Der Parkhausfinne Band 5 - Waltraud Batz - E-Book

Der Parkhausfinne Band 5 E-Book

Waltraud Batz

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Beschreibung

Nachdem sich Bärbels Eltern persönlich vom ordnungsgemäßen Zustand ihrer Tochter überzeugt haben, gerät die neumannsche Familienidylle ins Kippen. Bärbel kann von Finnland aus nur bedingt helfen, aber die sich ankündigende Veränderung erstreckt sich nicht nur auf ihre Eltern. Auch Bandmanagement, Bürothemen und Fans machen Bärbel, Teemu und ihrem Umfeld das Leben schwer. Aber bevor sie den dringend nötigen Neuanfang angehen können, hat Teemu andere Pläne: Er lädt Bärbel zu einem Kurzurlaub nach Lappland ein.

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Seitenzahl: 367

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Über das Buch

Der Parkhausfinne Band 5

Kapitel 1 - Jetzt bin ich so geschockt, jetzt geht nix mehr!

Kapitel 2 - Die Neumanns im ewigen Eis

Kapitel 3 - Alles nur Pappkulissen?

Kapitel 4 - Unzucht im Sündenpfuhl

Kapitel 5 - Ja, wo wird denn jetzt geheiratet?

Kapitel 6 - Zwei Eimer und ein Sack Zement

Kapitel 7 - Die Lage spitzt sich zu

Kapitel 8 - Das Ewige Eis atmet auf

Kapitel 9 - Grillbesuch

Kapitel 10 - Finnish for Runaways?

Kapitel 11 - Bärbelpapa reist ab

Kapitel 12 - So einen Abend braucht keiner!

Kapitel 13 - Mökkifinnischlerncamp, wir kommen!

Kapitel 14 - Der Axtmörder kommt zum Grillen vorbei

Kapitel 15 - Teemu kriegt einen romantischen Anfall

Kapitel 16 - Überstürzter Abflug

Kapitel 17 - Wegen Überfüllung geschlossen

Kapitel 18 - In die Höhle des Drachen

Kapitel 19 - Dann doch bitte alles mitnehmen

Kapitel 20 - Verdacht auf Schlafkrankheit

Kapitel 21 - Bärbel wird fremdbekuschelt

Kapitel 22 - Ich dreh Euch den Strom ab!

Kapitel 23 - Finnisches Durcheinander

Kapitel 24 - Operation Deutschlandblitzbesuch

Kapitel 25 - Ist das Kunst oder kann das weg?

Kapitel 26 - 00 Bärbel auf der Flucht

Kapitel 27 - Bitte lächeln!

Kapitel 28 - Kann es noch schlimmer werden? Es kann.

Kapitel 29 - So nicht, Herr Perhonen, so nicht!

Kapitel 30 - Teemu und der Weichspüler oder: Juha zertritt ein Schneckenauge

Kapitel 31 - Schnuffel im Songschreiberausch

Kapitel 32 - Haare ab! Oooooha.

Kapitel 33 - Da isser ja endlich wieder!

Kapitel 34 - Überraschungsbesuch im Norden

Kapitel 35 - Die Frage aller Fragen

Nachwort und Danksagungen

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Über das Buch

Nachdem sich Bärbels Eltern persönlich vom ordnungsgemäßen Zustand ihrer Tochter überzeugt haben, gerät die neumannsche Familienidylle ins Kippen.

Bärbel kann von Finnland aus nur bedingt helfen, aber die sich ankündigende Veränderung erstreckt sich nicht nur auf ihre Eltern. Auch Bandmanagement, Bürothemen und Fans machen Bärbel, Teemu und ihrem Umfeld das Leben schwer.

Aber bevor sie den dringend nötigen Neuanfang angehen können, hat Teemu andere Pläne: Er lädt Bärbel zu einem Kurzurlaub nach Lappland ein.

Ein humorvoller Roman für Finnland- und Tierfreunde

Band 5 der Reihe „Der Parkhausfinne“

 

 

Zeitliche Einordnung

Die Handlung in diesem Buch spielt ca. 2015.

 

Über die Autorin

1977 geboren in Frankfurt am Main, aufgewachsen und hängengeblieben in Oberursel/Taunus.

Nach einem abgebrochenen Studium landete sie im Büro, wo sie bis heute feststeckt. Ihre Liebe zum Schreiben lebt sie seit 2015 aus und bringt immer einen Funken Hoffnung und Humor in ihre Geschichten. Sie reist gern, liebt Tiere und Kuchen. Und sogar das Essen der britischen Inseln. Und Rentier. Lachs ist auch okay.

 

Waltraud Batz

 

 

Der Parkhausfinne

 

Band 5

 

 

Roman

 

1. Auflage 2025

 

Texte und Umschlag

© 2025 Claudia Wissemann

 

Sendeformat „Koch und weg“

© 2015 Claudia Wissemann

 

Verantwortlich

Claudia Wissemann, Stettiner Str. 23, 61440 Oberursel

[email protected]

 

Druck

epubli – ein Service der neopubli GmbH, Köpenicker Str. 154a, 10997 Berlin

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]

Kapitel 1 Jetzt bin ich so geschockt, jetzt geht nix mehr!

 

„WAS??!“

„Ja.“ Teemu atmete aus. „Ich putze das Haus seit dem Anruf.“

Mooooment, das musste sie jetzt erst mal verarbeiten. Sie wurde zwar nicht ohnmächtig, aber ihr wurde ganz anders. „Also hast du gar nicht verschlafen?“

„Nein, ich wollte dich nur im Auto nicht so schocken.“ Teemu legte ihr einen Arm um die Schulter. „Komm rein, wir essen jetzt und dann besprechen wir, was wir deinen Eltern alles zeigen.“

Sie nickte und ging mit ihm ins Wohnzimmer. Auch hier, alles piccobello sauber und ordentlich. Er hatte sogar die Ablage unter dem Couchtisch ausgemistet und auch die Aquarienscheiben waren frisch geputzt. Nur der Esstisch sah aus wie ein Schlachtfeld, aber Teemu hatte eine Hälfte freigeräumt und da stand schon das Essen vom Italiener.

„Eben vor zwei Minuten gekommen. Du müsstest das Lieferauto noch gesehen haben.“

Bärbel überlegte. Vorn an der Straße war ein kleines, weißes Auto rumgekurvt, ja, aber sie hatte nicht drauf geachtet, ob es von einer Pizzeria gewesen war.

Die Nudeln waren wirklich gut, auch wenn Bärbel fast schon keinen Hunger mehr hatte. Sie fragte Teemu auf Finnisch, wann Ihre Eltern angerufen hatten.

Teemu berichtete, ebenfalls auf Finnisch, aber deutlich, langsam und auf ‚Hochfinnisch‘. Bärbel verstand, dass ihre Mutter gegen Mittag bei Teemu angerufen und verkündet hatte, dass sie auf das Drängen von Bärbels Vater hin im Reisebüro kurzentschlossen Flüge und Hotel gebucht hatten.

Bärbel wiederholte auf Deutsch und Teemu strahlte übers ganze Gesicht. „Alles richtig.“

Sie nickte zufrieden und aß weiter. Dann stach sie ihre Gabel ins Essen und sah zu Teemu hoch.

„Hmm?“, fragte er und ihm fiel das Pizzastück aus der Hand. Er nahm es wieder hoch und aß weiter.

