Der Teufel in der Familie - Edeltraud Strobel - E-Book

Der Teufel in der Familie E-Book

Edeltraud Strobel

0,0

Beschreibung

In diesem Buch beschreibt die Autorin ihre Erfahrungen mit der Familie.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 280

Veröffentlichungsjahr: 2019

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Familie – Vater, Mutter, Sohn, Tochter die Großeltern

Familie - die Brüder meiner Mutter

Die Familie - meines Vaters

Die Krankheit meiner Großmutter, meines Großvaters

Mein Bruder Peter

Meine Kindheit und schulische Laufbahn

Meine 1. Arbeitsstelle

Besuch aus Brasilien

Mein Bruderherz „Peterchen“ – seine Kindererziehung

Mein Bruderherz „Peterchen“ – sein Arbeitsleben

Mein Bruderherz „Peterchen“ – sein Neustart

Mein Berufswechsel – Diagnose MS

Diagnose MS – arbeiten im Außendienst

Meine Kinder – die Tochter Lisa

Meine Tochter Lisa und die Entdeckung der Spiritualität

Urlaub in der Türkei

Meine Tochter – ihre neue Familie

MS ohne Probleme – wenn nur die Psyche nicht wäre

Mein Bruderherz „Peterchen“ – mein Chef

Meine Kinder - der Sohn Michael

Mein Sohn – seine 1. Freundin und die Folgen

Mein Bruderherz „Peterchen“ wird zum Kotzbrocken : Der Kotzbrocken auf Motorradtour

Der Kotzbrocken – der Fremdgeher

Der Kotzbrocken – das Scheidungsopfer

Der Kotzbrocken – und der Muttertag

Der Kotzbrocken - der Fasching

Der Kotzbrocken – eine neue Wohnung

Meine Mutter – meine Bezugsperson, bis der Kotzbrocken die Macht ergriff

Der Kotzbrocken - vor Gericht

Meine Mutter - ihr Karzinom

Reha – Aufenthalt meiner Mutter

Eine seniorengerechte Küche für meine Mutter

Der Kotzbrocken – mir fehlen die Worte – oder schlimmer geht´s nimmer

Die Untermieterin meiner Mutter

Der 80. Geburtstag meiner Mutter

Der Kotzbrocken - seine neuen Pläne

Die Haut - der Spiegel der Seele

Der Kotzbrocken – unerwartet verstorben

Wiedervereinigung - nein Danke

Der Notarvertrag

Michael und die japanische Familie

Die Familie meines Mannes

Die Mutter meines Mannes – ein Pflegefall

Die Scheidung meiner Tochter

Meine Tochter Lisa – auf Männersuche

Michael und meine Nasen-OP

Die Japanreise

Was für ein Leben – der Tod der Schwiegermutter

Mein Leben ohne Ziele

Mein 1. Krankenhausaufenthalt

Neue Wege, neue Ziele, neue Hoffnung

Michael - eine neue Freundin

Der schwere Weg zu meiner Mutter

Ohne Vertrauen und Vollmacht keine Einigung

Checkliste – Übergabe - Betreuung und Pflege

Bankgeschäfte

Aussprache

Der 90. Geburtstag

Besuch aus Brasilien zum 90. Geburtstag

Der Kampf beginnt

Klinikaufenthalt mit meiner Mutter

Die Änderung des Notarvertrages

Die Gerichtsverhandlung

Langer Weg zum Kompromiss

Der Kompromiss

Meine Mutter, ein ungelöstes Rätsel – Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er gleich die Wahrheit spricht

Einleitung

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich es für möglich halte, meine Geschichten, die mein Leben geprägt haben, zu erzählen. Vielleicht lag es einfach daran, dass mein Großvater mir in der Kindheit eingehämmert hatte, dass ich zuerst denken muss, bevor ich anfange zu reden, und mein Vater immer behauptete: “Reden ist Silber und Schweigen ist Gold“? Anscheinend hatten sich Mädchen in unserer Familie einfach still und unauffällig zu verhalten. Ich behaupte mal, dass ich deshalb immer für schüchtern gehalten wurde. Außerdem ließ mein Großvater mich täglich spüren, dass mein großer Bruder einfach der Klügere und Bessere von uns beiden ist. Später hatte sich allerdings herausgestellt, dass Mädchen in seiner Familie nichts zu sagen hatten. In seinen Augen waren Frauen zu niederen Diensten und nur zur Fortpflanzung bestimmt, bzw. das männliche Geschlecht zu befriedigen, was mir allerdings viele Jahre später erst klar wurde. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich mir die Anerkennung und die Liebe in dieser Familie „erarbeiten“ müsste.

Als ich mit 36 Jahren die Diagnose Multiple Sklerose bekommen hatte, sah ich einen Zusammenhang mit dem Ärger, der mich mein ganzes Leben begleitete. Es gab viele Momente, an denen ich dachte, dass ich gute Nerven hätte um dies alles verarbeiten zu können. Obwohl man nicht genau weiß, was die Ursache einer Multiplen Sklerose ist, bin ich überzeugt, dass die psychische Belastung eine sehr große Rolle spielt.

Aus Kostengründen habe ich auf ein Lektorat verzichtet. Sollten sich Fehler eingeschlichen haben, bitte ich dies zu entschuldigen.

