Gangland Deutschland - Stefan Schubert - E-Book

Gangland Deutschland E-Book

Stefan Schubert

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Beschreibung

Bandenkriege um Territorien und kriminelle Geschäftsfelder kannte man bisher fast nur aus amerikanischen Metropolen wie Los Angeles. Doch es gibt sie längst auch in Deutschland, die Gangs und Banden, die tödliche Revierkämpfe austragen, mit Drogen handeln, Schutzgeld erpressen und Zuhälterei betreiben: die Black Jackets, die United Tribuns, die Satudarah und die Red Legion zum Beispiel. Einen zusätzlichen Brennpunkt bilden Mitglieder türkisch-libanesisch-arabischer Großfamilien wie des sogenannten Miri-Clans, die sich einen blutigen Kampf mit der gewaltbereiten Rockerszene um die Vormachtstellung im Milieu liefern. Der ehemalige Polizist, angesehene Rockerexperte und Bestsellerautor Stefan Schubert stellt erstmals diese neu gebildeten kriminellen Gruppierungen in den Fokus der Öffentlichkeit und enthüllt brisante Insiderinformationen. Gangland Deutschland schildert die Entstehungsgeschichte der bedeutenden Gangs in Deutschland, beschreibt ihre Besonderheiten und rekonstruiert die begangenen Straftaten und Territorialkriege. Zudem wird aufgezeigt, wie Innenminister und Justiz angesichts dieser neuen Kriminalitätswelle versagt haben und welch verheerende Auswirkungen das auf den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft hat.

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Seitenzahl: 303

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.
 
Für Fragen und Anregungen:
[email protected]
 
Originalausgabe 1. Auflage 2014
© 2014 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,
Nymphenburger Straße 86
D-80636 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
 
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
 
Umschlagabbildung: Kristin Hoffmann unter Verwendung von Shutterstock-Abbildungen
 
ISBN Print 978-3-86883-326-3
ISBN E-Book (PDF) 978-3-86413-398-5
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86413-399-2
 
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.rivaverlag.de
Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter
www.muenchner-verlagsgruppe.de

Inhaltsverzeichnis

Titel
Impressum
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Kapitel Black Jackets – »Wir sind eine Streetgang«
Ganggründung mithilfe von Steuergeldern
Die YouTube- und Facebook-Propaganda
South Central in Stuttgart
Black Jackets vs. La Fraternidad
Out in bad standing – Angst als Geschäftsmodell
Raub, Drogen & Anabolika
210, 25, CAVE CANEM
Die Expansion der Bulldogge
2. Kapitel Black Jackets vs. United Tribuns
Krieg im Rotlicht
Molotowcocktails
Türsteherkrieg
3. Kapitel Die Gesellschaft und die Straßenbanden
Die Gangs in den Medien
Das Verschweigen der Täternationalitäten – die Alibirichtlinie der Journalisten
Willkürliche Gewalt nach innen und außen
Sozialarbeiter beziehen Stellung
Praktiker gegen die Kuscheljustiz
4. Kapitel Risiken und Nebenwirkungen
Black Jackets Ludwigsburg – der »Abzockerclub«
Die Zukunft gehört den Gangs
Kokain
Polizei vs. Black Jackets
Sufinal (Euer Ende)
210 – die Expansion
Brandstiftung will gelernt sein
Bonn-Bad Godesberg – vom glamourösen Diplomatenviertel zur No-go-Area
5. Kapitel Outlaw Motorcycle Gangs vs. Streetgangs
Von den Black Jackets zum Black Warriors MC
Rockergangs vs. Black Jackets, Tribuns & Co.
Black Jackets vs. Hells Angels – Stellvertreterkrieg der Kulturen?
6. Kapitel Red Legion
Die Rache der PKK
Black Jackets vs. Red Legion – Justitia im Dealexzess
Blutrache – tödliche Weihnachten
Rotlichtkrieg – mit Pistolen und Dönermessern in den Kampf
Der Facebook-Krieg
Der Innenminister entdeckt eine »kriminelle rockerähnliche Gruppierung«
»Trotz Verbot nicht tot« – Angriff auf die Hells Angels
7. Kapitel Gangland Deutschland
Gangs im Schatten der großen zwei
La Fraternidad
Big Brothers
Rockerbande statt Straßengang
Rock Machine Germany
Mongols
Median Empire
Satudarah
8. Kapitel United Tribuns – Rotlicht im Schwarzwald
Polizei vs. United Tribuns
Ferrari Spider 360
Zuhältergang im Schwarzwald
Großrazzia im Sommer
Die Ware Frau
Der Zuhälterprozess von Konstanz
Leben wie Gott in Bosnien
Die »Muppet Show« vor Gericht
Jeder gegen jeden in Pforzheim
Ein höllisches Mordkomplott
GSG 9 vs. Tribuns
Sieg für die Streetgang
Schutzgelderpressung
Die Integrationsindustrie – Steuergelder zur Ganggründung, Rekrutierung und Ausbildung
Drive-by-Shooting
Go West
Soziale Unruhen durch Gangs – die Rache der Drogenbanden
Fazit

