Der Highlander in meinen Träumen - Sue-Ellen Welfonder - E-Book

Der Highlander in meinen Träumen E-Book

Sue-Ellen Welfonder

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Beschreibung

Eine Reise durch die Zeit, ein unwiderstehlicher Highlander und eine Liebe, die Funken schlägt

Kira Bedwell, Ermittlerin für Paranormales, hat ihr Herz an Schottland verloren - an seine rauen Highlands, seine Legenden ... und an den Mann aus ihrer Vision. Nie hätte sie geahnt, dass ihre Gabe der Weitsicht ihr einen Blick in die Vergangenheit eröffnen würde - direkt auf Aidan MacDonald, den stolzen und unverschämt attraktiven Clanführer aus dem 14. Jahrhundert. Ebenso wenig hätte sie erwartet, ihm von nun an Nacht für Nacht in sinnlichen Träumen zu begegnen.

Jahre später kehrt Kira nach Schottland zurück, um geheimnisvolle Zeitportale zu erforschen - und wird plötzlich in die Vergangenheit gerissen. Dort findet sie sich am Hof des Highlanders wieder, dem ihr Herz schon lange gehört. Auch Aidan ist überglücklich, die Frau aus seinen Träumen endlich in den Armen halten zu können. Doch während zwischen ihnen eine Liebe entfacht, die selbst die Jahrhunderte überwindet, schmieden seine Feinde ein tödliches Komplott gegen ihn. Plötzlich steht nicht nur Aidans Schicksal, sondern auch Kiras Leben auf dem Spiel ...

Eine sinnlich-romantische Zeitreise in die Highlands - voller Magie, Leidenschaft und Sehnsucht.

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Seitenzahl: 462

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

Inhalt

Grußwort des Verlags

Über dieses Buch

Titel

Widmung

Danksagung

Eine persönliche Anmerkung an die Lesenden

Zitat

Erster Prolog

Zweiter Prolog

Erstes Kapitel

Zweites Kapitel

Drittes Kapitel

Viertes Kapitel

Fünftes Kapitel

Sechstes Kapitel

Siebtes Kapitel

Achtes Kapitel

Neuntes Kapitel

Zehntes Kapitel

Elftes Kapitel

Zwölftes Kapitel

Dreizehntes Kapitel

Vierzehntes Kapitel

Fünfzehntes Kapitel

Epilog

Anmerkung der Autorin

Über die Autorin

Weitere Titel der Autorin

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Über dieses Buch

Eine Reise durch die Zeit, ein unwiderstehlicher Highlander und eine Liebe, die Funken schlägt

Kira Bedwell, Ermittlerin für Paranormales, hat ihr Herz an Schottland verloren – an seine rauen Highlands, seine Legenden … und an den Mann aus ihrer Vision. Nie hätte sie geahnt, dass ihre Gabe der Weitsicht ihr einen Blick in die Vergangenheit eröffnen würde – direkt auf Aidan MacDonald, den stolzen und unverschämt attraktiven Clanführer aus dem 14. Jahrhundert. Ebenso wenig hätte sie erwartet, ihm von nun an Nacht für Nacht in sinnlichen Träumen zu begegnen.

Jahre später kehrt Kira nach Schottland zurück, um geheimnisvolle Zeitportale zu erforschen – und wird plötzlich in die Vergangenheit gerissen. Dort findet sie sich am Hof des Highlanders wieder, dem ihr Herz schon lange gehört. Auch Aidan ist überglücklich, die Frau aus seinen Träumen endlich in den Armen halten zu können. Doch während zwischen ihnen eine Liebe entfacht, die selbst die Jahrhunderte überwindet, schmieden seine Feinde ein tödliches Komplott gegen ihn. Plötzlich steht nicht nur Aidans Schicksal, sondern auch Kiras Leben auf dem Spiel …

Sue-Ellen Welfonder

Der Highlander in meinen Träumen

Aus dem Englischen von Myra Frost

In liebevollem Gedenken an meine Schwiegermutter Annegrete. Gütig und sanftmütig war sie das Herz und die Seele ihres Hauses, geliebt von allen, die sie kannten. Sie war die Schwiegermutter, die ich mir für jede Braut wünschen würde, und ich fühle mich gesegnet, dass sie meine war.

Danksagung

Dieses Buch wurde ursprünglich von Penguin NAL veröffentlicht. Vielen Dank an meine damalige Lektorin Anne Bohner. Wir hatten eine großartige Zeit zusammen, und ich werde ihr immer dankbar sein für ihre Einsicht und ihren Enthusiasmus und vor allem für ihr gutes Herz. Mein Dank gilt auch den Lesern und Rezensenten, die dieses Buch bei seiner Erstveröffentlichung geliebt haben. Ich hoffe, Sie werden die Geschichte erneut genießen.

Eine persönliche Anmerkung an die Lesenden

Bitte beachtet, dass dies ein fiktives Werk ist und nicht die kalte, harte Realität widerspiegeln soll. Die folgenden Seiten enthalten Fantasy-Elemente wie keltische Mythen und Legenden, die Gabe der Weitsichtigkeit (die Fähigkeit, in die Vergangenheit zu blicken), Zeitreisen, Geister, Hochlandmagie und so weiter. Daher ist eine gewisse Vorstellungskraft erforderlich. Außerdem stammt diese Geschichte aus einer Zeit, in der es noch keine Dinge gab, die ich manchmal als moderne Unannehmlichkeiten empfinde. Ihr werdet also auf Erinnerungen an diese Zeit stoßen, wie etwa Wecker, Anrufbeantworter, Bordkarten aus Papier, die berühmten roten Telefonzellen im Vereinigten Königreich, altmodische Landkarten anstelle von GPS-Autonavigationssystemen, keine Smartphones und so weiter. Natürlich hätte ich die modernen Elemente hinzufügen können, aber ich habe mich dafür entschieden, die Geschichte in der langsameren Welt zu belassen, in der sie entstanden ist. Da dies ein Liebesroman ist, gibt es auch Liebesszenen. Diese Szenen sind explizit und anschaulich. Da es sich um einen von mir geschriebenen Liebesroman handelt, enthält die Geschichte weder das F-Wort noch andere Obszönitäten. Sie beinhaltet heiße Highlander, die Herrlichkeit der berühmten schottischen Isle of Skye, Schwertkämpfe, meine tiefe Liebe zu Schottland und Orte, die für mich von großer Bedeutung sind. Einige Ortsnamen wurden geändert, aber auch diese sind real. In dieser Geschichte geht es vor allem darum, seine Träume zu verwirklichen und eine Liebe zu finden, die stark genug ist, um die Zeitalter zu überdauern. Die reale Welt findet sich auf den Seiten dieses Buches nicht wieder, nur ein Abbild dessen, wie ich mir die Welt wünsche. Ich hoffe, Ihr werdet die Zeit dort genießen.

Ich wünsche Euch Hochlandzauber,

Sue-Ellen Welfonder

»Die Zeit spielt keine große Rolle in den Highlands, einem magischen Ort von malerischer Schönheit, verlockend und verführerisch, an dem man leicht glauben kann, dass die ferne Vergangenheit erst gestern war. Das Ferne und längst Vergangene ist nicht verloren, sondern wartet darauf, von denen entdeckt zu werden, die Augen haben, um es zu sehen.«

~ Wee Hughie MacSporran, Historiker, Geschichtenerzähler und Bewahrer der Tradition.

Erster Prolog

Castle Wrath

Isle of Skye 1315

»Möge der Teufel ihn kochen, bis er Blasen wirft.«

Aidan MacDonald, ein stolzer Highland-Chieftain, schritt auf dem Wehrgang seiner Klippenfestung umher, Wut pochte in ihm, Unglaube und Empörung befeuerten sein Blut.

Wildes Blut, leicht erhitzbar, denn er stammte von einer langen Reihe furchtloser Nordmänner sowie von den alten Chieftains des großen Donald-Clans ab, einem Schlag von Männern, die auf den Hebriden und darüber hinaus berühmt und geachtet waren. Er war ein mächtiger Mann, der glaubte, dass die Highlander allen Menschen ebenbürtig und den meisten überlegen seien, und er machte eine imposante Figur gegenüber dem glitzernden Wasser, das sich unter ihm erstreckte.

Mit seinen über eins neunzig und seiner rauen Hochlandpracht war er ein Riese unter den Menschen, der überall, wo er hinkam, die Blicke auf sich zog und Ehrfurcht einflößte. Gerade jetzt, mit seinem dunklen, vom Wind zerzausten Haar, das so schimmerte wie das große Schwert an seiner Seite und seinen leuchtenden Augen, schien die Luft zu flimmern und sich vor ihm zu teilen. An einem schönen Tag waren gewiss nur wenige Männer kühn genug, ihn herauszufordern. An einem Tag wie diesem würde nur ein Narr es wagen.

Aidan von Wrath hatte den Ruf, ein Wilder zu werden. Vor allem, wenn die, die er liebte, bedroht wurden.

Und heute Morgen wollte er Blut sehen.

