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Von der Urkraft des Wassers, die die Räder und Maschinen in der Mühle des Großvaters antrieb zur Atomkraft und wieder zurück zur Wasserkraft und zu den Erneuerbaren Energien. Manch einer reibt sich die Augen, wenn er liest wie der Ingenieur Gerhard Eckert das erlebt hat. Er ruft uns ins Gedächtnis, wie im dörflichen Leben des hessischen Vogelsbergs ab dem nahenden Ende des Hitlerreichs, nichts mehr so blieb wie es einmal war. Rare Geschichten, die nicht in einer Chronik stehen. Und dann war da noch ein verkrüppelter, aber gescheiter Steinmetz, der dem faszinierten Schüler von einem gerade erfundenen Apparat erzählte, der so klein wie eine Streichholzschachtel sei, aus dem unendlich viel Treibstoff käme, genug um damit demnächst die ganze Welt mit Strom und Wärme zu versorgen, und das unendlich lang. Wie diese Fantasie der Anlaß für eine ungewöhnliche Berufslaufbahn als Ingenieur wurde, die in Amerika begann und bei Siemens endete, ist spannend zu lesen. An vielen fesselnden Erlebnissen und manch skurrilen Ereignissen lässt uns der Autor miterleben, wie die gerade erfundene Atomspaltung zu einem weltumspannenden Milliardengeschäft wurde. Immer wieder dreht es sich um Menschen, die im Mittelpunkt stehen, wenn er schildert, wie seine Generation junger Ingenieure ohne Rückhalt von Vätern mit dieser riesigen technischen Aufgabe umging. Widerstand von außen und eigene Zweifel veranlassten ihn sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob und wie wir die Welt besser einrichten sollten, und das nicht nur im Fall der einst vielversprechenden Atomtechnik. Mit seinen Kenntnissen und gesammelten Erfahrungen als Manager in der Atomindustrie gab er diese untaugliche Energieerzeugung auf und gründete sein eigenes Unternehmen. Außergewöhnlich lief das ab, weil er noch während der Arbeit bei Siemens Wasser- und Windmühlen auf die Beine stellte. Er beschreibt eine Welt von Enthusiasten, die mit ihm zusammen aus Überzeugung die Wende zu den Erneuerbaren Energien in die Hand nahmen, aber damit nicht nur Erfolg hatten, sondern auch bittere Niederlagen einstecken mußten. Die Epoche der Atomkraft und der Aufstieg der Erneuerbaren Energien aus erster Hand. Ein Ingenieur und Unternehmer, der daran beteiligt war, gibt uns überraschende Einblicke.
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Seitenzahl: 371
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Gerhard Eckert, geboren 1939, studierte an der Technischen Hochschule Darmstadt Maschinenbau.
Er arbeitete 33 Jahre lang in der deutschen und internationalen Atomindustrie unter anderem bei der Kraftwerk Union als Projektleiter der inzwischen abgeschalteten Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel nahe Hamburg und leitete das internationale Servicegeschäft für Atomkraftwerke bei Siemens.
In 1995 gründete er ein eigenes Unternehmen mit dem Namen RENERTEC, das Wind- und Wasserkraftwerke entwickelt und betreibt.
Gerhard Eckert engagiert sich seit mehr als 20 Jahren energiepolitisch für die Wasserkraft auf hessischer, deutscher und europäischer Ebene. Er ist Mitglied des Vorstands des BDW, des Bundesverbands Deutscher Wasserkraftwerke.
Vorwort
Die ersten Kindheitsjahre während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Wohnhaus der Großeltern in Spielberg
Ein tödlicher Unfall, Krankheit, eine einsame junge Mutter und starke Großeltern prägten meine Kindheit
Am Ende des Krieges kommen viele Menschen auf der Spielberger Platte in Kämpfen um, und der Neuanfang ist turbulent
Französische Kriegsgefangene hielten während des Kriegs Landwirtschaft und Gewerbe in Gang
Spielberg in der NS-Zeit und anschließend die Spaltung Deutschlands
Nach dem Ende des Kriegs rückten wir in Spielberg und Neuenschmidten zusammen
Spannend war es ,wie aus der Wasserkraft in der Mühle Strom gemacht wurde und die Atomkraft künftig alle Energieprobleme auf Erden lösen sollte
Meine jungen Jahre in der Herrenmühle und neue Geschäftsideen, die maßgebend waren für das, was ich später unternahm
Außergewöhnlichen Menschen begegnete ich während des Studiums und erst recht im späteren Leben
Mein Berufsweg bei der AEG und Siemens war alles andere als eintönig, und ungewöhnlich schnell und rasant war der Auf- und Abstieg der Atomkraft
Nach der Atomkraft zu den regenerativen Energien
In meinen Lebenserinnerungen setze ich mich mit drei Umwälzungen unserer jüngeren deutschen Vergangenheit auseinander, die ich erlebt und mitgestaltet habe.
Das sind die gewaltigen Veränderungen, die sich ab dem herannahenden Ende des Dritten Reiches über die Besatzungszeit der Amerikaner bis in unser heutiges Deutschland abspielten und die ich als Kind und Jugendlicher in Spielberg und Neuenschmidten, zwei kleinen Dörfern im hessischen Vogelsberg, miterlebte.
Nicht nur erlebt, sondern mitgestaltet habe ich zunächst mit Begeisterung unsere Stromerzeugung aus den Atomkraftwerken. Dann wurde ich ein Pionier der Wende zu den erneuerbaren Energien.
Den Leser lasse ich an den überraschend alltäglichen Ereignissen im Leben eines Managers der Atomwirtschaft teilhaben, aber auch an Skurrilem und ihren technischen Defiziten.
Wusste ich als Insider so viel, dass ich mich von der Atomwirtschaft abwandte und mit meinen Kenntnissen und gesammelten Erfahrungen ein Unternehmen gründete, mit dem ich aus Überzeugung die Wende zu den regenerativen Energien in Deutschland mitgestaltete?
Von der Wasserkraft in einer alten Mühle im Vogelsberg zur Atomkraft und wieder zurück. Zwei Energiewenden in einem einzigen Ingenieurleben!
Die einzige Erinnerung eines Zweijährigen an den Vater, der danach nicht mehr aus dem Russlandkrieg heimkam.
Wie spielt sich das Leben im Haus und Hof Nr. 19 in Spielberg während des Krieges und kurz danach ab?
Die Spar- und Darlehenskasse und der Warenhandel der Raiffeisengenossenschaft Spielberg befindet sich in unserem Wohnhaus und der Großvater leitet sie.
Meine früheste Kindheitserinnerung ist die an unsere Wohnstube im Elternhaus meines Vaters in Spielberg in Hessen, wo ich am 29. September 1939 zur Welt gekommen bin.
Sie maß etwa dreieinhalb mal viereinhalb Meter, was sich mir deswegen eingeprägt hat, weil ich später – mehr als 40 Jahre danach – das Haus innen umbaute und aus der Wohnstube zusammen mit der Schlafkammer der Großeltern, der Küche und der Vorratskammer einen sehr gemütlichen großen Wohnraum machte. Mein Vater und ich befanden uns in der Wohnstube, in die es gleich rechts neben der Haustür gegenüber dem »Büro« ging, was auf einem kleinen weißen Emailleschild in schwarzen Buchstaben geschrieben stand.
