Die Lady und ihr Prinz - Christine Stutz - E-Book

Die Lady und ihr Prinz E-Book

Christine Stutz

5,0

Beschreibung

Lady Rianna ist sich sicher- Für sie kommt nur ein Mann in Frage- Victor von Malserin. Der Bruder des Königs. Diesen Mann liebt sie seit ihrer Kindheit. Deshalb nimmt sie den Hochzeitsantrag des Königs, für seinen Bruder Victor, gerne an. Doch Victor ist, durch seine erste Ehefrau, die ihm betrogen, belogen und hintergangen hat, vollkommen verbittert. Deshalb behandelt er alle Frauen schlecht. Frauen bedeuten ihm nichts mehr. Für ihn sind alle Frauen Lügnerinnen, die es darauf anlegen, ihren Ehemännern Hörner aufzusetzen. Das lässt er Rianna auch in ihrer Hochzeitsnacht spüren. Es bleibt der jungen Frau nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen. Allerdings nicht, ohne vorher Rache zu schwören und mit Victor um einen Goldtaler zu wetten, dass er sich noch innerhalb von 4 Wochen bei ihr entschuldigen wird.

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Die Lady und ihr Prinz

TitelseiteProlog1 Kapitel2 Kapitel3 Kapitel4 Kapitel5 Kapitel6 Kapitel7 Kapitel8 Kapitel9 Kapitel10 Kapitel11.Kapitel12. KapitelEpilogImpressum

Die Lady und ihr Prinz

Prolog

Prolog

Zwei große grüne Augen sahen durch das Schlüsselloch und beobachteten den wirklich großen Mann, fast schon ein Hüne, der sich laut keuchend und stöhnend mit einer der Mägde im großen Bett wälzte.

Das junge Mädchen fragte sich, was der Mann, dort tat, warum die Magd ebenso keuchte und stöhnte, jetzt leise aufschrie. Hatte der Mann ihr etwa wehgetan? Das wollte das Mädchen nicht glauben.

Nicht dieser Mann dort im dem großen Zimmer. Der Mann, dem sie ihr kleines Herz geschenkt hatte, seit er ihr vor zwei Wochen das blaue Band geschenkt hatte. Warum, so fragte sie sich, lag er um diese Zeit überhaupt im Bett? Dort unten im großen Saal des Schlosses wurde doch die Hochzeit seines großen Bruders gefeiert. Viele hundert Menschen waren extra dafür angereist, tanzten, aßen und tranken, ließen die Braut hochleben. Doch der große Mann hier, feierte anscheinend lieber allein mit dieser Magd. Sie hörte beide leise flüstern, jetzt wälzte sich der Mann auf die Magd, begrub sie unter sich, wieder schrie die Magd auf. Der Mann lachte heiser und bewegte heftig seinen Hintern. Eins wusste das kleine Mädchen, so hatten ihre Brüder noch nie mit ihr getobt. Ganz plötzlich erwachte Eifersucht in dem Mädchen, sie hasste die Magd dort in dem Zimmer, sie war wütend auf den Mann, der ihr doch noch heute Morgen einen Tanz versprochen hatte. Doch anstatt seines Versprechens, lag er lieber hier faul im Bett.

Der Mann war so beschäftigt, dass er sie überhaupt nicht bemerken würde. Wahrscheinlich hatte er sie schon vergessen. Das kleine Mädchen kam sich auf einmal unscheinbar und hässlich vor. Sie würde dem Mann einen Streich spielen. Er hatte es verdient.

Ihr Blick ging durch den leeren Flur, niemand war hier, niemand sah sie. Lautlos öffnete sie die Tür des Zimmers, weder der Mann noch die Magd bemerkten sie. Beide waren irgendwie ineinander verknotet. Der Mann schlug der Magd auf den Hintern, sie schrie auf, die Hand des Mannes legte sich schnell auf den Mund der Magd. „Leise, Lisa, wir wollen doch niemanden stören.“ Die Stimme des Mannes war nur noch ein heiseres Keuchen. Das kleine Mädchen schlich am Fußende des Bettes zum Tisch in dem großen Zimmer. Dort, dort auf dem Tisch glitzerte etwas im Sonnenlicht. Das Mädchen griff danach und grinste glücklich. Sie hielt einen schweren Siegelring in der Hand. Ihre Beute, ihr Schatz. Der Mann würde den Ring bestimmt vermissen. Er würde sich furchtbar ärgern. Das hatte er verdient. Das Mädchen schmunzelte. Sie ärgerte sich ja auch.

