Die Katze, die in den Ohrensessel biss - Band 2 - Lilian Jackson Braun - E-Book
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Die Katze, die in den Ohrensessel biss - Band 2 E-Book

Lilian Jackson Braun

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Beschreibung

Ein ungewöhnliches Ermittlerduo: „Die Katze, die in den Ohrensessel biss“ von Bestsellerautorin Lilian Jackson Braun jetzt als eBook bei dotbooks. Eigentlich soll Jim Qwilleran nur einen belanglosen Zeitungsbericht über die alte Villa schreiben – doch dann wird die Hausherrin tot aufgefunden! Sofort ist der ehemalige Polizei-Reporter ganz in seinem Element: Starb Mrs. Tait wirklich an einem Herzanfall? Und wo befinden sich ihre wertvollen Jadeobjekte? Jim beginnt zu ermitteln – und verfolgt dank des feinen Instinkts seines cleveren Siamkaters Koko schon bald eine heiße Spur … „Eine spannende Geschichte mit ironischem Unterton, die nicht nur Katzenliebhabern gefällt!“ Belfast Telegraph Die Krimi-Serie mit Suchtpotenzial! Der zweite Fall für Reporter Jim und Siamkater Koko – jetzt als eBook kaufen und genießen: „Die Katze, die in den Ohrensessel biss“ von Lilian Jackson Braun. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

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Über dieses Buch:

Eigentlich soll Jim Qwilleran nur einen belanglosen Zeitungsbericht über die alte Villa schreiben – doch dann wird die Hausherrin tot aufgefunden! Sofort ist der ehemalige Polizei-Reporter ganz in seinem Element: Starb Mrs. Tait wirklich an einem Herzanfall? Und wo befinden sich ihre wertvollen Jadeobjekte? Jim beginnt zu ermitteln – und verfolgt dank des feinen Instinkts seines cleveren Siamkaters Koko schon bald eine heiße Spur …

»Eine spannende Geschichte mit ironischem Unterton, die nicht nur Katzenliebhabern gefällt!« Belfast Telegraph

Über die Autorin:

Lilian Jackson Braun (1913–2011) wurde in Massachusetts geboren. Nach der Highschool arbeitete sie als Journalistin und in der Werbebranche, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Romanen widmete. Ihre Katzenkrimis wurden in 16 Sprachen übersetzt und standen regelmäßig auf der »New York Times«-Bestsellerliste.

Bei dotbooks erscheinen alle Bände der Erfolgsserie. Eine vollständige Übersicht finden Sie am Ende dieses eBooks.

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eBook-Neuausgabe Juli 2016

Copyright © der amerikanischen Originalausgabe 1967 Lilian Jackson Braun

Die amerikanische Originalausgabe erschien 1967 unter dem Titel »The Cat Who Ate Danish Modern«.

Copyright © der deutschen Ausgabe 1995 Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co., Bergisch Gladbach

Copyright © der Neuausgabe 2016 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/Forewer und Doremi

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-95824-831-1

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Lilian Jackson Braun

Die Katze, die in den Ohrensessel biss

Kriminalroman

Aus dem Amerikanischen von Christine Pavesicz

dotbooks.

Kapitel 1

Jim Qwilleran bereitete sich mit gelangweilter, fast schon angewiderter Miene, die von seinem herabhängenden buschigen Schnurrbart noch betont wurde, sein Junggesellenfrühstück zu. Mit Heißwasser aus der Leitung machte er sich eine Tasse Instantkaffee, auf dessen Oberfläche braune Klumpen schwammen. Aus einer Dose, deren Boden mit Krümeln bedeckt war und die bereits muffig zu riechen begann, nahm er einen Keks. Dann breitete er auf einem Tisch an einem Seitenfenster eine Papierserviette aus; die Großstadtsonne, die durch den Smog sickerte, betonte noch die Kargheit der möblierten Wohnung.

Hier aß Qwilleran sein Frühstück, ohne etwas zu schmecken, und dachte über seine vier Probleme nach.

Im Augenblick war er frauenlos. Die Wohnung war ihm gekündigt worden, und in drei Wochen würde er obdachlos sein. Bei dem Tempo, mit dem die Motten seine Krawatten fraßen, würde er bald krawattenlos sein. Und wenn er heute zum Chefredakteur das Falsche sagte, war er vielleicht auch arbeitslos. Über fünfundvierzig und arbeitslos. Keine erfreuliche Aussicht.

Zum Glück war er nicht freundlos. Auf seinem Frühstückstisch befand sich – neben einem dicken Wörterbuch, einem Stapel Taschenbücher, einem Pfeifenständer mit einer einzigen Pfeife und einer Dose Tabak – ein Siamkater.

Qwilleran kraulte seinen Freund hinter den Ohren und sagte: »Ich wette, als du noch im ersten Stock gewohnt hast, durftest du nicht auf dem Frühstückstisch sitzen.«

Der Kater, dessen Name Koko war, wiegte sich zufrieden hin und her, richtete seine Schnurrhaare auf und machte: »YAU!«

Nach dem bedauerlichen Ableben des Mannes im ersten Stock wohnte er jetzt seit sechs Monaten bei dem Journalisten. Qwilleran fütterte ihn gut, führte vernünftige Gespräche mit ihm und erfand Spiele – ungewöhnliche Spiele, die ganz nach dem Geschmack des außergewöhnlich intelligenten Katers waren.