Genauer gesagt, das Blut seines Cousins Conan Dearg.

»Verflucht sei der Feigling!« Er drehte sich um und starrte seinen guten Cousin Tavish an. »Ich werde dafür sorgen, dass die Weichteile des Bastards an die Wölfe verfüttert werden. Was Euch betrifft«, er warf einen Blick auf den wortkargen bärtigen Boten, der ein paar Meter entfernt an der Brüstung stand, »wenn Ihr uns Euren Namen nicht verraten wollt, dann würde ich gern hören, ob Ihr wisst, was auf diesem Pergament steht?«

Aidan machte einen Schritt auf ihn zu, seine Finger umklammerten das verdammte Schriftstück. »Und?«

Der Bote reckte sein Kinn vor, seine Augen waren kalt und abweisend.

»Vielleicht ist eine Erinnerung angebracht?« Aidans Stimme war so eisig wie der Ausdruck des Mannes. »Seht Ihr, dieses Schreiben ist mit Anweisungen bekritzelt, die meinen Tod bedeutet hätten. Meinen eigenen und den jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes in meinem Clan.«

Wäre die Schriftrolle an den vorgesehenen Empfänger und nicht versehentlich an ihn geliefert worden.

Wütend ließ er seinen Blick über die aufgewühlte See zu den steilen Klippen der nahe gelegenen Wrath Isle schweifen, deren schwarz glitzernde Wellenbrecher von Gischt umspült wurden. Er ballte die Hände zu Fäusten, die Augen auf die hohen, weiß gekrönten Wellenkämme gerichtet, die an den Felsen zerschellten.

Er würde sich nicht so leicht brechen lassen.

Dieses Mal war Conan Dearg zu weit gegangen.

Er wandte sich wieder dem Boten zu. »Wie viele der Männer meines Cousins wussten von diesem Komplott?«

»Ist das wichtig?« Der Mann sprach endlich, und die Arroganz troff ihm aus den Poren. »Ihre Namen zu hören ändert nichts. Alle auf diesen Inseln wissen, dass Ihr geschworen habt, niemals das Blut eines Verwandten zu vergießen.«

»Er spricht die Wahrheit.« Tavish ergriff seinen Arm und sprach leise. »Conan Dearg ist dein Cousin, genau wie ich. Er …«

»Conan Dearg hat alle Verbindungen zu diesem Haus abgebrochen, als er versuchte, unsere Ermordung zu arrangieren.« Aidan zerknüllte das Pergament in seiner Hand, seine gerollte Oberfläche wirkte beinahe lebendig. Böse. »Wenn man bedenkt, dass er plante, uns die Kehle durchzuschneiden, während wir an seiner Tafel sitzen, Gäste eines Festes, das uns zu Ehren veranstaltet werden sollte!«

Er stand fest, breitbeinig und mit zurückgezogenen Schultern, der Saum seines Plaids flatterte im Wind. »Ich kann es nicht auf sich beruhen lassen, Tavish. Diesmal nicht.«

»Wir können ihn auf Wrath Isle aussetzen. Auch seinen Mann, wenn er sich weigert zu sprechen.« Tavish warf einen Blick auf die zerklüftete Felswand der nahe gelegenen Insel. »Mit den Gezeiten und den Riffen, die die Insel umgeben, würden sie niemals entkommen. Es ist der wohl höllischste Ort, den eine Seele in dieser Gegend finden könnte.«

Aidan schüttelte den Kopf. Er kannte die Wrath Isle, ein vom Meer umspültes Höllenloch, das an diesem schönen Morgen genauso böse aussah wie an einem kalten Nachmittag mit dichtem, grauem Nebel. Doch der düstere Schein der Insel täuschte. Mit List konnte ein Mann dort überleben.

Das war nicht der richtige Ort für Conan Dearg.

Er holte tief Luft, und heiße Galle stieg ihm in die Kehle.

»Auf der Insel würde er nicht viel finden.« Tavish spuckte über die Brüstung, die Geste sprach für sich. »Auch keine Frauen.«

Aidan warf ihm einen Blick zu, sein Stirnrunzeln vertiefte sich.

Das hübsche Gesicht von Conan dem Roten blitzte vor ihm auf, sein strahlendes Lächeln so falsch wie der Tag lang war. Ihm mangelte es nicht an Statur, Charme oder Arroganz, er war ein Mann, der Frauen den Kopf verdrehte und ihre Herzen gewann.

Auch die Männer fielen seiner Angeberei und seinem großspurigen Auftreten leicht zum Opfer.

Törichte Männer.

So wie er es auch gewesen war. Aber jetzt nicht mehr.

Wut schnürte seine Brust zu, und er wandte sich wieder an den Boten. »Ich frage Euch erneut – wie viele Männer meines Cousins wussten von dieser Niedertracht?«

Der Mann rieb sich den Nacken, sein Gesicht wirkte streitlustig.

Er sagte nichts.

Aidan knackte mit den Fingerknöcheln. »Vielleicht wird ein Aufenthalt in meiner Wassergrube Eure Zunge lockern? Es ist ein alter stillgelegter Brunnen, dessen Schacht für die Gezeiten offen ist. Stärkere Männer als Ihr haben ihre Geheimnisse nach einer Nacht in seinen salzigen Tiefen ausgeplaudert.«

»Zuerst sehe ich Euch in der Hölle.« Mit blitzendem Stahl riss der Mann einen Dolch aus einer Falte seines Umhangs und stürzte sich auf ihn. »Grüßt den Teufel von mir …«

»Grüße ihn selbst!« Aidan packte das Handgelenk des Mannes und schleuderte ihn über die Brüstung, noch bevor ihm der Dolch aus den Fingern glitt.

Aidan schnappte ihn sich und warf ihn hinterher, ohne darauf zu achten, wo Mann oder Dolch landeten. Ob im Meer oder auf den Felsen, das Ergebnis war das gleiche.

Neben ihm hustete Tavish. »Und Conan Dearg?«

Aidan wischte sich die Hände an seinem Plaid ab. »Eine Gruppe von Kriegern soll sofort aufbrechen. Schick sie zu seiner Burg. Bis ans Ende der Welt, wenn es sein muss. Ich will, dass er gefunden und lebendig hierhergebracht wird.«

»Lebendig?« Tavishs Augen weiteten sich.

»Wie ich es gesagt habe«, bestätigte Aidan. »Aus Rücksicht auf unsere Verwandtschaft – und meinen Schwur – werde ich sein Leben nicht beenden. Die Entscheidung kann er selbst treffen, wenn er der Annehmlichkeiten meines Kerkers und einer Diät aus gepökeltem Rindfleisch und Salzwasser überdrüssig ist.«

»Gepökeltes Rindfleisch und Salzwasser?«, wiederholte Tavish wieder, und Verständnis machte sich auf seinen Zügen breit. »Von so etwas kann kein Mensch nicht lange leben. Wenn er nicht vor Hunger stirbt, wird ihn der Durst in den Wahnsinn treiben.«

»Aye, so wird es sein.« Aidan nickte und verspürte nicht den geringsten Anflug von Gewissensbissen.

»Und«, er nahm Tavishs Arm und führte ihn von den Zinnen, »wir werden ein Festmahl geben, um die Gefangennahme des Feiglings und die Vereitelung seines Plans zu feiern. Sieh zu, dass der Koch Vorbereitungen trifft.«

Tavish nickte kurz, als sie in den Schatten des Treppenturms traten. »Wird erledigt.«

»In der Tat, das wird es«, stimmte Aidan zu.

In dem Moment, in dem er den Riegel von Conan Deargs Zelle zuschob, würde er seinen Clan mit der rauschendsten Feier beglücken, die Castle Wrath je gesehen hatte. Ein üppiges Fest, bei dem weder an Köstlichkeiten noch an ausgelassenen Feiernden gespart wurde. Mit frei fließendem Bier und Frauen, die ebenso großzügig mit ihren Reizen umgingen, würde er es zu einer denkwürdigen Nacht machen.

Für immer.

Zweiter Prolog

Isle of Skye

Viele Jahrhunderte später …

Nur wenige Monate nach ihrem achtzehnten Geburtstag und in der unwahrscheinlichen Umgebung eines überfüllten Touristenbusses hatte sich Kira Bedwell verliebt.

In Schottland.

Leidenschaftlich, unwiderruflich und unsterblich verliebt.

Es war keine Liebe, wie man sie einem strammen, Kilt tragenden Hünen mit Kinngrübchen und funkelnden Augen gegenüber empfinden würde. Einem kräftig gebauten keltischen Riesen, der eine Frau zwanzig Schritte entfernt zum Schmelzen bringen konnte, indem er einfach nur das Alphabet in seinem wohlklingenden, butterweichen Akzent aufsagte.

Oh nein. Das hätte die Dinge zu einfach gemacht.

Kira-immer-den-harten-Weg-wählende-Bedwell hatte sich in das Land verliebt.