Es ist die einzige persönliche Verbindung, die übrig geblieben ist mit dieser normalerweise wichtigen Person im Leben eines Menschen, neben der Mutter natürlich. Das muss so einige Monate vor meinem zweiten Geburtstag gewesen sein, also im Spätsommer 1941. Es war sein letzter Urlaub von der Wehrmacht in seinem Elternhaus in Spielberg. Ich erinnerte mich eigentlich erst viel später daran, wie ein freudiger junger Mensch mich ausgelassen immer wieder vom Boden aufhob, auf seine Schultern setzte, hochhob und das immerfort wiederholte, und dass ihm dabei die Schirmmütze vom Kopf fiel, die wohl seine Lieblingsmütze war.
Ich weiß, dass über den Wahrheitsgehalt frühester Kindheitserinnerungen gestritten wird. Ich habe darüber nachgedacht: In der Zeit davor war der Vater sicher auch schon auf Urlaub von der Wehrmacht in seinem Elternhaus gewesen. Da war ich aber wahrscheinlich noch viel zu jung, um mich an ihn erinnern zu können. Als mir später bewusst wurde, dass ich ohne Vater aufwuchs, hat sich dieses Erlebnis in meinem Gedächtnis entwickelt und festgesetzt.
Die Mütze wurde von seinen Eltern aufgehoben als Erinnerungsstück an ihren Sohn, der am 2. November 1941 im Russlandkrieg, nicht weit entfernt von Moskau, in einer Spähtruppaktion seiner Kompanie im Nahkampf fiel. Das war bei dem Ort Stara Rusija und wurde so von überlebenden »Kameraden«, wie meine Mutter später immer wieder erzählte, geschildert. Er hatte wohl meiner Mutter auf einer Feldpostkarte, die erst nach seinem Tod ankam, geschrieben, dass sie in der Ferne die Häuser Moskaus sehen würden. Wahrscheinlich war da aber ein Stück Euphorie dabei, denn es sollen noch circa 40 Kilometer bis nach Moskau gewesen sein.
November 1941, das Soldatengrab meines Vaters 40 Kilometer vor Moskau
Ich kann mir das aber gut vorstellen, denn bis dahin war ja die Wehrmacht sozusagen pausenlos vorwärtsgekommen und er war von Anfang an, also seit Juni 1941, im Russlandkrieg dabei.
Es ging alles noch geordnet zu und deshalb erhielt meine Mutter die Fotografie seines Grabes mit einem Birkenkreuz, auf dem sein Name und der Todestag standen, umrahmt von Gräbern mit ebensolchen Kreuzen, auf denen die Namen zweier mit ihm gefallener Kameraden geschrieben waren. Das war das Ende eines jungen deutschen Mannes, der bis dahin, mit nur kurzen Unterbrechungen, mehr als sechs Jahre als Wehrmachtssoldat ausgebildet worden war und bis zu seinem Tod die Kriege Hitler-Deutschlands, zum Schluss als Obergefreiter, mitgemacht hatte. Es waren vorher die Kriege in Polen und in Frankreich gewesen.
Mein Vater hat viel fotografiert und es existieren zahlreiche Bilder mit Beschriftungen aus den Kriegsjahren. Man sieht ihn darauf auch manchmal fröhlich und in fast freundschaftlicher Runde mit Zivilisten während der Besatzungszeit in Frankreich. Wie ich später immer wieder von seiner sehr traurigen Mutter hörte, ging er mit seinen Mitmenschen liebenswürdig und hilfsbereit um. Sie weinte sehr oft über seinen frühen Tod. Übrig von ihm blieb die Schirmmütze als Erinnerung. Die hat seine Mutter in Ehren gehalten und ihrem kleinen Enkelsohn das so vermittelt. Für meine Kindheit hatte sein Tod natürlich prägende Folgen, denn von nun an lief das weitere Leben anders ab, als man sich das normalerweise in einer jungen Familie vorgestellt hätte.
An dieser Stelle möchte ich die Frage aufwerfen, die sich mir später wiederholt stellte: Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn der Vater aus dem Krieg zurückgekommen wäre? Sein Tod hat, weil dieses einschneidende Ereignis am Anfang meines Lebens eintrat, dessen gesamten Ablauf in Bahnen gelenkt, die andernfalls völlig anders verlaufen wären. Ich möchte das nicht ausmalen, sondern unbeantwortet stehenlassen. Mein Leben hätte dann aber sicher nicht die Dimension und die Konsequenzen gehabt, die eine Auseinandersetzung damit rechtfertigen würden. Dieses summarische Urteil möchte ich aber fällen: Mein Leben wäre wesentlich einförmiger abgelaufen, als es gewesen ist. Das kommt mir in den Sinn, wenn ich darüber nachdenke, wie es war und wie viele Einflüsse ihm die Richtung gaben, die es genommen hat. Die hätte es alle nicht gegeben, wenn der Vater den Krieg überlebt hätte.
In den nächsten vier Lebensjahren ging ja nicht nur der schlimme Krieg weiter, sondern eine gerade mal 25 Jahre alte junge Frau musste sich bei all der Trauer über das immer nur kurzfristige Zusammensein mit ihrem Ehemann – meine Eltern hatten 1939 erst kurz vor meiner Geburt geheiratet – auch noch mit ihren Schwiegereltern arrangieren, denn in deren Haus lebte sie zusammen mit mir, wie es damals, jedenfalls auf dem Land, üblich war.
Und wie muss man sich das Haus, besser gesagt »die Hofreite«, wie man das früher nannte, vorstellen, in dem sich das Leben abgespielt hat und in dem ich während der ersten sieben, besser gesagt zehn Jahre aufwuchs, in Spielberg, der Burgstraße Nr. 1. Bevor die Gemeinde den Straßen in Spielberg Namen gab, hatte es einfach Haus Nr. 16 geheißen.
Dem kleinen Buben gefiel im Wohnzimmer am besten der gusseiserne Ofen, der an Sonn- und Feiertagen mit Buchenholzscheiten »angesteckt« wurde, weil der so eigenwillig mal laut, mal leise vor sich hin blubberte und ab und zu knackend und auch mal krachend auf sich aufmerksam machte, bis die letzten Holzspäne dran waren und das Feuer langsam abbrannte. Dann legte die Großmutter ein Holzscheit nach oder zwei, damit das Feuer nicht ausging.
An diesem Spätsommertag war der Ofen natürlich nicht an, denn das war er nur im Winter und da auch nur an Sonn- und Feiertagen, damit das sogenannte Losholz reichte, das für das ganze Jahr in Festmetern gerechnet aus dem Büdinger Wald geholt wurde, wo es jeder Familie in festgelegter Menge – das war von der Zahl der Familienmitglieder abhängig – vom Fürst Ysenburgschen Forstamt zugeteilt wurde. Diese Allmende ist heute ausgestorben, weil die Einwohner der Dörfer später lieber Öl zum Heizen bevorzugten. Das konnte bequemer gehandhabt werden.
