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Auswandererglück und neues Leben mit Mitte 50. Und ich habe es noch niemals bereut. Ich bin endlich angekommen in meinem herrlich freien und wunderschönen Leben. Ich erzähle von anfänglichen Schwierigkeiten mit Behörden, Container- und Zollabfertigungen, meinem persönlichen Umfeld und meinem 14-jährigen Sohn, der lieber Motorradfahren als zur Schule gehen wollte und einem fast 30-jährigen Mann, der irgendwie noch pubertierend war und mir mit seiner Eifersucht auf meinen Sohn meine Eingewöhnungszeit sehr erschwert hat. Diesen Mann habe ich nach zwei Jahren in sein Heimatland "entsorgt". Nach und nach habe ich mir wieder etwas aufgebaut und meine Eigenständigkeit zurückerobert. Und dabei hat mir die Liebe zu Land und Leuten den Weg geebnet. Die Einfachheit, die Klarheit, die zwar oft merkwürdige Logik, aber vor allem der Humor, die ständige gute Laune, die Fröhlichkeit, die Musikbegeisterung, die Herzlichkeit, die Hilfsbereitschaft, die schnelle Aufnahme in ihre Herzen - das ist das ganz Besondere dieser immer liebenswerten Menschen. Man wird mit Herzlichkeit aufgenommen und fühlt sich endlich angekommen. In einem Leben voller Liebe und Wärme dem Nächsten gegenüber. Mir fehlen fast die Worte, um zu beschreiben, wie weit offen mein Herz ist für dieses Land, die Sprache und vor allem für die Menschen. In welchem Land wird man schon mit offenen Armen empfangen und stets so behandelt, als wäre man genau die Person, auf die sie immer schon gewartet haben. Güte, Liebe, Charme, gutes Benehmen und Hilfsbereitschaft. Niemand muss befürchten, mit einem liegengebliebenen Auto, einem verletzten Knöchel oder einem plötzlichen Unwohlsein allein gelassen zu werden. Niemand wird "links liegengelassen". Beim kleinsten Problem sieht man sich umringt von hilfsbereiten Menschen. Mir sind hier noch niemals schlecht gelaunte oder nörgelige einheimische Menschen begegnet. Alle scheinen äußerst zufrieden zu sein mit ihrem Leben. Sie sind arm, aber genügsam und glücklich.
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Seitenzahl: 96
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Gedanken und Erzählungen einer Residentin zu Land und Leuten
Dieses Buch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich erzähle lediglich aus meinem direkten Umfeld und meinen Eindrücken aus und meinen Erlebnissen mit Land und Leuten.
Monika Anders
Autorin
Meine ersten Eindrücke von Dominikanern
Seit mehr als 16 Jahren ist die DomRep meine Heimat. Ich liebe dieses Land und die Leute, die Sprache, die Natur – alles hier, obwohl ich nicht mal weiß, warum eigentlich.
Ich war niemals vorher in diesem Land, niemals im Urlaub hier, kannte nichts. Dass die Bevölkerung aus über 90 % dunkelhäutigen Menschen besteht, wusste ich damals auch nicht. Und – ehrlich gesagt – ich merke nicht mal, dass sie eine andere Hautfarbe haben. Das ist doch auch völlig unwichtig. Allerdings fallen sie trotzdem dadurch auf, dass sie immer ordentlich frisiert und Haut und Nägel in Topform sind. Die Frauen verbringen immer sehr viel Zeit in Salons, um ihre Haare bändigen zu lassen, weil sie „glatte Haare“ haben möchten.
Ihre Fürsorge für Haut, Haare und Nägel führt allerdings dazu, dass sie sich weniger um Haushalt, Kochen und Kinder kümmern. Aber man kann eben nicht immer alles haben. Entweder eine schöne Frau oder eine aufgeräumte Wohnung.
Die Herren der Schöpfung sind durchweg kurz geschoren, ohne kahlköpfig zu sein. Und trotz der Hitze findet man keinen dominikanischen Mann in kurzen Hosen. Sie sind immer adrett gekleidet, sauber, ordentlich und gut angezogen.