Die Familie – Vater, Mutter, Sohn, Tochter und die Großeltern

Eines Abends standen die verdreckten Turnschuhe meines Bruders im Flur. Voller stolz berichtete ich meinem Großvater, dass ich die Turnschuhe von ihm geputzt hätte. Anstelle einer kleinen Anerkennung, die ich erhofft hatte, wurde ich mit der Aussage konfrontiert, dass es schließlich meine Aufgabe gewesen wäre. Ich war gerade 7 Jahre alt und der Stachel saß tief. Nie wieder hatte ich die Schuhe meines Bruders geputzt. Vielleicht liegt es daran, dass ich bis heute keine große Freude am Schuhputzen entwickelt habe?

Als mein großer Bruder in die Schule kam wurde er überhäuft mit Geschenken. Für jede gute Note, nicht nur im Zeugnis hatte ihm der Großvater eine Belohnung versprochen. Seine Leistungen hielten sich allerdings in Grenzen. Vier Jahre später kam ich in die Schule und wollte ihm natürlich nacheifern. Ich war richtig stolz auf mich, dass ich besser als mein Bruder war. Das Ritual des Großvaters wurde umgehend abgeschafft. Ich musste mich damit abfinden. Im Grunde nahm ich das meinem Großvater nicht übel. Es war mir klar, dass die Belohnungen für meinen Großvater eine kostspielige Angelegenheit werden würde. Ich nahm den Entschluss fast lächelnd und mit Stolz hin. Ich war sicher, dass mein Bruder trotzdem belohnt wurde, mit dem Hinweis: „Sag es nur nicht deiner Schwester!“ Mein Vater versuchte diese Ungerechtigkeit auszugleichen, und der Geschwisterkampf war vorprogrammiert. Wenn man jetzt fragt: „Wo war die Mutter?“ Ach ja, sie war die Tochter des Großvaters und hatte nichts zu melden. Mit meinem Vater hatte ich mich besser verstanden. Für ihn war ich sein „Sonnenschein.“ Ich kann mich nicht erinnern, jemals von meiner Mutter liebevoll in den Arm genommen worden zu sein. Sie war für mich einfach nur da. Den ganzen Tag war sie mit Nähen in Heimarbeit beschäftig, wobei ihr die Großmutter half. Ich wurde im Kindergarten und später in der Schule einfach „entsorgt.“

Nachdem mein Vater seine Ausbildung zum Bäcker beendet hatte war er in einer Süßwarenfabrik angestellt. Später arbeitete er in einer Maschinenfabrik im Schichtbetrieb. Ich konnte jeden Tag sehr viel Zeit mit ihm verbringen. Gleich nach den Hausaufgaben, war ich mit meinem Vater unterwegs. Er übernahm sämtliche Garten- und Holzarbeiten. Später, als ein Auto angeschafft wurde, übernahmen wir auch gemeinsam die gesamten Einkäufe. Ich war 9 Jahre alt. Meine Mutter blieb zuhause. Wir hatten eine Flaschenbierhandlung und einen Tabak- und Eisverkauf. Immer musste einer zu Hause bleiben.

Zu diesem Zeitpunkt war mein Bruder „Peterle“ 13 Jahre alt und hatte sein Zimmer im Obergeschoss bei den Großeltern bezogen. Jeder hatte jetzt sein eigenes Zimmer. Das hatte zur Folge, dass ich meinen Bruder nur noch am Sonntag zum Mittagessen zu Gesicht bekam. Ach ja sonntags! Es war absolute Pflicht in die Kirche zu gehen. Die Großeltern und meine Mutter zogen es vor, die Frühmesse morgens um 7.00 Uhr zu besuchen. Der Großvater hatte seinen Platz auf der Empore. Ich habe es gehasst, wie er von oben kontrollierte, ob ich artig die Hände faltete und auf der harten Bank kniete. Über eine Stunde bin ich in einer Starre verharrt, um nicht negativ aufzufallen. Ich hatte absolut nichts verstanden, was der Pfarrer erzählte, obwohl ich mich wirklich bemühte. Ich war einfach nur dabei, weil das von mir verlangt wurde. Widerspruch kam nicht in Frage. Als ich älter wurde, durfte ich länger schlafen und konnte um 9.00 Uhr alleine in der Kirche antreten. Den Kirchenbesuch zu schwänzen hatte ich mich nicht getraut. Die Angst lügen zu müssen und dann Prügel zu bekommen, war für mich zu groß. Ja Prügel! Meine Mutter hatte mich einmal mit ihrem Teppichklopfer verdroschen, nur weil ich mit Freundinnen unterwegs war und die Zeit vergessen hatte. Hatte ich eine Uhr? Ich denke, die Dunkelheit war schon längst angebrochen, als sie mich an der Haustür mit dem Teppichklopfer erwartete. Im Grunde war immer der Vater für Prügel zuständig. Sehr wahrscheinlich, war mein Vater an diesem Tag beim Arbeiten. Er bevorzugte immer die Hundeleine! Es war der Wahnsinn. Die Eltern haben ihre Kinder in ihrer Erziehung ausgepeitscht. An Schläge von meinem Vater kann ich mich nicht mehr erinnern, umso mehr an die Schläge für meinen Bruder. Er hatte meinem Vater gerne widersprochen, weil er den Rückhalt vom Großvater hatte. Er ließ das meinem Vater immer spüren. Ich denke, dass es meinem Vater deshalb leichter gefallen ist, härter zu zuschlagen.

