahlzeit gereicht, man aß es ohne alles, um andere Speisen gewickelt, oder man benutzte es als Löffel für Haferbrei und Eintopfgerichte. Zu Keksen getrocknet nahm man es auf lange Jagdausflüge mit.

Kahlan gähnte und räkelte sich. Zu ihrer Erleichterung nahmen ihn die Geschehnisse jenseits der Tür nicht länger völlig in Anspruch. Als sie sah, daß er sich wieder beruhigt hatte, gab sie ihm einen Kuß auf die Wange.

Unter einer Schicht aus warmem Tavabrot fand sie geröstete Paprika, Zwiebeln und handgroße Pilzköpfe, Pastinaken und gedünstetes Gemüse. Es gab sogar mehrere Reiskuchen. Richard biß ein Stück von eine Pastinake ab, bevor er etwas von dem gedünsteten Gemüse, einen Pilz und eine Paprika in ein Stück Tavabrot wickelte und es ihr reichte.

Nachdenklich sagte er: »Ich wünschte, wir könnten für immer hier bleiben.«

Kahlan zog die Decke über ihren Schoß. Sie wußte, was er meinte: Draußen erwartete sie die Welt.

»Tja …« meinte sie und sah ihn augenzwinkernd an, »daß Zedd hereinkam und meinte, die Ältesten verlangten ihr Seelenhaus zurück, bedeutet noch lange nicht, daß wir es wieder hergeben müssen, bevor wir hier mit allem fertig sind.«

Richard vernahm ihre frivole Anspielung mit einem hintergründigen Lächeln. »Die Ältesten waren für Zedd nur eine Ausrede. Er hat es auf mich abgesehen.«

Sie biß in die Fladenrolle, die er ihr gereicht hatte, und sah ihm gedankenverloren zu, wie er einen Reiskuchen entzweibrach, offenkundig in Gedanken nicht ganz bei der Sache.

»Er hat dich monatelang nicht gesehen.« Sie wischte sich den Saft, der ihr am Kinn herablief, mit einem Finger ab. »Er kann es kaum erwarten, zu hören, was du alles durchgemacht hast, und von den Dingen zu erfahren, die du gelernt hast.« Er nickte gedankenverloren, während sie den Saft von ihrem Finger leckte. »Er liebt dich, Richard. Es gibt noch so viel, das er dir beibringen muß.«

»Dieser alte Mann hat mir seit meiner Geburt ständig irgend etwas beigebracht.« Er lächelte matt. »Ich liebe ihn auch.«

Richard wickelte nun auch für sich Pilze, Gemüse, Paprika und Zwiebel in Tavabrot ein und biß ein großes Stück ab. Kahlan zupfte Fasern welken Gemüses aus ihrer Fladenrolle und knabberte, dem trägen Knistern des Feuers und der fernen Musik lauschend, daran herum.

Als er aufgegessen hatte, durchwühlte Richard den Stapel Tavabrot und brachte eine getrocknete Pflaume zum Vorschein. »Die ganze Zeit über hatte ich keine Ahnung, daß er mehr war als ein lieber Freund. Ich bin nie auf die Idee gekommen, er könnte mein Großvater sein und etwas anderes als ein ganz normaler Mann.«

Er biß die Pflaume zur Hälfte ab und hielt ihr die andere Hälfte hin.

»Er wollte dich schützen, Richard. Außer, daß er dein Freund war, gab es nichts Wichtiges, das du hättest wissen müssen.« Sie nahm die angebotene Pflaume und steckte sie sich in den Mund; kauend betrachtete sie sein schönes Gesicht.

Er drehte ihr Gesicht mit den Fingerspitzen, bis sie ihn ansehen mußte. Sie verstand, daß er wichtigere Sorgen hatte. »Zedd ist jetzt wieder bei uns, Richard. Er wird uns helfen. Sein Rat wird uns gleichermaßen Trost und Hilfe sein.«

»Du hast recht. Wer könnte uns besser beraten als ein Mann wie Zedd?« Richard zog seine Kleider heran. »Und zweifellos wartet er bereits voller Ungeduld darauf, alles erzählt zu bekommen.«

Während Richard seine schwarzen Hosen überstreifte, klemmte Kahlan sich einen Reiskuchen zwischen die Zähne und holte verschiedene Dinge aus ihrem Bündel. Dann hielt sie inne und nahm den Reiskuchen aus dem Mund.

»Wir waren monatelang von Zedd getrennt – du noch länger als ich. Zedd und Ann werden alles hören wollen. Bestimmt werden wir es ihnen ein Dutzend Mal erzählen müssen, bis sie zufrieden sind.«

»Aber vorher würde ich gerne ein Bad nehmen. Nicht weit von hier gibt es einige heiße Quellen.«

Richard hielt beim Zuknöpfen seines schwarzen Hemdes inne. »Weswegen waren Zedd und Ann eigentlich gestern abend, vor der Hochzeit, so aufgeregt?«

»Gestern abend?« Sie zog ihr gefaltetes Hemd aus dem Gepäck. »Es hatte irgend etwas mit den Grußformeln zu tun. Ich erklärte ihnen, ich hätte die drei Grußformeln gesprochen. Zedd meinte allerdings, sie würden sich der Sache annehmen, was immer es sei.«

Kahlan erinnerte sich nur ungern daran. Sobald sie an ihre Angst und Panik dachte, bekam sie eine Gänsehaut. Die Vorstellung, was geschehen wäre, hätte sie auch nur einen Augenblick länger gezögert, diese drei Worte auszusprechen, erfüllte sie mit einem quälenden Gefühl von Übelkeit und Schwäche. Hätte sie gezögert, würde Richard nicht mehr leben. Schnell vertrieb sie die Erinnerung aus ihren Gedanken.

»Genau das dachte ich auch.« Richard zwinkerte ihr lächelnd zu. »Wenn ich dich in deinem blauen Hochzeitskleid sehe … wenn ich mich recht erinnere, hatte ich damals Wichtigeres zu tun. Angeblich handelt es sich bei den drei Grußformeln um eine simple Angelegenheit. Vermutlich hat er genau das auch gesagt. Ausgerechnet Zedd sollte mit derartigen Dingen eigentlich keine Schwierigkeiten haben.«

»Und wie steht es mit dem Bad?«

»Was?« Er starrte wieder auf die Tür.

»Mit dem Bad. Könnten wir vielleicht zu den Quellen gehen und ein warmes Bad nehmen, bevor wir uns mit Zedd und Ann zusammensetzen und endlos lange Geschichten erzählen müssen?«

Er zog seine schwarze Jacke über den Kopf. Der breite goldene Gürtel um deren rechteckig umsäumten Rand blinkte im Schein des Feuers. Er sah sie von der Seite an. »Wirst du mir den Rücken waschen?«

Sie sah, daß er lächelte, als er seinen breiten, ledernen Waffengurt mit seinen golddurchwirkten Lederbeuteln an beiden Seiten umschnallte. Unter anderem enthielten sie Besitztümer, die ebenso außergewöhnlich wie gefährlich waren.