„Lady, wo bist du?“ rief eine strenge Stimme. Der große Mann im Bett schreckte hoch. Wieder die strenge Stimme im Flur. „Verdammt, wenn ich dich finde, versohle ich dir den Hintern!“ konnte man nun hören.

Draußen im Flur waren jetzt Stimmen zu hören. „Verdammt“ hörte das Mädchen den Mann fluchen, sein Hintern hob und senkte sich schneller, leise aufschreiend ließ er sich auf die keuchende Magd fallen. Das kleine Mädchen saß unter dem großen Tisch, hatte sich in die Ecke zurückgezogen und hielt den Ring wie einen Schatz in ihren Händen.

1 Kapitel

1 Kapitel

„Wo warst du heute Nacht?“ König Niclas zog zornig seine Augen zusammen, seine Laune wurde noch schlechter, als sein Bruder sich nun erhob, ausgiebig reckte und lüstern grinste. Victor schwieg genüsslich. Er wusste, das ärgerte seinen Bruder maßlos.

„Als wenn ich das nicht wüsste. Du warst bei deiner Mätresse. Hatte ich dir nicht befohlen, die dämliche Liaison zu beenden? Schließlich sollst du bereits Montag heiraten!“ Niclas schnaufte wütend, sein jüngerer Bruder ärgerte ihn fürchterlich.

„Eine Hochzeit mit einer jungen unbedarften Prinzesin, die ihre Nase bis vor drei Monaten noch in den Schulbüchern stecken hatte! Die keine Ahnung hat, wie sie einem Mann Freude im Bett bereitet.“ Sagte Victor wütend. Seine Gedanken wanderten zu Irma. Seine Mätresse war sehr geübt darin, seine Vorlieben zu befriedigen. Warum sollte er das aufgeben. Er schüttelte sich, bei dem Gedanken an das Zierpüppchen, welches sein Bruder für ihn erwählt hatte. Er kannte das Mädchen zwar nicht. Aber eins wusste er.

Das Mädchen würde ebenso sein, wie alle anderen Frauen hier am Hofe. „Ein Mädchen, das sich von mir deflorieren lässt, und sich dann, ganz nach Mode hier am Hofe, jedem gutaussehenden Mann an den Hals wirft. Oder sie ist frigide und legt sich hin um „Alles“ über sich ergehen zu lassen. Nein Danke. Allein der Gedanke daran verursacht mir Übelkeit!“ Victor fluchte still, als sein Bruder sich nun erhob. Dessen Faust knallte auf dem Tisch hernieder, als er versuchte, seine Wut zu unterdrücken. „Nicht alle Frauen sind wie Cora! Deine erste Frau war ein Biest, sie hat dir Hörner aufgesetzt, ja. Aber nicht alle Frauen sind so! Es gibt noch nette, saubere treue Frauen. Sieh dir Melinda an. Meine Frau ist das beste Beispiel!“

Victor nickte grimmig. Niclas hatte Recht. Er wusste, sein Bruder und seine Frau liebten sich von ganzen Herzen. Ihnen konnten nichts und niemand gefährlich sein. Melinda war eine wunderbare Frau. Sie würde ihrem Mann nie untreu werden. Doch leider gab es da ein großes Problem. Jetzt seufzte Victor.

„Leider ist deine Frau unfruchtbar. Nicht, dass ihr es nicht schon lange genug versuchen würdet.“ Victor schnaufte unwillig. „Jetzt soll ich, der seine Freiheit nach Coras Tod endlich richtig genießen kann, wieder heiraten, um für Nachwuchs zu sorgen. Soll irgend so ein Kind entjungfern und schwängern, damit der Thron einen Erben bekommt.“ Fauchte er schlecht gelaunt.

„Rianna ist kein Kind mehr. Sie wird einen Tag nach eurer Hochzeit 21. Sie ist eine wohlerzogene Dame und macht Melinda viel Freude. Sie hält sich übrigens jetzt im Moment bei ihr auf. Vielleicht willst du mich begleiten und sie endlich mal kennenlernen? Schließlich seid ihr ab Montag verheiratet.“ Niclas wandte sich zur Tür. „Du weißt, wie wichtig ein Thronfolger ist. Unser Cousin wartet nur darauf, dass wir beide sterben, um an den Thron zu kommen.“ Niclas sah auf seine Taschenuhr. Seine Frau wartete auf ihn.