„Danke“, sagte Bärbel.

„Für was?“

„Fürs Putzen. Aber es war vorher auch in Ordnung.“

Teemu nickte zufrieden. „Ja. War eine Menge Arbeit. Aber ich wollte nicht, dass deine Mutter Staub findet, Mütter sind da ja immer etwas speziell. Und deine erst recht.“

Sie wusste ja, dass ihre Eltern vorbeikommen würden, irgendwann, aber so schnell?! Gleich morgen?! Erst hatten sie sich mit Händen und Füßen geweigert, zumindest ihre Mutter. Bärbel hatte sich so auf einen schönen Abend gefreut und war so stolz auf sich wegen des Finnischs und jetzt das!

„Hm?“ Teemu sah zu ihr.

„Was? Sorry, ich war völlig in Gedanken.“

„Wir schaffen das. Jetzt ist es so. Bestimmt sind deine Eltern auch aufgeregt. Fliegen, ein fremdes Land, ihre Tochter besuchen. Und dein Vater freut sich wahrscheinlich auf Bootfahren und Angeln.“

Ja, er hatte ja Recht. Die beiden waren jahrelang nicht mehr im Urlaub gewesen, sofern sie wusste, das war sicherlich aufregend. „Oh, ja, bestimmt. Kriegen wir das hin?“

„Klar. Ich habe deiner Mutter gesagt, dass sie keine Winterjacken brauchen, aber sie hat mir nicht geglaubt.“

Bärbel seufzte.

Nach dem Essen machten sie noch klar Schiff auf dem Esstisch, Teemu türmte seine ganzen Boots- und Autoprospekte ins Büro und beide gingen noch einmal durch jeden Raum und überlegten, ob alles okay war. War es. Mehr als okay. Immerhin wohnten sie hier. Da durfte ruhig auch mal etwas herumliegen.

„In welchem Hotel wohnen sie denn?“, fragte Bärbel auf Finnisch.

„Scandic Park. Das ist gut. Da ist eine Straßenbahnhaltestelle direkt davor.“

Das Hotel kannte Bärbel auch, es lag an einer der Hauptstraßen von Helsinki. Sie war froh, dass es das geworden war und keins mitten in der Innenstadt, wo man mit dem Auto kaum rankam. Sie nickte. Sie beendeten ihren Rundgang auf der Terrasse.

Alles war ordentlich aufgeräumt oder sympathisch durcheinander. Teemus Büro zum Beispiel. Und Bärbels Zimmer. Da lagen einige Bücher kreuz und quer und die Reitsachen lagen vor einem Regal am Boden. Und das blieb auch so.

Draußen konnte man auch nichts sagen. Es sah aus, wie eine Terrasse eben so aussieht. Teemu kehrte noch die Grillecke sauber und die Krümel unters Gebüsch. Dann schlang er seine Arme von hinten um Bärbel. „Na komm, gehen wir ins Bett. Wir müssen morgen früh ausgeruht sein. Es wird anstrengend.“

 

 

Bärbel wachte am nächsten Morgen auf, weil irgendetwas in ihrem Gesicht war. Eine Zunge. Hellä? Nein, nur Teemu. Er küsste sie und schaute liebevoll zu ihr. Er saß vollständig angezogen neben dem Bett. Bärbel war mit einem Schlag wach und setzte sich auf.

„Hyvää huomenta!“ Teemu war gut drauf und so wie es aussah auch schon vollständig wach.

Bärbel schaute auf die Uhr und setzte sich viel zu schnell auf. „Es ist schon halb zwölf!“

„Ja.“

„Warum hast du mich nicht geweckt?“

„Du hast den Schlaf gebraucht.“

„Ähh. Aber …“ Sie rieb sich die Augen.

„Sie kommen erst um viertel nach drei an, alles gut.“

 

Sie frühstückten und diskutierten danach bei einem kleinen Hundespaziergang die weitere Vorgehensweise.

„Also viertel nach drei … dann erst mal ins Hotel?“, fragte Bärbel.

„Ja, wir warten unten, bis sie sich kurz ausgeruht haben oder wir gehen mit Hellä gegenüber in die … den Park. Dann wir nehmen sie mit hierher, Kaffee und Kuchen. Ich habe Kuchen bestellt und einer ist im Ofen.“ Teemu schaute stolz.

„Du hast einen Kuchen gemacht?“

„Ja!“ Er schaute noch stolzer.

„Wow! Super!“

Er nickte zufrieden.

„Und dann?“ Bärbel überlegte, ob ihre Mutter wohl abends sehr unleidlich werden würde, weil sie ihren heiligen Mittagsschlaf nicht gehabt hatte.

Teemu überlegte. „Wir können dann zum Abendessen wieder nach Helsinki rein fahren. Bisschen am Hafen gucken oder kurz zum Dom vielleicht. Und dann Abendessen und zurück ins Hotel. Sollen wir morgen Karten holen für die Straßenbahn?“

„Es wäre besser, ja. Vielleicht wollen sie ja auch alleine mal los, ohne uns.“

Teemu machte ein zustimmendes Geräusch.

Bärbel nickte. „Und morgen dann Helsinki oder Mökki? Wir lassen sie entscheiden?“

„Ja.“

„Danke, Teemu, dass du das mit mir durchstehst.“ Bärbel seufzte. Teemu hatte schon die ganze Zeit über den Arm um Bärbels Schultern liegen, und nahm ihn erst wieder runter, um das Gartentürchen zu öffnen.

Hellä wurde noch draußen kräftig gebürstet und drinnen dann wurde der Kuchen aus dem Backofen befreit und tiersicher untergebracht. Er roch fantastisch, der Kuchen.

Sie saugten das gesamte Haus durch und die Möbel ab. Hellä wollte sich nicht absaugen lassen und floh.

„Teemu, es reicht jetzt, glaub ich. Wir hatten immer Hunde. Wenn jetzt noch irgendwo Haare hängen, ist es mir echt egal.“

Teemu schüttelte seine eigenen Haare zur Seite, der sogenannte Perhonensche Haarwurf, gefolgt von der Perhonenschen Zunge, die ein bisschen zwischen seinen Lippen herausguckte.

Teemu nickte und trug den Staubsauger zurück in die Abstellkammer. Bärbel schaute noch mal in Schlafzimmer und Bad, alles toppsauber. Alles war gut, durchatmen.

 

„Kannst du bitte fahren?“, fragte Bärbel ziemlich fertig, als sie gerade die Haustür hinter sich zugezogen hatten und unten neben dem Auto standen.

„Nein. Du fährst. Sie müssen sehen, dass du als schwache Frau hier voll akzeptiert bist, in diesem Stamm von halbwilden Eskimos im hohen Norden, wo es das ganze Jahr über dunkel und kalt ist.“ Teemu reckte die Arme dramatisch nach oben, wie in einem Musical.

Bärbel musste lachen. Es war fantastisches Wetter, die Sonne schien und man sah lediglich ein paar fluffige weiße Wölkchen am Himmel. Es waren bestimmt zwanzig Grad und Teemu schwang sich, total mutig, ohne Jacke auf Toppis Beifahrersitz.

Bärbel stieg immer noch kopfschüttelnd ins Auto und dotzte drinnen fast mit Teemu zusammen. Er küsste sie. Mehrfach. Und sehr sehr zärtlich. Zwischen Küssen und Lachen vergaß sie kurzzeitig den bevorstehenden Weltuntergang.