»Ich werde waschen, was immer Euch beliebt, Lord Rahl.«

Lachend streifte er seine silbernen Manschetten über. Auf den uralten in sie eingearbeiteten Symbolen spiegelte sich blinkend der rötliche Schein des Feuers. »Das klingt, als wollte meine neue Gemahlin ein ganz gewöhnliches Bad zu einem Ereignis machen.«

Kahlan warf sich ihren Umhang um die Schultern und zog ihre langen, ineinander verflochtenen Haare unter dem Kragen hervor. »Sobald wir Zedd Bescheid gegeben haben, brechen wir auf.« Sie versetzte ihm mit dem Finger einen spielerischen Stoß zwischen die Rippen. »Dann wirst du schon sehen.«

Lachend fing er ihren Finger ab, um zu verhindern, daß sie ihn weiter kitzelte. »Wenn du wirklich ein Bad nehmen willst, sollten wir Zedd besser nicht einweihen. Er wird uns eine Frage nach der anderen stellen, bis er schließlich kein Ende mehr findet.« Sein Umhang schimmerte golden im Schein des Feuers, als er ihn am Hals zuschnürte. »Und bevor du weißt, wie dir geschieht, ist der Tag vorbei, und er löchert dich noch immer mit seinen Fragen. Wie weit ist es bis zu diesen Quellen?«

Kahlan deutete nach Süden. »Eine Stunde zu Fuß, vielleicht ein wenig mehr.« Sie packte etwas Tavabrot, eine Bürste, ein Stück duftende Kräuterseife und ein paar andere kleine Gegenstände in einen Lederbeutel. »Aber wenn Zedd uns sehen will, wie du sagst, wird er nicht verärgert sein, wenn wir losziehen, ohne ihm Bescheid zu sagen, was meinst du?«

Richard entfuhr ein bissiges Lachen. »Wenn du wirklich ein Bad nehmen möchtest, solltest du dich erst hinterher dafür entschuldigen, daß du ihm nicht Bescheid gesagt hast. So weit ist es auch nicht. Wir sind bestimmt zurück, bevor er uns wirklich vermißt.«

Kahlan packte ihn am Arm. Sie wurde ernst. »Ich weiß, du kannst es kaum erwarten, Zedd wiederzusehen. Wenn du so ungeduldig bist, ihm zu begegnen, können wir auch später baden. Es würde mir wirklich nichts ausmachen. Eigentlich wollte ich nur ein wenig länger mit dir allein sein.«

Er legte ihr den Arm um die Schultern. »Wir werden ihn in ein, zwei Stunden aufsuchen, wenn wir zurückkommen. Er kann warten. Ich wäre auch lieber mit dir allein.«

Als er die Tür aufstieß, sah Kahlan ihn noch einmal gedankenverloren nach dem nicht vorhandenen Schwert greifen. Sein Gewand gleißte golden, als das Sonnenlicht darauf fiel. Kahlan mußte die Augen zusammenkneifen, als sie hinter ihm ins kalte Morgenlicht trat. Die herzhaften Gerüche der auf den Kochfeuern des Dorfes zubereiteten Speisen stiegen ihnen in die Nase.

Richard beugte sich über die niedrige Mauer und warf einen Blick zurück.

Sein Raubvogelblick wanderte kurz suchend über den Himmel. Seine Untersuchung der schmalen Durchgänge im Gewirr der düsteren, rechtwinkligen Gebäude ringsum fiel dagegen sehr viel sorgfältiger aus.

Die Gebäude auf dieser Seite des Dorfes, das Seelenhaus zum Beispiel, wurden für verschiedene gemeinschaftliche Zwecke genutzt. Einige dienten als sogenannte heilige Stätten ausschließlich den Stammesältesten, andere wurden vor langen Jagdausflügen von den Jägern für rituelle Handlungen benutzt. Über die Schwelle der Frauenhäuser setzte kein Mann je einen Fuß.

Dort präparierte man auch die Toten für ihre Begräbniszeremonie; Schlammenschen begruben ihre Toten.

Die Verwendung von Holz für die Scheiterhaufen bei Begräbnissen war wenig sinnvoll; Holz in größeren Mengen war weit entfernt und daher kostbar. Das Holz für die Kochfeuer wurde durch getrockneten Dung ersetzt, häufiger jedoch durch Scheite aus fest zusammengebundenem Gras. Freudenfeuer, so wie die vom Abend zuvor anläßlich ihrer Hochzeitsfeier, waren ein seltenes und außergewöhnliches Vergnügen.

Da in den umliegenden Gebäuden niemand wohnte, verströmte dieser Teil des Dorfes ein Gefühl der Leere und des Jenseitigen. Der übernatürliche Klang der Trommeln und Boldas tat ein übriges, die Stimmung hier zwischen den tiefen Schatten noch zu unterstreichen. Die herüberwehenden Stimmen gaben einem das Gefühl, als spuke es in den menschenleeren Straßen. Scharf umrissene Balken schräg einfallenden Sonnenlichts ließen die dahinterliegenden Schatten nahezu undurchdringlich erscheinen.

Den prüfenden Blick noch immer auf diese Schatten gerichtet, gab Richard ein Zeichen nach hinten. Kahlan warf einen Blick über die Mauer.

Inmitten von verstreuten, in der kühlen Brise umherwirbelnden Federn lag der blutverschmierte Kadaver eines Huhns.

2. Kapitel

Kahlan hatte sich geirrt. Es waren keine Kin der gewesen, die die Hühner unruhig gemacht hatten.

»Ein Habicht?« fragte sie.

Richard blickte abermals prüfend in den Himmel. »Möglich, vielleicht aber auch ein Wiesel oder ein Fuchs. Was immer es war, es wurde aufgeschreckt, bevor es seine Mahlzeit hinunterschlingen konnte.«

»Nun, das sollte dein Gewissen beruhigen. Es war nur irgendein Tier, das es auf ein Huhn abgesehen hatte.«

Cara in ihrem hautengen roten Lederanzug hatte sie sogleich erblickt und kam ihnen bereits mit schnellen Schritten entgegen. Ihr Strafer, nach außen hin nicht mehr als ein schmaler, blutroter Lederstab von höchstens einem Fuß Länge, baumelte an einer dünnen Kette von ihrem Handgelenk herab. Die grauenhafte Waffe war nie weiter als ein Zucken des Handgelenks von Caras Zugriff entfernt.

Kahlan sah die Erleichterung in Caras blauen Augen, als diese gewahrte, daß ihre Schützlinge nicht von unsichtbaren Kräften hinter der Tür des Seelenhauses entführt worden waren.

Kahlan wußte, Cara wäre lieber näher bei ihren Schützlingen geblieben. Sie war jedoch taktvoll genug gewesen, ihnen die Privatheit von ein wenig mehr Distanz zu gewähren. Dieser Takt erstreckte sich auch darauf, andere fernzuhalten. Kahlan wußte, wie todernst Cara ihre Pflicht nahm, sie zu beschützen, daher wußte sie die wahre Bedeutung des Geschenks dieser Distanz durchaus zu würdigen.

Distanz.

Kahlan sah zu Richard hoch. Genau das hatte auch ihn argwöhnisch gemacht; insgeheim hatte er gewußt, daß es keine Kinder waren, die die Hühner unruhig gemacht hatten. Cara hätte keine Kinder so nahe an das Seelenhaus, an eine nicht verschließbare Tür herangelassen.

Bevor Cara etwas sagen konnte, fragte Richard sie: »Habt Ihr gesehen, was die Hühner getötet hat?«

Cara warf ihren langen blonden Zopf über die Schulter nach hinten. »Nein. Bestimmt habe ich das Raubtier verscheucht, als ich zur Mauer an der Tür hinüberlief.«

Die Mord-Sith trugen alle einen einzelnen Zopf. Er war Teil ihrer Uniform, damit keiner darüber im Zweifel war, wen er vor sich hatte. Wenn überhaupt, unterlief nur wenigen dieser folgenschwere Fehler.

»Ist Zedd noch einmal zurückgekommen, um mit uns zu sprechen?« erkundigte sich Richard.

»Nein.« Cara schob sich eine verirrte blonde Strähne aus dem Gesicht. »Nachdem er Euch das Essen gebracht hatte, sagte er, er wolle mit Euch sprechen, sobald Ihr fertig seid.«

Richard nickte, den Blick noch immer auf die Schatten gerichtet. »Wir sind noch nicht fertig, denn wir werden erst noch eine in der Nähe gelegene heiße Quelle aufsuchen und ein Bad nehmen.«

Ein schelmisches, verstohlenes Feixen stahl sich auf Caras Gesicht. »Wie reizend. Ich werde Euch den Rücken waschen.«

Richard beugte sich ein wenig vor und schob sein Gesicht ganz nah an ihres heran. »Nein, Ihr werdet mir nicht den Rücken waschen. Ihr werdet ihn im Auge behalten.«

Caras schelmisches Grinsen wurde breiter. »Hmm. Klingt, als würde es ebenfalls Spaß machen.«

Richards Gesicht wurde so rot wie Caras Lederanzug.