Victor winkte ab und klopfte seinen Bruder versöhnlich auf die Schulter. „Nein Danke, Bruder. Ab Montag werde ich sie ja am Hals haben, das ist dann noch früh genug. Dann werde ich mich noch genug mit ihr unterhalten. Ich hoffe, die junge Dame ist keine Plaudertasche, die den ganzen Tag redet.“ Wieder reckte er sich ausgiebig. Seine Nacht war extrem kurz gewesen. Er hatte Irmas Talente in vollen Zügen ausgekostet. Er würde noch etwas schlafen.

Niclas schüttelte verzweifelt seinen Kopf. Sein Bruder war einfach nur stur. „Heute Abend ist eine letze Andacht in der Kapelle. Sie ist für Rianna und dich, damit ihr eure Sünden beichten könnt, bevor ihr Montag vor den Altar tretet.“ Niclas sah seinem Bruder hinterher. „Es geht um 19 Uhr los, ich erwarte dich dort!“ Victor hob seine Hand, um seinem Bruder zu zeigen, dass er ihn verstanden hatte.

Victor lief durch den spärlich erleuchteten Flur und schlug mit der Faust immer wieder gegen die Wand. Natürlich wusste er, wie wichtig ein Kind für den Thron war. Leider war die Ehe seines Bruders auch nach 10 Jahren immer noch Kinderlos. Sein Cousin triumphierte. Magnus war der dritte in der Thronfolge, ihm war jedes Mittel recht, um an den Thron zu kommen, er schreckte auch vor Anschlägen nicht zurück. Niclas war erst neulich bei einem „Unfall“ fast ums Leben gekommen. Deshalb war ein Kind so wichtig.

Und deshalb musste er heiraten. Wieder fluchte Victor laut. Schon Montag würde er wieder an eine Frau gefesselt sein, eine die er weder kannte, noch mochte. Es war ebenso wie damals bei seiner ersten Ehe. Cora war ihm von seinem Vater vorgeschrieben worden. Sie war mit großem Staat angereist, hatte sämtliche Diener herum gescheucht und das ganze Schloss in Aufruhr versetzt. Ein Schauer lief ihm über den Rücken. Sie hatte die Hochzeit genossen, und er, Victor, damals noch unerfahren im Umgang mit solchen Frauen, war fasziniert von ihr. Er konnte nicht glauben, dass dieses überirdisch schöne Wesen mit ihm flirtete, ihm Liebe schwor, seine Frau werden wollte. Victor hatte damals zwar schon Erfahrungen gesammelt gehabt, hatte sich mit den Mägden vergnügt, doch freute er sich darauf, diese schöne Frau in seinen Armen zu halten. Er würde ein guter Ehemann sein, das hatte er sich geschworen, wollte sich die Ehe seines Bruders zum Vorbild nehmen. Doch bereits in der Hochzeitsnacht hatte ihn Cora sämtliche Illusionen genommen.

