Tot (un)glücklich verlobt - Christine Stutz - E-Book

Tot (un)glücklich verlobt E-Book

Christine Stutz

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Beschreibung

Hallo Freunde! Ich bin es - Mary. Weiter geht es mit meinem Leben ... Es war Weihnachten, und ich wurde ins Kloster eingeladen, dort das Fest zu feiern ... Gerne bin ich hingefahren, um mit meinen Freunden, die ich im Sommer kennengelernt habe, zu feiern. Ich freute mich auf ein ruhiges, besinnliches Fest. Doch dann treffe ich dort auch auf Geoffrey Mc. Laine. Das erste Mal seit ich ihm im Sommer das Leben gerettet habe. Es wird natürlich alles andere als ein normales Weihnachtsfest. Geoffrey und ich sind wieder mal vollkommen anderer Meinung und das in allen Lebenslagen. Dann werden auch noch meine beste Freundin Susan und ihr Verlobter Nick entführt. Gemeinsam mit Geoffrey mache ich mich den Weg, beide zu befreien. Eine turbulente Reise beginnt, die Geoffrey und mich etwas näher bringt ... bis ich dann sterbe … wieder mal …

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel

Kapitel

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Kapitel

Kapitel

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1. Kapitel

„Mary, du musst kommen! Ohne dich ist es kein richtiges Weihnachten! Du musst dir ansehen, was die Leute aus meinen Zimmer gemacht haben! Es ist wunderschön geworden!“ Lisas kleine Stimme konnte sehr energisch werden, dachte ich erheitert. Seit 15 Minuten saß ich vor meinem Rechner und unterhielt mich mit Lisa Mc. Laine, der Adoptiv-Tochter von Geoffrey, meinen ehemaligen Geschichtslehrer, der starb, wieder erwachte, starb und von mir zurückgeholt worden war. Jetzt erschien Timothy im Bild meines Rechners. Auch er machte einen traurigen Dackelblick. „Biiiiiite!“ sagten seine großen Augen. Timothy sprach nicht, er hatte zwei Angriffe dieser Gruseltypen überlebt und seitdem war er sehr ernst. Und hatte kein Wort gesprochen... Einzig Lisa konnte dem vierjährigen manchmal ein Lächeln entlocken. „In vier Tagen ist Heiligabend!“ Lisa hielt vier Finger in die Kamera. Timothy nickte zustimmend. „Bitte komm. Wir werden dieses Jahr ein richtig tolles Weihnachtsfest feiern können, sagt Elsa. Weil du uns das Geld dafür gibst!“ Ich lächelte, es war ein zufriedenes Lächeln. Endlich konnte ich mit dem Geld, das mein Vater mir hinterlassen hatte, etwas gutes tun.

Jetzt erschien Elsa, Geoffreys Mutter im Bild. „Es wäre wirklich schön Kind, wenn du kommen könntest, Kind. Susan schrieb mir, dass sie und Nick zu seinen Eltern fahren werden. Du willst doch wohl Weihnachten nicht allein verbringen, oder?“ Sie schwieg einen Moment. „Entweder du kommst oder ich schicke Geoffrey, dass er dich holt.“

„Er ist wieder im Land?“ fragte ich und schlagartig raste mein Herz. Verdammt, ich musste mich konzentrieren, ich verlor den Faden am Gespräch! „Noch nicht, er weiß auch nicht, ob er es schafft, deshalb wäre es schön, wenn du kommst.“ antwortete Elsa. „Ich denke darüber nach“ sagte ich plötzlich müde. „Ich muss jetzt Schluss machen, mein Kursus beginnt gleich. Grüß alle, Mam“ Ich klappte das Notebook zu, und schämte mich, die nette Frau angelogen zu haben. Ich hatte keinen Kursus, aber ich wollte nichts weiter über Geoffrey Mc. Laine hören, dem Idioten, dem Arschloch...