Kahlan, die selbst ein Schmunzeln unterdrücken mußte, wandte den Blick ab. Sie wußte, wie sehr Cara es genoß, Richard in Verlegenheit zu bringen. Kahlan hatte noch keine Leibwächter gesehen, die sich so offenkundig respektlos verhielten wie Cara und ihre Mord-Sith-Schwestern. Oder die besser gewesen wären.

Allen Mord-Sith, einer uralten Sekte aus Beschützerinnen des Lord Rahl von D’Hara, war dieselbe skrupellose Dreistigkeit gemein. Ihre Ausbildung war von Kindesbeinen an mehr als brutal, sie war erbarmungslos; durch sie wurden sie zu unbarmherzigen Killern verbogen.

Kahlan war aufgewachsen, ohne viel über das geheimnisvolle Land D’Hara im Osten zu wissen. Richard war – weit von D’Hara entfernt – in Westland geboren und hatte noch weniger darüber gewußt als sie. Als D’Hara die Midlands überfiel, wurde Richard in die Auseinandersetzung hineingezogen, in deren Verlauf er schließlich Darken Rahl, den tyrannischen Herrscher D’Haras, tötete.

Richard hatte nicht gewußt, daß Darken Rahl seine Mutter vergewaltigt und ihn gezeugt hatte. Er war in dem Bewußtsein aufgewachsen, sein Vater sei George Cypher, jener liebenswerte Mann, der ihn großgezogen hatte. Zedd hatte dieses Geheimnis gehütet, um erst seine Tochter und später dann seinen Enkelsohn zu schützen. Die Wahrheit erfuhr Richard erst, nachdem er Darken Rahl getötet hatte.

Über das Reich, das er geerbt hatte, wußte Richard wenig. Den Herrschermantel hatte er nur deshalb angelegt, weil die unmittelbare Gefahr eines größeren Krieges bestand. Hätte niemand der Imperialen Ordnung Einhalt geboten, hätte sie die gesamte Welt unterjocht.

Als neuer Herrscher D’Haras hatte Richard die Mord-Sith von dem grausamen Drill ihres brutalen Gewerbes befreit, nur um zu erleben, wie sie von dieser Freiheit Gebrauch machten, indem sie beschlossen, seine Beschützerinnen zu werden. Als Zeichen der Hochachtung für jene beiden Frauen, die für seinen Schutz ihr Leben gelassen hatten, trug Richard zwei Strafer an einem Riemen um seinen Hals.

Diese Frauen verehrten Richard, und doch verhielten sie sich ihrem neuen Lord Rahl gegenüber auf eine Weise, die früher undenkbar gewesen wäre: sie scherzten mit ihm, sie neckten ihn und ließen sich nur selten eine Gelegenheit entgehen, ihn zu ködern.

Der frühere Lord Rahl, Richards Vater, hätte sie für einen solchen Verstoß gegen die Disziplin zu Tode gefoltert. Kahlan vermutete, ihre Respektlosigkeit war ihre Art, Richard daran zu erinnern, daß er sie befreit hatte und sie ihm allein aus eigenem Entschluß dienten. Vielleicht hatte ihre verdorbene Kindheit bei ihnen einen seltsamen Sinn für Humor erzeugt, dem sie jetzt freien Lauf lassen durften.

Was Richards – und auf sein Geheiß auch Kahlans – Schutz anbetraf, waren die Mord-Sith furchtlos bis hin zu Todessehnsucht. Angeblich hatten sie vor nichts mehr Angst, als alt und zahnlos im Bett zu sterben. Richard hatte mehr als einmal geschworen, sie mit diesem Schicksal zu bestrafen.

Teils lag es am tiefen Mitgefühl für diese Frauen und ihre qualvolle Ausbildung durch die Hand seines Vorfahren, daß Richard es nur selten über sich brachte, sie für ihre Späße zu rügen, und gewöhnlich stand er über ihren Sticheleien. Seine Zurückhaltung war für sie allerdings ein nur noch größerer Ansporn.

Die Röte im Gesicht dieses Lord Rahl, als Cara sagte, sie wolle ihm beim Baden zusehen, verriet seine Erziehung.

Schließlich gelang es Richard, seinen Ärger zu zügeln, und er verdrehte die Augen. »Ihr werdet auch nicht zusehen. Wartet einfach hier.«

Kahlan wußte, daß dies auf keinen Fall geschehen würde. Cara tat den Vorschlag mit einem belfernden Lachen ab und folgte ihnen. Sie überlegte nie zweimal, ob sie seinen unmittelbaren Befehl mißachten sollte, wenn dieser den Schutz seines Lebens beeinträchtigte. Cara und ihre Mord-Sith-Schwestern befolgten seine Anordnungen nur dann, wenn sie sie für wichtig hielten und er durch sie nicht in größere Gefahr geriet.

Sie waren noch nicht weit gegangen, als sich ihnen ein halbes Dutzend Jäger anschloß, die plötzlich aus den Schatten und Durchgängen rings um das Seelenhaus hervortraten. Der größte der sehnigen und wohlproportionierten Männer war kleiner als Kahlan; Richard überragte sie alle. Zur besseren Tarnung hatten sie ihre nackte Brust mit langen Streifen und Flecken aus Schlamm bedeckt. Jeder hatte einen Bogen über der Schulter hängen, ein Messer im Gürtel sowie eine Hand voll Wurfspeere.

Kahlan wußte, ihre Köcher waren mit in Zehnschrittgift getauchten Pfeilen gefüllt. Es waren Chandalens Männer, bei den Schlammenschen führten üblicherweise nur sie Giftpfeile mit sich. Chandalens Männer waren nicht einfach nur Jäger, sie waren die Schutztruppe der Schlammenschen.

Die Männer grinsten, als Kahlan ihnen sachte ins Gesicht schlug – die übliche Begrüßung bei den Schlammenschen, eine Geste des Respekts vor ihrer Stärke.

Sie dankte ihnen in ihrer Sprache für das Wachestehen, anschließend übersetzte sie ihre Worte für Richard und Cara.

»Wußtest du, daß sie sich überall verteilt und Wache gestanden haben?« flüsterte Kahlan Richard zu, als sie sich erneut auf den Weg machten.

Er warf einen verstohlenen Blick über seine Schulter. »Ich habe nur vier gesehen. Zwei von ihnen sind mir entgangen, muß ich gestehen.«

Die zwei, die ihm entgangen waren, hätte er unmöglich sehen können – sie waren von der anderen Seite des Seelenhauses gekommen. Kahlan hatte nicht mal einen bemerkt. Ihr schauderte; offenbar konnten die Jäger sich nach Belieben unsichtbar machen, und draußen im Grasland waren sie darin sogar noch besser. Sie war froh, daß so viele Menschen über ihre Sicherheit wachten, ohne groß ein Wort darüber zu verlieren.

Cara berichtete, Zedd und Ann befänden sich drüben auf der nach Südosten gelegenen Seite des Dorfes, also hielten sie sich auf ihrem Weg nach Süden ein Stück weit westlich. Mit Cara und den Jägern im Schlepptau umgingen sie den größten Teil jenes Geländes, auf dem die Dorfbewohner sich versammelt hatten, und wählten statt dessen die Gassen zwischen den mit einem gelbbraunen Lehm verputzen Gebäuden aus Schlammziegeln.

Menschen begrüßten sie lächelnd und winkend, klopften ihnen auf die Schultern oder versetzten ihnen die traditionellen sachten Schläge des Respekts.

Kleinen Lederbällen, einander oder unsichtbarem Wild nachjagende Kinder liefen den Erwachsenen zwischen den Beinen herum; gelegentlich mußten Hühner als nicht ganz so unsichtbares Wild herhalten. Sobald die lachenden, mal hier-, mal dorthin springenden jungen Jäger nach ihnen schnappten, stoben sie erschrocken auseinander.

Kahlan, die ihr Gewand eng um den Körper geschlungen hatte, fand es unbegreiflich, wie die so dünn bekleideten Kinder die kalte Morgenluft aushielten. Fast alle liefen mit bloßem Oberkörper herum, die jüngeren waren sogar nackt.

