Dr. Stefan Frank 2849 - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2849 E-Book

Stefan Frank

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Erschrocken dreht sich Dr. Stefan Frank um, als plötzlich das Auto seines jungen Nachbarn Paul Öhling aus der Einfahrt schießt und in ein paar Mülltonnen kracht. Und noch mehr erschreckt er sich, als er hinzueilt und sieht, dass Paul bewusstlos im Sitz zusammengesunken ist, nur gehalten vom Anschnallgurt. Der erfahrene Arzt weiß: Jetzt zählt jede Sekunde. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Alexandra zieht er Paul aus dem Auto und beginnt sofort mit der Wiederbelebung, bis Krankenwagen und Notärztin eintreffen. Paul überlebt - doch das Trauma, für kurze Zeit tatsächlich tot gewesen zu sein, verändert den jungen Mann. Medizinisch kann Stefan Frank ihm helfen, seinen Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen, doch die Seele vergisst nicht so schnell. Paul leidet unter Panikattacken und Angstzuständen und stürzt in eine tiefe Krise, die auch die noch frische Beziehung zu seiner neuen Freundin Stella auf eine harte Probe stellt ...

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Paul erleidet einen Herzinfarkt am Steuer

Erschrocken dreht sich Dr. Stefan Frank um, als plötzlich das Auto seines jungen Nachbarn Paul Öhling aus der Einfahrt schießt und in ein paar Mülltonnen kracht. Und noch mehr erschreckt er sich, als er hinzueilt und sieht, dass Paul bewusstlos im Sitz zusammengesunken ist, nur gehalten vom Anschnallgurt. Der erfahrene Arzt weiß: Jetzt zählt jede Sekunde. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Alexandra zieht er Paul aus dem Auto und beginnt sofort mit der Wiederbelebung, bis Krankenwagen und Notärztin eintreffen.

Paul überlebt – doch das Trauma, für kurze Zeit tatsächlich tot gewesen zu sein, verändert den jungen Mann. Medizinisch kann Stefan Frank ihm helfen, seinen Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen, doch die Seele vergisst nicht so schnell. Paul leidet unter Panikattacken und Angstzuständen und stürzt in eine tiefe Krise, die auch die noch frische Beziehung zu seiner neuen Freundin Stella auf eine harte Probe stellt ...

»Schade, dass Andrea und Markus wegziehen.« Alexandra Schubert stand vor dem Spiegel im Bad und legte die goldenen Ohrhänger an, mit denen ihr Lebensgefährte Dr. Stefan Frank sie neulich überrascht hatte. Mit kritischem Blick fuhr sie sich durch die hellbraunen Haare, die in weichen Locken über ihre Schultern fielen. Trotz der Trauer über den Wegzug ihrer Nachbarn erfüllte sie ein wohliges Kribbeln. »Andererseits freue mich schon auf die Party.«

»Das kannst du auch. Die beiden sind ja nicht aus der Welt.« Stefan trat hinter seine Liebste. Ihre Blicke trafen sich im Spiegel. »Ihre neue Wohnung liegt nur ein paar Minuten zu Fuß von hier entfernt. Wir können uns also so oft sehen, wie wir wollen.«

»Vorausgesetzt, die beiden reiten nicht gerade auf einem Kamel durch die Sahara oder besichtigen Hobbit-Höhlen in Neuseeland.«

Nicht nur wegen ihrer Reisepläne hatten Stefan Franks langjährige Nachbarn Andrea und Markus Wagenknecht beschlossen, sich zu verkleinern. Mit fortschreitendem Alter war ihnen die Arbeit im großen Garten zu viel geworden. So hatten sie die Kündigung der Mieter ihrer Eigentumswohnung zum Anlass genommen, sich zu verkleinern. Gleich nach der Abschiedsparty stand der Umzug an.

»Können wir?«, fragte Stefan seine Lebensgefährtin.

»Gleich. Ich muss nur noch schnell einen Pullover holen, falls es später kühl wird.«

Es war einer dieser magischen Tage, die es nur im Herbst gab. Die Sonne strahlte vom blitzblauen Himmel. Golden leuchtete das Laub der Bäume, gestochen scharf in der klaren Luft.

