Verlag: Lago Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

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E-Book-Beschreibung Der Konvertit - Stefan Schubert

Deutschland ist Ziel eines islamistischen Terroraktes geworden und die soziale Balance der Gesellschaft droht zu kippen. Doch wie weit darf man gehen, um die Demokratie zu verteidigen? Die Ermittlungen der zuständigen Kommissare Toni Sander und Karin Langenscheidt werden durch ein Dickicht aus Bürokratie und Rassismus in den eigenen Reihen erschwert. Unter Nichtbeachtung deutscher Gesetze paktiert Berlin mit amerikanischen Geheimdiensten und wird immer tiefer in einen Sumpf aus Verbrechen gezogen. Selbst vor Mord scheinen deutsche Behörden nicht mehr zurückzuschrecken. Inmitten dieses Chaos ist polizeiliche Arbeit kaum möglich, und das in einer Zeit, in der ein weiterer großer Anschlag droht. Eine Jagd auf einen unsichtbaren Gegner beginnt. Der Konvertit von Spiegel-Bestseller-Autor und Ex-Polizist Stefan Schubert ist ein actionreicher Thriller, der ein erschreckend reales Zukunftsszenario zeichnet und bei dem keine der handelnden Figuren ohne Schuld zu sein scheint.

Meinungen über das E-Book Der Konvertit - Stefan Schubert

E-Book-Leseprobe Der Konvertit - Stefan Schubert

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen:
info@lago-verlag.de
Originalausgabe
1. Auflage 2015
© 2015 by Lago, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Nymphenburger Straße 86
D-80636 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Redaktion: Caroline Kazianka
Umschlaggestaltung: Kristin Hoffmann
Umschlagabbildung: shutterstock
Satz: Carsten Klein
E-Book: Daniel Förster
ISBN Print 978-3-95761-120-8
ISBN E-Book (PDF) 978-3-95762-047-7
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-95762-048-4
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.lago-verlag.de

Für Toni

Inhalt

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Inhalt
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1

Aus der Luft betrachtet, wirkt das Treiben wie ein emsiger Ameisenstaat, nur auf den ersten Blick chaotisch, doch jeder bewegt sich auf einer vorgesehenen Linie.

Die Woche der Kasernierung neigt sich dem Ende zu, endlich steht das Wochenende an. Alle 5000 Soldaten zieht es wie magnetisiert zum Nordtor der Kaserne, ob zu Fuß oder in ihren Autos, es existiert nur eine Richtung. Es dauert keine fünf Minuten, bis die ausfahrenden Autos die freitagstypische Stauung verursachen. Über 100 Meter von der ersten Straßenmündung zurück reiht sich Karosserie an Karosserie, bis weit auf das Kasernengelände.

Im »Aquarium« herrscht dagegen ruhige Eintönigkeit. Die Luft schmeckt nach abgestandener Besenkammer und ist zudem unangenehm warm. Dirk Müllers Arbeitsplatz besteht aus drei Quadratmetern, die klaustrophobisch eng mit dicken Panzerglasscheiben ummauert sind. Die eisenverstärkten Rahmen sind in Signalgelb gestrichen, während der Dachsims mit schwarz-rot-goldener Farbe verziert ist. Der Glasbunker dient dem Schutz des Wachsoldaten der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf.

Als der Stau seinen Höhepunkt erreicht, steuert ein alter VW Golf von der Zufahrtsstraße in Richtung der Einfahrtsschranke. Der 23-jährige Wachposten registriert ungläubig, wie der Wagen keine zehn Meter vor dem Kontrollbereich stoppt. Obendrein lässt ein Ruckeln darauf schließen, dass der Motor abgestellt wurde. Müller ist außer sich. Dass Besucher und Angehörige sich verfahren und ein Hindernis darstellen, hat er schon zur Genüge erlebt, aber jetzt, inmitten des größten Feierabendchaos, sein Auto vor dem Tor abzustellen und eine ganze Spur zu blockieren, das ist zu viel. Er versucht, Sichtkontakt zu dem Schichtführer im Wachhaus aufzunehmen, aber die tief stehende Sonne spiegelt sich in den dicken Panzerglasscheiben und die veraltete Gegensprechanlage verschluckt mehr Worte, als sie in das Wachgebäude überträgt. Entgegen der Dienstvorschrift entschließt sich der einsatzerfahrene Soldat, seinen sicheren Posten im »Aquarium« zu verlassen, um den Falschparker mit ein paar deutlichen Worten zu vertreiben. Er schiebt die schwere Panzerglastür auf und spürt augenblicklich die kühlende Wirkung des Windes und Sonnenstrahlen auf der Haut.