Wütend warf ich mich auf mein Bett und starrte die Decke an. Der Blödmann ging mir aus dem Weg, ich wusste es genau. Vor 8 Wochen war ich im Kloster gewesen, Lisa hatte Geburtstag gefeiert. Ich war angekommen, Geoffrey war abgereist... dringender Termin, wie er mir von Elsa hatte ausrichten lassen. „Arschloch!“ ich verprügelte mein armes Kopfkissen. Es waren trotzdem zwei sehr nette Tage geworden. Mirow, Geoffreys Vater, war zu mir wesentlich zugänglicher geworden.

Ich hatte ihm seinen Sohn wiedergebracht, das rechnete er mir hoch an, auch wenn er es sich verkneifen konnte, mich wegen den tausend Regeln, die ich dabei gebrochen hatte, zurecht zuweisen. Ein Lächeln kam mir trotz der Wut auf Geoffrey über die Lippen. Elsa und Mirow hatten mich beide in die Arme gezogen und befohlen, sie ab sofort Mam und Dad zu nennen, ich gehöre nun zu ihrer Familie. In den Adern ihres Sohnes floss immerhin mein Blut! „Blöder Arsch, Idiot!“ fluchte ich zornig.“Warum gehst du mir nicht aus dem Kopf!“

Die Tür ging auf und Susan steckte ihren Kopf hindurch. „Wenn du damit fertig bist, Geoffrey zu beleidigen, würden wir uns gerne von dir verabschieden.“ sagte sie lachend. „Der Jeep ist gepackt. Nick wartet unten.“

„Lisa hat gefragt, ob ich zu ihnen zum Fest komme.“ berichtete ich Susan. Sie war meine beste Freundin, meine Schwester, meine Waffenmeisterin. Jetzt setzte Susan sich zu mir aufs Bett. „Fahre hin, Süße. Du willst doch die freien Tage nicht allein hier bleiben, oder?“ sagte sie bestimmt. Nick und Susan hatten mich eingeladen, sie zu seinen Eltern zu begleiten, doch ich hatte abgelehnt. Es war Susan und Nicks Familie, nicht meine. Ich hatte mich mein Leben lang genug als Außenseiterin gefühlt. Ich hatte die Schnauze voll davon.

„Geoffrey, er ist eventuell die Feiertage über auch Zuhause.“ sagte ich nur und boxte erneut mein Kissen. „Das könnte Stress geben. Du weißt, er geht mir aus dem Weg wo er kann.“

„Damit muss der Idiot klarkommen! Du bist für ihn gestorben, er weiß um deine Gefühle für ihn. Er mag dich unglaublich gern. Das sieht und spürt jeder! Und doch hat er dich von sich gestoßen, nur weil er der Meinung ist, er wäre zu alt für dich. Wie blöd das ist, wissen wir beide.

Fahre hin. Elsa, Mirow und die Kinder werden dich mit offenen Armen empfangen.“ Susan zwinkerte belustigt. „Außerdem könntest du den morgigen Tag mit Einkaufen verbringen. Ich weiß doch, wie gern du für die Kinder Geschenke kaufst.“

„Du hast Recht Susan! Geoffrey kann mich mal! Nicht ich bin diejenige, die die Probleme hat. Es ist ja nicht so, dass ich ihm sabbernd und schmachtend hinterher laufen würde, oder in Ohnmacht falle, wenn ich ihn auch nur sehe.“ stimmte ich ihr zu. „Solltest du vielleicht mal versuchen, statt ihn mit deinem losen Mundwerk zum Verzweifeln zu bringen.“ widersprach Susan und wich meinem Kissen aus. „Keine schlechte Idee, Schwester meines Herzens.“ sagte ich. Plötzlich freute ich mich....

Drei Tage später stoppte ich den Transporter vor dem alten Tor. Das Tor des Klosters St.August...

Vor 7 Monaten war ich das erste mal hier gewesen. Mein ehemaliger Lehrer Geoffrey Mc. Laine hatte mich hierher gebracht, nachdem ich gestorben war, und nicht pflichtschuldig tot geblieben war. Er hatte mich quasi entführt, er hatte Zwang angewendet, um mich hierher zu bekommen. Ein Grinsen glitt über meine Lippen, es war einige turbulente Tage gefolgt, sehr turbulente Tage. Geoffrey war fast täglich einen Nervenzusammenbruch nahe gewesen, wenn er mit mir zusammentraf...

