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Eine kurvenreiche Schriftstellerin von Liebesromanen, die Schulden hat, UND ein sexy Vampirkönig mit verwundetem Herzen UND ein Kind mit Zauberkräften …
Thomas, der Vampirkönig, braucht eine Frau. Nicht für sich selbst, sondern als Kindermädchen für seine Tochter. Doch als er eine menschliche Frau ersteigert, deren Figur die von Marilyn Monroe noch übertrifft, kann er an nichts anderes mehr denken, als ihr köstliches Blut zu trinken …
Adrielle ist Autorin von Liebesromanen, aber sie hat mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Um ihre Schulden zu bezahlen, verkauft sie sich und ihre Jungfräulichkeit auf einer Auktion an den Höchstbietenden. Und das ist zufällig der König der Vampire. Und dazu noch ein ungeheuer attraktiver. Doch sie ist entschlossen, sich nicht in seinen Bann ziehen zu lassen!
Doch die Unterwelt, in die sie verschleppt worden ist, ist gefährlich. Vampire sind nicht die einzigen Ungeheuer, die in der Dunkelheit ihr Unwesen treiben … und das Kind, um das sie sich kümmern soll, scheint magische Kräfte zu haben …
Sehr bald schon entdeckt Adrielle, dass Thomas hinter seiner kalten und gefühllosen Fassade ein Herz verbirgt, das von Schmerzen erfüllt ist. Wird es ihm gelingen, die Bestie zu besiegen, die ihre Klauen in sein Herz geschlagen hat?
Wird es ihm gelingen, Adrielle zu retten?
Wird er allem zum Trotz eine menschliche Frau lieben können?
Dies ist eine eigenständige paranormale Liebesgeschichte in einer Reihe von Vampirkönig-Liebesromanen. Die Bücher haben alle ein garantiertes Happy End und handeln von jeder Menge Action, heißen Vampiren, sinnlichen Szenen und Schwangerschaften.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhaltsverzeichnis
Kapitel Eins – Thomas
Kapitel Zwei – Adrielle
Kapitel Drei – Thomas
Kapitel Vier – Adrielle
Kapitel Fünf – Thomas
Kapitel Sechs – Adrielle
Kapitel Sieben – Thomas
Kapitel Acht – Adrielle
Kapitel Neun – Thomas
Kapitel Zehn – Adrielle
Kapitel Elf – Thomas
Kapitel Zwölf – Adrielle
Kapitel Dreizehn – Thomas
Kapitel Vierzehn – Adrielle
Kapitel Fünfzehn – Thomas
Kapitel Sechzehn – Adrielle
Über T.S. Ryder
Bücher von T.S. Ryder
Die Nanny des Vampirkönigs
Ein paranormaler Vampirroman
Die Chroniken des Vampirkönigs Buch 4
T.S. Ryder
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Impressum:
Heartbeat Reads
Thomas blickte in Richtung des Mondes zu den Sternen auf, die im grellen Licht der Stadt kaum sichtbar waren. Menschen. Sie wussten ja nicht, was sie hatten – das Privileg, sich ungehindert unter freiem Himmel zu bewegen. Stattdessen verhüllten sie die Sterne und erfüllten die Luft mit giftigen Abgasen. Nicht dass er es ihnen zum Vorwurf machte, was Autos betraf. Er hatte Ingenieure damit beauftragt, seine Lieblingsfahrzeuge auf Elektrobetrieb umzustellen, aber da war etwas an einem aufheulenden Motor, das sein Herz höherschlagen ließ.
An die Oberfläche zu kommen, war ein verbotener Genuss, selbst für den König. Die Düfte um ihn herum waren verführerisch, sie ließen ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen und seine Fangzähne erbeben. Wenn seinem Volk freier Zugang nach hier oben gewährt wäre, würden selbst die Hartgesottensten unter ihnen in Versuchung geraten. Den Schwächeren würde es den Verstand rauben. Selbst nach all diesen Jahren der Selbstkontrolle war es auch für ihn schwierig, dem Verlangen nicht nachzugeben, das sich in den dunkelsten Winkeln seiner Seele staute.
