Doomed Rich Bastards - Michael - Grace C. Node - E-Book

Doomed Rich Bastards - Michael E-Book

Grace C. Node

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Beschreibung

Du bist so rein und unschuldig. Lass mich dir zeigen, wie die DUNKELHEIT schmeckt ... Hörst du die Schatten flüstern? Du hast keine Ahnung, dass ich in deinem Zimmer stehe. Vor deinem Bett. Unschuldig liegst du wie ein berauschend schöner Engel vor mir, doch ich weiß, dass du nicht so unschuldig bist, wie du die Welt glauben lassen willst. Ich rieche deine Dunkelheit. Ich schmecke deinen Schmerz. Ich höre deine Vergeltung. Erinnerst du dich an diese eine Nacht? Die Nacht, in der wir beide von der Dunkelheit versklavt wurden? Die Nacht, in der sich dein unschuldiger Blick in meine Seele eingebrannt und mich damit stigmatisiert hat? Jetzt bin ich ein Jünger deines Schmerzes. Hast du wirklich geglaubt, es ist vorbei? Oh süßer Engel, es fängt gerade erst an!   Der Auftakt der "Doomed"-Reihe - düstere, fesselnde Dark Romance voller zerstörerischer Anziehung, Rache und toxischer Gefühle. Altersempfehlung ab 18 Jahre. Die Triggerwarnung ist auf jeden Fall zu beachten.

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Seitenzahl: 501

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Wichtiger Hinweis | TRIGGERWARNUNG
ALPHA
1861 Kanada, British Columbia
Ein anderes Leben ...
Kapitel 1
Eden
Kapitel 2
Michael
Vor einer Ewigkeit
DELTA
Kapitel 3
Michael
Kapitel 4
Eden
Kapitel 5
Michael
Kapitel 6
Eden
Kapitel 7
Michael
Kapitel 8
Eden
Kapitel 9
Michael
Kapitel 10
Eden
Kapitel 11
Michael
Kapitel 12
Michael
Kapitel 13
Eden
Kapitel 14
Michael
Kapitel 15
Michael
Kapitel 16
Eden
Kapitel 17
Eden
Kapitel 18
Michael
Kapitel 19
Michael
Kapitel 20
Michael
Kapitel 21
Eden
Kapitel 22
Michael
Kapitel 23
Eden
Kapitel 24
Michael
Kapitel 25
Eden
Kapitel 26
Michael
Kapitel 27
Eden
Kapitel 28
Michael
Kapitel 29
Eden
OMEGA
Kapitel 30
Michael
Kapitel 31
Michael
Kapitel 32
Eden
Die Komposition
Kapitel 33
Michael
Kapitel 34
Michael
Kapitel 35
Michael
Eden
Michael
Kapitel 36
Eden
Playlist
Danksagung
Doomed-Reihe
Leseprobe
Nathan
Kapitel 1
Nathan
I am Grace
Bereits erschienene Werke

DOOMED Rich Bastards

Grace C. Node

Buchbeschreibung:

Wenn du lange genug in der Dunkelheit lebst, sie einatmest, mit ihr verschmilzt, wirst du deine Menschlichkeit abstreifen.

Denn du bestehst nur noch aus dem Verlangen, den brüllenden Schmerz abzutöten, der deinen Kopf fickt. Um die Geister der Vergangenheit zum Schweigen zu bringen und dich auf deine Rache zu fokussieren.

Bald.

Sehr bald wirst du deinen Schatten finden.

Und das Monster töten, das in ihm wohnt.

Zu dumm, dass der Dämon aus deinen Albträumen längt vor deinem Bett steht ...

Über den Autor:

Neugierige Wortakrobatin, mutiger lebenshungriger Schöngeist, Film-Junkie und Book-Nerd.

Dunkle Leidenschaften, menschliche Abgründe, psychotische Spiele und jede Menge Bad Hero Romantik treffen auf Gefühlschaos und düstere Spannung.

Das ist meine Welt - tritt ein, wenn du dich traust.

Für Suchtgefahr nach mehr Lesestoff übernehme ich keine Haftung!

© Grace C. Node – alle Rechte vorbehalten.

Grace C. Node

c/o Autorenservice Gorischek

Am Rinnergrund 14/5

8101 Gratkorn

Österreich

Herausgeber:

Sternfeder Verlag

Bogenstr. 8

58802 Balve

www.sternfederverlag.de

Nachdruck - auch auszugsweise - nur mit schriftlicher Genehmigung von Grace C. Node.

Coverdesign: Grace C. Node, Sternfeder Verlag

Bildquelle: (lizensiert)

Korrektorat/Lektorat: Anastasie Thiel

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek:

https://portal.dnb.de/opac.htm

Das Buch ist rein fiktiv. Ähnlichkeiten zu lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Sämtliche Inhalte dieses Werkes und seiner Teile sind urheberrechtlich geschützt. Der Käufer erwirbt lediglich eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf eigenen Endgeräten. Urheberrechtsverstöße schaden den Autoren und ihren Werken, deshalb ist die Weiterverbreitung, Vervielfältigung oder öffentlichen Wiedergabe ausdrücklich untersagt und kann zivil- und/oder strafrechtliche Folgen haben.

In diesem Werk befinden sich Verlinkungen zu Webseiten Dritter. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass sich Grace C. Node die Inhalte Dritter nicht zu eigen macht, für die Inhalte nicht verantwortlich ist und keine Haftung übernimmt.

[email protected]

www.sternfederverlag.de

Wichtiger Hinweis | TRIGGERWARNUNG

Dieses Buch ist düster, bitterböse und abgefuckt. Die Handlung ist rein fi(c)ktiv und dient dazu, dich zu unterhalten. Allerdings wirst du auf Situationen stoßen, die äußerst unbequem, brutal und moralisch höchst verwerflich sind. Daher ersuche ich dich, die folgenden TRIGGERwarnungen unbedingt ernst zu nehmen!

Nicht jeder kann unbeschadet mit den u. g. Themen umgehen.

Also lies sie dir aufmerksam durch, und wäge sorgfältig ab, ob du diesem Buch tatsächlich emotional, psychisch und/oder moralisch gewachsen bist.

Michael Bateman ist ein psychopathischer Mensch, der Gewalt verherrlicht, ein äußerst fragwürdiges Frauenbild hat und auf kranke Weise einen Weg der körperlichen und emotionalen Verwüstung beschreitet.

Die Bruderschaft, in der er aufwächst, ist rein fiktiv, jedoch liegen ihre Ausbildungsmethoden, Regeln und Rituale jenseits aller moralischen, gesetzlichen und ethischen Grundsätze. Das ist so gewollt und dient der Entwicklung der Geschichte.

Wenn du jemand bist, der durch folgende Themen in irgendeiner Form getriggert werden könnte, lies dieses Buch bitte keinesfalls!

Es kommen vor:

Stalking

Missbrauch / psychische Tyrannei

Körperliche Gewalt, Folter & Mord

Demütigungen psychisch & physisch

Übergriffige sexuelle Handlungen / Non-Con-Situationen

Emotionale Traumata

Frauenverachtendes Weltbild

Vergewaltigung & derbe Sprache

Explizite Szenen

Misshandlung Schutzbefohlener / Kinderhandel

Tierschlachtung

Nur DU selbst kannst entscheiden, ob du mit diesen Themen umgehen kannst.

Überlege dir also sorgfältig, ob du bereit für diese Geschichte bist.

Solltest du auch nur einen leisen Zweifel haben, nimm bitte Abstand von diesem Buch!

Ich vertraue dir, liebes Leseherz, dass du um deine Triggerpunkte weißt, und dementsprechend verantwortungsvoll für dich selbst handelst!

Allen anderen düsteren Leseseelen wünsche ich viel Vergnügen in der abgedrehten Welt des Kreises.

Auf den Trümmern unserer Feinde

erbauen wir unser Königreich.

3, 2, 1 ...

Lauf!

Der Kodex

Der Schutz der freien Welt ist unser Ziel.

Diesem Ziel verpflichten wir uns mit Leib und Seele.

Wir bekämpfen jedwede Bedrohung mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, mit aller Härte und Entschlossenheit.

Endet das Gesetz, treten wir in Kraft.

Wir sind Bewahrer, Vollstrecker und Vermittler im Kampf gegen das Böse.

Dazu ermächtigt, die freie Welt vor Schaden zu bewahren, egal was es kostet.

Loyalität, Treue und Gehorsam – bis in den Tod.

Geschworen mit dem eigenen Blut, bindet uns unser Schwur für alle Zeit.

Wir verschreiben uns unserem Ziel vollständig, hüten die Geheimnisse der Bruderschaft und richten die Waffen auf deren Feinde.

Wir sind der Anfang und das Ende.

Wir sind der Kreis.

ALPHA

1861 Kanada, British Columbia

Nervös tänzelte das Pferd mit seinem ganz in schwarz gekleideten Reiter auf der Anhöhe, als ein Blitz den Nachthimmel grell zerschnitt und wenig später das Donnergrollen über das Land rollte. Den Blick auf die ersten Häuser und Straßen der neuen Stadt an der Bucht gerichtet, wurde ihm klar, dass sie die Fehler von New York nicht wiederholen durften.

Zu viel stand auf dem Spiel.

»Wenn wir das durchziehen, werden wir im Schatten wandeln«, ertönte einer der elf anderen Männer neben ihm.

»Ich weiß. Und es wird ein Balanceakt zwischen Licht und Finsternis. Für uns alle.«

»Wie sollen wir diesem wuchernden Geschwür der Korruption etwas entgegensetzen, die in allen Instanzen Einzug gehalten hat? Sie werden von brutalen Organisationen dazu verführt, sich gegen jede Regel moralischen Anstands zu stellen – egal, wie schändlich es auch sein möge. Mit gutem Willen und ehrbaren Zielen werden wir dem nicht beikommen können.« Der Elfte hob fragend die Augenbrauen.