Viel später, während meiner Zeit als Schüler am Gelnhäuser Gymnasium, hackte ich jedes Jahr für meine Großmutter in der Burgstraße die ihr zugeteilten drei Festmeter Buchenholz mit der Axt zu kleinen Scheiten, die der Holzschneider Weber aus Wittgenborn mit seiner fahrbaren, dieselgetriebenen Bandsäge von meterlangen Stämmen in kurze Stücke gesägt hatte. Vorher hatten die Pferde des Neuenschmidtener Großvaters die Buchenstämme auf dem Leiterwagen vom Wald nach Spielberg gezogen. Seitdem, und heute noch besser, kann ich gut einschätzen, wie viel Liter Pferde- und Menschenschweiß im Heizwert eines Festmeters selbst gemachten Brennholzes enthalten sind. Es gab übrigens auch damals schon zwar naturnahe, aber ökologisch »nicht einwandfreie« Braunkohle, die aus der Grube Maria, ebenfalls im Büdinger Wald nahe Wittgenborn gelegen, geholt wurde. Die wurde auch in den Öfen der Häuser verbrannt.
In der Wohnstube saßen wir, besonders gerne an kalten Winterabenden, neben dem wärmenden Ofen auf dem damals schon altersschwachen Familiensofa mit seinem geschwungenen Holzrahmen, das laut knarrte, wenn ich darauf herumhüpfte. Es war mit zartem, samtigem Stoff bezogen, der meinen Kinderhänden guttat, wenn ich ihn anfasste. Er hatte eine graugrüne Farbe und war mit vielen kleinen Blüten bedruckt. Das hat sich mir damals schon als so schön und gemütlich eingeprägt, dass ich das Sofa später restaurieren ließ. Es fügt sich heute mit allen Erinnerungen, die ich daran habe, als Kontrast und harmonisch zugleich in unsere sonst modern und eher sachlich gehaltene Frankfurter Wohnungseinrichtung. Der Restaurator ordnete das Sofa den sogenannten Mainzer Sitzmöbeln zu, die in unserer Gegend wohl häufiger vorkommen. Es war wahrscheinlich von den Großeltern um die vorletzte Jahrhundertwende als Teil ihrer Aussteuer zur Hochzeit gekauft worden.
Als weitere Einrichtung in der Wohnstube hat sich mir noch der Schreibtisch mit Aufsatz eingeprägt, der, wie die Großmutter sagte, meinem Vater gehört hatte. Auf dem lagen aber nie Schreibsachen, weil der sich ja im Krieg befand und ihn davor sehr selten oder vielleicht gar nicht benutzt hatte. Von der Wohnstube gingen die Großeltern abends direkt in ihre Schlafkammer, in der die beiden Betten rechtwinklig zueinanderstanden und es außer zwei Nachttischchen nichts weitergab. Es war darin etwas düster, weil es nur ein kleines Fenster gab, und ich wollte dort nicht gerne schlafen, was meine Mutter ab und zu einmal verlangte, wenn sie nicht da war und ich bei der Oma bleiben sollte.
Das kleine Fenster kam mir ganz wichtig vor, weil der Großvater es frühmorgens hastig aufriss, was er nicht nur tat, um die verbrauchte Luft hinauszulassen, sondern er saugte – ich konnte es deutlich hören – tief die frische Morgenluft in sich hinein und hustete laut. Der Großvater litt nämlich an Asthma. Dies war auch der Grund dafür, dass mindestens einmal in der Woche der Dr. Müller aus Wächtersbach mit seinem schwarzen Auto zu unserem Haus kam. Das war der Hausarzt, der dem Opa dann eine Spritze in die Armbeuge gab und Asthmapulver auf einem Rezeptblock verschrieb, das der sich aus kleinen Papiertütchen in den Mund schüttete, wenn er häufig auch tagsüber »keine Luft bekam«. Das ordnete immer die Oma an und schon als sehr kleines Kind fühlte ich, dass Krankheit etwas sehr Schlimmes ist, denn die mir so stark erscheinende Großmutter klagte und weinter darüber an vielen Tagen, mindestens so häufig wie über den gefallenen Sohn.
Vom schmalen Hausflur aus – die Großeltern sagten »Ern« dazu, was, wie ich später lernte, aus dem Althochdeutschen stammt und wonach immer in Kreuzworträtseln gefragt wird – ging es über eine schmale Treppe in den ersten Stock. Dort befand sich mein und meiner Mutter gemeinsames Schlafzimmer.
Im heute untergegangenen Spielberger Dialekt, den ich noch selbst sprechen kann, gab es auch andere Assoziationen an die weit zurückliegende Sprache unserer Vorfahren. So sagte der Großvater zum Beispiel: »Enich nächts onnern«, was auf Hochdeutsch »Vorgesternnachmittag« heißt. Erklären möchte ich das damit, dass die Alten statt der Tage die Nächte zählten. In »onnern« klingt das englische »afternoon« unserer gemeinsamen Vorfahren an. Warum blieb das in Spielberg so lange erhalten?
Und es gab da noch eine große Stube. Die war vermietet. Darin wohnte die Krankenschwester, die eine feste Einrichtung in Spielberg und für alle Menschen und Familien eine wichtige Person war. Ich denke an die Schwester Hertha. Sie hat sich mir mit ihrer randlosen Brille und dem weißen Diakonissenhäubchen auf dem hinten zusammengesteckten Haarschopf eingeprägt.
Die Küche war der hauptsächliche Aufenthaltsplatz der Großeltern und von meiner Mutter und mir. Neben einer Holzbank, Stühlen und dem Tisch gab es den großen Küchenherd, in den ebenfalls Scheitholz gelegt wurde, das verbrannte und die Herdplatte und den Bratofen auf Temperatur brachte. Die Besonderheit aus heutiger Sicht war der eingemauerte Kupferkessel, den ich eigentlich nur deswegen in Erinnerung behalten habe, weil sich um den alles drehte, wenn zweimal im Jahr ein Schwein geschlachtet wurde und darin die Wurst und das Wellfleisch gekocht wurden.
Ob darin auch die sogenannte Kochwäsche vor dem Bleichen draußen im Grasgarten behandelt wurde, ist mir nicht im Gedächtnis geblieben, aber es muss wohl so gewesen sein, denn außer großen Töpfen auf dem Herd bot sich dafür nichts an. Die Waschmaschine war zwar schon erfunden, war aber eine Luxuseinrichtung, genau wie ein Kühlschrank. So etwas gab es in Spielberg nicht.
Dann gab es da noch den Spülstein. Das war ein emaillierter Stahltrog. Er war an die Wand geschraubt und hatte einen Abfluss direkt nach draußen in den Graben hinter unserem Haus. Unter ihm war der Eimer mit dem Wasser aus dem eigenen Brunnen im Hof abgestellt. Das Essgeschirr wurde in der Spülschüssel gereinigt und das geschah nur mit heißem Wasser, ohne dass Spülmittel zugesetzt oder Seife benutzt wurde, weil es die Großmutter anschließend den beiden Schweinen in den Trog schüttete, die nebenan im Stall gehalten wurden, genauso wie eine Kuh, die die Milch für uns gab, sowie die sieben Hühner und der Hahn, die für die Eier zuständig waren, von denen ich immer nur den gelben Dotter und nicht das Eiweiß essen durfte, weil das laut meiner Mutter ungesund war, mir aber viel besser schmeckte.
