Heimweh nach St. Debussy - Christine Stutz - E-Book

Heimweh nach St. Debussy E-Book

Christine Stutz

5,0

Beschreibung

Rebecca Debussy hat eine schöne Kindheit. Bis sie mit 11 Jahren entführt wird. Hoch im Norden von Kanada wird sie niedergeschlagen und zum Sterben zurückgelassen. Doch das Wunder passiert. Rebecca überlebt. Doch sie bleibt ohne Erinnerung an ihr früheres Leben. Sie wird von einem netten Ehepaar adoptiert und erzogen. Mit 22 Jahren hat Rebecca, die jetzt Betzy heißt, einen Unfall. Plötzlich ist ihre Erinnerung, an ihr früheres Leben, wieder da. Sie weiß, wie sie wirklich heißt und wo sie herkommt. Mutig reist sie nach St. Debussy, ihrem Elternhaus, ohne zu sagen, wer sie ist. Unerkannt beginnt sie dort zu arbeiten. Sie will herausfinden, warum sie entführt wurde. Wer wollte damals ihren Tod? Sie will die Wahrheit herausfinden. Das wird jedoch schwieriger, als sie geglaubt hat. Denn dort, in ihrem Elternhaus, lebt immer noch Robert. Und der Mann wird schnell misstrauisch. Er sieht in Betzy eine Betrügerin, die es auf das Vermögen der Familie abgesehen hat.

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Heimweh nach St. Debussy

TitelseiteProlog1.Kapitel2.Kapitel3.Kapitel4.Kapitel5.Kapitel6.Kapitel7. KapitelEpilogImpressum

Heimweh

nach

Sankt

Debussy

Wo immer du bist, Rebecca Debussy

Wir werden immer auf dich warten.

Mutter, Robert und Alma

Prolog

Prolog

Vorsichtig öffnete ich meine Augen und sah mich verwirrt um. Wo war ich nur. „Sie haben verdammtes Glück gehabt, Miss Harper“ sagte ein Arzt freundlich zu mir. Er nahm sein Stethoskop ab und lächelte mich freundlich an.

Mein Schädel brummte, die Kopfschmerzen brachten mich fast um, ich überlegte und sah den Arzt irritiert an. Plötzlich wusste ich es wieder! Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht. Ich hieß nicht Betzy Harper. Plötzlich war es mir vollkommen klar. Mein Name war Rebecca Debussy, nicht Betzy Harper.

„Sie haben wirklich verdammtes Glück gehabt, Miss Harper“ sagte der Arzt wieder. „Wenn sie nicht so einen Dickkopf hätten, wäre es schlimm ausgegangen.“ Sagte er gutgelaunt. Doch ich schwieg nur.

Vor zwei Tagen war ich,, nach einen schweren Verkehrsunfall ins Krankenhaus gebracht worden. Heute hatte ich endlich meine Augen geöffnet und wusste- Ich war nicht Betzy Harper!

Der Arzt schüttelte seinen Kopf über meinen verwirrten Blick, und wandte sich zum Gehen. Mein Schweigen ließ ihn aufseufzen. „Ich rufe ihren Vater an, Miss Harper. Vielleicht kann er ihnen ein Lächeln entlocken. Er wird bestimmt sofort herkommen.“ Der Arzt schloss die Tür und ließ mich allein. Ich schloss müde meine Augen und ließ meine neu erweckten Erinnerungen fließen. Plötzlich war alles, was ich seit über 10 Jahren vergessen hatte, wieder da. Ich war schlichtweg überwältigt.

Natürlich war mein Name Betzy Harper- Jetzt!

Bis zu meinem 11. Lebensjahr damals jedoch, hieß ich Rebecca Debussy. Geliebte Tochter von Eleoise Debussy. Geboren und aufgewachsen auf einem wunderschönen Gut des gleichen Namens in der Nähe von New Orleans. Dann, von einer Sekunde auf die andere, war meine heile Welt aus den Fugen geraten.

Ich war damals, vor gut 10 Jahren, auf den Weg von der kleinen Schule in der Kreisstadt, Nachhause, als plötzlich ein alter Lieferwagen hielt, man mich von meinem Fahrrad zerrte und entführte. Man betäubte mich und brachte mich über die Grenze weit hoch, in den Norden von Kanada. Ich erinnere mich nur noch dunkel, dass die Entführer mit meiner Familie um Lösegeld verhandelten. Nur irgendwie fehlte mir immer noch die erste Zeit meiner Gefangenschaft. Aber vieles wusste ich noch. Wir wechselten oft das Versteck. Immer weiter in den Norden ging die Flucht. Dann, einen abends, fuhren sie mit mir in den Wald. Dort schlugen sie mich nieder, glaubten mich tot und ließen mich liegen. Sie hofften wohl, die Wölfe würden den Rest erledigen. Doch das Wunder geschah, ich wurde wieder wach und schleppte mich zurück zur Straße. Ein älteres Ehepaar fand mich dort. Sie brachten mich in ein Krankenhaus. Dort kämpften die Ärzte verzweifelt um mein Leben, ich lag lange im Koma und wachte endlich nach Wochen auf. Lange wurde ich verarztet und gepflegt. Als sie mich nach meinen Namen fragten, wusste ich nur noch, dass ich Betzy hieß. Meine Hand fuhr über die feine Narbe, die von meinem Kopf bis zur linken Schulter führte. Eine ewige Erinnerung an mein Martyrium .