Der Erste räusperte sich, griff die Zügel fester, da sein Pferd vor dem nächsten Donnerhall scheute. Beruhigend tätschelte er dem schwarzen englischen Vollblut den Hals. Sie hatten sich vor Wochen über die dunklen Machenschaften beraten, Erfahrungen aus allen Winkeln des Landes ausgetauscht und waren auf immer dieselbe Problematik gestoßen: gesetzliche und ethische Fesseln.

Entschlossen, die freie Welt zu schützen, den kriminellen Strukturen den Kampf anzusagen, um Recht und Ordnung zu erhalten, waren sie sich alle einig, dass es mehr als ein simples Gremium bedürfe, solch dunklen Mächten entgegenzutreten. Und um für die nächsten Generationen den Frieden und die Sicherheit der Bevölkerung überall auf der Welt zu schützen, würden sie die Normen gesellschaftlichen Denkens und Handelns abstreifen müssen. Eine neue Institution musste erschaffen werden. Unabhängig, autark und nicht infiltrierbar. Eine Gesellschaft, die im Schatten agiert, mit ihm verschmilzt und vor der selbst die Dunkelheit zurückweichen würde.

Er sah den elften Mann an. »Wir werden Dämonen erschaffen.«

»Dämonen?« Ungläubig runzelte der Elfte die Stirn.

»Ganz genau. Dämonen. Geboren aus Schmerz und eingeschworen mit ihrem Blut. Einzig erschaffen zur Verteidigung der freien Welt, die sich nicht selbst wehren und an den bürokratischen Grenzen scheitern, wenn sie gegen das Böse agieren sollen.«

»Woher sollen wir wissen, wie weit wir gehen können?«

Der Erste blickte in die Gesichter seiner elf Mitstreiter. »Wir werden so weit gehen, wie es nötig ist. Wir kennen keine Grenzen. Denn das Übel der Welt hat auch keine.«

»Das ist Irrsinn.« Der Dritte schüttelte den Kopf.

Der Erste sah ihn finster an. »Das ist unsere einzige Chance.«

Die Gründung

Beschreibung auf Pergament, wer sind die Gründungsfamilien, wer ist der Erste der Ersten, wer Bewahrer, wer Vollstrecker. Etc.

Zum Schutz der Mitglieder und ihrer Familien werden die Identitäten für Außenstehende und die Welt geheim gehalten. Die öffentlichen Ämter der berufenen Mitglieder sind sowohl Notwendigkeit wie auch Fassade für ihre eigentliche Aufgabe innerhalb der Bruderschaft.

Die Bruderschaft des Kreises wurde a. D. 1863 von zwölf Familien gegründet, die sich der Sicherung von Recht und Ordnung der freien Welt verschrieben haben. Ihre Oberhäupter bilden den Rat der Ersten.

Den Vorsitz führt der Erste der Ersten – ein geheim gewähltes Mitglied aus den zwölf Gründungsfamilien, welches den Rat der Ersten leitet. Seine Stimme gilt bei Entscheidungen als maßgeblich. Er allein kennt alle Geheimnisse der Bruderschaft und gibt diese an seinen Nachfolger weiter. Allein der Tod – natürlich oder unnatürlich – entbindet ihn von seinem Amt.

Jedes Mitglied leistet den Blutschwur, um sein Leben an den Kreis zu binden. Die Verpflichtung endet ausschließlich mit dem Tod. Sollte der Erste der Ersten sein Amt zu persönlichen oder anderweitigen, den Grundsätzen des Kreises zuwiderlaufenden Zwecken missbrauchen, wird er hingerichtet werden.

Diese Bruderschaft des Kreises agiert im Schatten und ihr Schutz ist für den Erfolg ihres Handelns verantwortlich.

Um den Frieden und die Sicherheit der freien Welt zu gewährleisten und die Institutionen der zivilisierten Welt angemessen zu wahren, wird die Gewaltenteilung innerhalb der Bruderschaft immanenter Bestandteil der Funktionen des Kreises werden.

Diejenigen, die in den Schaltzentralen von Politik, Wirtschaft, Forschung und Regierung eingesetzt sind, stellen die nötigen Weichen für eine gerechte und demokratische Handhabung der Interessen des jeweiligen Landes und darüber hinaus innerhalb der Weltordnung. Wir nennen sie daher BEWAHRER.

Drei dieser Bewahrer werden über den Globus verteilt ihre Rollen als Oberhaupt dieses Zweiges wahrnehmen. Ihnen obliegt es, die ihnen zugetragenen Informationen aus den oben genannten Ressorts auszuwerten.

Abweichungen werden durch die Bewahrer beobachtet, gegebenenfalls Beweise für Verfehlungen, egal welcher Art –, gesammelt und nach sorgsamer Prüfung dem Rat der Ersten vorgelegt. Basierend darauf wird ein Urteil gefällt.

Die Umsetzung dieses Urteils erfolgt umgehend.

Dazu werden die sogenannten VOLLSTRECKER entsandt, die die Botschaft in die Welt tragen. Sie sind das Instrument der Gewalt und dienen dem Kreis als Waffe im Kampf gegen jedes Übel. Die Vollstrecker werden durch ein unbarmherziges Auswahlverfahren aus den Familien der zwölf Gründungsmitglieder ausgewählt werden. Das Novizen-Programm beinhaltet sowohl physisches wie auch psychologisches Training der Anwärter.

Drei Vollstrecker neben drei Bewahrern. Das Gerüst für den Kampf gegen das Übel der Welt.

Sie unterstehen dem Rat der Ersten und sind die letzte Barriere zwischen Gerechtigkeit und Gewalt. Eine Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden des jeweiligen Landes, in dem es zu Unregelmäßigkeiten und Machtverschiebungen gekommen sein sollte, ist immer einzubeziehen, um der Bevölkerung das energische Eingreifen ihrer Schutztruppen zu signalisieren.

Wir hinterlassen keine Spuren, keine Zeugen und keinen Hinweis auf unsere Existenz.

Wir sind der Anfang und das Ende.

Wir sind der Kreis.

FINGERABDRÜCKE 12 x in blutrot

Gefallener Engel No. 13

Mädchen, Ankauf erfolgte unter den üblichen Bedingungen.

Alter: zwölf Jahre

Augenfarbe: dunkelbraun

Haarfarbe: dunkelbraun

Status: Jungfrau

Gesundheitszustand:

Stark unterernährt. Organe unversehrt.

Das Blutbild ergab einen Vitaminmangel, der in den kommenden Wochen durch Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden soll.

Hämatome an Armen, Beinen und Oberkörper werden behandelt.

Zähne sind gesund, weiß und gerade.

Vorsehung:

Der gefallene Engel No. 13 wird für die Spielzeugabteilung der Vollstrecker vorgemerkt. Je nach Entwicklung wird sie abgerichtet, die Dark-Desires zu bedienen. Bestimmungsort: Club Illusion.

Markierung durch Chipping erfolgt, sobald ihre Ausbildung abgeschlossen ist.

Ein anderes Leben ...

Erste Lektion

Im schummrigen Licht der Kerzen und der heroisch betörenden, klassischen Musik im Hintergrund wirkt die Szene grotesk romantisch. Das chorale Stück Spem in alium von Tallis schwebt feengleich über diesem Akt der Grausamkeit. Die verzweifelten Schreie des Mädchens auf dem riesigen Bett gehen ihm durch Mark und Bein, doch er kann den Blick nicht abwenden. Ein hypnotischer Sog hat den Jungen erfasst, der schockiert und gleichzeitig fasziniert zusieht. Sein Erzieher, ein Mann mit düsterer Aura, kniet auf dem Bett zwischen den gespreizten, nackten Beinen des vierzehnjährigen Mädchens, und fängt ihre um sich schlagenden Fäuste ein.

»Bitte, bitte, tu mir nicht weh. Bitte! Lass mich gehen.« Die tränenerstickte Stimme hallt in des Jungen Kopf wider, frisst sich durch sein Gewissen und setzt sich tief in seinem Herzen fest.

»Komm her.« Dem Befehl seines Erziehers folgend, krabbelt der Vierzehnjährige mechanisch auf das Bett, darauf trainiert, Anweisungen anstandslos zu befolgen. In dem Moment, in dem er neben dem Mann kniet, starrt ihn das Mädchen an. Ihre großen dunkelbraunen Augen sind von langen, schwarzen Wimpern umrahmt und trotz der Tränen wirken sie durchdringend, fast manisch.

Der Erzieher hält ihre Handgelenke gepackt. »Hose runter.« Folgsam streift der Junge die Hose und Unterhose ab, entblößt seinen Unterleib, den Blick starr auf das bildhübsche Gesicht des Mädchens gerichtet.

»Lass mich gehen. Bitte.«

»Wichs deinen kümmerlichen Schniedel, Junge. Du hast eine Aufgabe zu erfüllen.« Bei der barschen Aufforderung legt der Erzieher seine freie Hand zwischen die Beine des Mädchens. Panisch brüllt es auf, zappelt wild unter dem unnachgiebigen Griff des Mannes herum, versucht sich unter ihm herauszuwinden. Eine schallende Ohrfeige lässt sie für eine Sekunde erstarren. Dann setzt das schluchzende Flehen ein. Grob reißt der Mann das zarte Nachthemd des Mädchens hoch, unter dem ihr nackter Körper zum Vorschein kommt.

»Ist sie nicht ein hübsches, kleines Vögelchen?« Gierig begafft der Mann den jungfräulichen Körper, leckt sich die rauen Lippen und lässt die Hand erneut zwischen ihre Schenkel gleiten.

»Bitte! Nicht.« Ihre Stimme ist kaum mehr ein raues Flüstern, doch die Panik hört der Junge dennoch heraus.