Meine Eltern hatten das Haus der Großeltern übernommen und renoviert. Ein größeres Wohnzimmer, ein Badezimmer mit Fliesen und eine Garage wurden angebaut. Erst im Alter von 44 Jahren hatten sie die Führerscheinprüfung abgelegt und ein kleines Auto angeschafft. Das Auto wurde in bar bezahlt. Die fehlenden Mittel mussten durch eine frühere Arbeitskollegin meiner Mutter zinslos finanziert werden. Der Großvater hatte sich geweigert meine Eltern zu unterstützen mit den Worten: „Ich brauche kein Auto. Ich komme überall hin!“ Somit war das Thema für ihn erledigt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits mehr Rente bekommen hatte, als mein Vater im 3-Schicht-Betrieb verdiente. In den darauffolgenden Jahren wurden öfters Familienausflüge organisiert. Wir besuchten Verwandte in Stuttgart und wir fuhren öfters an den Bodensee. Meine Großmutter war immer dabei. Der Großvater ist nie mitgekommen. Er hatte zu meinem Vater kein besonders gutes Verhältnis. Mein Bruder war in dieser Zeit bereits ein Teenager und hatte ganz andere Interessen. Ganz einfach: Er war nie da.

Familie - die Brüder meiner Mutter

Meine Mutter hatte 2 Brüder. Obwohl der ältere Bruder im Nachbardorf lebte, bestand kein großer Kontakt. Mit der Wahl seiner Ehefrau war der Großvater nicht einverstanden. Wie konnte er eine Frau heiraten, die einer anderen Konfession angehört? Sie war nicht katholisch und sie passte irgendwie nicht zu unserer Familie. Wie kann das der Onkel Erich der Familie antun? Ich kann mich nicht erinnern, meine Tante jemals bei uns zu Hause gesehen zu haben? Anfangs war ich wirklich der Meinung, dass meine Freunde katholisch sein müssten. Das war im Grunde nicht sehr schwer, weil unser Dorf beinahe zu 99,9 % katholisch war.

Onkel Erich hatte ein teures Hobby. Er war Mitglied in einem Schützenverein. Seine Frau war von dieser Art Freizeitbeschäftigung nicht begeistert. Ich denke, dass war nur eine Behauptung gegenüber meinen Großeltern.

Hauptsache gegen den Willen der Schwiegertochter und die Schusswaffen meines Onkels wurden von den Großeltern finanziert.

Unter dem Vorwand, dass man vielleicht einen Arzt rufen müsse, wurde ein Telefon angeschafft.

Im ganzen Dorf gab es nur ein Telefon in einem „Tante Emma“ Laden. Wir hatten endlich auch ein Telefon, wofür eigens ein Telefonmast aufgestellt werden musste. Prompt hatten wir in diesem Jahr einen Anruf aus dem Krankenhaus bekommen, dass mein Onkel Erich im Alter von 44 Jahren verstorben ist. Er war mit seiner Frau zu einer ambulanten Untersuchung in die Klinik gefahren. Er musste sich im Wartezimmer auf eine lange Wartezeit einstellen. Mit den Worten:

„Hier kann man sterben und wiederkommen!“ verabschiedete er sich von der Welt und fiel vom Stuhl. Das war natürlich ein großer Schock für die Familie. Für mich war er, ehrlich gesagt ein fremder Mann. Ich denke, er hatte mit mir noch nie gesprochen. Dennoch war ich sehr entsetzt und bestürzt über die Trauer meiner Großmutter. Die Leiche wurde offen aufgebahrt und mit Blumen geschmückt. Im Monat September blühten viele bunte Aster und Dahlien, die den Sarg umringten. Dieser unerträgliche Geruch in der Leichenhalle blieb viele Jahre in meiner Erinnerung. Ich hatte meine Großmutter geliebt und ihr großer Schmerz und Kummer stimmte mich sehr traurig. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde ich noch nie mit dem Tod konfrontiert. Ich war 9 Jahre alt. Vielleicht wäre es besser gewesen zuhause zu bleiben? Auf jeden Fall war für mich klar, dass einer Mutter nichts Schlimmeres passieren könnte, als ihr Kind zu verlieren. Großen Ärger gab es nach der Beerdigung. Der Großvater hatte einen Fotografen beauftragt, der die Beerdigung fotografieren sollte. In dieser Zeit besaß man keinen Fotoapparat. Er sollte alles dokumentieren und festhalten, wer von dem Sohn Abschied genommen hatte. Man dachte an kein Kondolenzbuch. Ein Bestattungsunternehmen hatte nur den Auftrag zur Überführung von der Klinik zum Friedhof. Der Patriarch der Familie hielt es natürlich nicht für notwendig die Schwiegertochter und ihre Kinder zu informieren. Sie hätten das mit Sicherheit abgelehnt. Der Kontakt zu meinen Großeltern und zu uns wurde für die nächsten Jahre komplett abgebrochen. Der 2. Bruder meiner Mutter war 2 Jahre jünger als sie. Nach der Ausbildung zum Schlosser verließ er das Elternhaus, um in der Großstadt zu arbeiten. Hier hatte er sein großes Glück gefunden und einen Sohn und eine Tochter bekommen. Kostengünstig wohnte er in einer Firmenwohnung und war anscheinend die rechte Hand des Chefs. Den Urlaub verbrachten sie meistens bei meinen Großeltern. Vier Wochen lang mussten wir zusammenrücken und ihnen eine Schlafgelegenheit bieten. Er hatte ein teures Auto, ein Boot und eine Ferienwohnung in Holland, wo sie jedes Wochenende verbrachten.