Nun, in das Land und in ein paar ausgewählte geheime Fantasien. Köstliche Fantasien, die ihr Herz zum Klopfen brachten und ihre Zehen kribbeln ließen. Die Art von Dingen, die ihre Eltern dazu gebracht hätten, jeden Cent zu bereuen, den sie für ihre Abschlussreise nach Schottland ausgegeben hatten.

Das Land ihrer Träume.

Ein Ort, der weibliche Sehnsüchte weckte und anfachte, wenn es denn welche gab. Ihre eigenen Sehnsüchte brodelten schon so lange in ihr, wie sie sich erinnern konnte – die in Schottenkaro gekleideten Fantasien, die durch die farbenfrohen Erzählungen ihrer einstigen schottischen Nachbarn ausgelöst worden waren. Die MacIvers waren weggezogen, aber der Zauber ihrer Geschichten blieb Kira erhalten, ebenso wie ihre Träume von nebligen Hügeln, heidnischen Mooren und kühnen, Schwerter schwingenden Männern.

Stirnrunzelnd schlug sie die Beine übereinander und starrte aus dem Fenster, wobei ihr das Bild eines kräftigen, wilden Highlanders, der über das ungezähmte, mit Heide bedeckte Land zog, ein wenig zu plastisch erschien.

Sie drückte eine Hand auf ihr Herz und beschloss, das Flattern in ihrem Bauch zu ignorieren. Prickelnde kleine Schwindelgefühle, die sie jedes Mal durchzuckten, wenn sie sich vorstellte, wie ein solcher Mann aus dem Nebel auftauchte, um sie zu erobern. Ihr Puls beschleunigte sich, und sie brauchte ein paar langsame, tiefe Atemzüge, um sich zu beruhigen. Erstaunlich, was der Gedanke an einen glutäugigen, gut aussehenden Mann in voller Highland-Kleidung in einem Mädchen auslösen konnte.

Vor allem, wenn ein solcher Mann darauf aus war, eine Frau zu seiner zu machen.

Welche heißblütige Frau könnte einem Highlander mit einem wölfischen Lächeln und einer so honigsüßen Zunge widerstehen, dass jedes seiner Worte wie ein Traum durch sie hindurchglitt?

Ein solches Schicksal würde ihr überhaupt nichts ausmachen.

Tatsächlich würde sie es begrüßen.

Aber die einzigen Männer in Kilt, denen sie bisher auf ihrer Reisebus-Tour durch die schottischen Highlands begegnet war, waren über sechzig. Jeder von ihnen war uralt, auch wenn er mit einem tiefen, knochenschmelzenden Timbre sprach. Sie streckte die Beine aus, ihre Frustration war zwar nur minimal, aber definitiv vorhanden. Kein einziger der über sechzigjährigen Kavaliere hatte hübsche Knie gehabt.

Geschweige denn sexy Waden.

Was das Ausfüllen ihrer Kilts anbetraf …

Nicht der Rede wert.

Sie runzelte wieder die Stirn und rutschte auf ihrem Sitz hin und her. Ein schöner Fensterplatz, den sie nicht aufgeben wollte. Nicht, nachdem sie sich an den letzten drei Fotostopps geweigert hatte, den Bus zu verlassen, nur um zu verhindern, dass ihr jemand den Platz wegschnappte.

Schließlich war dies Eilean a’Cheó, die Insel des Nebels. Besser bekannt als Skye, und einer der Höhepunkte der Tour. Ein schnell verschwindender Höhepunkt, denn heute war der einzige komplette Tag auf der nebligen Insel, und sie wollte nicht einen Moment verpassen.

Keinen einzigen Herzschlag.

Keinen einzigen kostbaren Blick aus ihrem hart erkämpften Fenster.

Mit einem seltsamen Gefühl von Nostalgie und Romantik, das wieder in ihr aufstieg, drehte sie sich von der Chips mampfenden Frau neben ihr weg und drückte ihre Stirn gegen das Fensterglas. Wer brauchte schon Paprikachips und Diätlimonade, wenn man die wunderbare Weite von Eilean a’Cheó verschlingen konnte?

Gerade fuhren sie auf der einspurigen Straße, die sich an die Klippen schmiegte, nach Norden durch das Herz von Trotternish, eine Landschaft aus Felsen, Meer und strahlend blauem Himmel, die fast zu herrlich war, um wahr zu sein.

In der Tat sollte das Verschlingen von Junkfood angesichts dieser wilden, natürlichen Schönheit verboten sein.

Sie wusste es besser.

Sie schätzte die Aussicht.

Die glitzernden Buchten mit ihren Felsen und Gezeitentümpeln, die schwarzköpfigen Schafe, die auf den grünsten Weiden grasen, die sie je gesehen hatte. Glänzendes Meer von tiefstem Blau und dunkle, zerklüftete Küstenlinien. Klippen, Höhlen und verfallene Bauernhöfe, feuergeschwärzte Steine, die ihr Herz berührten.

Kira blinzelte. Unerwartete Emotionen stachen ihr in die Augen und drohten ihre Sicht verschwimmen zu lassen. Sie berührte mit den Fingern die Fensterscheibe und wünschte sich, sie könnte die kühle Frühlingsluft spüren, der Busfahrt entkommen und durch das Gestrüpp und das verblühte Heidekraut rennen, bis sie auf dem Gras neben einem glitzernden, dahinfließenden Bach zusammenbrach.

Die Frau neben ihr berührte ihren Ellbogen und bot ihr Chips an. Kira schüttelte unverbindlich den Kopf und lächelte höflich. Sie würde später etwas essen, wenn sie am Kilt Rock anhielten, um ein Picknick zu machen.

Im Moment wollte sie nur die Aussicht genießen. Sie brannte die Eindrücke in ihr Gedächtnis ein, um sie nach Belieben abrufen zu können, wenn die Tour endete und sie nach Pennsylvania zurückkehrte und ihre neue Liebe zurückließ.

Die MacIvers hatten recht gehabt. Sie hatten geschworen, dass niemand einen Fuß in ihre Heimat setzen könne, ohne sein Herz an den Nebel und die Schlösser Schottlands zu verlieren. An den wilden Klang der Dudelsäcke und die leuchtenden Farben der Plaids. Sie hatte sich wirklich schwer verliebt. Wahnsinnig verliebt, wie ihre Schwestern sagen würden.

Wahnsinnig verliebt in Schottland.

Und wahnsinnig genervt vom ständigen Dröhnen der Stimme des Reiseleiters.

Eine tiefe und angenehme Highland-Stimme, die sie sicherlich ansprechend gefunden hätte, wenn der Sprecher nicht so ein Langweiler gewesen wäre. Sie blickte ihn an, dann schnell wieder weg. Dass er der einzige Schotte im Kilt zu sein schien, der in ihrem Alter war, machte es nur noch schlimmer.

Er hatte rosige Wangen, war rothaarig und pummelig und erinnerte stark an einen riesigen Teddybären im Tartan.

Sie lehnte sich gegen die Rückenlehne und stieß einen frustrierten Atemzug aus. Falls sie sich auf dieser Tour irgendwelche Illusionen über eine Romanze gemacht hatte, war Wee Hughie MacSporran nicht ihr Mann. Auch wenn sein Beiname »Wee« etwas Kleines versprach, war nun wirklich nichts Zierliches an ihm.

»… der alte Sitz der MacDonalds von Skye, Castle Wrath, steht leer, seine einst mächtigen Mauern sind zerfallen und still.« Der Fremdenführer sprach weiter, bis er endlich etwas sagte, das ihre Aufmerksamkeit erregte.

Sie setzte sich auf und spitzte die Ohren.

Castle Wrath hörte sich interessant an.

Sie konnte sich für zerfallene Mauern begeistern. Vor allem, wenn sie still waren, beschloss sie und versuchte zu ignorieren, dass ihre Sitznachbarin gerade eine zweite Tüte Chips öffnete.

»Manche sagen, dass es in Castle Wrath spukt«, fuhr Wee Hughie fort und schien die knisternden Chips-Tüten nicht zu bemerken. Tatsächlich schwoll seine Brust ein wenig an, als er sich umsah, um die Wirkung seiner Worte zu beobachten. »Natürlich sind die Wände blutbefleckt, jeder Stein erinnert an die Vergangenheit. An die turbulente Geschichte der alten Krieger-Chieftains, die einst dort wohnten.«

Er hielt inne und wies auf die Ruine auf der Klippe, sichtlich erfreut über den angehaltenen Atem der Reisegruppe. Über ihre anerkennenden »Ohs« und »Ahs«.

Auch Kira war ein »Oh« entwichen.

Sie konnte nicht anders. Castle Wrath, oder das, was von ihm übrig war, sah genauso dunkel und geheimnisvoll aus, wie Wee Hughie es beschrieben hatte, und hob sich deutlich vom Meer und Himmel ab.

Sie zitterte plötzlich, rieb sich die Arme und kuschelte sich tiefer in ihre Jacke. Seit sie in Schottland angekommen war, hatte sie schon viele Burgruinen gesehen, aber diese hier ließ sie den Atem anhalten.

Sie war anders.

Romantisch.

Auf eine gespenstisch köstliche Art und Weise.