»Bin schon da«, sagte Alexa. »Es kann losgehen.«

Während sie in die Jacke schlüpfte, bückte sich Stefan nach dem Korb mit den Spinatknödeln und den Rohrnudeln mit Vanillesauce, die sich Andrea und Markus fürs Büffet gewünscht hatten. Außerdem nahmen sie noch eine Packung von dem feinen Kaffee mit, einer Spezialröstung aus dem Münchner Umland, den die beiden so gerne tranken. Ein Blumenstrauß durfte natürlich auch nicht fehlen.

»Ach, übrigens ...« Stefans Blick ruhte auf Alexandras Füßen. »Diese dicken Socken passen wirklich perfekt zu deiner neuen Hose. Aber meinst du nicht, dass dir damit im Garten etwas kalt wird?«

Alexa sah nach unten, auf ihre heiß geliebten Stricksocken – handgemachtes Geschenk einer dankbaren Patientin. Lachend schlüpfte sie in festes Schuhwerk, und kurz darauf waren sie auf dem Weg. Weit hatten sie es nicht. In der Vergangenheit hatten sie meistens das Türchen benutzt, das am Ende des Gartens versteckt zwischen ein paar Büschen lag. Doch zu diesem feierlichen Anlass wählten sie den offiziellen Weg über das Gartentor.

Die lachsfarben gestrichene Villa mit der dunkelbraunen Haustür und den Fensterläden war herbstlich dekoriert. Auf den Fensterbänken lagen Zierkürbisse, Wildrosenzweige mit roten Hagebutten und Körbe voller Kastanien. Neben der Haustür posierte ein riesiger Kürbis auf einem Ballen Stroh. Wegen der milden Temperaturen standen Bierbänke und Tische im Garten verteilt, auch sie hübsch dekoriert.

»Sieh nur, wie viel Mühe sich Andrea und Markus gemacht haben«, staunte Alexa.

Die beiden hatten damit gerechnet, die ersten Gäste zu sein. Mit Andrea hatte Alexa vereinbart, früher zu kommen, um ihr bei den Vorbereitungen zur Hand zu gehen. Aber Stella Mathä war schon da, Andreas vierundzwanzigjährige Patentochter. Sie hatte die gleiche Idee gehabt und war schon vor einer halben Stunde mit einer Schüssel Kartoffelsalat und viel Elan hereingeweht.

Stefan und Markus verschwanden im Partyzelt, um die kulinarischen Mitbringsel auf dem Buffet unterzubringen. So hatten die drei Frauen ein wenig Zeit für sich, bevor die Party losging.

»Ich fände es schrecklich, wenn wir aus der Villa ausziehen würden«, dachte Alexandra laut nach.

»Bei euch ist das ja auch etwas anderes«, hielt Andrea dagegen. »Stefan betreibt im Erdgeschoss die Praxis und ihr habt nur die Wohnung im ersten Stock, statt ein ganzes Haus. Ihr habt eine Haushälterin und seid außerdem noch viel jünger als wir. Da fällt die Gartenarbeit noch nicht so schwer.«

»Gib's doch zu, dass das nur eine Ausrede ist«, neckte Stella ihre Patentante. »In Wahrheit habt ihr keine Lust, eure kostbare Zeit mit Rasenmähen und Unkraut rupfen zu verschwenden.«

»Erwischt.« Andrea lachte. »Da gehen wir lieber auf Reisen, zumal wir ja endlich in Rente sind.«

Sie freute sich, dass ihre Patentochter nach einer herben Enttäuschung ihren Liebeskummer überwunden hatte und endlich wieder lachen konnte. Und wer wusste es schon – vielleicht hielt auch schon bald wieder ein verliebtes Leuchten in ihre Augen Einzug. Die Weichen dafür hatte Andrea jedenfalls gestellt. Doch das ahnte Stella nicht und bemerkte auch das schelmische Funkeln in den Augen ihrer Patentante nicht. Nur Alexa erriet, dass ihre Freundin etwas im Schilde führte. Aber was? Ehe sie fragen konnte, klingelte es an der Tür. Die nächsten Gäste trafen ein. Die Party konnte beginnen.