„Alles wird gut. Sie werden es lieben. Aber – es wird ein Schock werden, zumindest für deine Mutter.“

„Ooooh ja“, sagte Bärbel und fuhr in Richtung Autobahn.

 

Sie parkten am Flughafen und betraten das Terminal, Hellä durfte natürlich mit rein. Teemu wurde mehrfach angesprochen, während sie noch auf der Anzeigetafel schauten, wo Bärbels Eltern ankommen würden. Es war aber wohl eine Gruppe Deutsche, die zusammengehörte und als sie wieder weg waren, mit Autogrammen und ein paar Fotos, war Ruhe und Teemu und Bärbel gingen zu dem Ausgang, aus dem ihre Eltern rauskommen müssten, rein theoretisch gesehen.

Und dann begann das Warten, zusammen mit ein paar anderen Leuten. Teemu nahm Bärbels Hand. Bärbel kam sich eher vor, als würde sie auf eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt warten, als auf ihre Eltern, um ihnen ihr Leben und Helsinki zu zeigen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ging die Tür auf, und die ersten Passagiere betraten die Flughafenhalle.

 

Kapitel 2 Die Neumanns im ewigen Eis

 

Irgendwann kamen dann auch Bärbels Eltern durch die Tür. Ihr Vater schaute sich munter um, ihre Mutter schien froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. „Hallo, Bärbel!“

Hallo, Mama, hallo, Papa, schön, dass ihr da seid. Wie war der Fl…“

„Kind, ich bin so froh! Der Flug war schrecklich. Und die Landung erst!“

„Ach, alles halb so wild!“, sagte Bärbels Vater und klopfte Teemu auf die Schulter. Er kam kaum dran. „Na, mein Junge, alles klar? Boot schon bereit?“

„Ich gehe NICHT auf ein Boot!“, verkündete Bärbels Mutter laut.

Er lachte und Teemu lachte mit. Händeschütteln. „Ein Ruderboot haben wir, ja.“ Er ergänzte noch „Willkommen in Finnland.“

Bärbels Vater nickte. Teemu schüttelte auch Bärbels Mutter die Hand. „Hallo, Frau Neumann, willkommen in Finnland. Tervetuloa.“

„WAS?“

„Das heißt ‚Willkommen‘ auf Finnisch.“

„Ach so. Ja, danke.“ Bärbels Mutter hatte trotz Teemus Warnungen einen Schal und eine dicke Winterjacke an und schaute sich skeptisch um. „Hier ist es ja gar nicht so kalt.“

„Nein. Wetter ist warm momentan“, sagte Teemu.

„Es ist ja auch Hochsommer“, sagte Bärbel und fing sich einen bitterbösen Blick von ihrer Mutter ein. „Dann los?“

„Was machen wir denn jetzt? Kind, bitte nicht direkt los auf ein Boot!“

„Nein, Mama. Wir dachten, wir fahren euch ins Hotel, ihr könnt ein wenig ausruhen und dann fahren wir zu uns zum Kaffee trinken und Kuchen essen. Heute Abend könnten wir in Helsinki zu Abend essen und den Rest besprechen wir dann.“

Bärbels Mutter schaute sie an. „Ja, gut. Wilhelm?“

„Ja, prima, dann mal los, raus ins ewige Eis. Seid ihr mit dem Hundeschlitten da?“ Ihr Vater kicherte.

Teemu nickte und wies nach links. Bärbels Mutter wurde ganz blass und murmelte „Hundeschlitten? Oh weh!“

 

Der kleine Trupp bewegte sich durch den Flughafen. Sie schafften es mit nur zwei Foto- und Autogrammstopps bis zum Auto.

„Ist das mit ihm immer so?“, fragte Bärbels Mutter, als Bärbel hinter Toppi anhielt. „Ja, meistens schon. In Deutschland ist er einfach viel bekannter als hier. Und hier sind eben viele deutsche Touristen, am Flughafen.“

Bärbels Mutter nickte und machte große Augen, als Bärbel den Kofferraum öffnete. „Kind! DAS ist dein Auto?“

„Ja.“ Teemu kam heran und hob die Koffer in den Kofferraum. Das war Männersache. „Danke, Schatz.“ Teemu grinste und deutete eine Verbeugung an.

„Möchte jemand vorn sitzen?“, fragte Bärbel.

„Roswitha, du“, sagte Bärbels Vater und klopfte Teemu an den Arm. „Komm, Junge, wir sitzen hinten und du erzählst mir von eurem Ferienhaus!“

Teemu lachte kurz und hielt Bärbels Vater die Tür auf.

„Komm rum, zumachen kann ich allein!“, rief er. Er war wirklich gut gelaunt, Bärbel freute das sehr. Ihre Mutter kletterte auf den Beifahrersitz, natürlich war das Auto zu hoch und die Farbe war scheußlich und überhaupt. Vorher zog sie allerdings ihre Jacke aus.

Als sie dann endlich drin war und Bärbel den Motor startete, war sie aber doch positiv überrascht. Sie schaute sich um. „Och ja … schön ... weißt du denn, wo es lang geht?“

„Ja, Mama, ich war schon öfters hier.“ Bärbel bekam ein verkniffenes Nicken zur Antwort und lenkte das Auto in Richtung Autobahn.

Auf der Rückbank war eine angeregte Unterhaltung auf Teemudeutsch und Bärbelpapaenglisch im Gange. Die beiden verstanden sich. Bärbel bekam auch mit einem Ohr so halb mit, dass ihr Vater Teemu ständig fragte, wie etwas auf Finnisch hieß.

„Bärbel, ich versteh jetzt, warum du die Sprache magst. Das ist ja niedlich! Hotel heisst Hotelli!“, rief er amüsiert nach vorn.

„Ja, Papa, manches klingt wirklich süß.“ Sie schob noch „Sorry, Teemu!“ hinterher.

„Kind, konzentriere dich bitte aufs Fahren!“, herrschte ihre Mutter sie von der Seite an.

„Geht schon. Mama, ich kann durchaus während dem Autofahren sprechen!“

Teemu sagte etwas auf Finnisch und Bärbel antwortete kurz. „WAS hast du gesagt, Kind? Sprich doch bitte deutlich!“, wetterte es vom Beifahrersitz.

„Ich habe auf Teemus Frage geantwortet. Auf Finnisch.“

„Ach so. Kannst du das denn?“

„Noch nicht alles, nein.“ Bärbel fuhr von der Autobahn ab.

„Da ist Halle von meinem Eishockeyteam!“, sagte Teemu nach einer Weile und zeigte nach links. Bärbels Vater schaute nach links. „Aha. Ja.“

„Was ist da? Da ist doch gar nix!“, tönte Bärbels Mutter.

„Das ist die Eissporthalle, das ist das Heimatstadion von Teemus Eishockeyverein.“

„Er hat einen Verein?“

„Nein, aber er ist Fan von denen. Wie der Papa von Borussia.“

„Ach so.“ Sie fuhren weiter.

 

„Und warum halten wir jetzt?“

„Hier ist euer Hotel. Wir sind da.“

„Ach.“ Bärbels Mutter schaute sich skeptisch um. „Hier?“

„Ja. Das Hotel ist echt in Ordnung.“

„Na, wenn du das sagst.“ Es klang sehr zweifelnd.