Wieder fröstelte sie, ein ganzer Schwall von Schauern lief ihr über den Rücken. Die einsame Ruine übte eine Anziehungskraft auf sie aus, die sie sich nicht erklären konnte.

Sie riss ihren Blick von ihr los und wandte sich wieder dem Reiseleiter zu, denn sie wollte nun kein Wort mehr von ihm verpassen.

»Castle Wrath war ursprünglich eine piktische Festung«, erklärte er der Gruppe. »Ein Dun. Diese erste Festung wurde von einfallenden Nordmännern eingenommen, bis sie ihrerseits von den Lords of the Isles vertrieben wurden.« Er blickte sich erneut um und brachte seine Stimme zum Klingen. »Diese frühen MacDonalds waren wild und mächtig. Ihre Herrschaft entlang der Westküste Schottlands war absolut.«

Er hielt inne, seine Hände umklammerten die grüne Vinyltasche, von der Kira wusste, dass sie seine Notizen über schottische Geschichte und Überlieferungen enthielt.

Er sah aus, als wolle er dieses Wissen weitergeben und räusperte sich. »Tiefe Rillen in den Felsen des Landungsstrandes der Burg zeugen von der Seetüchtigkeit der MacDonalds, denn man nimmt an, dass die Rillen durch die Buge zahlloser MacDonald-Galeeren verursacht wurden, die an die Küste gezogen wurden. Diese furchtlosen Männer waren es, die die neue Burg errichteten, und es sind ihre Geister, deren Tritte, Schläge und Flüche man heute noch hören kann.

»Hast du die Bohnenstange unseres lieben Hughies gesehen?«

Kira blinzelte. »Bohnenstange?«

Sie schaute ihre Sitznachbarin an und war sich sicher, dass sie etwas falsch verstanden hatte.

Aber die Frau nickte, ihren Blick auf Wee Hughie gerichtet. »Sie ist ziemlich beeindruckend.«

Kira konnte spüren, wie ihr die Kinnlade herunterfiel. Sie hatte zwar noch nicht so viele nackte Männer gesehen, aber genug, um zu wissen, dass Wee Hughies bestes Stück der einzige Teil seiner Anatomie war, der dem »Wee« gerecht wurde. Sie hatte einen Blick auf seinen Hochlandstolz erhascht, als einige der Besucher ihn in Bannockburn fotografiert hatten. Er posierte neben der berühmten Statue von König Robert Bruce und sah durchaus königlich aus, bis ein unpassender Windstoß verriet, was ein echter Schotte unter seinem Kilt trug – oder eben nicht.

Ein Windstoß, der Wee Hughie MacSporran alles andere als beeindruckend erscheinen ließ.

Bei der Erinnerung daran zuckte sie zusammen und warf ihm einen Blick zu. »Ich denke nicht, dass beeindruckend das Wort ist, …«

»Er stammt von den MacDonalds ab, den Lords of the Isles«, schwärmte Kiras Sitznachbarin und stupste sie mit dem Arm an, um ihre Worte zu betonen. »Vom großen Somerled selbst. Ich kenne Ahnenforscher in der Heimat, die für solch illustre Vorfahren ihre Farm verkaufen würden.« Sie hielt inne, drückte eine Hand auf ihre Brust und seufzte. »Er trägt einen Ausdruck seines Stammbaums in seiner grünen Tasche mit sich. Er reicht zweitausend Jahre zurück.«

»Oh.« Kira hoffte, dass die andere Frau ihren Fehler nicht bemerkt hatte. Sie hatte den Stammbaum des Reiseleiters vergessen. Seinen angeblichen Anspruch auf adelige Wurzeln.

Kira glaubte ihm kein einziges Wort.

Jeder Nachkomme von Robert Bruce und anderen historischen Größen wäre sicherlich verwegen und kühn, mit dunklen, blitzenden Augen voller Hitze und Leidenschaft. Schön auf eine wilde, raue Art. Sündhaft sexy. Eher muskulös als wohlbeleibt – und definitiv besser bestückt.

Sie wälzte sich auf dem Sitz hin und her und war sich sicher, dass sich ihre Wangen röteten.

Sie war sich auch sicher, dass sie nicht mit dem von sich selbst überzeugten MacSporran und der Reisegruppe am Kilt Rock picknicken würde. Wie von einer Kraft angezogen, der sie nicht widerstehen konnte, starrte sie durch das Busfenster auf die Ruine, die so präsent auf der Spitze der Klippen thronte. Kühne Männer, mächtig und stark, hatten die romantische Ruine ihr Eigen genannt, und wenn ihr Echo dort noch nachhallte, wollte sie es finden.

Oder zumindest ihr Lunchpaket in der Einsamkeit genießen.

Weit weg von Kartoffelchips-Essern und aufgeblasenen Pfauen.

Der Bus könnte sie später abholen. Wenn sie den Fahrer dazu überreden könnte, ihr das zu gönnen.

Entschlossen wie sie war, sprach sie ihn wenig später beim nächsten obligatorischen Fotostopp am Straßenrand an. Der sympathische Mann, der etwa so alt war wie ihr Vater, drehte sich um, als er sie bemerkte, und sein Lächeln verblasste beim Anblick des Lunchpakets in ihrer Hand.

»Es tut mir leid, Mädchen, aber du wirst hier keine Zeit haben, das zu essen.« Er schüttelte den Kopf. »Nicht, wenn wir auf dem Weg nach Kilt Rock die Handwerks- und Kunstläden erreichen wollen.«

»Ich bin nicht an Kunsthandwerk interessiert.« Kira kam direkt zum Punkt, bevor sie den Mut verlor. »Ich würde lieber hier picknicken als am Kilt Rock.«

»Hier?« Die Augenbrauen des Busfahrers schossen in die Höhe. Er betrachtete das verklumpte Gras am Straßenrand und den torfigen kleinen Bach nicht weit von dort, wo sie standen. »Hast du eine Ahnung, wie viel Schafdung hier verstreut ist? Och, nae, hier ist kein Platz für einen Mittagsstopp.«

Er war sich seiner Sache sicher und blickte zu den anderen Reisenden, von denen einige bereits wieder in den Bus stiegen. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand aus dieser Gruppe hier picknicken will.«

»Ich habe nicht die anderen gemeint.« Kira ergriff ihre Chance. »Ich habe nur an mich gedacht. Und nicht hier an der Straße«, fügte sie hinzu und warf einen wehmütigen Blick in Richtung Castle Wrath. »Ich würde gern ein oder zwei Stunden bei den Ruinen verbringen. Dort zu Mittag essen und ein bisschen auf Erkundungstour gehen.«

Sie schaute den Busfahrer an und schenkte ihm ihr hoffnungsvollstes Lächeln. »Es wäre der Höhepunkt meiner Reise. Etwas Besonderes, das ich für immer in Erinnerung behalten würde.«

Der Fahrer starrte sie einige Augenblicke lang an und rieb sich mit dem Handrücken über das Kinn. Er sagte nichts, aber der Blick, den er ihr zuwarf, war nicht gerade ermutigend.

»Sie könnten mich auf dem Rückweg nach Portree abholen.« Kira sprudelte die Worte heraus, bevor er Nein sagen konnte. »Zwei Stunden ist alles, was ich verlange. Mehr, wenn Sie die Zeit brauchen, um mich abzuholen. Das Warten würde mir nichts ausmachen.«

»In dieser Ruine spukt es wirklich«, warnte er sie. »Wee Hughie hat nicht gelogen. Es sind dort schon seltsame Dinge passiert. Der Ort ist wahrlich gefährlich. Es ist keine dieser schicken historischen Stätten, die vom National Trust verwaltet werden.«

Er blickte sie mit stechend blauen Augen an. »Alles in Wrath steht noch so, wie es war, unberührt von Menschenhänden über die Jahrhunderte hinweg. Och, nae, da kannst du nicht hingehen. Die Klippe ist durchzogen von unterirdischen Tunneln, Treppen und Räumen, von denen vieles bereits ins Meer gestürzt ist.«

»Oh bitte«, flehte Kira, die das Gefühl hatte, als würden die alten Steine tatsächlich nach ihr rufen. »Ich werde vorsichtig sein. Ich verspreche es.«

Der Busfahrer verzog das Gesicht, und Kiras Herz schlug schneller, als er auf seine Uhr sah. »Komm, Mädchen. Denk mit deinem Kopf, nicht mit deinem Herzen. Wir besichtigen morgen früh Dunvegan Castle, bevor wir nach Inverness fahren. Dunvegan wird dir viel besser gefallen. Es ist möbliert und hat einen Geschenkeladen …«

»Deshalb ist Castle Wrath auch so besonders.« Kiras Kehle schnürte sich zu, weil sie unbedingt zu den Ruinen wollte. »Es ist nicht von Touristen überlaufen und überrannt. Nicht so verwöhnt wie andere Burgen.« Sie hielt inne, um Luft zu holen. »Meine Eltern haben ein Jahr lang Überstunden gemacht, um mir diese Reise zu ermöglichen, und ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder hierhin zurückzukehren. Ein weiterer Besuch in Schottland ist in meinem Budget nicht vorgesehen.«

Der Fahrer grunzte. Dann stieß er gegen ein Büschel Heidekraut, sein Zögern gab ihr Hoffnung.