Jeden Morgen nahm Koko in einer kleinen Ecke des Frühstückstisches Platz, wo er sich, die braunen Pfoten und den braunen Schwanz adrett unter seinem sandfarbenen Körper mit der weißen Brust verstaut, zu einem kompakten Bündel zurechtsetzte. Im sanften Licht der Sonne waren Kokos schrägstehende Augen leuchtend blau, und sein seidiges Fell glitzerte wie das quer über das Fenster gesponnene Spinnennetz und schillerte in allen Regenbogenfarben.

»Neben dir sieht diese Wohnung wie ein schäbiges Loch aus«, sagte Qwilleran zu ihm.

Koko kniff die Augen zusammen und atmete schneller. Bei jedem Atemzug wechselte die Farbe seiner Nase von Samtschwarz zu Satinschwarz und dann wieder zu Samtschwarz.

Qwilleran versank erneut tief in Gedanken und fuhr sich geistesabwesend mit dem Löffelstiel durch den Schnurrbart. Heute war der Tag, an dem er – wie er sich selbst versprochen hatte – zum Chefredakteur gehen und um ein neues Ressort bitten wollte. Das war ein riskanter Schritt. Der Daily Fluxion war eine Zeitung, die für eine straffe Führung bekannt war. Percy predigte Teamwork, Teamgeist, Teamdisziplin. Schulter an Schulter, alle im selben Boot, einer für alle. Es steht uns nicht zu, Fragen zu stellen. Wir ziehen alle am selben Strang, jeder gibt sein Bestes. Und wir können uns glücklich schätzen!

»Es ist so«, erklärte Qwilleran dem Kater. »Wenn ich in Percys Büro gehe und ihn ganz direkt um ein anderes Ressort bitte, kann es passieren, daß ich auf der Straße lande. So ist er. Und ich kann es mir im Moment überhaupt nicht leisten, arbeitslos zu sein – nicht, bevor ich mir nicht ein kleines finanzielles Polster geschaffen habe.«

Koko hörte ihm aufmerksam zu.

»Wenn es zum Schlimmsten kommt, könnte ich wahrscheinlich einen Job beim Morning Rampage bekommen, aber für dieses Spießerblatt möchte ich nicht arbeiten.«

Kokos Augen waren groß und sehr verständnisvoll. »Yau«, machte er leise.

»Ich wünschte, ich könnte offen und ehrlich mit Percy reden, aber es ist unmöglich, zu ihm durchzudringen. Er ist programmiert, wie ein Computer. Sein Lächeln – sehr aufrichtig. Sein Händedruck – sehr kräftig. Seine Komplimente – sehr befriedigend. Und wenn man ihn dann das nächste Mal im Aufzug trifft, kennt er einen nicht. Man steht ja an diesem Tag nicht auf seinem Terminkalender.«

Koko rutschte unbehaglich auf seinem Platz herum.

»Er sieht nicht mal aus wie ein Chefredakteur. Er zieht sich an wie ein Werbemanager. Neben ihm komme ich mir richtig schmuddelig vor.« Qwilleran fuhr sich mit der Hand über den Nacken. »Ich glaube, ich sollte mir die Haare schneiden lassen.«

Koko gab einen kehligen Gurgellaut von sich, und Qwilleran erkannte das Stichwort. »Okay, spielen wir unser Spiel. Aber nur ein paar Runden heute Morgen. Ich muß zur Arbeit gehen.«

Er öffnete das große Wörterbuch, das bemerkenswert zerfleddert war, und dann spielten er und Koko ihr Wörterspiel. Der Kater grub seine Krallen in die Seiten, und Qwilleran schlug das Buch an der Stelle auf, die ihm der Kater damit bezeichnete. Dann las er laut die Stichworte vor, die fettgedruckt über den Kolumnen standen. Wenn Koko seine rechte Pfote benutzte, las er die Stichworte auf der rechten Seite, doch gewöhnlich war es die linke. Koko war eher ein Linkspfoter.

»Dernier cri und Design«, las Qwilleran. »Die sind einfach. Zwei Punkte für mich … Weiter, versuch’s nochmal.«

Koko richtete die Ohren nach vom und schlug seine Krallen in das Buch.

»Diatonik und dichroitisch. Du hinterhältiger Schlingel! Jetzt hast du mich erwischt!« Qwilleran mußte beide Definitionen nachlesen, und das bedeutete zwei Punkte für den Kater. Der Endstand war sieben zu fünf für Qwilleran. Dann duschte er und zog sich an, nachdem er dem Kater sein Frühstück gegeben hatte – frisches, kleingehacktes Rindfleisch, in etwas Pilzsoße aus der Dose gewärmt. Der Kater interessierte sich jedoch nicht für sein Futter. Er folgte ihm auf dem Fuß, wobei er mit der lauten Stimme der Siamkatze maunzte, um seine Aufmerksamkeit zu erregen, am Badetuch zerrte und in jede Schublade, die geöffnet wurde, hineinsprang.