„Jo.“ Bärbel stieg aus und hielt ihrer Mutter die Tür auf. Teemu und ihr Vater waren schon am Kofferraum.

„Kann das Auto jetzt hier so bleiben, Kind? Es steht doch hier total im Weg, das hättest du sehen müssen!“

Bärbel war innerlich auf hundertachtzig. „Willst du es wegfahren?“ Sie hielt ihr den Schlüssel hin.

„Werd nicht frech, Kind!“

„Ich mag dein Kind sein, aber ich kann durchaus selbst entscheiden, wo ich mein Auto hinstelle. Wo soll es denn sonst hin? Wenn ich da hinten geparkt hätte, hättste dich beschwert, dass es zu weit zum Eingang ist. Aber vorm Eingang passt dir auch nicht. Mama, bitte akzeptiere, dass ich schon erwachsen bin und kein Kind mehr. Ich treffe eigene Entscheidungen. Zum Beispiel, wo ich mein Auto lasse. Und fünf Minuten zum Ausladen kann es hier sicherlich stehen bleiben.“

Bärbels Mutter schaute sie lange an. Ihre Augen gingen hin und her. Bärbel war gespannt, was jetzt kam.

„Entschuldigung, Kind. Das hier ist nicht einfach für mich!“

„Ich weiß, Mama. Aber bitte denk mal drüber nach, was du sagst und wie. Vieles, was du sagst, klingt für mich einfach verletzend und so, als ob du mir nicht zutraust, hier zu überleben oder überhaupt irgendetwas geregelt zu bekommen.“

„Du weißt genau, dass ich es nicht so meine! Lass uns rein gehen. Wo sind denn dein Vater und Momo?“

„Teemu.“

„Ja, mein ich doch. Mit dem Momo habt ihr mich echt reingelegt.“

Bärbel sagte nichts mehr und beide gingen ins Hotel.

 

Teemu und Bärbels Vater standen schon an der Rezeption. Die Angestellte dort erklärte den beiden, wann es Frühstück gab und wo die Sauna war etc. Das Übliche halt. Und der Hotelgastzettel musste noch ausgefüllt werden. Dann waren sie fertig eingecheckt und machten Platz für die nächsten Hotelgäste.

„Und jetzt? Kommt ihr mit hoch?“

„Wenn ihr wollt, ja. Aber wir können uns auch in einer halben Stunde wieder hier unten treffen. Dann habt ihr ein bisschen Zeit zum Auspacken und so.“

„Ja, das ist besser. Wilhelm?“

„Ja?“

„Was meinst du?“

„Ich?“ Bärbels Vater war wohl überrascht, dass er nach seiner Meinung gefragt wurde und sogar die Option hatte, etwas entscheiden zu dürfen. „Ja, klingt gut. Da sind die Aufzüge. Was heißt Aufzug?“, fragte er Teemu gespannt.

„Hissi.“

„Hissi! Süß is des hier, echt! Und Bar?“ Die Hotelbar war gleich bei den Aufzügen. „Baari.“ Teemu grinste schon. Bärbels Vater schüttelte Teemu die Hand, der lachen musste. Bärbels Eltern zogen ihre Köfferchen in Richtung der Aufzüge. „Bis nachher dann!“ Teemu und Bärbel warteten, bis die beiden im Aufzug verschwunden waren.

Sie atmete durch und sah zu Teemu hoch. „Hat die Bar schon offen? Ich nehm einen doppelten Wodka auf Eis.“

Teemu lachte und legte Bärbel den Arm um die Schulter. „Wollen wir schauen?“

„Nee.“

Teemu lachte. „Hey, das wird gut!“

Sie gingen nach draußen, Teemu parkte das Auto kurz um in die Seitenstraße neben dem Hotel und kam mit Hellä wieder nach vorn zur Straße.

 

Sie gingen die nächste halbe Stunde über im gegenüberliegenden Park spazieren.

„Börb, ich mag deinen Dad. Er ist lustig. Mir kommt so vor, als ob er ist richtig glücklich, und will alles sehen und so.“

„Ja, das wundert mich auch gerade. Und freut mich. Er ist total anders als sonst.“ Die beiden gingen zurück zum Hotel.

 

Bärbels Eltern standen schon im Foyer. Ihre Mutter hatte nun eine dünnere Jacke an, gut, dass sie eine mitgenommen hatte. Mit Moonboots und gefütterter Daunenjacke würde es doch etwas zu warm werden im Hochsommer.

„So, fahren wir jetzt zu euch?“

„Ja, wenn ihr wollt.“

„Ja, ein Kaffee und etwas zu essen wäre jetzt schön.“

„Gefällt Ihnen das Hotel?“, fragte Teemu artig.

Bärbels Mutter schaute ihn verdutzt an. „Ja, das Zimmer ist schön.“

„Gut.“ Teemu nickte zufrieden. „Dann los?“

„Warum ist da eine zweite, kleine Brause neben der Toilette?“, fragte Bärbels Mutter. Oh nein. Doch nicht so eine Frage!

Bärbels Mutter sah zu Teemu hoch. Jetzt war Bärbel aber auch gespannt, wie Teemu die finnische Arschbrause, wie Bärbel sie im Spaß immer nannte, erklären würde.

Teemu setzte gerade an, überlegte aber noch kurz, als Bärbels Vater dazwischenfuhr. „Isch hatt ja gedacht, des is, damit mer sich unnerum abbrause kann, wenn mer ma … naja… so wie n Bidet, nur eben als Brause.“ Er grinste. „Ist das dafür?“

Teemu guckte verwirrt und ließ sich kurz von Bärbel bestätigen, was er verstanden hatte. Er musste über beide Ohren grinsen und nickte. „Ja.“

„Ach“, sagte Bärbels Mutter nur und nickte. Bärbel nickte ebenfalls und lief los.

 

Als sie alle abfahrbereit im Auto saßen, Hellä in ihrer Hundebox im Kofferraum, fragte Teemu etwas nach vorn. Auf Finnisch. Hey, das war cool, so konnten sie einfache Sachen abklären, ohne dass ihre Eltern etwas verstanden. Genial! Bärbel antwortete und fuhr los.

„Was ist denn?“, fragte ihre Mutter.

„Wir fahren schon mal ein bisschen durch die Stadt, dann kriegt ihr einen ersten Eindruck.“

„Ist das kein Umweg?“, fragte ihr Vater von hinten.

„Vielleicht ne Viertelstunde oder zwanzig Minuten oder so.“

„Na, das geht ja“, sagte ihre Mutter. Der Tonfall besagte nichts Gutes. Bärbel fuhr weiter und dachte so bei sich ‚Helsinki, bitte benimm dich jetzt!‘

Helsinki hörte auf Bärbel und benahm sich. Und zwar vorbildlich. Es war zwar eigentlich Feierabendverkehrzeit, aber es hielt sich in Grenzen. Der Himmel war immer noch ratzeblau und das Licht wurde noch fantastischer als es ab mittags eh schon war, was der nördlichen Lage der Stadt zu verdanken war.

„Hier links ist die Finlandiahalle“, sagte Bärbel. Ihre Eltern guckten brav. „Was ist das hier rechts?“, fragte Bärbels Vater, der hinten rechts saß.

„Das Nationalmuseum.“

„Ah, schön, sieht aus wie ne Kirche.“

„War bestimmt mal eine“, kam es vom Beifahrersitz.