»Du wirst sie besteigen und damit deine erste Lektion absolvieren.« Der Erzieher blickt abschätzig auf den Penis des Jungen, der schlaff zwischen seinen Beinen hängt. »Verflucht, bist du immer noch nicht hart?!« Zischend stößt er den Atem aus. Der Mann hockt sich auf das rechte Bein des Mädchens, hält es so unter Kontrolle und der Junge folgt seinem Beispiel beim Linken. »Hier, leg die Hand auf ihre Fotze. Kreisende Bewegungen, bis du merkst, wie es feucht wird. Daumen hier auf den kleinen Knoten.« Dem Jungen stockt der Atem, als der Mann seine Hand packt und auf die Mitte des Mädchens legt.

Ein irrationales Gefühl ergreift ihn, als er die Hitze ihres Fleisches spürt. Er starrt in diese dunklen Augen, die ihn auf magische Weise gefangen halten, und bewegt unter Anleitung des Erziehers seine Hand.

Eine sonderbar zarte Verbindung.

Vorsichtig tasten seine Fingerspitzen die Falten ab, spüren den Eingang auf, streichen durch eine winzige Spalte, die den Körper des Mädchens erschaudern lässt. Der Augenblick verdichtet sich zwischen ihnen, als würden sie gemeinsam in einen separaten Raum eintreten, der die Realität ausschließt. Die groben Anweisungen des Erziehers ertönen nur verwaschen aus der Ferne, denn alle Aufmerksamkeit des Jungen liegt auf den wimmernden Reaktionen des Mädchens vor ihm.

Stumm bittet er sie um Vergebung. Sagt ihr mit Blicken, wie leid es ihm tut.

Ihre Antwort ein lautloser Schrei nach Hilfe, die er ihr nicht geben kann.

Plötzlich fühlt er Feuchtigkeit an seinen Fingern. Erstaunt verreibt er sie auf dem kleinen Knoten, den der Mann ihm gezeigt hat, und reißt die Augen auf, als sich das Mädchen unter der Berührung aufbäumt – das Gesicht schmerzverzerrt.

»Gut so. Sie ist bereit. Mach weiter. Du wirst den Saft brauchen.« Die Hand des Mannes greift den Penis des Jungen und fährt an ihm auf und ab. Er fühlt ein unglaubliches Ziehen in der Leiste, spürt einen starken Druck im Unterbauch und sein Penis wird hart. Schockiert über die Reaktion schießt sein Blick zu dem Mann, der nur dreckig grinst und mit dem Kinn auf das Mädchen deutet.

»Na also. Jetzt kannst du loslegen.«

»Ihr Schweine. Wie könnt ihr nur ...« Tränenerstickt schreit das Mädchen verzweifelt auf, als der Mann dem Jungen Platz macht und er sich zwischen ihre Beine legt. Der Erzieher weist ihn ein, während er das Mädchen grob festhält. Ein urtümlicher Drang bricht aus dem Jungen heraus, übernimmt die Kontrolle, als seine Penisspitze das erhitzte Fleisch des Mädchens berührt.

Wieder sieht er sie an, gefangen in ihrem verlorenen Blick und ... hält inne. Ihr stummer Schrei zerreißt den Drang, seine Aufgabe zu erfüllen, den letzten Schritt zu gehen. Zitternd verharrt der Junge über ihr, unfähig, sie zu berühren. Schweiß bricht ihm am ganzen Körper aus – das ist falsch. Vollkommen falsch.

Ihre vollen, hübsch gezeichneten Lippen öffnen sich, wollen etwas sagen.

»Scheiße, was bist du nur für ein Loser«, bellt der Mann, schubst den Jungen beiseite und zerrt sich die Hose herunter. Sein riesiger Penis springt hervor und mit einem Grunzen packt er ihn. »Sieh zu und lerne.«

Bevor der Junge einschreiten kann, drückt der Erzieher seinen Penis in das Mädchen und zerstört alles, was rein und unschuldig war.

Es brüllt auf. Wirft sich panisch hin und her, doch der Mann ist zu groß und zu stark, als dass er nicht zu Ende bringen könnte, was er begonnen hat. Der Junge packt die Hand des Mädchens, drückt sie und sie krallt sich an ihm fest. Wieder findet ihr Blick den seinen.

Er führt sie zurück in diesen Raum, in dem sie vor wenigen Minuten zusammen waren. Wo es still und friedlich ist. Wo es nur sie beide gibt.

»Fuck, ist die kleine Fotze eng.« Die brutalen Worte des Erziehers erscheinen wie aus einer anderen Welt. Ihr Gesicht gefriert zu einer schmerzverzerrten Maske, als der Mann mit einem Ruck in sie stößt, sie aufreißt und grunzend über ihr arbeitet. Seine widerlichen Äußerungen blendet der Junge aus, hält den Blick des Mädchens fest, gibt ihr wortlos Halt, um die brutale Prozedur durchzustehen. Ihre Augen verschwimmen in einem Tränenmeer, laufen über ihre geröteten Wangen und bebenden Lippen, doch sie gibt keinen Mucks von sich.

Unter den groben Bewegungen des Mannes wird ihr Körper über die Matratze geschoben, aber der Junge fokussiert sich nur auf ihr bildhübsches Gesicht.

Ihren Schmerz.

Ihren Hass.

Ihre Verzweiflung.

Dann bäumt sich der Mann mit einem urtümlichen Gebrüll auf, erstarrt und erzittert sogleich, während das Mädchen die Fingernägel tief in den Handrücken des Jungen bohrt. Blutige kleine Halbmonde.

Der Erzieher zieht seinen jetzt schlaffen Penis aus dem Mädchen, und ein Schwall blutig weißlicher Flüssigkeit landet auf dem Bettlaken. Er tätschelt den Schenkel des Mädchens, grunzt ein »Gut gemacht«, und zieht seine Hose hoch.

Mit einem Wimmern schließt das Mädchen die geröteten Augen, ihre Hand erschlafft und sie krümmt sich zitternd zusammen, bevor die Tür aufgeht, und eine der Schwestern hereinkommt, die die Kleine umsorgt.

»Solltest du beim nächsten Mal erneut versagen, wird das übel ausgehen«, knurrt der Erzieher und stößt den Jungen aus dem Zimmer. Dieser dreht sich noch einmal um, erhascht einen Blick auf das zerbrochene Mädchen, dessen Schmerz sich in sein Herz gebrannt hat und an seiner Seele nagt. Sie liegt mit leerem Blick auf dem Bett, verloren, geschändet und unwiederbringlich zerstört.

Ein gefallener Engel, der in die Hölle gestoßen wurde.

Zweite Lektion

Ungehorsam wird bestraft. Mit zusammengebissenen Zähnen sieht der Sechzehnjährige auf einen Punkt an der Wand, umringt von den anderen Novizen. Hinter ihm sein Ausbilder, die handgeknüpfte Peitsche in der Hand. Durch das düstere, alte Gewölbe zieht ein feuchter Luftzug, beißt in die drei blutigen Striemen auf seinem Rücken.

»Alles hat Konsequenzen. Wenn ihr einen abweichenden Weg beschreitet, seid euch dessen immer bewusst.« Die Stimme des Ausbilders klingt hart und unerbittlich. Alle Augen sind auf den Teenager gerichtet, starren ausdruckslos auf seinen geschundenen Rücken. Schmerz ist ein altbewährtes Mittel, Menschen gefügig zu machen. Einige brechen, einige werden zu Monstern.

Wer hier bricht, wird von den geifernden Dämonen aufgefressen und ausgespuckt. Hat sein Leben verwirkt.

Das Zischen der Peitsche, wie sie die Luft durchschneidet, warnt ihn vor. Er beißt die Zähne fest in den Lederstreifen in seinem Mund, entschlossen, keinen Mucks von sich zu geben. Ihnen zu zeigen, dass er stärker ist als der gleißende Schmerz, ist sein einziger Gedanke. Sobald sich das geknotete Leder in seine Haut gräbt, sie aufreißt, knurrt er lediglich, krallt die Hände in die Haltegriffe an dem alten Pfahl inmitten des Raumes. Sein Blick schießt hasserfüllt zu den Rundbögen oberhalb des Gewölbes, zwischen denen die Ältesten auf ihn heruntersehen. Die Gesichter hinter schwarzen Masken verborgen.

Verweigerung wird nicht geduldet.

Rebellion wird niedergeschlagen.

Die Regeln sind unumstößlich.

»Bereust du deine Verfehlung?« Der Ausbilder nimmt ihm den Lederriemen aus dem Mund.

»Ja, ich bereue.« Seine Antwort klingt wahr, doch im Herzen tobt die Auflehnung gegen alles und jeden. Er hat in den Jahren seiner Ausbildung gelernt, sie hinter einer undurchdringlichen Fassade zu verstecken.

Der letzte Hieb zischt durch die Luft und beißt sich in sein wundes Fleisch.

»Geh, und tue Buße.« Der Ausbilder tritt vor ihn, sieht ihm in die Augen auf der Suche nach Widerstand. Nach Hass. Aber er lässt ihn nichts sehen, außer Gehorsam.

Warm rinnt das Blut aus den Striemen träge über seinen Rücken. Er hält dem inquisitorischen Blick stand, ohne zu blinzeln. Alles andere wäre sein Untergang.

»Wir sehen alles. Wir hören alles. Wir wissen alles. Sei dir dessen stets bewusst.«

Er senkt den Blick, zum Zeichen der Zustimmung, obwohl er dem Ausbilder am liebsten die Zunge herausreißen will.

»Dann geh mir aus den Augen.«

»Danke für die Lektion«, antwortet der Sechzehnjährige, verbeugt sich vor dem Mann, der ihn mit Ablehnung anstarrt und verlässt erhobenen Hauptes das Gewölbe.

Niemand bei klarem Verstand zieht zweimal den Groll des Ausbilders auf sich. Niemand hat es bislang gewagt, zu widersprechen.

Er hat es getan.