Männer in kurzen Hosen, Socken und Schlappen an den Füßen, dazu öfter diese fürchterlichen Muskelshirts oder einfach Feinripp-Unterhemden, sieht man hier nur bei Touristen. Dominikaner sind arm, aber sie haben Stil, und zwar immer. Sie sind stets sauber und gepflegt und eine echte Augenweide.
Win-Win-Situation zwischen ausländischen Männern und dominikanischen Frauen
Oftmals dachte ich, mit dem Flieger für einen Besuch nach Deutschland zurückkommend und mich umblickend, schon am Flughafen: Klar, was die
deutschen Männer in die DomRep treibt. Deutsche Frauen sind meistens nicht solche „Hingucker“. Die meisten Männer zwar auch nicht, aber die DomRep bietet nicht nur schöne Landschaften an, sondern auch wunderschöne Frauen, die ihnen die große Liebe vorspielen, dafür aber recht ordentlich bezahlt werden. Alles ist gut. Es ist ein „Geschäft“, bei dem beide Parteien profitieren. Eine klassische Win-Win-Situation also. Den Männern wird gehuldigt und sie werden hofiert, als seien sie die schönsten, liebsten und besten Geschöpfe der Welt. Dafür sorgen sie im Gegenzug aber auch mit ihrem finanziellen Beitrag dafür, dass die Damen ihre Familie und vor allem ihre Kinder ernähren können. Die Damen müssen manchmal zwar ihre rosarote Brille und die Scheuklappen aufsetzen, aber sie sehen es als ihr Geschäftsmodell an.
Für eine dominikanische Frau ist es hier aber auch sehr schwierig, eine „anständige“ Arbeit zu bekommen, Sie haben – außer den angebotenen Liebesdiensten – nicht viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Zur Auswahl stehen noch Arbeiten an den Supermarktkassen, im Haushalt oder ….. da hört es eigentlich auch schon fast auf.
Ihr Können und das, was möglich wäre
Ausbildungsberufe gibt es nur durch das Studium, was sich allerdings nur die Betuchtesten leisten können.
Schon alleine die ganz normale dominikanische Schule kostet im Monat 60 €, wobei der durchschnittliche monatliche Verdienst, sollte man überhaupt einen Job haben, bei maximal 250 € liegt. Dazu kommen spezielle Schulkleidung und jedes Jahr neue Bücher. Das führt leider dazu, dass viele Kinder gar keine Schule besuchen können. Und können sie sie besuchen, bekommen sie leider trotzdem keine gute Schulbildung vermittelt.Wenn die Welt hier wirklich helfen möchte, sollte sie vorrangig in die Schulbildung investieren, damit auch die Lehrer vernünftig ausgebildet werden können, die leider meistens genauso viel können wie ihre Schüler. (Vor einigen Jahren wurden 3.200 Lehrer wegen Unfähigkeit entlassen. Woher sie dann die Fähigen nahmen, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis). Um die Zahl der Analphabeten zu reduzieren, müssten richtige Programme aufgelegt werden, die Schulgelder müssten entfallen, eine richtige Schulpflicht müsste eingeführt werden und Bücher und Kleidung müssten vom Staat gestellt werden. Es darf doch nicht am Geldbeutel liegen, ob die Bevölkerung dumm und unwissend bleibt. Darüber hinaus ist die Quote der weiblichen Schülerinnen, die noch nicht einmal einen normalen Abschluss machen, durch die hohe Anzahl kindlicher Schwangerschaften, sehr niedrig. Eine 18-jährige Schwangere gilt hier schon fast als „Spätgebärende“. Ob es daran liegt, dass die Mädchen nicht aufgeklärt werden oder daran, dass sie kein Geld für Verhütungsmittel haben, müsste mal untersucht werden. Zumindest die Aufklärung müsste doch gegeben sein.