Ihren Wohlstand mussten sie uns definitiv vorführen. Seine Kinder, die so alt wie mein Bruder und ich waren, würden zur Elite in ihrer Schule gehören. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie sie bei ihrer Ankunft aus dem BMW entstiegen sind. Ich dachte die Crew eines Schiffes nimmt bei uns Quartier. Alle 4 uniformiert in weißer Kleidung, als ob sie gerade von Bord ihres Schiffes entflohen wären. Ich konnte diese Angeber absolut nicht ausstehen.

Dazu kam, dass der liebe Onkel Franz die gleichen Charakterzüge meines Großvaters hatte. Gleich bei Ankunft wurden unsere Zimmer inspiziert, ob alles sauber ist und ihrem Stand angemessen. Ich musste 4 Wochen lang bei meinen Eltern schlafen. Die Tante und meine Cousine bekamen mein Zimmer. Vor ihrer Heimreise wurde das Auto vollgepackt mit Eiern, die mein Vater aus Bayern importieren musste, Honig, Mehl und Zucker. Einen Vorrat, der ihnen über das ganze Jahr reichen würde. Ich dachte, der 3. Weltkrieg ist ausgebrochen und bei denen gibt es nichts zu kaufen? Meine Mutter musste übrigens den Honig und die Eier bei meinem Großvater bezahlen.

Die Familie - meines Vaters

Mein Vater stammte aus dem gleichen Ort. Er hatte 5 Geschwister. Er war der älteste Sohn. Mit dieser Familie hatte man keinen Kontakt. Seine Eltern waren bei meiner Geburt bereits verstorben. Mein Vater musste sein Gehalt bis zu seiner Verlobung zuhause abgegeben, natürlich auch in der Hoffnung das elterliche Einfamilienhaus übernehmen zu können. Bei der Hochzeit war er 29 Jahre alt und meine Mutter 28. Sie war bereits schwanger. Mein Bruder wurde 4 Monate nach der Hochzeit geboren.

Böse Zungen behaupteten sogar, dass er das Kind eines anderen wäre. Obwohl mein Bruder eindeutige Züge meines Großvaters zeigte, fand ich, dass er auf Fotos große Ähnlichkeiten mit meinem Vater hatte. Die älteste Schwester meines Vaters war bereits verheiratet. Sie hatten laut meinen Großeltern „einen Stall voll Kinder“ und wurde von meinem Großvater und meiner Mutter immer ein wenig für asozial gehalten.

Mit 6 Kindern musste man sparen und zusammenhalten. Anscheinend hätte ihr Mann auch ein Alkoholproblem. Mein Vater besuchte sie gerne. Er blieb bis heute in guter Erinnerung bei meinen Cousinen. Vor allem, weil er den "Stall voll Kinder" immer mit Süßigkeiten versorgt hatte.

Die Krankheit meiner Großmutter, meines Großvaters

Ein Jahr nachdem der Bruder meiner Mutter verstorben war, erkrankte meine Großmutter an Brustkrebs. Die Brust wurde komplett entfernt. Damals gab es keine Chemotherapie. 6 Jahre wurde sie von meiner Mutter gepflegt. Die Schmerzen wurden mit Morphiumspritzen, die meine Mutter verabreicht hatte gemildert. Sie war sehr geduldig. Die bevorstehende Goldene Hochzeit gab ihr sehr viel Kraft und Lebensmut durchzuhalten.

Mein Großvater hingegen entwickelte sich immer mehr zum Haustyrannen. Jeder musste nach seiner Pfeife tanzen. Er ließ ganz besonders meinem Vater spüren, dass er das Sagen im Haus hatte. Schließlich hatte er auch sein Haus bekommen. Als mein Vater, oder wer auch immer, das Licht im Keller brennen ließ, ging der Großvater so weit, dass er meinen Vater nachts aufweckte: „Mach gefälligst das Licht im Keller aus!“ Obwohl der Großvater gerade aus dem Keller gekommen ist. Ach wie schön kann Liebe sein?

Bald stellte sich heraus, dass der jüngere Bruder meiner Mutter von den Großeltern monatlich finanziell unterstützt wurde. Nachdem meine Mutter die Pflege der Großmutter übernommen hatte, wurden diese Zahlungen, sehr zum Ärger des Onkels eingestellt. Dies hatte zur Folge, dass ihn das Befinden seiner Eltern nicht mehr interessierte. Im Gegenteil. Er hatte sich beim Katholischen Pfarramt über den Gesundheitszustand seiner Mutter erkundigt.

Mit der Begründung, dass meine Mutter den Anruf nicht annehmen würde, bzw. er erwartet hätte, dass meine Mutter ihn regelmäßig über den Gesundheitszustand seiner Eltern informiert.

Vier Jahre nach der Diagnose wurde endlich Goldene Hochzeit gefeiert. Meine Großmutter war sehr schwer von der Krankheit gezeichnet. Wir hatten die Hoffnung bereits aufgegeben, dass sie diesen Tag erlebt. Der liebe Onkel Franz ist mit seiner Familie zu dieser Feier nicht angereist. Umso größer war die Freude, als der erste Ur-Enkel vom verstorbenen Sohn, seine Glückwünsche mit seinen Eltern überbrachte.