Hat sich entgegen den Warnungen einer Anweisung widersetzt. Nun trägt er die Strafe dafür. Das Auspeitschen war nur der Auftakt. Sie werden ihm etwas auferlegen, das ihn an seine Grenzen bringen wird, doch das war ihm bewusst, als er dabei erwischt wurde, wie er bei den Betreuerinnen den Namen des Mädchens herausfand. Geld ist neben Gewalt ein mächtiges Instrument der Macht und davon hat er reichlich. Eine obszön hohe Summe kostete es ihn, aber das war es ihm allemal wert.

Trotzdem hatte die Frau ihn verraten. Er nahm es ihr nicht übel. Hätte sie es nicht getan, würde man sie vor aller Augen zu Tode foltern. So sind die Gesetze der Bruderschaft.

Loyalität.

Treue.

Gehorsam.

Bis in den Tod.

Im Krankentrakt wird sein Rücken versorgt. Fünf weitere Narben, die seine Rebellion bezeugen. Es ist ihm egal.

Sie wollen einen Dämon aus ihm machen. Einen Schatten, der ihre Gesetze in der Welt wahrt und durchsetzt. Einen Vollstrecker.

Als das beißende Jod seine Wunden reinigt, grinst er nur boshaft.

Er wird ihnen zeigen, was für eine Art Monster sie geschaffen haben.

Dritte Lektion

»Zwei Kugeln. Eine ins Herz. Eine zwischen die Augen.«

»Verstanden.« Grimmig prüft der Siebzehnjährige das Magazin der Pistole, entsichert sie und richtet seinen kalten Blick auf den knienden Mann vor ihm. Sein Ausbilder steht neben dem Mann, reißt diesem den schwarzen Sack vom Kopf. Blinzelnd keucht dieser in den Knebel. Mit einer einladenden Geste tritt der Ausbilder beiseite.

In Anbetracht des brutalen Aktes setzt der Herzschlag des Siebzehnjährigen an, schneller zu werden, doch er atmet tief ein und aus, kehrt an den eisigen Ort in seiner Seele zurück, in dem nichts außer Stille herrscht. Sein Blick findet den richtigen Punkt auf der Brust des Knienden, fixiert ihn und hebt die Waffe mit beiden Händen.

Der ohrenbetäubende Schuss hallt durch die heruntergekommene Lagerhalle, in der sie die Vollstreckungen der Novizen durchführen. Der zweite Schuss folgt wenige Sekunden später, bevor der Körper des Mannes zusammensacken und umkippen kann.

Ohne eine Spur Reue über die Auslöschung eines Lebens wendet er sich ab, sichert die Waffe und reicht sie seinem Ausbilder, der ihm anerkennend zunickt.

Die Fahrt zurück in die Residenz verläuft in einträchtigem Schweigen, denn er hat seine Aufgabe erfüllt. Hatten sie gedacht, dass er zögern würde, lagen sie falsch. Nichts kann ihn mehr erschüttern.

Nicht seit der Nacht vor dreieinhalb Jahren.

Sie haben ihm die Unschuld genommen. Ihn geschlagen und in eine kalte Welt gestoßen, die die Schwachen verschlingt. Wo keine Gnade herrscht.

Er trotzte dieser Welt mit all seiner Wut und all seinem Hass.

Ging gestählt aus den Prüfungen hervor, denn in den dunklen Augen des gefallenen Engels hatte er alles gesehen, was er wissen musste: Niemals aufgeben.

Nur noch wenige Monate bis zu seiner Volljährigkeit.

Dem Tag, an dem er frei sein wird. Beim Gedanken daran verzieht sich sein Mund zu einem bitteren Lächeln. Die Freiheit, seinem Durst nachzugeben, dem unstillbaren Verlangen nach der Dunkelheit.

Der Sucht nach Engelstränen.

Das Ritual

Tief versunken in seinen Geist durchläuft er die Waschung. Entledigt sich seiner Vergangenheit. Wird wiedergeboren als ein anderer. Er leistet den Schwur der Bruderschaft an den Ersten der Ersten, besiegelt ihn mit seinem Blut. So, wie es die Tradition fordert. Zwanzig Tropfen, die er den Mitgliedern schenkt.

Vereinigung.

Besiegelung.

Verbindung.

Er ist einer von ihnen.

Aus den Tiefen seiner dunklen Seele erhebt sich der Dämon, den sie geschaffen haben, breitet seine zerrissenen Schwingen aus und brüllt seine Geburtsstunde in die kalte Samhain Nacht hinaus.

Er feiert, trinkt und genießt den Rausch, denn es lässt ihn für einen Augenblick vergessen, wer er nun ist.

Ein Vollstrecker.

Ein Killer.

Ein Geist.

Doch nicht heute.

Heute ist er der Mittelpunkt des Rituals. Bekommt ungeteilte Aufmerksamkeit und darf sich darin sonnen, bevor er am nächsten Tag in den Schatten verschwinden wird.

Als er irgendwann seine Kammer betritt, berauscht vom Wein und dem Fest, findet er in seinem Bett das Geschenk seines Ausbilders.

Nur mit einem durchsichtigen Hemdchen bekleidet liegt sie da, wartet auf ihn. Ihr rotbraunes Haar umrahmt ihr puppenhaftes Gesicht, die Augen blitzen unter dunklem Make-up hervor – die Pupillen geweitet im Rausch irgendeiner beschissenen Droge. Sie wird alles tun, was er verlangt – egal, was es ist. Egal, wie pervers oder abgedreht es sein mag. Dafür wurde sie im Gefängnis gefallener Träume ausgebildet.

Heute ist er der König in diesem Spiel und er wird es auskosten.

Ohne sie aus den Augen zu lassen, geht er zum Sideboard, welches gegenüber des Bettes steht, öffnet die erste Schublade und holt die Handschellen und eine Augenbinde hervor. Langsam tritt er ans Bett, während sich die junge Frau mit einem frechen Grinsen aufrichtet und ihm bereitwillig ihre Hände entgegenstreckt.

Mit wenigen geübten Griffen hat er ihre Hände in den Handschellen und reißt sie daran zurück auf die Matratze. In ihrem Blick liegt ein keckes Funkeln.

»Du kannst schreien, du kannst betteln. Ist mir egal. Aber wenn du mich auch nur noch ein einziges Mal ansiehst, steche ich dir die Augen aus.« Furcht flackert in ihrem Blick auf, den sie sofort senkt, als er sie nieder starrt. Ihre rotgeschminkten Lippen beben und sein innerer Dämon erhebt sich mit einem zufriedenen Grollen.

Mit einem Seil fixiert er die Handschellen am schwarz lackierten Holzpfosten des Kopfteils, sodass er sie nach Belieben auf den Bauch oder Rücken werfen kann, und greift zu der Augenbinde.

»Da ich keiner von euch Huren traue, mache ich es dir einfach.« Ohne ihre Zustimmung abzuwarten, streift er ihr die samtige Binde über die Augen und muss bei ihrem jetzt stockenden Atem lächeln. Das Lächeln eines boshaften Teufels.

Sie haben ihn zu einem Monster gemacht. Eines, welches mit rücksichtsloser Hand alles in seinem Weg zerstört, niederreißt und den Schmerz in den erlöschenden Augen seiner Opfer genießt. Den letzten Funken Mitgefühl haben sie ihm ausgetrieben und er hat sein neues Wesen im Ritual mit Blut willkommengeheißen.

Hat es angenommen.

Er ist jetzt der Schatten in den Albträumen seiner Feinde.

Nichts, außer der nackten Angst seiner Opfer bringt sein Blut zum Kochen, schärft seine Sinne für die rohe Verzweiflung.

Der Fick ist brutal.

Hart.

Schonungslos.

Seine Finger bohren sich in ihre weichen Hüften, hinterlassen rote Markierungen. Die festen Schläge auf ihrem Arsch wird sie noch Tage danach spüren. Diese Frauen sind Objekte. Willige Fleischstücke, die er benutzt. Für den Dämon, der sie zerreißen kann.

Nur ihre Schmerzensschreie verschaffen ihm den nötigen Kick, um nach einer Stunde brüllend abzuspritzen. Nicht in sie.

Oh nein.

Er fickt nie ohne Gummi.

Aber er zieht es ab, befiehlt ihr barsch, den Mund zu öffnen, und spritzt auf ihre mit Lippenstift rotverschmierten Lippen, ihre herausgestreckte Zunge und betrachtet anschließend mit kühler Distanz sein Werk.

Es ist ihm egal, ob sie schluckt, es ausspuckt oder daran erstickt.

Ihm wurde beigebracht, dass seine Befriedigung an erster Stelle kommt. Dem Dämon in ihm gefällt diese Vorstellung. Er ist süchtig nach der Unterwerfung, der Demut in ihren weitaufgerissenen wässrigen Augen.

Und er wird nie genug davon bekommen.

Hörst du die Schatten flüstern?

Hörst du, wie sie dich rufen?

Ich kann deine Dunkelheit riechen, mein Engel ...

Kapitel 1

Eden

Unruhig wälze ich mich in meinem Bett hin und her. Der Sturm heult durch die Straßen Vancouvers und peitscht den Regen wütend gegen die Fensterscheiben. Eine kakophone Symphonie der Trostlosigkeit.

Es ist wieder eine dieser Nächte, in denen ich das Gefühl habe, etwas da draußen beobachtet mich. Ich kann es nicht sehen, spüre allerdings ganz deutlich diese dunkle bitterböse Präsenz, die sich wie Nadelstiche unter meine Haut bohrt.

Ich beobachte die Regentropfen, wie sie in unregelmäßigen Rinnsalen an der Scheibe herablaufen, gespenstisch angeleuchtet von den gellen Straßenlaternen, und frage mich, ob sie nur willkürlich die Richtung wechseln oder einem vorgezeichneten Weg folgen.

Bullshit!

Meine Fantasie spielt mir wieder einmal einen miesen Streich.

Seufzend schließe ich die brennenden Augen, todmüde und doch nicht in der Lage, endlich in den dringend benötigten Schlaf zu finden. Also wandere ich in Gedanken zu dem Tag, den ich seit Langem herbeisehne. Den Tag, auf den ich seit Jahren hinarbeite. Konzentriere mich auf den warmen Fleck in meiner Brust, der all meine Willenskraft, meine Stärke und meinen Hass vereint.