»Was für eine Krawatte soll ich umbinden?« fragte ihn Qwilleran. Er hatte nur ein paar Krawatten in seiner Sammlung – zum Großteil im Schottenkaro gemustert, wobei die Farbe Rot vorherrschte. Sie hingen auf Türgriffen und Sessellehnen in der ganzen Wohnung herum. »Vielleicht sollte ich eine Begräbniskrawatte nehmen, um auf Percy einen guten Eindruck zu machen. Heutzutage passen wir uns alle an. Ihr Katzen seid die einzigen wirklich unabhängigen Wesen, die es noch gibt.«

Koko blinzelte wie zur Bestätigung.

Qwilleran griff nach einer schmalen Krawatte aus marineblauer Wolle, die über dem Schwenkarm einer Stehlampe hing. »Diese verdammten Motten!« sagte er. »Schon wieder eine Krawatte hinüber!«

Koko stieß ein leises Quieken aus, das sich nach Mitgefühl anhörte. Qwilleran sah sich den angeknabberten Rand der Krawatte an und beschloß, sie dennoch zu tragen.

»Wenn du dich nützlich machen willst«, sagte er zu dem Kater, »dann kümmere dich doch um die Motten, statt deine Zeit mit Spinnennetzen zu verschwenden.«

Seit Koko zu Qwilleran gezogen war, hatte er sich eine merkwürdige, etwas abartige Gewohnheit zugelegt. In diesem feuchten, alten Haus gab es Unmengen an Spinnen, und so rasch, wie sie ihre Netze spannen, verschlang Koko die glitzernden Fäden.

Qwilleran steckte das ausgefranste Ende der marineblauen Krawatte ins Hemd und seine Pfeife, eine Quarter-bent Bulldog, in die Hosentasche. Dann kraulte er Koko zum Abschied den Kopf und verließ seine Wohnung am Blenheim Place.

Als er schließlich in der Eingangshalle des Daily Fluxion ankam, war sein Haar geschnitten, sein Schnurrbart etwas gestutzt, und seine Schuhe glänzten mit den schwarzen Marmorplatten an den Wänden um die Wette. Er sah im glänzenden Marmor sein Profil und zog den Bauch ein; er begann sich leicht nach außen zu wölben.

Er zog mehr als nur ein paar Blicke auf sich. Seit er vor sieben Monaten – mit seinem üppigen Schnurrbart, der malerischen Pfeife und seiner geheimnisumwitterten Vergangenheit – beim Daily Fluxion angefangen hatte, war Qwilleran Gegenstand zahlloser Vermutungen. Jeder wußte, daß er in New York und Chicago als Polizeireporter eine beachtliche Karriere gemacht hatte. Danach war er ein paar Jahre verschollen, und jetzt hatte er ein ruhiges Ressort bei einer Tageszeitung im Mittleren Westen übernommen und schrieb – ausgerechnet! – Feuilletons über Kunst und Kultur.

Die Aufzugtür öffnete sich, und Qwilleran trat beiseite, um ein paar Kolleginnen von der Frauenredaktion aussteigen zu lassen, die zu ihrem Vormittagsauftrag unterwegs waren oder Kaffeepause machten. Als sie an ihm vorbeigingen, musterte er sie kritisch. Eine war zu alt. Eine war zu reizlos. Die Moderedakteurin war zu furchteinflößend. Die Gesellschaftsredakteurin war verheiratet.

Die verheiratete Redakteurin warf ihm einen gespielt vorwurfsvollen Blick zu. »Sie elender Glückspilz!«, sagte sie. »Manche Leute scheinen einfach unter einem günstigen Stern geboren zu sein. Ich hasse Sie!«

Qwilleran sah ihr nach, wie sie durch die Eingangshalle schritt, und sprang dann gerade noch rechtzeitig in den Aufzug, bevor die automatischen Türen sich schlossen.

»Was sollte das denn?« murmelte er.

In der Kabine war noch eine Mitfahrerin – eine blonde Bürokraft aus der Anzeigenabteilung. »Ich habe es eben gehört: »Herzlichen Glückwunsch!« sagte sie und stieg im nächsten Stockwerk aus.

Als Qwilleran die Feuilletonredaktion mit den Reihen von grünen Metallschreibtischen, grünen Schreibmaschinen und grünen Telefonapparaten betrat, regte sich unter seiner ausgefransten Krawatte große Hoffnung.

Arch Riker winkte ihm zu. »Bleib da«, sagte der Leiter der Feuilletonredaktion. »Percy hat für halb elf eine Besprechung angesetzt. Wahrscheinlich geht es um dieses lächerliche W in deinem Namen. Hast du schon die erste Ausgabe gesehen?« Er schob ihm eine Zeitung über den Tisch zu und deutete auf die große Schlagzeile: Richter qwittiert Dienst – Qwerverbindung zur Mafia.

Riker sagte: »Kein Mensch hat die Druckfehler entdeckt, bis die Ausgabe draußen war. Du hast das gesamte Personal verwirrt.«

»Es ist ein ehrbarer schottischer Name«, rechtfertigte sich Qwilleran. Dann beugte er sich über Rikers Schreibtisch und sagte: »Heute morgen habe ich ein paar interessante Schwingungen aufgefangen. Ich glaube, Percy gibt mir ein neues Ressort.«

»Wenn er das vorhat, dann weiß ich nichts davon.«

»Ich gebe jetzt seit sechs Monaten die lächerlichste Figur in der gesamten Branche ab – einen Polizeireporter, der im Kulturressort gelandet ist.«

»Du hättest den Job nicht nehmen müssen, wenn er dir nicht zusagt.«

»Ich brauchte das Geld. Das weißt du doch. Und man hat mir eine Stelle in der Lokalredaktion versprochen, sobald eine frei würde.«

»Viel Glück«, sagte Riker nicht besonders überzeugt.