Jetzt stand ich freiwillig hier und wartete, bis die Überwachungskamera, eine neue Anschaffung, mich erfasst hatte. Ich lehnte mich aus dem Fenster und winkte fröhlich in die Linse. Dann schloss ich schnell das Fenster wieder. Es war kalt und Schnee fiel ins Auto. Endlich ging das Tor auf.

Ich fuhr in den großen Innenhof. Wieder kamen Erinnerungen in mir hoch. Geoffrey und ich hatten hier einen Schaukampf veranstaltet, er hatte wissen wollen, wie es mir gelang, wie aus dem Nichts Waffen zu erzeugen. Der Brunnen, die Baufirma hatte ganze Arbeit geleistet und ihn wunderschön restauriert. Dort hatte Geoffrey mich geküsst, leidenschaftlich,intensiv. Er hatte seine sonst immer so präsente, stets vorhandene Disziplin und Zurückhaltung vergessen... in diesem Moment, in dem einzigen verlorenen Augenblick.

Die Kinder und Jugendlichen kamen aus dem Haus gestürmt und umringten den Transporter.Mit lautem Gebrüll wurde ich begrüßt. Es war schön, endlich mal geliebt zu werden. „Hört doch auf, Leute!“ rief ich fröhlich. „Ihr seid doch nur scharf auf die Geschenke, die ich hinten im Auto für euch alle habe!“ Wieder lautes Gebrüll. Lisa drängelte sich durch die Jugendlichen und warf sich in meine Arme, als es mir endlich gelungen war aus den Wagen zu steigen. Timothy folgte dem Mädchen wie immer auf dem Fuß und hängte sich an meine Hüfte. Liebevoll strich ich dem Jungen über den Kopf. Ich sah mich um, und konnte doch nicht entdecken, was ich suchte... kein Geoffrey Mc. Laine.

„Bring den Transporter in die Garage.“ sagte der Älteste freundlich. Mirow kam jetzt über den Hof gelaufen und sah die Kinder strafend an. „Ab in das warme Haus! Alle hier ohne Jacken oder Mütze! Ihr wollt wohl krank werden und die Schule schwänzen!“ schimpfte er. „Mary hat Geschenke für uns“ rief Lisa. „Unter dem Weichnachtsaum wird genug Platz dafür sein.“ bestimmt Mirow. Maulend verzogen sich die Kinder in ihre Häuser.

Mirow öffnete mir das Tor zur Garage und wartete bis ich den Wagen einigermaßen gut eingeparkt hatte. Dann kam er und nahm mich liebevoll in die Arme. „Herzlich Willkommen, Mary Clarens“ sagte er leise. Ich schluckte. „Danke Dad!“ sagte ich und wischte mir eine Träne aus dem Gesicht, es war so kalt, das sie fast gefror. „Als Elsa mir sagte, dass du kommst, haben wir dein altes Zimmer wieder hergerichtet. Wir freuen uns sehr. Ohne dich wäre es kein richtiges Fest geworden.“ Er legte mir einen Arm um die Schulter, auch etwas, dass er nie zuvor getan hatte. Ich genoss die Zärtlichkeit des Mannes, den ich zu Anfang unseres Kennenlernens nicht gemocht hatte. Mirow wirkte nach außen hart und unnahbar. Er war einer der Ältesten der Gemeinschaft und trug unwahrscheinlich viel Verantwortung, Ich war undiszipliniert, frech und vorlaut gewesen, immer darauf bedacht, niemanden hinter meine gut erlernte Maske aus Arroganz, Egoismus und Überheblichkeit blicken zu lassen. Geoffrey war daran fast verzweifelt und es war nur Elsa, seiner Mutter zu verdanken gewesen, dass alles ein gutes Ende genommen hatte. Sie hatte mein wahres Ich erkannt und zu Tage gefördert.

Mein Blick glitt durch die dunkle Garage, kein Cadillac, das hieß kein Geoffrey. Ich schlug meine Augen nieder, traurig, doch ich hatte es ja bereits geahnt...