„Es war immer ein Museum. Von Anfang an“, sagte Teemu.

„Aha. Nun ja, auch gut. Oh, ein Pferd!“, sagte Bärbels Mutter.

„Ja, das ist der Herr Mannerheim. Der war … Teemu, was war der?“ Der Name war allgegenwärtig, und auch die große Straße, auf der sie immer noch fuhren, trug diesen Namen, aber was der jetzt gewesen war, hatte Bärbel entweder nie gewusst oder schon wieder vergessen.

„Er war … Militärchef und später Presidentti. Und noch andere Sachen.“

„Oh. Aber schöne Statue“, sagte Bärbels Vater.

„Ja, find ich auch.“ Bärbel fand die wirklich schön. Das Pferd war so entspannt. Als Reiterin machten sie Statuen, wo das Pferd das Maul aufgerissen hatte und sichtliche Schmerzen litt, immer unglücklich. „Hier links ist der Bahnhof. Wir fahren jetzt noch mal kurz am Dom vorbei und am Hafen und dann wieder obenrum zurück.“

„Obenrum?“

„Am Hotel wieder vorbei und dann zu uns nach Hause.“

Sie fuhren weiter und Teemu und Bärbel erklärten manchmal kurz etwas oder antworteten auf Fragen.

Dann tat sich rechts der Dom auf und sie hoppelten auf dem Kopfsteinpflaster an ihm vorbei.

„Oh, ist das schön!“, entfuhr es Bärbels Mutter. Sie klebte förmlich an der Scheibe.

„Ja, der ist toll. Man sieht ihn von fast überall in der Stadt aus.“

Bärbels Mutter hatte immer noch die Hände vorm Mund und schien total überwältigt zu sein. „Können wir … mal halten?“

„Hier jetzt schlecht, aber wenn du willst, können wir nachher noch mal vorbeigehen, oder morgen.“ Ihre Mutter nickte. „Kann man auch rein?“

„Ja, aber für heute ist dann erst mal zu. Morgen können wir rein, ja. Also, wenn keine Hochzeiten sind, oder so“, sagte Bärbel. Ihre Mutter nickte andächtig. Dann fiel ihr noch etwas ein. „Ist der Dom katholisch?“

„Nein, evangelisch.“ Das wusste Bärbel, das hatte sie extra noch mal nachgeschaut. „Macht nichts, ich möchte ihn trotzdem von innen sehen.“

„Klar, dafür seid ihr ja hier. Um Sachen anzuschauen. Freut mich, wenn es euch gefällt. Hier kommt jetzt der Hafen. Tagsüber stehen hier diese Zelte, die orangenen, da gibts Souvenirs und Essen. Und dein Fell kommt von dort. Aber die packen jetzt schon ein.“

Bärbels Mutter nickte. Jetzt kam Leben auf den Rücksitz. „Das Schiff da ist ja toll! Und n Riesenrad gibts auch!“, sagte Bärbels Vater munter.

„Ich fahre kein Riesenrad! Das ist mir zu hoch!“, krisch Bärbels Mutter los.

„Schrei doch nicht so, Mama!“ Bärbel rieb sich ihr rechtes Ohr. „Wenn Papa Riesenrad fahren will, kann er ja alleine oder mit Teemu oder mir.“

„Junge, wir zwei, jo, wir fahrn Riesenrad, hm? Biste schon mal gefahren? Leut, die in Städten wohnen, wo es so Sachen gibt, die warn da ja meistens selbst nie drin. Pariser uffm Eifelturm und New Yorker uffm Empire State Building und so.“

Teemu fragte ein paar Sachen nach, er hatte nicht alles verstanden. Dann aber schon. „Ah, joo. Ja, ich war schon mal.“ Er nickte. „Aber ich würde noch mal fahren mit dir.“

„Guter Junge.“ Sie lachten beide. Bärbel freute sich sehr, dass die beiden sich so gut verstanden.

Sie fuhren wieder am Esplanadepark entlang, zurück in Richtung Hotel. „Das hier ist der Esplanadepark, schön zum Einkaufen, hier herum“, sagte Teemu.

„Ja, das ist schön hier“, sagte Bärbels Mutter. Ooooh, Hört Hört! Sie fuhren eine Weile weiter.

„Ach, hier ist ja unser Hotel!“

„Genau.“

„Bist du jetzt extra wegen uns da den ganzen Bogen gefahren?“

„Ja, Mama, einfach so, damit ihr schon mal einen ersten Eindruck bekommt.“

 

Keine zwanzig Minuten später fuhren sie die Einfahrt zum Haus hoch. Unterwegs hatten sie noch kurz bei der Bäckerei gehalten, bei der Teemu den Kuchen bestellt hatte und er war hineingehuscht und hatte ihn abgeholt.

„Willkommen bei uns zu Hause“, sagte Teemu mit Stolz in der Stimme, als sie alle ausgestiegen waren und neben dem Auto standen. Bärbels Eltern schauten sich um.

„Ah. Moment“, sagte Teemu und bat Bärbels Mutter, kurz den Kuchen zu halten. Sie nahm die Schachtel verwirrt entgegen und schaute mit der mindestens ebenso verwirrt dreinschauenden Bärbel, die Familienähnlichkeit war hier unverkennbar, zu, wie Teemu die Garage aufschloss. Männer! Aber Bärbel freute sich wirklich, als ihr Vater total glücklich schaute, als Teemu ihm kurz den Mercedes zeigte. Teemu nahm den Kuchen wieder entgegen und Bärbel ging vor zur Haustür.

 

Auch im Vorraum schauten ihre Eltern sich aufmerksam um.

„Schuhe ausziehen?“, fragte ihr Vater.

„Ja, bitte“, sagte Teemu und schob mit dem Fuß Hausschuhe für Gäste in ihre Richtung.

„HUCH!“ Bärbels Mutter griff sich erschrocken ans Herz. „Da is ja die Katz!“

Tiffy strich schnurrend um die Beine ihres Helden.

„Das ist Tiffy“, sagte Bärbel. „Teemus Schatten.“

Der kleine Trupp bewegte sich vom Vorraum in den Eingangsbereich und Teemu ging direkt nach rechts durch in die Küche.

„Wow, schönes Haus!“, sagte Bärbels Vater. „Super!“

„Schön, ja …“, sagte ihre Mutter und schaute sich um, in einer Mischung aus Ehrfurcht und Ungläubigkeit. Das Haus war gänzlich anders als ihr Zuhause. Das war eher deutsch, düster, Eiche Rustikal und Teemus Haus hier war hell, offen und geradlinig. Und natürlich fuhr sie mit dem Finger auf dem nächsten Bilderrahmen entlang, um die Staublage zu prüfen. Keiner. Teemu zwinkerte Bärbel zu. Es machte sie trotzdem wütend, aber sie verkniff sich einen fiesen Kommentar.

„Ja, das hier sind Wohnzimmer und Küche. Wir haben auch einen kleinen Garten und Terrasse.“ Er ging zurück in die Küche.

Bärbel nahm Hellä das Geschirr ab. „Wollt ihr das Haus erst sehen, oder nachher?“

„Oh ja, ich will das Haus sehen! Habt ihr auch eine Sauna?“

„Wilhelm, bitte!“, ermahnte ihn seine Frau zum Anstand.

„Klar!“, lachte Teemu und stellte die Kaffeemaschine an. Der Kuchen wurde katzensicher untergebracht und eine kleine Hausführung begann. Bärbel überließ diese Teemu.