»Ich glaube, es liegt irgend etwas in der Luft. Und was immer es ist, alle wissen davon, außer dir und mir.«

Der Leiter der Feuilletonredaktion lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme. »So ist das immer in der Kommunikationsbranche«, sagte er. »Die Leute, die es am meisten betrifft, erfahren es als letzte.«

Als das Zeichen aus der Lokalredaktion kam, gingen Riker und Qwilleran in das Büro des Chefredakteurs und sagten: »Guten Morgen, Harold.« Der Boss wurde nur hinter seinem Rücken Percy genannt. Der Leiter der Anzeigenabteilung war da; er machte sich wichtig. Der Leiter der Fotoredaktion war da; er wirkte gelangweilt. Die Leiterin der Frauenredaktion war ebenfalls da; sie trug einen extravaganten Hut aus Zebrafell und warf Qwilleran einen langen, freundlichen Blick zu, der ihm unangenehm war. Fran Unger hatte einen zuckersüßen Charme, dem er nicht traute. Vor weiblichen Führungskräften war er auf der Hut. Er war einmal mit einer verheiratet gewesen.

Irgend jemand hatte die Tür geschlossen. Der Chefredakteur drehte sich in seinem Stuhl herum und sah Qwilleran an.

»Qwill, ich muß mich bei Ihnen entschuldigen«, sagte er. »Ich hätte das alles schon vor zehn Tagen mit Ihnen besprechen sollen. Sie haben wahrscheinlich schon Gerüchte gehört, und es war nicht fair von mir, Sie im Dunkeln tappen zu lassen. Tut mir leid. Ich war mit der Bürgerinitiative gegen Verbrechen beschäftigt, die der Bürgermeister ins Leben gerufen hat, aber das ist natürlich keine Entschuldigung.«

Er ist wirklich gar kein so übler Bursche, dachte Qwilleran und rutschte erwartungsvoll auf seinem Stuhl herum.

»Wir haben Ihnen einen neuen Job versprochen, sobald sich die richtige Gelegenheit bietet«, fuhr der Chefredakteur fort, »und jetzt haben wir eine echte Herausforderung für Sie! Wir wollen ein Projekt starten, das für die gesamte Zeitungsindustrie von immenser Bedeutung ist, und, wie ich hinzufügen sollte, für den Daily Fluxion eine wahre Goldgrube zu werden verspricht.« Qwilleran wurde langsam klar, warum alle Leute den Boss Percy nannten.

Der Chefredakteur fuhr fort: »Unsere Stadt wurde für ein Experiment ausgewählt. Man will feststellen, ob landesweite Werbung, die normalerweise in Illustrierten erscheint, auch in Großstadt-Tageszeitungen erfolgreich ist.«

Der Leiter der Anzeigenabteilung sagte: »Wenn es funktioniert, wird sich unsere Zeilenanzahl verdoppeln. Schon im Probejahr werden die Einnahmen über eine Million Dollar betragen.«

»Auch der Morning Rampage wird sich um diesen fetten Brocken bewerben«, sagte der Chefredakteur, »aber wir mit unseren neuen Druckpressen und unserem Farbreproverfahren können ein höherwertiges Produkt herstellen.«

Qwilleran strich sich nervös über den Schnurrbart.

»Und Ihr Job wird es sein, Qwill, zweiundfünfzig Wochen lang eine spezielle Sonntagsbeilage zu produzieren – im Zeitschriftenformat, mit vielen Farbseiten!«

Qwillerans Gedanken rasten in die Zukunft und erwogen alle Möglichkeiten. Er sah aufsehenerregende Prozesse vor sich, Wahlkämpfe, politische Enthüllungsreportagen, spektakuläre Sportereignisse, vielleicht auch Auslandsbeiträge. Er räusperte sich und sagte: »Dieses neue Magazin – ich nehme an, es wird von allgemeinem Interesse sein?«

»Vom Ansatz her von allgemeinem Interesse, vom Inhalt her spezifisch. Wir möchten, daß Sie eine Wochenzeitschrift über Innenarchitektur herausbringen.«

»Über was?« sagte Qwilleran; seine Stimme kippte unwillkürlich.