»Auf meinen Touren ist noch nie jemandem etwas passiert.« Er sah sie an und runzelte besorgt die Stirn. »Ein falscher Schritt da draußen, und du findest dich in einer unterirdischen Kammer wieder, vielleicht stehst du sogar am Rand der Klippe, die Erde bricht unter deinen Füßen weg, und du fällst direkt ins Meer hinunter.«

»Mir wird nichts passieren.« Kira hob ihr Kinn und umklammerte das Lunchpaket fester. »In der Nähe des Hauses meiner Großeltern gab es verlassene Kohleminen. Ich weiß, dass man bei solchen Gefahren vorsichtig sein muss«, sagte sie, ohne zu erwähnen, dass ihre Großeltern sie bei lebendigem Leib gehäutet hätten, wenn sie sich in die Nähe einer der Minen gewagt hätte.

»Außerdem«, sagte sie selbstbewusst, »kann sich jeder, der es gewohnt ist, in der Innenstadt von Philadelphia herumzulaufen, in den schottischen Burgruinen umsehen.«

»Ach, na ja.« Der Fahrer stieß einen resignierten Seufzer aus. »Es ist mir immer noch nicht recht. Überhaupt nicht.«

Kira lächelte. »Ich werde Ihnen keinen Grund zum Bedauern geben. Wee Hughie auch nicht.«

»Wir müssten zweimal umkehren, um dich zu holen«, sagte er und rieb sich erneut das Kinn. »Von Kilt Rock geht es direkt nach Portree. Die anderen wollen vielleicht nicht …«

»Ich werde es wiedergutmachen!«, rief Kira, und ihr Herz schlug höher. »Ich werde nie wieder zu spät zum Bus kommen und ich verspreche, in den Buchläden nicht nach mehr Zeit zu fragen.«

»Sei einfach vorsichtig.« Er sah sie an, die Stirn immer noch gerunzelt. »Wrath ist ein seltsamer Ort, so wahr ich hier stehe. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn dir etwas zustoßen würde.«

Dann schritt er davon und trieb seine Schützlinge in den Bus, als bräuchte er eine schnelle Abfahrt, damit er seine Meinung nicht änderte.

Das war gar nicht so abwegig, da war sie sich sicher.

Sie atmete erst auf, als der große blau-weiße Bus von Highland Coach Tours davonrauschte und schließlich um eine Kurve verschwand.

Endlich allein, erlaubte sie sich einen zweifelnden Blick auf die nächstgelegenen Schafherden, weil sie sich sicher war, dass diese plötzlich größer und zahlreicher geworden waren. Aber sie fasste sich ebenso schnell wieder, straffte die Schultern und hob das Kinn. Sie machte sich bereit für den langen Marsch über das grasbewachsene Feld zu den Ruinen.

Die Wahrheit war, dass sie sich so nah an Castle Wrath durch nichts davon abhalten lassen würde.

Sicherlich nicht durch Schafsköttel.

Sie hatte Augen im Kopf und würde einfach aufpassen, wo sie hintrat.

Außerdem waren die vielen Mutterschafe und Lämmer, die überall herumtollten, niedlich. Einige drehten sich sogar zu ihr um, um sie anzustarren, als sie vorbeiging. Ihr blökender Gruß unterschied sich so sehr von den Straßengeräuschen in Aldan, Pennsylvania.

Es war so perfekt in dieser ruhigen Welt aus Hügeln, Wolken und Nebel.

Nebel?

Sie blinzelte. Sie hatte gehört, wie schnell sich das Wetter im Hochland ändern konnte, aber das war absurd.

Sie blinzelte erneut, aber der Nebel blieb.

Der Tag hatte sich definitiv verdunkelt und war nicht mehr ganz so einladend.

Sie warf einen Blick über die Schulter und suchte die Straße hinter sich ab, aber der Himmel in dieser Richtung war so klar und strahlend blau wie zuvor. Gemütlich aussehende Schwaden von Torfrauch stiegen immer noch aus dem Schornstein eines schottischen Bauernhauses auf, nicht weit von der Stelle, wo der Bus geparkt hatte, und wenn das Meer noch stärker glitzerte, würde sie eine Sonnenbrille brauchen.

Nur Castle Wrath war in Schatten getaucht, seine unheimliche Silhouette lag stumm über dem Wasser, das jetzt die Farbe von kaltem, dunklem Schiefer hatte. Niedrige graue Wolken zogen vom Meer heran, und ihr rasches Näherkommen wurde durch das Krachen der Brandung an den Felsen unterhalb der Klippen angekündigt.

Sie atmete tief ein und hielt ihr Kinn erhoben. Der Seenebel befeuchtete bereits ihre Wangen, und die kühle Nässe in der Luft ließ den Tag torfig und alt riechen.

Nein, nicht alt.

Antik.

Sie ging weiter und ließ sich nicht verunsichern. Sie mochte alte Zeiten, und dies war genau die Art von Atmosphäre, für die sie nach Schottland gekommen war.

Warum also wurden ihre Handflächen feucht? Warum wurde sie nervös und ihr Mund knochentrocken?

Die Bedwells waren nicht dafür bekannt, Feiglinge zu sein.

Aber Knochen war keine kluge Wortwahl gewesen.

Das erinnerte sie an Wee Hughies Geschichten über heulende, kettenrasselnde Geister, doch sie verdrängte seine Worte und dachte stattdessen lieber an die anderen Bilder, die er heraufbeschworen hatte. Nämlich die der großen und mächtigen MacDonald-Chieftains. Sie zog es vor, sie sich so vorzustellen, wie sie in ihren glorreichen Tagen gewesen waren, und nicht so, wie sie jetzt sein mochten. In den Ruinen ihrer einstigen Festung herumspukend, die vergangenen Jahrhunderte beklagend und ihre alten Schlachtrufe im Wind verwehend.

Sie dachte, dass sie jetzt selbst einen Schlachtruf gebrauchen könnte, und marschierte weiter, hielt Ausschau nach Schafsdung und kuschelte sich tiefer in ihre Jacke.

Nebelschwaden erschwerten ihr die Sicht, und das Rauschen der Wellen wurde mit jedem Schritt lauter. Sie konnte immer noch Castle Wrath auf der anderen Seite der hohen, dreiseitigen Landzunge sehen, aber der felsige Weg, der dorthin führte, erwies sich als enger und steiler, als sie gedacht hatte.

Nicht, dass sie nicht schwindelfrei wäre.

Das war sie.

Sie hatte nur nicht damit gerechnet, dass sie die Wanderung in einem aufkommenden Sturm antreten musste. Sie wollte auf Castle Wrath picknicken und nicht von den Klippen geweht werden. Also kämpfte sie sich weiter voran. Es hatte keinen Sinn umzukehren. Der Bus von Highland Coach Tours würde frühestens in zwei Stunden zurückkehren. Außerdem war sie fast am Ziel.

Die nächstgelegene Mauer der Ruine erhob sich bereits aus dem Nebel, ihre altersdunklen Steine schienen ihr zuzuwinken.

Kiras Herz begann zu klopfen. Sie beschleunigte ihr Tempo, und ihre Aufregung erreichte ihren Höhepunkt, als sie zum ersten Mal einen Blick auf die Bucht von Wrath und die tiefen Rillen auf den glatten, flachen Felsen des von der Brandung umspülten Ufers erhaschte.

Genau wie Wee Hughie MacSporran gesagt hatte.

Dann war sie da, und die Ruinen taten sich vor ihr auf. Ihr Atem stockte, und jeder Gedanke an den mittelalterlichen Landungsstrand und seine alten Bugspuren verschwand aus ihrem Sinn.

Selbst die kühle Luft und der heulende Wind spielten keine Rolle mehr.

Castle Wrath war perfekt.

Die Ruinen, ein Labyrinth aus hohen, grob behauenen Mauern, unebenem Boden und umgestürzten Steinen, brachten ihr Herz fast zum Stillstand. Die Überreste der Vorhangfassade klammerten sich an die Klippen, windgepeitscht und gefährlich, aber was ihren Blick wirklich anzog, war die obere Hälfte eines imposanten mittelalterlichen Tores.

Das Tor, das noch immer Spuren eines wunderschön eingravierten keltischen Musters trug, ragte aus den Trümmern empor und umrahmte mit seinem grasbewachsenen Bogen das Meer und die zerklüfteten schwarzen Felsen der nahe gelegenen Insel, die sie als Wrath Isle erkannte.

Zweifellos hatte sie noch nie einen wilderen, romantischeren Ort gesehen. Eine ehemals nordische Festung. Hier zogen einst Wikinger umher und veranstalteten Zechgelage.

Vikings im realen Leben.

Große, stämmige Männer, die Thor und Odin priesen, während sie übervolle Trinkhörner erhoben und an riesigen Rippen aus feuergeröstetem Rindfleisch nagten.