Die Kinder wurden gut bewacht, dafür durften sie nach Belieben herumtollen. Sie wurden nur selten wegen etwas zur Rechenschaft gezogen. Erst nach der später erfolgenden harten, schwierigen und strengen Erziehung würden sie für alles verantwortlich sein.

Die Kleineren, die noch immer nach Belieben Kinder sein durften, waren ein allgegenwärtiges und aufmerksames Publikum für alles Außergewöhnliche. Für die Kinder der Schlammenschen schien vieles außergewöhnlich zu sein, manchmal sogar Hühner.

Als der kleine Trupp den Südteil des offenen Geländes mitten im Dorf überquerte, wurde Chandalen auf sie aufmerksam, der Anführer der grimmigsten Jäger. Er hatte seinen feinsten Wildlederanzug angelegt. Sein Haar war, wie bei den Schlammenschen üblich, peinlich genau mit Schlamm an den Kopf geklebt.

Das Coyotenfell über seinen Schultern galt als ein Zeichen seiner neuen Machtbefugnis, denn er war vor kurzem zu einem der sechs Ältesten des Dorfes ernannt worden. In seinem Fall aber bezifferte »Ältester« in erster Linie das Ausmaß des ihm entgegengebrachten Respekts und besagte nichts über sein Alter.

Nach dem Austauschen der Schläge begann Chandalen schließlich zu grinsen und gab Richard einen Klaps auf den Rücken. »Du bist ein großer Freund Chandalens«, verkündete er. »Gewiß hätte die Mutter Konfessor Chandalen als Gatten erwählt, hätte sie dich nicht geheiratet. Dafür werde ich dir ewig dankbar sein.«

Bevor Kahlan auf ihrer verzweifelten Suche nach Hilfe nach Westland gereist und dort Richard begegnet war, hatte Darken Rahl alle anderen Konfessoren umgebracht und Kahlan damit zur letzten ihrer Art gemacht. Bevor es Richard und ihr gelungen war, einen Ausweg zu finden, hatte keine einzige Konfessor aus Liebe geheiratet, denn ihre Berührung hätte ebendiese Liebe gegen ihren Willen zerstört.

Früher hatte eine Konfessor ihren Gemahl wegen der Stärke erwählt, die er an ihre Töchter weitergeben würde, woraufhin sie ihn dann mit ihrer Kraft überwältigte. Chandalen war zu dem Schluß gekommen, daß er unter diesen Voraussetzungen große Gefahr laufe, erwählt zu werden. Niemand hatte jemanden kränken wollen.

Lachend erwiderte Richard, er sei nur zu gerne bereit, die Aufgabe als Kahlans Ehemann zu übernehmen. Er sah sich nach Chandalens Männern um, dann senkte er die Stimme und wurde ernster. »Konnten deine Männer erkennen, wodurch das Huhn am Seelenhaus getötet wurde?«

Nur Kahlan war der Sprache der Schlammenschen mächtig, und bei den Schlammenschen sprach allein Chandalen die ihre. Er lauschte aufmerksam, als seine Männer berichteten, die Nacht sei, nachdem sie ihre Posten eingenommen hätten, ruhig gewesen. Sie waren die dritte Wache.

Einer der jüngeren Posten, Juni, ahmte schließlich mimisch das Einlegen eines Pfeils und das Spannen der Sehne bis zur Wange nach, wobei er rasch erst in die eine, dann in die andere Richtung zielte, erklärte dann aber, er habe das Tier nicht erkennen können, das über die Hühner in ihrem Dorf hergefallen sei. Er demonstrierte, wie er den Angreifer mit abstoßenden Namen beschimpft und voller Verachtung auf seine Ehre gespien habe und wie er ihn durch die Beschimpfung dazu habe bringen wollen, sich zu zeigen, wenn auch vergeblich. Richard quittierte Chandalens Übersetzung mit einem Nicken.

Chandalen hatte nicht alle Worte Junis übersetzt. Die Entschuldigung des Mannes hatte er weggelassen. Für einen Jäger – und ganz besonders für einen von Chandalens Männern – galt es als Schande, wenn ihm auf Wache etwas entging. Kahlan wußte, Chandalen würde später noch ein Wörtchen mit Juni zu reden haben.

Sie wollten sich gerade wieder auf den Weg machen, als der Vogelmann von einer der offenen Pfahlkonstruktionen zu ihnen herübersah. Als Anführer der sechs Ältesten und damit der Schlammmenschen hatte der Vogelmann die Trauungszeremonie durchgeführt.

Es wäre unhöflich gewesen, ihn nicht zu begrüßen und sich bei ihm zu bedanken, bevor sie zu den Quellen aufbrachen. Richard hatte offenbar denselben Gedanken, denn er wandte sich in Richtung der grasbedachten Plattform, auf der der Vogelmann kauerte.

In der Nähe spielten Kinder. Einige Frauen in roten, blauen und braunen Kleidern schlenderten schwatzend vorbei. Ein paar braune Ziegen suchten den Boden nach fallengelassenen Essensresten ab. Sie schienen bescheidenen Erfolg damit zu haben – sofern es ihnen gelang, sich von den Kindern loszureißen. Einige Hühner pickten im Staub herum, während andere gackernd umherstaksten.

Auf dem freien Platz brannten in einiger Entfernung noch immer die Freudenfeuer, von denen die meisten jedoch mittlerweile kaum mehr als glühende Asche waren. Noch immer drängten sich die Menschen, verzückt entweder von der Glut oder von der Wärme, dicht um sie. Freudenfeuer waren ein seltener Luxus, sie symbolisierten eine freudige Feier oder eine Versammlung, bei der die Ahnenseelen herbeigerufen und mit Wärme und Licht willkommen geheißen wurden. Manch einer war bestimmt die ganze Nacht aufgeblieben, um sich das Spektakel der Feuer nicht entgehen zu lassen. Ganz besonders für die Kinder waren die Freudenfeuer eine Quelle des Staunens und der Freude.

Zur Feier hatte jeder seine allerbeste Kleidung angelegt, und noch immer trugen alle ihren Putz, denn offiziell dauerte die Feier bis zum Sonnenuntergang. Männer in feinen Fellen und Häuten führten stolz ihre besten Waffen vor, Frauen trugen leuchtend bunte Kleider und Metallarmreifen und im Gesicht ein breites Lächeln.

Gewöhnlich waren die jungen Leute geradezu peinlich schüchtern, die Hochzeit jedoch hatte sie mutig gemacht. Am Abend zuvor hatten kichernde junge Frauen Kahlan mit beherzten Fragen überschüttet, die jungen Männer dagegen waren Richard überallhin gefolgt, gaben sich aber damit zufrieden, ihm zuzulächeln und einfach immer in der Nähe der wichtigen Ereignisse sein zu können.

Der Vogelmann war mit seiner Wildlederhose und -jacke bekleidet, die er stets zu tragen schien, ganz gleich zu welchem Anlaß. Sein langes, silbergraues Haar reichte bis auf die Schultern. An einem Lederriemen um seinen Hals hing die allgegenwärtige Knochenpfeife für das Herbeirufen der Vögel; mit seiner Pfeife vermochte er scheinbar mühelos jede gewünschte Vogelart herbeizurufen, meist ließen sie sich dann auf seinem ausgestreckten Arm nieder und blieben dort zufrieden sitzen. Dieses Schauspiel erfüllte Richard stets mit Ehrfurcht.

Kahlan wußte, der Vogelmann verstand die Zeichen der Vögel und vertraute auf sie. Sie vermutete, daß er mit seiner Pfeife Vögel herbeirief, um festzustellen, ob sie ein Zeichen von sich gaben, das nur er allein zu ergründen vermochte. Darüber hinaus war der Vogelmann ein scharfsichtiger Deuter der von Menschen ausgesandten Zeichen. Manchmal hatte sie den Eindruck, er könne ihre Gedanken lesen.

Viele Menschen in den großen Städten der Midlands hielten die Völker in der Wildnis – wie etwa die Schlammenschen – für Wilde, die eigenartige Götzen anbeteten und an einfältigen Glaubensvorstellungen festhielten. Kahlan dagegen verstand die einfache Weisheit dieser Menschen und ihre Fähigkeit, die kaum wahrnehmbaren Zeichen der Lebewesen aus der ihnen so vertrauten Umwelt zu deuten. Oft hatte sie erlebt, daß die Schlammenschen das Wetter für die nächsten Tage mit recht hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagten, indem sie die Art der Grasbewegungen im Wind beobachteten.

