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Der Finanzamtsangestellte Lloyd fährt täglich mit der U-Bahn zur Arbeit und wieder nach Hause. Doch am Abend des 31.Oktober ist alles anders. Seltsame Dinge ereignen sich während der Fahrt und die Heimreise entwickelt sich zu einem Horrortrip.
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Seitenzahl: 23
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Byung-uk Lee
Endstation X
Kurzgeschichte
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Halloween-Kurzgeschichte
Impressum neobooks
Kränklich flackerte die Neonröhre über ihm und warf schmutzige Reflexionen auf die trüben Fensterscheiben. Die letzten beiden Fahrgäste waren schon vor drei Stationen ausgestiegen. Das unruhige Licht entlarvte den miserablen Zustand des Innenlebens: Halb ausgetrunkene Pappbecher auf dem Boden, Kaugummi beschmierte Wände, die ebenso mit Graffiti besprüht waren. Die Hieroglyphen der Neuzeit. Sie befanden sich jetzt schon eine Ewigkeit in diesem dunklen Tunnel und die U-Bahn musste schon längst die nächste Haltestelle angesteuert haben. Lloyds Hände krallten sich um den Lederkoffer, den er schon seit Jahren von daheim täglich bis zum Arbeitsplatz schleppte. Die Fingernägel hinterließen weiße Kratzspuren auf dem billigen Material. Etwas klebte unter seinen blank polierten Lackschuhen.
„Diese verdammten Kids“, fluchte Lloyd leise, da er vermutete, dass jemand einen Softdrink auf dem Boden verschüttet hatte, und nach seiner Erfahrung passierte das Kindern häufiger als Erwachsenen.
Seit er die Stelle beim Finanzamt angenommen hatte, kam ihm sein Leben so leer vor, wie diese U-Bahn. Miserable Bezahlung, hinterlistige Kollegen und ein Boss, den man am liebsten jeden Morgen heißen Kaffee ins Gesicht schütten würde. Im unruhigen Flackern des Neonlichts beugte sich Lloyd vor, um den Fleck unter seinen Schuhen zu begutachten. Ein eisenhaltiger, ranziger Geruch stieg ihm in die Nase. Das konnte doch nicht sein.
War keinem anderen Menschen diese Blutlache aufgefallen?
Er tunkte seinen Zeigefinger in die rote Pfütze. Abscheulich kalt fühlte sie sich an. All die Wärme und Lebensenergie schien verdampft zu sein. Den zähflüssigen Tropfen zerrieb er und schmierte alles an der Scheibe hinter ihm ab. Ein eisiger Luftzug zog durch den Waggon, obwohl alle Fenster verschlossen waren. Zitternd schlug Lloyd den Kragen seines grauen Blazers hoch und lockerte die hässliche Krawatte, da ihm schlagartig die Lungen versagten. Die U-Bahn nahm eine unerwartet scharfe Kurve, sodass sein schmächtiger Körper zur Seite geworfen wurde. Sein Herz setzte kurz aus, als er in der hintersten Ecke einen Greis wahrnahm. Dabei dachte er, dass er der letzte Fahrgast war. Heute war zwar der 31.Oktober., Halloween, aber an solche Albernheiten glaubte er nicht. Die zermürbende Arbeit im Finanzamt hatte jegliche Irrationalität aus seinem Leib gespült. Menschen, die an Geister oder andere übernatürliche Wesen glaubten, hatte Lloyd schon immer ausgelacht.
Das ist absurd, dachte er.