In diesem Jahr wurde ein Notar informiert. Die Großeltern wollten ihr Testament machen. Meine Mutter sollte die Alleinerbin sein. Sie wohnt im Haus und bekommt den gesamten Hausrat. Der Onkel sollte 1000 DM bekommen, damit er, falls er zur Beerdigung kommt, nicht umsonst 500 km angereist wäre. Das war der Wunsch der Großmutter. Mit den Worten des Großvaters: "Es kommt jeden Monat noch etwas dazu!" stimmte er zu. Dazu gab es noch 2 Sparbücher, die an meinen Bruder und an mich gehen sollten. Mein Sparbuch musste ich mit meinem Bruder auch noch teilen, sodass nur 1700 DM für mich übrigblieben.

Der Großvater verbrachte sehr viel Zeit bei seinen Bienen. Vielleicht hatte er sich nur über das Gejammer meiner Großmutter lustig gemacht? Auf jeden Fall meinte sie, dass sie ihm einen Tag lang ihre Schmerzen wünschen würde. In diesem Sommer stürzte mein Großvater bei seinen Bienen von der Leiter. Armer Großvater. Obwohl er sehr starke Schmerzen hatte, ging man nicht zum Arzt. Der Ehemann seiner Enkeltochter vom verstorbenen Sohn wollte ihn massieren. Das war keine gute Idee. Sein Geschrei ging durch das ganze Haus. Selbst von der Wehleidigkeit des Großvaters getroffen, schickte der Masseur ihn zum Arzt. Die Röntgenaufnahmen zeigten, dass er sich einige Rippen gebrochen hatte. Die Aufnahmen zeigten auch, dass sich in der Lunge jede Menge Metastasen gebildet hatten. Er wurde stationär eingewiesen mit einem Lungenkrebs, der nicht operiert werden konnte. Er zeigte Verständnis, dass meine Mutter seine Betreuung nicht zusätzlich übernehmen konnte.

Den Tod meiner Großmutter wollte man vorerst verheimlichen. Aber er hatte das gespürt und man wollte ihn nicht anlügen. Natürlich wollte er jetzt jeden Tag nach Hause. Man hatte ihn vertröstet. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide, sodass er genau 3 Wochen nach seiner Frau verstorben ist. Er war so alt wie meine Großmutter.

Der Onkel Franz kam nicht zur Beerdigung. Nach der Testamentseröffnung bekam meine Mutter vom Anwalt ihres Bruders Franz einen Brief, dass sie unverzüglich die 1000 DM vom Erbe zu überweisen hätte. Er hielt es nicht für notwendig persönlich vorbeizukommen, geschweige bei den Beerdigungen dabei zu sein. Vielleicht hätte meine Großmutter im Testament den Zusatz aufnehmen sollen, falls er zur Beerdigung kommt? Arme Großmutter, das hätte sie wahrscheinlich nicht von ihm gedacht, dass er so kaltherzig ist. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Kontakt, der über 20 Jahre dauerte, von meinem Vater abgebrochen. Mein Vater hatte die „Wiedervereinigung“ nicht erlebt.

Mein Bruder Peter

Meinen Vornamen habe ich meinem Bruder zu verdanken. Ich war eine Hausgeburt und als mein 4 Jahre älterer Bruder aus dem Kindergarten nach Hause kam, wurde gleich beschlossen, dass ich den Namen seiner Kindergartentante erhalten sollte. Gesagt, getan und 1 Woche später wurde ich bereits getauft.

Wir wuchsen wie zwei Einzelkinder auf. Wir sahen uns nur sonntags zum Essen, an Feiertagen und Familienfesten. Mein Bruder und ich hatten die gleiche Patentante. An Geburtstagen und an Weihnachten wurden wir mit Geschenken überhäuft. Sie hatte keine Kinder, deshalb fiel es ihr sehr leicht uns eine Freude zu bereiten. Obwohl mein Bruder nach der Schulzeit keinen Kontakt mit ihr hatte, wurden wir beide gleicher maßen im Testament bedacht.

Nach der Ausbildung meines Bruders zum Bankkaufmann, ist sein geliebter Großvater verstorben und kurz danach wurde er zum Zivildienst verpflichtet. Die Geldquelle Großvater ist weggebrochen und um keinen finanziellen Engpass zu bekommen, hatte er kurzentschlossen seine Freundin, die er gerade 6 Monate kannte zu heiraten. Seine Freundin hieß Jutta und wurde meine Schwägerin. Jutta kam aus einem Waisenhaus und wuchs bei einem älteren Ehepaar auf. Sie hatte keine glückliche Kindheit. Sie wuchs ohne Geschwister auf. Bei geringsten Verfehlungen hatte man ihr gedroht, sie wieder ins Heim zu schicken. Sobald sie ihr eigenes Geld verdiente zog sie von zuhause aus. Obwohl sie das einzige Kind war und alles von der Pflegeeltern bekommen hatte, fiel ihr der Auszug nicht schwer. Jutta war nur 3 Jahre älter als ich. Ich hatte ihre Freiheit in bisschen bewundert. Sie machte eine Ausbildung als Verkäuferin und arbeitete anschließend in einer Fabrik. Sie hatte ein festes Einkommen, besaß bereits ein Auto, eine eigene Wohnung, war selbständig und unabhängig. Gleich nach der Hochzeit wurde in eine größere Wohnung gezogen und ein nagelneues Auto gekauft. Sehr wahrscheinlich vom Sparbuch des Großvaters?

Über die Höhe des Sparbuches wurde nie gesprochen.

Die Adoptiveltern meiner Schwägerin besaßen ein kleines Einfamilienhaus in einem Dorf mit ca.