„Ja, Wohnzimmer!“, sagte Teemu und schaute sich um.

„Ihr habt ja auch ein Rentierfell“, sagte Bärbels Mutter. Den Kamin ließ sie unkommentiert. „Was ist da drin?“ Sie zeigte auf das Aquarium.

„Fische“, antwortete Bärbel. Ihre Mutter nickte und sah wieder zu Teemu, der es bestätigte. Freddie und Brian gaben sich nicht die Ehre, was ungewöhnlich war.

Teemu ging durch den kleinen Flur. Bärbels Mutter machte den Staubtest am Türrahmen zum Flur. 2:0 für Teemu.

„Hier ist Abstellkammer“, sagte er und klopfte an die Abstellkammertür. „Und hier … ist Schlafzimmer.“ Er öffnete die Tür und ging hinein. Bärbels Mutter hätte sich wohl am liebsten die Hände vor die Augen gehalten. Der Hort des Ungemachs, die Sündenhöhle. „Das ist doch privat!“, flüsterte sie entsetzt.

Manchmal war Bärbel sich nicht sicher, wie ihre Eltern es überhaupt geschafft hatten, sie zu bekommen. Vielleicht Windbestäubung? Oder sie war ein Faschingsunfall.

Bärbels Vater schaute sich interessiert um. Teemu war schon im Bad, die Reisegruppe folgte. „Und hier … ist Sauna. Wir können reingehen, wenn du magst. Mit Bier und Würstchen.“

„Oh ja, toll Junge!“

„Wilhelm, nein!“

„War nur n Scherz. Oder?“

„Nein, warum?“, fragte Teemu, beließ es aber dabei. Das war auch besser, Bärbels Mutter bekam sich gar nicht mehr ein vor Freude. Faszination Bad. „Ihr habt ja ein richtig modernes Bad! Mit Badewanne!“

„Ja, Mama. Wir müssen uns nicht am Wasserloch waschen, und vorher die Walrösser wegjagen.“ Sie lachte und ihr Vater lachte mit. Ihre Mutter schaute böse.

„Das ist wirklich schön hier“, sagte ihre Mutter, und es klang fast wie eine Frage.

Wieder draußen aus dem Nicht-Wasserloch-Bad ging die Führung im Obergeschoss weiter. Bärbels Mutter wurde immer ruhiger. Die oberen Zimmer wurden auch gelobt und dann ging es auch schon wieder nach unten.

„Setzt euch doch bitte, wir machen den Rest“, sagte Bärbel. Sie ging in die Küche und holte das Geschirr.

Das Kaffeetrinken verlief recht ruhig, die ganzen neuen Eindrücke mussten ja erst mal verarbeitet werden.

„Der Kuchen ist vorzüglich!“, verkündete Bärbels Mutter mit erstauntem Tonfall.

„Ja“, sagte Bärbel stolz und fügte in Gedanken hinzu ‚aber du willst nicht wissen, was der hier kostet‘. Teemus eigens höchst selbst gemachter Kuchen wurde ebenfalls gelobt. Auch wenn Bärbels Mutter skeptisch war, dass dem wirklich so war.

Nach dem Kaffeetrinken zogen sie dann mit ihren noch oder wieder vollen Tassen um aufs Sofa.

Alles lockerte sich etwas auf, als Bärbels Vater die Terrasse und den Garten besichtigen wollte. Beides wurde abgenickt und für gut befunden.

„Du passt gut auf mein Mädchen auf Junge, danke“, sagte Bärbels Vater und klopfte Teemu auf den Rücken. Der lachte und schaute sogar ein bisschen verlegen. Er bekam sein breites Grinsen, rechter Mundwinkel höher wie der linke. Sein ‚Ich-bin-happy-Gesicht‘.

Als Bärbel das nächste Mal in seiner Nähe stand, schnappte er sie einfach und zog sie in eine enge Umarmung. Küsschen. Noch eins. Wildes Geknutsche.

„Achtung!“, flüsterte Bärbels Vater und beide gingen auseinander, als ob das verboten gewesen wäre.

Bärbels Mutter trat wieder auf die Terrasse. Teemu dachte sich wohl ‚jetzt erst recht‘ und küsste Bärbel weiter.

„Na!“, sagte ihre Mutter tadelnd. Teemu zuckte nur mit den Schultern und ging an Bärbels Mutter vorbei nach drinnen. Sie konnte gar nicht so schnell reagieren, und schwupp hatte sie auch ein Küsschen auf die Wange bekommen.

 

Kapitel 3 Alles nur Pappkulissen?

 

„Bärbel!“, sagte ihre Mutter entsetzt, so, als ob nicht Teemu ihr ein Küsschen, sondern Bärbel ihr einen Kinnhaken verpasst hätte. Bärbel hob nur die Schultern an, lachte und folgte Teemu nach drinnen. Ab diesem Moment wurde Teemu von Bärbels Mutter beobachtet als sei er ein gefährliches Tier. Bloß nicht zu nah rangehen.

 

Eine Stunde später waren alle wieder im Auto und fuhren in die Innenstadt.

„Wollen Sie sehen Dom?“, fragte Teemu ganz lieb nach vorn.

„Geht das denn?“

„Ja, klar“, antwortete Teemu. Was auch sonst? Nein, der Dom ist unpässlich heute. Heute möchte er bitte NICHT mehr angeschaut werden. Er hat die Haare nicht schön.

Bärbel parkte auf Teemus Anraten unten am Esplanadepark, da war gerade eine Parklücke freigeworden. „Passt das?“, fragte Bärbel. „Ja“, antwortete Teemu.

Dann folgte das Einparkerlebnis der anderen Art für Bärbels Eltern. Einparken, ohne sich gegenseitig anzuschreien.

„Bärbel, das passt doch nie!“ Ihre Mutter wurde unruhig, reckte den Hals, sah aber nichts.

„Wenn Teemu sagt, es passt, dann passt es. Außerdem haben wir diverse Piepssystemdinger eingebaut hier.“

„Ihr habt was?“

„Das piepst, wenns zu nah wird.“ Wie zur Bestätigung piepste es.

„Was war das?“, fragte Bärbels Mutter aufgeregt.

„Ei des hab isch dir doch im Autohaus aach erkläre wolle, des tut piepse wenn mer zu nah wo dran komme tut“, sagte Bärbels Vater von hinten.

„So ein Quatsch!“, rief Bärbels Mutter entrüstet. „KIND, PASS AUF!“

„Mama, hör auf zu schreien. ICH fahre das Auto“, sagte Bärbel sehr ruhig.

„Bärbel fährt sehr gut Auto!“, sagte Teemu und von ihm sollte das schon was heißen.

„Und einparken kann se auch! Das hat se von mir“, ergänzte ihr Vater. Bärbels Mutter schaute nur entsetzt. Bärbel parkte weiter ein. Es piepste schon wieder. „Kind, ich kann das gar nicht mitansehen!“

„Dann halt dir die Augen zu!“, sagte Bärbel, parkte fertig und stellte den Motor ab.