»Innenarchitektur. Das Experiment wird von der Einrichtungsbranche durchgeführt.«

»Innenarchitektur!« Ein kalter Schauer lief durch Qwillerans Schnurrbartwurzeln. »Ich würde meinen, daß Sie dafür eine Frau nehmen sollten.«

Fran Unger meldete sich mit liebenswürdiger Stimme zu Wort. »Die Frauenredaktion hat sich sehr um diesen Auftrag bemüht, Qwill, aber Harold ist der Meinung, daß sich heutzutage auch sehr viele Männer für ihr Heim interessieren. Er möchte vermeiden, daß Elegante Domizile in den Ruf einer Frauenbeilage kommt, und eine breite Leserschaft für das Magazin gewinnen.«

Qwilleran hatte ein Gefühl in der Kehle, als hätte er seinen Schnurrbart verschluckt. »Elegante Domizile? So heißt die Zeitschrift?«

Percy nickte. »Ich glaube, der Name vermittelt die richtige Botschaft: Charme, Lebensqualität, Geschmack! Sie können Storys über Luxusvillen, teure Appartements, Wohnungen als Statussymbol bringen, über die Oberen Zehntausend und wie sie leben.«

Qwilleran fummelte an seiner ausgefransten Krawatte herum.

»Sie werden von diesem Auftrag begeistert sein, Qwill«, versicherte ihm die Leiterin der Frauenredaktion. »Sie werden mit Innenausstattern arbeiten, und das sind ganz reizende Menschen.«

Qwilleran beugte sich zum Chefredakteur und sagte ernst: »Harold, sind Sie auch ganz sicher, daß Sie mich für dieses Ressort wollen? Sie kennen doch meine bisherige Laufbahn! Ich habe nicht die geringste Ahnung von Innenausstattung.«

»Sie haben im Kulturressort hervorragende Arbeit geleistet, ohne eine Ahnung von Kultur zu haben«, sagte Percy. »In unserem Geschäft kann Fachwissen ein Nachteil sein. Dieser Job erfordert nicht mehr und nicht weniger als einen erfahrenen Reporter, der kreativ und wendig ist. Wenn Sie anfangs irgendwelche Probleme haben, wird Ihnen Fran sicher gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen.«

Qwilleran wand sich auf seinem Stuhl.

»Aber selbstverständlich«, sagte die Leiterin der Frauenredaktion. »Wir können zusammenarbeiten, Qwill, und ich kann Sie in die richtige Richtung lotsen.« Sie ignorierte Qwillerans frostige Reaktion und fuhr fort: »Sie könnten zum Beispiel mit dem Atelier Sorbonne beginnen: das arbeitet für die gehobene Gesellschaft. Oder mit Lyke and Starkweather; das ist die größte Innenausstattungsfirma der Stadt.« Mit einer schwärmerischen Geste sagte sie: »David Lyke ist einfach hinreißend!«

»Das glaube ich«, knurrte Qwilleran mürrisch. Er hatte seine eigene Meinung über Innenausstatter, sowohl männliche wie weibliche.

»Und dann gibt es Mrs. Middy, die für gemütliche Einrichtungen im frühen amerikanischen Stil bekannt ist. Und jetzt gibt es ein neues Atelier, das sich PLUG nennt. Der Name steht für ›Planned Ugliness‹ – das Atelier hat sich auf ›Geplante Häßlichkeit‹ spezialisiert.«

Percys nächste Bemerkung warf ein neues Licht auf den Vorschlag. »Dieser Auftrag wird mehr Verantwortung mit sich bringen«, sagte er zu Qwilleran, »und natürlich werden Sie neu eingestuft. Sie werden vom Seniorreporter zum Juniorreporter avancieren.«

Qwilleran stellte eine rasche Berechnung an und kam auf einen Betrag, mit dem er sich eine anständige Wohnung leisten und ein paar alte Schulden bezahlen konnte. Er zupfte an seinem Schnurrbart. »Ich denke, ich könnte es mal versuchen«, sagte er. »Wie bald soll ich anfangen?«

»Gestern! Wir wissen zufällig, daß der Morning Rampage seine erste Beilage am ersten Oktober herausbringt. Wir möchten ihnen auf jeden Fall zuvorkommen.«

Das gab den Ausschlag. Die Aussicht, der Konkurrenz eins auszuwischen, brachte die Druckerschwärze in Qwillerans Adern zum Brodeln. Seine erste entsetzte Reaktion auf Elegante Domizile wich einem Gefühl, als wäre das Magazin sein Baby. Und als ihm Fran Unger kumpelhaft zulächelte und sagte: »Wir werden bei diesem Auftrag viel Spaß miteinander haben, Qwill«, hätte er ihr am liebsten gesagt: ›Gute Frau, laß bloß deine Hände von meiner Zeitschrift.‹

An jenem Tag ging Qwilleran in der Mittagspause weg und feierte seine Gehaltserhöhung. Er kaufte eine Dose Krabbenfleisch für Koko und eine neue Krawatte für sich selbst. Wieder eine rotkarierte Wollkrawatte.

Kapitel 2

Mit seiner neuen Krawatte und dem besseren seiner zwei Anzüge machte sich Qwilleran etwas besorgt auf den Weg zu seinem ersten Besuch in einem Einrichtungsatelier. Er bereitete sich innerlich auf eine Überdosis Affektiertheit und Exaltiertheit vor.

Die Firma Lyke and Starkweather befand sich in einer exklusiven Einkaufsstraße, umgeben von Spezialitätengeschäften, Kunstgalerien und Teehäusern. Der Eingang war imposant. Die riesigen Doppeltüren aus exotisch gemasertem Holz hatten silberne Türklinken, die so groß wie Baseballschläger waren.