***

Stella zwickte sich unauffällig in den Arm, um sicherzugehen, dass sie nicht träumte. Auf der Suche nach ihrem Platz hatte sie ihr Namenskärtchen an einem der mit Efeuzweigen und Walnüssen dekorierten Tische gefunden. Direkt gegenüber saß ein Mann, der ihr irgendwie bekannt vorkam. Die breiten Schultern, das modern geschnittene, kurze Haar, dieses Lächeln ...Vertieft in ihre Betrachtungen stieß sie gegen ein Glas. Apfelsaftschorle ergoss sich über den Tisch und tropfte auf seine Hose.

»Oh nein, es tut mir so leid. Ich übernehme natürlich die Reinigungskosten.«

Ihre Wangen brannten vor Verlegenheit.

»Nicht nötig. Andrea und Markus überlassen mir ihre Waschmaschine. Die wird das schon schaffen«, winkte er ab und betupfte den dunklen Fleck mit einer Serviette.

Diese Reaktion erleichterte Stella zutiefst. Ihr Ex-Freund wäre entweder sofort nach Hause gefahren, um sich umzuziehen, oder im Badezimmer verschwunden, um den Fleck auszuwaschen. Anschließend hätte er sein Bestes getan, um ihr das Fest gründlich zu vermiesen. Sein Talent, schlechte Laune zu verbreiten, war legendär gewesen. Umso weniger verstand sich Stella im Nachhinein, warum sie so lange an dieser destruktiven Beziehung festgehalten hatte.

Doch diese Zeiten waren zum Glück ein für alle Mal vorbei. Jetzt war ihr Leben wieder schön und ganz besonders dieser Tag. Die Gäste, eine bunte Mischung aus Freunden, Nachbarn und Kollegen von Andrea und Markus, unterhielten sich blendend. Das Buffet war köstlich und das Wetter perfekt. Und dann noch der Mann auf dem Platz gegenüber. Stella musterte ihn erneut, sah in seine braunen Augen ... Ihr Herz setzte einen Schlag aus.

»Paul, bist du das etwa?«

»Na endlich.« Er lachte belustigt auf. »Ich dachte schon, du würdest mich nicht wiedererkennen.«

Einmal geöffnet, strömten die Erinnerungen durch die Tür in Stellas Kopf.

»Das ist Jahre her! Wir haben zusammen mit Straßenkreide Bilder auf den Gartenweg gemalt.«

»Und mit Andrea im Herbst Bratäpfel gebacken und an Ostern Eier ausgeblasen und angemalt.«

Stellas Blick wurde kurz düster.

»Einmal hast du dich bei ›Malefiz‹ mit mir verbündet und mich später rausgeworfen.«

Sie erinnerte sich daran, wie sie vor Zorn das Spielbrett zusammengeklappt hatte. Die Spielsteine waren durch das ganze Zimmer geflogen.

Paul lachte. »Damals warst du ziemlich explosiv und ich ein ungezogener Junge. Inzwischen weiß ich, was sich gehört.«

»Die Manieren hat dir aber nicht dein Onkel Markus beigebracht, oder?«, fragte Stella. »So weit ich weiß, bist du nach dem Abitur zum Studieren in eine andere Stadt gezogen.«

Auch ihre Ausbildung zur Netzwerktechnikerin hatte ihren Tribut gefordert. Die Besuche bei ihrer Patentante waren selten geworden.

»Tatsächlich war ich viele Jahre im Ausland und bin erst seit ein paar Monaten zurück in München.« Paul erzählte von dem Angebot einer renommierten Münchner Firma und seiner erfolglosen Suche nach einer Mietwohnung. »Ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich ich war, als Markus mir vorschlug, in ihr Haus zu ziehen.«

Paul irrte sich. Auf ihrem Weg durch den märchenhaften Garten erzählte Stella von ihrer eigenen quälenden Wohnungssuche. Sie hatte die Hoffnung schon aufgegeben gehabt und München verlassen wollen, als sich doch noch ein Ehepaar ihrer erbarmt und ihr eine hübsche Altbauwohnung vermietet hatte, noch dazu zu einer erschwinglichen Miete.