Thomas wandte sich wieder der Seitentür zu, vor der er wartete, und schob solche Gedanken beiseite. Als sich die Tür öffnete, zeigte er schnell seine Einladung und wurde hereingelassen. Seine verstorbene Ehefrau wäre entsetzt gewesen, wenn sie ihn an einem Ort wie diesem gesehen hätte, aber er brauchte eine Frau. Schließlich war es ihm ja nicht möglich, einfach auf die Straße zu gehen oder Vorstellungsgespräche zu organisieren, um eine Kandidatin zu finden, die bereit war, ihr Leben aufzugeben und unter der Erde zu wohnen.
„Da bist du ja.“
Beim schleimigen Ton dieser ihm bekannten Stimme sträubten sich Thomas die Nackenhaare, aber er wandte sich zu dem blauäugigen Mann um und nickte ihm kurz zu. „Samuel.“
Nachdem er eine Frau gefunden hatte, würde Thomas selbstverständlich den menschlichen Friedenswächtern einen anonymen Hinweis schicken, um sie auf diesen Ort aufmerksam zu machen. Nicht nur, weil solche Typen wie Samuel dort verkehrten, sondern wegen der Natur des Etablissements. Nur der schlimmste Abschaum kam zu einem solchen Ort. Er selbst war ein Heuchler, da er auf Samuels Einladung mit der Absicht hierherkam, eine Frau zu kaufen, das war ihm klar, aber wenn ihm das gelungen war und er den Behörden meldete, wo sie den Rest der Frauen retten konnten, wäre das wieder ausgeglichen … oder nicht?
Er setzte sich an einen Tisch und bestellte sich etwas zu trinken. Wenn sein Herz nicht tot wäre, hätte er feuchte Hände bekommen, so würde es schlagen. Er beging ein Unrecht. Aber er brauchte eine Frau. Er war ja nicht um seiner selbst willen dort … es war um seiner Tochter willen.
„Eine ganz hübsche Auswahl, nicht wahr?“ Samuel setzte sich neben ihn. „Mir gefällt besonders die kleine Rothaarige dort drüben.“
Thomas betrachtete sich schweigend die Frauen, die wie bei einem Schönheitswettbewerb über die Bühne gehen mussten. Als er die Angst in ihren Augen sah, ballten sich ihm die Hände zu Fäusten und ein Knurren hing in seiner Kehle. Es hatte eine Zeit gegeben, als er einfach alle Anwesenden getötet und diese Frauen nach Hause geschickt hätte, aber das war schon lange her. Nach allem, was ihm geschehen war, wusste er, dass Mitleid sich nicht auszahlt.
Er musste in erster Linie die Seinen schützen – sein Königreich und sein Volk. Wenn er diese Verbrecher tötete, würden bloß andere an ihre Stelle treten. Das hatte er immer wieder erlebt. Es hatte keinen Zweck, das Böse zu bekämpfen. Und wenn er auch nicht auf der Seite des Bösen stand – oder tat er es etwa doch? –, war er zu müde, es weiter zu bekämpfen. Es war schwer genug, die dunklen Regungen seiner Seele in Schach zu halten. Er war müde: zu böse und zu verbittert, um sich darum zu sorgen, was auf der Oberfläche geschah. Das waren sie alle.
Außer Clarissa, natürlich. Seine versteiften Muskeln entspannten sich, als er an seine kostbare kleine Tochter dachte. Clarissa sah immer noch das Schöne in der Welt, selbst während sie in einem bewachten unterirdischen Palast lebte, den sie nie verließ. Sie versuchte immer noch, alle um sich herum glücklich zu machen. Sie versuchte, ihn glücklich zu machen. Und darum brauchte er eine Frau. Sie musste jemanden um sich haben, der noch warmherzig und freundlich sein konnte. Jemanden, der das Licht in ihrem Innern vor dem Erlöschen bewahren konnte.
Wenn es ihm allein überlassen bliebe, würde es dahinsiechen und absterben. Ihr Herz würde so schwarz werden, wie es das ihres Vaters geworden war.