Zwei der Dorfältesten, Hajanlet und Arbrin, saßen mit halbgesenkten Lidern auf dem hinteren Teil der Plattform, während sie ihr Volk draußen auf dem freien Platz beobachteten. Arbrins Hand ruhte beschützend auf der Schulter eines kleinen Jungen, der neben ihm zusammengerollt schlief; das Kind nuckelte im Schlaf rhythmisch am Daumen.

Überall standen Servierteller herum, auf denen wenig mehr als Essensreste lag, dazu Krüge mit verschiedenen Getränken, die man gemeinsam anläßlich der Feierlichkeiten geleert hatte. Obwohl einige der Getränke eine berauschende Wirkung hatten, wußte Kahlan, daß die Schlammenschen nicht dem Trunk verfallen waren.

»Guten Morgen, verehrter Ältester«, begrüßte Kahlan ihn in seiner Sprache.

Das ledrige Gesicht wurde nach oben gedreht, und er sah sie mit einem breiten Grinsen an. »Willkommen an diesem neuen Tag, mein Kind.«

Dann richtete sich seine Aufmerksamkeit wieder auf etwas mitten unter den Bewohnern seines Dorfes. Kahlan sah, wie Chandalen die leeren Krüge musterte, bevor er seine Männer mit einem schiefen Lächeln bedachte.

» Verehrter Ältester«, sagte Kahlan, »Richard und ich möchten dir für die wundervolle Trauungszeremonie danken. Wenn du im Augenblick keine Verwendung für uns hast, würden wir gerne die heißen Quellen aufsuchen.«

Grinsend entließ er sie mit einer Handbewegung. »Bleibt nicht zu lange, sonst wird die Wärme, die ihr an der Quelle aufgenommen habt, vom Regen wieder fortgespült.«

Kahlan warf einen Blick auf den strahlend blauen Himmel, dann sah sie abermals zu Chandalen hinüber. Er gab ihr nickend zu verstehen, daß er derselben Ansicht war.

»Er meint, wenn wir bei den Quellen herumtrödeln, werden wir in den Regen kommen, bevor wir zurück sind.«

Verblüfft taxierte Richard den Himmel. »Ich denke, wir sollten uns ihren Rat zu Herzen nehmen und keine Zeit verschwenden.«

»Dann machen wir uns jetzt wohl besser auf den Weg«, meinte sie, an den Vogelmann gewandt.

Er winkte sie zu sich, und Kahlan trat näher. Aufmerksam betrachtete er die nicht weit entfernt im Staub scharrenden Hühner. Kahlan beugte sich zu ihm, lauschte auf seinen langsamen, gleichmäßigen Atem und wartete. Als sie schon glaubte, er habe vergessen, daß er etwas sagen wollte, zeigte er in das offene Gelände und flüsterte ihr etwas zu.

Kahlan richtete sich auf. Sie sah zu den Hühnern hinüber.

»Und?« fragte Richard. »Was hat er gesagt?«

Erst war sie unsicher, ob sie ihn richtig verstanden hatte, als sie jedoch die finsteren Blicke auf den Gesichtern von Chandalen und seinen Männern sah, war aller Zweifel ausgeräumt.

Kahlan war unsicher, ob sie seine Bemerkung übersetzen sollte: Sie wollte den Vogelmann später nicht in Verlegenheit bringen. Vielleicht hatte er das Feiern mit den rituellen Getränken ein wenig übertrieben.

Richard wartete, die Frage noch immer in den Augen.

Kahlan sah den Vogelmann abermals an, der mit seinen braunen Augen auf das freie Gelände vor sich starrte, während sein Kinn im Rhythmus der Boldas und Trommeln auf und ab zuckte.

Schließlich lehnte sie sich zurück, bis sie Richard mit der Schulter berührte. »Er sagt, das eine Tier dort« – sie zeigte darauf – »sei gar kein Huhn.«

3. Kapitel

Sich mit den Füßen im Kies abstoßend, ließ Kahlan sich rückwärts in Richards Arme gleiten; sie hatten sich im hüfttiefen Wasser zurückgelehnt und waren so bis zum Hals bedeckt. Kahlan begann, Wasser in einem aufregend neuen Licht zu sehen.

Sie hatte diese perfekte Stelle inmitten des Geflechts aus Bächen gefunden, die das einzigartige Gebiet aus Kiesbänken und zutage tretenden Felsen inmitten des weiten Meeres aus Grasland durchflossen. Ein Stück weiter nordöstlich an den heißen Quellen vorbeimäandernde Rinnsale kühlten das beinahe siedend heiße Wasser. Nur wenige Stellen waren so tief wie die, für die sie sich entschieden hatten, dabei hatten sie mehrere in unterschiedlicher Entfernung von den heißen Quellen ausprobiert, bis sie eine warme gefunden hatten, die ihnen zusagte. Das umliegende Gelände war hinter hohen, schlanken Trieben junger Gräser verborgen, so daß sie ein abgeschiedenes Becken ganz für sich hatten, überkrönt von einem Sonnenhimmel, an dessen strahlend blauen Rändern sich bereits verstohlen die ersten Wolken zeigten. Kühle Böen neigten das Altweibersommergras wellenförmig und wirbelten es in nickenden Wirbeln herum.

Hier draußen in der Ebene konnte sich das Wetter rasch ändern. Das tags zuvor noch warme Frühlingswetter war einer frischen Kälte gewichen. Kahlan wußte, daß sich die Kälte nicht halten würde; der Frühling hatte unwiderruflich eingesetzt, auch wenn der Winter ihnen noch einen Abschiedsgruß schickte. Das warme Wasser in ihrem geschützten Becken kräuselte sich unter der Heftigkeit dieses Grußes.

Über ihnen kreiste im scharfen Wind ein jagender Habicht auf der Suche nach einer Mahlzeit. Kahlan spürte einen Stich des Bedauerns; während sie und Richard sich entspannten und ihren Spaß hatten, würden seine Krallen in Kürze schon ein Leben rauben. Sie hatte eine gewisse Vorstellung davon, was es hieß, das Ziel der Gier nach Fleisch zu sein, wenn der Tod auf Jagd ging.

Irgendwo draußen in der Weite des Graslandes hatten die sechs Jäger in einiger Entfernung Posten bezogen. Cara würde diese äußere Grenzlinie umkreisen wie eine Habichtmutter und die Männer kontrollieren. Da sie alle Beschützer waren, würden sie, vermutete Kahlan, wenn schon nicht die Sprache, so doch wenigstens die Absicht des jeweils anderen verstehen. Beschützer hatten eine ernste Aufgabe zu erledigen, und Cara würde die Nüchternheit, mit der die Jäger dieser Aufgabe nachgingen, mit Sicherheit zu schätzen wissen.

Kahlan schöpfte warmes Wasser auf Richards Oberarme. »Wir hatten zwar nur kurze Zeit für uns allein, für unsere Hochzeit, trotzdem hätte ich mir kein schöneres Fest vorstellen können. Außerdem bin ich froh, daß ich dir diese Stelle hier zeigen konnte.«

Richard gab ihr einen Kuß auf den Hinterkopf. »Das alles wird mir immer in Erinnerung bleiben – die Hochzeitsfeier gestern abend, das Seelenhaus, die Stelle hier.«

Sie strich ihm unter Wasser über seine Schenkel. »Das will ich Euch auch raten, Lord Rahl.«

»Ich habe immer davon geträumt, dir die besonderen, wunderschönen Orte zu zeigen, wo ich aufgewachsen bin. Hoffentlich kann ich dich eines Tages dorthin mitnehmen.«

Er verstummte abermals. Sie nahm an, daß ihm gewichtige Dinge durch den Kopf gingen und er aus diesem Grund so grüblerisch wirkte. So gerne sie es auch manchmal täten, sie durften ihre Pflichten nie vergessen: Armeen erwarteten ihre Befehle, Beamte und Diplomaten in Aydindril warteten ungeduldig auf eine Audienz bei der Mutter Konfessor oder bei Lord Rahl.