„Komm, Kind, Elsa wartet mit heißen Kaffee auf dich, du hast dich verspätet.“ sagte Mirow weiter, er hatte meinen Blick gesehen, doch er überging das Thema liebevoll. Dafür war ich ihm dankbar. Mirow und Elsa wussten um meine Gefühle für ihren Sohn, sie wussten auch, dass Geoffrey etwas für mich empfand, doch die neun Jahre, die uns trennten waren für Geoffrey Grund genug, mich zu meiden. Geoffrey war der Meinung, ich sei mit meinen 20 Jahren fast noch ein Kind, ein Kind dass erst einmal etwas erleben musste, ein Studium, Reisen... erwachsen werden... Er war 29 Jahre alt und fühlte sich zu alt für mich...

Ich ging über den dunklen Innenhof, mein Weg führte mich zum Transporter. Ich hatte mein Handy darin vergessen, es steckte bestimmt noch in seiner Halterung. Ich wollte es bei der Kälte nicht draußen lassen. Den ganzen Nachmittag hatte ich mit Elsa und Lisa und Timothy verbracht. Immer um uns herum, Tom und Herkules, die Tiere beider Kinder, ihre Wächter..sie hatten den Kindern vor Monaten das Leben gerettet, als uns die Ghosts angegriffen hatten.

Wir hatten gespielt, im Schnee getobt und Elsa beim Dekorieren der großen Halle geholfen.

„Dieses Jahr wird Weihnachten noch schöner als alle Jahre zuvor. Dank dir Mary!“ hatte Elsa wieder betont. Wir standen im Raum und sahen uns um. Ich hatte gewusst was sie meinte. Bevor ich in diesem Jahr unfreiwillig hier gebracht worden war, hatte das Kloster keinerlei Geldmittel gehabt. Ich hatte einen Fond eingerichtet, aus dem Elsa und Mirow alles nötige bestreiten konnten. „Wenn du nicht augenblicklich aufhörst, davon zu reden, Mam, drehe ich euch den Geldhahn wieder zu.“ hatte ich liebevoll gedroht. Ließ es jedoch zu, dass sie mich noch einmal in ihre mütterlichen Arme zog. Davon konnte ich nie genug bekommen..

„Das ist hier noch schöner, als in Hogwarts.“ meldete sich dann plötzlich Lisa nun zu Wort. Sie war der Meinung gewesen, lange genug ignoriert worden zu sein. Ich beugte mich zu den Kind herunter. „Woher kennst du denn Hogwarts?“ fragte ich sie überrascht. „Dad liest uns jeden Abend aus Harry Potter vor.“ ließ sich Lisa vernehmen.

„Wirklich?“ fragte ich überrascht. „Er sagt, wenn du die Bücher so liebst, Mary, können sie uns nicht schaden.“ bestätigte Lisa. „Und die Abenteuer sind so toll, fast so toll wie unsere, oder?“

Mein Herz begann zu rasen. „Geoffrey ist hier?“ fragte ich Elsa, die jedoch ihren Kopf bedauernd schüttelte, ihr war das kurze Auf flimmern in meinen Augen nicht entgangen. „Er ist heute Morgen los,keine Ahnung, wohin. Er meinte, er müsste noch was besorgen und wüsste nicht, ob er es rechtzeitig bis zu deiner Abfahrt noch zurück schafft.“

„Natürlich, Arschloch!“ schimpfte ich wütend. Elsa hielt Lisa die Ohren zu und sah mich strafend an. Mit Genugtuung hatte sie gesehen, wie ich leicht rot anlief. Geoffrey hatte es also wieder geschafft, mir aus dem Weg zu gehen. Seit ich ihm im Sommer das Leben gerettet hatte, war er mir ausgewichen. Nicht ein einziges Mal hatte ich ihn sehen dürfen.

Wütend unterdrückte ich meine Tränen und setzte ein Lächeln auf. „Wer hat Lust, einen Schneemann zu bauen?“ fragte ich.

Jetzt schliefen die Kinder endlich und ich lief über den dunklen Innenhof... In der Hektik heute Mittag hatte ich mein Handy im Wagen vergessen. Jetzt war ich auf dem Weg, es zu holen...