„Siehst du eine, die dir gefällt?“ Samuels Augen waren auf ihn geheftet anstatt auf die Frauen. „Mach nicht so ein Gesicht, Tommy. Du willst es vielleicht nicht zugeben, aber du hast dieselben Bedürfnisse wie wir anderen. Wann hast du zum letzten Mal mit einer Frau geschlafen, hm? Vor zwei oder drei Jahren? Ich weiß, dass du immer mal wegen einer Prostituierten heraufgekommen bist, aber du hast deinen Palast schon seit –“
„Ich bin nicht als dein Freund hier“, fauchte Thomas leise. „Wenn du meinst, ich würde eine entführte Frau kaufen, um sie zu meiner Sexsklavin zu machen, wie du es getan hast –“
Er unterbrach sich, als die Frauen in einer Reihe stehen mussten und eine davon an den Rand der Bühne gebracht wurde. Ihre großen Augen blickten angstvoll in die Menge und ihr kurzes braunes Haar lockte sich im Stil der Fünfzigerjahre um ihr Gesicht. Sie trug einen weißen Mantel und Absatzschuhe, die zu ihrem kirschroten Lippenstift passten. Thomas konnte sich genau vorstellen, was sie unter diesem Mantel trug – nämlich nichts. Sie stand aufrecht da, die Hände an den Seiten zu Fäusten geballt.
Die Frau schien nur aus Kurven zu bestehen. Sie hatte eine Figur wie Marilyn Monroe, bloß … besser. Üppige Lippen. Brüste, die der Mantel kaum bändigen konnte. Sie trug eine Halskette, und Thomas stellte sie sich zwischen ihren wippenden Brüsten vor, während ihre Schenkel seine Hüfte umklammerten und sie –
Er schüttelte den Kopf, als das Bieten begann. Sein Schuldbewusstsein schlug ihm auf den Magen und verursachte ihm Übelkeit. Er war auch nicht besser als der Rest der Männer, die hier waren, um lüstern Frauen anzustarren, die von zu Hause entführt worden waren und wie Vieh zum Verkauf angeboten wurden. Wie konnte er diese Frau ansehen, die Furcht in jedem Muskel ihres Körpers spüren und trotzdem solche Gedanken über sie hegen?
War das der Vater, der er Clarissa sein wollte?
„Zwei Millionen“, grunzte er, als der Auktionator zu Eröffnungsangeboten aufforderte.
Es wäre das Beste, die Frau zu kaufen, um dann zu verschwinden und die Gesetzeshüter auf diese widerlichen Bestien loszulassen. Er würde die menschliche Frau mit zum Palast nehmen, und sie würde Clarissa helfen können … Er würde sich keine weiteren sexuellen Fantasien über die Frau gestatten, die er hier ersteigert hatte.
„Zwei Millionen? Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten, verkauft!“
Die Frau blickte ihn an und ihre Augen weiteten sich noch mehr. Zum ersten Mal erschauerte sie, aber er hielt ihrem Blick stand. Ein Mann kam zu ihm hinüber, um die elektronische Überweisung zu tätigen. Thomas kannte die Regeln schon und hatte den genauen Betrag der Überweisungssumme bereits autorisiert. Die Bezahlung war schnell abgewickelt und die Frau wurde zu ihm gebracht.
Thomas stand auf, denn er wollte sofort gehen. Er hatte bekommen, was er wollte. Die Frau zuckte zusammen, als er ihr den Arm um die Taille legte, und er zog sich ein wenig zurück.
„Wie ist dein Name?“
„Adrielle.“
Thomas warf einen Blick auf die Pfennigabsätze an ihren Füßen. „Kannst du damit gehen oder würdest du diese Schuhe lieber ausziehen?“
„Für die hast du zwei Millionen bezahlt?“ Samuel lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und feixte. „Sie ist ein wenig molliger als das, was du normalerweise nimmst. Ich dachte, du hättest in Bezug auf Frauen einen guten Geschmack, wenn man bedenkt, wie gut E–“
Da konnte Thomas sich nicht länger beherrschen.
Mit Wutgebrüll warf er sich auf Samuel. Der Mann würde ihren Namen nicht aussprechen – er hatte nicht einmal das Recht, an sie zu denken! Adrielle erschrak und schrie auf, als seine Faust in Samuels Gesicht landete. Die Menschen reagierten unverzüglich. Zwei stämmige Sicherheitsbeamte ergriffen Thomas, ehe er noch einen vernünftigen Schlag landen konnte.