Drinnen waren die Möbel zu Zimmern arrangiert, und Qwilleran stellte erfreut fest, daß ein Raum mit einer rotkarierten Tapete ausgekleidet war, die zu seiner Krawatte paßte. Über einem Kamin aus wurmstichigem Treibholz hing ein Elchgeweih, und ein Sofa war mit künstlich gealtertem Schweinsleder bezogen, das aussah wie das Leder ausgedienter Fußbälle.

Ein schlanker junger Mann begrüßte ihn, und der Reporter sagte, er wolle Mr. Lyke oder Mr. Starkweather sprechen. Nach einer Verzögerung, die, wie er befürchtete, nichts Gutes verhieß, tauchte hinter einem asiatischen Wandschirm am anderen Ende des Geschäfts ein grauhaariger Mann auf, der sowohl im Aussehen als auch in seiner Art farblos war.

»Wenn es um Publicity geht, sollten Sie mit Mr. Lyke sprechen«, sagte er zu Qwilleran, »aber der ist gerade mit einer Kundin beschäftigt. Warum sehen Sie sich nicht ein wenig um und warten auf ihn?«

»Sind Sie Mr. Starkweather?« fragte Qwilleran.

»Ja, aber ich finde, Sie sollten mit Mr. Lyke sprechen. Er ist derjenige …«

»Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir etwas über die ausgestellten Stücke erzählen könnten, während ich warte.« Qwilleran deutete auf das Elchgeweih.

»Da gibt es nicht viel zu erzählen«, sagte Starkweather mit einer hilflosen Geste.

»Was verkauft sich heutzutage so?«

»So ziemlich alles.«

»Ist gerade irgendeine bestimmte Farbe besonders beliebt?«

»Nein. Sie gehen alle gut.«

»Ich sehe, da drüben haben Sie auch moderne Sachen.«

»Wir haben von allem ein wenig.« Qwillerans Interviewtechnik funktionierte nicht. »Wie nennt man das?« fragte er und deutete auf einen großen Sekretär mit einem bauchigen Sockel und Intarsien, die exotische Vögel und Blumen darstellten.

»Das ist ein Schreibtisch«, sagte Starkweather. Dann hellte sich sein ausdrucksloses Gesicht ein ganz klein wenig auf. »Da kommt Mr. Lyke.«

Ein gutaussehender Mann Anfang Dreißig kam hinter dem asiatischen Wandschirm hervor. Er hatte den Arm um eine Frau mittleren Alters mit einem kunstvollen Hut gelegt, die lächelte und vor Freude errötete.

Lyke sagte mit tiefer, kehliger Stimme: »Und Sie gehen jetzt nach Hause, meine Liebe, und sagen dem Herrn Gemahl, daß Sie dieses vier Meter lange Sofa einfach haben müssen. Es kostet ihn keinen Cent mehr als das letzte Auto, das er sich gekauft hat. Und denken Sie daran, meine Liebe, das nächste Mal, wenn es diesen superben Schokoladenkuchen gibt, möchte ich von Ihnen zum Abendessen eingeladen werden. Lassen Sie ihn nicht von Ihrer Köchin machen. Ich möchte, daß Sie ihn selbst backen – für David.«

Beim Sprechen führte David Lyke die Frau zielstrebig zur Eingangstür, wo er stehenblieb und ihr einen Kuß auf die Schläfe hauchte. Dann sagte er auf Wiedersehen: wirkungsvoll, ohne überschwenglich zu sein.

Als er sich Qwilleran zuwandte, nahm seine verzückte Miene abrupt einen geschäftsmäßig souveränen Ausdruck an. Seine Augen konnte er jedoch nicht ändern. Es waren melancholische Augen unter schweren Lidern mit langen Wimpern. Noch auffallender waren seine Haare – sie waren schneeweiß, was in Verbindung mit seinem jungen, sonnengebräunten Gesicht eine spektakuläre Wirkung erzeugte.

»Ich bin David Lyke«, brummte er freundlich und hielt ihm herzlich die Hand hin. Sein Blick zuckte nur eine Sekunde nach unten, doch Qwilleran hatte das Gefühl, daß er seine karierte Krawatte und die Breite seines Revers taxiert hatte. »Kommen Sie doch mit in mein Büro, dort können wir uns weiter unterhalten.«

Der Reporter folgte ihm in einen Raum mit tiefgrauen Wänden. Auf dem glänzenden Ebenholzfußboden lag ein Leopardenfell. Die Lehnsessel waren wuchtig, kantig und maskulin und mit einem Stoff bezogen, dessen Oberflächenstruktur an Popcorn erinnerte. An der Rückwand hing ein Gemälde, das eine nackte Frau darstellte, deren Haut einen leuchtend blaugrauen Farbton hatte, wie Stahl.

Qwilleran ertappte sich dabei, daß er beifällig nickte. »Schönes Büro.«

»Freut mich, daß es Ihnen gefällt«, sagte der Innenausstatter. »Finden Sie nicht, daß Grau schrecklich zivilisiert ist? Ich nenne diesen Farbton ›Mohnsamen‹. Die Farbe der Sessel ist eine Art ›Getrocknete Feigen‹. Von Bahama Beige und Milchweiß habe ich die Nase gestrichen voll.« Er griff nach einer Karaffe. »Wie wär’s mit einem Schluck Cognac?«

Qwilleran lehnte ab. Er sagte, er würde lieber eine Pfeife rauchen. Dann erklärte er den Grund seines Besuches, und Lyke sagte mit seiner tiefen, sonoren Stimme: »Ich wünschte, Sie hätten Ihr Magazin nicht Elegante Domizile genannt. Bei dem Namen sehe ich lavendelfarbene Handschuhe und Pfirsich Melba vor mir.«

»Auf was für eine Art Innenausstattung haben Sie sich spezialisiert?« fragte der Reporter.