Ich hatte die Garage erreicht und wollte gerade das Tor öffnen, als ich Stimmen vernahm, leise Stimmen, geflüsterte Worte.

„Sie hat sie irgendwo hingestellt. Einen ganzen Berg an Geschenken. Ich habe es genau gesehen.“ hörte ich die Stimme von Jimmi. Er war war einer der Jungen, die ich hier im Sommer kennengelernt hatte. „Aber wenn Mary es merkt, wird sie sehr böse werden.“ hörte ich Judy flüstern.

„Ich will doch nur sehen, wie groß ihr Geschenk für mich ist.“ flüsterte Jimmi zurück. Beide Kinder schlichen an der Wand der Garage entlang, ich versteckte mich im Schatten und wartete, bis sie das Tor angehoben hatten. „Hab ich euch!“ rief ich und freute mich, wie beide Jugendlichen zusammenschraken und aufschrien. „So etwas sieht der Weihnachtsmann aber gar nicht gern!“

„Wer? Der Älteste Mc. Laine?“ japste Jimmi nach Luft. Ich lachte auf. Ich hatte den Ältesten im Sommer einen Weihnachtsmann genannt, das hatte sich schnell herum gesprochen hier im Kloster. „Blödmann“ antwortete ich. „Was besseres fällt dir zu deiner Verteidigung nicht ein?“ Ich griff in den Transporter und zog mein Handy hervor. Susan hatte zwei mal angerufen. Bestimmt wollte sie wissen, ob ich gut angekommen war. Wir beide hatten zwar eine Mentale Verbindung, doch die nutzten wir nur im Notfall. „Kommt, ihr müsst wie alle anderen bis Heiligabend warten.“ sagte ich bestimmt. Jimmi zog eine Grimasse, doch ich ließ mich nicht erweichen.

„Wenn du doch für immer bleiben könntest...“ sagte Judy und zog mich in ihre Arme. Wir gingen über den Innenhof. „Es ist so langweilig hier ohne dich. Aber wenn wir das Hüter Mc. Laine erzählen, wird er ziemlich wütend.“ ergänzte Jimmi. „Er sagt, es sei deine Entscheidung, du musst deinen eigenen Weg gehen. Wir hätten nicht das Recht, dich hier einzusperren.“

Ich war stehen geblieben und ließ mir Jimmis Worte durch den Kopf gehen, Jimmi war nur ein Jahr jünger als ich, er würde im nächsten Jahr zu mir auf meine Universität wechseln, ich hatte einige Fäden gezogen um das zu ermöglichen. Er hatte im Sommer erraten, was zwischen Geoffrey und mir ablief... wenn überhaupt etwas ablief... Ehe würde die Arktis schmelzen, als Geoffrey zu einem Gespräch über uns beide zu bewegen.

Manchmal hatte ich es diesen Sommer geschafft, seine dicke Schicht aus Eis zu durchbrechen, dann war es leidenschaftlich geworden zwischen uns, nur um dann doppelt so weit von ihm weg geschubst zu werden.

Jetzt könnten wir auf verschiedenen Kontinenten leben...

„Ich mein, ich verstehe dich, Mary!“ sagte Jimmi jetzt wieder und legte seinen Arm kameradschaftlich um mich. „Ich freue mich auch, hier weg zu kommen, endlich mal was anderes zu sehen als Mauern und jeden Tag dieselben Gesichter.“

„Das ist nicht so spannend wie du vielleicht glaubst.“ sagte ich Geistesabwesend. „Ich bin gerne hier. Hier bei meiner Familie.“ sagte ich und grinste, als Jimmi mir durch die Haare strich. Er war wie ein Bruder und so fühlte ich für alle Kinder hier.

Wir hatten unser Haus erreicht und ich ging in die Küche, mir etwas zu trinken holen. Die Kamera blinkte kurz. Ein Besucher? Um diese Zeit?