60 Einwohnern. Kein geeigneter Ort, an dem mein Bruder sich niederlassen wollte. Er wollte selbst ein Eigenheim bauen und hatte einen Bauplatz in der Nähe gefunden. Geschickt konnte er seinen Schwiegervater davon überzeugen den Bauplatz mit 50.000 DM zu finanzieren. Gleichzeitig besuchte er die verwitwete Schwester unserer Großmutter. In dem er ihr versprach, eine kleine Wohnung für sie freizuhalten, hatte er einen Vorschuss von 10.000 DM bekommen. Die Schwester ist leider vor Baubeginn verstorben. Sehr zum Vorteil von meinem Bruder. Die Großtante hatte kein Testament. Das Barvermögen wurde unter den Geschwistern aufgeteilt. Der Bruder und die Kinder des verstorbenen Bruders meiner Mutter, wurden informiert und konnten sich an der Haushaltsauflösung beteiligen. Der Wohnort der Tante war an der französischen Grenze. Man hätte eine mehrstündige Anfahrt in Kaufnehmen müssen. Das Interesse war nicht groß und man blieb der Haushaltsauflösung unentschuldigt fern. Sehr wahrscheinlich hatte man auch vermutet, dass die Tante keine kostbaren Schätze zurücklässt. Umso größer war die Freude, als man nach ein paar Tagen vom Rechtsanwalt des Bruders meiner Mutter wieder Post bekommen hatte, mit der Auflage, eine genaue Aufstellung der mitgenommen Gegenstände abzugeben. Anscheinend hätte der Bruder davon Kenntnis, dass die Tante sehr wertvolle Gegenstände besessen hätte. Diese Streitfrage wurde sogar beim Landgericht verhandelt. Der Bruder hatte darauf bestanden, den alten Ledersessel und den alten Schreibtisch zu bekommen. Der Schreibtisch wäre vielleicht wertvoll gewesen, wenn mein Bruder ihn nicht als Werkzeugbank in der Garage missbraucht hätte. Ebenso musste der alte Ledersessel restauriert werden. Deshalb ist die Herausgabe der Dinge an den Bruder meiner Mutter nicht schwer gefallen. In ihrer großen Geschwisterliebe setzte sie den Termin zur Abholung fest. Es war sein 50. Geburtstag.

Kurz nach der Beerdigung der Großtante war der erste Spatenstich für ein kleines Einfamilienhaus meines Bruders. Alle Freunde, und sogar mein Vater packten mit an. Obwohl mein Vater von meinem Bruder nie Unterstützung hatte, war er nicht nachtragend. Er verbrachte jede freie Minute auf der Baustelle. Auch meine Mutter half mit. Sie hatte in dieser Zeit die Betreuung meiner kleinen Tochter und trotzdem genügend Zeit für das leibliche Wohl zu sorgen. An der Innenausstattung wurde an nichts gespart.

Badezimmer, Küche, Fliesen, alles nur vom feinsten und am oberen Level. Vor allem war es ihm besonders wichtig, die Bar im Keller fertigzustellen, damit beim Einzug gleich eine Party gefeiert werden konnte. Die Sauna und die Dusche im Keller waren bereits geplant, allerdings nicht verwirklicht. Jahre später wurde die Sauna zu einem Gästezimmer umgebaut, indem die Tochter ihr Domizil erhalten sollte. Wohlbemerkt nur mit einem kleinen Kellerfenster. Auf jeden Fall hatten wir uns gewundert, wie er das alles nur finanzieren kann? Er sah kein Problem, schließlich hatten sie zwei sichere Einkommen. Mein Bruder wechselte die Anstellung bei der Bank zu einem großen Unternehmen und übernahm in der Buchhaltung die Leitung der Bankgeschäfte. Ich denke, dass er ein hohes Einkommen hatte und nicht auf seine Frau angewiesen war. Nun, wäre er nicht der Enkel des Großvaters, dann hätte er mit seinem Einkommen meinem Vater gegenüber nicht so geprahlt. Er ließ meinem Vater wissen, dass er mit seinem Einkommen, im 3-Schicht Betrieb, keinen Schritt vor die Tür machen würde. Mein Vater war natürlich sehr verletzt.

Nach mehreren Arztbesuchen wurde meine Schwägerin endlich schwanger. Sechs Jahre nach der Hochzeit war das langersehnte Wunschkind unterwegs. Die Schwiegereltern waren bereits verstorben und als der Sohn Frank auf die Welt kam, wurde das Elternhaus der Schwägerin verkauft. Meinem Bruder konnte das nicht schnell genug gehen. Der Notartermin zur Übertragung der Immobilie wurde festgesetzt als meine Schwägerin noch in der Klinik war. Mit dieser zusätzlichen finanziellen Spritze hätte seine Frau mit Sicherheit nicht mehr arbeiten müssen. Trotzdem arbeitete sie nach 6 Monaten Elternzeit wieder in Teilzeit. Allerdings nur kurz, weil sie bereits nach 14 Monaten ihren 2. Sohn zur Welt brachte. In dieser Zeit war ich mit meinem 2. Kind schwanger. Da ich in die Wohnung meiner Großeltern zog, war es für meine Eltern selbstverständlich, für mich und meine Kinder da zu sein. Ich hatte immer noch ein gutes Verhältnis und Unterstützung von meinem Vater, so dass ich weiterhin berufstätig sein konnte. Sehr zum Leidwesen meines Bruders. Er wollte auf das Einkommen seiner Ehefrau nicht verzichten und pochte auf Gleichberechtigung. Meine Eltern sollten die Betreuung ihrer Kinder auch übernehmen. Eine Kinderbetreuung der 4 Enkel im Alter von 6, 12, und 26 Monate und 5 Jahre altes Mädchen, war für meine Eltern unmöglich. Mit dem Gedanken im Hinterkopf meines Vaters, dass mein Bruder nie Zeit für ihn hatte, wahnsinnig gut verdiente und die Schwiegereltern bereits beerbt hatte, stieß er auf Widerstand. Er gab ihm klar zu verstehen, dass er seine Kinder nicht betreuen würde. Mein Bruder forderte mich auf, nach meinem Erziehungsurlaub auch zuhause zu bleiben. Ich muss zugeben, dass mein zweites Kind nach 6 Jahren auch nicht geplant war. Wir hatten gerade angefangen in der Nähe meiner Eltern ein Haus zu bauen. Wir waren auf mein Einkommen angewiesen. Ich hatte meinem Bruder angeboten, dass seine Frau noch 6 Monate arbeiten kann, bis mein Erziehungsurlaub zu Ende ist. Ab 1. Januar blieb dann meine Schwägerin zu hause. Am 10. März hatte ich von meinem Bruder einen Anruf bekommen. Es war ein Sonntag und ich hatte gerade meinen Mann im Krankenhaus besucht.