»Wir machen alles. Wenn die Leute wie Konquistadoren oder englische Barone oder kleine französische Könige wohnen wollen, streiten wir nicht mit ihnen.«

»Wenn Sie ein besonders schönes Haus kennen, das wir fotografieren können, würden wir es auf die Titelseite unserer ersten Ausgabe setzen.«

»Die Publicity wäre gut«, sagte der Innenausstatter, »aber ich weiß nicht, wie unsere Kunden reagieren würden. Sie wissen ja, wie das ist: Sobald die Jungs in Washington spitzkriegen, daß ein Steuerzahler einen Teppichfußboden im Badezimmer hat, prüfen sie seine Steuererklärungen der letzten drei Jahre.« Er blätterte eine Kartei durch. »Ich habe etwas Prachtvolles im georgianischen Kolonialstil, alles in Champagner und Preiselbeere gehalten, aber die Lampen sind noch nicht gekommen … Und da ist ein edwardianisches Stadthaus in Benedictine und Pflaume, aber die Lieferung der Draperie hat sich verzögert, die Textilfirma hat das Muster nicht mehr weiter hergestellt.«

»Könnte es unser Fotograf vielleicht aus einem Winkel aufnehmen, von dem aus man die fehlenden Vorhänge nicht sieht?«

Lyke sah entsetzt drein, faßte sich dann aber rasch wieder und schüttelte den Kopf. »Nein, die Fenster müßten Sie schon mit einbeziehen.« Er blätterte weiter die Kartei durch und zog dann plötzlich eine Karte heraus. »Da ist ein Haus, das ich gern in der Zeitung sähe! Kennen Sie G. Verning Tait? Ich habe sein Haus in französischem Empire ausgestattet, mit eingebauten Vitrinen für seine Jadesammlung.«

»Wer ist dieser Tait?« fragte Qwilleran. »Ich bin neu hier in der Stadt.«

»Sie kennen die Taits nicht? Das ist eine der alten Familien, die in Pseudo-Schlössern in Muggy Swamp leben. Muggy Swamp kennen Sie natürlich – sehr exklusiv.« Traurig verzog der Innenausstatter das Gesicht. »Leider sind die Kunden mit dem längsten Stammbaum die langsamsten Zahler.«

»Sind die Taits sehr gesellig?«

»Früher ja, aber jetzt leben sie recht zurückgezogen. Mrs. Tait ist unpäßlich, wie man in Muggy Swamp sagt.«

»Glauben Sie, sie würden uns erlauben, das Haus zu fotografieren?«

»Die Mitglieder des alten Geldadels vermeiden zwar stets Publicity auf ihrem Wohnsitz«, sagte Lyke, »aber in diesem Fall bin ich vielleicht in der Lage, sie zu überreden.«

Sie sprachen noch über andere Möglichkeiten, doch sowohl der Innenausstatter als auch der Reporter waren der Meinung, daß das Tait-Haus als Thema perfekt sei: ein bedeutender Name, eine imposante Ausstattung, brillante Farbgestaltung und eine Jadesammlung, die noch zusätzlich Interesse wecken würde.

»Außerdem«, sagte Lyke mit einem selbstgefälligen Lächeln, »ist das der einzige Auftrag, den ich dem Atelier Sorbonne wegschnappen konnte. Es wäre mir eine große Genugtuung, das Tait-Haus auf dem Titelblatt von Elegante Domizile zu sehen.«

»Rufen Sie mich sofort an, wenn es Ihnen gelingt, das zu arrangieren«, sagte Qwilleran. »Bei der ersten Ausgabe stehen wir unter großem Zeitdruck. Ich gebe Ihnen meine Privatnummer.«

Er schrieb seine Telefonnummer auf eine Visitenkarte des Daily Fluxion und stand auf.

David Lyke verabschiedete sich mit einem herzlichen, aufrichtigen Händedruck. »Viel Glück mit Ihrer Zeitschrift. Und darf ich Ihnen einen väterlichen Rat geben?«

Qwilleran sah den jüngeren Mann bange an.

»Sagen Sie niemals«, sagte Lyke mit einem gewinnenden Lächeln, »niemals zu Draperien Vorhänge.«

Auf dem Rückweg zur Redaktion machte sich Qwilleran Gedanken über die Komplexität seines neuen Ressorts und dachte liebevoll an das Mittagessen in den vertrauten trostlosen Räumen des Presseclubs, wo die Wand die Farbe von Steak, halb durch, hatte.

Auf seinem Schreibtisch lag eine Telefonnotiz. Er sollte Fran Unger zurückrufen. Widerstrebend wählte er ihre Nummer.