Samuel brachte sich lachend in Sicherheit. Thomas knurrte wütend und schmetterte bei dem Versuch, sich zu befreien, einem der Wachmänner den Ellenbogen ins Gesicht. Der zweite zog einen Taser hervor und drückte ihn Thomas ins Genick. Die schmerzhaften Stromstöße, die ihn durchzuckten, weckten die schlafende Bestie in ihm. Blitzschnell wandte er sich zu dem Wachmann um und schlug hart zu. Er spürte, wie dem Mann der Kieferknochen brach, und fauchte zufrieden.
Von der Bühne hallten Schreie wider. Die Frauen wurden in aller Eile aus dem Weg geschafft, und weitere Sicherheitsleute kamen auf ihn zu. Einer der Männer packte Adrielle, um sie in Sicherheit zu bringen. Thomas ließ sich auf ein Knie fallen, um seinen Angreifer mit dem gebrochenen Kiefer dem anderen in den Weg zu werfen, dann sprang er auf den Tisch.
Sie versuchten, ihm Adrielle wegzunehmen und in Richtung Bühne zu bringen. Das kam nicht infrage. Sie gehörte ihm!
Ein wütendes Knurren drang aus seiner Kehle. Thomas trat einen Mann ins Gesicht und benutzte dann seinen zusammengesunkenen Körper, um sich über das Getümmel hinweg zu schwingen. Die Bretter der Bühne ächzten unter seinem Gewicht, als er aufkam und nur Zentimeter von Adrielle entfernt wieder auf die Füße sprang.
Ihre Augen waren haselnussbraun. Ihre kirschroten Lippen öffneten sich vor Überraschung.
Thomas packte sie um die Taille und entriss sie dem Mann, der sie fortschleppte, und verpasste ihm einen Kopfstoß. Die Kunden ergriffen die Flucht und Thomas knurrte wieder. Er hob die Frau hoch – sie war trotz ihrer Kurven lächerlich leicht – und warf sie sich über die Schulter.
Ihr durchdringender Schrei zerriss die Luft, als er mit ihr zur Tür stürzte und alle, die ihm im Weg waren, einfach zur Seite schleuderte. Ihm kochte das Blut und seine Fangzähne pochten vor Schmerz. Ein tieferes Knurren kam aus seiner Kehle und einen Moment lang sah er alles nur in einem roten Nebel. Er wollte gerade dem Nächstbesten das Genick brechen, als die Frau auf seiner Schulter wieder aufschrie und ihn aus dem Blutrausch riss.
Er hielt inne, das Rot verblasste, und er eilte durch die Tür nach draußen. Einer der Wachmänner versuchte, ihn daran zu hindern, aber Thomas hob ihn mit einer Hand hoch und warf ihn zur Seite. Dann lief er zu seinem Wagen und ließ Adrielle auf den Rücksitz fallen, ehe er auf den Fahrersitz sprang. Ein leiser Laut entfuhr ihr, dann war sie still. Ihr Mantel hatte sich geöffnet und enthüllte eine seidige Bluse. Sie war also nicht nackt darunter. Und das war auch gut so.
Thomas fletschte die Zähne, immer noch stark unter dem Einfluss des Adrenalins. Er hatte zwar keinen Herzschlag mehr, aber in seinen Adern floss immer noch Blut und beeinflusste gewisse Körperteile. Ihm wurde die Hose zu eng. Gewalt hatte immer diese Wirkung auf ihn und weckte den Drang, sich in einer Frau zu vergraben. Als Erela noch lebte, pflegte sie ihn in die Arme zu nehmen und leise und besänftigend auf ihn einzureden, bis die Bestie in ihm sich wieder zurückgezogen hatte. Dann gab sie ihm, was er brauchte, um nicht den Verstand zu verlieren.
