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Verrückte Geschichten um Promis, Shows und Musik, sündhafte Abenteuer in exotischen Ländern und skandalöse Erlebnisse im alltäglichen Musikbusiness, authentisch und augenzwinkernd erzählt. Wenn einem Tunten »die Titten um die Ohren hauen« oder der bekannte Italo-Schlagersänger mit der Frau des Bundespräsidenten auf dem Tisch tanzt, sich Musiker gegenseitig mit dreißig Flaschen Champagner überschütten; wenn Menschen stundenlang rückwärts durch die Gegend rollen oder der Sänger »unten ohne« auf der Bühne steht, ist man entweder reif für die Zwangsjacke oder man schreibt ein Buch. Viele delikate Geschichten um mehr oder weniger prominente Wegbegleiter, aber auch die kleinen, wichtigen und unwichtigen Begebenheiten, die sich auf der Bühne, meistens jedoch vom Publikum kaum wahrgenommen, abgespielt haben, waren es dem Autor wert, festgehalten zu werden. Die lange Reise als professioneller Musiker im Showbusiness bescherte ihm eine Reihe von überraschenden und teilweise denkwürdigen Augenblicken. Als »Musik-Hure« spielt man für Geld einfach alles, jede Stilrichtung und schlittert dadurch im Laufe seines Musikerlebens in ungeheuerliche Situationen, die manchmal so haarsträubend sind, dass man glauben könnte, Quentin Tarantino stehe um die Ecke und führe Regie - zugegebenermaßen verlief alles etwas unblutiger. Musiker verüben außerdem Dinge, die anderen Menschen nie und nimmer in den Sinn kämen. Es ist ein absurdes, immerwährendes Ausloten des Lebens und dessen täglicher Wahnsinn. Alles ist auch wirklich so passiert wie im Buch beschrieben.
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Veröffentlichungsjahr: 2019
»Good music is good no matter what kind of music it is.«Miles Davis
CHAOS IN DER WESTFALENHALLE
Caterina Valente, Gunter Gabriel und Albano
PRECIOUS WILSON
I Can’t Stand The Rain
MIT ROBERTO BLANCO UNTERWEGS
Hochmut kommt vor dem Fall
Die Ledergerberei
Mit Opa im Wohnzimmer
Der Affront des Fatty George
Live und salomonisch
Samba und nackte Haut
Odyssee in den Alpen
SLIM
Die geplatzte Hose
SIE HABEN DAS MÄCHTIGE MEER UNTERM BAUCH
Seefahrer
Die Schönen von Santos
Marios Bekenntnis
Rudi Büttner und das bittere Mosaik
Surf-Gesang vor Hammerfest
Die wundersame Heilung
Noten für Neptun
Honduras und die verlorenen Schuhe
Der Gladiator von Trinidad
Columbian Gold
Pfälzische Pharaonen
Copacabana
Seemannsgarn in Eb-Dur
Das Champagner-Ritual
Der Kapitän und der Konsul
Egon und die Milben
JÖRG KNÖR UND HANS-DIETRICH GENSCHER
Man muss das Gras wachsen hören können
NOBLESSE OBLIGE
Das Ketchup
Der Hummer
Postsozialistische Genüsse
DIE ROSENMONTAGS-KAPELLE
Es war einmal
BALL PARADOX, HAMBURGER TUNTENBALL
Sodom und Gomorra im Besenbinderhof
Joy Fleming und die stürmische Beerdigung
Zarahs Drohung
Ricky Shayne ohne Komplimente
Samba, Bohnen und Reis
DER PUERTO-RICANISCHE TRIEBTÄTER
Hinter Gittern
DER UNVERFRORENE DRUMMER
Verzerrte Wahrnehmung
JOHNNY LOGAN
Nachts im Hotel
Die Danksagung
Der dreifache Bodyguard
Das Büßerhemd von Canossa
WORKOUT FÜRS KÖPFCHEN
Auf dem Rhein ohne Noten
DJANGOS ERBE
Die harte Schule der Sinti
POLIZEIEINSATZ AUF DER AUTOBAHN
Ein Geschenk des Himmels
DIE UNPÄSSLICHE SÄNGERIN
Und sie warteten vergeblich
AUF DER BÜHNE MIT MORPHEUS
Schlaflos in Köln
ZWEI PFÄLZER IN WIESBADEN
Schweine, Rabatz und Schorle
CASINO TRAVEMÜNDE
Der Chinese
Die Geldrolle des Königs
Kompromisslose Performance
MIT PEGGY MARCH IN DER GARAGE
Endlich mal ein Solo
NOBODY KNOWS BUT JESUS
Joan Orleans und die Waage
ALICE & ELLEN KESSLER
Diva im Doppelpack
DAS SPIEL‘ ICH DOCH MIT DEM ARSCH
Wiener Charme
VERTIS OST-HUMOR
Abhörsichere Musik
STAGE FUN
Unsinn auf der Bühne
DENGLISCH
Hemmungslose Übersetzungen
HEINZ SCHENK, DER HESSISCHE NACHTTISCH
Das Frankfurter Bembelorchester
Der normannische Kleiderschrank
DER HESSEN-FRED
Fred van Geez
Was habt Ihr denn drauf?
