Die drei ??? Das rätselhafte Erbe (drei Fragezeichen) - Marco Sonnleitner - E-Book

Die drei ??? Das rätselhafte Erbe (drei Fragezeichen) E-Book

Marco Sonnleitner

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Beschreibung

Ein merkwürdiger Anruf erreicht die drei ???. Eine Frau scheint sich in großen Schwierigkeiten zu befinden. Doch bevor die Detektive Näheres erfahren, unterbricht eine kratzige Stimme das Gespräch: "Hände hoch oder es knallt!" Als Justus, Peter und Bob kurz darauf auch noch ein Gemälde der jüngst verstorbenen und bekannten Künstlerin Caroline di Santo erben, ist ihre Verwirrung komplett. Was steckt hinter den geheimnisvollen Ereignissen? Eine spannende Suche beginnt...

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Das rätselhafte Erbe

erzählt von Marco Sonnleitner

Kosmos

Umschlagillustration von Silvia Christoph, Berlin

Umschlaggestaltung von eStudio Calamar, Girona, auf der Grundlage

der Gestaltung von Aiga Rasch (9. Juli 1941 – 24. Dezember 2009)

Unser gesamtes lieferbares Programm und viele

weitere Informationen zu unseren Büchern,

Spielen, Experimentierkästen, DVDs, Autoren und

Aktivitäten findest du unter kosmos.de

© 2019, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

Mit freundlicher Genehmigung der Universität Michigan

Based on characters by Robert Arthur

ISBN 978-3-440-15796-1

eBook-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Peter tobt

Bob Andrews stellte sich auf die Zehenspitzen und sah gespannt zu der Straßenkreuzung. Gleich mussten sie hinter dem hohen gelben Haus auftauchen und um die Ecke flitzen. »Da vorne kommen sie!«, rief er, als er den ersten Radrennfahrer entdeckte. »Eine kleine Spitzengruppe hat sich abgesetzt! Und da ist Peter!« Bob deutete aufgeregt nach vorne. »Da! Siehst du ihn? Das rote Trikot und der blau-weiße Helm! Das ist er! Er hat sich nach vorne gekämpft und liegt an vierter Stelle!«

Justus Jonas reckte den Hals. »Ja, du hast recht. Aber das Hauptfeld ist dicht dahinter.« Er nickte zu dem großen Verfolgerfeld, das jetzt ebenfalls am Ende der Salsipuedes Street auftauchte. »Die holen vielleicht noch auf.«

Bob beugte sich über das Absperrgitter und blickte nach links. Unter dem neongrünen Werbebanner eines Fun-Sport-Geschäftes glänzte die weiße Ziellinie in der Sonne. Justus und er hatten vorhin versucht, noch etwas näher an den Zielbereich heranzukommen. Doch wegen der zahlreichen Besucher, die bei diesem ersten Rocky-Beach-City-Classic dabei sein wollten, hatte sich das als unmöglich erwiesen. »Noch ein guter halber Kilometer bis zum Ziel, schätze ich. Und die Spitzengruppe hat vielleicht dreißig Meter Vorsprung. Wird wirklich knapp.«

»Komm schon, Peter, du schaffst das!«, stieß Justus hervor und registrierte überrascht, dass er seine Daumen zwischen Mittel- und Zeigefinger geklemmt hatte.

Normalerweise waren Sportveranstaltungen nicht so seine Sache. Oder Sport überhaupt. Was auch die paar Kilo zu viel erklärte, die Justus beständig mit sich herumtrug. Aber heute war das etwas anderes. Heute galt es, Peter anzufeuern, seinen Freund und Detektivkollegen. Wochenlang hatte der auf dieses Ereignis hintrainiert, hatte viel von seinem Ersparten in den Umbau seines Rennrades gesteckt und war die Strecke wieder und wieder abgefahren. Am Ende hatte Peter behauptet, er könnte den Stadtkurs durch Rocky Beach auch mit geschlossenen Augen abfahren. Was Justus dann allerdings doch bezweifelt hatte.