Überhaupt war ich ein sogenannter Schneuber. Das ist jemand, der nicht alles isst, was ihm vorgesetzt wird: Das Schweinefleisch habe ich überhaupt nicht gern gegessen, obwohl es damals viel schmackhafter war als heute, denn die Schweine fraßen ja nur das, was auch wir aßen, sie bekamen kein Fertigfutter, kein Sojaschrot und schon gar keine Hormone oder gar Medizin. Und ich mochte auch nicht gerne unsere Kuhmilch, höchstens sauer gewordenen Rahm oder frische Butter direkt aus der Molkerei, die sich geradewegs gegenüber unserem Haus befand.
Ja, wo hat man sich damals gewaschen und wo wurde gebadet? Baden gab es nicht, noch nicht einmal im Sommer. Dafür waren höchstens die großen Teiche ganz in der Nähe am Weiherhof da. Die Spielberger verfügten dort über einen Holzsteg, über den man nach etwa einer halben Stunde Fußweg direkt zum Schwimmen oder Baden gehen konnte. Aber die Großeltern und die Mutter konnten nicht schwimmen, wie die meisten Spielberger, und sie gingen da nicht hin. Ich sehr wohl, aber erst viel später und ich erlernte es dort auf dem glitschigen Lehmboden des Erlenwiesen-Weihers.
Also gewaschen haben wir uns beziehungsweise wurde ich von meiner Mutter oder der Großmutter in der emaillierten Waschschüssel in der Küche. Im Sommer, wie in aller Regel auch an kalten Wintertagen, gingen wir alle über den Hof. Dort stand neben dem Kuhstall eine circa zwei mal zwei Meter große Bretterhütte. Die hatte ein Ziegeldach. Drinnen, hinter einer mit einem Eisenhaken verschließbaren Tür, gab es einen etwa stuhlhohen Podest aus Brettern mit einem fußballgroßen Loch in der Mitte der Abdeckung. Darauf setzte man sich. Als Toilettenpapier dienten die gelesenen Zeitungen. Manchmal lasen die Erwachsenen sie auch da noch zu Ende. Das Plumpsklo stand direkt auf der Jauchegrube. Dort hinein schütteten meine Mutter oder die Großeltern am anderen Morgen auch das, was in den kalten Winternächten im Nachttopf unter den Betten aufgehoben worden war.
Es gab auch noch etwas, was vor und nach dem Schlafengehen hin und her getragen wurde, nämlich die Wärmflasche. Sie war anfangs oval und aus grauem Blech und hinein passte ein Kochtopf voll von auf dem Herd heiß gemachtem Wasser. Später, ich weiß nicht warum, vielleicht, weil das billiger oder moderner war, wurde sie von einer flachen Flasche aus rotem Gummi abgelöst. Vielleicht auch, weil diese sich besser an den Körper schmiegte. Heiß war die Wärmflasche anfangs auf jeden Fall, sogar so heiß, dass die zarte Kinderhaut leicht beschädigt wurde, wenn die Mutter oder Großmutter sie nicht sorgfältig genug in ein Tuch eingepackt neben mich ins Bett legten. Mehr faszinierten mich statt der Wärmflaschen die zwei großen Ziegelsteine, die mein Neuenschmidtener Großvater allabends im Winter auf der Herdplatte warm machte und mit sich zum Schlafen nahm.
Heute wundere ich mich darüber, denn im Neuenschmidtener Wohnhaus gab es damals schon eine Zentralheizung. Die wurde aber nur während der Wintermonate in Gang gesetzt und das nur an Wochenenden, weil sonst Kohle oder Koks nicht reichten, die nur einmal im Jahr vom Kohlehändler Dietz aus Schlierbach angefahren und in den Kokskeller geschüttet wurden. Mehr war nicht üblich.
In der Scheune, auf der Tenne hinter dem großen Tor, wurde anfangs noch das selbst geerntete Getreide an einem Tag im September mit einer von Scheune zu Scheune gefahrenen Dreschmaschine gedroschen. Davon gab es in Spielberg zwei. Die gehörten den Familien Gleis und Erbe und die droschen für Lohn das Getreide der noch zahlreichen Bauern in Spielberg und Umgebung. Ich schätze, dass das zu Zeiten meiner Kindheit in Spielberg allein circa 50 waren, gegenüber heute zwei oder drei. Die Dreschmaschinen waren in meinen Kinderaugen überaus große Maschinen. Ihre ursprünglich rote Farbe war etwas verblichen und sie wurden am Vorabend des eigentlichen Dreschtages mit schweren Lanz Bulldogs von der Dreschmaschinenmannschaft – das waren zwei bis drei Männer – in die engen Scheunen bugsiert und exakt »in die Waage« ausgerichtet. Erst viel später, während meines Maschinenbaustudiums, ging mir auf, wie wichtig das genaue Ausrichten für das exakte Drehen der Räder ohne Unwuchten und für das Heben und Fördern des Getreides war genauso wie für das geräuschlose Rütteln der Siebe. Die Lanz Bulldogs trieben anderntags unermüdlich Stunde um Stunde über einen langen Flachriemen aus Leder und ein Schwungrad die vielen Räder der Dreschmaschine an. Das waren für das kleine Kind die ersten nicht von Pferden oder Kühen und Ochsen gezogenen Fahrzeuge, denn Autos gab es im Dorf höchst selten zu sehen.
Von großer Wichtigkeit war nicht nur für mich als Kind, sondern für die gesamte Familie die Tatsache, dass wir einen eigenen Brunnen für das Trinkwasser direkt vor dem Wohnhaus hatten, unter einem prächtigen Lindenbaum.
Es hat mich fasziniert, wenn der gusseiserne Pumpenschwengel von der Mutter, dem Großvater oder der Großmutter nach oben gehoben und mit voller Kraft nach unten gedrückt wurde und dabei sich das klare, kühle Wasser durch das verzierte Ausgussrohr in den darunter an einer Zotte hängenden Wassereimer ergoss. Da brauchte man circa 20 Hübe, um den Eimer zu füllen.
Ein bisschen aufgeregt war meine Mutter immer, wenn die Pumpe trotz mehrerer Anläufe kein Wasser spie. Dann wurde der Großvater herbeigerufen, der mit Geduld und Geschick solange aus einem Becher Wasser von oben in das gusseiserne Pumpenrohr goss, bis die Leder-dichtungen drinnen wieder feucht waren und luftdicht abschlossen, damit das Pumpengestänge das Wasser aus dem circa vier Meter tiefen Brunnen nach oben heben und in den Eimer fördern konnte.