Der eigene Friedhof
PROMI-SPLITTER
Al Martinos Minestrone à la Mama
Charlie Marianos Bekenntnis
Chaka Khans Sommersprossen
Hans Rosenthals renitenter Agent
Das Geheimnis des Otto Waalkes
Chet Baker und das vernebelte Gehör
Howard Carpendales Cello
EINBRUCH IN DÜSSELDORF
Gefährliche Altstadt
MIT MARLÈNE CHARELL IN LONDON
Englisches Musette
Der wandernde Dudelsack
DER HOCHPROZENTIGE FRIEDHOFSWÄRTER
Thomas‘ Gruftmucke
HIPPIES, HANF UND HAPPENINGS
Der zerstörte Sessel
Flins Flip, der rasende Cinquecento
Gras, Whisky und Eine Rolle rückwärts
PASOLINIS APPETITANREGER
Chillen in München
DER KOPF DES MUSIKERS
Anatomische Betrachtungen
DINGE, DIE ES NICHT IN DIESES BUCH GESCHAFFT HABEN
Storyfetzen
AUFGESCHNAPPT
Zitate
INDEX
Wenn einem Tunten »die Titten um die Ohren hauen« oder der bekannte Italo-Schlagersänger mit der Frau des Bundespräsidenten auf dem Tisch tanzt, sich Musiker gegenseitig mit dreißig Flaschen Champagner überschütten; wenn Menschen stundenlang rückwärts durch die Gegend rollen oder der Sänger »unten ohne« auf der Bühne steht, ist man entweder reif für die Zwangsjacke oder man schreibt ein Buch.
Viele delikate Geschichten um mehr oder weniger prominente Wegbegleiter, aber auch die kleinen, wichtigen und unwichtigen Begebenheiten, die sich auf der Bühne, meistens jedoch vom Publikum kaum wahrgenommen, abgespielt haben, waren es mir wert, festgehalten zu werden.
Die lange Reise als professioneller Musiker im Showbusiness bescherte mir eine Reihe von überraschenden und teilweise denkwürdigen Augenblicken.
Als »Musik-Hure« spielt man für Geld einfach alles, jede Stilrichtung und schlittert dadurch im Laufe seines Musikerlebens in ungeheuerliche Situationen, die manchmal so haarsträubend sind, dass man glauben könnte, Quentin Tarantino stehe um die Ecke und führe Regie – zugegebenermaßen verlief alles etwas unblutiger.
Musiker verüben außerdem Dinge, die anderen Menschen nie und nimmer in den Sinn kämen. Es ist ein absurdes, immerwährendes Ausloten des Lebens und dessen täglicher Wahnsinn.
Alle Prominenten, mit denen ich zu tun hatte, die aber nicht in diesem Buch vorkommen, haben schlichtweg ihre Arbeit gemacht, mehr oder weniger professionell, jedoch ohne besondere Vorkommnisse oder Highlights.
Ansonsten ist alles auch wirklich so passiert wie im Folgenden beschrieben.
Für Annette
Es war Ende der 80er Jahre. Ich war mit dem »Orchester Günther Beer« unterwegs und wir hatten viele Auftritte in ganz Europa. Die Band war hervorragend organisiert und wir hatten erstklassige Musiker am Start. Unsere Road-Crew war ein eingespieltes Team und absolut zuverlässig. So war es möglich, dass wir sehr schnell auf Wünsche und Anfragen von Veranstaltern reagieren konnten, wie beispielsweise in folgendem Fall.