 

Sie liefen in Richtung Dom. Bärbel mit ihrer Mutter vorweg, die beiden Männer hinterher. Ihre Mutter schaute immer mal um sich und machte sogar ein paar Fotos, was Bärbel sehr freute. Ihre Mutter hatte also die kleine Digitalkamera, die Bärbel den beiden mal geschenkt hatte, wirklich in Benutzung. „Du hast ja die Kamera mit.“

„Ja, ich möchte ja Fotos haben. Dein Vater hat mir noch mal erklärt, wie das geht. Ich habe viel die Blumen fotografiert, im Garten.“

Bärbel nickte. Wow. Ihre Mutter und ein neuzeitliches Gerät. Dass ihre Mutter E-Mails schrieb, war schon komisch genug.

An der nächsten Kreuzung machte sie eine Vollbremsung und schaute die Straße runter. Helsinki im Abendlicht. Die Straßenbahn mittendurch und allerlei Leute drumherum. „Und wo ist jetzt der Dom?“, fragte sie.

„Da lang!“ Sie überquerten die Straße, Bärbel schaute sich um, Teemu grinste und beantwortete dann wohl eine Frage ihres Vaters. Sie kamen von der Seite auf den Domplatz.

„Bärbel, das ist so schön!“

Sie nickte. „Ja. Es ist eine schöne Stadt. Gehen wir da rüber, da hast du die Straßenbahnkabel nicht im Bild.“ Bärbel zeigte ein Stück geradeaus.

Ihre Mutter machte einige Fotos, ihr Vater hatte auch mittlerweile eine kleine Kamera am Handgelenk hängen und Bärbel machte dann auch noch Bilder von ihren Eltern vorm Dom. Ihre Mutter schimpfte fernsehreif vor sich hin, ein Bild reiche doch wohl. Bärbels Vater wollte eins von ihm und Teemu, das übernahm Teemu selbst, auf gut Glück, so, wie er auch Handyselfies machte, von schräg oben. Nur, dass man bei der Kamera kein Display nach vorn hatte. Die Bilder waren lustig, aber Bärbels durfte dann noch eins machen, auf dem sie beide auch vollständig drauf waren. Dann fanden sie noch jemanden, der eins von allen zusammen machte, komplett gegen den Willen von Bärbels Mutter, aber da musste sie jetzt durch.

Sie ging noch mal in die Mitte des Platzes und schaute von da zum Dom hoch. Sie war hin und weg.

Aber Bärbel hätte ihre Mutter am liebsten direkt hier auf dem Platz einfach stehen gelassen. Der Bärbelvater wollte uuuunbedingt noch ein Bild von seiner Tochter und Teemu aka Momo, dem Eskimokönig haben. Und noch eins. Teemu küsste Bärbel und drückte ihre Hand. Danke, Schatz, du bist ein toller Blutdrucksenker.

Das Licht war mittlerweile gigantisch, es war immer noch angenehm mild, es waren keine Reisebusse mehr hier und die Leute aus den Büros waren mittlerweile auch zu Hause, es wurde ruhig in der Stadt.

Der Rückweg war sehr ent- und Bärbel gespannt, auf das, was gleich kommen würde. An der Straßenecke zum Hafen rüber war die Ampel rot und Teemu und Bärbels Vater schlossen zu ihnen auf. Teemu nahm Bärbels Hand und drückte. Kurzes Küsschen. „Ich bin gespannt jetzt“, flüsterte Teemu ihr ins Ohr. „Oooh, ja, ich auch.“

Teemu lächelte zu Bärbels Mutter rüber und lief los, die Ampel war grün. Zusammen mit einigen anderen Touristen liefen sie rüber auf die andere Straßenseite, auf den autofreien Bereich am Hafen, wo mittags die Zelte standen.

„Ach, da is wieder das tolle Schiff, können wir da mal hin?“, fragte Bärbels Vater und zeigte auf das große Segelschiff, das im Hafen lag. „Klar.“

Bärbel hatte eigentlich einen Aufschrei erwartet, aber der kam nicht. Ihre Mutter stand allerdings wie angewurzelt da und starrte. „Bärbel … was ist das?“, flüsterte sie.

„Dat is die orthodoxe Kathedrale!“, sagte ihr Vater. Ja, Papa, richtig.

„Wilhelm? Woher weißt du das denn?“

„Ich hab heimlich n Reiseführer gekauft. Als ich dir die ‚Bunte‘ gekauft hab. Die hatten da so n Ständer mit Reiseführern.“ Bärbels Vater griff in seine Weste und holte einen kleinen Helsinki-Reiseführer heraus.

„Bei uns im Lottoladen?“ Sie klang ungläubig, fast schon entsetzt.

„Jo.“

„Ist das schön!“, wisperte Bärbels Mutter und guckte weiter. Ja, das war es. Durch das Abendlicht wirkte die Kathedrale nicht nur noch rotbrauner als bei vollem Tageslicht, die goldenen Verzierungen leuchteten jetzt auch richtig.

„Kommt, wir gehen mal da rüber, da sieht man sie besser“, sagte Bärbel und ging mit Teemu vor zu dem Segelschiff vorm Riesenrad.

Bärbels Mutter blieb stehen. „Orthodox?“, fragte sie skeptisch. Oh oh.

„Ja.“

„Na gut.“ Sie ging mit Bärbel näher heran.

„Sie scheint sie zu mögen, hm?“, fragte Teemu glücklich.

„Oh ja.“ Bärbel beobachtete amüsiert, wie ihr Vater und ihre Mutter zu ihnen rüber gelaufen kamen, ihre Mutter hatte jetzt schon bestimmt zwanzig Bilder von der Uspenski-Kathedrale gemacht.

„Bärbel, kann man da auch rein?“

„Klar, jetzt ist natürlich zu, aber normalerweise kann man rein, ja.“

Bärbels Mutter nickte und sah sich um, als würde sie jederzeit erwarten, dass die Pappkulissen umfielen und sie mitten in einem Igludorf stehen würden, am Nordpolarkreis, in einem Blizzard, im Hintergrund einige Hundeschlitten und vorbeirobbende Walrösser. Bärbel war so fasziniert von dem Gedanken, dass ihre Mutter die Stadt sogar mögen könnte, dass sie fast schon erschrocken war, als Teemu plötzlich direkt vor ihr stand und sie zärtlich küsste. Er legte seine Stirn an ihre und lächelte. „Mmm …“ Aaach, Schnuffel, wenn du so anfängst, zu brummen … komm mal her …

Sie lehnte sich zu ihm hoch, schlang ihm die Arme um den Nacken und küsste ihn zurück. Teemu schaffte es wirklich, dass Bärbel alles um sie herum vergaß. Die Eltern, den Stress, alles.

Ein Räuspern ihres Vaters brachte sie dann wieder in die Realität zurück. Bärbels Mutter hatte sich kopfschüttelnd abgewandt, die Hand vor den Augen. Bestimmt wegen der tiefstehenden Sonne. Teemu grinste herzallerliebst.

„Du hast hier eine sehr schöne Stadt“, sagte Bärbel auf Finnisch leise zu Teemu.

„Meine eigene Stadt, ja“, antwortete Teemu leicht amüsiert.

„Wollen wir jetzt etwas essen?“, fragte Teemu Bärbels Eltern.

Beide sahen ihn an und nickten. Teemu zeigte zum Esplanadepark, der vorm Hafen anfing. „Dann wir gehen den Park wieder hoch.“

Bärbel nannte den Namen von zwei Restaurants und Teemu nickte beim zweiten. Jawoll, das war gut. Das Restaurant kannten sie gut und Teemu kannte den Besitzer. Da war es nicht ganz so schlimm, wenn ihre Mutter austickte. Was sie hoffentlich nicht tun würde.