Vorwort

Hells Angels, Bandidos und andere Motorradgangs sind in den deutschen Medien allgegenwärtig. Sie sind das Thema ganzseitiger Reportagen in den meinungsbildenden Tageszeitungen, sie beherrschen die Fernsehberichterstattung und lösen eine nicht enden wollende Flut von Buchveröffentlichungen aus, die sich unermüdlich mit der Rockerkriminalität auseinandersetzt. Auch mein drittes Buch »Wie die Hells Angels Deutschlands Unterwelt eroberten« (riva Verlag, 2012) handelt von den Ursprüngen und Strukturen dieser Clubs und analysiert das Vorgehen der Hells Angels im gewaltsamen Kampf um das deutsche Rotlichtmilieu.

Nach dem Erscheinen meines Buches wurde von Mitgliedern und Sympathisanten der Szene diese Fokussierung auf die Rockerkriminalität in Onlinekommentaren, in sozialen Netzwerken und auch beim persönlichen Gespräch kritisiert. Dabei stritten die meisten Gesprächsteilnehmer weder eine tiefe Verstrickung einzelner Charter und Chapter mit der organisierten Kriminalität ab noch versuchten sie schwere Gewaltverbrechen zu bagatellisierten. Sie ärgerten sich viel mehr über die Häufung der negativen Berichterstattung im Verhältnis zur tatsächlichen Beteiligung an der viel zitierten organisierten Kriminalität. Der größte Akteur dieses Verbrechenszweiges seien doch Familienclans und ethnisch gruppierte Gangs, kriminelle Ausländer eben, aber das dürfe man in Deutschland eben nicht sagen – so die Argumentationsführung dieser Kritiker. Doch wie sehen die Zustände auf Deutschlands Straßen nun tatsächlich aus? Wer sind diese Gangs und Clans, von denen die Rede ist?

Geprägt wurde das Gangphänomen vor allem in Amerika und durch die entsprechenden Hollywoodfilme. Nachdem US-Polizeiexperten zuvor die Rockergangs bereits als »einzigen 100-prozentig amerikanischen Import der organisierten Kriminalität« bezeichnet hatten, hat sich besonders in den letzten vier Jahren auch der nächste amerikanische Gewalt- und Kriminalitätsimport explosionsartig in Deutschland verbreitet: die Straßengangs.

Viele Erkennungsmerkmale einer solchen Gang wurden in der Bundesrepublik von den amerikanischen Gangs übernommen: die Strukturen, das Territorialverhalten, die Tätowierungen, Zahlencodes und Akronyme. Spricht man mit einem Angehörigen der Gangszene in Deutschland, so wird selbst bei konkurrierenden Streetgangs immer wieder ein Hollywoodfilm als die Inspiration genannt: Blood in, Blood out – Verschworen auf Leben und Tod. Viele Gangmitglieder in Deutschland greifen zur Beschreibung ihres Lebensgefühls auf Zitate und Bilder aus diesem Film zurück.