Der mich unbesiegbar macht.

Ich spüre, wie die Spannung in meinen Schläfen nachlässt, sich mein Herzschlag zu einem ruhigen Rhythmus verlangsamt und mich auf der Welle der Einsamkeit in mein Unterbewusstsein trägt.

Die längst verblassten Narben an meinen Handgelenken jucken auf unnatürliche Weise und ich reibe den Reiz weg. Seit der grausigen Nacht vor so vielen Jahren erlebe ich den brutalen Albtraum wieder und wieder. Doch noch ist nicht die Zeit für meine Rache. Noch nicht.

Die damalige Flucht aus der Hölle war mehr Glück als Verstand und ich weiß bis heute nicht, wieso um diese Zeit die Tür des Verlieses einen Spalt offen stand. Egal. Ich bin rausgekommen.

Konnte entkommen.

Untertauchen.

Zwei Jahre bin ich von der Bildfläche verschwunden, um meine Wunden zu lecken. Mich neu aufzustellen. Mich vorzubereiten.

Es war eine andere Form der Hölle, aber diese habe ich mir selbst ausgesucht. Ein immanenter Unterschied.

Ich lebe in der Dunkelheit, verborgen in den Schatten und beschützt von den Albträumen all jener, die ich heimsuchen werde. Sie werden mich nicht kommen sehen. Denn sie denken, ich sei tot.

Wie könnte ein halbtotes sechzehnjähriges Mädchen auch die Flucht aus der Hölle überleben? Ohne Hilfe. Ohne Familie. Ohne Geld.

Wenn du nichts mehr hast, außer dein nacktes Leben, bist du zu allem bereit, es aufrecht zu erhalten. Jegliches Schamgefühl legte ich ab, denn diesen Luxus konnte ich mir nicht leisten. Ich habe gestohlen, gelogen und betrogen, um zu überleben. Um einen weiteren Tag zu ergattern, an dem ich die Scherben meines zerstörten Wesens zusammenfüge. Bis ich fand, wonach ich suchte, vergingen Wochen, die ich auf Müllhalden herumlungerte, mich von weggeworfenen Essensresten ernährte, und bettelnd auf der Straße hoffte, jemand würde sich meiner erbarmen.

Niemand tat es.

Die Welt ist grausam und kalt. Ein Ort, an dem nur die Starken überleben. Diejenigen, die bereit sind, dem anderen die Kehle herauszureißen und sich über alles zu erheben, was sich ihnen in den Weg stellt.

Das Jucken hat aufgehört. Dankbar sinke ich zurück in die Kissen und schließe die brennenden Augen.

Sie werden bezahlen.

Jeder Einzelne von ihnen wird für seine Gräueltaten bezahlen.

Kapitel 2

Michael

Wie hypnotisiert starre ich auf den Bildschirm, sehe, wie sie sich rastlos hin und herwirft. Wie sich die Bettdecke um ihre weichen Konturen schmiegt. Sie hat eine unruhige Nacht. Wie so oft.

Mit dem Zoom hole ich ihr Gesicht näher heran, betrachte gierig ihre geschwungenen Lippen, die langen, dunklen Wimpern, die ihre Wangenknochen wie seidige Fächer beschatten.

Erneut wälzt sie sich herum, wobei die Decke verrutscht und ihre langen, schlanken Beine und ihren prallen Arsch entblößen.

Fuck!

Sofort reagiert mein Schwanz.

War schon immer so.

Ein Blick genügt und ich verliere mich in der Sucht nach ihr.

Nie bringt es einer der gefallenen Engel zustande, mich ohne Aktion hart werden zu lassen. Ficken ist ein Grundbedürfnis, eine biologische Notwendigkeit unseres triebgesteuerten Wesens. Fortpflanzung steht ganz oben auf der stammhirnbasierten Agenda. Egal, wie kultiviert wir es verpacken mögen. Im Grunde sind wir wilde Tiere, die entweder im Kampf oder im Bett übereinander herfallen, um die eigene Art zu erhalten.

Nur laufen wir nicht mehr mit Knüppeln um Bäume herum oder hausen in zugigen Höhlen.

Keine Nacht vergeht, ohne, dass ich sie beobachte. Ich weiß, wann sie ins Bett geht, wo sie ihre Unterwäsche deponiert hat und welche Milchsorte sie bevorzugt. Wann sie ihre Tage hat. Wie sie ihr Haar trägt, wenn sie ausgeht. Wie viele Dildos sie in ihrem Nachtschrank unter den Seidenschals versteckt – kleines versautes Biest. Ich weiß, wie sie ihren Kaffee morgens trinkt und, dass sie freitags abends gerne ein ausgiebiges Schaumbad nimmt.

Bis auf zwei Jahre, in denen sie auf wundersame Weise wie vom Erdboden verschluckt war, weiß ich alles von ihr. Auf kranke, verdrehte Art ist sie mir vertrauter als alle Menschen in meinem Umfeld, obwohl wir uns nicht mehr getroffen haben. Nur dieses eine verstörende Mal.

Aber das werden wir.

Bald.

Ich werde ihre Schreie schlucken, ihre Verzweiflung trinken und ihren Schmerz kosten.

Beim Gedanken daran richte ich mit einem grimmigen Lächeln meinen Steifen in der Hose und könnte mir augenblicklich einen runterholen, dem Druck in meinen Eiern nachgeben, mit ihrem Bild vor Augen. Aber das geht nicht.

Ich bin hier, um einen Job zu erledigen.

Bei der Ausführung eines Auftrags kommt es auf Präzision, Harmonie und Hingabe an. Es ist eine Komposition aus Gewalt und Vergeltung, die einer vernichtenden Melodie folgt. Und ich bin ihr verfluchter Komponist.

Missmutig stecke ich das Handy zurück in die Tasche und betrete den hellerleuchteten Saal des Pariser Palais, in dem die Feierlichkeiten der diesjährigen Newcomer Preisverleihung im Bereich Kunst und Kultur stattfinden.

Die Firma meines Vaters steuert einen großen Teil des Preisgeldes bei und neben dem obligatorischen Händeschütteln muss ich als Repräsentant einen unserer Geschäftspartner an seine Verpflichtungen erinnern.

Nach einer weiteren Stunde elendig langer Reden und Beweihräucherungen wird die Gesellschaft in den angrenzenden Ballsaal gebeten und ich suche mein heutiges Ziel auf.

William Kendrick, ein obszön reicher Funktionär der Waffenlobby, der seit Langem vergeblich versucht, einen Fuß in den Kreis zu bekommen, steht mit einer Zigarre und einem aufgedonnerten Flittchen am Arm in ein Gespräch vertieft an der Champagner-Bar. Sobald er mich entdeckt, huscht ein wachsamer Ausdruck über sein feistes Gesicht.

»Mr. Bateman, wie schön, dass wir uns ...«

»Kommen Sie mit.« Ohne seine Antwort abzuwarten, marschiere ich zu einer der doppelflügeligen Terrassentüren, stoße sie auf und trete an die steinerne Balustrade des Balkons. Unzählige davon säumen den Palais.

»Was in Gottes Namen hat das zu ...« Bevor er den Satz zu Ende bringen kann, packe ich ihn am Kragen, wirble ihn gegen die Wand und drücke ihm mit dem Arm die Luft ab.

»Hören Sie zu, Sie fettes Schwein. Wenn Sie nicht bis morgen 12 Uhr den Rückzug Ihrer Firma aus Europa bekanntgeben, komme ich vorbei und werde persönlich dafür sorgen, dass Sie die Bekanntgabe veröffentlichen. Für diesen Aufwand werden Sie mir etwas schuldig sein. Überlegen Sie es sich gut, denn glauben Sie mir, Sie wollen mir nichts schuldig sein!«

Mit weitaufgerissenen, wässrigen Augen starrt er mich keuchend an, das Gesicht bereits knallrot. Ich gebe ihm gerade so viel Spielraum, um ein hustendes »Ja, ich werde es tun!«, stammeln zu können, und lasse ihn abrupt los, sodass er wie ein nasser Sack in sich zusammenfällt.

Angewidert spucke ich vor ihm aus, zupfe meine Hemdsärmel unter dem Dinnerjacket zurecht und gehe zurück zu der Party. Für die Aufnahme in unsere Bruderschaft ist Geld nicht das entscheidende Kriterium. Die Reputation und die Gesinnung sind neben Ehre, Loyalität und Rechtschaffenheit die Währung, mit der du dich einkaufen kannst. Allerdings scheitern fast alle bereits an Punkt eins.

Nach den Fotos für die Presse mit den diesjährigen Gewinnern des Kunstpreises sowie einigen informativen Gesprächen mit einem der europäischen Vertreter des Kreises über den schmierigen Mr. Kendrick, der nach der Bekanntgabe morgen Mittag von der Bildfläche verschwinden wird, bringt mich mein heutiger Fahrer ins Hotel zurück.

Sobald die Tür meiner Suite hinter mir ins Schloss fällt, zücke ich das Telefon und rufe die Spy-App auf. Ihr Bett ist leer. Ich switche zwischen den Kameras, die jeden Raum ihrer kleinen Wohnung überwachen, hin und her, bis ich sie im Badezimmer finde. Ihr Haar ist unter einem Handtuch versteckt, ihre Haut glänzt feucht und ich beobachte gebannt, wie sie sich abtrocknet. Ohne den Blick vom Bildschirm zu wenden, falle ich auf die Couch, öffne die Hose und greife meinen Schwanz.

Es klingt irrational, aber die Hand-Jobs mit ihr auf dem Screen sind weit befriedigender als jeder Clubbesuch und jede Session, die ich bislang hatte. Mein krankes Hirn speichert jede ihrer Bewegungen ab, damit ich sie jederzeit abrufen kann.