Nun aber zu den Besonderheiten unseres Wohnhauses. Da gab es Mitbewohner und hauptsächlich viele Besucher. Es war nämlich kein reines Wohnhaus und auch nicht eines, in dem allein meine Großeltern, meine Mutter und ich wohnten, wie es sonst überall bei unseren Nachbarn üblich war. Da wohnte ja auch noch die Gemeindeschwester in einem eigenen Zimmer im ersten Stock und zahlreiche fremde Männer und Frauen kamen an vielen Tagen der Woche über die Sandsteinplatten unseres Hofes heruntergelaufen, gingen durch die Haustür und klopften gleich links an eine Tür an, über der auf dem kleinen, weißen Emailleschild in schwarzen Buchstaben das Wort »Büro« stand. Sie wollten alle zu meinem Großvater, der hieß auch der »Raiffeisen-Eckert«. Er war nämlich derjenige, der die Raiffeisenkasse innehatte oder überhaupt »Raiffeisen Spielberg« leitete, denn außer der Spar- und Darlehenskasse gehörten dazu noch die Organisation und das »Management«, wie man heute sagen würde, des Landhandels der Raiffeisengenossenschaft Spielberg.
Draußen an der Wand, links und rechts oberhalb unserer Haustür, waren zwei metallene Schilder angebracht. Darauf stand, vom Raiffeisenzeichen – das sind die beiden von einem Kreis umgebenen gekreuzten Pferdeköpfe – eingerahmt:
»DAS GELD DES DORFES DEM DORFE«.
und, was ich schon früh als Kind nicht nur las, um buchstabieren zu lernen, sondern wegen dem ich meine Mutter fragte, was es denn heißen solle:
»EINER FÜR ALLE, ALLE FÜR EINEN«.
Was meine Mutter darauf antwortete, weiß ich nicht mehr. Der Großvater schien mir aber für alle da zu sein, denn die vielen Besucher, die zu uns kamen, wollten etwas von ihm und ich merkte, dass die Leute zufrieden waren, wenn sie wieder hinausgingen. Nicht selten blieben sie auch lange im Büro, denn es wurde viel gesprochen.
Alle, die ins Büro kamen, stellten sich an ein hölzernes Stehpult, dem Großvater gegenüber, das teilweise noch schwarz lackiert, aber ansonsten wegen der vielen darauf abgestützten Arme und aufgelegten Ellbogen sehr abgenutzt und ausgeblichen war, sodass man das Holz darunter sehen konnte, oder sie setzten sich auf einen Drehstuhl vor dem Pult. Dort sprachen sie mit dem Großvater und drehten sich manchmal ein wenig auf dem Drehstuhl hin und her, was ich auch am liebsten tat, wenn ich darauf sitzen durfte, solange keine Besucher da waren.
Sie sprachen mit ihm über Zentner Weizen, Roggen und Hafer, Kalkstickstoff und Kalkammonsalpeter, aber auch über Regen, Sonne, Wind und Wetter sowie über Mark und Pfennig und über das, was sie sonst noch bewegte.
Ganz deutlich sehe ich noch, wie der Großvater eines Tages im Juni 1948 meine Mutter und mich zu sich rief und geheimnisvoll zu uns sagte: »Morgen geschieht etwas, was noch nie da war und was ich euch eigentlich gar nicht mitteilen dürfte. Aber ich brauche euch. Ihr müsst mir helfen. Da werden meine vielen Raiffeisenmitglieder Körbe voll Geld herbringen und ich muss das zählen und darüber Buch führen. Und ihr müsst mir beim Zählen helfen. Für zehn Reichsmark bekommt jeder dann eine Deutsche Mark. So soll unser neues Geld heißen. Das wird ein langer Tag. Wer weiß, ob wir das an einem einzigen Tag zählen können. Aber ich muss den Mitgliedern helfen. Sie wollen alle sofort das neue Geld haben, denn dafür kann man alles kaufen, was es bisher nicht gegeben hat. Das könnt ihr euch gar nicht vorstellen.«
Und so war es dann auch tatsächlich. Von da an änderte sich alles: kein Tauschhandel mehr, kein Schwarzmarkt, volle Regale, Apfelsinen in den Läden, schönes Holzspielzeug und Metallbaukästen für mich.
Das große schwarze Telefon klingelte häufig schrill und ich war froh, wenn es der Großvater oder meine Mutter, die ihm im Büro half, von der Gabel nahm und sagte: »Raiffeisen Spielberg, Fräulein, ja bitte.« Noch schöner klang es, wenn der Großvater selbst anfing zu telefonieren und den Hörer abnahm. Dann sagte der, nicht in seiner sonst meist üblichen Sprache im Spielberger Dialekt, sondern in liebenswürdigem Hochdeutsch, so wie ich es in der Schule lernte, zum »Fräulein vom Amt«: »Bitte verbinden Sie mich mit der Nummer 458.«
Alle Telefongespräche, egal ob sie hereinkamen oder er sie vorhatte, mussten nämlich vom sogenannten Fernamt vermittelt werden. Das war für uns in Gelnhausen.
Neben dem Telefon war da noch als technischer Apparat die schwarze, schwere Schreibmaschine. Sie stand auf einem Nebentisch und der Großvater schrieb oft darauf. Auch häufig, wie ich aus Gesprächen mitbekam, Sachen von und für »Genossen«, von denen ich aus heutiger Sicht sagen würde, die hatten nichts mit Raiffeisen zu tun und waren reine Gefälligkeiten. Mein Großvater wurde nämlich häufig um Rat gefragt, denn er konnte gut formulieren und wusste viel. Überhaupt war der »Raiffeisen-Eckert« noch lange nach seinem Tod im Jahre 1951 auf der gesamten Spielberger Platte ein Begriff. Denn auch in allen anderen Orten der Platte gab es Mitglieder der Raiffeisengenossenschaft Spielberg.
Ich selbst habe davon Gebrauch gemacht und in Gesprächen, in denen ich vermutete, dass die Gesprächspartner Bescheid wussten und ich mich bekannt machen wollte, noch jahrelang gesagt, dass der »Raiffeisen-Eckert« mein Großvater war. So war er halt!
Die ersten zehn Lebensjahre sind in einem heute nicht mehr bekannten Dorfleben in Spielberg mit ungewöhnlichen Erlebnissen gefüllt. Krankheiten und ein lebensbedrohlicher Unfall ereigneten sich an der Spielberger Molkerei.
Eine junge Mutter ist allein auf sich gestellt.
Die ersten Erinnerungen an meine Mutter sind geprägt von dem, was man das Alltägliche im Alter eines kleinen Kindes nennt. Ich erinnere mich zum Beispiel, dass ich auf Nachfrage des Alters »zwei Jahr« sagen musste, dass in unserem Hof in Spielberg ganz hoher Schnee lag mit Wänden so hoch wie ich selbst und dass ich in einem quer zum Fußende des Ehebettes der Mutter aufgestellten weißen Kinderbettchen lag, das seitlich eine Sprossenwand hatte, die die Mutter herunterklappte, um mich hineinzulegen und herauszuheben. Abends, nachdem sie mich hineingelegt hatte, musste ich immer ein kleines Gebet aufsagen, das ich aber sicher erst etwas später nachsprechen konnte. Es lautete: »Ich bin noch klein, mein Herz sei rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein.«
Ich weiß nicht genau, ob meine Mutter fromm war, aber sie suchte sicher Trost im Gottesdienst. Denn ich kann mich noch gut an die sonntagmorgendliche Spielberger Kirche erinnern, in der der Pfarrer Samer für meine Geduld ausgesprochen lange predigte. Wenn ich wegen des langen Stillsitzens unruhig wurde, wusste meine Mutter sich nicht anders zu helfen, als mir zu drohen, und dann sagte sie: »Wenn du nicht ruhig bist, kommt der herunter und schlägt dir einen Nagel in den Kopf.« Wen sie damit meinte, weiß ich nicht mehr, ob das der Pfarrer war, der hoch über uns auf der Kanzel stand, oder ob Jesus, der vom Himmel herunterkäme, ist mir nicht gewiss. Überhaupt war sie mit heutigen Maßstäben gemessen unvorbereitet oder auch altertümlich im Umgang mit ihrem kleinen Kind. Sie hatte sicher auch andere Sorgen.