Am Abend während eines Auftritts verkündete Günther, unser Chef, es sei gerade eine kurzfristige Buchung dazugekommen und dass es uns am morgigen Tag vergönnt sei, in der Dortmunder Westfalenhalle Caterina Valente zu begleiten. Es war das erste Mal, dass wir mit ihr zu tun hatten.
Am nächsten Nachmittag standen wir, wie zu erwarten, pünktlich auf der Bühne. Unsere Roadies hatten wieder alles perfekt arrangiert und der Soundcheck mit der hauseigenen Technik war abgeschlossen. Wir waren guter Dinge, als Caterina Valente zur Probe kam. Sie drängte sich ohne Begrüßung zwischen uns durch nach vorne an den Bühnenrand zu dem für sie vorgesehenen Mikrofon, drehte uns ihren Rücken zu und schaute in die leere Halle.
Valentes Bruder, Silvio Francesco, ihr musikalischer Leiter, packte die Noten aus und verteilte sie an uns Musiker. Die Probe verlief ohne besondere Vorkommnisse. Mozarts »Alla Turca«, »The Breeze And I«, Leonard Bernsteins »Maria« und »Island In The Sun« waren einige der Songs. Man war gehalten aufzupassen, aber die Show war kein Hexenwerk.
Am Abend hatte die SPD zu einer Wahlveranstaltung geladen. Zwischen zehn- und zwanzigtausend Leute waren gekommen. Die Halle war voll bis unters Dach. Willi Brand, Hans-Jochen Vogel, Johannes Rau und weitere Prominenz saßen an vorderster Front vor der Bühne.
In unserer Band spielten einige amerikanische Kollegen, die es gewohnt waren, dem Dirigenten blind zu folgen, was grundlegend korrekt ist. Andererseits gibt es aber Situationen, in denen diese kritiklose Haltung konfliktbehaftet ist. Man kann das vergleichen mit dem militärischen Befehl, bei Rot über die Ampel zu fahren. Tue ich es, breche ich ein Gesetz, tue ich es nicht, ist es Befehlsverweigerung und somit ebenso eine Straftat.
Es kam der Moment, als Caterina Valente angekündigt wurde. Wir waren bereit, aber es lag eine gewisse Anspannung im Raum. Silvio Francesco zählte gleich das erste Stück falsch vor. Ein Hinweis für Musiker: Er verwechselte 4/4-Takt mit »alla breve« und meine augenblickliche Vorahnung sollte leider direkt eintreffen. Unsere Amis folgten dem Vorzähler und spielten somit im halben Tempo. Korrekt laut Dirigenten, aber trotzdem falsch. Alle anderen waren genötigt mitspielen.
Ein Stück in der vollbesetzten Westfalenhalle abzubrechen und nochmal von vorne anzufangen, war ein in höchstem Maße prickelndes Erlebnis. Die Valente stoppte den Song, wusste aber, dies vorteilhaft in Szene zu setzen: »Meine Herren, das war ja wohl nichts, bitte nochmal von vorne!« Man konnte dies in der ganzen Halle hören. Ihr Bruder zählte daraufhin, nach zweimal Durchatmen, korrekt vor und alles funktionierte wie geprobt.
Dieser Abend war eine Folge von Desastern. Der Weltstar am Mikro sang im weiteren Verlauf »Maria« aus der West Side Story, nur von mir am Piano begleitet. Um der Größe der Westfalenhalle gerecht zu werden, hatten die hauseigenen Techniker eine Nebelmaschine unweit von mir aufgestellt, mitsamt dazugehörigem, überdimensionalem Ventilator, der gewiss anderthalb Meter im Durchmesser hatte. Passend zu dem beschaulichen Stück warfen sie diesen an und benebelten die Bühne. Leider drohten durch den immensen Luftzug meine Noten wegzufliegen. Im letzten Moment konnte ich sie gerade noch mit der linken Hand festhalten. Mit der Rechten spielte ich weiter und rief gleichzeitig den Technikern nach hinten zu: »Aus - aus – aus!« Es dauerte unerträglich lange, bis sie reagierten, aber anstatt den Ventilator auszuschalten, schalteten sie meinen Monitorlautsprecher aus, sodass ich keine Chance mehr hatte, die Solistin zu hören. Sie war ja mindestens zehn oder fünfzehn Meter von mir entfernt.