Als sie das Handtuch aufhängt und nackt vor dem Spiegel steht, massiere ich mir meinen stahlharten Schwanz. Sie cremt sich mit kreisenden Bewegungen ein, reibt die Lotion mit Mandelmilch-Duft, die sie letzte Woche gekauft hat, in ihre Haut und ich unterdrücke das gierige Stöhnen, als ihre Hände an ihren Brüsten angekommen sind.

Ich stelle mir vor, wie ich meine Hände um ihre vollen Titten lege, mit dem Daumen über ihre harten Nippel streiche und an ihnen sauge.

Ihre Hände gleiten über ihren straffen Bauch zu ihren Schenkeln und ich wichse meinen Schwanz härter, bis ich mit einem erstickten Aufkeuchen abspritze.

Der Moment war ein Rausch, im Kopf die Bilder, wie ich sie vollspritze, mit meinem Sperma abfülle und sie damit füttere. Jetzt ist die Tatsache, dass sie tausende Kilometer weit weg ist, sperrig und ich fühle mich auf seltsame Weise leer.

Angepisst werfe ich das Telefon beiseite und ziehe den jetzt versauten Anzug aus, bevor ich unter die Dusche springe.

Ich muss die Energie loswerden.

Dringend.

Mein Auftritt hat bewirkt, dass Mr. Kendrick tatsächlich am nächsten Mittag eine Pressemitteilung herausgab, in der er bekannt gab, seine Firma würde sich aus Europa zurückziehen, da sie sich auf das US-Geschäft konzentrieren wolle.

Nachdem eine Woche später alle nötigen Maßnahmen im Eiltempo getroffen wurden, blieb nur noch eines zu tun.

Der verzweifelte Schrei eines panischen Mannes ist wenig ruhmreich. Es widert mich an, wenn sie sich einpissen, betteln und winseln in Anbetracht der Strafe, die ihnen droht. Als hätten sie es nicht verdient. Als würde ihr weinerliches Gestammel etwas an der Tatsache ändern, dass sie bluten werden.

Der Erste der Ersten sitzt auf dem Knochen-Thron, der bereits seit Generationen seine Macht repräsentiert. Er ist aus den Knochen unserer Feinde gebaut und unterstreicht unsere unangefochtene Macht und Stärke. In einem ersten brutalen Akt der Vergeltung wurden die ersten Feinde des Kreises bei lebendigem Leib ausgeweidet – eine unmissverständliche Botschaft an alle Motherfucker da draußen, dass wir nichts für Schwäche übrighaben. Wir machen keine Gefangenen – wir vollstrecken Urteile.

Im alten Castell, in dem einige der Vollstreckungen durchgeführt werden, die Konzile tagen und das Herz des Kreises schlägt, haben wir uns versammelt. Diese altehrwürdigen Mauern haben, über Generationen hinweg, die schluchzenden Bitten und winselnden Geständnisse unserer Feinde vernommen, und der steinerne Boden wurde mit ihrem Blut getränkt. Die anderen elf Ältesten stehen im Halbkreis hinter ihm, die kalten Blicke unter den schwarzen Masken auf den stinkenden Fettsack, der auf dem Boden vor ihnen kniet, gerichtet.

»Wir dulden keine Vertragsbrüche. Sie werden mit Blut gesühnt.« Die Stimme des Ersten der Ersten klingt angeekelt. »Sie sind eine Schande für Ihresgleichen. Das Gleichgewicht muss wieder hergestellt werden. Wir brauchen Stärke und Loyalität an den Schnittstellen der Welt.«

»Bitte, ich ... ich kann das erklären. Ich wollte ...« Sabbernd stammelt Kendrick herum, doch die harte Rückhand Nathans reißt seinen Kopf zur Seite und er landet bäuchlings, von der Wucht herumgeschleudert, auf dem grauen Marmorboden, wobei er Blut ausspuckt.

»Ihre Beweggründe spielen keine Rolle mehr. Sie hätten damit zu uns kommen können, doch Sie zogen es vor, eigenmächtig zu handeln. Den Preis dafür erhalten Sie nun. Leben Sie wohl, Mr. Kendrick.«

Ich entsichere meine Heckler & Koch P30L V1, während Nathan das fette Schwein zurück auf die Knie hievt. Er ist derart verstört, dass er nicht mal bemerkt, wie ich die Waffe auf seine Brust richte. Er murmelt in seinem Wahn vor sich hin, blendet seine Umwelt aus.

Laut hallt der Schuss durch den Raum, trifft präzise und lässt eine dunkelrote Blüte auf seinem tausend Dollar maßangefertigten Seidenhemd erblühen. Der zweite durchbohrt den Schädel, den nun ein kleines, blutiges Loch in der Stirn ziert. Kendrick sackt in sich zusammen, kippt mit weit aufgerissenen, leblosen Augen zur Seite. Die Blutlachen, die aus seinem zerstörten Hinterkopf und seiner Brust rinnen, heben sich von dem blankpolierten Steinboden ab.

»Wir danken den Vollstreckern für ihre Dienste.« Der Erste der Ersten neigt den Kopf, ebenso wie die anderen elf Ältesten, die danach geordnet den Saal verlassen. Sie werden einen neuen CEO für Kendricks Firma einsetzen, um zu gewährleisten, dass es keine weiteren Fehltritte geben wird.

»Das war spaßig.« Nathan grinst mich dreckig an. Seine Kaltblütigkeit wird nur durch seine Hingabe als Vollstrecker getoppt. Er ist ein krankes Arschloch, ein Soziopath durch und durch, der mit seinem narzisstischen Sadismus wahre Wunder vollbringen kann. Gegen ihn wirke ich wie ein Waisenknabe.

Dort, wo ich mich in der Angst meiner Opfer suhle, braucht er den Geschmack von Blut auf seiner Zunge.

Ich sichere die Pistole, als vier Novizen hereinkommen, bepackt mit einer Plastikplane, Panzertape und Bleichmittel sowie Schrubbern und Eimern. Wie ich es seinerzeit verabscheut habe, den Dreck anderer wegzuwischen.

Jetzt grinse ich gehässig einem der Knaben zu, der sofort den Blick senkt und sich seiner Aufgabe widmet. Nathan schnalzt missbilligend mit der Zunge, als einer der Novize würgend die Knochensplitter mit blutiger Hirnmasse vom Boden aufwischt.

»Diese Weicheier sollen mal in meine Fußstapfen treten? Herrgott, wie erbärmlich.«

»Lass gut sein. Du bist durch die gleiche Hölle gegangen«, erinnere ich ihn an unsere eigene Ausbildung. Jeder Knabe aus den zwölf altehrwürdigen Gründungsfamilien des Kreises durchläuft die brutale Schule bis zum Ritual, und wer zerbricht, den findet man möglicherweise als zerstörten Kadaver auf irgendeiner Müllhalde mitten im Nirgendwo wieder. Für Schwächlinge ist kein Platz im Kreis.

Mit einer verächtlichen Grimasse stolziert Nathan davon, sicher, um sich eine der Kurtisanen zu nehmen und Dampf abzulassen. So war er schon immer.

Mein Weg führt mich in das Büro, in der mich der Erste der Ersten erwartet. An einer der Wände hängen unzählige Bildschirme, die unsere weltweit angesiedelten Zweigstellen zeigen. Ungerührt bleibe ich einen Meter vor dem monströsen Eichenschreibtisch stehen, auf dem sich eine hochmoderne Computeranlage zwischen Akten, Büchern und Urkunden befindet. Dahinter sitzt der Erste der Ersten, lässig die Hände gegeneinander gelegt und sieht mich durch die Aussparungen seiner weißen Maske hindurch an.

Die Identität des Ersten der Ersten ist für jedes Mitglied außerhalb des Führungskreises ein Mysterium. So sichert sich der Kreis die Loyalität seiner Jünger und hält eine natürliche Ordnung aufrecht. Zu viele Geheimnisse und zu viel Macht vereinen sich auf diesem Posten und keiner will riskieren, dass auch nur eine Ahnung dessen in falsche Hände fällt.

Wir lenken das gesamte Weltgeschehen, angefangen von Wirtschaft, Politik, Forschung, Informationen, Rüstungsindustrie, Religion und Showbusiness. Jede Konsumentscheidung wird durch uns gesteuert. Jede Idee von uns geprüft. Es gibt keinen Winkel der Welt, in dem wir nicht unsere Leute positioniert hätten.

Und doch sind unsere Feinde zahlreich.

Mafiöse Strukturen sind nur ein Teil der erbitterten Gegenwehr, die unsere Geschäfte torpedieren. Wir sind die Antwort auf die Korruption, auf die Kriminalität und jeden Fanatiker, der sich über Gesetz und menschliche Moral erheben will.

Klingt irrational, bedenkt man die Methoden des Kreises. Aber Feuer wird mit Feuer bekämpft. Wir müssen härter, gnadenloser und brutaler zuschlagen als der Feind und gleichzeitig unsichtbar bleiben. Monster im Maßanzug.

Denn wir können tun, was die offiziellen Behörden nicht können: Vergeltung üben.

»Warum hat die Sache so lange gedauert?«

Die Hände vor dem Körper zusammengelegt, den Kopf gesenkt, formuliere ich die Antwort diplomatisch. »Die Feierlichkeiten der Preisverleihung sollten nicht durch das Ereignis unterbrochen werden.«

Eisiges Schweigen füllt den Raum. Die Ausrede ist schwach, doch zuzugeben, dass ich in den letzten beiden Wochen mit dem gefallenen Engel beschäftigt war, käme einer Blasphemie gleich. Private Dinge haben im Kreis keinen Platz.