Aber sie war nicht hier. Die menschliche Frau war es aber. Aufgerissene braune Augen, an ihrem Hals ein rasender Puls. Sie roch so gut. Wie Gewürztee und Donuts. Die mit Puderzucker bedeckten. Seine Fangzähne wurden länger und pulsierten vor Verlangen, sich in ihre Haut zu versenken und zu trinken. Er zog sich zurück. Er musste dagegen ankämpfen – die Bestie besiegen, die sein Herz in den Klauen hielt. Wenn er ihr jetzt nachgab, würde er die Frau töten.
„Wo–wohin bringst du mich?“, flüsterte sie heiser.
Ihre panische Angst erweckte die Bestie wieder, und Thomas kämpfte mit aller Kraft dagegen an. Seine Knöchel wurden weiß vor Anstrengung. Darum hasste er es so, ein Vampir zu sein. Es war zwar nie einfach, seinen Appetit zu zügeln, aber unter dem Einfluss der Bestie in ihm war es praktisch unmöglich.
Er würde es dennoch nicht tun. Er war kein Ungeheuer. Kein blindwütiger Killer.
„Mach dir darüber keine Gedanken“, knurrte er leise. „Wohnst du in dieser Stadt?“
„J–Ja.“
Thomas nickte. „Wir fahren zu deiner Wohnung, damit du deine Sachen packen kannst, und dann kommst du mit mir. Kein Handy.“
„Aber –“
Sie zuckte zusammen, als ihm wieder ein Knurren entfuhr. Mit schreckgeweiteten Augen krümmte sie sich auf dem Rücksitz zusammen und wimmerte. Thomas konzentrierte sich auf die Straße. Ich brauche sie, sagte er sich. Nein. Clarissa braucht sie. Sie braucht jemanden, der keine Bestie ist, um sie das Gute auf der Welt zu lehren …
Seine Hände schlossen sich fester um das Lenkrad. Das menschliche Wesen musste mit ihm gehen. Das war sein unumstößlicher Entschluss.
Wenn ich die Augen aufmache, wird alles nur ein Traum gewesen sein.
Adrielle lag im Bett und drückte die Handflächen auf die Augen. Trotz der Decken um sie herum war ihr kalt und sie rollte sich enger zusammen. Ein schwerer Geruch nach Metall lag in der Luft, die dick und stickig wirkte. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie wünschte, sie könnte sich irgendwie davon überzeugen, dass sie nur träumte. Dass sie nicht gerade entführt worden war von einem … einem … Sie konnte es nicht einmal denken, selbst als das Bild des schrecklichen und doch schönen Gesichtes dieses Mannes mit seinen langen Fangzähnen in ihrer Erinnerung aufstieg. Ein Wahnsinniger. Jemand, der offenbar verrückt war.
In der Nähe des Bettes erklang ein leises Schlurfen, und sie fuhr mit einem Aufschrei hoch. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten, um diesen Wahnsinnigen niederzuschlagen, wenn er versuchte, sich ihr zu nähern. Der Schrei blieb ihr in der Kehle stecken, als sie sah, wer da neben ihrem Bett stand.
Es war ein kleines Mädchen, kaum älter als elf Jahre. Vielleicht sogar erst neun, aber das war schwer zu sagen. Adrielle hatte nicht viel Erfahrung mit Kindern. Das Mädchen war ziemlich klein, hatte große blaue Augen und ein unwahrscheinlich blasses Gesicht. Es trug ein grünes Sommerkleid und darüber eine weiße Wolljacke. Ein herzförmiges Amulett hing ihm an einer langen, goldenen Kette um den Hals und reichte ihm fast bis an den Bauchnabel.
„Hallo“, sagte das Mädchen. „Ich bin Clarissa.“
„Ähm … ich heiße Adrielle. Wie … wer …“ Was hatte ein kleines Mädchen hier zu suchen?
Clarissa legte den Kopf auf die Seite. Ihre langen Ringellocken, die Adrielle an das viktorianische Zeitalter erinnerten, hüpften auf ihren Schultern. Das kleine Mädchen runzelte die Nase und stieg zu ihr ins Bett.
„Papa hat gesagt, du bist jetzt mein Kindermädchen“, bemerkte sie. „Ich bin aber zu alt für ein Kindermädchen.“
„Bist du das?“ Adrielle war nicht sicher, was sie dazu sagen oder tun sollte. Dies wurde immer seltsamer.