Was passiert in Blood in, Blood out? Erzählt werden die Lebensgeschichten dreier junger Chicanos in East L.A. vor dem Hintergrund der realen Gangkriege von L.A. Ihre eigene Gang, die Vatos Locos, befindet sich zuerst in einem Territorialkonflikt mit einer anderen Chicano-Gang, den Tres Putos. Nach einer tödlichen Schießerei landet eine der Hauptfiguren in der berüchtigten kalifornischen Straf­anstalt San Quentin, die durch die vielen inhaftierten Bandenmitglieder zu einem brutalen und gnadenlosen Kampfplatz der Gangs verkommen ist. Die Hautfarbe und die ethnische Herkunft ­entscheiden automatisch über die Zugehörigkeit zu einer Gang oder den Herrschaftsanspruch der Gang über den Gefangenen. Die Weißen sind in der Aryan Brotherhood organisiert (im Film »Aryan Vanguards«), die Schwarzen in der Black Guerrilla Family (»Black Guerrilla Army«) und die Chicanos in der Mexican Mafia (»La Onda«). Der Filmtitel bezieht sich auf den Umstand, dass man nur durch einen Mord in der Gang aufgenommen wird und nur mit dem eigenen Tod die Mitgliedschaft wieder beenden kann: »Blut rein, Blut raus.«

Der Kultfilm besticht durch seine Authentizität, seine starke Atmosphäre sowie durch den Verzicht auf vorschnelle Lösungsangebote oder ein Happy End. Blood in, Blood out ist ein einzigartiges Epos, weshalb nicht verwundert, dass viele Gangmitglieder in Deutschland Parallelen zu ihrem eigenem Leben zu entdecken glauben.

Die Taten, die diese jungen Männer begehen, sind jedoch real – kein Hollywoodregisseur wird sie je rückgängig machen. Die Opfer sind wirkliche Opfer und nicht der Fantasie eines Drehbuchautors entsprungen. Und Deutschlands Straßen sind nicht der Gefängnishof von San Quentin, auch wenn einige der Protagonisten auf den nächsten 230 Seiten dies wohl verwechselt haben.

1. KapitelBlack Jackets –»Wir sind eine Streetgang«

Die Black Jackets sind nach eigenen Angaben nicht nur die »am schnellsten wachsende Gang in Deutschland«, sondern mit über 3000 Mitgliedern gleichzeitig die zahlenmäßig größte der Republik. Gerade in jüngster Zeit reiht sich ein Gewaltexzess an den nächsten, es sind Tote zu beklagen und die schweren Straftaten im Bereich des Rotlichtmilieus, der Türsteherszene und des Drogen- und Waffenhandels häufen sich. Die Gruppierung ist in vielerlei Hinsicht interessant, da diese Straßengang ihre Metamorphose von einem unbedeutenden Zusammenschluss junger Migranten zu einer bundesweit agierenden kriminellen Gang bereits abgeschlossen hat und für viele nachfolgende Gangs als Vorbild dient. Zudem haben die Black Jackets ihre Aktivitäten auf ein Dutzend weiterer Länder ausgeweitet – wobei die Mitglieder und Aktionen weiterhin aus Deutschland gesteuert und unterstützt werden.

Gerade auf die Einwandererkinder der zweiten und dritten Generation hat diese spezielle Gang einen erheblichen Einfluss. In den sozialen Brennpunkten der Städte wird nicht mehr eine Karriere à la Boris Becker oder Michael Schumacher angestrebt. Stattdessen hört man immer wieder die Aussage: »Ich will ein Black Jacket werden.« Versucht man also die Strukturen der Gangs in Deutschland zu verstehen, muss man sich zunächst die Black ­Jackets genauer ansehen.

Ganggründung mithilfe von Steuergeldern

Die fast 50 000 Einwohner zählende Kreisstadt Heidenheim liegt im Osten Baden-Württembergs an der Grenze zu Bayern, 33 Kilometer nördlich von Ulm. Heidenheim an der Brenz ist von einem in der industriellen Produktion tätigen Mittelstand geprägt und vermittelt den Anschein eines perfekten Vorzeigestädtchens im Schwabenländle. 2013 lag der Anteil der Bürger mit Migrationshintergrund bei annähernd 40 Prozent, wobei in den Kindergärten der Anteil bereits über 60 Prozent betrug.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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