Neugierig schlich ich wieder zur Haustür und weiter auf den Hof. Das Tor öffnete sich, dank der neuen Anlage, automatisch und im dunkeln konnte ich zwei altmodische Scheinwerfer entdecken. Der Wagen fuhr jetzt über den großen Innenhof zur Garage. Das Tor wurde geöffnet und ich hörte einen derben unterdrückten Fluch. Die Stimme hätte ich immer und überall erkannt. Mir stockte fast das Herz. Nur um dann doppelt so schnell zu schlagen. Geoffrey war hier! Mein Gebet war erhört worden. Geoffrey Mc. Laine war Nachhause gekommen...

„Was? Wie? Was sucht der dämliche Transporter in meiner Garage!“ hörte ich die Stimme von Geoffrey Mc. Laine laut fluchen. „Soll ich meinen Wagen etwa bei dem Schnee draußen stehen lassen?“ schnauzte er empört.

Oh Ja, Geoffrey und sein geliebter Cadillac, ein Geschenk von mir. Ein Lächeln kam über meine Lippen. Ich hatte den Wagen im Sommer entdeckt und für ihn gekauft. Als Entschädigung für den Wagen, den er vor Jahren verloren hatte... Mich mochte Geoffrey Mc. Laine ja vielleicht nicht um sich haben wollen, doch von seinem geliebten Cadillac trennte er sich nie. Den liebte er über alles. Nicht mehr lange und er würde dem Wagen einen Heiratsantrag machen, dachte ich amüsiert.

Jetzt stampfte Geoffrey über den verschneiten Innenhof, in meine Richtung. Gleich würde er mir gegenüber stehen. Ob er sich freuen würde, mich zu sehen? Seinem Gesicht nach zu urteilen, nicht. Plötzlich kam mir eine Idee. Sollte der dämliche Wagen doch eine Nacht frieren! Sollte der gute Geoffrey sich totärgern. Ich rannte durch die Gänge, in mein Zimmer und verschloss die Tür hinter mir. In Windeseile zog ich mich aus, rein in mein erotischstes Negligee, das diesjährige Weihnachtsgeschenk von Susan, und schlüpfte ins Bett. Jetzt konnte ich Geoffrey den Gang entlang kommen hören, Ich spürte ihn, mein Muttermal kribbelte auf eine ganz besondere Art. Das tat es nur wenn Geoffrey in der Nähe war. Mein Herz raste, gleich würde ich ihn sehen, mich davon überzeugen können, dass es ihm gut ging...

Sein Vater lief neben ihm. „Geoffrey, Mary ist hier zu Besuch! Sei nett zu ihr. Sie schläft bestimmt schon. Und dein Auto kann doch wohl eine Nacht mal draußen stehen bleiben.“ hörte ich Mirows unterdrückte Stimme sagen.

„Der Transporter kann das besser ab. Wieso muss sie auch mit solch großem Wagen unterwegs sein! Und dass bei dem Wetter. Weißt du wie gefährlich das ist! Und hast du gesehen, wie sie geparkt hat!?“ Geoffreys Worten folgte ein leiser Fluch. „Sie ist immer noch so waghalsig und unreif wie im Sommer.“

„Geoffrey, Mary schläft bestimmt tief! Sie sah nicht gut aus, als sie heute Mittag hier ankam. Lass ihr den Schlaf. Sie braucht ihn dringend.“ hörte ich nun Elsas Stimme. „Klar, Mutter, gleich nachdem sie den Transporter rausgefahren hat, oder mir wenigstens die Schlüssel für die Karre gibt!“ antwortete Geoffrey wütend.

Alles klar, dachte ich sarkastisch... sein geliebtes Auto war ihm also wichtiger als mein Schlaf. „Lass mich das machen, ich weiß nicht, wie Mary reagieren wird, wenn du unvermutet vor ihrer Tür auftauchst.“ sagte Elsa wieder. „Sie rechnet nicht mit dir in den nächsten Tagen.“

Jetzt waren alle drei vor meiner Tür stehen geblieben.

„Meinetwegen!“ maulte Geoffrey grummelig. „Wollen ja nicht das das zartbesaitete Fräulein bei meinem Anblick erschrickt und in Ohnmacht fällt.“

„Wie bitte???“ dachte ich wütend. „War er so eingebildet, dass er glaubte ich würde bei seinem Anblick schwach werden??? Na warte, Geoffrey Mc Laine!“ Er ahnte vielleicht um meine Gefühle für ihn, doch das hatte mich nie davon abgehalten, ihn zu bekämpfen, wo ich konnte. Zu tun, was ich für richtig hielt...