Eine Tür öffnete sich. Der riesige Mann, der sie von der Auktion weggeschleppt hatte, betrat das Zimmer. Adrielle stieß einen erstickten Schrei aus und packte Clarissa. Sie stieß das kleine Mädchen hinter sich, sprang auf die Füße und erhob drohend die Fäuste. Sie hatte einige Kampfsportkurse absolviert und würde es nicht zulassen, dass dieser Verrückte ihr selbst oder dem Mädchen etwas antun würde.
„Gut. Du bist wach.“ Seine Fangzähne blitzten, als der Mann sprach. Es waren tatsächlich Fangzähne.
Adrielle fühlte sich etwas schwindelig, aber sie blieb entschlossen stehen. „Ich weiß nicht, für wen du dich hältst –“
„Mein Name ist Thomas, und ich bin hier der König.“ Seine Stimme klang müde, emotionslos. „Und du hast du sicher bereits erraten, aber ich bin auch ein Vampir.“
„König … wovon?“
Der Mann und Vampirkönig kam etwas näher. „Wir haben keinen Namen. Bloß … das Königreich. Ich habe dich hierhergebracht, weil du dich um meine Tochter kümmern sollst. Sie braucht einen reinen Einfluss auf ihr Leben und den sollst du auf sie ausüben. Solange du hier bist, ist dir kein Kontakt mit der Welt oben erlaubt, du musst dich also daran gewöhnen, ohne das Licht der Sonne oder der Sterne zu leben. Clarissa, hast du dich bereits vorgestellt?“
„Ja, Papa.“
Adrielle wandte sich um und starrte das kleine Mädchen an. Sie wich vorsichtshalber zurück, als das Mädchen lächelte, aber es gab kein Anzeichen von Fangzähnen in ihrem Mund. Ein Feuer entzündete sich in ihrer Brust und sie wirbelte wieder zu dem sogenannten König herum. Wenn sie doch nur ein Messer hätte, eine Schusswaffe … selbst einen Kerzenständer könnte sie benutzen: zuerst dem Mann den Schädel einschlagen und dann dieses arme, kleine Mädchen hier herausholen.
„Ein Kind hast du also auch entführt?“, zischte sie. „Was für ein Perverser bist du eigentlich?“
Thomas’ Augen verdunkelten sich, als sie sich auf sie hefteten. „Clarissa ist meine Tochter.“
„Ach, so ist das! Wenn ich wirklich glauben soll, dass du ein … ein …“
„Vampir“, knurrte Thomas.
Sie erschauerte. „Sie sieht dir überhaupt nicht ähnlich. Sie ist nicht deine Tochter. Du bist ein Entführer und –“
Eine kleine Faust landete in ihrer Nierengegend und stieß sie nach vorne. Clarissa trat ihr in die Kniekehlen und brachte sie zu Fall. Adrielle erhob die Hände, um sich zu schützen, während das kleine Mädchen mit den Fäusten auf sie einhämmerte. Ihr Gesicht war wutverzerrt, während ihre Schläge nur so auf Adrielle herabregneten.
„Wage es nie wieder, meinen Papa so zu beleidigen!“, kreischte sie und gab Adrielle einen Fußtritt gegen die Hüfte.
„Clarissa!“
Das kleine Mädchen nahm keine Notiz von Thomas, bis er zu ihr hinüberging und sie hochhob. Er zog sie mit gerunzelten Brauen zur Seite. Adrielle blieb auf den Knien liegen und rieb sich den schmerzenden Kiefer. Für so ein kleines Mädchen konnte Clarissa wirklich zuschlagen. Das Mädchen fauchte und fletschte die Zähne – jedoch keine Fangzähne – und Thomas drehte sie um, damit sie Adrielle nicht mehr sehen konnte. Er ließ sich auf ein Knie nieder und ergriff sie an den Schultern.
„Wir greifen niemanden an, weil uns nicht gefällt, was er sagt“, brummte der große Mann. Das war ziemlich dreist, wenn man in Betracht zog, wie er in der vorigen Nacht auf diesen Mann eingeschlagen hatte.