»Solltest du noch ein einziges Mal deine Belange über die deines Auftrages stellen, wird Blut nicht ausreichen, um für diese Sünde zu büßen.«

»Ich werde Euch nicht enttäuschen.«

»O und ob du das wirst, Michael. Es liegt dir im Blut.« Die Anspielung auf mein hitziges Temperament und meine eigenmächtigen Ausflüge sind nur eine weitere Manipulation, die mir verdeutlichen soll, in wessen Händen mein Leben liegt. Das missbilligende Zischen unter der weißen, schlichten Maske klingt wie ein krepierender Köter. »Geh mir aus den Augen.«

Den Kopf demütig gesenkt, gehe ich drei Schritte rückwärts, bevor ich mich umdrehe und die Tür erreiche.

»Ach, und Michael?« Abrupt bleibe ich stehen. »Das ist deine letzte Warnung.«

Ich drehe den Kopf in seine Richtung, nicke kurz zur Bestätigung und reiße die Tür auf, die ich hinter mir krachend ins Schloss fallen lasse.

FUCK!

Vor einer Ewigkeit

Verschluckt von den Schatten schleicht der Sechzehnjährige zu den Verliesen tief unter dem Dormitorium, in dem die anderen Novizen schlafen. Die Schatten beruhigen ihn, denn in ihnen wird er unsichtbar. Obwohl das Gemäuer uralt ist, wurde es über Generationen hinweg instandgehalten – mit Blut, Schweiß und Tränen. Er spitzt die Ohren, lauscht auf jedes noch so zarte Geräusch, doch die Gänge vor ihm liegen totenstill da.

Wenn man ihn hier unten erwischt, wird es übel für ihn ausgehen. Die Züchtigung wird dann das Geringste seiner Probleme sein, aber das ist ihm egal. Besessen von dem Gefühl, das er vor zwei Jahren erlebt hat, geht er das Risiko ein. Eine Verbindung, geschmiedet aus Hass und Dunkelheit.

Jede Narbe, jeder Schmerz, den er seitdem davongetragen hat, verstärken diese Verbindung in ihm, auch wenn es einseitig ist. Aber er wird das korrigieren.

Unter seiner Haut prickelt es wie tausend glühende Nadelstiche, als er lautlos zu dem Eingang in die Katakomben huscht, dem Winkel der Kameras ausweichend. Er kennt jedes Geheimnis der Residenz auswendig. Besonders die, die man besser nicht kennen sollte. Hat sich unzählige Male in ihren düsteren Gängen versteckt und harrte tagelang dort aus, nachdem er an seiner Hilflosigkeit erstickte. Aus den Schatten wiedergeboren stieg er empor, gestählt und bereit, alles zu ertragen, was nötig wäre, um zu bekommen, was er so sehnsüchtig begehrte.

Ächzend zwängt er sich in den schulterbreiten Gang, der in einem Hohlraum endet, von dem aus man in die Verliese spähen kann. Durch die Dämonenlöcher.

Seine Schultern und Knie sind aufgeschürft, doch das juckt ihn nicht. Sein Blick starrt gebannt durch die kleinen Aussparungen der Dämonenfiguren, die auf der anderen Seite der Mauer angebracht sind.

Seidig schimmern die beiden dicken, dunkelbraunen Zöpfe im Licht der Laternen auf dem schmalen Rücken des Mädchens, das auf der Pritsche in der Zelle sitzt. Den zarten Körper umhüllt ein weites, weißes knöchellanges Hemd. Es ist nicht kalt hier unten, und doch weht im Gefängnis gefallener Träume der eisige Hauch des Scheiterns.

Ihre Haut wirkt fast transparent, so weiß ist sie – faszinierend. Den Rücken kerzengerade, die langen Arme und Beine elegant und gleichzeitig durchtrainiert, gleicht sie einer Ballerina. Die Mädchen im Gefängnis gefallener Träume erhalten eine Ausbildung in allen Künsten der Lust. Werden abgerichtet zu dienen. Zu knien.

Sein Blick fängt jedes Detail ihres Körpers auf, seine Fingerspitzen erinnern sich an die feine Textur ihrer Haut zwischen ihren Beinen. An ihren wilden Blick, hasszerfressen und dunkel. Er ist hart. Schmerzhaft hart beim Gedanken, an den einen Moment, in dem sie ihn mit ihren riesigen, dunklen Augen ansah, als er ...

Ein Schauer durchfährt sie und sie dreht den Kopf in die Richtung der Dämonenfigur.

Er erstarrt.

Sie kann ihn unmöglich bemerkt haben. Die Wände sind aus dicken Steinquadern. Niemand in der Bruderschaft erinnert sich an die Dämonenlöcher. Und doch ...

Sie erhebt sich in einer fließenden Bewegung und schlingt schützend die Arme um ihren Körper. Da bemerkt er es.

Kochend heiße Wut ballt sich in seinem Bauch zusammen. Er will die Wände einreißen, die ganze Residenz niederbrennen, will die Welt zerstören, um ihr einen weiteren Tag zu ersparen. Aber das kann er nicht.

Ihre Handgelenke zieren rote Wundmale – sicher von Seilen, Stricken oder sonstigen Fesseln – die sich wütend von der hellen Haut abheben. Blitzlichtartig prasseln die Bilder des Abends auf ihn ein und er würgt bittere Galle hoch, spuckt keuchend auf den Boden und bemüht sich, den Würgereflex zu unterdrücken.

Als er erneut durch die Dämonenlöcher schaut, ist sie verschwunden.

Mit einem stummen Fluch auf den Lippen schließt er die Augen, schwört, dass er sie beschützen wird ... lächerlich.

Niemand entkommt dem Kreis!

Die ganze Nacht über hat er ihr Gesicht vor Augen. Ihren zerrissenen Blick, der unruhig nach der Gefahr in der Dunkelheit sucht. Dabei ist sie direkt vor ihr. Sein innerer Dämon flüstert ihm heiser zu, dass er sich nur nehmen muss, was er will.

Sie brechen und benutzen kann, egal, wann er es will.

Aber das kann er nicht.

Das hat er ihr in jener Nacht stumm geschworen, als sie ihn mit in ihre Finsternis gezogen hat. Versonnen reibt er über seine Handrücken, auf dem die feinen, blassen weißen Halbmonde ihrer Nägel zu sehen sind. Die Wundheilung hat er, so lange es ging, aufgehalten – mit einer Lösung aus Essig und Zitrone, damit sie in seiner Haut konserviert bleiben. Er hat sie mit ein bittersüßes Siegel ihres Bündnisses.

Sie ist seine Obsession.

Sein Fluch.

Aber er stand bereits in der Hölle und wollte nur den gefallenen Engel vor dem vernichtenden Aufprall retten. Doch der Engel ist aufgeschlagen. Gebrochen und verstümmelt hockt er nun in einer Welt, in die ein so zartes Geschöpf nicht hingehört, und muss jeden Tag gegen geifernde Dämonen kämpfen. Sie rissen ihm die Flügel aus, verbrannten diese lachend auf dem sündigen Scheiterhaufen aus Verachtung und fraßen sich satt an des Engels unschuldiger Seele.

Jetzt schlägt in des Engels Brust nur noch ein schwarzer Klumpen öligen Teers, zusammengehalten aus Wut und Hass, bis es aufhört zu schlagen – oder sie es ihm aus der Brust schaben werden.

»Du bist eine Schande für die Familie!« Donnernd landet die Faust seines Vaters auf dem Tisch, sodass das feine chinesische Teeservice darauf gefährlich klirrt. »Wie kannst du es wagen, jemanden für eine so banale Sache zu bestechen?« Seine Mutter verzieht pikiert den perfekt geschminkten Mund, während sein Vater seinen stechenden Blick auf ihn heftet. »Ich wurde vorgeladen. Deinetwegen! Also was bitteschön soll ich denen erzählen? Mein Sohn hat den Verstand verloren und glaubt, er könne sich über die Gesetze des Kreises hinwegsetzen?«

Ohne die Miene zu verziehen, steht der Sechzehnjährige vor seinen Eltern, die seit einer halben Stunde das Verhör durchführen, bei dem er stur den Mund hält. Er wird die Strafe für seine Verfehlung akzeptieren, egal, wie hart sie ausfallen wird. Denn er hat bekommen, was er wollte. Den Namen des gefallenen Engels.

»Es wird Konsequenzen haben. Sie werden dich beobachten. Du verlierst womöglich deine Privilegien.«

Scheiß drauf!

Unbeugsam sieht er seinem Vater in die Augen.

»Warum war dir das so wichtig?« Die Frage seiner Mutter ist simpel und doch voller Fallstricke. Ihre scharfe Zunge brachte schon so manch einen in Schwierigkeiten oder rettete ein Leben – ganz wie es ihr gerade gefiel. Sie würde selbst vor ihrem Sohn nicht haltmachen, sollte davon ihr eigener tadelloser Ruf abhängen.

Eine Welt aus Schmerz und Loyalität gebiert nichts Gutes.

Der Blick des Jungen, kalt und unnahbar, fixiert seine Mutter, die ihn ansieht, als wäre er ein missglücktes Experiment. »Ich werde meine Sünde bereuen.«

Ihr abwertendes Schnalzen ist ihm Antwort genug.

In dieser Nacht träumte er von silbernen Engelstränen, die von langen, dunklen Wimpern auf seine schwarze Seele fallen.

DELTA

Die SCHÖPFUNG

Wenn die Rechtsstaatlichkeit aussetzt, die Bösen gewinnen, weil sie kaltlächelnd den Preis bezahlen, den es kostet, um Beweise zu manipulieren, Zeugen verschwinden zu lassen oder Polizisten und Richter zu bestechen, wenn das System versagt, dann fällt die Bruderschaft des Kreises das Urteil.

Und jedes Urteil muss vollstreckt werden.

Mit allen Mitteln und aller Härte.

Darauf wurden die Anwärter seit ihrer Geburt vorbereitet.

Gestählt in der härtesten und unmenschlichsten Schule der Welt – die des Kreises.

Sie sind die Vollstrecker.

Geschmiedet in der perfekten Tötungsmaschinerie unserer Zeit.

Verdammt dazu, in Blut bezahlt zu werden.

Sie werden zu einem einzigen Zweck gezüchtet: Vernichtung.