Und dieses erste Radrennen durch Rocky Beach hatte nicht nur zahlreiche Zuschauer angelockt, die den Rennfahrern an diesem Sonntagnachmittag unter der sengenden Sonne Kaliforniens zujubelten, sondern Radsportler von nah und fern. Darunter einige, die sehr gut in Form zu sein schienen. Profis waren bei diesem Rennen zwar nicht zugelassen, aber jedes Mal, wenn die Radfahrer auf dem Stadtkurs – den sie zehnmal durchfahren mussten – an Justus und Bob vorbeigeflitzt waren, hatten die beiden Jungen etliche muskelbepackte und gut austrainierte Athleten bestaunen können, die sich an der Spitze des Feldes einen erbitterten Kampf lieferten.

Unter ihnen hatte sich Peter die ganze Zeit hervorragend gehalten. Und jetzt lag er richtig weit vorne, hatte sogar die Chance, aufs Siegerpodest zu fahren oder womöglich das Rennen zu gewinnen!

Justus drängte sich neben Bob an die Absperrung heran. »Los, Zweiter! Zeig’s ihnen!«, rief er laut.

»Ja, Peter! Tritt rein! Hopphopphopp!«, stimmte Bob mit ein und ließ seine Faust kreisen.

Die Spitzengruppe näherte sich den beiden Detektiven. Peter ging jetzt aus dem Sattel und schob sich neben den Drittplatzierten. Ganz kurz sah er dabei auch nach hinten. Wie an einer Perlenkette aufgereiht, jagte das Hauptfeld hinter ihm her.

Vierhundert Meter vor dem Ziel hatte Peter den dritten Platz erobert. Nur die Nummer 116, ein schon etwas älterer, drahtiger Mann in einem grünen Rennanzug, und die 34, ein stämmiges Muskelpaket in pinkfarbenem Trikot, lagen noch vor ihm.

Der Zweite Detektiv nahm die Menschenmenge am Straßenrand nur aus den Augenwinkeln wahr. Wie eine riesige, bunt gesprenkelte Wand flog sie rechts und links an ihm vorbei. Auch die Anfeuerungsrufe, die Jubelschreie und die Stimme des Rennkommentators drangen nur wie durch Watte zu ihm durch. All seine Sinne waren auf die beiden Radrennfahrer vor ihm fokussiert, denen er sich Zentimeter für Zentimeter näherte.

Peter spürte den Adrenalin-Schub förmlich. Die Chance zu gewinnen mobilisierte in seinem Körper ungeahnte Kraftreserven. Als hätten sich irgendwo in ihm Schleusen aufgetan, pulsierte auf einmal neue Energie durch seine Muskeln. Er biss die Zähne zusammen, nahm den Kopf noch ein wenig tiefer und trat wild entschlossen in die Pedale.

»Just! Just!« Bob zerrte hektisch an Justus’ Ärmel. »Peter kriegt sie! Er kriegt sie!«

Justus schien das Gezupfe gar nicht zu bemerken. »Ja, ich sehe es! Unglaublich! Und es sind nur noch dreihundert Meter!«

Gleich würde Peter an ihnen vorbeirauschen. Wahrscheinlich würde er sie weder sehen noch hören, dennoch gaben Justus und Bob ihr Bestes und feuerten ihren Freund lautstark und gestenreich an.

»Peter! Ja! Du schaffst es!«

»Super, Zweiter! Los! Schnapp sie dir! Du kannst –« Urplötzlich verstummte Bob, als hätte ihm jemand die Hand auf den Mund gelegt. Justus schoss der Schreck wie ein Stromstoß durch die Glieder.

Auf der anderen Straßenseite. Am Absperrgitter. Unten. Der kleine, weiße Pudel. Von einer Sekunde auf die andere hatte er sich zwischen zwei Streben des eisernen Gitters hindurchgezwängt und rannte jetzt laut kläffend über die Straße. Über die Rennstrecke. Den heranjagenden Fahrern genau vor die Räder.

»Peter!«, schrie Justus auf.

»Vorsicht!«, brüllte Bob.