Ich hatte komplett mein Gedächtnis verloren! Die Ärzte vermuteten eine gewollte Blockade in meinen Gehirn, die ich als Kind errichtet hatte, um mich zu schützen. Trotz vieler Versuche von Ärzten, kehrte meine Erinnerung nie wieder.

Das ältere Ehepaar besuchte mich jeden Tag, kümmerte sich um mich und adoptierte mich kurze Zeit später. Seitdem hieß ich Betzy Harper.

Bis zum heutigen Tag. Plötzlich war meine gesamte Erinnerung wieder da. Ich wusste wieder, wer ich wirklich war. Der Schlag auf dem Kopf beim Unfall hatte es wohl bewirkt.

Tränen liefen mir übers Gesicht, als ich an all die Menschen dachte, die ich damals so sehr geliebt hatte. Die ich seit 10 Jahren vergessen hatte. Wieder geriet meine seit 10 Jahren heile Welt durcheinander. Verwirrt und glücklich zugleich dachte ich an Mutter, Robert und Alma. Bis zu dem unglückseligen Tag, meine Familie. Was machten die Menschen. Lebten sie noch? Tausend Fragen gingen mir durch den Kopf.

Gerry Harper, mein geliebter Adoptivvater, erschien. Besorgt beugte er sich zu mir und küsste mich auf die Wange. „Mädel, was ist mit dir? Du siehst besorgt aus!“ sagte er leise. „Der Arzt sagte, es geht dir nicht gut. Du hast Probleme, über die du nicht sprechen willst?“ sagte der Mann sanft. Ich lächelte ihm zu. Wie sehr ich den alten Mann, der nun meine Familie war, liebte. Was ich ihm nun sagen musste, würde ihn schwer treffen. Doch er musste es erfahren. Ich schluckte schwer. Dann richtete ich mich auf und nahm seine Hand in meine.

„Gerry, als ihr mich damals gefunden habt, wurde ich da von jemanden gesucht? Habt ihr irgendetwas gefunden oder gehört?“ fragte ich ihn. Er grübelte und überlegte.

„Wir haben eine Suchanzeige in allen Zeitungen in ganz Kanada gemacht, aber als sich nach einem Jahr niemand gemeldet hatte, adoptierten wir dich, Schatz“ antwortete er. „Weshalb fragst du ausgerechnet jetzt? Ist etwas passiert?“ fragte er sofort besorgt.

„Setz dich Gerry. Ich möchte dir eine Geschichte erzählen. Die Geschichte eins Mädchens, das du gut kennst“. Sagte ich leise. Mein Adoptivvater zog sich einen Stuhl an mein Bett. Schweigend hörte er sich meine Geschichte an. Dann zog er besorgt seine Augenbrauen zusammen. „Und? Was hast du nun vor, Tochter?“ fragte Gerry mich ernst, als ich meinen Bericht beendet hatte. Er hatte Angst, mich zu verlieren, das konnte ich spüren. Nach dem Tod seiner Frau war ich seine einzige Familie. Außer mir, hatte er keine Verwandten. Nie würde ich den Mann in Stich lassen, dachte ich entschlossen.

„Gar nichts Dad. Ich werde immer deine Betzy Harper bleiben. Du und Mama, ihr habt mich adoptiert und mir eine Familie gegeben. Die Menschen dort drüben, haben sich keine Mühe gegeben, mich zu finden. Sie haben ihr Leben einfach weitergelebt ohne mich! Ich werde vielleicht hinfahren und mir alles ansehen, ich muss einfach herausfinden, was damals wirklich passiert ist. Warum sie nie nach mir gesucht haben. Wer wollte meine Entführung und meinen Tod? Wer hat mich so gehasst, dass er mich tot sehen wollte? Ich will es herausfinden.“ Sagte ich schwer. Ich strich meinem Adoptivvater beruhigend durchs ergraute Haar. „ Aber ich werde zu dir zurück kommen. Ich gehöre nicht mehr zu St.Debussy“ antwortete ich ernst. „Ich habe hier doch alles, was ich zum Glücklich sein brauche.“ Ich versuchte, ihm seine Verlustangst, so gut es ging zu nehmen. Gerry drückte meine Hand. Zärtlich erwiderte ich seinen Druck. Gerry war ein liebenswerter, hilfloser Mann. Fast schämte ich mich, ihn allein zu lassen. Doch ich musste herausfinden, was damals wirklich passiert war. Plötzlich war ich voller Neugier und Sehnsucht nach St. Debussy. Dem Ort, an dem ich 11 Jahre Zuhause gewesen war.