Sie sind die Ausgeburten der Hölle selbst.

Werden in deren Feuern einer skrupellosen martialischen Bruderschaft zu einer Waffe geschmiedet, die selbst den Teufel zurückschrecken lässt.

Sie tragen keine Tattoos, wie die Bratwa, die Gomorrha, das Medellín-Kartell, die Triaden oder Yakuza, um zu zeigen, was für harte Kerle sie sind. Diese Schwanzverlängerung brauchen sie nicht.

Ihre Zierden sind jene aus purem Schmerz gewonnenen Markierungen, die sie als die Monster kennzeichnen, die sie sind. Sie tragen ihre Narben voller Stolz, denn sie sind ungebrochen.

Sie beugen sich niemandem, außer dem Rat der Ersten oder Gott dem Allmächtigen selbst.

Kapitel 3

Michael

Trotzig starrt mich die Frau aus ihrem dreckverkrusteten Gesicht an. Die aufgeplatzten Lippen fest zusammengepresst. Sie ist ein zähes Miststück, das muss ich zugeben. Seit einer Stunde hält sie trotz der schmerzhaften Prozedur eisern den Mund. Bemerkenswert. Doch die kleine Schlampe wird uns ihre Geheimnisse preisgeben – so oder so.

Nathan lehnt gelangweilt, die Arme vor der Brust verschränkt, an einem der OP-Tische, die in der »Werkstatt« der abgefuckten Gruppe aufgestellt sind. Den ausdruckslosen Blick auf die Frau gerichtet, die uns so tapfer entgegenstarrt.

»Ehrlich, ich habe Hunger. Können wir das Miststück nicht einfach abknallen? Da drüben hocken noch drei weitere Kandidaten, die uns verraten könnten, wo sie die Kinder festhalten.«

»Hol mir das verfluchte Handtuch und den Kanister«, belle ich ihn barsch an. Mit einem verächtlichen Laut stößt er sich vom OP-Tisch ab und stapft durch den gekachelten Raum zum Regal, in dem zwanzig Zehnliter-Kanister Wasser, eine aufgeladene Autobatterie mit Überbrückungskabeln, diverse Werkzeuge und ein Bunsenbrenner stehen.

Wir hängen seit einer Woche in diesem Ratten verseuchten Loch am Arsch der Welt fest, um den Wichsern hier zu demonstrieren, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Allerdings müssen wir vor ihrer Exekution ihre Opfer finden und in Sicherheit bringen, was sich gerade als etwas komplizierter herausstellt, als wir ursprünglich angenommen haben.

Ich wende mich wieder unserem Ehrengast zu, die mich hasserfüllt ansieht und mir ihren blutigen Auswurf vor die Füße spuckt. Ihr dreckiges Lachen klingt wie im Wahn. Als wir sie und ihre Gang vor drei Tagen hochgenommen haben, waren sie alle vollgepumpt mit irgendeiner Droge, die wir nicht kennen, doch das spielte keine Rolle. Der kalte Entzug, den sie alle durchmachen, zerfrisst gerade ihre Hirne, fickt ihren kümmerlichen Verstand und das, was davon übrig bleibt, nehmen Nathan und ich auseinander. Stück für Stück.

»Letzte Chance, Schlampe. Wo sind die Kinder?« Wieder beantwortet sie meine Frage mit einem hässlichen Lachen, bleckt die gelben, zerfressenen Zähne, von denen einige bereits abgebrochen sind. »Na schön. Deine Entscheidung.«

Nathan stellt den Kanister auf den Boden, hilft mir den Stuhl, auf dem unser Gast festgekettet ist, ein Stück nach hinten zu kippen, sodass sie nur von zwei Ketten über einen Seilzug in der Schwebe gehalten wird. Einen kreischenden Fluch ausstoßend zerrt sie an ihren Fesseln.

Ich schnappe mir das Handtuch, tränke es in Wasser und gehe auf sie zu. Ihr wilder Blick schießt zu dem Tuch, dann zu mir. Da wir wie üblich schwarze Sturmhauben tragen, sieht sie nur unsere Augen, doch in ihnen findet sie kein Mitleid oder Bedauern. Nur eiskalte Berechnung. Sie weiß genau, was jetzt kommt. Ersticken ist eine echt beschissene Methode, draufzugehen. Und egal, wie gut dein Training ist, daran zerbricht jeder.

Nathan positioniert sich hinter ihr, während ich neben ihr das Handtuch zwischen den Händen halte.

»Bist du dir sicher?« Kalt starre ich sie an. Aber anstatt sich ihren Atem zu sparen, schreit sie mir Verwünschungen entgegen. Das Handtuch landet auf ihrem Gesicht. Ich halte die Seiten stramm, während Nathan langsam Wasser aus dem Kanister auf das feuchte Tuch gießt. Die wütenden Schreie enden in einem gurgelnden Krächzen und hustendem Luftschnappen. Ihr Körper bebt vor Anstrengung und krampft verzweifelt. Wir passen den Moment ab, an dem sie zu viel Wasser in die Lungen bekommen würde, und lassen den Stuhl nach vorne kippen. Forsch reiße ich das nasse Tuch von ihrem Gesicht und beobachte, wie sie panisch nach Luft japst, jede Menge Wasser ausspuckt und röchelt, als der lebensspendende Sauerstoff ihre strapazierten Lungen flutet.

Kaum hat sich die Schlampe vom ersten Schock erholt, lassen wir die Prozedur von vorne beginnen – wieder und wieder und wieder.

Zwanzig Minuten später haben wir eine Adresse.

Bevor Nathan sich an ihr vergreifen kann, jage ich dem Miststück eine Kugel in die Brust und eine in den Kopf. Sein wütender Blick ist mir scheißegal, denn ich habe die Schnauze voll, mich mit diesen Wichsern zu beschäftigen.

»Du bist ein verfluchtes Weichei, Bateman«, ruft er mir hinterher. Ich halte nur meinen Mittelfinger hoch und er stößt ein kehliges Lachen aus.

Unsere Crew infiltriert lautlos das abbruchreife Gebäude am Stadtrand, in dem wir die Drahtzieher dieser Organisation verhört haben, und schaltet systematisch alle Wachen aus. Die beiden Frauen im Team befreien die zehn Mädchen, alle zwischen elf und vierzehn Jahren, und geleiten sie aus dem stinkenden Pferch, in dem sie in ihrer eigenen Pisse und Scheiße tagelang hocken mussten, hinaus in die Freiheit. Ein Ärzteteam wartet bereits auf sie, wäscht sie, untersucht die Kinder auf Verletzungen, Krankheiten und verabreicht ihnen ein Breitband-Antibiotikum, um mögliche Erreger sofort zu eliminieren. Einige der Mädchen wurden schon vergewaltigt, wie uns die Chefärztin erschüttert mitteilt, und unbändige Wut kocht in mir hoch.

Süße Engel mit gebrochenen Flügeln.

Wir sind ebensolche Monster, wie die, die wir bekämpfen.

Wo ist der Unterschied, wenn man Menschen in Stücke reißt und sie in die Hölle schickt?

Nur der Ausgangspunkt ist ein anderer.

Sonst nichts.

Wir machen die Arbeit der Bewahrer erst möglich, denn wir sind das notwendige Übel.

Zurück in der Residenz wird unser Einsatz gelobt und Nathan sonnt sich in der Beweihräucherung der Ersten. Parker war in London und konnte uns nicht begleiten, doch er ist gestern zurückgekommen und hat von unserem Erfolg gehört.

Jetzt sitze ich mit Parker bei einem Drink vor dem riesigen, steinernen Kamin im Herrenzimmer und verarbeiten die Scheiße, die wir erlebt haben.

»Das ist ganz schön heftig.«

»Kannst du laut sagen«, pflichte ich ihm bei.

»Wie war er drauf?« Parkers Frage gilt Nathan, denn dieser ist der abgefuckteste von uns dreien. Der, den du losschickst, um unaussprechliche Dinge zu tun und deine Feinde auf bestialische Weise zu vernichten. Der, der dabei keinen emotionalen Schaden nimmt.

»Er hat es genossen.«

Schnaubend kippt Parker seinen Drink in einem Zug hinunter. »Klar doch.«

»Ich habe es beendet, bevor er loslegen konnte.«

»Verstehe.«

Schweigend starren wir beide in die tanzenden Flammen. Dann lenke ich das Gespräch auf ein heikles Thema – davon haben wir reichlich. »Was ist an der Sache mit ...«

»Halt deine beschissene Klappe, Bateman!« Sein wutverzerrtes Gesicht sagt mir alles, was ich zu dem Gerücht einer möglichen Verbindung seiner Familie und einer anderen aus dem Führungszirkel wissen muss. Somit ist es bereits beschlossen und er wird sich seinem Schicksal fügen müssen. Anderenfalls könnte er alles verlieren, was ihm wichtig ist, und das ist nicht sein Leben.

Wir sind berechenbar, steuerbar und austauschbar. Zumindest teilweise.

Auch wenn unsere Familien seit Generationen im Kreis fest verankert sind, bedeutet das nicht, dass wir uns über alles hinwegsetzen können. Im Gegenteil.

Auf uns sind alle Augen gerichtet, wir sind die Vorbilder, diejenigen, die den Takt vorgeben.

Scheitern wir, wird ein Exempel statuiert.

Fuck, das weiß ich besser als jeder andere.

»Sie könnte ...«

»Wird sie nicht. Sie wird sein, wie jede der Ehefrauen. Und ich werde ein beschissener Ehemann in einem beschissen, arrangierten Zirkusakt sein.« Parkers gutgeschnittenes Gesicht verzieht sich zu einem kalten Lächeln.

Wir beide haben früh herausgefunden, dass im Kreis nicht alles Gold ist, was glänzt. Im Gegenteil. Wenn ich an meine Mutter denke, schießt der alte Hass durch meine Adern. Es ging nie um Familie.

Es ging um Arterhaltung.

Um Blutlinien.