Cora hatte ihn in ihrem Gemach erwartet, hatte in ihrem Bett gelegen und ein verführerisches Nachtgewand getragen. Victor war zu ihr ins Bett gestiegen, hatte sie in die Arme genommen und sie geliebt. Er hatte sie gestreichelt, erregt und sich schließlich zwischen ihre Beine gelegt. Er hatte sich gewundert, das seine Braut es ihm so leicht gemacht hatte, sich nicht geziert oder verweigert hatte. Und doch war er zu erregt gewesen um darüber nachzudenken. Er hatte er sich in sie geschoben, ihren kurzen Aufschrei gehört und sie hart und fest gestoßen. Wütend hatte Cora ihn gekratzt und geschlagen. „Du dummer, plumper Esel. Du Bauerntrampel. Du tust mir weh!“ hatte sie ihn angeschrien. Er hatte ihr den Mund zugehalten, und seinen Akt beendet. Anschließend hatte er sich aus ihr zurückgezogen und wollte sie in die Arme ziehen. Er wusste, dass es das erste Mal für eine Frau schmerzhaft war, sein Bruder hatte es ihm berichtet. Doch Cora hatte ihn wieder geschlagen und hatte zu Lachen begonnen. „Du dummer Bauer. Das war alles andere als schön. Da bin ich wesentlich besseres gewöhnt.“ Sie hatte sich erhoben und sich den Morgenmantel angezogen. „Du hast mich vielleicht defloriert, aber Vergnügen habe ich bereits kennengelernt um das Beurteilen zu können. Es gibt viele Arten von Beischlaf.“ Wieder hatte sie über Victors Gesicht gelacht. „Die Ehe ist vollzogen. Das ist alles was ich wollte. Such dir dein Vergnügen wieder unter den Dirnen, sie werden deine Grobheiten zu schätzen wissen.“ Hatte sie gesagt. Victor war wütend aus dem Gemach gestürzt und hatte sein Zimmer aufgesucht. Cora hatte ihn von dem Moment an, geschnitten, war ihm aus dem Weg gegangen. Victor war kurze Zeit später von einer Reise für seinen Bruder Heimgekehrt. Die Gerüchte um die Liebschaften seiner frisch angetrauten Frau hatten inzwischen seinen Bruder erreicht. Melinda hatte versucht, mit Cora zu reden, umsonst. Sie war nicht bereit, ihren Lebenswandel zu ändern, flatterte von Fest zu Fest und von Mann zu Mann. Victor sah sich gezwungen, Duelle auszufechten, wenn eine der Affären öffentlich wurde. Niclas schließlich verwies Cora vom Hof und schickte sie in ein Kloster, als Victor bei einem der Duelle schwer verletzt wurde. Letztes Jahr war Cora an einer Lungenentzündung gestorben. Endlich war er wieder frei gewesen. Frei, sich ungehemmt zu vergnügen.

Victor fluchte, und bereits Montag sollte er erneut heiraten. Sein Blick ging zur Uhr auf dem Nachttisch. Er sollte sich umziehen, sein Bruder erwartete ihn in der Kapelle. Er wusste, Niclas würde in zur Not mit Wachen abführen lassen, würde er nicht freiwillig erscheinen.

Die Kapelle war gut besucht. Alles was Rang und Namen hatte, war anwesend. Jeder war neugierig und gespannt. Die junge Frau, die bereits Montag um diese Zeit seine Frau sein würde, saß in der ersten Reihe neben seinem Bruder und seiner Schwägerin. Sie hatte, der Sitte entsprechend, einen Hut mit Schleier auf. Victor grinste, als er sich neben sie setzte. Sie rutschte augenblicklich ein Stück beiseite und senkte ihren Kopf tief herunter. Victor ließ die Predigt über sich ergehen. Ungeduldig wartete er auf das Ende, seine Braut neben ihm machte ihn nervös. Er sehnte sich nach Entspannung. Vielleicht sollte er heute Abend noch einmal Irma aufsuchen, sich ihren erfahrenen Händen überlassen. Schon wieder war er erregt, er musste seine Gedanken von Irma lösen. „Ich würde sie gerne sprechen, Hoheit.“ Eine kratzige Stimme neben ihm, lenkte seine Fantasie ab. Seine Braut hatte ihn angesprochen. Ihre Stimme klang rau und dunkel. Er grinste, das fing ja gut an. Sie wies mit ihrer Hand auf den Beichtstuhl. Victor verstand und begab sich dorthin. Irma musste noch etwas warten.

Der Vorhang der anderen Seite wurde beiseitegeschoben und jemand kniete sich nieder. „Montag sollen wir heiraten, Sir. Sie hatten bislang nicht die Güte, sich mir vorzustellen.“ Wieder die kratzige Stimme. „Es wäre allerdings nett von euch gewesen, schließlich weile ich bereits eine Woche hier am Hof.“ Ein Hustenanfall folgte. „Entschuldigt, ich bin erkältet. Normalerweise ist meine Stimme angenehmer.“

„Ihr neigt zu kränkeln?“ Victor grinste, vielleicht würde diese Ehe auch nicht von langer Dauer sein. „Nein, Sir. Ich habe eine äußerst robuste Gesundheit. Doch bei der letzten Treibjagd fiel ich in den See.“ Die Stimme neben ihm unterdrückte ein Lachen, Victor konnte es spüren. „Aber nun meine Frage, warum wollt ihr mich nicht sehen oder kennenlernen? Schließlich werden wir uns ab Montag ein Bett teilen.“ Victor grunzte zornig auf. Auch Cora war ihm so unschuldig und rein vorgekommen, und hatte ihn doch betrogen. „Wir werden uns Montag auf der Hochzeit sehen, ich denke, dass reicht. Entschuldigt mich, My Lady. Ich habe noch eine Verabredung, die nicht warten kann.“ Ohne auf die Frau zu warten, verließ Victor die Kapelle und begab sich in die kleine Gasse, in der Irma ihre Wohnung hatte. Sein Diener hatte ihn bereits angekündigt, Irma erwartete ihn.