Sie holte tief Luft und unterdrückte den Drang, sich zu kneifen.

Vor allem, wenn sie an die Nachfolger der Nordmänner dachte. Die keltischen Kriegerhäuptlinge, angebliche Vorfahren von Wee Hughie MacSporran. Die Art von überlebensgroßen Helden, von denen sie so gern träumte.

Kühne und kraftvolle Männer, die nur an einen Ort wie diesen gehören konnten.

An einen Ort der Mythen und Legenden.

Als sie sich umsah, war sie sich dessen sicher.

Überall wirbelten Nebelschwaden umher, die tief über die mit Gras überwucherten, umgestürzten Mauern zogen, die Ränder verwischten und es so aussehen ließen, als sähe sie die Welt durch einen durchsichtigen seidenen Schleier.

Und was für eine Welt das war.

Das ständige Rauschen des Meeres und das laute Tosen des Windes passten ebenfalls dazu und verliehen dem Ort ein anderweltliches Gefühl, das sie an einem klaren, sonnenbeschienenen Tag nie erlebt hätte.

Sie stellte ihr Lunchpaket ab und trat in den schützenden Windschatten einer Mauer, nicht ganz bereit, den Moment zu zerstören.

Sie war auch nicht leichtsinnig.

Hohes, windschiefes Gras und heruntergefallene Steine waren nicht das Einzige, was den Boden bedeckte, der einst der innere Burghof von Castle Wrath gewesen sein musste. Aus einem wilden Gewirr von Brennnesseln und Brombeersträuchern blinzelten ihr tiefe Spalten entgegen, die sich dunkel in die Erde bohrten. Stille Abgründe der Schwärze, die nur die unterirdischen Gänge, Treppenhäuser und Gewölbe sein konnten, vor denen sie gewarnt worden war.

Mysteriöse Öffnungen ins Nichts.

Klaffende schwarze Leere, die sich als die größte Versuchung erwies, der sie je hatte widerstehen müssen. Fast schmeckte sie ihr Bedürfnis, diese Abgründe zu erforschen, und atmete tief ein, trank die kühle Luft, die nach Meer und feuchtem Stein roch. Sie spürte einen unwiderstehlichen Schimmer von Erregung, den sie nicht genau zuordnen konnte.

Die fantasievolle Vorstellung, dass das einst pulsierende Herz von Castle Wrath noch immer unter der Oberfläche der entkernten, altersdunklen Steine schlug.

Sie drückte ihre Hände gegen eine Wand, strich mit den Fingern über die kalte und unebene Oberfläche der Steine und war nicht im Geringsten überrascht, als sie eine schwache Vibration spürte, die irgendwo tief in ihrem Inneren summte.

Tatsächlich spürte sie ein entferntes Brummen, das so real war, dass es sie frösteln ließ und sie sich sogar lautes männliches Gelächter und Gesang vorstellen konnte. Die scharfen Töne der Fanfare eines Trompeters. Hundegebell und dünnes, hohes Stöhnen.

Aufgeregtes weibliches Stöhnen.

Kira runzelte die Stirn und nahm ihre Hände von der Wand.

Die Geräusche verstummten augenblicklich.

Oder, wie sie zugab, sie erkannte sie nun als das, was sie waren: das Rauschen des Windes und nichts anderes. Auch wenn das Kribbeln, das sie durchströmte, ihr etwas anderes sagte.

Ein seltsames Kribbeln, von dem sie wusste, dass es nicht aufhören würde, bis sie in eine der mit Erde und Geröll verstopften Spalten im Burghof von Castle Wrath spähte.

Ihr Mittagessen vergessen, überlegte sie, was sie tun könnte. Sie wollte nicht über den mit Brennnesseln übersäten Hof marschieren und riskieren, in eine bodenlose mittelalterliche Grube zu stürzen und dort ihr frühes Grab zu finden. Oder sich zumindest einen Knöchel zu verstauchen und damit den Rest ihrer Reise zu ruinieren. Aber das Mauerwerk eines der großen Verteidigungstürme von Castle Wrath stand leicht schräg zu ihrer Linken, knappe fünfzig Fuß entfernt.

Und das Beste war, dass sie im Schatten der Turmmauern die Überreste einer Treppe erkennen konnte. Eine dunkle, abwärts führende Wendeltreppe, die sie mit einem solchen Gefühl der Verwunderung erfüllte, dass sie sich wie ferngesteuert bewegte, bis sie sich auf der verwitterten Schwelle wiederfand. Eine undurchdringliche Schwärze starrte sie an, so tief, dass ihre feuchte, nach Erde riechende Kälte die feinen Härchen in ihrem Nacken aufrichtete.

Irgendetwas war da unten.

Etwas, das mehr war als Nervenkitzel und Fantasie.

Die plötzliche Enge in ihrer Brust und der kalte, harte Knoten, der sich in ihrem Bauch bildete, gaben ihr Gewissheit. Ebenso wie die zunehmende Trockenheit ihres Mundes und der rasende Puls, genauso wie der schwache flackernde Fackelschein, der das Treppenhaus erfüllte.

Flackernder Fackelschein?

Kiras Augen weiteten sich, ihr fiel die Kinnlade herunter. Sie klammerte sich an die Kanten des bröckelnden Treppenhauses und hielt sich fest, aber es konnte keine Täuschung sein. Das Licht flackerte jetzt heller, leuchtete stark und erhellte die kalten Steinwände und den unglaublich mittelalterlich aussehenden Highland-Chieftain, der vom Fuß der Treppe zu ihr hinaufstarrte, während sich hinter ihm die gewölbten Säle seiner mit Menschen gefüllten, gut beleuchteten großen Halle abzeichneten.

Dass es seine Halle war, konnte nicht infrage gestellt werden.

Sie würde ihr Flugticket zurück nach Newark darauf verwetten, dass nie ein herrschaftlicherer Mann auf der Welt gewesen war. Und auch keiner, der sexier war. Er war ein hoch aufragender Riese mit rabenschwarzem Haar, gekleidet in Tartan und Kalbsleder, mit glänzendem Kettenhemd und auffälligem keltischem Schmuck behängt. Die Kraft und die schiere männlich-animalische Anziehungskraft, die von ihm ausgingen, raubten ihr den Atem und ließen ihre Knie weich werden.

Ließen sie an ihrem Verstand zweifeln.

Vielleicht hatte jemand auf der Bustour etwas in ihren lauwarmen Frühstückstee getan.

Etwas, das sie halluzinieren ließ.

Sie sich einen gut aussehenden Highlander vorstellen ließ, der nicht wirklich da sein konnte.

Genauso wenig, wie sie die Geräusche einer ausgelassenen Stimmung hören konnte.

Es waren die Geräusche eines Festes, da war sie sich sicher. Das gleiche schallende Männergelächter und die Trompetenfanfaren und Gesänge, die sie vorhin gehört hatte, der kollektive Lärm einer feiernden Menge – nicht, dass das für sie von Bedeutung war.

Eine marschierende Blaskapelle könnte vorbeistampfen und sie direkt von der Klippe stürzen. Solange er zu ihr hinaufstarrte, hörte die Welt, wie Kira Bedwell sie kannte und liebte, auf zu existieren.

Und er starrte sie an.

Jeder herrliche, muskelbepackte Zentimeter von ihm.

Er verhakte seinen Blick mit ihrem, wie es nur ein grimmiger, glutäugiger, schwertbewaffneter Highlander tun konnte. Eine Wahrheit, die sie bis zu diesem Augenblick nicht gekannt hatte, die sie aber irgendwann mit ins Grab nehmen würde.

Wenn sie nicht direkt auf der Stelle tot umfiel.

Der Highlander war viel zu attraktiv, als dass er noch hätte echt sein können. Er mochte zwar ein Patent auf Sex-Appeal haben, aber er war auch bis an die Zähne bewaffnet. Ein riesiges zweihändiges Schwert hing an einem breiten ledernen Schultergürtel, der über seine Brust geschlungen war, und eine glitzernde Reihe anderer, ebenso gefährlich aussehender mittelalterlicher Waffen lugte unter seinem voluminösen Tartanumhang hervor. Nicht, dass er eine solche Zurschaustellung von Stahl nötig hätte. Oh, nein. Ein solcher Mann entwurzelte wahrscheinlich Bäume mit einer Hand, um zu trainieren.

Große Bäume.

Und in diesem Moment fühlte sie sich unglaublich baumartig.

Sie schluckte schwer und presste ihre Finger fester gegen die steinernen Kanten des Türbogens. Eine weitere Bewegung kam nicht infrage. Ihre Beine fühlten sich an wie Gummi, und selbst wenn sie einen Schritt rückwärts hätte machen können, weg von der Öffnung, so wusste sie doch, dass er die Treppe hinaufstürmen würde, wenn sie es tat.

Eine Treppe, die nicht mehr abgenutzt und bröckelig aussah, sondern neu und unbefleckt, völlig frei von herabgefallenem Schutt und Erde oder dem dichten Unkraut, das noch kurz zuvor den oberen Teil verstopft hatte.