Er hatte eine schwere Bauspeicheldrüsenentzündung und wir wussten nicht wie es weitergehen wird. Er war gerade 30 Jahre alt und wir standen mitten im Rohbau. Mein Bruder machte mir den Vorwurf, warum ich eigentlich noch arbeiten würde? Er hätte das gleiche Recht. Natürlich hatte ich jetzt den Rückhalt von meinem Vater. Meine Mutter stand nur stillschweigend daneben. Wie immer. Mein Bruder hatte daraufhin den Kontakt zu unseren Eltern komplett abgebrochen. Geburtstage, Weihnachten, Muttertage, die meiner Mutter besonders wichtig waren, gingen ohne ihn vorbei. Trotzdem hatte meine Schwägerin den Kontakt weiterhin aufrechterhalten. Im Grunde konnte ich das verstehen. Sie war ein Waisenkind und wir waren ihre einzige Familie. Ihr Mann hatte wohl nichts dagegen. Als wir uns bei einem Kinderfest trafen, wollte er uns nicht kennen. Auch meine Mutter lief stillschweigend an ihm vorbei. Es war sein 30. Geburtstag. Mir wurde klar, wie herzlos meine Mutter sein konnte? Hatte sie Angst vor meinem Vater? Ich denke nicht. Mein Vater war nicht nachtragend und hätte ihm verziehen, wenn er den 1. Schritt gemacht hätte. In dieser Zeit bekam mein Bruder sein Drittes Kind. Eine Tochter. Genau nach 27 Monate und war, wie der Bruder zuvor auch kein Wunschkind. Seine Frau erzählte mir nach Jahren, dass diese Schwangerschaft für sie Hölle gewesen wäre. Sie hätte an die Verhütung denken müssen und mancher Streit endete sogar mit Schläge. Nach der Geburt der Tochter ließ er sich sterilisieren.

Die Tochter bekam den 3. Vornamen meiner Großmutter, Katharina. Was immer er damit hervorrufen wollte? Sonntags konnten sie für 2 Stunden ihre 3 Kinder bei meiner Mutter vorbeibringen, um gemeinsam mit Freunden zum Kegeln zu gehen. Später hatte ich von Freunden erfahren, dass sich mein Bruder an der Kegelkasse auch bedient hätte.

Jutta hatte keine Probleme mit meiner Mutter über ihren Geldmangel zu reden. Anscheinend führte mein Bruder ein Leben im Luxus. Jede Neuigkeit, die auf den Markt kam war bei ihm zu finden. Auch Freunden gegenüber war er sehr großzügig. Nach außen war er der Mann, den man sich nur wünschen könnte. Nicht ohne Grund bezeichnete ihn mein Vater als „Hausteufel und Gassenengel“. Meine Schwägerin wollte dem Luxus nacheifern und steckte jeden Cent in ihre Kinder, was mein Bruder zu unterbinden versuchte, indem er ihr Haushaltsgeld reduzierte. Meine Kinder ließen mich oft spüren, warum ich hier nicht mithalten wollte oder konnte? Ohne das Wissen meines Vaters wurde meine Schwägerin von meiner Mutter monatlich mit 100 DM unterstützt.

Meine Mutter betrachtete diesen Betrag als Entschädigung. Nach dem Tode meines Vaters wurde diese Zahlung eingestellt, weil sie sich durch die Witwenrente finanziell sehr einschränken musste. Trotzdem war ich von meiner Mutter enttäuscht. Warum hatte sie mit mir nicht darüber geredet? Irgendwie kamen mir diese Zahlungen bekannt vor. Hatten meine Großeltern nicht auch den Bruder meiner Mutter heimlich finanziell unterstützt? Meine Mutter war enttäuscht, weil bei der Testamentseröffnung das Konto der Großeltern kein Guthaben aufwies. Da brachte ihr als Alleinerbin das ganze Gerümpel am alten Hausrat nicht viel. Im Gegenteil. Sie musste für die Entsorgung aufkommen. Finanziell wurde ich durch meine Eltern nie unterstützt. Allein durch die Kinderbetreuung hatte ich die Gelegenheit, mein eigenes Geld zu verdienen. Ich musste allerdings dafür etwas tun. In dieser Zeit hatte mein Vater sogar überlegt, ihr Häuschen auf meine Tochter, die gerade 7 Jahre alt war zu überschreiben. Mein Mann hatte sich geweigert das Angebot anzunehmen. Er befürchtete, dass, wenn Reparaturen anstehen würden, seine Unterstützung eingefordert wird.