»Falls du jemals wieder eine Bleibe suchst, weißt du ja jetzt, wo du Chancen hast«, scherzte Paul. Er pflückte eine Blüte von der üppig blühenden Chrysanthemen-Rabatte und reichte sie Stella. Seine Augen blitzten lustig. »In der Villa ist Platz genug.«

***

Andrea stand an einem Stehtisch auf der Terrasse, ein perfekter Platz, um alles im Blick zu haben. Ihr Fuß wippte im Takt der Musik. Immer wieder sah sie möglichst unauffällig zu Stella und Paul hinüber. Nur wegen den beiden hatte sie auf einer Tischordnung bestanden, sehr zum Missfallen ihres Mannes. Aber schließlich hatte sich Markus in sein Schicksal gefügt.

»Inzwischen sollte ich wissen, dass du immer durchziehst, was du dir in den Kopf gesetzt hast«, hatte er lachend gesagt und sie geküsst.

Andreas Eingebung hatte sie nicht getäuscht. Sie war sehr zufrieden mit dem Verlauf der Dinge. Stella wirkte fröhlich und gelöst wie lange nicht. Kein Wunder! Sie schien hocherfreut über ihr Wiedersehen mit Paul zu sein und umgekehrt genauso. Wie aufmerksam er Stella zuhörte, mit interessierter Miene und leicht geneigtem Kopf. Ein unwiderstehlicher Anblick!

»Daran könntest du dir mal ein Beispiel nehmen«, raunte sie ihrem Mann zu, der einen Korb mit frischem Brot aus der Küche hinaus zum Buffet brachte.

»Was erwartest du von mir? Immerhin sind wir zweiundvierzig Jahre verheiratet. Dafür höre ich dir immer noch erstaunlich gut zu.«

Ein schmatzender Kuss übertönte Andreas Lachen, und Markus setzte seinen Weg fort. Seine Frau blieb nicht lange alleine. Mit einem Becher Früchtepunsch gesellte sich Alexa zu ihrer Nachbarin.

»Sag mal, wer ist denn der Mann, mit dem sich Stella so angeregt unterhält?«

»Euer neuer Nachbar«, verriet Andrea. »Paul ist Markus' Neffe. Als Kind und Teenie war er früher öfter zu Besuch, auch wenn Stella da war. Die beiden haben ab und zu mal miteinander gespielt. Und wenn ich mich nicht irre, hat es später auch mal ordentlich geknistert zwischen den beiden.« Sie nippte an ihrem Prosecco. Ihre Augen wurden schmal, und ihr Blick wanderte in die Ferne. »Wegen Abitur und Studium wurde wohl nichts draus. Paul war jahrelang im Ausland.« Ein Lächeln spielte um ihre Lippen. »Aber jetzt ist er zurück.«

Alexandra zählte Eins und Eins zusammen.

»Ich weiß genau, was in deinem Kopf vor sich geht«, sagte sie zu ihrer Freundin.

»Ach ja?« Andrea lächelte unschuldig. »Was denn?«

»Du willst die beiden verkuppeln.«

Damit hatte sie den Nagel auf den Kopf getroffen.

»Sagen wir mal so: Ich würde mich freuen, wenn Stella endlich einmal einen Mann finden würde, mit dem sie wirklich glücklich ist.«

Die Frage, ob Paul dieser Mann sein konnte, erübrigte sich. Abgesehen davon war Stella eine Traumfrau. Alexandra hatte sie nur zwei oder drei Mal gesehen. Aber diese Zusammentreffen hatten genügt, um zu wissen, dass Stella ein herzlicher Mensch war. Sobald man in ihre grauen Augen blickte, leuchtete ihr großes Herz aus ihnen heraus.

Kein Wunder, dass Andrea sich wünschte, dass diese empfindsame Seele eine Heimat fand. Sie wollte und sollte lieben und geliebt werden.

Andrea stupste ihre Freundin an.