Auch viele der anderen Zuschauer kreischten entsetzt auf. Zahllose Warnrufe gellten über die Straße. Die 34 machte einen wilden Schlenker nach links und raste haarscharf vor dem Hund vorbei. Die 116 wich geistesgegenwärtig nach rechts aus, schoss auf das Absperrgitter zu, riss das Rad wieder nach links und konnte nur dank einer nahezu akrobatischen Bewegung einen Sturz gerade noch vermeiden.

Dieses Glück hatte Peter nicht. Er griff hart in die Bremsen, worauf sein Hinterrad sofort blockierte und nach links ausscherte. Dies wiederum brachte sein Rennrad in eine unheilvolle Schräglage.

»Peter!«

»Er stürzt!« Bob schlug die Hände vor den Mund.

Im nächsten Augenblick ertönte ein hässliches Scheppern und Knirschen, als Peter samt Fahrrad seitlich auf den Asphalt krachte. Justus schnappte nach Luft, Bob stieß einen erstickten Laut aus. Unter den Schreckensrufen der umstehenden Zuschauer schlitterte der Zweite Detektiv auf den Straßenrand und das Gitter zu. Funken stoben auf, als Metall über Asphalt rieb. Dann rauschte Peter mit den Reifen voran krachend in die Absperrung.

»Um Himmels willen!«

»Mein Gott!«

Justus und Bob kletterten sofort über das Gitter. Neben ihnen verschwand der Pudel zwischen den Beinen der Zuschauer, vor ihnen jagte das Hauptfeld vorbei.

Bob beugte sich über seinen Freund, der unter seinem Rad lag. Peter hatte die Augen weit aufgerissen und atmete hektisch. »Peter! Hast du dich verletzt?«

»Wir müssen sofort einen Krankenwagen rufen!« Justus kniete sich auf den Boden.

Der Zweite Detektiv setzte sich auf und schüttelte sich. »Dieser bescheuerte Hornochse!«, stieß er wutentbrannt hervor. Er löste seine Schuhe aus den Klickpedalen, zog sein rechtes Bein unter dem Rad hervor und stand auf. »Wo ist diese Saftnase?« Aufgebracht starrte er zur anderen Straßenseite.

»Peter?« Justus sah an seinem Freund hinab. Trikot und Hose waren auf der rechten Körperseite aufgerissen. Hier und da waren Schürfwunden zu erkennen, aus denen Blut sickerte. »Hast du Schmerzen? Sicher hast du Schmerzen! Du solltest dich sofort wieder hinsetzen, bis der Arzt kommt.« Der Erste Detektiv zog sein Handy hervor.

»Ich brauche keinen Arzt, mir geht’s gut.« Peter nahm seinen Helm ab und pfefferte ihn neben das Rad.

»Das ist das Adrenalin«, sagte Bob besorgt. »Deswegen spürst du nichts. Du hast dir vielleicht was gebrochen.«

»Ach was. Mir geht’s gut.« Peter wartete missmutig, bis der letzte Fahrer an ihm vorbei war, und marschierte dann schäumend vor Wut auf die andere Straßenseite. »Wem gehört der Hund?«, rief er in die Zuschauer. »Wer war hier eben so dämlich, seinen Hund über die Straße laufen zu lassen?«

»Peter, so warte doch!« Justus hatte Mühe, seinem Freund zu folgen.

»Ich hätte gewinnen können! Aber nein, irgend so ein Idiot kann nicht auf seinen Hund aufpassen! Wer war das?« Peter stapfte erbost auf die Leute zu. »Wissen Sie überhaupt, was da alles hätte passieren können? Mir und dem Hund?« Er blieb stehen. »Also? Wem gehört der Hund?«

»Ich glaube, einer Frau«, sagte ein Mann mittleren Alters und sah sich um. »Gerade war sie noch da. Stand direkt neben mir.«

»Ja, so eine Braunhaarige«, sagte ein anderer Zuschauer.

»Nein, die war blond, ganz sicher«, meinte eine Frau.