Kahlan wußte, daß nicht alle versessen darauf waren, sich dem Kampf um den Frieden anzuschließen; manch einer fand Gefallen an der Tyrannei. Kaiser Jagang und seine Imperiale Ordnung würden ihnen gewiß nicht ihre Aufwartung machen.

»Irgendwann, Richard«, meinte sie leise, während sie mit dem Finger über den dunklen Stein in der feinen Goldkette an ihrem Hals strich.

Am Abend zuvor war die Hexe Shota überraschend zu ihrer Hochzeit erschienen und hatte Kahlan die Halskette zum Geschenk gemacht. Shota hatte erklärt, sie werde verhindern, daß sie ein Kind zeugten. Die Hexe besaß die Gabe, in die Zukunft zu sehen, auch wenn das, was sie sah, sich oft auf unerwartete Weise offenbarte. Mehr als einmal hatte Shota sie vor den verheerenden Folgen ihrer Elternschaft gewarnt und geschworen, ja schwören müssen, kein männliches Kind, das aus der Vereinigung von Kahlan und Richard hervorginge, am Leben zu lassen.

Im Laufe der beschwerlichen Suche nach dem Tempel der Winde hatten Kahlan und Shota sich ein wenig besser kennengelernt, und die beiden waren zu einer Art Übereinkunft gekommen. Die Halskette war ein Versöhnungsgeschenk, eine Alternative zu Shotas Absicht, ihre Nachkommen zu töten. Fürs erste hatte man sich auf einen Waffenstillstand geeinigt.

»Glaubst du, der Vogelmann wußte, wovon er sprach?«

Kahlan blinzelte in den Himmel. »Ich denke schon. Es zieht sich zu.«

»Ich meinte in bezug auf die Hühner.«

Kahlan wand sich in seinen Armen herum. »Die Hühner!« Sie sah mißbilligend in seine grauen Augen. »Er hat behauptet, es sei kein Huhn, Richard. Meiner Meinung nach hat er ein bißchen zuviel gefeiert.«

Sie konnte kaum glauben, daß er sich angesichts all der Dinge, um die sie sich zu kümmern hatten, ausgerechnet darüber den Kopf zerbrach.

Er schien ihre Worte abzuwägen, sagte aber nichts. Dunkle Schatten jagten über das wogende Gras dahin, als sich die Sonne hinter den aufquellenden Rand der hoch in den Himmel ragenden, milchig weißen Wolken mit ihrem grünlich schiefergrauen Kern verzog. Die rauhe Brise roch nach Blei und Regen.

Auf den niedrigen Felsen hinter Richard flatterte sein goldenes Cape im Wind und erregte ihre Aufmerksamkeit. Er schloß die Arme fester um sie. Es war keine liebevolle Geste.

Im Wasser bewegte sich etwas.

Ein kurzes Aufblitzen von Licht.

Vielleicht eine Spiegelung auf den Schuppen eines Fisches. Beinahe sichtbar, und dann doch wieder nicht – wie etwas, das man aus dem Augenwinkel erblickt. Ein direktes Hinsehen blieb ergebnislos.

»Was ist?« fragte sie, als Richard sie weiter nach hinten zog. »Das war doch bloß ein Fisch oder etwas Ähnliches.«

Richard stand mit einer einzigen schnellen Bewegung auf und hob dann auch Kahlan aus dem Wasser. »Oder etwas Ähnliches.«

Wasser tropfte von ihr herab. Nackt und der eiskalten Brise ausgeliefert, suchte sie bibbernd den klaren Bach ab.

»Was denn? Was war das? Was siehst du?«

Sein ebenfalls suchend über das Wasser gleitender Blick zuckte mal hier-, mal dorthin. »Ich weiß es nicht.« Er setzte sie am Ufer ab. »Vielleicht war es tatsächlich nur ein Fisch.«

Kahlan klapperten die Zähne. »Die Fische in diesen Bächen sind nicht mal groß genug, um einem in die Zehe zu beißen. Läßt du mich wieder rein ins Wasser, wenn es nicht gerade eine Schnappschildkröte war? Mir ist kalt.«

Zu seinem Verdruß mußte Richard sich eingestehen, daß er nichts erkennen konnte. Er reichte ihr eine stützende Hand, als sie ins Wasser zurückkletterte. »Vielleicht war es nur ein Schatten, der über das Wasser zog, als die Sonne hinter den Wolken verschwand.«

Kahlan tauchte bis zum Hals ein und stöhnte erleichtert auf, als die schützende Wärme sie umgab. Während sich ihre prickelnde Gänsehaut beruhigte, sah sie sich suchend auf dem Wasser um. Das Wasser war klar und frei von Pflanzen, sie konnte bis auf den kieseligen Grund sehen. Nirgendwo eine Stelle, wo sich eine Schnappschildkröte hätte verstecken können. Richard hatte zwar behauptet, da sei nichts gewesen, doch die Art, wie er das Wasser beobachtete, strafte seine Worte Lügen.

»Meinst du, es war ein Fisch? Oder willst du mir bloß Angst machen?« Sie vermochte nicht zu sagen, ob er tatsächlich etwas gesehen hatte, das ihn besorgt machte, oder ob er einfach nur übertrieben fürsorglich war. »So hatte ich mir unser behagliches Bad nicht vorgestellt. Wenn du wirklich etwas gesehen hast, sag mir, was nicht in Ordnung ist.«

Ein neuer Gedanke durchfuhr sie wie ein Blitz. »Es war doch nicht etwa eine Schlange, oder?«

Er atmete erleichtert auf und schob sein Haar nach hinten. »Ich kann nichts erkennen. Tut mir leid.«

»Bist du sicher? Sollten wir vielleicht besser aufbrechen?«

Er grinste etwas linkisch. »Wahrscheinlich machte es mich nur nervös, mit nackten Frauen in unbekannten Gewässern zu schwimmen.«

Kahlan versetzte ihm einen Stoß in die Rippen. »Geht Ihr oft mit nackten Frauen baden, Lord Rahl?«

Seine Vorstellung von Humor behagte ihr nicht unbedingt, trotzdem wollte sie sich gerade in seine schützenden Arme gleiten lassen, als er mit einem Mal aufsprang.

Kahlan war ebenfalls sofort auf den Beinen, doch Richard stieß sie zurück ins Becken. Sie war noch damit beschäftigt, hustend das Wasser auszuspucken, als er bereits nach ihren Sachen griff.

»Bleib unten!«

Er riß sein Messer aus dem Gürtel, ging angriffsbereit in die Hocke und spähte über das Gras hinweg.

»Es ist Cara.« Er richtete sich auf, um besser sehen zu können. Kahlan schaute über das Gras hinweg und erblickte einen roten Tupfer, der sich einen schnurgeraden Weg durch die grünbraune Landschaft bahnte. Die Mord-Sith stürmte durch das Gras, durchquerte spritzend die flachen Stellen in den Bächen und kam, so schnell sie konnte, auf sie zugerannt.

Richard warf Kahlan eine Decke zu, während er Caras Näherkommen verfolgte. Kahlan konnte den Strafer in ihrer Faust erkennen.

Jede Mord-Sith trug einen Strafer bei sich, eine magische Waffe, die nur bei ihr funktionierte. Er bereitete unvorstellbare Schmerzen; wenn sie dies wollte, konnte seine Berührung sogar tödlich sein.

Da die Mord-Sith genau jenen Strafer bei sich trugen, den man zu ihrer Ausbildung benutzt hatte, war es überaus schmerzhaft, ihn in der Hand zu halten – Teil des Widerspruchs, wenn man ein Schmerzgeber war. Der Schmerz war ihrem Gesicht jedoch niemals anzumerken.

Cara blieb strauchelnd stehen. Sie war völlig außer Atem. »Ist er hier vorbeigekommen?«

Die linke Seite ihres blonden, verfilzten Haars war blutverklebt, es lief ihr seitlich am Gesicht herunter. Wo sie den Strafer umklammert hielt, waren ihre Knöchel weiß.