Eine andere Drohung, mit der meine Mutter mich erzog, war die, dass sie mir einbläute: »Wenn du zu nahe ans Ufer dieses Wassers gehst, kommt der Wassermann mit einem langen Haken und zieht dich hinein.« Gemeint war das Ufer des Betriebsteichs der Wasserturbine an der Mühle in Neuenschmidten, ihrem Elternhaus, wo wir uns oft aufhielten.
Da war ich schon drei Jahre alt und konnte gut laufen und mich selbstständig machen auf dem großen Gelände der Mühle. Jahre später ist tatsächlich ein dreijähriger Junge aus unserer Nachbarschaft vom Ufer in den Bach geraten und ertrunken. Dieser Bach ist die Bracht, an der die Mühle in Neuenschmidten liegt.
Ihre Angst, dass mir in den unruhigen Zeiten des Krieges etwas zustoßen könnte, in denen die Menschen mehr Sorgen hatten, als ihre Kinder zu behüten, war überhaupt berechtigt. So hatte ich zwei größere Unfälle, an die ich mich noch gut erinnere. Einmal erhielt ich einen Stromschlag, als ich beim Spielen im Spielberger Hof an den wahrscheinlich unzureichend isolierten oder defekten Stecker eines provisorisch über den Hof gelegten elektrischen Kabels geriet, den ich wahrscheinlich interessant fand und in mein Kinderspiel einbezog. Der Stromschlag kam von 220 Volt Spannung und ich wurde dadurch bewusstlos, wie mir meine Großmutter später erzählte, und sie war heilfroh, als ich wieder zu mir kam. Auch die anderen, die um mich herumstanden, waren in größter Aufregung, weil sie dachten, ich sei tot. Ein zweiter ganz großer Unfall geschah, als ich schon sechs Jahre alt war, und es war wieder beim Spielen. Darauf komme ich später zurück.
Aktuell lesen wir in einigen Büchern und Dokumentationen über die frühe Kindheit meiner Generation, der Kriegskinder. Denn die war für die Allermeisten in Deutschland wenig vergleichbar mit dem, was Kinder davor und danach erlebt haben.
Ich meine die Zeit von meinem ersten bis zum zehnten Lebensjahr, die zusammenfällt mit dem Anfang des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1939 und dem Beginn des sozusagen normalen Lebens nach der Währungsreform 1948. Von wie vielen toten Menschen habe ich in dieser Zeit erfahren und wie viele davon gab es direkt um mich herum. Mit zig, ja mit hunderten Menschen bin ich zusammengekommen, die ständig neu hinzukamen. Sie gehörten nicht zum Dorf, geschweige denn zur Familie. Aber heute erscheint mir es so, als hätten sie immer dazugehört, und es war ja auch so. Ich erinnere mich, wie selbstverständlich das Zusammenleben mit ihnen war und wie fremd es mir heute erscheint, wenn ich manchmal lese, dass das nicht so gewesen sein soll. Ich meine die vielen Heimatvertriebenen, Flüchtlinge nannte man sie damals, aus dem deutschen Osten.
Das alles traf damit zusammen, dass meine Mutter in ihren jungen Jahren und mit dem kleinen Bub alleine war und dass der Tod meines Vaters sie und natürlich seine Eltern sehr bedrückte und traurig machte.
Dies ging einher mit dem Üblichen, was das Aufwachsen eines kleinen Kindes betrifft. Da hatte ich regelmäßig mindestens zweimal im Jahr hohes Fieber wegen ständiger Mandelentzündungen. Diese wurden, als ich acht Jahre alt war, zwar herausgenommen, entzündeten sich aber weiterhin, weil sie nur »gekappt« waren, wie man das damals nannte. Diese Mandelentzündungen hielten an, bis ich mehr als 30 Jahre alt war, und brachten mir Herzprobleme – nicht wirklich schwere –, aber mit denen ich mich ein Leben lang herumschlagen sollte. Seit circa meinem 30. Lebensjahr nehme ich regelmäßig Betablocker ein, um die Folgen der Narben im Herzmuskel, die von daher stammen, im Griff zu behalten. Wie gerne ließ ich mich vom Großvater am Krankenbett mit den gelbroten Herzkirschen aus unserem Garten verwöhnen. Und dies verbot ihm meine Mutter und schimpfte mit ihm, weil es gegen die von ihr als notwendig angesehene Krankendiät verstieß.
Ich erinnere mich an ein besonderes Krankheitsereignis, das ausgerechnet mit der Ankunft der amerikanischen Soldaten in Spielberg an Ostern 1945 zusammenfiel. Die hatten kistenweise frisch hergestellte Butter in der Molkerei der Spielberger Molkereigenossenschaft abgeholt, die unserem Haus gegenüberlag und mich mit ihrem hohen Schornstein beeindruckte. Diesen Schornstein hat der Nachbar Kurt Wies erst vor einigen Jahren abgerissen, als er die in den 1970er Jahren stillgelegten Gebäude und die Einrichtung erwarb und Wohnungen daraus machte. Deswegen vorab noch das: Mich hat der Schornstein sehr fasziniert, da er direkt in mein Kinderbett durch das Fenster auf mich blickte. Damals hatte er noch die graue Farbe seiner ursprünglichen Mauersteine, die später jemand dunkelrot anstrich, als ich schon nicht mehr in Spielberg war.
Aber dunkelrot begrüßte er mich und meine junge Familie, als wir Anfang der 1980er Jahre unser altes Fachwerkhaus zu einem äußerst gemütlichen Wochenend- und Freizeitheim machten, nachdem mir meine Großmutter es einige Jahre vor ihrem Tod vererbt hatte. Das war uns mit allem Drumherum, dem basaltsteingepflasterten Hof, dem wunderschönen Stauden- und Gemüsegarten, den Geranien und Rosen vor den Fenstern so hoch wie das Dach und der Scheune samt dem ehemaligen Stall so gut gelungen, dass das Anwesen offiziell geschützt und im Denkmalbuch des Landes Hessen eingetragen wurde. Dazu trug natürlich auch die prächtige Linde am Hofeingang über der Wasserpumpe bei, die – ich weiß nicht, wie das geschehen ist und von wem das erlaubt wurde – die spätere Käuferin des Anwesens, die Familie Roth, umsägen ließ.