»Ach was, der Hund gehörte dem Dicken mit dem Cowboyhut«, sagte ein weiterer Mann. »Der Typ, der hier alle vollgequalmt hat.«

»Quatsch! Der hatte doch keinen Hund dabei!«

Peter schnaubte. »Na toll! Und feige auch noch!«

Bob fasste seinen Freund an der Schulter. »Peter, du musst dich beruhigen. Das war ein kapitaler Sturz. Du musst dich untersuchen und verarzten lassen!«

Der Zweite Detektiv drehte sich um. »Ich sagte doch, dass es mir gut geht. Ich muss jetzt vor allem … Hey!« Er riss die Augen auf und starrte zur anderen Straßenseite. »Was macht der Kerl da?«

Justus und Bob folgten seinem Blick. Ein junger Mann – sonnengebräunt, große Tätowierungen auf dem linken Arm, kahlrasierter Kopf, Zigarette im Mund – hatte Peters Fahrrad vom Boden aufgehoben und schob es in aller Seelenruhe durch die Zuschauer.

»Hey! Du da! Bleib stehen!«, rief Peter.

Der Mann wandte sich um, tippte sich mit einer Hand an die Schläfe und grinste. Dann schwang er sich auf den Sattel und fuhr davon.

Ein merkwürdiger Anruf

Nach einem äußerst anstrengenden Nachmittag, den die drei ??? vor allem im Rocky Beach Memorial Hospital und auf dem Police Department verbracht hatten, trafen die Jungen am frühen Abend endlich in ihrer Zentrale ein. Die Zentrale war ein ausgedienter, alter Wohnwagen, der verborgen unter einem riesigen Berg Altmetall auf dem Schrottplatz der Familie Jonas stand. In diesem Hauptquartier ihres Detektivunternehmens stand den drei Jungen alles zur Verfügung, was sie für ihre Ermittlungen benötigten: ein Computer, ein Telefon, ein kleines Labor, alle Akten der zurückliegenden Fälle, ein Kühlschrank. Aber was Peter im Moment am meisten brauchte, war einer der bequemen Sessel. Erschöpft und lautstark prustend ließ er sich hineinfallen.

»Wie geht’s dir, Zweiter?« Bob nahm in einem der anderen Sessel Platz und musterte seinen Freund mitfühlend. Rechter Ellbogen, Hüfte und Knie waren großflächig mit Pflastern und Verbänden versorgt, und auch am Kinn hatte Peter eine kleine Schramme.

»Super!«, ätzte Peter und streifte sich seine Schuhe ab. »Einer der Top-Ten-Tage meines Lebens. Streiche ich mir gleich nachher rot im Kalender an. Rennen versemmelt, Rad weg, mit meinem Pelz die Salsipuedes Street radiert. Was wünscht man sich mehr?«

»Hast du noch Schmerzen?«, fragte Justus. Nachdem sich die Aufregung am Unfallort langsam gelegt hatte, hatte Peters Körper doch allmählich realisiert, was passiert war. Und in dem Maße, wie der Adrenalin-Spiegel in seinem Blut gesunken war, hatten die Schmerzen zugenommen. Am rechten Arm. Am rechten Knie. An der Hüfte. An der Hand. Eigentlich überall.

»Geht so. Die Tabletten hauen ziemlich rein.« Peter ließ die Zunge raushängen und verdrehte die Augen.

»War also doch gut, dass wir dich in die Notaufnahme gebracht haben«, meinte Bob. »Auch wenn du dich erst mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hast.«

Peter fuchtelte wild mit der Hand herum. »Klar! Weil ich dieses Aas kriegen wollte, das mein Rad geklaut hat! Aua! Tut das weh!« Er verzog schmerzgeplagt das Gesicht und ließ die Hand wieder sinken.