»Wer denn?« fragte Richard. »Wir haben niemanden gesehen.«

Ihre Züge verzerrten sich vor Wut und färbten sich tiefrot. »Juni!«

Richard packte sie am Arm. »Was ist passiert?«

Cara wischte sich mit der Rückseite ihres anderen Handgelenks eine blutige Strähne aus den Augen und ließ den Blick suchend über das endlose Grasland schweifen. »Das weiß ich nicht.« Sie knirschte mit den Zähnen. »Aber ich muß ihn finden.«

Cara befreite sich aus Richards Griff, schoß davon und rief: »Zieht Euch an!«

Richard packte Kahlans Handgelenk und zog sie aus dem Wasser. Sie streifte ihre Hosen über und stürzte, hastig ein paar von ihren Kleidungsstücken aufsammelnd, Cara hinterher. Richard, immer noch damit beschäftigt, seine Hosen über die nassen Beine zu zerren, streckte seinen langen Arm aus, bekam ihren Hosenbund zu fassen und riß sie zurück.

»Was fällt dir ein?« fragte er, während er mit seiner anderen Hand noch immer versuchte, seine Hosen überzustreifen. »Du bleibst hinter mir.«

Kahlan befreite sich. »Du hast nicht mal dein Schwert dabei. Ich bin die Mutter Konfessor. Bleibt einfach hinter mir, Lord Rahl.«

Von einem einzelnen Mann drohte einer Konfessor keine große Gefahr; es gab keine Möglichkeit, sich gegen die Kraft einer Konfessor zu schützen. Ohne sein Schwert war Richard verwundbarer als sie.

Von einem Zufallstreffer mit Pfeil oder Speer abgesehen, konnte nichts die Kraft einer entschlossenen Konfessor daran hindern, einen Menschen zu überwältigen, vorausgesetzt, sie kam ihm nahe genug. Die Übertragung ihrer Kraft verband die beiden Personen mit einer Magie, die durch nichts rückgängig gemacht oder aufgehoben werden konnte.

Sie war ebenso endgültig wie der Tod. In gewisser Weise war sie der Tod.

Wer von der Kraft einer Konfessor berührt wurde, war für immer verloren. Er gehörte ihr.

Im Gegensatz zu Richard wußte Kahlan ihre Magie zu gebrauchen. Ihre Ernennung zur Mutter Konfessor war der Beweis für ihre Meisterschaft.

Ungehalten knurrend schnappte Richard sich seinen mit Taschen besetzten Gürtel vom Boden und hastete ihr schließlich hinterher. Er holte sie ein und hielt ihr im Laufen das Hemd, so daß sie ihre Arme in die Ärmel stecken konnte. Sein Oberkörper war nackt; während er seinen Gürtel einhakte, wurde ihm bewußt, daß er lediglich sein Messer bei sich hatte.

Patschend bahnten sie sich ihren Weg durch ein Vielzahl verzweigter flacher Bäche und hasteten durchs Gras, dem gelegentlich aufblitzenden Rot des Leders hinterher. Beim Durchqueren eines Bachlaufs geriet Kahlan ins Straucheln, konnte sich aber auf den Beinen halten. Richard stützte sie mit einer Hand in ihrem Rücken. Sie wußten, es war keine gute Idee, barfuß durch unbekanntes Gelände zu rennen, doch der Anblick von Caras blutverschmiertem Gesicht verbot ihnen, langsamer zu werden.

Cara war für sie mehr als eine Beschützerin, sie war ihre Freundin.

Sie durchquerten mehrere knöcheltiefe, kleine Flußläufe, zwischen denen sie sich stolpernd einen Weg durch das Gras bahnten. Zu spät, um auszuweichen, stieß Kahlan auf einen Tümpel, sprang ab und erreichte nur mit knapper Not das anderer Ufer. Richards Hand in ihrem Rücken erwies sich ein weiteres Mal als Stütze.

Während sie durch das Gras stürzten und durch offenliegende Bäche sprinteten, sah Kahlan, wie sich einer der Jäger in schrägem Winkel von links her näherte. Juni war es nicht.

Plötzlich merkte sie, daß Richard nicht hinter ihr war, und hörte im selben Augenblick seinen Pfiff. Sie blieb, auf dem rutschigen Gras leicht ausgleitend, stehen und mußte sich mit einer Hand auf dem Boden abstützen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Richard stand nicht weit hinter ihr in einem Bach.

Er schob zwei Finger zwischen die Zähne und pfiff erneut, länger, lauter, ein durchdringendes Geräusch, das immer höher wurde und die Stille über der Ebene zerriß. Kahlan sah, wie Cara und der andere Jäger sich auf das Geräusch hin umdrehten und anschließend hastig auf sie zugelaufen kamen.

Mühsam nach Atem ringend, trabte Kahlan zu Richard zurück. Er hockte, den Unterarm auf ein Knie gestützt, auf dem anderen im flachen Wasser und beugte sich über dessen Oberfläche.

Juni lag mit dem Gesicht nach unten im Bach, das Wasser bedeckte kaum seinen Kopf.

Kahlan sank neben Richard auf die Knie, strich sich das nasse Haar aus den Augen und kam allmählich wieder zu Atem, während Richard den drahtigen Jäger auf den Rücken drehte. Sie hatte ihn dort im Wasser nicht bemerkt. Die Tarnschicht aus klebrigem Schlamm und Gras, das die Jäger an ihrem Körper feststeckten, hatte den beabsichtigten Zweck erfüllt und ihn unsichtbar gemacht. Zumindest für sie.

Juni wirkte klein und zerbrechlich, als Richard ihm unter die Arme griff, um ihn aus dem eiskalten Wasser zu ziehen. Richards Bewegungen hatten nichts Hastiges, sachte legte er Juni neben dem Bach ins Gras. Kahlan konnte weder Schnittwunden noch Blut entdecken, und seine Glieder schienen alle noch an ihrem Platz zu sein. Sie vermochte es zwar nicht mit Sicherheit zu sagen, doch auch sein Genick sah nicht so aus, als wäre es gebrochen.

Selbst im Tod noch hatte Juni einen seltsam lüsternen Blick in seinen glasigen Augen.

Cara kam angerannt, stürzte sich mit einem Satz auf den Mann und hielt erst inne, als sie sah, daß seine Augen erloschen in den Himmel starrten.

Einer der Jäger kämpfte sich durchs Gras. Er atmete ebenso schwer wie Cara und hielt seinen Bogen mit der Faust umklammert. Seine Finger waren um den Schaft eines Pfeils gekrümmt und hielten ihn fest, schußbereit. Mit dem Daumen seiner anderen Hand drückte er ein Messer in die Handfläche, während er mit Zeige-und Mittelfinger den eingelegten Pfeil festhielt und die Sehne spannte.

Juni war unbewaffnet.

»Was ist mit Juni geschehen?« erkundigte sich der Jäger gebieterisch, während sein Blick die flache Landschaft nach einer Bedrohung absuchte.

Kahlan schüttelte den Kopf. »Er muß gestürzt sein und sich den Kopf aufgeschlagen haben.«

»Und sie?« Er deutete mit dem Kopf auf Cara.

»Das wissen wir noch nicht«, antwortete Kahlan, während sie zusah, wie Richard Juni die Augen schloß. »Wir haben ihn eben erst gefunden.«

»Sieht ganz so aus, als hätte er schon eine Weile hier gelegen«, meinte Cara an Richard gewandt.

Kahlan zupfte an dem roten Lederanzug. Cara ließ sich bereitwillig auf das Ufer sinken und hockte sich auf ihre Fersen. Kahlan teilte Caras blondes Haar und untersuchte die Wunde; sie sah nicht besorgniserregend aus.

»Was ist geschehen, Cara? Was wird hier gespielt?«

»Seid Ihr schwer verletzt?« fragte Richard über Kahlans Worte hinweg.

Cara machte eine wegwerfende Bewegung in Richards Richtung, protestierte jedoch nicht, als Kahlan mit der Hand kaltes Wasser schöpfte und versuchte, es über die Platzwunde an ihrer Schläfe zu träufeln. Richard riß ein Büschel Gras aus. Er tauchte es ins Wasser und reichte es Kahlan.