Wer allerdings in der Vorkriegszeit beschlossen und erlaubt hatte, die nicht gerade dörflichen Bauwerke einer Molkerei samt hohem Schornstein mitten in das sonst so schöne Dorf Spielberg zu setzen, ist ebenfalls fragwürdig. Und dies obendrein auf den Boden und den Resten der Spielberger Burg, die dort die Vorfahren der Ysenburger Fürsten schon im 14. Jahrhundert errichten ließen. Davon war zwar sicher nicht mehr viel übriggeblieben, nachdem die Burg im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, aber die Reste der Grundmauern des Burgfrieds sind heute noch zu sehen und in den 1980er Jahren forschte man gezielt um die Molkerei herum im Boden nach. Und siehe da, viele uralte Sachen kamen zum Vorschein: Schmuck, Teller, Krüge, Gürtelschnallen, Gläser. Im Spielberger Museum ist einiges davon ausgestellt. Wie viel davon wird noch unter den großen Molkereigebäuden verborgen sein, in denen der Kurt Wies drei Wohnungen untergebracht hat?
Nach diesem Abschweifen knüpfe ich wieder an den April 1945 an. Als die Amerikaner die Butter in der Molkerei abgeholt hatten, zogen sie plötzlich ein rotweißes Band an unserem Hof entlang und sperrten den damit ab. Aber gegen wen? Es gab ja ohnehin kein Fahrzeug, das hineinfahren wollte. Ich weiß nicht, wie, aber meine Mutter hatte herausgefunden, dass unser Hof auch nicht betreten und niemand von uns ihn verlassen durfte.
Als dann später unser Hausarzt, der Dr. Müller aus Wächtersbach, kam – ich weiß gar nicht, wie der sich fortbewegt hat, in den geordneten Zeiten davor war er noch in einem schwarzen Auto zu den Patienten gefahren –, sagte er, meine Krankheit sei verdächtig und ich hätte möglicherweise Diphterie. Die Familie war schockiert. Ich merkte das zwar, aber es berührte mich nicht, weil ich die Situation nicht einschätzen konnte. Zu unserem und besonders meinem großen Glück erhielt meine Mutter zwei Tage später die erleichternde Nachricht von ihm, es sei gar keine Diphterie, sondern nur wie so häufig vorher wieder eine normale Mandelentzündung. Er habe halt vorsichtshalber und um in der unklaren Lage, in der jetzt die »strengen« Amerikaner herrschten, keine Fehler machen zu wollen, die Militärpolizei über den Verdacht informiert. Und das sei dabei herausgekommen.
Mit der Molkerei verbindet mich das wohl schlimmste Ereignis meiner Kindheit. Das würde ich so antworten, wenn mich jemand danach fragte, und das geschah ein knappes Jahr später.
Es war ein schwerer Unfall, bei dem einige, die dabei waren, schon wieder glaubten, ich sei tot. Aber eine Tote gab es tatsächlich.
Es war so: Der Molkerei gehörte schon kurz nach Kriegsende ein Lkw, mit dem die frisch gemolkene Milch der damals zahlreichen Bauern aus den umliegenden Dörfern in Kannen jeden Morgen eingesammelt und zur Verarbeitung in die Molkerei geholt wurde. Fertige Produkte, wie Butter oder Frischkäse, wurden weggefahren zu Läden und auch wieder zu den Bauern. Natürlich war auch haltbar gemachte Frischmilch dabei und später ein sehr guter Joghurt. Der wurde vom Hans Jost jeden Tag direkt bis nach Frankfurt gefahren, wo er in einigen Lebens-mittelgeschäften reißenden Absatz fand. Aber das war dann schon Jahre später. Der Hans war ursprünglich alleinstehend als Flüchtling nach Spielberg gekommen und hatte die Lydia Kurz geheiratet. Jahre später überwachte er meine beiden Wasserkraftwerke am Eisenhammer und an der Herrenmühle und hielt sie zusammen mit mir instand sowie auch den Spielberger Hof und Garten.
Damals nannte man den Frischkäse in Spielberg »Matte« und die Spielberger selbst »die Mattesäck«, besonders in den Nachbardörfern. Der Abname »Mattesäck« kam von dem Utensil, das zahlreiche Bauersfrauen zu Hause neben dem Herd hängen hatten und in dem die hauseigene Matte vor sich hin gärte. Hineingefüllt hatte man vorher sauer gewordene Dickmilch. So sah ich das jahrelang in vielen Haushalten, in denen ich herumkam. Warum das so war, werde ich später noch beschreiben.
Die Milchkannen vom vorausgegangenen Tag wurden übrigens beim Einsammeln der neuen jeden Morgen wieder zu den Bauern zurückgebracht. Aber nicht leer, sondern sie waren mit Molke gefüllt, dem grünlich schimmernden wässrigen Überbleibsel, nachdem aus der Milch die guten, oben beschriebenen Produkte gemacht worden waren. Die Molke schütteten die Bauern den Schweinen in den Trog. Weil das heute nicht mehr so ist, schmeckt – vermute ich – das Schweinefleisch gar nicht mehr gut. Aber ich weiß es nicht, denn ich aß es schon damals nicht gerne. Wahrscheinlich auch – egal, wie viel Molke die Schweine gesoffen hatten – deswegen, weil ich bei jeder Hausschlachtung, was für viele, auch in meiner Familie, ein Fest war, am liebsten davongelaufen wäre, um das arme Schwein nicht in seinem kurzen Todeskampf vor dem Metzger, herzzerreißend quiekend und laut schreiend, liegen sehen zu müssen. Aus der Familie ging ein Erwachsener dem Metzger dann zur Hand und klepperte mit einem langen Holzlöffel das nach einem Stich in den Hals des Schweines in einen Eimer auslaufende Blut. Das war nötig, wie ich heute weiß, damit das Blut nicht vorzeitig gerann, denn es war unumgänglicher Bestandteil einer Spezialität jeder Hausschlachtung, nämlich der von jedem Metzger anders gewürzten Blutwurst, die von den Kindern – auch von mir – am Abend des Schlachttages zusammen mit einer Blechkanne voll Wurstsuppe den Nachbarn im Dorf zum Probieren ins Haus gebracht wurde. So hieß das, worin vorher alle Würste gekocht worden waren. Mit kleinen Brotscheiben feucht getränkt, schmeckte diese warm gehalten den meisten Leuten im Dorf sehr gut.
Nun aber zu dem schlimmen Ereignis an der Molkerei. Als eines Nachmittags im Frühjahr 1946 der Lkw an der Laderampe der Molkerei stand und dort mit Wasser aus einem Schlauch abgespritzt und gesäubert wurde, spielte ich zusammen mit ein paar anderen Buben und Mädchen auf der Laderampe irgendein Kinderspiel, vielleicht Fangen. Heute wären Spielart und Spielort so nicht denkbar, weil dafür der Spielplatz da ist und Eltern ihre Kinder dort beaufsichtigen. Jedenfalls waren ein paar Kinder von der Rampe auf den Lkw gehüpft und freuten sich darauf, dass der anfahren sollte, sodass sie ein kleines Stückchen Auto fahren könnten. Ich war wohl spät dran, wäre aber auch noch gerne ein paar Meter mitgefahren.
Das sah die Bette Farr, im Dorf das »Bettchen« genannt, die eine gute Bekannte meiner Großeltern war. Sie packte mich an den Armen und wollte mich noch auf den Lkw schleudern.
