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Der zehnjährige Saimon wohnt mit seiner Mutter unter ärmlichen Verhältnissen in einer Wellblechhütte in der Nähe von Phuket. Während seine Mutter tagsüber auf dem Markt Gemüse verkauft, fährt Saimon aufs Meer hinaus, um ein paar Fische zu fangen. Eines Tages kommt die kleine Familie zu etwas Geld.
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Seitenzahl: 16
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Byung-uk Lee
Saimon der Fischer
Kurzgeschichte
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kurzgeschichte
Impressum neobooks
Saimon der Fischer
Die Sonnenstrahlen tanzten über die Wasseroberfläche. Die farbenfrohen Reflexionen blendeten Saimon, der gerade dabei war, das schwere, von Meerwasser durchtränkte Netz ins Boot zu ziehen. Die Luft schmeckte nach Salz. Über ihm kreisten schon die ersten Möwen in der Hoffnung, ein paar Fischreste zu erhaschen. Die Sonne brannte dem Jungen unerbittlich im Nacken. Durch seine pechschwarzen, dichten Haare lief der Schweiß in Bächen, der sich seinen Weg über den nackten Oberkörper bahnte und von einer löchrigen Bahama-Shorts gestoppt wurde.
An diesem Tag war die Ausbeute mehr als dürftig. Nur einige kleine Fische zappelten im Netz, neben verrosteten Konserven, einem zerfetzten Schuh und anderen nutzlosen Gegenständen. Die Möwen mussten also heute leer ausgehen, genauso wie Saimon und seine Mutter. Am Ende des Netzes versuchte sich ein Krebs aus den Fängen zu befreien.
„Wenigstens etwas“, dachte Saimon. Das Boot schaukelte in der sanften Sommerbrise, während der Fischerjunge sich setzte und wehmütig in die Ferne blickte.
Vielleicht würde seine Mutter an diesem Tag doch etwas mehr Gemüse auf dem Markt verkaufen. Er hatte vieles im Leben satt, nur seinen Magen nicht. Sein Vater war schon lange tot. Ein Kleinlaster hatte ihn damals erfasst, als er mit der Vespa, an der er einen kleinen Anhänger mit frischem Gemüse hinterher gezogen hatte, auf dem Weg zum Markt gewesen war. Seine Mutter hatte nächtelang geweint. Saimon versuchte, sie immer wieder zu trösten, obwohl ihn selbst die Trauer fast erdrückte.