2 Kapitel

2 Kapitel

Die Hochzeitsgesellschaft war noch am Feiern, als Rianna sich zurückzog. Traurig dachte sie an ihren angetrauten Mann, der an der Seite seines Bruders gesessen und sie mit keinem Blick beachtet hatte. Am Altar hatte er ihren langen Schleier ein wenig gelüftet und ihre kalten Lippen kurz mit den seinen berührt. Danach war sie ihrer Schwägerin überlassen gewesen. Melinda hatte sie umsorgt, während Victor sich möglichst weit von ihr aufgehalten hatte. Jetzt lag sie in ihrem Bett und wartete geduldig auf ihn. Wenn dann die Tür aufgehen würde, er das Zimmer betrat, musste sie sich ihm hingeben. Sie wusste, was man von ihr erwartete. Ihre Schwägerin hatte sie darauf vorbereitet, Rianna grinste, als sie an das Gespräch zurück dachte. Mit ihren 21 Jahren war sie alles andere als naiv. Sie war auf dem Land aufgewachsen, hatte genug Tiere beobachtet, oder manche Magd im Heu mit dem Knecht überrascht. Melinda hatte befreit aufgelacht, als Rianna es ihr gebeichtet hatte. „Das letzte, was Victor im Bett gebrauchen kann ist eine nervöse Jungfrau, die anfängt zu beten, so wie er seine Kleider fallen lässt.“ Rianna hatte in Melindas Lachen mit eingestimmt. „Ich bin zwar noch Jungfrau, aber ich fürchte mich nicht vor dem Beischlaf. Es ist eine der natürlichsten Dinge zwischen Mann und Frau, wenn sie sich lieben. Sagte meine Großmutter immer.“ Melinda hatte Rianna beiseite genommen, als zwei Hofdamen an ihnen vorgingen. „Hör zu, Mädchen. Ich freue mich, dass du diesem Thema so offen entgegenstehst. Allerdings sollte ich dir sagen, dass beide Männer, Niclas ebenso wie Victor großartige Krieger sind, die mit sanften oder faden Spielen im Ehebett nichts anzufangen wissen. Für sie gehört mehr zum Beischlaf als er eigentliche Akt.“

Rianna seufzte leise. Sie kannte ihren Mann nun schon lange. Seit sie acht gewesen war, damals hatte ihr Vater sie mit hierher genommen. Hier war Victor ihr das erste Mal begegnet, und hatte ihr kleines Kinderherz im Sturm erobert. Er hatte sie kaum zur Kenntnis genommen. Nur einmal, sie war ungefähr 14 Jahre alt gewesen, hatte er sie erwischt, wie sie ihm ein Halstuch stehlen wollte. Er hatte sie geschnappt und über sein Knie gelegt. Rianna seufzte schmerzvoll auf. Was hatte sie geweint, als Victor vor vier Jahren die reiche, wunderschöne Cora geheiratet hatte. Noch mehr hatte sie geweint, als ihr die Gerüchte um Coras Treiben zu Ohren kamen. Vor einem Jahr war sie erneut mit ihrem Vater hier am Hof gewesen und hatte sich erschrocken, als sie Victor wiedersah. Aus dem unbeschwerten, jungen, ständig gutgelaunten, Jungen war ein harter zynischer Mann geworden.

In dieser einen Woche, die sie hier am Hofe weilte, hatte sie ihn oft heimlich beobachtet, war ihm nachgeschlichen, wollte ihn kennenlernen. Doch das hatte Victor bis heute zu verhindern gewusst. Jetzt lag sie hier in dem Bett und wartete auf ihn, der mit ihr den Beischlaf praktizieren sollte. Der sie öffnen und durchbohren sollte. „Warum tue ich das eigentlich alles?“ Rianna steckte ihrem Spiegelbild die Zunge heraus.