Dabei hatte sie aber wohl nicht darauf geachtet, dass der Lkw schon angefahren war. Wir stürzten beide kopfüber von der Rampe ins Leere und fielen circa zwei Meter hinunter auf das harte Steinpflaster. Ich rührte mich nicht mehr. Ein Angestellter der Molkerei, der Theo Kehm, hob mich auf und brachte mich, leblos auf seinen Armen liegend, in unser nahe gelegenes Haus.
Lautes Geschrei herumstehender Menschen und meiner Mutter ließen mich aus der Bewusstlosigkeit aufwachen. Ich lag auf dem Sofa im Wohnzimmer. Der Dr. Müller wurde gerufen. Er stellte eine schwere Gehirnerschütterung fest und ein paar Schürfwunden, aber die waren nur oberflächlich. Ich musste 14 Tage lang das Bett hüten und war dann sozusagen wieder auf den Beinen, aber mit Nachwehen, wie sich später zeigen sollte.
Furchtbar ist die Sache für das »Bettchen« ausgegangen. Sie war eigentlich gleich wieder auf den Beinen, im Gesicht klaffte aber eine große Wunde. Diese wurde auch ärztlich versorgt, aber – oh Gott – nach einer Woche starb sie unter furchtbaren Schmerzen an Wundstarrkrampf. Wer hatte schon in dieser Nachkriegszeit, in der alles durcheinandergeraten und nichts normal war, auf ausreichenden Tetanusimpfschutz geachtet?
Ein harter Schlag und eine große Bürde für die Familie der Bette Farr. Sie war erst 42 und hinterließ neben ihrem Mann ihre noch jugendliche Tochter – ich glaube, sie war erst 16 oder 18 Jahr alt –, die Herta.
Und da ist noch eine Kindheitserinnerung, die mit dem Unfall an der Molkerei in Spielberg zusammenhängt: Nach der überstandenen Gehirnerschütterung war ich nicht gesund.
Ab und zu, damit meine ich ungefähr einmal im Monat, drehte sich das vor meinen Augen, was ich gerade noch angeblickt hatte, einfach weg, und wenn ich nicht schon etwa auf dem alten Sofa im Wohnzimmer lag, fiel ich um. Darüber war meine Mutter sehr beunruhigt und eines Tages sagte sie zu mir: »Ich mache mir Sorgen um dich. Wir müssen einen Arzt fragen, was das mit deinem Schwindel im Kopf auf sich hat.«
Das war, so sehe ich das heute, eine gute Entscheidung meiner Mutter. Sie ging halt den Sachen auf den Grund und entschied schnell, wenn es nötig war. So auch später, als sie in den 1960er Jahren im Lotto sage und schreibe 40 000 DM gewann. Das war viel Geld, aber sie entschied sofort, dass dieses Geld nicht in das schon schlecht laufende Mühlengeschäft gesteckt wurde, sondern sie wollte es, und ich half ihr dabei, für die Altersversorgung aufheben und in Wertpapieren anlegen. Das war richtig so.
Das Resultat des eingeholten ärztlichen Rats war, dass sie mir sagte: »Du musst jetzt vier Wochen lang nach Bad Orb in die Kinderheilanstalt gehen. Dann werden wir sehen, ob das weggeht. Der Dr. Schäde will das so.« Er war der Leiter der Kinderheilanstalt.
Auf einer Bank im Bad Orber Kurpark
Daraufhin wurde ich ganz schnell dort untergebracht, zusammen mit 16 anderen Kindern. Die kamen aus ganz Deutschland. Nachts schliefen wir gemeinsam in einem großen Saal. Das war dort, wo sich heute die Spessartklinik befindet.
Mein Geburtstag in 1947 fiel in diese Zeit. Daran erinnere ich mich deswegen so genau, weil meine Mutter mir ein Päckchen geschickt hatte mit meinem Lieblingskuchen darin, einem Marmorkuchen, und mit Weintrauben vom eigenen Rebstock, der an der Südseite des Wohnhauses in Neuenschmidten jedes Jahr wunderbare dunkelrote, süße Weintrauben trug. Wie die Mutter es geschafft hatte, das Päckchen heil zu mir nach Bad Orb zu schaffen, frage ich mich noch heute angesichts des desolaten Postverkehrs in 1947. Jedenfalls hatte sie auch an die Tante Hannelore gedacht, von der ich ihr geschrieben hatte und die die 16 Buben betreute. Darüber, dass ich ihr den Kuchen schenken konnte, der für sie mit dabei war, freute ich mich ganz besonders. Kann man sich das vorstellen? Ich war, wie mir erst viel später klarwurde, als ich meine Gefühle einordnen konnte, in sie verliebt. Sie war 19 Jahre alt und kam aus Bielefeld. Ich wollte ganz nah bei ihr sein, wenn wir, wie es häufig der Fall war, fast jeden Tag in den Feldern und Wäldern um Bad Orb herum wanderten oder wenn wir gemeinsam abends am großen Tisch saßen, Wurst und Käse aßen und Tee tranken. Als der Abschied von ihr kam, weinte ich und vergoss viele Tränen. Und ich sah, dass auch sie feuchte Augen hatte.
Wahrscheinlich haben die Gefühle und das Zusammensein mit ihr zur Heilung von dem Schwindel im Kopf beigetragen, denn es gab, das ist mir im Gedächtnis geblieben, kaum eine ärztliche Behandlung, nur ab und zu ein Bad im Orber Heilwasser und sonst nichts. Ich fiel niemals mehr um.
Eine Sache hatte mich aber sehr bedrückt, und das war folgende: Ich war eines Nachts nicht aufgestanden und als ich am folgenden Morgen aufwachte, lag ich in einer großen Pfütze meines Urins. Darüber war ich sehr stark erschrocken und schämte mich so sehr, wie es noch nie vorgekommen war, als ich ihr das sagte. Ich dachte, jetzt ist alles vorbei zwischen ihr und mir und mit dem, was sie für mich bedeutete. Aber das war nicht so. Wir gehörten uns auch noch die verbleibenden Tage. Ich schaffte es auch noch, dass meine Mutter sie zu uns nach Hause einlud. Das war ja nicht so weit weg. Mit den beiden Kleinbahnen, der Bad Orber und der Vogelsberger Südbahn, dauerte es einschließlich Umsteigen zwei Stunden. Wir verbrachten einen liebevollen gemeinsamen Sonntag miteinander. Dann gingen die Wege auseinander und die Spuren verloren sich. Wie mag es mit ihr weitergegangen sein?
An dieser Stelle möchte ich die Frage stellen: Wer aus der Familie hat in der Kindheit mein Leben auf welche Weise mitgeprägt und womit zu dem beigetragen, was aus mir und meinem Leben geworden ist? Darauf würde ich Folgendes antworten: Der Neuenschmidtener Großvater hat mir mitgegeben: »Sei selbstständig und unabhängig«, und die Spielberger Großmutter: »Setze dir Ziele und lasse dich nicht von dem Weg dahin abbringen.«
Das möchte ich an einfachen Sprüchen festmachen, die beide oft wiederholten.