Sie kniff die Augen zusammen und öffnete sie wieder. »Das kann doch nicht wahr sein«, keuchte sie und riss ihre Hände von den nun glatten Kanten des Türbogens.

»Nein, das kann es nicht«, stimmte der Highlander zu, seine Stimme war ein tiefes, samtiges Schnurren, während er den Kopf zu ihr neigte und die Augen verengte. »Obwohl ich gern wüsste, warum es doch so ist!«

Die Worte waren eine kühne Herausforderung, und das Misstrauen in seinen Augen wandelte sich rasch in etwas anderes.

Etwas Dunkles, Verführerisches und Gefährliches.

»Oh, aye, ich möchte den Grund dafür hören.« Er warf sein Haar zurück, der Blick, den er ihr zuwarf, war fast eine körperliche Berührung. »Ich bin keiner, der ein hübsches Mädchen nicht in meiner Halle willkommen heißt – egal, wie seltsam sein Gewand ist.«

»Gewand?« Kira blinzelte.

»Deine Hose, Süße.« Sein Blick fiel auf ihre Beine und verweilte dort gerade so lange, dass sie verlegen von einem Fuß auf den anderen trat. »So etwas habe ich noch nie an einer Frau gesehen. Nicht, dass ich mich beschweren würde.«

Kira schluckte. »D-Du kannst nicht … echt sein. Du bist nicht einmal hier.«

»Ha! Das sagst du?« Er blickte auf sein Plaid hinunter und zupfte an dessen Rand. »Wenn mein Plaid echt ist, dann schwöre ich, dass ich es auch bin. Nein, Mädchen, du bist es, die nicht hier sein kann.«

»Du bist ein Geist.«

Er lachte. »Da ich noch nicht gestorben bin, ist das nicht möglich.«

»Man hat mir gesagt, in Schottland sei alles möglich, und jetzt glaube ich daran.« Kira starrte ihn an. »Was auch immer du bist.«

Er grinste schelmisch und ging mit langen, leichten Schritten die engen, gewundenen Stufen hinauf. »Ich bin der Laird dieses Bergfrieds.« Seine tiefe Stimme erfüllte das Treppenhaus, voll, sonor und real wie die Gänsehaut auf ihren Armen. »Ich bin auch ein Mann – was ich beweisen kann, wenn du es wünschst.«

Als er sie erreichte, packte er ihre Schultern, sein Griff war stark und fest, warm sogar durch die Dicke ihrer Jacke. Er trat nahe heran, so nahe, dass der Griff seines Schwertes gegen ihre Hüfte stieß. »Nun, Lass«, sagte er und sein Blick und das schottische Wort für Mädchen versengten sie fast, »sag es mir. Fühle ich mich an wie ein Geist?«

Kira holte tief Luft. »Nein, aber …«

»Aye, richtig.« Sein Mund verzog sich zu einem triumphierenden Lächeln. »Du bist es, die hier fehl am Platz ist, nicht ich. Obwohl ich schwöre, dass du dich auch nicht wie ein Geist anfühlst.«

Dann wurde sein Lächeln verrucht, sein Blick verdunkelte sich, als er sie fester an sich zog und seinen Kopf senkte, als wollte er ihr einen harten Kuss geben. Stattdessen streiften seine Lippen die ihren nur leicht, berührten sie nur knapp, bevor er in der Dunkelheit verschwand.

Kira schrie, aber nur der Wind und das tosende Meer antworteten ihr.

Das, und die Leere des Treppenhauses. Dieselbe totale Schwärze, eiskalt und übel riechend, in die sie die ganze Zeit gestarrt hatte.

Ihre Fantasie war mit ihr durchgegangen. Eine andere Erklärung gab es nicht. Sie hatte sich einen Highlander mit einem wölfischen Grinsen und einer honigsüßen Zunge gewünscht, und sie hatte ihn herbeigerufen.

So einfach war das.

Sie lehnte sich an die zerstörte Wand des Verteidigungsturms und wartete, bis ihre Knie aufhörten zu zittern, bevor sie ihr unangetastetes Lunchpaket einsammelte und zur Straße zurückkehrte, um auf den Tourbus zu warten. Erst auf halbem Weg dorthin bemerkte sie, dass sie mehr als ihre Picknickutensilien mitgenommen hatte.

Ihr Herz klopfte immer noch wie wild, und sie sah auf ihre linke Hand, die sich langsam öffnete und einen kleinen, kantigen Granitbrocken zum Vorschein brachte, den sie wohl ergriffen hatte, als sie sich so hart an den bröckelnden Ecken des Türbogens zur Wendeltreppe festgehalten hatte.

Sie runzelte die Stirn.

Der Stein schien sie stumm und vorwurfsvoll anzustarren, aber anstatt ihn fallen zu lassen, eilte sie weiter und hielt ihn wie einen kostbaren Schatz fest.

Und für sie war es das.

Ein Erinnerungsstück an ihren Highlander.

Seufzend blieb sie ein paar Meter von der Straße entfernt stehen und blickte über ihre Schulter zurück zu den Ruinen. Die Sonne war durch die Wolken gebrochen, hatte den Nebel verbannt und die zerfallenen Mauern in das helle Blau und Gold des späten Frühlingsnachmittags getaucht. Sogar der Wind hatte nachgelassen, und die dunklen, zerklüfteten Klippen der Wrath Isle wirkten nicht mehr ganz so bedrohlich.

Die Burgruine beherbergte keine Geister mehr.

Es ist nur eine leere Hülle, redete sie sich ein, und sie beschloss, den dicken Kloß in ihrer Kehle und die brennende Hitze in ihren Augen zu ignorieren.

Wer oder was auch immer er gewesen war, ihr attraktiver Highlander konnte nicht echt sein.

Niemals, in all ihren Träumen nicht.

Erstes Kapitel

Aldan, Pennsylvania

Ein angenehmer und respektabler Stadtteil in Delaware County Borough

Zwölf Jahre später …

Kira Bedwell hatte ein schmutziges kleines Geheimnis.

Ein hoch aufragendes Geheimnis in Schottenkaro, bestimmend und leidenschaftlich, unglaublich süchtig machend.

Aber auch verrückt, weil er ihr nur in ihren Träumen begegnete.

Köstlich heiße Träume, die jetzt nach ihr riefen, die an den Rändern ihres Schlafes kitzelten und sie mit prickelnder, verführerischer Wärme überfluteten, bis sie sich unter der Bettdecke zu strecken und zu wälzen begann. Sie griff nach einem zusätzlichen Kissen und drückte es an sich, während die Wände des winzigen Schlafzimmers ihrer Wohnung schimmerten und flimmerten und einen silbrigen Glanz annahmen. Wie immer beschleunigte sich ihr Puls bei dieser Verwandlung, und das kräuselnde Leuchten gab ihr den Blick auf die Klippen und das Meer frei, auf einen mit Schafen bevölkerten Hügel und auf zerfallene, nebelverhangene Ruinen.

Alte Ruinen, tief geliebt und fest verankert in ihrer Erinnerung.

Kira seufzte, ihr Herz setzte einen Schlag aus. Sie biss sich auf die Lippe und strich mit den Fingern über das kühle Leinen ihres Bettlakens. Sie konnte ihn sich so gut vorstellen, ihren dunklen, verführerischen Highlander. Wenn sie sich konzentrierte, konnte sie in den Schatten fast sehen, wie er wartete. Nebel wirbelte um seine große, kräftige Gestalt, ein starker Wind zerrte an seinem Plaid und peitschte durch sein rabenschwarzes Haar. Sein heißer Blick würde sie zum Brennen bringen, die rohe Sinnlichkeit, die von ihm ausging, über sie fließen wie reine, dahinschmelzende Lust und sie erregen.

Dann würde er nähertreten, ein langsames Lächeln seine Lippen umspielen, die schiere Erotik seiner Person und sein eigenes unstillbares Bedürfnis sie fast vergessen lassen, dass sie in ihren Kleidern eingeschlafen war.

Wieder einmal.

Die dritte Nacht in einer Woche, wenn sie es zur Kenntnis nehmen würde, was sie nicht wollte. Einmal war mehr als genug, und dreimal war schlichtweg unbequem und lästig.

Wenn sie sich nicht irrte, hatte sie dieses Mal sogar ihre Schuhe anbehalten.

Verärgert drehte sie sich auf die Seite. Die Sehnsucht war immer noch da, aber sie kniff ein Auge zu, und ihre traumgesponnene Glut verschwand, als sie in die Dunkelheit blickte.

Ihr stilles Schlafzimmer starrte sie an, beengt, überladen und Shabby Chic. Erbärmlich verlassen von heißäugigen Schotten. Aber der fahle Schimmer des Neumonds fiel auf die kleine polierte Messinguhr auf ihrem Nachttisch, deren schwarze Zeiger drei Uhr morgens anzeigten, plus/minus zehn Minuten.