»Schau mal, jetzt sitzen sie im Strandkorb. Das ist ein gutes Zeichen, oder?«

Alexandra lächelte in sich hinein. Ihre Freundin hörte offenbar schon die Hochzeitsglocken läuten. Aber so war Andrea nun einmal – eine Romantikerin durch und durch. Auch wenn der Weg zur neuen Wohnung nur kurz war, wusste Alexa schon jetzt, dass Andrea ihr sehr fehlen würde.

***

Stella genoss Pauls Gesellschaft in vollen Zügen. Wie von selbst plätscherte das Gespräch vor sich hin. Ein Wort gab das andere, mühelos und selbstverständlich. Schwer vorstellbar, dass sie sich seit Jahren nicht gesehen und auch keinen Kontakt gehabt hatten.

Die vertraute Umgebung, der Duft nach feuchter Erde und fallendem Laub, die unsichtbaren Vögel, die in den Ästen der alten Obstbäume murmelten und schwatzten, taten ein Übriges.

Normalerweise war Stella eher schüchtern, aber Paul machte es ihr leicht. Er stellte viele Fragen und hörte aufmerksam zu.

Der Strandkorb stand neben Stefans Rosengarten mit Blick auf die Terrasse und die Biertische. Die Gäste plauderten, im Hintergrund spielte Musik. Stella lehnte sich zurück. Sie schloss die Augen und atmete tief durch.

»Der Strandkorb war schon als Kind mein Lieblingsplatz«, sinnierte sie. »Hier konnte ich stundenlang liegen und vor mich hinträumen.«

Paul drehte den Kopf. Stella hatte die Augen noch immer geschlossen, und er nutzte die günstige Gelegenheit, seine Jugendfreundin ausgiebig zu betrachten.

Das ehemals runde Kindergesicht hatte Konturen angenommen. Die schmalen Wangen mündeten in einem aparten Kinn, die Lippen waren voller geworden. Ob sie genauso weich waren, wie sie aussahen?

Fast sofort schämte sich Paul für diesen Gedanken. Er räusperte sich.

»Wovon hast du denn damals geträumt?«

»Ach, von allem möglichen«, gab Stella zu. »Manchmal habe ich mir vorgestellt, mit dem Rucksack durch die Welt zu reisen und exotische Orte zu besuchen. Mit einer riesigen Blüte im Haar wollte ich unter Palmen am blauen Meer sitzen und Cocktails aus einer Kokosnuss schlürfen.« Sie lachten beide. »Dann wieder wollte ich ein kleines Häuschen am Waldrand besitzen. Ich träumte davon, es eigenhändig zu renovieren und gemütlich einzurichten.«

»Und? Sind diese Träume in Erfüllung gegangen?«, hakte Paul belustigt nach.

»Na ja, statt der Weltreise habe ich ein paar Abenteuerurlaube gemacht. Und aus der Hütte am Waldrand wurde eine Altbauwohnung. Aber immerhin ist die inzwischen meine Wohlfühloase.«

Ob sie es wagen und ihn einladen sollte? Aber nein, das war noch zu früh. Außerdem wollte sie ihm die Initiative überlassen. Stella schickte Paul einen verstohlenen Seitenblick. Seine Augen richteten sich inzwischen auf sein neues Zuhause.

Einen Teil ihrer Möbel wollten Andrea und Markus mit in die Wohnung nehmen, andere mussten noch aussortiert und zum Wertstoffhof gebracht werden. Vor Paul lag die große Aufgabe, der alten Villa eine Seele einzuhauchen. Ob er dazu in der Lage war?

Darüber dachte er noch nach, als ein Schatten auf ihn fiel.

»Ihr habt euch ja einen gemütlichen Platz ausgesucht«, schnarrte eine Stimme. Vor dem Strandkorb stand Edgar Claußen, ein Arbeitskollege von Markus, den Stella ein paar Mal gesehen hatte. »Habe ich euch etwa erschreckt?«

Seine Frage beantwortete sich von selbst, denn Paul und Stella waren zusammengezuckt.

»Schon gut«, murmelte Stella, obwohl das eine glatte Lüge war. Sie zwang sich ein Lächeln auf die Lippen und ließ sich von Markus' Kollegen aus dem Strandkorb helfen. »Was kann ich für dich tun?«