Es könnte sich der Eindruck einschleichen, dass die hiesige Bevölkerung absichtlich arm und dumm gehalten wird, damit niemand auf die Idee kommen kann, aus dem häuslichen Elend aussteigen, zu demonstrieren oder sich sonst irgendwie auflehnen zu wollen. Ausbildungsberufe gibt es hier kaum und eine praktische Ausbildung eigentlich gar nicht. Man kann studieren in einigen größeren Städten, was allerdings sehr viel Geld kostet wegen der sehr hohen Studiengebühren und der Miete für eine kleine Wohnung, die u.U. auch noch notwendig wird. Das können sich nur reiche Familien leisten.
Nochmal: Entwicklungshilfe sollte unbedingt in die Bildung investiert werden und nicht nur in die Biolandwirtschaft, die es hier sowieso nicht gibt. Schon durch die seltsame Methode, Strom durch riesige Dieselgeneratoren zu erzeugen, statt durch Sonnen- oder Windenergie, zeigt, dass man sich hier „richtig austoben kann“, wenn man Aufbauhilfe aus dem Ausland gewähren möchte. Denn Sonne und Wind gibt es hier im Überfluss.
Gut wäre auch, wenn mal jemand vom Deutschen Entwicklungshilfeministerium herkäme, um zu sehen, wohin deren Gelder tatsächlich fließen.
Die Obrigkeit
Gut und mit ausreichend Geldmitteln ausgestattet, sind hier eigentlich nur die jeweiligen Präsidenten und deren Familienangehörige – zusammen mit den viel zu vielen Vertretungsministern und deren Familien. Hier herrscht Korruption, was ja leider nicht nur in ärmeren Ländern, sondern auch weltweit, Usus ist. Allerdings weiß ich zu wenig aus eigener Erfahrung, so dass ich mich an gefährlichen Spekulationen auch nicht beteiligen möchte. Angeraten sei aber jedem, sich möglichst ruhig zu verhalten, niemanden anzuzeigen, sich mit möglichst niemandem zu streiten und sich auf gar keinen Fall auf Prozesse vor Gericht einzulassen. Prozesse dauern hier ewig, sind sündhaft teuer, kosten darüber hinaus viel Nervenkraft und sind meist gespickt mit Falschaussagen von gekauften Zeugen. Außerdem herrscht hier eine andere Rechtsordnung, als in der übrigen Welt, wo die Schuld nachgewiesen werden muss. Hier muss man seine UNSCHULD beweisen. Gerechtigkeitsfanatiker sollten also im eigenen Interesse immer versuchen, einem Streit aus dem Wege zu gehen.
Wohltätige Zuflüsse, wenn Wahlen anstehen
Lange, bevor Wahlen anstehen, strengen sich die Politiker an, um die Bevölkerung etwas „zu beeinflussen“. Meistens verteilen sie Lebensmittelpakete an Arme und Bedürftige und sorgen dabei für ordentlich viel Presserummel. Aber auch Gelder für dringend benötigte Reparaturen von Schulgebäuden oder Straßen werden plötzlich bereit gestellt. Wie jetzt zum Beispiel. Wir freuen uns gerade sehr darüber, dass endlich einige Straßen im Ort neu geteert werden, wodurch man sie auch tatsächlich einige Zeit lang richtig befahren …. könnte. „Könnte“ nur deshalb, weil von Anfang an das Kanalsystem falsch geplant wurde. Die Kanaldeckel befinden sich in der Mitte der Straße bzw. manchmal bzw. FAST in der Mitte. Nun wird überall eine 10 cm dicke Teerschicht aufgebracht. Oben ist die Straße richtig toll und glatt, aber: Die Kanaldeckel in der Mitte bleiben verschont. Das heißt, dass man immer noch während der Fahrt in diese Vertiefungen knallt, die man niemals rechtzeitig sehen kann. Im Ort wurden jetzt allerdings einige mit ein wenig, jetzt schon wieder verblassender, gelber Farbe ummalt. Schwierig wird es auch, wenn man von Parkplätzen oder aus der eigenen Einfahrt wieder auf die Straße einbiegen möchte. Der Wagen fällt zunächst in den Randbereich, der schon wegen des Abflusses des Regenwassers ungeteert bleiben muss. Hat man ein Fahrzeug, welches ein normales ist, also keinen SUV mit hohem Radstand, muss man sehr, sehr langsam und vorsichtig wieder von unten nach oben fahren, damit man sich am Auto nicht die Front abreißt oder beschädigt. Die Frage ist hier immer, ob man daran nicht gedacht hat oder ob man das Problem nicht anders lösen kann. Noch ein paar Teervorgänge mehr und ich brauche eine Rampe, um aus meiner Einfahrt wieder herausfahren zu können. Die murksen immer an irgendetwas herum, das schon von Anfang an nicht zu Ende gedacht worden ist. Und später kann man es fast nicht mehr regulieren. Und so bleibt alles immer irgendwie unvollständig und provisorisch. Aber: Wenn es so ist, dann ist es eben so. Ärgern bringt einen da nicht weiter. Man muss sich arrangieren und sich mit der Situation abfinden.