Es lag in der Natur der Sache, dass bei solch unschönen Verkettungen, Teile des Klavierparts fehlten. Die rechte Gehirnhälfte steuerte eine Hand und die Zurufe an die Techniker, während sich die linke dem Schutzmechanismus für die Noten und dem Hören der Sängerin gewidmet hatte – oder umgekehrt. Außerdem musste ich noch Noten lesen. Wir alle wissen, dass Multitasking bei Männern nicht funktioniert – schon gar kein Fünffaches. Ich habe es mehr schlecht als recht hinbekommen, aber ich hätte keine Aufzeichnung davon hören wollen.
Nach einer Weile schafften es die Techniker, den Ventilator auszuschalten und den Monitor wieder an. »Maria« war inzwischen zu Ende. Eigentlich ein schönes Lied.
Die Sängerin hatte, mit Ausnahme meiner freien Interpretation ihrer Noten, von dieser zirkusreifen Vorstellung im Hintergrund nichts mitbekommen.
Die Kette der unglücklichen Ereignisse riss nicht ab, denn wir hatten gleich nach Caterina Valente die Aufgabe, den Countrysänger Gunter Gabriel zu begleiten. Dessen Noten würde ich eher Notizzettel nennen, aber weil die Stücke äußerst schlicht daherkamen, ließ sich der fehlende Rest spielend dazu erfinden.
Inmitten seines Auftritts schrien die Leute im Saal: »30-Tonner Diesel«. Sein größter Hit war gefordert. Er war auch gewillt, dem Wunsch zu entsprechen, hatte aber leider dafür gar keine Noten, nicht einmal einen seiner Zettel und niemand von uns kannte das Stück. Man hatte es zwar schon im Radio gehört, aber keiner konnte sich daran erinnern. Playbacks waren damals tabu.
Gesagt, getan. Gabriel fing allein an auf seiner Gitarre und wir spielten beherzt mit, ohne Noten und plötzlich erneut ohne Monitorboxen. Diese waren zum wiederholten Mal ausgefallen – die Tonanlage hatte übrigens einen Wert von ca. 3 Mio. DM. Der Sänger war nicht mehr zu hören, was unter diesen Umständen eine Katastrophe war. Keiner hatte einen Plan von dem Lied. Wir spielten zwar schon, konnten aber ohne Melodie nicht ahnen, welcher Akkord soeben an der Reihe war.
Vor uns, links und rechts der Bühne, waren zwei riesige, transparente Leinwände installiert, mit einer Großübertragung des Bühnengeschehens für die gigantische Halle. Von unserer Position aus konnten wir das Gezeigte mitverfolgen. Volker, der Bassist, rettete letztendlich die Situation, indem er die Gitarrengriffe über den Blick auf die Leinwände, im Übrigen seitenverkehrt und von hinten, deuten konnte und uns folglich die korrekten Akkorde zurief. Es hat letzten Endes passabel funktioniert, da die Kameras fast nur Gunter Gabriel mit seiner Gitarre zeigten. Am Ende war aber unsere Musik, aufgrund karger Vorlagen und fehlender Werkzeuge, hier ebenso nur mit ausreichend zu bewerten.
Albano, der danach mit seiner Frau Romina Power und eigener Band auftrat, gab noch seinen zynischen Senf dazu. Belustigt wartete er an der Treppe, als wir die Bühne verließen: »Il grande Orchestra!« Er hatte ja keine Ahnung, welch tragische Begleitumstände uns gerade durchgeschüttelt hatten. Und ich war kurz davor, außer mir zu sein.
Wie ich diesen Abend bewerten soll, ist mir heute noch nicht klar. Er hat mich aber – ohne Zweifel – zehn Jahre meines Lebens gekostet.
*
Seit ich auf der Bühne stehe, stelle ich immer wieder fest, dass die großen Künstler gemeinhin die freundlichsten sind. Je unzulänglicher sich ihre Kunst präsentiert, desto zickiger benehmen sie sich. Wurde ich hier eines Besseren belehrt oder war es schlicht nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt?
Mir gefällt indes der Gedanke, dass es keine Ausnahme war, sondern nur das Resultat zufälliger Ungereimtheiten oder dass womöglich die Natur an diesem Tag ein paar hormonelle Querschläger bei einer Frau im besten Alter ausgelöst hatte.