Sie stieß einen frustrierten Atemzug aus. Wie so viele ihrer sorgfältig gesammelten Schätze war auch die antike Uhr nicht perfekt und zeigte die Zeit in ihrem eigenen Rhythmus. Manchmal ging sie genau, manchmal ging sie vor oder nach, und manchmal gar nicht.

Wie ihre Träume.

Auch sie konnten nicht erzwungen werden.

Aidan MacDonald, mittelalterlicher Chieftain der Extraklasse, schlüpfte nur in ihre Fantasien, wenn es ihm passte.

Zumindest dachte Kira das.

Genauso wie sie annahm, dass ihr kühner Traumliebhaber nur der legendäre Anführer der MacDonalds sein konnte. Nach ihrer einzigen Reise nach Schottland vor Jahren hatte sie monatelang über den Clan Donald und Castle Wrath recherchiert und schließlich Aidan als ihren Highlander ausgemacht.

Der verlockend schöne keltische Gott, den sie so kurz gesehen hatte.

Und nie vergessen hatte.

Ein Mann mit weniger mythischem Status könnte unmöglich in ihren Schlaf eindringen und sie mit so wildem, herzzerreißendem Sex beglücken. Allein der Gedanke an seinen Duft machte sie schwindelig vor Sehnsucht. Die Erinnerung an die kühle Seide seines glänzenden, schulterlangen Haares oder an die Härte seiner Muskeln reichte aus, um ihren Atem zu beschleunigen. Auch der Gedanke an seine Küsse, das geschickte Gleiten seiner Hände über ihren Körper, bewirkte Dinge in ihr, die sie nie für möglich gehalten hätte.

Als sie ihn mit seinem Schwert an der Hüfte und einem raubtierhaften Glanz in den Augen auf sie zuschreiten sah, war sie hin und weg gewesen.

Er war der Inbegriff ihrer tiefsten dunkelsten Fantasien.

Ihr heimlicher Liebhaber hatte sie für alle anderen ruiniert.

Kira seufzte und krallte ihre Finger in die Bettdecke. Ein warmes Gefühl durchströmte sie, wenn sie nur an ihn dachte. Er war mehr als nur ein Fantasieliebhaber, er hatte ihr Leben auf eine Weise beeinflusst, die sie nie für möglich gehalten hätte. Er hatte sie in ihre besondere Gabe des Weitblicks eingeweiht, in die Fähigkeit, ein visuelles oder mentales Bild der fernen Vergangenheit zu erfassen. Ein ererbtes Talent, das in ihrer Familie geheim gehalten wurde und dessen sie sich bis zu dem Tag, an dem sie auf Castle Wrath ein Picknick machen wollte und eine verfallene Treppe hinunterblickte, nicht bewusst gewesen war. Sie hatte direkt in Aidans fackelbeleuchtete Halle und seinen dunklen, glühenden Blick geschaut.

Sie zitterte. Sie wollte, dass dieser Blick auch jetzt auf sie gerichtet war.

Sie sehnte sich danach, ihn zu sehen.

Stattdessen rührte sich nichts außer einem kühlen Wind, der um ihr altes Backsteinhaus pfiff. Das leise Klopfen der Äste an ihrem Fenster. Alles war still und ruhig. Durch einen Spalt in den Vorhängen konnte sie sehen, dass der Himmel wolkenverhangen war und die Nacht kalt und feucht.

Sie starrte aus dem Fenster und seufzte. Zu jeder anderen Zeit hätte sie gelächelt. Sie mochte Kälte und Feuchtigkeit. Mit einer Handvoll Nebel und etwas leichtem, dünnem Regen konnte ihre Fantasie sie nach Schottland versetzen.

Jene andere Welt, in die sie sich zurücksehnte, nicht hier, wo sie dem Nachtwind lauschte, der um die Castle Apartments in Aldan, Pennsylvania wehte, die schon bessere Tage gesehen hatten, sondern wo sie die Stürme der Hebriden hörte, die vom Meer herüberwehten. Große atlantische Brecher, die auf zerklüftete schwarze Felsen prallten.

Zerklüftete Klippen und schieferfarbenes Meer, das Prickeln des Salznebels, der ihre Wangen benetzt.

Das war es, was sie wollte.

Brauchte.

Leider kam sie mit ihrem Budget Schottland nicht näher, als das gerahmte, mit Edinburghs Royal Mile bedruckte Geschirrtuch abzustauben, das über ihrem durchhängenden Sofa hing. Frustriert drehte sie sich auf die Seite und zog ein Kissen über ihren Kopf. In Wahrheit schätzte sie das Geschirrtuch sehr. Ebenso wie den kleinen, mit Schottenkaro bezogenen Sessel neben ihrem Bett hatte sie das Geschirrtuch auf einem Flohmarkt gefunden. Zusammen mit dem wertlosen Holzrahmen, in dem sie es aufgehängt hatte.

Ein schmaler Geldbeutel weckte die Kreativität.

Und das Verfassen vermeintlich wahrer Geschichten über das Seltsame und Unerklärliche für das Destiny Magazine, eine populäre Monatszeitschrift, die sich mit allen übernatürlichen Dingen befasste, brachte nicht genug Einkommen für Luxus.

Selbst wenn einige ihrer Geschichten Tatsachen waren.

Wie ihre letzte. Der Grund, warum sie sich in ihrer briefmarkengroßen Wohnung verbarrikadiert hatte und weder auf ihr Telefon noch auf E-Mails antwortete.

Kira stöhnte und warf das Kissen zur Seite. Unmöglich, wie eine einzige Woche das Leben eines Menschen auf den Kopf stellen konnte. Ein aufgeregter Anruf bei Destiny von einer Gruppe von Möchtegern-Archäologen, und schon war sie da und half ihnen mit ihren weitsichtigen Fähigkeiten, die Überreste eines Wikinger-Langschiffs zu finden. Es lag auf dem Grund eines von einem Fluss durchschnittenen Sees in Cape Cod, wobei ihre Entdeckung zweifelsfrei bewies, dass die Nordmänner die Ersten waren, die an den Küsten der Neuen Welt landeten. Über Nacht wurde sie zum gefeierten Liebling des Publikums.

Oder zu dessen schlimmstem Albtraum.

Je nachdem, ob jemand silberhelmbewehrte, axttragende Seeräuber oder das Altbewährte bevorzugte. Wie dem auch sei, auch wenn Destiny ihr Gehalt entsprechend ihrer plötzlichen und ungewollten Berühmtheit anhob, waren die Anhänger eines gewissen spanischen Mittelmeerseefahrers nicht gerade erpicht darauf, den Ruhm ihres Helden geschmälert zu sehen.

Ein Schauer lief Kira über den Rücken und sie klammerte sich fester an die Decke. Sie hatte den Überblick darüber verloren, wie viele historische Gesellschaften ihren Kopf wollten und sie wegen ihrer Blasphemie aufs Schärfste rügten.

Christoph Kolumbus mochte zwar schon vor Jahrhunderten gestorben sein, aber sein Geist war in Amerika sehr lebendig.

Seine Fans waren aktiv.

Sie waren da draußen und schärften ihre Krallen.

Sie runzelte die Stirn. Nein, eine Gehaltserhöhung würde ihr nicht helfen. Die Mittel zum Kauf eines Flugtickets bedeuteten einen Dreck, wenn sie geteert und gefedert wurde, bevor sie überhaupt den Flughafen erreichte.

Ganz zu schweigen von einem Flugzeug, das nach Glasgow flog.

Nach den Hassbriefen zu urteilen, die sie erhalten hatte, könnte ein solcher Mob sogar ihren Pass an sich reißen und verbrennen. Sie hatte bereits zwei Nägel in ihren Autoreifen gefunden, und ein besonders geistreicher Mensch, der offensichtlich in ihrem Haus wohnte, hatte irgendeine Art von nicht identifizierbarem Schleim auf ihren Türknauf geschmiert. Ekelhafter, übel riechender Glibber. Kira strich sich eine lästige Haarsträhne aus der Stirn. Wenigstens lenkte das Grübeln über solchen Unsinn sie von ihm ab.

Dem umwerfenden mittelalterlichen Highlander, von dem sie nicht fantasieren sollte, wenn sie in der Klemme steckte.

Sie seufzte, schloss die Augen und tat ihr Bestes, um ihn zu vergessen. Den keltischen Chief, der sie nicht nur mit einem heißen, sinnlichen Blick zum Schmelzen bringen konnte, sondern der besser als jeder echte Mann wusste, wie er ihre Leidenschaft entfachen konnte.

Die Leidenschaft einer Närrin, eingebildet und nicht echt, wie ausgeprägt sie auch sein mochte.

Sie presste eine Hand auf ihre Stirn und massierte ihre Schläfen. Die Reporter und Fernsehkameras hingegen, die auf dem Parkplatz vor den Castle Apartments lagerten, waren real, und sie hatte genug von ihnen. Als Tochter eines Fliesenverkäufers und einer Kunstlehrerin an der Highschool war sie das Rampenlicht nicht gewohnt.

Es gefiel ihr auch nicht.

Vor allem, wenn sie alle entschlossen schienen, sich über sie lustig zu machen.