Sie überquerten die Straßenbahnschienen und die zwei Straßen rund um den Seehundbrunnen, wie Bärbel ihn so für sich nannte, und betraten den Park.

Gleich unten im Park blieb Bärbels Mutter schon wieder verzückt stehen. „Bärbel, was ist das denn?“

„Das ist das Kappeli, das ist ein Café und Restaurant. Das ist super schön, wenn es so beleuchtet ist, ja.“

Sie schauten zu viert auf das Gebäude. Teemu schaute aus Höflichkeit mit, er war hier bestimmt schon drölfundelfzig Millionen Mal vorbeigelaufen.

Das Gebäude war aber auch wirklich schön. Viel Glas mit filigranen Rahmen, sehr elegant alles. Und jetzt, da es dämmerte, machte die Beleuchtung den Rest des Zaubers aus.

Teemu griff nach Bärbels Hand und sie liefen einfach los. Bärbel bemerkte, wie einige Touristen nach Teemu schielten, aber sie liefen einfach weiter und durch den ‚Huch, wir verpassen den Anschluss‘-Effekt kamen auch Bärbels Eltern hinterher. Vorm Restaurant warteten Teemu und Bärbel auf die beiden Nachzügler.

 

Im Restaurant beim Sichten der Speisekarten holte die Realität dann zumindest Bärbels Mutter wieder ein. „Was für eine Währung ist das hier?“

„Euro“, sagten Bärbel und Teemu gleichzeitig, Teemu auf die finnische Art, E-U-ro.

„Kind, das ist aber teuer hier. Wir hätten doch wo Günstigeres hingehen können!“

„Mama, hier ist alles teurer. Was Günstigeres wäre vielleicht fünf Euro billiger.“

„Oh je, oh je.“

Teemu lehnte sich nach vorn. „Es gibt auch Rentier. Wir haben gedacht, vielleicht Sie wollen essen Rentier.“

„Oh ja, Rentier. Prima, mein Junge. Ich nehm eins. Ein Ganzes. Und das Fell bitte einpacken.“ Bärbels Vater lachte, Teemu auch. Bärbels Mutter schaute ihn tadelnd an. „Wilhelm!“

„Was denn? Wir sind hier im Urlaub.“

„Ich nehme einen kleinen Salat!“

„Mama …“ Bärbels Blick brachte ihre Mutter zum Schnauben. Sie schaute erneut in die Karte. Letztendlich durfte Teemu dann für die gesamte Truppe Rentier ordern.

Bis das Essen kam, bestritten eher Teemu und Bärbels Vater das Gespräch, Bärbels Mutter schaute meist aus dem Fenster, fast schon ungläubig, dass in diesem fremden Land alle ganz gesittet mit dem Auto am Restaurant vorbeifuhren oder zu Fuß vorbeiliefen.

Das Essen kam und nach dem ersten Bissen hörte man nur noch Genussgeräusche am Tisch. Teemu grinste in sich rein und Bärbel auch.

„Das schmeckt ganz vorzüglich!“, sagte Bärbels Mutter.

„Das freut mich“, erwiderte Teemu.

„Was heißt denn Rentier auf Finnisch?“, wollte Bärbels Vater wissen.

„Poro“, antworteten Bärbel und Teemu gleichzeitig.

„Ah.“

„Was möchten Sie morgen machen? Die Stadt ansehen?“, fragte Teemu Bärbels Mutter.

„Ich würde gern die Kirchen sehen“, sagte Bärbels Mutter. Teemu nickte. „Sicher. Wir könnten abends grillen, bei uns zu Hause? Wir können entscheiden morgen.“ Alle nickten.

Nach dem Essen, Teemu bezahlte unter großem Protest der gesamten Neumannfamily, standen sie alle wieder im Esplanadepark.

„Möchtest du unten im Kappeli noch einen Kaffee trinken?“, fragte Bärbel ihre Mutter.

„Kind, das klingt gut, aber ich bin richtig müde jetzt. Es war ein anstrengender Tag. Ich würde gern ins Hotel zurück. Wilhelm?“

„Ja, okay.“ Bärbel hatte das Gefühl, ihr Vater wäre noch gern ein bisschen hier geblieben.

 

Bärbel und Teemu fuhren nach Hause, nachdem sie am Hotel gehalten und Bärbels Eltern verabschiedet hatten. Morgen früh würden sie sie wieder abholen. Bärbel hatte noch auf halb zehn hochverhandelt, ihre Eltern waren beide gewohnheitsmäßige Frühaufsteher, zumindest ihre Mutter, ihr Vater hatte sich eben nach ihr zu richten. Bärbel kam da eher nach ihrer Oma, die erst gegen Mittag in Schwung gekommen war.

„War doch gut?“, fragte Teemu, als sie an einer roten Ampel halten mussten. „Wir können auch morgen oder übermorgen dann eine Runde mit der Tram fahren“, ergänzte er.

„Ja, war okay. Teemu, ich bin trotzdem total fertig. Aber meine Mutter ist ja echt hin und weg gewesen von den beiden Kirchen.“

„Ja.“ Teemu lächelte. „Ist doch schön. Dom ist sehr … einfach … innen, aber Uspenski wird ihr gefallen, ist sehr schön.“

„Ja.“

Zu Hause angekommen ließ Bärbel sich aufs Sofa fallen. Das Nächste, an das sie sich erinnerte, war, dass Teemu sie küsste und lachen musste.

„Was?“

„Du bist total müde. Komm, wir gehen ins Bett.“

Sie nickte, schleppte sich ins Bad und fiel fast schon schlafend ins Bett.

 

Kapitel 4 Unzucht im Sündenpfuhl

 

Bärbel wachte früh morgens von sich aus auf, warum, wusste sie nicht. Sie musste weder aufs Klo, noch hing Teemu in irgendeiner seltsamen Lage auf ihr drauf. Im Gegenteil. Vielleicht war es das. Er war zu weit weg. Zumindest war er nicht direkt hinter ihr, das hätte sie gemerkt.

Der Wecker verkündete 6:07 Uhr und sie drehte sich langsam um auf den Rücken und weiter auf die andere Seite, um mal zu schauen, wo ihr Kuschelfinne sich rumtrieb. Und ob er überhaupt da war.

Er war da und lag schön brav mitten auf seiner eigenen Matratze, mit dem Gesicht in Bärbels Richtung. Und sah so was von zufrieden und lieb aus. Augen entspannt geschlossen, Arme schön vor sich angeklappt, eine Hand unter dem Kopfkissen. Er hatte die Beine angezogen, beide, sehr ordentlich. Bärbel wunderte sich noch, warum sie das so genau sehen konnte, bis es ihr dann einfiel. Sie war immer noch im Halbschlaf. Er hatte keine Decke. Die lag hinter ihm, warum auch immer.

Bärbel kroch zu ihm rüber und zog die Decke wieder über ihn. Davon wachte er natürlich auf. „Was ist denn?“, fragte er verschlafen auf Finnisch und pulte sich im Auge herum.

„Du hattest keine Decke.“ Bärbel lächelte ihn an, zog die Decke höher und kam auch gar nicht mehr weg. Teemu brummte ganz leise und lehnte sich in ihre Richtung. Sie küsste ihn und streichelte ihm durch die Haare.