»Ich habe an unserem Projekt gearbeitet«, sagte die Leiterin der Frauenredaktion, »und ich habe ein paar Tipps für Sie. Haben Sie etwas zum Schreiben? … Erstens gibt es da einen Bauernhof im neogriechischen Stil, der in ein japanisches Teehaus umgebaut wurde. Weiterhin eine Penthauswohnung mit Teppichbelägen an den Wänden und der Decke und einem Aquarium unter dem Glasfußboden. Und ich weiß, wo es ein aufregendes Schlafzimmer gibt, das durchweg in drei Schwarztönen gehalten ist, mit Ausnahme des Bettes, das aus Messing ist. …Das sollte für die erste Ausgabe genügen!«

Qwilleran spürte, wie sich sein Schnurrbart sträubte. »Vielen Dank, aber ich habe bereits alles Material, das ich für das erste Heft brauche«, antwortete er. Er war sich bewußt, daß das eine tollkühne Lüge war.

»Wirklich? Für einen Anfänger arbeiten Sie aber schnell. Was haben Sie denn vorgesehen?«

»Das ist eine lange, komplizierte Geschichte«, sagte Qwilleran vage.

»Ich würde sie gerne hören. Gehen Sie in den Presseclub mittagessen?«

»Nein«, sagte er zögernd. »Ich gehe nämlich… mit einem Innenausstatter essen … in einen Privatclub.«

Fran Unger war eine gute Reporterin und ließ sich nicht so leicht abwimmeln. »Wenn das so ist, warum treffen wir uns nicht um halb sechs auf einen Drink im Presseclub?«

»Tut mir leid«, sagte Qwilleran in seinem höflichsten Tonfall, »aber ich bin etwas außerhalb zu einem frühen Abendessen verabredet.«

Um halb sechs suchte er – mit einem Stück Leberwurst und zwei Zwiebelbrötchen zum Abendessen – Zuflucht in seiner Wohnung. Er wäre viel lieber in den Presseclub gegangen. Er mochte die schäbige Atmosphäre des Clubs, die Größe der Steaks und die Gesellschaft von Reporterkollegen, doch während der vergangenen beiden Wochen war er gezwungen gewesen, sein Lieblingslokal zu meiden. Es hatte damit angefangen, daß er auf dem Fotografenball mit Fran Unger getanzt hatte. Offenbar lag in Qwillerans exzellentem Foxtrott ein Zauber, der ihre Sehnsüchte geweckt hatte. Seither war sie unablässig hinter ihm hergewesen. »Ich werde diese Frau einfach nicht wieder los!« sagte er zu Koko, während er die Leberwurst schnitt. »Sie sieht nicht schlecht aus, aber sie ist eben nicht mein Typ. Ich habe genug von herrischen Frauen! Außerdem bevorzuge ich Zebrafell an Zebras!«

Er schnitt Koko als Vorspeise ein paar Stückchen Wurst ab, doch der Kater war damit beschäftigt, nach den dünnen Spinnweben zwischen zwei Stuhlbeinen zu schnappen.

Erst das Telefon, das einen Augenblick später klingelte, erregte Kokos Aufmerksamkeit. Er hatte in letzter Zeit Anzeichen von Eifersucht gegenüber dem Telefon gezeigt. Immer wenn Qwilleran in den Hörer sprach, löste Koko seine Schnürsenkel oder biß ins Telefonkabel. Manchmal sprang er auf den Schreibtisch und versuchte, Qwilleran den Hörer vom Ohr zu schubsen.

Das Telefon klingelte, und der Reporter rief in den Hörer: »Hallo? … Ja! Was ist die gute Nachricht?«

Sofort sprang Koko auf den Schreibtisch und begann ihn zu nerven. Qwilleran stieß ihn weg.

»Toll! Wann können wir die Fotos machen?«

Koko marschierte auf dem Schreibtisch auf und ab, auf der Suche nach einer neuen Dummheit, die er anstellen konnte. Irgendwie verhedderte er sich mit einem Bein im Kabel und begann entrüstet zu heulen.

»Tut mir leid, ich kann Sie nicht hören«, sagte Qwilleran. »Der Kater macht gerade einen Höllenlärm… Nein, ich prügle ihn nicht. Einen Augenblick.«

Er befreite Koko und jagte ihn weg. Dann notierte er sich die Adresse, die David Lyke ihm gab. »Wir sehen uns also Montagmorgen in Muggy Swamp«, sagte Qwilleran. »Und vielen Dank. Sie haben mir sehr geholfen.«

An jenem Abend klingelte das Telefon noch einmal, und die freundliche Stimme von Fran Unger ertönte durch die Leitung. »Na so was! Hallo! Sie sind ja zu Hause!«

»Ja«, sagte Qwilleran, »ich bin zu Hause.« Er behielt Koko, der auf den Schreibtisch gesprungen war, im Auge. »Ich dachte, Sie hätten eine wichtige Verabredung heute Abend.«

»Bin früher als erwartet heimgekommen.«

»Ich bin im Presseclub«, sagte die zuckersüße Stimme. »Warum kommen Sie nicht herüber? Wir sind alle hier, und es geht recht feuchtfröhlich zu.«

»Hau ab!« sagte Qwilleran zu Koko, der versuchte, mit der Nase die Wählscheibe zu betätigen. »Was haben Sie gesagt?«