»Aber dem Dieb hinterherzulaufen, war keine wirklich gute Idee«, sagte Justus. »Ich meine, der war auf deinem Rennrad unterwegs und in kürzester Zeit aus unserem Blickfeld verschwunden. Wo wolltest du denn hin?«

Peter winkte ab. »Ach, was weiß ich denn! Zu dem Zeitpunkt war ich doch alles andere als zurechnungsfähig.«

»Hoffentlich hat der Sturz nicht auch da oben Schaden angerichtet.« Bob grinste und deutete auf seinen Kopf.

Peter zog die Augenbrauen zusammen. »Nicht lustig. Ich habe wirklich eine Menge Geld und noch mehr Zeit in dieses Rad gesteckt. Und dieser Mistkerl klaut es mir unter dem Hintern weg! Wie mies kann man eigentlich sein?«

Justus nickte. »Das war an Niedertracht wirklich kaum zu überbieten. Aber die Beschreibung des Täters, die wir auf dem Police Department abgegeben haben, war ja recht detailliert. Vielleicht findet ihn die Polizei.«

»Pah!«, machte Peter. »Das glaubst du doch selbst nicht! Der Kerl spritzt mein Rad in irgendeiner Garage um, setzt sich ’ne Mütze auf seinen Hohlschädel und lässt sich einen Bart wachsen. Und wenn der Typ nicht von hier ist, muss er nicht mal das machen.«

Bob presste die Lippen zusammen. Vermutlich hatte Peter recht. Die Ermittlungserfolge der Polizei bei der Aufklärung von Fahrraddiebstählen waren doch sehr überschaubar. »Aber du bist echt super gefahren!«, versuchte er seinen Freund aufzumuntern. »Und ich bin mir sicher, dass du ohne diesen blöden Unfall noch Erster geworden wärst. Nicht wahr, Just?«

»Unbedingt! Du hättest gewonnen«, pflichtete Justus Bob bei.

»Hätte, hätte …«, grummelte Peter. »Vielleicht hätte mich bei meinem Glück auch fünf Meter vor dem Ziel ein Meteorit vom Rad gefegt. Und diesen Idioten, dem der Hund gehört, haben wir auch nicht gefunden. Mann, ich sag’s ja: Top-Ten-Tag!«

Bob überlegte. »Wir könnten mal wieder unsere gute alte Telefon-Lawine starten. Oder eine E-Mail-Lawine. Sowohl zu dem Raddieb als auch zu dem Hundebesitzer.«

Peter machte ein unschlüssiges Gesicht. »Wäre vielleicht eine Idee. Der Kerl war ja nicht gerade unscheinbar. Die Tätowierungen, die Frisur. Könnte tatsächlich sein, dass ihn jemand kennt. Aber der Pudel sah dafür aus wie jeder x-beliebige weiße Pudel. Außerdem, was soll ich mit dem Besitzer machen, wenn wir ihn finden? Ihn teeren und federn?«

Bob stand auf und ging zum Telefon. »Okay, dann versuchen wir es zumindest bei dem Tattoo-Typen. Dass das Rad nach so einem Sturz überhaupt noch fahrtüchtig war!« Er schüttelte den Kopf. »Unglaublich.«

»Erinnere mich nicht daran«, knurrte Peter.

Der dritte Detektiv griff zum Hörer. Doch genau in diesem Augenblick klingelte das Telefon. Verdutzt hielt er inne und hob dann ab. »Bob Andrews von den drei Detektiven. Was kann ich für Sie tun?«

Niemand meldete sich. Am anderen Ende der Leitung herrschte Stille. Nur das Ticken einer großen Uhr war zu hören.

»Hallo? Wer ist denn da?«

Immer noch nichts.

»Hören Sie, wenn Sie falsch verbunden sind, dann –«

Plötzlich vernahm Bob ein Geräusch. Erst konnte er es nicht einordnen, aber dann wurde ihm klar, dass da jemand atmete. Langsam, schwer und rasselnd. Fast hörte es sich an wie ein Stöhnen. Der dritte Detektiv legte die Hand auf die Sprechschlitze. »Das müsst ihr euch anhören, Kollegen. Das klingt merkwürdig.« Er schaltete den Lautsprecher ein, damit Justus und Peter mithören konnten. »Hallo? Wer spricht da?«

Wieder dieses Atmen, dieses raue, angestrengte Luftholen. Justus und Peter horchten auf. Das klang tatsächlich sehr ungewöhnlich.