Die Windschutzscheibe des Golfes reflektiert und verhindert einen Blick in das Wageninnere. Nach den ersten Schritten öffnet sich die Autotür und ein etwa gleichaltriger Mann steigt aus. Die Fahrertür arretiert am Anschlag. Erst jetzt kann Müller den gesamten Störenfried in Augenschein nehmen: jung, hellbraune Haare, gepflegtes Erscheinungsbild, Jeans, Turnschuhe, offenbar ein Deutscher. Bei dem Kurzhaarschnitt wahrscheinlich ein Kamerad oder ein junger Bursche, der sich nach einer Soldatenlaufbahn erkundigen will. Dirk entspannt sich, doch dann kreuzen sich die Blicke der Männer, und was er darin liest, ist klar – er hat sich geirrt.

Als ob ein imaginärer Startschuss gefallen wäre, setzt sich sein Gegenüber blitzartig in Bewegung. Im Vorwärtsgehen reißt er seinen rechten Arm nach oben, in der Hand scheint er etwas zu halten. Der Hauptgefreite registriert, wie sich die Lippen des Falschparkers zu einem Ruf verformen, aber all das wirkt so irreal, dass seine Synapsen die Eindrücke nur scheibchenweise und in Zeitlupe verarbeiten. Dirk Müller gelingt es nicht, den Ruf einzuordnen. Klingt es nicht wie ein Schlachtruf?

Der ohrenbetäubende Feuerstoß einer AK-47 zerreißt die Stille und schlägt in den Oberköper des Familienvaters ein. Die massiven Geschosse der Kalaschnikow zerstören aus dieser kurzen Distanz alles, was ihre Flugbahn kreuzt. Das erste Projektil durchbricht seinen rechten Brustkorb, knackt mühelos den Rippenbogen und verursacht schwere Lungen- und Gewebeverletzungen. Die Schussfraktur lässt getroffene Knochen explodieren und katapultiert diese Hunderten Harpunen gleich durch den Körper. Winzig, aber zerstörerisch. Das zweite Geschoss dringt frontal in den Soldaten ein und zertrümmert vor dem Austreten das Rückenmark. Ein Gemisch aus Organ- und Gewebestücken, Blut und Knochensplittern bildet sich auf seinem Körper. Durch die zerfetzten Adern strömt Blut in Dirks Atemwege, das er per Schnappatmung auf sein Gesicht ausstößt. Die ausbleibende Durchblutung bewirkt schlagartig einen Sauerstoffmangel im Gehirn. Das dritte Projektil durchbohrt unterhalb des linken Auges den Kopf und lässt seinen Schädel zerplatzen. Der kräftige Feuerstoß fegt ihn von den Beinen, sodass er vornüberkippt. Bevor sein Körper in einer Blutlache auf dem Asphalt aufschlägt, ist Dirk Müller bereits tot.

Erschossen zu werden ist brutal und schmerzhaft.

Es ist kein schneller, kein leichter Tod, wie in einem Vorabendkrimi.

Für eine Sekunde überwiegt lähmendes Entsetzen. Dann schlägt die Fassungslosigkeit in nackte Panik um. Schreie zerreißen die Stille, instinktiv suchen zahllose Augenpaare ihre Umgebung nach Schutz ab. Der Angreifer nimmt den rechten Zeigefinger kurz vom Abzug und visiert ein neues Ziel an. Der zweite Feuerstoß entlädt sich auf den ihm am nächsten stehenden Pkw. Die wuchtigen Geschosse zersieben den 3er BMW und dessen vier Insassen. Danach bewegt der Schütze die Mündung des Sturmgewehrs in einem Halbkreis über die blecherne Karawane, seine dabei gebrüllten Parolen gehen im Lärm und Chaos unter. Die Maschinenpistole spuckt mit einer Feuerrate von 600 Schuss pro Minute unentwegt todbringende Geschosse aus. Die infernalen Schussexplosionen werden von zersplitternden Autoscheiben, zerberstenden Karosserien und immer verzweifelterem Geschrei überlagert. Schrille Schreie lenken die Aufmerksamkeit des Schützen nun auf einen Teil des Areals, mit dem er sich bis dato noch gar nicht beschäftigt hat. Der Besucherparkplatz, rechts vor dem Ausgangstor gelegen.