Caterina Valente ist ohne Zweifel eine Ausnahmekünstlerin, eine ganz große noch dazu. Und ich möchte weiter daran glauben, dass diese Sorte zu den Guten gehört.
Eruption, die Band mit der jamaikanischen Sängerin Precious Wilson, unter der Ägide von Frank Farian, kamen Jahre vor Tina Turner mit diesem Song auf den Markt und landeten damit einen großen Hit.
Wir hatten das Vergnügen, des Öfteren mit Precious zu spielen. Beim ersten Zusammentreffen erfuhren wir, dass die Arrangements für zwei Keyboarder geschrieben waren, sodass wir kurzerhand eine unserer drei Sängerinnen, die ausgezeichnet Klavier spielte, einsetzten, um einen der Parts zu übernehmen. Precious’ Songs waren kein Problem für sie.
Während der Probe lief alles bestens. Abends legten wir los mit der Show und spielten »I Can’t Stand The Rain«. Das Stück fing an mit der bekannten Synthesizer-Melodie, die ähnlich einer Marimba, Regentropfen simulieren sollte und de facto das Erkennungsmerkmal des Songs war. Es ging los und wir warteten auf unsere Sängerin, die regungslos hinter dem Keyboard stand und nicht zu bewegen war, diese Melodie zu spielen.
Ich versuchte zu retten, was zu retten ist: Kurzerhand übernahm ich etwas verunsichert den Part, ohne Noten und ohne die Melodie genau zu kennen. Ich wusste auch nicht, wann der Part wiederholt wird und wie oft. Irgendwie schafften wir es, das Werk mit etwas Schwund in der Darbietung zu Ende zu bringen.
Die anderen Songs hatten keine solistischen Einlagen für unsere Aushilfskeyboarderin und wir waren imstande, die Show problemlos fortsetzen.
In der Garderobe wartete dann das Donnerwetter von Precious’ Manager: »Die Regentropfen vom Synthesizer sind der wichtigste Bestandteil des Songs und überhaupt der ganzen Show und den habt Ihr versaut«, war die klare Ansage. Wie recht er hatte. Leider konnten wir daran nichts mehr ändern und entschuldigten uns dafür.
Unsere Sängerin erklärte mir, dass ihr dies früher in der Kirche schon passiert sei. Sobald sie ein Solo vor Publikum vorzutragen hatte, war sie vollkommen blockiert und nicht mehr in der Lage, zu spielen – hätten wir das mal nur früher gewusst.
Beim nächsten Auftritt engagierten wir einen befreundeten Keyboarder und alles war so, wie es sein musste. Leider geschah das nur einmal.
Bei allen folgenden Auftritten bekam ich immer zwei Notenmappen hingelegt, mit der Bitte, beide Keyboardparts gleichzeitig zu spielen. Notgedrungen legte ich stets die breite Notenfront nebeneinander auf mein Pult und schielte während der Shows ständig hin und her. Beim Umblättern gab es manchmal Probleme, aber nach einiger Zeit vermochte ich Teile der Stimmen auswendig zu spielen, sodass es erträglich wurde.
Die Show machte trotzdem Spaß und der Manager war beruhigt. Alles war gut und es gab das eine oder andere Schulterklopfen, aber über eine doppelte Gage für den leidgeplagten, durch die Doppelrolle inzwischen schon schizophrenen Keyboarder sprach niemand.
Manchmal bemerkte ich verstört, dass ich während der Shows sogar mit mir selbst redete.
Künstlerbegleitungen und dazugehörige Proben bei Veranstaltungen sind üblicherweise vertraglich geregelt. Bob Blumenhofen war in den 90ern Roberto Blancos musikalischer Leiter und Schlagzeuger. Man nannte ihn auch den deutschen Buddy Rich (einer der besten Schlagzeuger der Welt mit beeindruckender Technik), da er dessen Stil spielte und haargenau so aussah. Er war verantwortlich dafür, dass in der Show nichts schiefging, und war somit den Bands gegenüber auch weisungsberechtigt.
Roberto hatte zwei Auftritte an einem Abend, sogar im selben Gebäude. Mit uns im kleinen Saal, mit einer Bigband im großen. Da wir sehr oft mit ihm unterwegs waren, konnten wir uns die Probe sparen.