Dann hörte ich ein zaghaftes Klopfen. „Mary, Schatz, bist du wach?“

fragte Elsa leise. Ich reagierte nicht. Wieder klopfte sie an. „Siehst du Geoffrey, sie schläft, es war auch eine lange Fahrt, und das bei dem Wetter. Sie ist erschöpft.“ hörte ich Mirow sagen. Ich stand hinter der Tür und schob mir die Faust in den Mund um nicht laut zu lachen.

„Mir egal. Mir reden hier von Mary, die ist hart im Nehmen!“ erwiderte Geoffrey wütend.

Wie bitte???? dachte ich. Was fiel dem Blödmann ein! Jetzt wurde lauter, energischer geklopft. „Mary? Mary Cooper Clarens.

Mach die verdammte Tür auf und rücke die Wagenschlüssel raus.“ rief Geoffrey jetzt laut.

„Einen Augenblick!“ rief ich leise um den Eindruck zu erwecken, ich würde gerade aufwachen. Dann ahmte ich Schritte nach und öffnete die Tür weit. Dann reckte ich mich ausgiebig. Es war zu köstlich...Vor meiner Tür standen Elsa, Mirow und Geoffrey und starrten mich sprachlos an.

„Ach du bist es bloß...“ sagte ich gelangweilt und gähnte. „Du störst! Ich habe eben so erotisch von Johnny Depp und mir geträumt!“ Ich reckte mich erneut und gähnte wieder. Das ohnehin kurze Negligee rutschte über meinen Po und enthüllte die sanften Rundungen. Der durchsichtige Stoff offenbarte mehr als er verbarg. Allen drei Menschen vor mir fielen fast die Augen aus dem Kopf.

„Kind, du gehörst schleunigst ins Bett, in dem Ding frierst du dir alles ab.“ sagte Elsa endlich, sie hatte sich als erste gefasst. Mirow hatte sich hochrot abgewendet, Geoffrey stand sprachlos vor mir, unfähig auch nur einen Ton zu sagen. Wo war seine energische Stimme geblieben? Sein herrischer Ton?... gut gemacht Mary Cooper Clarens, dachte ich und feierte innerlich eine Party mit Musik und Sekt.Das hatte ich wirklich gut gemacht...

„Ja, da war ich auch, aber irgendein Idiot schlägt gerade meine Zimmertür ein.“ antwortete ich und wieder reckte ich mich und wand mich wie eine Katze vor dem warmen Ofen. (Danke Susan Jenkins, Danke für das Geschenk, dachte ich) Geoffrey schwieg immer noch, seine Augen erfassten jede meiner Bewegungen, er schloss kurz seine Augen, doch er öffnete sie sofort wieder, begierig keine meiner Bewegungen zu verpassen. „Was gibt es denn um diese Zeit?“ fragte ich dann honigsüß. Elsa kniff ihre Lippen zusammen um nicht in lautem Lachen auszubrechen.

Ihr war Geoffreys Reaktion natürlich nicht entgangen. Alle drei schwiegen.

„Also wirklich Leute! Auch wenn wir alle untot sind, so müssen wir nicht die Nacht zum Tage machen Leute! Wir sind KEINE Vampire!“ setzte ich hinzu.

„Man, was habe ich dein vorlautes Mundwerk vermisst!“ brachte Geoffrey endlich hervor und erntete ein Lächeln von seiner Mutter. „Warum? Ihre Adresse hattest du doch, Sohn.“ sagte sie und schob Geoffrey beiseite. „Hast du plötzlich vergessen, was du von Mary wolltest?“ fragte sie ihn. Dann wandte sie sich an mich. „Entschuldige Schatz. Mein idiotischer Sohn besteht darauf, sein Auto noch heute Nacht in die Garage zu fahren.“ sagte sie zu mir. „Elsa!“ warf Mirow ein. Immer noch hatte er sich von mir abgewandt und starrte die Wand an. „Ist doch wahr! Kann er nicht bis morgen warten? Habe ich dich so erzogen, Sohn?“ Elsa sah ihre beiden Männer strafend an. Ich lachte herzlich auf, wieder schoss Geoffreys Kopf zu mir, seine Augen blieben auf meinen Lippen hängen.