Er schwenkt seinen Oberköper um 90 Grad und zielt auf die versammelten Frauen und Familienangehörigen der Soldaten. Diese sind mit der Situation hoffnungslos überfordert und suchen notdürftig Schutz hinter Autos, Kieferbäumen und Laternenmasten. Der nächste Feuerstoß jagt eine Gruppe von vier, fünf Frauen, die sich hinter einem Kleinwagen zu verstecken versuchen. Doch die Geschosse durchschlagen mühelos Front- und Heckscheibe und bohren sich in ihre Leiber. Der Schütze nimmt nochmals seinen Finger vom Abzug und richtet die Kalaschnikow erneut aus. Da erschallen einzelne Schüsse, der Angreifer bäumt sich auf und zuckt zusammen. Er dreht sich um seine Achse und ist dabei, seine AK-47 auf ein neues Ziel in Stellung zu bringen. Die Mannschaft aus dem Wachhaus hat sich jedoch mittlerweile aus ihrer Schockstarre befreit und ist zum Gegenangriff übergegangen. Ein Soldat läuft mit gezogener Pistole auf den Täter zu und erwidert das Feuer. Ein weiterer Soldat kniet an der Eingangstür der Wache und nimmt ihn ebenfalls unter Beschuss. Die Kalaschnikow spuckt einen weiteren dröhnenden Feuerstoß aus. Doch dieser ist zu ungezielt und kracht in die Panzerverglasung, die zwar zersplittert, aber standhält. Der Attentäter fällt getroffen nach vorne und stützt sich, die AK 47 ausrichtend, auf seinem rechten Knie ab. Da durchschlägt eine Pistolenkugel seinen Schädel und stoppt den Anschlag und sein Leben.

Der Angriff auf Deutschlands größte Kaserne dauert keine 30 Sekunden.

2

Viele Kollegen sind bereits ins Wochenende aufgebrochen. Doch Toni Sander ist noch im Dienst. Natürlich. Warum sollte er auch nach Hause wollen?

Der Hauptkommissar beginnt gerade erst, sich an die Arbeit und einen geordneten Tagesablauf zu gewöhnen. Dabei spürt er instinktiv, dass zu viel Freizeit Gift für ihn wäre. Unbewusst atmet er tief durch und blickt aus dem Neubau auf die alten Gebäude des kaiserlichen Kasernengeländes am Treptower Park. Die wechselvolle Berliner Historie ist hier noch spürbar. Der jahrhundertalte Kasernenkomplex beherbergte schon die Kaiserliche Kavallerie-Telegraphen-Schule, die Heereswaffenmeisterschule der Wehrmacht und anschließend die Rote Armee. Danach zogen die Männer der Volkspolizei und der Grenztruppen der DDR in die Kaserne, bis nach der Wiedervereinigung die Bundeswehr den Standort übernahm. Es folgte eine zeitweise Nutzung als Asylbewerberheim, nach der die betagten zweigeschossigen Kasernengebäude denkmalgerecht saniert wurden. Seit 2004 ist Tonis neue Behörde hier ansässig, die Hauptstadtniederlassung des Bundeskriminalamtes.

Nach intriganten politischen Auseinandersetzungen versetzte die Behördenführung rund 500 Angehörige des BKA aus Wiesbaden und Meckenheim zum Aufbau der Berliner Dependance. Der im Frühjahr 2004 gestartete Aufbau einer Berliner BKA-Truppe wurde erst 2006 abgeschlossen. Toni Sander stieß inmitten dieser Umbruchphase zum Bundeskriminalamt. Nach seiner Zeit bei der Berliner Kriminalpolizei reizte ihn die neue Herausforderung – doch dann kam alles ganz anders.

Da nach den zurückliegenden Monaten niemand so recht wusste, wohin mit ihm, hatte ihn sein Direktor dorthin abgeschoben, wo zurzeit jeder landete, dessen Vorgesetzte über keinerlei Fingerspitzengefühl verfügten. Die Logik seines Chefs war gleichermaßen pragmatisch wie demotivierend.

»Verstehen Sie mich nicht falsch, Herr Sander, aber niemand weiß, ob es Ihnen gelingt, in den nächsten Tagen und Wochen wieder Ihren Dienst in vollem Umfang zu versehen, da stecken wir Sie am besten in die Allgemeine Task Force. Bei so einer großen Einheit können die Kollegen Sie schon mal ein paar Tage mit durchschleppen, wenn es nötig sein sollte. Nicht, dass ich davon ausgehe, aber man weiß ja nie ...«

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