»Nimm das hier.«

Caras eben noch vor Zorn rotes Gesicht war mittlerweile kreideweiß geworden. »Es geht mir gut.«

Kahlan war sich da nicht so sicher, denn Cara wirkte doch etwas zögerlich. Kahlan tupfte ihr die Stirn mit dem feuchten Gras ab, bevor sie das Blut fortwischte. Cara hockte da und ließ die Behandlung über sich ergehen.

»Also, was ist passiert?« fragte Kahlan.

»Ich weiß es nicht«, meinte Cara. »Ich wollte gerade nach ihm sehen, als er schnurstracks durch einen Bach auf mich zugelaufen kam. Vornübergebeugt, so als beobachtete er etwas. Ich rief ihm etwas zu. Ich fragte, wo seine Waffen seien, machte dazu Bewegungen wie zuvor im Dorf und tat, als hätte ich einen Bogen in der Hand, um ihm zu zeigen, was ich meinte.«

Cara schüttelte ungläubig den Kopf. »Er beachtete mich überhaupt nicht, sondern ging wieder dazu über, das Wasser zu beobachten. Ich war im Glauben, er habe seinen Posten verlassen, um irgendeinen dummen Fisch zu fangen, konnte im Wasser aber nichts erkennen. Plötzlich machte er einen Satz nach vorn.« Caras Gesicht bekam mit einem Mal wieder Farbe. »Ich wollte mich gerade nach den Seiten umsehen und das Gelände prüfen, da erwischte er mich in einem unbedachten Augenblick, und mein Fuß glitt unter mir weg. Ich schlug mit dem Kopf gegen einen Stein. Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis ich das Bewußtsein wiedererlangte. Es war ein Fehler von mir, ihm zu trauen.«

»Nein, Ihr habt keinen Fehler gemacht«, widersprach Richard. »Wir wissen nicht, was er gejagt hat.«

Unterdessen waren auch die übrigen Jäger eingetroffen. Kahlan hob eine Hand, um zu verhindern, daß sie alle durcheinander fragten. Als sie verstummt waren, übersetzte sie Caras Beschreibung des Vorfalls. Sie hörten sprachlos zu. Dies war einer von Chandalens Männern. Wenn Chandalens Männer jemanden beschützten, verließen sie nicht einfach ihren Posten, um einen Fisch zu fangen.

»Ich möchte mich entschuldigen, Lord Rahl«, meinte Cara kleinlaut. »Es ist mir völlig unverständlich, wie er mich in einem so unachtsamen Augenblick erwischen konnte. Wegen eines dummen Fisches!«

Richard legte ihr besorgt eine Hand auf die Schulter. »Ich bin nur froh, daß Ihr wohlauf seid, Cara. Vielleicht solltet Ihr Euch hinlegen. Ihr seht nicht gut aus.«

»Mein Magen fühlt sich einfach wie umgekrempelt an, das ist alles. Ich ruhe mich ein paar Minuten aus, dann geht es mir wieder prächtig. Wie ist Juni ums Leben gekommen?«

»Er muß im Laufen gestolpert und hingefallen sein«, meinte Kahlan. »Mir wäre fast das gleiche passiert. Er muß sich, genau wie Ihr, den Kopf aufgeschlagen haben und ohnmächtig geworden sein. Leider lag er mit dem Gesicht nach unten im Wasser, als er das Bewußtsein verlor, und ist ertrunken.«

Kahlan wollte dies gerade den übrigen Jägern übersetzen, als Richard sich zu Wort meldete. »Das glaube ich nicht.«

Kahlan hielt inne. »Es muß so gewesen sein.«

»Sieh dir seine Knie an. Sie weisen keine Schürfwunden auf. Auch seine Ellenbogen oder Handballen nicht.« Richard drehte Junis Kopf herum. »Kein Blut, keine Striemen. Wenn er gestürzt ist und dabei das Bewußtsein verloren hat, wieso hat er dann nicht wenigstens eine Beule an seinem Kopf? Die einzigen Stellen, wo der Schlamm von seinem Körper gekratzt wurde, sind seine Nase und das Kinn, weil er mit dem Gesicht im Kiesbett des Baches lag.«

»Soll das heißen, du glaubst nicht, daß er ertrunken ist?« fragte Kahlan.

»Das habe ich nicht gesagt. Aber ich sehe nichts, was auf einen Sturz hindeutet.« Richard untersuchte den Leichnam einen Augenblick lang. »Es sieht so aus, als wäre er ertrunken, zumindest wäre das meine Vermutung. Die Frage ist, wieso?«

Die offene Ebene wirkte plötzlich sehr einsam.

Cara preßte sich das nasse Grasbüschel seitlich gegen den Kopf. »Selbst wenn er seinen Posten verlassen hat, um einen Fisch zu fangen – was schwer vorstellbar ist –, wieso hat er dann all seine Waffen zurückgelassen? Und wie ist es möglich, daß er in wenige Zentimeter tiefem Wasser ertrunken ist, wenn er nicht gestürzt ist und sich den Kopf aufgeschlagen hat?«

Leise weinend streichelten die Jäger zärtlich über Junis junges Gesicht. Richard gesellte sich voller Mitgefühl zu ihnen. »Ich würde gerne wissen, hinter was er hergejagt ist. Weshalb er diesen Blick in den Augen hatte.«

4. Kapitel

Donner rollte über das Grasland heran und hallte in den schmalen Durchgängen wider, als Richard, Cara und Kahlan das Gebäude verließen, in dem man Junis Leichnam aufgebahrt hatte, um ihn für das Begräbnis zu präparieren.

Das Gebäude unterschied sich in nichts von den anderen Gebäuden im Dorf der Schlammenschen: dicke, mit Lehm verputzte Wände aus Schlammziegeln, darüber ein grasgedecktes Dach. Allein das Seelenhaus besaß ein Ziegeldach. Sämtliche Fenster im Dorf waren glaslos, einig hatte man als Schutz gegen das Wetter mit schwerem, derbem Tuch verhängt. Da die Gebäude alle dieselbe gelblichbraune Farbe aufwiesen, fiel es nicht schwer, sich das Dorf als eine Ansammlung verlassener Ruinen vorzustellen. Hochgewachsene Kräuter, die man als Opfergaben für böse Geister zog und die in drei Töpfen auf einer niedrigen Mauer wuchsen, vermochten dem Durchgang, der in erster Linie von dem böigen Wind heimgesucht wurde, jedoch kaum etwas Lebendiges zu verleihen.

Während ihnen zwei Hühner aus dem Weg huschten, raffte Kahlan mit einer Hand ihr Haar zusammen, damit der böige Wind es ihr nicht ins Gesicht peitschte. Dorfbewohner, manche von ihnen tränenüberströmt, eilten vorüber, um sich den gefallenen Jäger anzusehen. Sie hatten Juni an einem Ort zurücklassen müssen, an dem es nach säuerlichem, nassem verfaulenden Heu stank, daher war Kahlan, ohne daß sie so recht wußte, warum, noch unwohler in ihrer Haut.

Die drei hatten gewartet, bis Nissel, die alte Heilerin, hereingeschlurft kam und den Leichnam untersucht hatte. Sie sagte, sie glaube nicht, daß das Genick gebrochen sei, auch sehe sie keine andere

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel »Soul of the Fire« bei Tor Books, New York.

Der vorliegende Roman ist bei Blanvalet bereits in zwei Bänden unter den Titeln »Die Burg der Zauberer« und »Die Seele des Feuers« erschienen.

1. Auflage Taschenbuchausgabe Januar 2009 bei Blanvalet, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House Gmbh, München.

Copyright © der Originalausgabe 1999 by Terry Goodkind

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2000 by Verlagsgruppe Random House GmbH, München Published in agreement with the author c/o Baror International, Inc., Armonk, New York, USA

Redaktion: Andreas Helweg HK Herstellung: RF Satz: deutsch-türkischer fotosatz, Berlin

eISBN 978-3-641-08243-7

www.blanvalet.de

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