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Als Darvin in einer Gefängniszelle aufwacht, weiß er noch nicht, dass es erst der Beginn eines Albtraumes ist. Verhöre und Folter sind hier an der Tagesordnung. Er oder sein Zellennachbar, die Hyäne, sollen einen Mord gestehen. Doch wen er ermordet haben soll, weiß Darvin selbst nicht. Es ist der Auftakt eines erbitterten Überlebenskampfes und die Angst vor dem Tod ist groß. Wer gewinnt diesen tödlichen Wettstreit?
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Seitenzahl: 20
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Byung-uk Lee
Die Zelle
Kurzgeschichte
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kurzgeschichte
Kurzgeschichte
Impressum neobooks
Die Zelle
Der Stein in seiner Hand war nur noch halb so groß. Er konnte sich noch vage daran erinnern, dass er mal doppelt so groß gewesen war. Die Haut, gespannt über seine knochigen Finger, war so spröde, dass sie riss, wenn er beim Ankratzen der Striche, an die raue Wand rieb. Das eine oder andere Mal musste er husten. Die Luft in Zelle 27 war doch sehr trocken. Wahrscheinlich war sie in den anderen Zellen nicht besser. Ständig musste er sich die Augen reiben, die wegen des Staubes brannten. Das wenige Licht, das gebrochen durch das Fenstergitter drang, brachte noch mehr Schmerz. Lieber hätte er in völliger Dunkelheit in diesem Verlies gehockt. Er konnte sich nicht mehr daran erinnern, wie er hierhin gelangt war. Auf einmal war ihm schwarz vor Augen gewesen. Als er aufwachte, befand er sich bereits an diesem Ort. Jemand hatte ihn einfach aus seinem Leben gerissen und die herrschende Ordnung durcheinandergebracht. Jegliches Gefühl für Zeit und Raum hatte er längst verloren. Die Zeit konnte er zumindest an den Strichen erahnen, die er an die Wand kratzte. Allerdings war es schon zu spät. Denn er hätte seit dem ersten Tag damit beginnen sollen. Auch der graue Bart, der sich schon ins Gelbliche verfärbte, diente als natürlicher Zeitmesser.
Wie lange er schon hier saß, wusste er nicht. Nur noch braune, zerfetzte Lumpen bedeckten notdürftig seinen mageren Körper. Sie stanken widerlich. Oder kam der Gestank von ihm? Er durfte sich schließlich selten waschen. Dazu wurde ihm nur eine Schüssel mit trübem Wasser in die Zelle gebracht.
Einsamkeit verspürte er keine, obwohl sie ihm lieber gewesen wäre. Denn er wurde täglich besucht. Keine erfreulichen Besuche. „General Renzo“, so nannte er zumindest die Person, die jeden Tag in seine Zelle kam. Eigentlich hatte sie sich nur als Renzo vorgestellt, aber der große Mann in seiner sauber gestriegelten, dunkelgrünen, adretten Uniform wirkte eher wie ein General. Und da gab es noch den Gefangenen, zwei Zellen weiter, dessen Stimme er nur hörte.
„Die Hyäne“, der Mann mit dem hinterlistigen Lachen. Ein Geräusch, an dem Schmutz zu haften schien.
„Hey, Darvin!“ Da war sie wieder. Die hohe Stimme. „Komm mal ans Gitter!“