Warum meine Liebe zu diesem Land?
Trotz all dieser Mängel, ist dieses Land für mich die „Insel der Glückseligen“. Ein Ort der Phantasie, der Freiheit, der Lebenslust, der guten Laune, der Liebe.
Wir sind frei und jeder kann nach Herzenslust leben, sich verwirklichen, fleißig, aber auch faul sein, das Leben genießen in all seinen Facetten.
Als ich hierher kam, wusste ich nichts über die Insel oder über die hier lebenden Menschen und vor allem sprach ich kein einziges Wort Spanisch, obwohl wir in früheren Jahren oftmals in Spanien Urlaub gemacht hatten. Außer „gracias“ und „cerveza“ konnten wir nach 10 Jahren Spanienurlaub immer noch nichts anderes.
Im ersten Jahr in der DomRep war es trotz allem schwierig für mich. Und zwar nicht deshalb, weil ich in Deutschland alles aufgegeben hatte, was mir bis dahin vertraut und wichtig gewesen war, sondern weil ich mich hier ausgeliefert fühlte.
Mein damaliger Partner litt an der hier allgemein bei Männern auftretenden „Verblendung“ durch dunkle Schönheiten, die anscheinend nur vor ganz wenigen Männern halt macht. Sogar in einem öffentlichen Café bot sich eine junge Frau in meinem Beisein für ein kleines Schäferstündchen an. Überall Offerten von wirklichen Schönheiten.
Wer den Zauber südlicher Schönheiten – ob in Italien, Rumänien, Griechenland oder eben auch hier – sehen und erleben durfte, kann sich sehr gut vorstellen, dass es übermenschlicher Kräfte bedarf, um der Werbung dieser Schönheiten nicht zu verfallen.
Erschwerend kam hinzu, dass er zehn Wochen vor mir übersiedelte. Eine offensichtlich zu lange Zeit, um wieder zurück in ein einigermaßen „normales“ Leben zu finden.
Am Anfang unseres Hierseins waren sehr viele Dinge zu erledigen, die mit weiten und anstrengenden Reisen verbunden waren, die mich mein „Herzblatt“ alleine bewältigen ließ. Papiere waren zu besorgen, der Container – nach stundenlanger Zollabfertigung in der Mittagshitze des Hauptstadthafens – in Empfang zu nehmen und hierher bringen zu lassen. 83 Kartons wurden nachts in den Hof gestellt, und wir mussten sie wenigstens auf die Terrasse zerren. Spanisch – kein Wort, und mit Englisch kommt man hier auch nicht weit.
Herzschmerz, Leid, Verlassenheitsgefühle und extrem schlechtes Wetter im Dezember ließen mich im allerhöchsten Fall einigermaßen funktionieren. Mehr war nicht drin.
Doch nach einem Jahr war alles endlich anders. Frieden war in mein Haus wieder eingekehrt, das Wetter hervorragend, die Möbel aufgestellt, die Kartons ausgepackt und alles eingeräumt und die Sprache schon in den Anfängen einigermaßen passabel.
Nach einem weiteren Jahr hatte ich mich auch endlich des Partners entledigt und habe nur noch für meinen Sohn und für mich gesorgt.