»Hallo?«, versuchte es Bob abermals.

»J……a.« Eine Stimme, als würde eine alte Tür aufgehen. Ein lang gezogenes Quietschen und Knarren.

»Du meine Güte!«, flüsterte Peter.

»Geht es Ihnen gut?« Bob schüttelte den Kopf. Was war hier los?

»Spre…che ich … mit … mit …«

»Mit den drei Detektiven. Bob Andrews am Apparat.«

»Drei Detektive … Guuuuu…t. Ich muss … euch …«

Im Hintergrund waren auf einmal noch andere Geräusche zu hören. Eine Tür schlug zu, dann näherten sich Schritte auf einem harten Boden.

»Nein!«, sagte die Stimme am Telefon. Ein gedämpftes, kaum hörbares und doch energisches Nein.

»Was passiert denn da?« Peter war genauso alarmiert wie seine beiden Freunde. »Bob, wir müssen wissen, wer da spricht!«

»Ja, ich weiß! Hallo! Wer sind Sie?«

»Nicht!«, ächzte die Stimme. Die Schrittgeräusche verstummten abrupt. Es knackte und raschelte in der Leitung.

»Bitte!«

Im Hintergrund begann die Uhr zu schlagen. Ein metallener, hallender Laut, begleitet von einem feinen Schnarren. Bob sah unwillkürlich auf seine Armbanduhr. Sechs Uhr. Und plötzlich drang eine andere Stimme aus dem Lautsprecher, bohrend und kratzig: »Hände hoch oder es knallt!«

Dann war die Leitung tot.

Letzte Worte

Bob, der den Hörer immer noch in der Hand hielt, sah seine Freunde verwirrt an. »Was war das denn?«

»Hörte sich gar nicht gut an«, meinte Peter nachdenklich. »Da war jemand am Apparat, dem es ziemlich schlecht ging. Und dann kam ein anderer, hat ihn bedroht und das Gespräch abgewürgt. Oder? Seht ihr das auch so?«

Bob nickte. »Ja, denke schon.«

»Merkwürdig. Äußerst merkwürdig. Gib her!« Justus wedelte mit der Hand und Bob gab ihm den Hörer. Der Erste Detektiv legte kurz auf, nahm den Hörer wieder ab und wählte Inspektor Cottas Nummer beim Police Department von Rocky Beach. Mit ihm hatten sie schon in vielen zurückliegenden Fällen zusammengearbeitet.

Es dauerte lange, bis sich Cotta meldete. »Cotta?«

Justus schluckte. Manchmal konnte er schon an der Art, wie sich der Inspektor am Telefon meldete, auf dessen Laune schließen. Und im Moment schien es damit nicht zum Besten zu stehen. »Hallo, Inspektor. Hier Justus –«

»Ah, die Bruchpiloten!«, fiel ihm Cotta ins Wort. »Ich hätte es mir denken können. Und nein, wir haben noch nichts zu eurem Fahrraddieb.«

Die drei Jungen hatten ihre Anzeige zwar vorhin nicht bei Cotta aufgegeben, der zu der Zeit unterwegs gewesen war, sondern bei einem seiner Kollegen. Aber offenbar hatte sich die Sache schon herumgesprochen.

»Aber –«

»Nein, Justus, ich werde nicht die Nationalgarde anfordern, um den Kerl ausfindig zu machen, der Peters Rad geklaut hat. Hör zu, ich habe noch jede Menge Schreibkram zu erledigen und würde heute zur Abwechslung gerne mal pünktlich nach Hause gehen. Wäre das möglich?«

»Aber um das Fahrrad geht es doch gar nicht«, sagte Justus verstimmt. Manchmal ging ihm Cottas Launenhaftigkeit dann doch ein wenig auf die Nerven. »Wir haben eben einen sehr ungewöhnlichen, um nicht zu sagen beunruhigenden Anruf erhalten.«