„Also, Liebes, Geoffrey möchte sein heiß geliebtes Auto gerne in die Garage bringen.“ begann Elsa erneut. „Warum macht er das dann nicht?“ fragte ich scheinheilig und stemmte meine Arme in die Hüften, wieder rutschte das Negligee hoch.

„Weil dein dämlicher Transporter drei, ich wiederhole, drei Parkplätze blockiert! Fahr ihn raus!“ schnauzte Geoffrey mich jetzt an. „Mach es doch selber!“ schnauzte ich zurück. „Wenn dir sein tolles Tüff Tüff Hup Hup so wichtig ist!“ Ich erntete ein humorvollen Blick von Elsa, einen überaus wütenden von Geoffrey.

„Ohne Schlüssel?“ fragte er wieder. Ich griff neben mich auf den kleinen Schrank und drückte ihm einen Schlüsselbund in die Hand. „Hier! Und viel Spaß damit!“ sagte ich. „Habe ich jetzt endlich meine Ruhe?“

„Oh ja, meine Liebe!“ antwortete Geoffrey gefährlich leise. „Ich werde dich garantiert nicht weiter belästigen.“ Immer noch war sein Blick auf mein Gesicht geheftet. So als könne er sich nicht satt sehen... oder ich hätte einen fetten Pickel auf der Nase. Na egal, beschloss ich. Auch ich zitterte vor Freude, ihn hier vor mir stehen zu sehen. Zu lange hatte ich auf diesen Augenblick gewartet. Doch ich hoffte, er würde mein Zittern nicht bemerken, oder es der Kälte zuschreiben.

Ich hob trotzig meinen Kopf und suchte seinen Blick. „Versprochen?

Indianer Ehrenwort? Mögen dir alle Haare ausfallen, wenn du dein Wort brichst?“f ragte ich und wartete. „Indianer-Ehrenwort. Mögen mir alle Haare ausfallen, wenn ich deine ach so kostbare Nachtruhe heute noch einmal störe.“ antwortete er. Er musterte mich ein letztes mal von Kopf bis Fuß. Dann drehte er sich um und verschwand. Mirow folgte ihm, es war ihm peinlich genug ergangen.

„Du hast dich ja leicht geschlagen gegeben.“ staunte Elsa. Sie blieb an meiner Tür stehen und wartete. Wie gut mich die Frau doch kannte...

„Nun ja, ich weiß nicht...“ machte ich eine Kunstpause, „...wie Goffy den Transporter mit meinen Wohnungsschlüssel aus der Garage bekommen will!“

Ich hörte Elsa noch lachen, als sie die Treppe schon halb runter war.

Ich krabbelte in mein Bett und zog mir die Decke bis ans Kinn. Unser Verhältnis ging also dort weiter, wo es im Sommer geendet hatte.. Dann hörte ich einen derben, lauten Fluch, der über den leeren Innenhof hallte. Zufrieden drehte ich mich auf die Seite und war Sekunden später eingeschlafen.

2. Kapitel

Ich stand in der Küche und wartete darauf dass der Kaffee durch den Filter gelaufen war. Knapp drei Stunden Schlaf waren mir vergönnt gewesen, seit ich wusste, Geoffrey war zurück. Ich hatte wach gelegen und wieder an den vergangenen Sommer gedacht, an Geoffrey, an mich, an uns.. Endlich, irgendwann war ich wieder eingeschlafen, nur um wenig später wieder unruhig im Bett zu liegen. Jetzt war ich frustriert aufgestanden und hatte die Kaffeemaschine angemacht. Draußen ging gerade die Sonne auf. Ein trauriges Lächeln kam über meine Lippen. Ich schloss kurz meine Augen und lehnte meinen Kopf gegen die kalte Fensterscheibe...

Heiligabend... heute war der 24. Dezember... mein Geburtstag, fiel mir ein. Heute wurde ich stolze 21 Jahre alt.