1.Kapitel

1.Kapitel

Ich stand vor der großen Mauer, die das riesige Anwesen umgab und atmete mehrmals tief durch. In der Hoffnung, mein Zittern würde endlich nachlassen. Fast hätte ich meine Hand gehoben, und das Taxi, welches mich hergebracht hatte, zurück zu winken. Ich hatte Angst. Was würde mich hier erwarten? Zögernd wandte ich mich um. Jetzt war es also so weit. Ich würde mich meiner Vergangenheit stellen.

Das große, riesige Gutshaus dort oben auf dem kleinen Hügel. Das also war mein Elternhaus gewesen. Der Ort, an dem ich geboren worden war. Hier wohnte die Frau, die elf Jahre meine Mutter gewesen war, und nicht weiter nach mir gesucht hatte, als ich entführt worden war. Warum hatte sie mich nicht suchen lassen? Ich zitterte wieder, und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Dann klingelte ich anhaltend. Als auch nach den dritten Klingeln niemand öffnete, ging ich um die alte Mauer herum. Unschlüssig, was ich nun tun sollte, starrte ich die hohe Mauer an, die das alte Gutshaus sicher umgab. Ich war so weit gekommen und sollte jetzt, hier an dieser Mauer scheitern? An einer Mauer, die mich von meinem alten Leben trennte, davon ausschloss? Ich legte meine Hand an das alte Mauerwerk und seufzte laut auf. „Bitte Mauer, lass mich rein“ bat ich leise. „Ich war so lange fort. Ich möchte Heim“ flüsterte ich heiser.

Ganz plötzlich fiel mir etwas Wichtiges ein. Schnell ging ich um die alte Mauer herum. Zielstrebig suchte ich eine bestimmte Stelle. Richtig, da war es. Das alte rostige Tor. Abgeschlossen, wie immer. Meine Hände tasteten das alte Mauerwerk ab. An einem mürben Stein blieben sie hängen. Vorsichtig zog ich ihn aus dem Mauerwerk und erstarrte. Dort, in der kleinen Aushöhlung, lag noch immer der geheime Schlüssel. Der Schlüssel, den ich vor 10 Jahren dort deponiert hatte, lag immer noch in seinem Versteck! Mit zittrigen Händen nahm ich ihn und schloss das Tor auf. Nach über 10 Jahren war es verrostet und überwuchert. Nur unter Mühe ließ es sich bewegen, doch dann stand ich im Garten meines Elternhauses.

Eine Träne lief mir über die Wange, als ich das imposante, weiße Gutshaus wiedersah. Das riesige Haus leuchtete wunderschön im Sonnenlicht. So hatte ich es in Erinnerung behalten, genau so. Es schien, als würde es mich freudig anlächeln, und willkommen heißen. Mein Elternhaus, hier war ich glücklich gewesen. Jeder neue Tag war ein Abenteuer gewesen. Immer frisch und voller Überraschungen. Wie in Trance ging ich über den gepflegten Rasen und starrte das Haus an. Hier war ich geboren worden, hatte laufen und reiten gelernt. Fast wie allein bewegten sich meine Beine. Ich war doch geliebt worden- Warum, so fragte ich mich wieder, hatte niemand nach mir gesucht? Weshalb hatte man mich so schnell vergessen können? Hatten die Menschen hier mich denn nicht so geliebt, wie ich sie?

Ein großer weißer Stein mitten auf dem Rasen, ließ mich stocken. In mitten einem Dahlienmeer stand dieser Stein, auf dem goldene Buchstaben prangten. Dahlien, meine Lieblingsblumen.

Wo immer du bist, Rebecca Debussy

Wir werden immer auf dich warten.

Mutter, Robert und Alma

Ich kniete mich herunter und schluckte, als ich die Inschrift auf dem Stein las. Meine Hand fuhr liebevoll über die Buchstaben. Wenn sie auf mich warteten, fragte ich mich, warum suchten sie dann nicht nach mir? Warum hatten sie es aufgegeben, nach mir zu forschen?

So in Gedanken versunken, bemerkte ich den großen Schatten nicht, der sich mir näherte. „Was wollen sie hier, wer sind sie? Wie sind sie hier reingekommen!“ Eine ziemlich große Hand hielt mich an der Schulter fest und hinderte mich am Aufstehen. Die Hand lag schwer auf meiner Schulter und tat mir fast weh. Als ich mich umdrehte, wusste ich sofort, wer mich hier festhielt.

Robert Debussy. Ein entfernter Cousin von mir. Nach dem Tod seiner Eltern hatte Mutter ihn adoptiert, so war er zu uns aufs Gut gekommen. Damals war ich fünf Jahre alt gewesen. Wir waren vom ersten Tag an wie Pech und Schwefel gewesen. Er war der große Bruder, den ich mir immer gewünscht hatte. Wie ein Schatten hatte ich ihn überall hin begleitet, hatte mein kleines Kinderherz an ihn gehängt und damals beschlossen, ihn nie wieder herzugeben. „Ich werde dich mal heiraten, Großer“ war damals meine feste Absicht gewesen. Kein anderes weibliches Wesen durfte sich ihm ungestraft nähern. Ein Grinsen ging über mein Gesicht, als ich daran zurückdachte.