Eine Woche vor dem Tod meines Vaters, hatte meine Tochter meinen Bruder zu ihrer Kommunion eingeladen. Am Sonntagabend, als meine Schwägerin die Kinder vorbeibrachte und er teilnahmslos im Auto saß übergab sie ihm ihre Einladung. Wir hatten gehofft, dass er seinen Streit und Hass überwindet. Es wäre die Gelegenheit gewesen mit dem Vater seinen Frieden zu schließen. Am darauffolgenden Donnerstagabend verstarb mein Vater im Alter von 61 Jahren an einem Herzinfarkt. Gegen 22.00 Uhr brach er im Badezimmer zusammen. Es war der 10. März. Auf den Tag genau vor 3 Jahren, wurde der Kontakt zu meinem Bruder im Streit abgebrochen. Meine Mutter hatte den Notarzt gerufen. Kurz nach Mitternacht wurde in der Klinik der Herztod festgestellt. Ich war 29 Jahre alt und habe das 1. Mal meine Mutter in den Arm genommen. Mein Bruder ist mit seiner Frau zur Beerdigung gekommen. Beim anschließenden Treffen mit Verwandten war er nicht dabei.

Vier Wochen nach der Beerdigung meines Vaters war die Erst Kommunion meiner Tochter. Wir hatten zu Hause gefeiert. Mein Bruder betrat mit seiner Familie das 1. Mal unser neues Haus. Ich war zurückhaltend. Seine Arroganz hatte er in der Zwischenzeit und als dreifacher Familienvater nicht verloren. Er prahlte wieder mit seinem überdurchschnittlichen Einkommen.

Er hätte die Möglichkeit öfters mit Freiflügen und Bahntickets Deutschland, auf Geschäftskosten zu bereisen. Vielleicht handelte er eigenmächtig? War das der Grund, der ihm 2 Jahre später zum Verhängnis wurde? Er wurde nach 10 jähriger Betriebszugehörigkeit aus der Firma entlassen.

Über die Gründe wurde nicht gesprochen. Anscheinend hätte er Devisen zurückgehalten, den Wechselkurs abgewartet und den Gewinn privat eingesteckt?

In dem Jahr, in dem mein Vater verstorben ist, hatte mein Bruder meiner Mutter angeboten, sie in den Urlaub in die Türkei mitzunehmen. Es sollte ihre 1. Flugreise werden und sie nahm das Angebot sehr gerne an. Da wir in der Familie eine Freundin kennen, die in der Türkei eine Ferienwohnung besaß, war es die Gelegenheit, gleich 4 Wochen zu buchen. Warum hatte ich jetzt das Gefühl, dass er mir mit Absicht meine Mutter für 4 Wochen entziehen wollte? Meine Kinder waren 4 und 10 Jahre alt. Zum Glück hatte ich eine Schwiegermutter, die mir sehr gerne aushalf und die Betreuung meiner Kinder für 4 Wochen übernahm. Der Urlaub wurde ein Reinfall. Die Ferienwohnung war nicht für Urlaubsgäste mit Kindern ausgestattet. Kein Sandstrand und weit ab der Zivilisation. Für Selbstversorger ohne Fahrzeug erwies sich dies besonders schwierig. Nicht nur, dass meine Mutter mindestens 1 Kleidergröße abgenommen hatte, war die Belastung mit 3 kleinen frechen Kindern für sie eine Zumutung. Selbst die Schwiegertochter hatte die Rabauken nicht unter Kontrolle, was zur Folge hatte, dass die Freundin nach Ihrem Rückflug die Wohnung renovieren musste. Zerbrochene Scheiben und Tomatensoße an der Wand waren doch zu viel des Guten. Meine Schwägerin hatte diese Anschuldigungen abgestritten, aber das interessierte niemanden mehr.

Meine Kindheit und schulische Laufbahn

Im Grunde hatte ich eine glückliche Kindheit. Der Vater ging arbeiten und die Mutter war zu hause.

Ich hatte in unserer Straße 3 Freundinnen und wir verstanden uns sehr gut. Wir gingen gemeinsam in den Kindergarten und anschließend in die Grundschule. Es gab keine Machtkämpfe. Kein gegenseitiger Hass und Neid, obwohl ich die Einzige war, die im Haus bereits ein Badezimmer hatte. Die beiden anderen Mädchen hatten noch 2 und 5 Geschwister, mit denen sie oft teilen mussten. Am Schlimmsten natürlich die Klamotten. Da hatte ich wirklich Glück keine größere Schwester gehabt zu haben.

Dafür habe ich es gehasst, selbstgenähte Kleider und handgestrickte Pullover tragen zu müssen. Jede freie Minute verbrachten meine Großmutter und Mutter mit dem Stricken. Vor allem mit dem Stricken von Socken. Selbst nach dem Tode meiner Großmutter hatten wir noch viele Jahre Socken auf Lager. Mit dieser damaligen, typischen Frauenbeschäftigung wuchs ich auf und wollte natürlich auch das Handarbeiten erlernen. Im Alter von 12 oder 14 Jahren fertigte ich bereits die schönsten Pullover